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Handbuch der Philosophie :
(der Logik, Metaphysik, Moral- und Rechtsphilosophie)
Entstehung
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mannigfalthgcn Veränderungen von Außen unterworfen. In unsererSeele wechseln Zustände der Freude, der Traurigkeit, des Miß-wuchs, der Niedergeschlagenheit ab, ohne daß wir durch den freienWillen diese Zustände hcrbciführen. Außer uns entstehen und verge-hen so viele Dinge, Gräser, Pflanzen, Bäume, Fische, Vögel, Thicre.Alle diese Dinge werden von außer ihnen befindlichen Gegenständenverändert und zerstört: der Baum wird durch den Sturm entwurzelt,das Gras wird durch's Vieh zertreten, der eine Fisch wird vom an-dern verschlungen, und Manches wird durch den Blitz verheert. Dieganze Oberfläche der Erde wird durch die vier Jahrszeitcn unddurch die Mühe der Menschen verändert; dqö Meer wird vom Stur-me aufgeregt und seine Fluth wird über's Gestade geworfen; selbstder Mensch kann dem Meere engere Grenzen setzen, so wie im Gc-gentheile das Gebiet desselben erweitern. Auch die Lage der großenWcltkörper gegen einander wird verändert, unsere Erde ist im stetenUmschwünge um sich selbst und nm ihre Sonne; die Sterne ziehe»andere Sterne an, und werden wieder von - andern augczogcn.Ucberall Veränderungen um nns her!

Diese Veränderungen können ihren hinreichenden Grund des Da-scyns nicht in dem Wesen der veränderlichen Dinge selbst ent-halten; denn was in dem Wesen der Dinge begründet ist, ist ebenso unveränderlich und ewig, als das^Wescn der Dingeselbst. Wo der hinreichende Grund ist, da ist ja auch offenbar dasGegründete. —

Was die Veränderung des Entstehens insbesondere angcht,so bezeugt die Erfahrung, daß jedes Entstandene seinenGrund in einem andern Dinge vou derselben Art fin-det, und erst dann, wenn cs von demselben hervorgcbracht ist, selbstUrsache von vielen Veränderungen wird; daß eine unabänderli-che Folge ist zwischen der Veränderung und einem An-dern, welches ihr vorhcrgebt, und nie nachfolgt; z. B.zwischen einem Baume und dem Kerne, aus welchem er entsprossenist, und ohne welchen er nicht entstanden scvn würde. Wenn nunaber diese Ursachen wieder von einer andern Ursache abhängig sind,wie in dem vorigen Beispiele der Kern abhängig ist von einem an-dern Baume . . .; wenn jedes entstandene Ding ans ein früheres,und dieses wieder ans ein noch früheres, wovon es abstammt, Hin-weisen so kann ja unsere Vernunft bei diesen abhängigen Ursachennicht stehen bleiben, sondern ist gcnöthigt, diejenige Ursacheauszusuchen, welche die letzte hinreichende Ursache ist,und alle übrigen begründet, trägt und stützet, — diejenige Ursache,welche von keiner andern Ursache abhängt; die durchsich selbst, also nothwcndig, selbstständig, ist. Denn, daeine unendliche Reihe von einander entstandener Dul-de unmöglich ist (weil überhaupt eine unendliche Zahl unmöglichist); so muß es ein nicht entstandenes, daher in sich selbstbegründetes, nothwcndigcs Wesen geben, welches alleRethen entstandener Dinge einmal angefangcn hat.