nisse der Dinge untereinander, als der Dinge selbst: es ist das Element, es ist diegemeinschaftliche Luft, ohne welche die höhere französische Konversationnicht zu denken ist.
Ferner, was erhält, was belebt jenes beinah tausendjährige britische Gesprächüber das Recht, die Freiheit und alle Heiligtümer der Menschheit, dessen Herdund Mittelpunkt das Parlament ist, von wo es sich unaufhörlich verbreitetüber die Gerichtshöfe und über alle Gemeinden und Familien, und alle Gewerbeund Gespräche jener wunderbaren Insel? Nicht bloß, daß sich Charakterevon seltener Vortrefflichkeit und Eigentümlichkeit in jenem Lande be-gegnet sind, sondern daß frühe der Sinn für ein großes Gemeingut erwecktworden, worüber alle Parteien einverstanden waren, für die Verfassung näm-lich. — Daß man über eine gewisse Grundform des öffentlichen Lebens einigwar, war die Bedingung des britischen Gesprächs, wie, daß es eine gewissesittliche, von niemandem bezweifelte Grundform des Privatlebens gab, dieBedingung des französischen Gesprächs, seiner Verbreitung, seiner Belebung.Kurz, man muß über gewisse Hauptsachen einig, man muß an Geist, an Sinn,an hervorstechender Zuneigung und Abneigung wenigstens von einerlei Artsein, um über das andere recht lebhaft, innig und ohne Ende streiten zu können.Mit dem Türken und allem, was außer der großen europäischen Glaubens-verbindung stand, gab es nach den Ansichten unsrer Vorfahren keine Nego-ziation, kein Gespräch —■ und es ist sicherlich ein Sophist und kein Redner,der nicht bloß schweigt, aber dem nicht das Talent der Rede ohne Absicht,ohne Vorsatz im Munde verlöscht, wenn er sprechen soll mit Gegnern, diedieses Gemeinschaftliche verleugnen.
Jeder von uns hat es erfahren, daß, wenn es darauf ankommt, einen andernzu überzeugen, und alle Gründe und alle Beweise, welche der kalte Verstandgesammelt hat, nunmehr erschöpft und an der verschlossenen Herzenstürdes Gegners ohne Wirkung umgekehrt sind, sich, vielleicht bei der zufälligenErinnerung an etwas gemeinschaftlich Verehrtes oder Geliebtes, plötzlichein Verständnis eröffnet. Dies ist der Augenblick, wo wir den Geist der Be-redsamkeit über uns kommen fühlen, wo das eigentliche Gespräch beginnt,und wo nun jedes Wort seine Stelle findet. Deshalb verfehlen die Rührungen,auch in dem Munde des schlechten Redners, so selten ihren Zweck: sie bereitenein gemeinschaftliches Element zwischen dem Redner und seinem Hörer,worin sich dann alles übrige leichter berührt. — —
Es hat Zeit gebraucht, bevor wir Deutschen ein dem Bewußtsein unsers ernstenund heiligen Willens zu der gerechten Anerkennung der Vorzüge unserer Nach-barn gekommen sind. Das ist die große Beschwerde unseres Lebens: stattjenes harmonischen Ineinandergreifens wirbelt es durcheinander bei uns wieder Gesang der Vögel im Walde, jede von den befiederten Familien hat ihreneignen Grundton, jede ihren besonderen Takt, und wenn das Ganze auch denEindruck gäbe und die Vorahndung, daß der Frühling kommt, wenn es auchVorgefühle erweckte von einer viel tieferen Harmonie, wer hört dieses Ganze,wer hört es vor seiner eignen Stimme? Jenes Element der Musik, jener eigen-tümliche Charakterzug unsres Planeten, welches noch außer der Atmosphäre,wie ein zarterer Dunstkreis in jenem gröberen, wie ein irdischer Äther diesen
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