Nicht ausleihbar imoHSirairri '■IL12£ Monumenta Germaniae Paedagogica Begründet von Karl Kehrbaeh Herausgegeben Ton der Gesellschaft für deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte BAND LVII Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule BERLIN Weidmannsehe Buchhandlung 1021 Monumenta Germaniae Paedagosica (Weidianiisclie BücnnaMlnni in Berlin). Braunschweigische Schulordnungen von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1828. Mit Einleitung, Anmerkungen, Glossar u. Register herausgeg. von Prof. D. Dr. Friedrich Koldewey, Dir. d. Herzogl. Realgymnasiums in Braunschweig. 2 Bde. (Bd. I u.VIII d. Sammig.). Pr. ä Bd. 48 Mk. 1. Band: Die Schulordnungen der Stadt Braunschweig von 1251—1828. 51 Bogen. 2. Band: Die Schulordnungen des Herzogtums Braunschweig von 1248—182tj. 51 Bogen. Da nun auch diesem seine Arbeit abschließenden Bande der Verfasser ein sehr genaues und umfängliches Namen- und Sachregister beigegeben hat, ist sein Buch das geworden, was wir nach dem ersten Bande derselben und anderen Arbeiten Koldewoys erwarten durften: ein Durchblick durch die ganze deutsche Schulgeschichte. GSttingischo gelehrte Anzeigen. Ratio studiorum et Institutiones scholasticae Societatis Jesu per Germaniam olim vigente&. Collectae, concinnatae, dilucidatae a G. M. Pachtler S. J. 4 Bde. (Bd. II, V, IX, XVI der Sammlp „ 1. Band: Von 1541—1599 mit d. Portr. hervorr. Schulmänne.' derGesellseh. Jesu. 32Bg. Preis 30M...' 2. Band: Die Ratio studiorum von 1586, 1599, 1832. 33 Bogen. Preis 30 Mark. 3. Band: Anordnungen der Generäle für das gesamte Schulwesen, Statuten u. Verfugungen für dieaka- demisclien Studien von 1600 bis zur Unterdrückung des Ordens. 33 Bogen. Preis 30 Mk. 4. Band: Gymnasialwesen, Convicte, die neue Ratio von 1832. Personen- und Sachregister für alle 4 Bände. 39 Bogen. Preis 30 Mark. Man kann und muß zugeben, daß in diesen 4 Bänden, welche das Schulwesen der Jesuiten in Deutschland behandeln, eine Fülle pädagogischer Weisheit enthalten ist, daß zahlreiche Grundsätze des Lehrens uid Lernens in außerordentlich treffender Form zum Ausdruck kommen und daß das Studium des umfangreichen Werkes auch für die allormodernsten Erziehungstheoretiker und Praktiker von Nutzen sein muß...... Post, ßorlin. Geschichte des mathematischen Unterrichts im deutschen Mittelalter (bis 1525) von Professor Dr. S. Günther in München. (Band III der Sammlung.) 26 Bogen. Preis 24 Mark. .....Es ist eine kostbare Perle in der mathematischen Geschichtsforschung und der pädagogischen überhaupt. Das Buch wird Aufsehen in Fach- und Nichtfachkreison machen, und ein pfehlen wir die Anschaffung desselben aufs beste, besonders den Mittelschul-, Lehrerund Bezirksbibliotheken. None Badischo Schulzoitnnir. Die deutschen Katechismen der böhmischen Brüder. Kritische Textausgabe mit kirchen- u. dogmeu- feschichtl. Untersuchungen und einer Abhandlung über das Schulwesen der böhm. Brüder von oseph Müller, Diakonus in Herrnhut. (Band IV der Sammig.) 28 Bogen. Preis 24 Mark. Was die deutschen Katechismen der böhmischen Brüder betrifft, so legen sie ein beredtes Zeugnis dafür ab, daß man sich schon im 16. und 17. Jahrhundert anschickte, eine wissenschaftliche, besonders psychologische Begründung dem Unterrichte zu geben. Hiervon zeugt vor allem der erste deutsche Brüderkatechismus, der eine große Bedeutung in Deutschland erlangte; überhaupt sind die Katechismen der böhmischen Brüder pädagogisch- historischo Merksteino von außerordentlichem Werte .... Noue Badischo Schulzeitung. Die siebenbiirgisch-sächsischen Schulordnungen von Prof. Dr. Fr. Teutsch in Hermannstadt. 2 Bände. (Band VI und XIII der Sammlung.) 1. Band: Die Schulordnungen bis 17 78 nebst Einleitung und Anmerkungen zu den mitgeteilten Stücken. 2. Band: Die Ordnungen von 1782—1883. 45 Bogen. Preis 40 Mark. [35 Bogen. Preis 30 Mark. .... Im übrigen kann ich nur wiederholon, was ich zum Lob des ersten Bandes gesagt habe; und an sachlichem Interesse übertrifft ihn der vorliegende zweite sogar noch. Doutscho Literatutzoitung. Philipp Melanchthon als Praeceptor Germaniae von Prof. Dr. Karl Hartfelder in Heidelberg. (Band VII der Sammlung.) 45 Bogen. Preis 40 Mark. .....Melanchthon genießt als Gelehrter und Verteidiger des evangelischen Glaubons eine so große und wohlverdiente Verehrung, daß man ihn auch alsPädagogen häufig überschätzt. Hartfelders aus den ersten Quellen goschöpfte, rein sachliche Darstellung hält sich von diesem Fehler so frei, daß die wirklichen Verdienste des berühmten und standhaften Freundes Luthers in durchaus reinem Lichte erscheinen..... OBttingisoho gelehrte Anzeigen- Geschichte des Militär-Erziehungs-und Bildungswesens in den Landen deutscher Zunge von B. Poten, Oberst a. D. 5 Bände. (Band X, XI, XV, XVII und XVIII der Sammlung.) l.Band: Baden, Bayern, Braunschweig, C&lmar. 23 Bogen. Preis 28 Mark. 2. Band: Hannover, Hessen-Kassel, H.-Darmstadt, H.-Hanau, Mecklenburg-Scbw., Münster, Nassau. 3. Band: Österreich-Ungarn. 30 Bogen. Preis 30 Mark. [Oldenburg. 