Erstes Kapitel.
Die alte Stadtschule.
1. Legendarische erste Schulgründung durch die hl. Hedwig.
Die Anfänge des Schulwesens einer kleinen Stadt entziehensich in der Regel der geschichtlichen Kenntnis; unsichere Ver-mutungen späterer Zeiten oder sagenhafte Erzählungen suchen bis-weilen dem Mangel abzuhelfen, ohne jedoch ein helleres Lichtdarüber zu verbreiten. Eine, wie es scheint, erst recht spät ent-standene, doch auch noch von dem letzten Chronisten der Stadt 1 )anstandslos festgehaltene örtliche Legende bringt so die ersteBegründung einer Schule in Goldberg mit dem frommen Wirkender schlesischen Landesheiligen, der gütigen hl. Hedwig, in Ver-bindung. Diese soll 1212 bei der Besetzung des von ihr 1208erbauten Klosters mit Franziskanern aus Assisi als Gegenleistungden Mönchen die Aufgabe zugewiesen haben, die Jugend zu infor-mieren, oder, wie der genannte Chronist sich ausdrückt: „Durchdiese hat sie eine Schule angerichtet und das Evangelium in ihremGebiet fortgepflanzet."
Die erste Passung der Nachricht geht auf einen Bericht desRates der Stadt aus dem J. 1707 zurück 2 ), der sich hierbei aufdas Stadtarchiv und „die schlesische Chronik" beruft. Die Gründungdes Klosters und seine Übergabe an die Franziskaner durch diehl. Hedwig wie die Jahreszahlen sind urkundlich nicht zu belegen,und auch schon 1707 gab es keine Urkunden darüber. Die Nach-richt geht zwar bis an die Schwelle des MA. zurück, ist aberdennoch vollkommen unrichtig, schon deshalb, weil die Franzis-kaner erst später nach Schlesien gekommen sind. Die mißver-
') Sturm, L., Geschichte der Stadt Goldberg in Schlesien. Goldberg1887. 1007 S. S. 248.
*) Ebenda S. 247/8.Monuinwita Germaniae Pnedasojic» LVII 1