Schulrevisionen und ihr ungünstiges Ergebnis. 477
in rote Seide gehülltes, von goldenen Spangen zusammengefaßtesBündel und schreitet mitten durch die Schar zum Führer selbst.Sie bietet dem illustren Gryphorinus mit Gruß das Bündel, legtes in seine Hand und geht ab. Das Geschenk war eine „SylvaOdarum ab Apolline et Musis in honorem cordium coalescentiumadornata". Als man zur Wagenstation unter munterer Unterhaltungüber die vergangenen Freuden gekommen, werden die Wagen be-stiegen. Der Heros, nachdem er alle gegrüßt hat, bricht zuerstauf. Die Begleitung will schon folgen, als man bemerkt, daß einedler Hofmann fehlt. Man ruft und sucht ihn, vergeblich, manmuß den Hügel nochmals ersteigen, man findet ihn tief schlafend,und so kann endlich aufgebrochen werden. Der Titel des Ge-schenkes war der: „Sylvae, quae Illustr. Heroi a Phoebo et Musisdodicata, per Nympham oblata fuit, Exemplar. Es enthielt:
1. die prosaische Widmung: Apollo cum Musis 111. Jano UlricoSchaffgotschio Dragontorestae, Gryphorino. Ex Holicono Cal. Maus;
2. Apollo redet (heroisch) den Bräutigam mit Glückwünschen anund prophezeit Gutes; 3. Clius Coleuma ad Sorores: sie sollen dasBrautpaar feiern; 4. Melpomene In horoieas Sponsi virtutes;5. Thalia, Do Sponsi studiis; 6. Euterpe ad Illustrissimam Barba-ram Agnetom de effigie Sponsi; 7. Therpsichore ad illustrissimamSponsam: ihr Lob; 8. Erato ad Ser. Pr. Lygio-Breg, über den Bräu-tigam; 9. Calliopo ad Sponsum: Hymenaeus; 10. Urania ad eundem:sein Ruhm; 11. Polyhymnia an Johann Christian: sie unterwirft ihmdie Musen." PI. ü. von Schaffgotsch, damals der schlesischenLandesdefension vorgesetzt, war der kaiserliche General, der alsGenosse Wallensteins am 23. Juli 1635 enthauptet wurde. BarbaraAgnes blieb dieses Weh zu erleben erspart: sie war schon am14. Juli 1631 gestorben.
Die ungünstigen Nachrichten über die Goldberger Schule woll-ten nicht zum Schweigen kommen. Am 1. März 1621 begaben sichdeshalb der herzogliche Bat Anton Schultz und der SuperintendentMag. S. Grunaeus nach Goldberg. 1 ) Sie zogen den Dekan undPfarrer G. Winkler und den Bürgermeister J. Weisheit als die In-spektoren zu. Sie besuchten um 7 Uhr zuerst den Rektor Meli-deus, der nur 13 Schüler (einer fehlte) in der ersten Klasse hatteund Grammaticalia behandelte. Sie hörten etwas zu, und, umseinen und seiner Kollegen in dieser Klasse Fleiß und die Fort-schritte der Schüler zu erfahren ließen sie einen Schüler ein
') Alles Folgende nach den Akten in St. B.-Br., Wenzel.