26 Bogen. Preis 28 Mark. 4. Band: Preußen. 34 Bogen. Preis 30 Mark. [25 Bogen. Preis 28 Mark. 5.Band: Sachsen, Schaumburg, Schleswig-Holstein, Schweiz, Königreich Westfalen, Württemberg. Das poctrinale des Alexander de Villa-Dei (Ville-Üieu). Kritisch-exegetische Ausgabe mit Einleitung, Verzeichnis der Handschriften und Drucke nebst Registern von Prof. Dr. Dietrich Reichling in Münster i.W. (Band XII der Sammlung.) 32 Bogen. Preis 36 Mark. Kein Buch war in jeuer Zeit so viel genannt wie jene versifizierte Grammatik dos wackeren Franziskaners Alexander, gewöhnlich A. Dolensis genannt; die Popularität, welche nachmals in der katholischen Welt Alvarez S. J., in der protestantischen Cellarius, Lange und Zumpt genossen, ist nichts gegen jene des die ganze Christenheit in die Geheimnisse der lateinischen Grammatik einweihenden Alexanders, eines wahren Weltschulmoisters. österreichisches Litorntnrblatt. Geschichte der Erziehung der Bayerischen Witteisbacher von den frühesten Zeiten bis 1750 von Prof. Dr. Friedrich Schmidt, Gymnasialrektor in Ludwigshafen. (Band XIV der Sammlung.) 36 Bogen. Preis 30 Mark. Das reichhaltige Material ist „mühsam aus mancherlei Akten und Urkunden ausgelesen und ssusammengetragen", zum großen Teile also neu veröffentlicht. Dasselbe ist (S. 1 -457) nach Sach- / gruppen geordnet, in denselben chronologisch. Das humanistische Gymnasium. • LANDES- 'liMO STADT- HtM IÖTHEI lXt$SHl£>OirF Monumenta Germaniae Paedagogica Begründet von Karl Kehrbaeh Herausgegeben von der Gesellschaft für deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte BAND LVIT Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule -N=*«=5 BERLIN Weidmännische Buchhandlung 1921 Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule Von Dr. Gustav Bauch Studienrat a. D. in Breslau BERLIN Weidmannsche Buchhandlung 1921 •O- \zt /S, ew. s. ADV- Katalog ^ t C$>) 0 K - ! -> i r | LAHDKS- 'UND STADT «muoTunx DÜSSElDOwr 0«Z0/¥£3S6O Vorwort. Als ich mich vor einem Menschenalter durch Forschung und Darstellung auf dem Gebiet des schlesischen Humanismus orientierte und, wie es die Sache verlangte, Fühler nach allen Seiten ausstreckte, wurde ich nach der inneren Notwendigkeit dieser literarischen und kulturellen Bewegung von Anfang an auch auf die Schulgeschichte gewiesen. Von dem Breslauer Schulmeister L. Rabe kam ich auf den Goldberger Schulmeister H. Gürtler und von diesem auf seinen berühmten Nachfolger V. Trozendorf. Aber erst nach langen Umwegen durch die humanistische Biographie und über den Humanismus an den Universitäten gelangte ich wieder bei Trozendorf an, den ich allerdings nie aus den Augen verloren hatte, der aber auch unablässige Forscherarbeit verlangte, wenn man ihn und seine Tätigkeit von den durch die landesübliche Tradition aufgehäuften Schlacken befreien und zu ihm selbst und seiner Schule durchdringen wollte. Nach Vorarbeiten über das Breslauer Schulwesen führte der Rundlauf endlich zur Bearbeitung der ganzen Summe der sich um ihn gruppierenden Goldberger Schulgeschichte. Geschichtlich kann man kein abgeschlossenes Ding wie hier Trozendorf und seine Schule, wenn man es recht würdigen will, nur als Ding an sich betrachten, man muß vielmehr nach seiner Vorgeschichte oder den Vorläufern und Vorbedingungen Umschau halten, den Boden, auf dem es erwuchs, sich entwickelte und dauerte, die ersten und die weiteren Existenzbedingungen ins Auge fassen und, was sich aus ihm und nach ihm ergab, beleuchten. Dies ist das Prinzip der Entwicklung, das nicht bloß für die Dinge allein, sondern auch für den Menschen gilt, weil dann erst die allem innewohnende und auf alles einwirkende Logik der Tatsachen, der Eigennatur und der Umgebung in Erscheinung tritt, während die zwar bisweilen geistreich anmutende, aber doch wesentlich auf theoretischen Erwägungen fußende und darum unfruchtbare Abstraktion nur zu subjektiv konstruierten Bildern führt. Diesen Gedanken entspricht auch unsere Behandlung des vorliegenden Gegenstands, wir lassen ihn und die Zeit wie die Zeitgenossen tunlichst selbst IV Vorwort reden, um auf diese Weise zur Objektivität zu gelangen und sie zu wahren. Daher ist auch die Grundlage für unsere Geschichte der Schola ducalis Trozendorfs, später Illustris Aurimontana genannt, die Geschichte der Goldberger Stadtschule, aus der sie erwuchs und die schließlich wieder aus ihr hervorging. Zu Schwierigkeiten für die Darstellung gaben Schwierigkeiten für die Forschung den ersten Anlaß. So hat z. B. der verdiente schlesische Forscher C. Grünhagen in seiner Stellung als Provinzial- archivar für die ältere Zeit durch die stets wiederholte Empfehlung der von dem Pastor J. D. Hensel herrührenden Handschrift des Breslauer Staatsarchivs, die den Namen „Aurimontium vetus" trägt, als zuverlässige Quelle, wie ich erprobt habe, ein schweres Hindernis geschaffen. Das „Aurimontium" ist als Quelle ganz zu verwerfen, da seine Quelle das noch erhaltene Goldberger Stadtbuch war, dessen Nachrichten durch willkürliche