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Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule
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Drittes Kapitel.

Entwicklung und Blüte der Schola ducalis.

1. Trozendorf in den neuen Verhältnissen.

Den Bürgermeister Helmrich führten seine Erwägungen dazu,Trozendorf nochmals zum Leiter der Schule vorzuschlagen, undseinem Wunsche schloß sich der Rat gern an. Trozendorf lehnteden Ruf nicht ab, der ihm wieder eine Lebensstellung gab, die erin Wittenberg nicht gefunden, ja, wie es wegen Unterlassung derPromotion zum Magister den Anschein hat, gar nicht gesucht hatte.Die letzten Worte der Mutter:Lieber Sohn, bleib ja bei derSchulen" mögen jetzt nach seiner Abschweifung zur Theologiewieder neue und verstärkte Kraft wie ein wirkliches Omen in seinerErinnerung gewonnen und ihn zur Rückkehr auf das Katheder ver-anlaßt haben. Denn er gab sich nun wirklich dem Lehrerberuf soganz hin, daß er mit der Zeit sogar einen Fachtheologen nebensich für seine Schule begehrte und daß er, was ihm in Wittenbergschon bei der großen Nachfrage nach Theologen zu erreichen ge-wiß nicht schwer gefallen wäre, gar nicht daran dachte, ein geist-liches Amt anzustreben oder anzunehmen, obgleich ein solches anAnsehen und Einkünften die Stellung eines Schulmeisters übertraf.Der eifrige theologische Kritiker und scharfe Polemiker von ehemalsblieb von nun an bei der lehrhaften, aufbauenden und erbauendenEinwirkung auf das heranwachsende Geschlecht. Diese Selbst-bescheidung machte ihn, den Anspruchslosen, für die Zeitgenossenund die Nachwelt groß.

Freilich konnte Melanchthon dem für immer von WittenbergScheidenden 1531 noch nicht das von ihm erzählte Wort im vorausauf die Reise nach Goldberg mitgeben, daß er zum Schulmeistergeboren sei wie Scipio zum Lagerkommandanten *), denn die Fähig-

') Zincgref 3, S. 195.