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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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Glänzt aber die Dichtung von Gipfeln herab, stehen die Helden derselben wieBerge in großem Licht und haben Glieder und Kräfte des Himmels: um destoweniger gehen sie an der schweren Kette der Ursächlichkeit;. wie in Göttern,ist ihre Freiheit eine Notwendigkeit, sie reißen uns gewaltig ins Feuer ihrerEntschlüsse hinauf, und ebenso bewegen sich die Begebenheiten der Außen-welt in Eintracht mit ihren Seelen. Die Poesie soll überhaupt uns nicht denFrühling erbärmlich und mühsam aus Schollen und Stämmen vorpressen,indem sie eine Schneekruste nach der andern wegleckt und Gras nach Grasendlich vorzerret; sondern sie soll ein fliegendes Schiff sein, das uns aus einemfinstern Winter plötzlich über ein glattes Meer vor eine in voller Blüte stehendeKüste führt. (Jean Paul, Vorschule der Ästhetik, 1804.)

FORDERUNG DER GEFORMTEN PROSE

Der Prosaist verlangt und ringt in Begeisterung-Stellen nach dem höchstenWohlklang, nach Silbenmaß, und er will wie in dem Frühling, in der Jugend,in der Liebe, in dem warmen Lande, gleich allen diesen ordentlich singen,nicht reden. In der Kälte hustet der Stil sehr und knarrt.Wie oft war es dem Verfasser in der hebenden Stunde so, als müßt' er sichdurchaus ins Metrum stürzen, um nur fliegend fortzuschwimmen. Allein dasSilbenmaß ist die Melodie des Wohlklanges, und diese entzieht sich der Prose,aber einige Harmonie desselben gehört ihr zu.

Freilich gibt es einen prosaischen Rhythmus, aber für jedes Buch und jedenAutor einen andern und ungesuchten; denn wie die Begeisterung des Dichtersvon selber melodisch wird, so wird die Begeisterung großer Menschen, voneinem Luther an bis zu Lessing und Herder herüber, unwillkürlich rhythmisch.Ist nur einmal ein lebendiger und kein gefrorner Gedankenstrom da, so wirder schon rauschen; ist nur einmal Fülle und Sturm zugleich in einer Seele:so wird er schon brausen, wenn er durch den Wald zieht, oder säuseln, wenner sich durch Blumen spielt.

Bemerkungswert ist es, daß vortönender Wohlklang nicht in der Poesie unddoch in der Prose das Fassen stören kann, und zwar mehr als alle Bilder; weilnämlich diese die Ideen darstellen, jener aber sie nur begleitet. Doch kanndies nur geschehen, wenn die Ideen nicht mächtig und groß genug sind, umuns über dem Betasten und Prüfen ihrer Zeichen, das heißt der Töne, empor-zuheben und zu halten. Je mehr Kraft ein Werk hat, desto mehr Klang ver-trägt's; der Widerhall gehört in große weite Gebäude, nicht in Stuben. InJohannes von Müllers Geschichte verträgt, ja verlangt die Gewalt der Ideeden halb starren, halb widerstoßenden Klang, das dumpfe Rauschen des

lebendigen Stroms unter starrem Eis.-------

Der Vogel singt nur, wenn er Frühlingkraft und Liebtriebe fühlt; MemnonsGestalt ertönt erst, wenn Sonnenstrahlen sie berühren und wecken; ebensoerschaffe das beseelte Wort den Klang, nicht der Klang das Wort.Lessings Prose tönt uns mit eigentümlichen Reizen an, zumal in den Schluß-Fällen. Wieland befriedigt meistens durch schönen Schluß-Aushalt. Dergroße Haller entzückt in seinen Romanen (soviel ich mich aus meiner Jugend

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