Kompilationen und persönliche Kombinationen Hensels entstellt und verderbt sind. Doch auch die andern Goldberger Quellen, die des 16. und des 17. Jh., sind nicht ohne Mängel. Das von mir herausgegebene Hauptbuch des Lehrers und Bürgermeisters Mag. Z. Bart gibt nur eine schwache Biographie Trozendorfs, und in den Nachrichten über die Schule ist zuweilen die Chronologie falsch, und auch die Namen der Lehrer sind nicht immer richtig. So ist z. B. bei seinem Kollegen und Gevatter J. Claius das Jahr für den Antritt und das für den Abgang falsch. Für Kaspar Capelus sagt er Johannes Capelus, für Andreas Brettius Johannes Brettius, für Adam Liebig Christoph Lubede. Das sind nur einige Beispiele für nachweisbare Fehler; andere, ■/.. B. Auslassungen, mögen uns entgehen. Zuverlässiger, obgleich auch nicht ganz frei von Unrichtigkeiten, erscheint uns die 1568 vollendete poetische Geschichte der Schule von J. Claius Herzbergensis; doch fehlen ihm die Katecheten der Schule. Zuverlässigkeit an den meisten Stellen und doch wieder Unrichtigkeiten an anderen zeigt die handschriftliche „Goldberga" des 1659 gestorbenen Goldberger Diakonus K. "Wenzel, der ein Sohn des Katecheten Ch. Wenzel war. Er ist ein .fleißiger Kompilator gewesen, der die Inschriften der Kirchen, die Kirchenakton, den Katalog der Kirchenbibliothek, die Stadtbücher, Akten des Licgnitzer Konsistoriums, das Hausbuch Barts und Druckwerke benutzt hat und auch noch Aufzeichnungen von den Zeitgenossen M. Thabor Senior und Junior, Ch. Wenzel, D. und G. Vechner u.a. ausschreiben konnte. Die zahlreich erhaltenen Abschriften der „Goldberga" auf Bibliotheken und in Privatbesitz sind jedoch nicht immer übereinstimmend und Vorwort. VII bedürfen daher wieder noch besonderer Vergleiehung und der Kritik. Wir sind auch überall kritisch verfahren, haben aber nicht an jeder Kleinigkeit Polemik geübt. Die echten Quellen für die Schule im MA. und am Anfang der Neuzeit sind für uns die einschlagenden Urkunden des Breslauer Staatsarchivs und des Breslauer Diözesanarchivs und die gleichfalls im Breslauer Staatsarchiv verwahrten Goldberger Stadtbücher, die leider nicht vollständig erhalten sind und für den größten Teil des 16. Jh. ganz fehlen. Dagegen haben sich in demselben Staatsarchiv mit den Brieger und Liegnitzer Massiven neue fruchtbare Quellen eröffnet, die merkwürdigerweise bisher niemals benutzt worden sind. Auch Kontraktenbücher der Stadt Liegnitz, die doch eigentlich in das Liegnitzer Stadtarchiv gehörten, ergaben wenigstens einigen Ertrag. Das Staatsarchiv bot auch noch die Goldberger Ortsakten. Die hs. Quellen des Liegnitzer Stadtarchivs, besonders die Acta publica und Schulrechnungen, hat für mich in selbstloser Beihilfe Herr Gymnasialdirektor M. Abicht ausgebeutet und mich dadurch zu großem Danke verpflichtet. Auch die Liegnitzer Kirchenbücher sprachen mit. Zu den hs. Quellen traten noch als echte, die sowohl die Schule wie die Lehrer umfassen, gedruckte. Das sind die Werke der Rektoren und Lehrer pädagogischer und literarischer Natur. Da wir bei den Mitgliedern des Lehrerkollegiums, um sie zu Menschen von Fleisch und Blut zu machon, außer den standesamtlichen Notizen auch dem Bildungsgang und ihrem Umgang nachgeforscht haben, so hat die immer noch zu wenig herangezogene Literatur der Propemptica, Epithalamia und Epicedia wie der von ihnen gespendeten oder ihnen gewidmeten Carmina commendaticia reiche Nachrichten gegeben. Für diese oft sehr schwer zu erlangende Literatur war mir die unter der Leitung des Herrn Professor Dr. M. Hippe stehende Breslauer Stadtbibliothek eine wahre Fundgrube. Herr Professor Dr. Hippe hat diesen Forschungen, besonders denen für das spätere 16, und den Anfang des 17. Jh., auch persönliches Interesse entgegengebracht und dadurch meine Arbeit noch fördern geholfen. Über die gedruckt vorliegenden, unsern Gegenstand berührenden Darstellungen wollen wir nur kurz und mit Auswahl unser Urteil aussprechen. L. Sturms Geschichte von Goldberg fällt ganz aus, weil sie eine Chronik alten Schlages ohne selbständigen Wert ist. Sonst kommen wesentlich nur Lebensbeschreibungen Trozen- dorfs in Betracht. Als die beste gilt immer noch die von K. J. Löschke. Pietät gegen den großen Pädagogen und wohltuende Wärme für den Gegenstand sind ihr nicht abzusprechen, aber die erbauliche VIII Vorwort. Tendenz tritt mehrfach an die Stelle der Kritik, und daher ist besonders der erste Teil schwach; auch über die Werke Trozen- dorfs ist Löschke nicht ins klare gekommen und hat hin und wieder minderwertigen Arbeiten zuviel Vertrauen geschenkt. Sturms „Trozendorf" entbehrt bei dem Bestreben, Neues zu verwerten, zu sehr der historischen Schulung und Gründlichkeit. Eine Verbesserung in bezug auf die Chronologie von Trozendorfs Bildungsgang und auch schon der Besprechung der Werke stellt der biographische Artikel „Trozendorf" in Schmids Geschichte der Erziehung und des Unterrichts dar. Dafür ist die neueste Biographie Trozendorfs von P. Quellmalz in dem Programm