— 24 —
Albrecht und seine Söhne den Niedergang des hohen Adels dies- und jenseits des Rheines, umsich Güter zu erwerben und die Hausmacht zu vermehren, und die habsburgischen Dienst-mannen, insbesondere die Emporkömmlinge und Günstlinge Ramswag, Gcssler, Landenbergu. s. w. unterstützten nach Kräften diese Bestrebungen und hatten selbst immer einen gutenMagen. Die Grafen von Froburg, Rapperswil, Toggenburg, die Freiherrn von Krenkingen,Regensberg, Tengen, Eschenbach mussten Gebiete und Rechte an die Habsburger abtreten;auch die Gotteshäuser wurden gerupft: Murbach, Pfäffers, St. Gallen. 1 ) Und wenn es in denUrkunden oft heisst, das Besitztum sei freiwillig entäussert worden, so bedeutet dies in denmeisten Fällen: erzwungen. Hiebei ist nicht ausser acht zu lassen, dass der Freiherr Rudolfvon Hewen, der erste Gemahl der Kunigunde von Hewcn, die sich später mit Jakob vonWart verehelichte, dem Herzoge Albrecht Gau und Stadt Engen und Neu-Hewen als sein Eigenaufgeben musstc und als Lehen zurückerhielt (1291 2 ). Kann hierin nicht ein neuer Stachelder Feindschaft zwischen Habsburg und Wart liegen?
Unter Albrecht litt das Land unter unsäglichem, willkürlichem Steuerdruck: der Steuer-ansatz, durch urkundliche Vereinbarung und Zusicherung genau bestimmt, wurde nach Be-lieben und Bedarf in die Höhe geschraubt, und Steuern, deren Entrichtung früher nur frei-willig war, wurden rechtlich eingeführt und von Rechtswegen bezogen. Namentlich dieGrafschaft Kiburg wurde wie eine Zitrone ausgepresst; denn bei vielen Orten meldet dasHabsburger Urbar, so viel Steuer dürfe nicht mehr bezogen werden, weil die Leute es nichterleiden könnten.' 1 ) Albrecht hatte somit zur Ausführung seiner Pläne immer reiche Mittelzur Verfügung; aber der Mehrbetrag seiner Einkünfte war meistens nicht die Frucht seinesgerechten Sinnes und seiner Ordnungsliebe, sondern seiner Steuererhöhungen, seiner Erpress-ungen und Münzverschlechterungen. Kein Wunder, wenn die Erbitterung gegen Albrechtauch im Volke Wurzel fasste, wenn die Waldstätte für den König, der ihre Freiheitsbriefenicht bestätigt hatte, keine grossen Sympathien hegten, und wenn der freie Adel, die Reichs-ritter, also auch die Herrn von Wart, über die unbegrenzte Willkür erbost waren und inihrer Existenz sich gefährdet glaubten. Diese Besorgnis wuchs um so mehr, als Albrechteinem Verwandten der Familie Balm, die mit Rudolf von Wart nahe verwandt war, dasLehenrecht absprach. 1 ) Bei dieser grossen Abneigung gegen Albrecht konnten die Übeltätererwarten, ihr Verbrechen werde keine Strafe zur Folge haben.
Albrecht licss seinem Mündel Johann bei seinen Söhnen, die ungefähr im gleichenAlter standen, in Wien die abschliessende Ausbildung zuteil werden; die letzten regiertenüber Land und Leute; Johann aber hatte von seinem väterlichen Erbe noch nichts erhaltenund konnte nicht einen Fleck Erde sein Eigen nennen; deshalb erhielt er auch den Spotttitel:Herzog ohne Land/') was den Jüngling aus königlichem Geschlechto sicher tief schmerzenmusste. Die Urkunden tun des Herzogs Johann nur zweimal Erwähnung: Am 29. August1306 ist er Zeuge in einem von Albrecht ausgestellten Briefe, und am 8. Dezember 1307 be-stätigte er in Nürnberg eine Anweisung Albrechts auf den Haberzoll von Brugg und führtehiebei ein Reitersiegel, auf welchem er sich, wie sein Vater Rudolf, Herzog von Ostreich undSteiermark, Graf von Habsburg und Kiburg und Landgraf von Elsass nannte. Mit diesenAkten wurde dokumentirt, dass er volljährig und handlungsfähig geworden und Anteil ander Verwaltung seiner Erblande bekommen habe; aber mehr als einen Titel hatte er dochnicht erlangt, und diese genannte Tätigkeit war im Vergleich zu derjenigen der Söhne
') G. Meyer v. Knonau: St. Galler Geschichtsquellen. -') Dr. Maag: Quellen, XIV. 446. :l ) Quellen,XIV. 33!> ff. ') Kopp, VIII. Buch 398. 6 ) Anzeiger, 1, 139.