pathie erkennt, daß er sich ihm als dem Gleichartigen verbunden fühlt, daßer in seinem Sein und Wesen ihn versteht und sich in seiner innersten Naturihm befreundet findet, weil Art nicht lassen kann von Art, und das gleich-gemischte Blut, auch in noch so viele Nebenströme ausgezweigt, sich nichtverleugnen kann. Seit undenklichen Zeiten ist Europa von einer gewissenAnzahl dieser Stämme bewohnt: der Slavische, der Griechisch-thrakische,jener der Magyaren, der Deutsche mit allen seinen Verzweigungen, der Bre-tonische, der Gallische, der Hispanische und Italische, das sind die Haupt-geschlechter der Völker, die in die europäische Erde sich geteilt. — —In sich selbst ist jeder Stamm ein völlig geschlossenes und gerundetes Ganze;alle Glieder umschlingt ein gemeinsames Band der Blutsverwandtschaft;alle, wie sie eine Sprache reden äußerlich, so müssen sie auch innerlich eineGesinnung haben und zusammenhalten für einen Mann: das ist ihnen ersteRegel und Gesetz. Dieser Trieb, der alle Glieder in ein Ganzes knüpft, ist einNaturgebot, das allen künstlichen Verträgen vorangeht: die darauf notwendigsich gründen müssen und, wenn anders, in sich selber nichtig sind. Darumsehen wir auch durch die ganze Geschichte, wie dieser Volksinstinkt immerjedem Zwange Trotz geboten, wie er unwiderstehlich alle Ketten sprengt,die man ihm angelegt, und wie, was jahrelange Not getrennt, ein Augenblick
wieder zusammenfügt.-------Das Ganze kann nicht lassen von seinen Teilen
auf ewige Zeiten, und die Teile können sich nicht zwingen lassen, also ihremVolke abzusagen und einem fremden sich anzufügen. Hat das Schwert eineGliedmaße abgetrennt und die Gewalt einem andern Körper abenteuerlich sieverknüpft, das Schwert wird leichter noch das unnatürliche Band auflösen,und von selbst wird das gelöste wieder mit dem seinen zusammenwachsen,wie der Wassertropfen mit seinesgleichen und öl mit öl ineinanderläuft,nimmer aber das Wasser mit dem öle. (Görres, Rheinischer Merkur, 1814.)
EINHEIT
Es läßt sich das Gefühl, daß Deustchland ein Ganzes ausmacht, aus keinerdeutschen Brust vertilgen, und es beruht nicht bloß auf Gemeinsamkeit derSitten, Sprache und Literatur, sondern auf der Erinnerung an gemeinsam ge-nossene Rechte und Freiheiten, gemeinsam erkämpften Ruhm und bestandeneGefahren, auf dem Andenken einer engeren Verbindung, welche die Väterverknüpfte, und die nur noch in der Sehnsucht der Enkel lebt. Das vereinzelteasein der sich selbst überlassenen deutschen Staaten würde die Masse deran, **ie S ar nicht oder schwer auf sich reibst ruhen können, auf einedem Europäischen Gleichgewichte gefährliche Weise vermehren, die größerendeutschen Staaten, selbst Österreich und Preußen, in Gefahr bringen und nachund nach alle deutsche Nationalität untergraben.
Es liegt in der Art, wie die Natur Individuen in Nationen vereinigt und dasMenschengeschlecht in Nationen absondert, ein überaus tiefes und geheimnis-volles Mittel, den Einzelnen, der für sich nichts ist, und das Geschlecht, dasnur im Einzelnen gilt, in dem wahren Wege verhältnismäßiger und allmählicherKraftentwicklung zu erhalten; und obgleich die Politik nie auf solche An-