des Realgymnasiums zu Reichenbach im Vogtland von 1912 trotz ihres Umfangs und ihrer Reichhaltigkeit an Quellenmaterial nur eine Kompilation ohne selbständiges Urteil, die die Verbesserungen Schmids beiseite läßt und auch in Trozendorfs Werken verworren ist. Über die katechetischen Werke Trozendorfs hat neuerdings in vorzüglicher Weise J. M. Reu, Quellen zur Geschichte des kirchlichen Unterrichts, (Gütersloh 1904ff.) gehandelt. Nur über das „Rosarium" ist auch er, weil er die erste, wortreiche Vorrede G. Helmrichs des Jüngeren vor seinem deutschen Katechismus nicht genügend beachtet hat, im unklaren geblieben. Wir behandeln die Werke selbständig und pädagogisch. Herr Professor Dr. R. Jecht in Görlitz ist mir mit Nachrichten über Trozendorf zu Hilfe gekommen. Eine große Schwierigkeit für die Darstellung der Goldberger Schulverhältnisse lag in den verworrenen Verhältnissen des Herzogshauses von Liegnitz. Die wilde Finanzwirtschaft Friedrichs III. und Heinrichs XI. schädigte und hemmte auch die Schule, z. B. in den Gehältern der Lehrer und in der Weiterentwicklung zum Gymnasium illustre, wie bisweilen das Durcheinander der Eingriffe des Landesherrn und des Vormunds oder des Pfandbesitzers. Sich darin zurechtzufinden, wird oft dem Leser nicht leicht sein, aber wir konnten nur das Notwendigste für die Orientierung geben, weil auch bei den Versuchen, Ordnung zu schaffen, zuweilen die Bilder wie im Kaleidoskop wechseln und ihre Verfolgung uns zu weit abgeführt hätte. Dagegen mußte den konfessionellen Schwankungen im Herzogshaus, der Zuwendung oder der Abwendung zu und von dem strengen Luthertum oder dem Calvinismus, Rechnung getragen werden, weil die Gegenbilder in der Schule diesen Vorgängen trotz fürstlicher Einwirkungen nicht immer sogleich mechanisch folgten und weil die Goldberger Bürgerschaft den ganzen Zeitraum hindurch streng lutherisch blieb und gegen den in die Schule eindringenden Vorwort. IX Calvinismus manchmal selbst gewaltsam Widerstand leistete. Alles das Aufgezählte hinderte die ruhige Weiterentwicklung der Schule und schwächte endlich diese bis zum Erlöschen ab. Vor diesen Beobachtungen müssen die ungünstigen Urteile über einige der Rektoren und Prorektoren verstummen oder eingeschränkt werden, und dafür sollte man erkennen, daß wir in den Schicksalen der Schule, soweit sie nicht die Lotterwirtschaft der Fürsten traf, ein Beispiel von der Einwirkung der konfessionellen Streitigkeiten auf einen Schulorganismus vor uns haben. Am Ende erscheinen die Jesuiten, um das Erbe in Besitz zu nehmen und das Andenken Trozendorfs auszulöschen. Breslau, am 1. Januar 1914. 0. Bauch. Die unterzeichnete Schriftleitung kann es leider nicht vermeiden, gegen die Gepflogenheiten der „Monumenta Germaniae Paeda- gogica" und gegen ihre eigene Neigung dem Vorwort des Herrn Vf. ein ziemlich umfangreiches Nachwort hinzuzufügen. Es bezieht sich auf die Art, in der Redaktion und Drucklegung des vorliegenden Werkes zustande gekommen sind, und mag daher von einer Andeutung des Verfahrens ausgehen, das für die „Monumenta" wie für die übrigen Veröffentlichungen der „Gesellschaft für deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte" neuerdings im allgemeinen üblich ist. Nach einer ersten Vorredaktion, die wesentlich dazu bestimmt ist, den Zustand des Druckmanuskripts genau zu prüfen und seine grundsätzlichen Abweichungen von dem Normalzustand der „Monumenta" festzustellen, erhält der Verfasser es mit den nötigen Hinweisen und mit der Bitte zurück, es in jenen Normalzustand zu versetzen. Ist es an die Schriftleitung zurückgelangt, so erfolgt die eigentliche Redaktion, für die der Schriftleitung ja z. T. Hilfsmittel zur Verfügung stehen, die dem Vf. vielleicht gar nicht oder doch nur teilweise zugänglich sind. So werden z. B. vor allem genaue bibliographische Angaben über alle im Text erwähnten Schulbücher aus der Zeit vor 1800 eingefügt unter Hinweis auf eine Bibliothek, an der das betreffende Buch vorhanden ist, so werden die Vornamen aller im Manuskript erscheinenden Personennamen, z. T. aus nicht leicht auffindbaren Quellen, soweit irgend möglich ermittelt, und dergleichen mehr. Später dient dann besonders auch noch die X Vorwort. Korrektur, besonders die Fahnenkorrektur, zur Ergänzung notwendiger Einzelheiten und namentlich zur Tilgung aller noch vorhandenen Unstimmigkeiten: die Schriftleitung liest die beiden Korrekturen, die der Vf. zu erhalten pflegt, genau mit (sie erledigt darüber hinaus dann noch sämtliche Revisionen), und dabei entwickelt sich dann gewöhnlich ein lebhafter, oft, nach der Art des einzelnen Werkes, zahllose Einzelheiten betreffender Briefwechsel zwischen Verfasser und Schriftleitung. Daß diese Hilfe dem Verfasser ebenso willkommen ist, wie sie von der Schriftleitung mit Freude geleistet wird, dafür legen die freundlichen Worte, mit denen in den letzten Bänden der „Monumenta" der Tätigkeit der Schriftleitung gedacht wird, Zeugnis ab. Indessen hat das Maß dessen, was von einer Schriftleitung