erinnere) durch den häufigen Gebrauch der Daktylen, welche Longin für er-habene Tongänge der Prose zum Beispiel an einem Beispiele Demosthenes' er-klärt. — Klinger in seinen Trauerspielen in Prose, welche (zumal die republi-kanischen), obwohl poetischer als seine Romane, kaum mit halber Dankbar-keit für ihre Erhabenheit jetzo gelesen oder vergessen werden, läßt schön,aber kühn wie Goethe im Egmont oder der Verfasser der Dya-nasore, immermit langer und kurzer Silbe tönen. — Görres' Fortklingen wird durch seinFortmalen und beides durch sein Fortdenken und Fortlehren gleich gewogenund meistens gerechtfertigt. — Nur Klopstock, dieser Tonsetzer und Klang-wähler in der Poesie, untersagt absichtlich seiner Mann-Prose jede Schmeicheleides Ohrs.
Immer bleibt die Gesetzgebung des Wohlklanges für die ungebunden umherirrende Prose schwierig, und leichter eine bloß verbietende des Übelklangesläßt sich geben und befolgen. Höchstens vom Ende der Perioden mag dasOhr, wie überhaupt von Musik Enden einiges Trillern begehren. Bei denAlten wurde mehr gefordert, geleistet und gefühlt, und wie auch unsereOhren sonst mit und an der Zeit gewachsen sind, so wuchsen sie doch nichtin Qualität und Intension, wenn man die einzige Anekdote bedenkt, daß dieganze römische Zuhörerschaft bei des Redners Carbo Stelle: ,,patris dictumsapiens temeritas filii comprobavit" in Jauchzen über den Klangsatz aus-brach, oder daß das nämliche ungebildete Volk über eine zu kurz oder zulang gemeßne Silbe wild auftobte. Unserm Deutschvolk macht kein Qualwortmehr Gesichtsschmerz oder Ohrzwang; jedes Wortgepolter säuselt und gleitetweich bewehend an Läppchen von Ohren vorüber, welche schon gewichtigereSachen zu tragen und zu fassen gewohnt sind, zum Beispiel Ohrringe vontonlosem Gold. (Jean Paul, Vorschule der Ästhetik, 1804.)
HEILIGKEIT DES WORTES
Wenn man über die poetische Form des deutschen Wortes spöttelt, so läuftauch manches mit unter, wodurch das deutsche Wort selbst verletzt wird.Und dieses Wort ist ja eben unser heiligstes Gut, ein Grenzstein Deutschlands,den kein schlauer Nachbar verrücken kann, ein Freiheitswecker, dem keinfremder Gewaltiger die Zunge lähmen kann, eine Oriflamme in dem Kampfefür das Vaterland, ein Vaterland selbst demjenigen, dem Torheit und Arglistein Vaterland verweigern. (Heinrich Heine, Die Romantik, 1820.)
EINHEIT VON KLANG, MAASS UND TANZ
Alles, was in der Natur tönt, ist Musik; es hat ihre Elemente in sich; und ver-langt nur eine Hand, die sie hervorlocke, ein Ohr, das sie höre, ein Mitgefühl,das sie vernehme. Kein Künstler erfand einen Ton oder gab ihm eine Macht,die er in der Natur und in seinem Instrument nicht habe; er fand ihn aber undzwang ihn mit süßer Macht hervor. Der Kompositeur fand Gänge der Töneund zwingt sie uns mit sanfter Gewalt auf. Nicht „von außen werden dieEmpfindungen der Musik erzeugt", sondern in uns; von außen kommt uns
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