ersten Eintritt in die Wissenschaft verbunden wird, daß die Frische des Jüng-lingsalters hinzutritt und die Wechselwirkung vieler, die gleichzeitig denselbenEindruck an sich erfahren, das ist es, was den Universitäten ihren hohen,durch nichts zu ersetzenden Wert verleiht. So kann man auf sie anwenden,was ein großer Meister in anderer Verbindung gesagt hat: „Schreiben ist einMißbrauch der Sprache, stille für sich lesen ein trauriges Surrogat der Rede.Der Mensch wirkt alles, was er vermag, auf den Menschen durch seine Persön-lichkeit, die Jugend am stärksten auf die Jugend, und hier entspringen auchdie reinsten Wirkungen. Diese sind es, welche die Welt beleben und wederphysisch noch moralisch aussterben lassen." (F. K. v. Savigny, VermischteSchriften, 1850.)
WIDERSTAND IN GEFAHR
Es gibt für jedes Volk Zeiten, wo die Vorsehung (welche nicht Schlummer undWeichlichkeit, sondern Anstrengung und Entwicklung der Menschheit zumZiele gesetzt hat) durch eine drohende Not es gleichsam aufruft, aufzutreten,darzustellen, ob etwas in ihm sei, ob es noch ferner unter den Nationen einenRang verdiene, und was für einen. Gewöhnliche Maßregeln verlieren als-dann die gewohnte Kraft; bald sollte man glauben, daß die gewissesten Grund-sätze und Wahrscheinlichkeitsberechnungen, daß die sichersten Data, dievernünftigsten Erwartungen einsmals falsch geworden: alle Macht, alle Kunstscheint eiserner Notwendigkeit zu weichen und Himmel, Elemente, Disposi-tionen, Meinungen, Gefühle, sich verschworen zu haben, einem gewaltigenFeind Unaufhaltbarkeit zu geben, es stürmen Winde und Wogen, durch derenStoß alle Grundfesten erbeben.
Wer in solchen Augenblicken nicht wagt, die Gefahr ins Auge zu fassen,der Mensch von Erde und Staub ohne inwohnenden Geist, die Kinder undSpiele des Glücks, die Sklaven vorüberschwindender Eindrücke, anscheinen-der Privatvorteile, blinden Parteigeists, Hasses und Neides; Leute, deren Herzstolz und verzagt, nichts in sich fühlt, was Prüfung aushielte, die Schwätzer,die Schreier und ihre Hörer, selbstsüchtige Schwachköpfe, ohne Kraft, ihrInteresse in dem Allgemeinen zu suchen! Menschen solcher Art, Völker, diesolche Leute hören, vergessen, verraten sich, geben sich hin, weichen, gehenunter, zugrund.
Nationen von weniger blendendem Witz als gesundem Verstand, rechtliebendeLandleute, biedere Bürgersmänner, Priester voll Gott, ein Adel, welcherin Größe der Aufopferung seinen Vorzug sucht, Beamte, die, auf das Bewußt-sein verdienstvoller Arbeit geizig, ihren Kindern rühmliches Beispiel und einenheiligen Kreditbrief auf den Dank des Fürsten und Volks hinterlassen wollen,Jünglinge, die nicht dem Augenblick, nicht weibisch jedem Eindruck, sondernmännlich den grauen Altern, dem allumfassenden Vaterland und der ewigenNachwelt leben: ein Volk solcher Männer mißt die Größe der Gefahr, baldfindet es sich ihr gewachsen; sein Mut, seine Eintracht beschwören die Ge-witter: es bleibt. (Johannes v. Müller, Philippiken, 1796.)
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