erwartet werden kann, doch auch seine Grenzen. Und diese Grenzen sind von dem Herrn Vf. des vorliegenden Buches in einer wohl noch niemals dagewesenen Art überschritten worden. In keiner Weise soll sich das darauf beziehen, daß diesmal auch die ganze Manuskriptredaktion von der Schriftleitung allein besorgt worden ist. Herr Professor Bauch stand damals, als die Veröffentlichung seines Werkes beginnen sollte, im Felde, und bei dem außerordentlich großen Respekt, den uns die Tatsache abnötigen mußte, daß ein so betagter Mann sich dem Vaterland noch zur Verfügung gestellt hatte, nahmen wir die freilich große und etwas verantwortliche Arbeit gern auf uns. Um so mehr hätte, als dann die eigentliche Drucklegung begann und der Herr Vf. wieder im heimischen Breslau weilte, bei den Korrekturen jene geraeinsame Arbeit des Autors und der Schriftleitung in die Erscheinung treten müssen. Herr Prof. Bauch aber sandte schon die ersten Korrekturbogen in der üblichen Zeit nicht zurück, auch dann nicht, als er durch höfliche Zuschriften, schließlich auch durch einen Brief der Verlagshandlung um die Erledigung gebeten wurde. Als dieses Schweigen etwa ein Vierteljahr gedauert hatte, war ein längeres Warten begreiflicherweise unmöglich, und wir schrieben ihm, im Einvernehmen mit der Weidmannschen Buchhandlung, am 22. März 1919: „Da alle unsere Versuche, Sie zur Rücksendung der Korrekturen zu bestimmen, vergeblich gewesen sind, da Sie sich auch dem Brief unseres Verlegers gegenüber ebenso wie in bezug auf unsere eigenen Zuschriften völlig in Schweigen hüllen, bleibt nur übrig, daß wir die Drucklegung des Werkes ohne Sie vollziehen. § 20 des Verlagsgesetzes gibt uns dazu unzweifelhaft das Recht. — Was die drei Vorwort. XI ersten, schon gesetzten Bogen betrifft, so warten wir jetzt noch eine Woche, also bis zum 29. d. M.; ist bis dahin keine Rücksendung von Ihnen erfolgt, so werden sie für druckfertig erklärt. Ebenso erhalten Sie von allen künftig abzusetzenden Bogen je einen Abzug; falls Sie diesen nicht innerhalb einer Woche beanstanden, gilt er als von Ihnen genehmigt." Auch darauf erfolgte keine Antwort, und so sind denn die gesamten Korrekturen ohne jede Mitwirkung des Herrn Vf. von uns allein erledigt worden! Wenn man will, bedeutet sein Verzicht eine schmeichelhafte Anerkennung des Zutrauens, das man zu der Sorgfalt der Schriftleitung haben könne, auf der andern Seite aber doch auch eine völlig zwecklose Überlastung ihrer Arbeitskraft, wie sie in dieser Form wohl noch nicht da war. Denn noch kein anderer Band der „Monumenta" ließ so viele Fragen während der Drucklegung auftauchen wie dieser: Fragen, die wohl von der Schriftleitung aufgeworfen, aber eigentlich nur vom Verfasser beantwortet werden konnten. Das liegt in der Natur der vorliegenden Untersuchung: sie fügt aus unendlich vielen Steinchen des verschiedenartigsten Ursprungs ein Mosaik zusammen, und trotz der rühmlichst bekannten Sorgfalt des Herrn Vf. konnte es nicht ausbleiben, daß bald hier bald dort eine Einzelheit nicht ganz zu stimmen schien — keine Seite fast, auf der nicht eine ganze Anzähl solcher Zweifel zu lösen war, oft dergestalt, daß nun erst in mühsamer Nachforschung festgestellt werden mußte, w o das betreffende Quellenmaterial zu suchen war. So gab es hunderte, ja, schier tausende von Einzeluntersuchungen, Gänge auf die Staatsbibliothek, Entleihungen von Büchern aus fremden Bibliotheken und Briefwechsel mit ihnen; zum Schluß mußte von uns auch noch das umfangreiche, den ganzen Reichtum des Werkes erst voll erschließende Personen- und Ortsregister hergestellt werden, das viele Angaben bietet, die nicht dem Buche selbst entnommen sind. Kein Wunder, daß sich die Vollendung der Drucklegung weit über die normale Zeit hingezögert hat; sie wäre überhaupt nicht erzielt worden, wenn wir nicht auf die nie ermüdende Hilfe des „Auskunftsbüros der Deutschen Bibliotheken" und der besonders in Betracht kommenden Büchereien hätten rechnen dürfen. Unter ihnen kommt der allerhorzlichste Dank der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin, der Breslauer Universitätsbibliothek und namentlich der Breslauer Stadtbibliothek zu, die ja die am ausgiebigsten für das vorliegende Buch ausgebeutete Schatzkammer ist. Ihr Leiter, Herr Prof. Dr. Hippe hat mit nimmer erschöpfter Geduld wieder und wieder unsern Fragen Rede gestanden. XII Vorwort. Endlich darf eine letzte Schwierigkeit nicht unerwähnt bleiben, die wir zu überwinden hatten. Es war natürlich unser Bestreben, alle unsere Untersuchungen so zu führen, daß dadurch jedesmal unser Zweifel zerstreut und der von dem Herrn Vf. gebotene Wortlaut erhalten werden konnte. Aber mitunter erwies sich doch auch unser Zweifel als berechtigt, und wir mußten uns zu selbständigen Änderungen entschließen; hie und da kam uns gelegentlich einer solchen Nachprüfung sogar noch nicht unwichtiges Material in die Hände, das dem Herrn Vf. unbekannt geblieben war und nun noch vorsichtig eingearbeitet werden mußte. Alle solche von