— 23 —
Agnes, Johanns Mutter, die sich Herzogin von Ostreich und Gräfin von Habsburg undKiburg nannte, verweilte nach dem Tode ihres Gatten ebenfalls noch einige Jahre in unsernLanden und nahm an deren Verwaltung etwelchen Anteil; so stellte sie in Brugg, im Namenihres fünfjährigen Solines für das Stift Zurzach einen Schirmbrief aus (1. April 1294 1 ). Agnes,von ihrem Bruder Wenzel nach Prag gerufen, da dieser sie mit dem König Andreas vonUngarn vermählen wollte,") drang darauf, dass zwischen ihr und Albrecht reiner Tisch seiund ihre und ihres Sohnes Ansprüche und Rechte anerkannt und ausgeschieden würden. ImJahre 1295, 20. Mai, urkundete nun Albrecht in Laa (an der Thaya, an der östreichisch-bölimischen Grenze), er sei der Agnes für die Morgengabe eine bekannte, bestimmte SummeGeldes (die Höhe derselben wurde wohlweislich nicht angegeben) schuldig und habe dieselbeinnert festgesetzter Frist zu bezahlen; ferner übergebe er den Bruderssohn Johannes mit derLenzburg seinem getreuen Truchsessen Hartmann von Wildegg und die übrigen Brautgabenmit dem Schloss Baden dem Heinrich von Schwandegg ebenfalls binnen bestimmter Frist.Für diese Verpflichtungen stellte Albrecht fünf Bürgen. Offenbar wollte Albrecht durch diesesEntgegenkommen für seine Königswahl bei dem Schwager Wenzel gute Stimmung machen;ob er es mit der Erfüllung dieser Bestimmungen in späterer Zeit in allen Teilen genau nahm,ist zu bezweifeln. Merkwürdig ist auch, dass diese Urkunde nicht in Böhmen gefunden, son-dern als Umschlag unter den Akten des Stiftes Heiligenberg bei Winterthur durch a. Staats-archivar Dr. Jon. Strickler entdeckt wurde. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der jungeHerzog Johannes nicht mit seiner Mutter Agnes nach Prag reiste, sondern im Aargau ver-blieb, und somit länger unter Albrechts Einfluss stand, als gewöhnlich angenommen wird.Bald darauf verlor Johann auch seine Mutter; denn das Sterbeglöeklein läutete ihr am 17.Mai 1296. Bei ihrem Aufenthalte in Kiburg hatte Agnes die Kirche auf dem Heiligenbergbei Winterthur mit Gaben bedacht; denn das Jahrzeitbuch gedenkt ihrer am Todestage.«)Wenzel von Böhmen liess sich gegen grosse Versprechungen gewinnen. Albrecht zur Königs-wahl seine Stimme zu geben; als dieser aber seine Zusagen nicht hielt, reiste Wenzel vollUnmut vom Reichstag in Nürnberg 1298 mit dem jungen Herzog Johann nach Prag; hin-wieder verlangte Albrecht, einen Krieg mit Böhmen als unvermeidlich voraussehend, denNeffen Johann in seine Macht nach Wien zurück, welchem Begehren im Jahre 1304 Folgegeleistet wurde. So wurde Herzog Johann ein Spielball der böhmischen und habsburgischenInteressen; so vergifteten die feindlichen Parteien seine Jugend.
Die rheinischen Kurfürsten, erzürnt, dass Albrecht seine vor der Königswahl gegebenenVersprechungen nicht hielt und enttäuscht, weil er eine strenge, rücksichtslose und eigen-mächtige Politik einschlug, fassten unter Beistimmung anderer Grossen des Reiches und desherrschsüchtigen Papstes Bonifazius VIII. den Entschluss, den König abzusetzen, 1301; abermit Hülfe der Städte am Rheine, welchen er Abschaffung der lästigen Zölle versprach, be-siegte und demütigte Albrecht die Unzufriedenen. Er stützte sich auf die Städte und erlaubteihnen, durch Bündnisse den Landfrieden zu erhalten. Von nun an hatte Albrecht die Mehr-zahl der Kurfürsten und die Kirche gegen sich. Unstreitig erwarb er sich manche Verdiensteum das Wohl des deutschen Reiches. Alle zeitgenössischen Geschichtsschreiber gehen aberdarin einig, dass er ländersüchtig und habgierig war 1 ) und zur Erreichung seiner Ziele jenach Gelegenheit unlautere Mittel anwandte; sogar seine Mutter hielt er so knapp, dass sieihre Kleinodien verpfänden und aus dem Ertrage leben musste. Wie König Rudolf benutzten
') Archiv I, 141. -) Mathias v. Neuenbg. :l ) Anzeiger, 1870, S. 41, ') Öehsli, Reg. Anf. der Eidg.Seite 152—155.