Vorwort.
Als ich mich vor einem Menschenalter durch Forschung undDarstellung auf dem Gebiet des schlesischen Humanismus orien-tierte und, wie es die Sache verlangte, Fühler nach allen Seitenausstreckte, wurde ich nach der inneren Notwendigkeit dieser lite-rarischen und kulturellen Bewegung von Anfang an auch auf dieSchulgeschichte gewiesen. Von dem Breslauer Schulmeister L. Rabekam ich auf den Goldberger Schulmeister H. Gürtler und vondiesem auf seinen berühmten Nachfolger V. Trozendorf. Aber erstnach langen Umwegen durch die humanistische Biographie undüber den Humanismus an den Universitäten gelangte ich wiederbei Trozendorf an, den ich allerdings nie aus den Augen verlorenhatte, der aber auch unablässige Forscherarbeit verlangte, wennman ihn und seine Tätigkeit von den durch die landesüblicheTradition aufgehäuften Schlacken befreien und zu ihm selbst undseiner Schule durchdringen wollte. Nach Vorarbeiten über dasBreslauer Schulwesen führte der Rundlauf endlich zur Bearbeitungder ganzen Summe der sich um ihn gruppierenden GoldbergerSchulgeschichte. Geschichtlich kann man kein abgeschlossenes Dingwie hier Trozendorf und seine Schule, wenn man es recht würdigenwill, nur als Ding an sich betrachten, man muß vielmehr nachseiner Vorgeschichte oder den Vorläufern und Vorbedingungen Um-schau halten, den Boden, auf dem es erwuchs, sich entwickelteund dauerte, die ersten und die weiteren Existenzbedingungen insAuge fassen und, was sich aus ihm und nach ihm ergab, beleuchten.Dies ist das Prinzip der Entwicklung, das nicht bloß für die Dingeallein, sondern auch für den Menschen gilt, weil dann erst dieallem innewohnende und auf alles einwirkende Logik der Tatsachen,der Eigennatur und der Umgebung in Erscheinung tritt, währenddie zwar bisweilen geistreich anmutende, aber doch wesentlich auftheoretischen Erwägungen fußende und darum unfruchtbare Abstrak-tion nur zu subjektiv konstruierten Bildern führt. Diesen Gedankenentspricht auch unsere Behandlung des vorliegenden Gegenstands,wir lassen ihn und die Zeit wie die Zeitgenossen tunlichst selbst