uns vorgenommenen Änderungen haben unter den obwaltenden Umständen nach dem oben erwähnten § 20 des Verlagsgesetzes als von dem Herrn Vf. genehmigt zu gelten. Hoffentlich merkt man es nach solchen Bemühungen dem Kinde nun bei seinem selbständigen Eintritt in die Welt nicht gar zu sehr an, daß es von dem eigenen Vater unbegreiflich erweise ohne jede weitere Fürsorge gelassen worden ist. Im August 1921. Die Schriftleitung der Gesellschaft für deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte Max Herrmann. Inhaltsverzeichnis. Seit* Vorwort....................... V Inhaltsverzeichnis................... XIII Verzeichnis der archivalischen Abkürzungen......... XVI Verzeichnis der abgekürzt zitierten Schriften......... XVI Erstes Kapitel: Die alte Stadtschule........ 1—9 1. Legendarische erste Schulgründung durch die hl. Hedwig S. 1. 2. Schulverfassung S. 2. 3. Chronik der Schule bis 1497 S. 4. Zweites Kapitel: Die gehobene Stadtschule.....10—73 1. Herkunft und Studienjahre des Schulmeisters Hieronymus Gürtler S. 10. 2. Gürtler als Rektor in Culm S. 12. 3. Gürtler als Reformator der Goldberger Schule (seit 1504) S. 13. 4. Gürtlers „Ars grammaticae" S. 14. 5. Die Unterlehrer S. 23. 6. Gürtlers „Elegantiae orationum" S. 26. 7. Gürtlers Ausgabe cicero- nischer Briefe (150ü) S. 28. 8. Gürtlers „Grammatica' S. 29. 9. Gürtler als Doktor der Medizin S. 32. 10. Weitere pädagogische Arbeiten Gürtlers S. 33. 11. Gürtlers Abschied aus Goldberg S. 36. 12. Gürtler in Thorn und Culm. Lebensausgang S. 37. 13. Sylvius Rektor in Goldberg S. 41. 14. Die Goldberger Schule unter B. Buchwald S. 43. 15. Sylvius noch einmal Rektor S. 44. 16. Eintritt der kirchlichen Reformation S. 45. 17. Die Stadt erwirbt das Schulpatronat S. 47. 18. Die Einkünfte der Schule S. 49. 19. G. Helmrich als Schulmeister S. 50. 20. Der Unterlehrer Valentin Trozendorf. Seine Jugend und Schulbildung S. 52. 21. Trozendorfs Schulmeister Mag. Th. Pentzelt S. 54. 22. Trozendorf als Leipziger Student S. 58. 23. Trozendorf als Lehrer in Görlitz und Schweidnitz S. 59. 24. Trozendorf Lehrer in Goldberg S. 64. 25. Trozendorf in Liegnitz S. 66. 26. Tiefstand der Goldberger Schule S. 71. Drittes Kapitel: Entwicklung und Blüte der Schola ducalis............... , . . . 74—169 1. Trozendorf in den neuen Verhältnissen S. 74. 2. Anfangszustand der Schule und ihre Lehrer S. 80. 3. Auswärtige Berufungen Trozendorfs S. 83. 4. Trozendorf als Schulmeister und Lehrer S. 86. 5. Herzog Friedrich II. und die Goldberger Schule. XIV Inhaltsverzeichnis. Seite Schulordnung von 1546 S.9f>. 6. Die neuen Lehrer S. 99. 7. Herzog Friedrich III. und die Schule S. 102. 8. Hunger, Pestilenz und Feuersbrunst S. 105. 9. Verlegung der Schule nach Liegnitz S. 110. 10. Tod und Begräbnis Trozendorfs. Ehrungen für ihn S. 115. 11. Trozendorfs Nachlaß S. 119. 12. Urteile von Zeitgenossen über Trozendorf S. 120. 13. Trozendorfs Persönlichkeit S. 121. 14. Gesamtbeurteilung Trozendorfs S. 123. 15. Trozendorfs pädagogische Grundsätze S. 128. 16. Trozendorfs grammatischer Unterricht S. 125. 17. Andere Unterrichtsfächer S. 131. 18. Trozendorfs Religionsunterricht S. 132. 19. Trozendorfs. Werke 5. 137. 20. Namhafte Schüler Trozendorfs S. 1(50. 21. Freundschaftliche Beziehungen Trozendorfs S. 166. 22. Sagenhaftes S. 167. Viertes Kapitel: Die Epigonenzeit der fürstlichen Schule 170—246 1. Martin Thabor als Rektor der wiederaufgebauten Goldberger Schule S. 170. 2. Thabors Nachfolger Heinrich l'axmann S. 175. 3. Die Schulgesetze von 1563 S. 194. 4. Paxmanns Lebensaus- gang; seine Schüler S. 200. 5. Thabors zweites Rektorat S. 204. 6. Thabors Werke und Leben S. 215. 7. Das Lehrerkollegium in Thabors Zeit S. 225. 8. Thabors Schüler S. 241. 9. Gesamturteil über die Epigonenzeit S. 245. 10. Einsetzung einer Schulinspektion S. 246. Fünftes Kapitel: Einsetzen des Niedergangs der Schule 247—336 1. L. Cirkler, sein Bildungsgang und seine Berufung S. 247. 2. Cirklers Rektorat S. 255. .'!. Cirklers Lebensausgang und Testament S. 258. 4. Interregnum an der Goldberger Schule S. 263. 5. Herkunft, Bildungsgang und frühere Stellungen des neuen Rektors Petrus Sickius S. 264. 6. Sicke als Goldberger Rektor S. 272. 7. Der neue Rektor Pankraz Crüger, sein Vorleben und sein Bildungsgang S. 282. 8. Crüger als Rektor in Goldberg S. 297. 9. Crügers spätere Laufbahn und sein Lebensende S. 305. 10. Die Goldberger Lehrer unter Crüger S. 310. 11. Der neue Rektor J. Feige und seine Lehrer S. 313. 12. Wiederauf blühen der Schule S. 323. 13. Neue Störungen S. 328. Sechstes Kapitel: Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule................. 337—443 1. Die veränderte konfessionelle Lage S. 337. 2. Die Vergangenheit des neuen Prorektors M. Laubanus S. 342. 3. Laubanus' Einführung in Goldberg S. 351. 4. Der Erlaß Joachim Friedrichs und der Lehrplan von 1599 S. 357. 5. Angriffe gegen Laubanus, sein Scheiden von Goldberg und sein Ende S. 383. 6. Laubanus' Goldberger Veröffentlichungen S. 392. 7. Die Lehrer in Goldberg unter Laubanus S. 404. 8. Feiges neue Tätigkeit für die Schule, ihr bedenklicher Rückgang S. 418. 9. Das ganz verfehlte Prorektorat des Arztes Jakob Günther S. 427. 10. Feiges Tätigkeit als Rektor bis zu seinem Tode. Traurigstes Sinken der Schule S. 438. Inhaltsverzeichnis. XV Seite Siebentes Kapitel: Ende der Goldbcrger Schola ducalis................... 444—494 1. Dur neue Rektor J. Melideus; sein Lebensgang bis zu seiner Berufung S. 444. 2. Melideus Rektor, D. Vechner Prorektor S. 462. 3. Stiftung einer „communis mensa" und ihre Nachgeschichte S. 465. 4. Der Lehrplan von 1620 S. 466. 5. Schulrevisionen und ihr ungünstiges Ergebnis S. 471. 6. Weggang und spätere Schicksale des Rektors Melideus S. 481. 7. Ü. Vechner als Verwalter des Rektorats S. 484. 8. Aufhebung der Schola ducalis und Einrichtung einer Stadtschule S. 489. 9. Nachgeschichte des Schulgebäudes S. 492. Nachträge und Berichtigungen.............. 49. r > Personen- und Ortsregister................ 499 Verzeichnis der arehivalisehen Abkürzungen. D. A.-Br. = Diözesanarchiv, Breslau. St. A.-Br. = Staatsarchiv, Breslau. St. A.-Br., Ortsakten = Goldberger Ortsakten im St. A.-Br. St. A.-Br., Stadtbuch = Goldberger Stadtbuch im St. A.-Br. St. B.-Br. = Stadtbibliothek, Breslau. St. B.-Br., Bart = Hausbuch des Goldberger Lehrers Zacharias Bart - n der St. B.-Br. St. B.-Br., Ebers = P. Ebers Kalendarium von 1579. Hs. 1839 in der St. B -Br. St. B.-Br., Rhediger = Rhedigersche BiiefSammlung. Hs. 396 in de: St. B.-Br. St. B.-Br., Wenzel = K. Wenzels „Goldberga". Hs. in der St. B.-Br. St. A.-Li = Stadtarchiv, Liegnitz. Verzeichnis der abgekürzt zitierten Schriften. Abicht: Abicht, M., Das Städtische Gymnasium zu Liegnitz in seiner gesch Entwicklung. Progr. des Stadt. Gymn. Liegnitz 1909. 95 S. Arnoldt: Arnoldt, D. EL, Ausführliche und mit Urkunden versehene Histoiie der Königsbergischen Universität. Th. 1. 2 [nebst] Zusätze [u.] Fortgesetzte Zusätze. 4 Thle. Königsberg i. Pr. 1746-69. [Ex.: Berlin, U.-B.] Bauch, Bart: Aus dem Hausbuche des Goldberger Lehrers Zacharias Bart 1529-1612. Her. von G. Bauch. Progr. d. Ev. Realsch. IL Breslau 1907. 38 S. Bauch, Dekanatsbuch: Bauch, G., Das älteste Dekanatsbuch der philos. Facul- tät an der Universität zu Frankfurt a. 0. Th. 2. Breslau 1901. 132 S. Akten u. Urkunden der Univ. Frankfurt a. O. Her. von G. Kaufmann u. G. Bauch, unter Mitwirk, von P. Reh. Heft 4. Bauch, Denkmäler: Bauch, G., Drei Denkmäler zur älteren sohlesischen Schul- gesch. Progr. der ev. Realsch. II. Breslau 1901. 31 S. Bauch, Frankfurt: Bauch, G., Die Anfänge der Universität Frankfurt a. O. u. die Entwicklung des wissenschaftl. Lebens an der Hochschule (1506—1540). Berlin 1900. 179 S. Texte u. Forschungen z. Gesch. der Erz. u. des U. in den Ländern deutscher Zunge. H. 3 = Mitteilungen der Gesellschaft für deutsche Erziehungs- u. Schulgesch. Beih. 3. Bauch, Gürtler: Bauch, G., Hieronymus Gürtler von Wildenberg. Der Begründer der Goldberger Particularschule. Ein Beitrag z. Gesch. d. deutschen Ostens im 16. Jh, Zeitschr. des Vor. f. Gesch. Schlesiens 29 (1895), S. 159-97. Verzeichnis der abgekürzt zitierten Schriften. XVII Bauch, Heß: Bauch, G., Analekten zur Biographie des Johann Heß. II. Corre- spondenzbl. des Ver. f. Gesch. d. ev. Kirche Schlesiens 9 (1904), S. 34—64. Bauch, Humanismus: Bauch, G., Beiträge zur Literaturgcsch. des schlesisohen Humanismus. I. III. IV. Zeitschr. des Ver. f. Gesch. Schlesiens 26 (1892), S. 213-48; 31 (1897), S. 123-64; 32 (1898), S. 59-104. Bauch, Ludoviciana: Bauch, G., Ein Satyrvorspiel zur Gründung der Ludo- viciana. Archiv f. hess. Gesch. u. Altertumskunde. N. F. 6 (1909), S. 421—64. Bauch, Reformation: Bauch, G., Gesch. des Breslauer Schulwesens in der Zeit der Reformation. Breslau 1911. XI, 402 S. Corp. dipl. Silesiae Bd. 26. Bauch, Schulwesen: Bauch, G., Gesch. des Breslauer Schulwesens vor der Reformation. Breslau 1909. XII, 313 S. 4°. Cod. dipl. Silesiae Bd. 25. Bauch, Studium: Bauch, G., Die Anfänge des Studiums der gricch. Sprache u. Lit. in Norddeutschland. Mitteil. d. Gescllsch. f. deutsche Erzieh.-u. Schulgesch. 6 (1896), S. 47-98; 163-93. Bauch, Thurzo: Bauch, G., Johann Thurzo u. Johann Heß. Mit brieflichen Beilagen. Zeitschr. des Ver. f. Gesch. Schlesiens 36 (1902), S. 193-224. Buchwald: Buchwald, G., Wittenberger Ordiniertenbuch. 2 Bde. Leipzig 1894/5. 3B1., 141 S.; 2 Bl., XXVIII, 218 S. Chytraeus: Chytraeus, D., Epistolae nunc demum in lucem ed. a D. Chytraeo. Authoris filio. Hanoviae Typ. Wechelianis 1614. 8 BL, 1284 S. [Ex.: Breslau, U.-B.] Claius, Carmina: Claius, J., Variorum carminum libri quinque. Gorlicii A. Fritscb. exe. 1568. Sign. A 2 -P 6 . [Ex.: Breslau, U.-B.] Claius, Schola: Claius, J., Libellus de origine et conservatione scholae Goldber- gensis. Gorlicii 1568 = Claius , Schola. Liber quintus. Claussen: Claussen, J., 39 Briefe des Philologen Joh. Casclius, geschrieben zu Rostock im April u. Mai 1589, aus e. Hs. der Gymnasialbibl. her. Progr. d. Kgl. Christianeum. Altona 1900. S. 3-26. Corp. Ref.: Corpus Reformatorum. Braunschweig 1834f. Correspondenzbl.: Correspondenzbl. des Ver. f. Gesch. der Evang. Kirche Schlesiens. Liegnitz 1882 ff. Cunradi = Cunradus. Cunradus: Cunradus, J. H., Silesia togata sive Silcsiorum doctrina et virtutibug clarissimorum Elogia Singulis distichis comprehensa ed. C. Tb. Schindlerus. Lignicii 1706. 16 BL, 344 S. 4°. [Ex.: Berlin, Staats-B.] Eberlein: Eberlein, G., Der kirchliche Volksuntcrricht nach den Anschauungen der Schwenckfeldischen Kreise in Schlesien im ersten Drittel des 16. Jh. Correspondenzbl. 7 (1900), S. 1-48. Egli: Egli, E., Analecta Reformatoria. IL Biographien. Zürich 1901. V, 172 S. Ehrhardt: Ehrhardt, S. J., Presbytcrologio des evang. Schlesiens. 4 Bde. Liegnitz u. Dessau 1780—9. 4°. [Ex.: Berlin, Staats-B.] Enders: Enders, E. L., Dr. Martin Luthor's Briefwechsel. 10 Bde. Calw u. Stuttgart 1884-1903. Gillet: Gillet, J. F. A., Crato von Crafftheim u. seine Freunde. Ein Beitrag zur Kirchengcsoh. 2 Thle. Frankfurt 1861. XIV, 502; VIII, 557 S. Grunaeus: Grunaeus, S., Christliche Ehrenpredigt für Wolfgang von Rothkirch auf Panthen. Liegnitz (1620). 54 S. 4°. [Ex.: Breslau, SladL-B.] Helmrich: Trozendorf, V., Catechismus . .. Verdeutschet durch G. Helmericum 1578. Widmung. (Titel s. S. 155). Bl. F 4 b -H 2». Momimenta Gernianiae raedagogiea LVH II XVIII Verzeichnis der abgekürzt zitierten Schriften. Heydenreich: Heydcnreich, E., Leichpredigt Beim Bcgrebnis des HeiTn Joh. Reyman auf Pügramsdorff &c. Gedr. zu Franckfurt a. d. 0. bey A. Eiehorn (1597). 32 Bl. 4°. [Ex.: Berlin, Staats-B.] Hof mann: Hofmann, Martin, Epioediorum über unus. Vratislaviae 1572: Scharffenberg. 25 Bl. [Ex.: Breslau, U.-B.] Janociana: Janociana s. clarorum atque illustrium Poloniae auctorum maece- natumque memoriae miscellae. vol. 1. Viennae et Lipsiae 1776. 6 BL, 308 8. [Ex.: Berlin, Staats-B.] Kastner: Kastner, A., Geschichte der Stadt Neisse. Th. 1, Bd. 3. Neisse 1886. IV, 274 S., 1 Bl. Archiv f. d. Gesch. des Bisthums Breslau. 4. Kraffert: Kraffert, A. H., Geschichte des evangel. Gymnasiums zu Liegnitz. Liegnitz 1869. VIII, 144 S. 4°. Laubanus, Musa: Laubanus, M., Musa Lyrica s. Poetica. Dantisci: Andrere 1607. 15 Bl. [Ex.: Halle, U.-B.] Laubanus, Thilo: Laubanus, M., Viri nobilis et amplissimi Georgii Thilonis a Thilaw, ill. ducum Lignic. et Bregens, consiliarii nuper cordatiss. laudatio parentalis. [Am Schi.] Lignicii typis N. Sartorii 1604. [Nebst e. Tab.] Ich- nographia orationis. Gorlicii Exscripta typis ,T. Rhambae 1604. 30 Bl. 4°, 1 Tab. in fol. [Ex.: Berlin, Staats-B.] Laubanus, Vergilius: Titel s. S. 404, Anm. 1. Laubanus, Vida: Titel s. S. 342, Anm. 2. Ludovious, Nuncupatio: Ludovicus, L., Amplissimo viro . . . Domino Martino Kunnero ä Scherpfenstein, in Wisseck &c. Patrono liberalium artium ac studiorum clarissimo. Widmung am Anfang von Trozendorf, Precationes von 1581 (Titel s. S. 145). Bl. A 2-B 2. Ludovicus, Praefatio von 1563: Ludovicus, L., Nobili et Generoso Domino Ioanni Baroni a Kitlicz in Drengkau & Krain. Anno 1563. Praefatio zu Trozendorf, Precationes von 1565 (Titel s. S. 144). Bl. A2-D3. Ludovicus, Praefatio von 1564: Ludovicus, L., Magnifico et generoso domino loh. Baroni a Kitlicz in Drengkau & Krain. Anno 1564. Praefatio zu Trozendorf, Rosarium von 1565. (Titel s. S. 148.) Bl. a 2-Ö 6. Ludovicus, Praefatio von 1581: Ludovicus, L., Praefatio superiorum editionum, ad . . . Dominum Ioan. Baronem ä Kitlicz & Krain in Drengkau. Am Ende von Trozendorf, Precationes von 1581. (Titel s. S. 145.) Bl. Z 6 V —b 4. Moller = Moller, J., Cimbria literata, s. scriptorum ducatus utriusque Sleswi- censis et Holsatici Historia literaria tripartita. T. 1. Havniae 1744. 1 Portr., 4 BL, 36 u. 752 S. fol. [Ex.: Berlin, Staats-B.] Monatsschrift: Monatsschrift von u. für Schlesien. Her. von Dr. Heinr. Hoffmann. Bd. 1. Breslau 1829. 796, 52 S. Narratio: Historica ... de introduetione universitatis Iuliae, et Promulgation© privilegiorum. Per Professores Universitatis Iuliae conscripta et in lucem edita. Helmstadii Exe. J. Lucius 1579. 148 Bl. 4°. [Ex.: Breslau, U.-B.] Oberlausitz: Arbeiten einer vereinigten Gesellschaft in der ... zu den Geschichten u. der Gelahrtheit überhaupt gehörende. Bd. 2. Leipzig u. Lauban 1750/1. 8 BL, 506 S. [Ex.: Berlin, Staats-B.] Perschmann: Perschmann, Th., Johannes Claius des Aelteren Leben u. Schriften. Nordhausen 1874. 56 S. Pol: Pol, N., Jahrbücher der Stadt Breslau. Bd. 2 her. von J. G. Büsohing. Breslau 1815. 4 BL, 204 S. 4°. Verzeichnis der abgekürzt zitierten Schriften. XIX Prach: Prach, M., Goltberga, id est Oratio, descriptionem, situm ac statum reipub. tum politicae tum ecclesiasticae: illustris etiam Gymnasii initia, incrementa et Rectores complectens. Ienae Typis T. Steinmanni (1597). 30 Bl. 4°. [Ex.: Berlin, Staats-B.] Regesten: Regesten zur schlesischen Geschichte. 1. Her. von C. Grünhagen. Breslau 1879. 86. 152 S.; S. 153-347. 4°. Cod. dipl. Silesiae Bd. 7. Th. 3, Hälfte 1. 2. Reu: Reu, J. M., Quollen zur Geschichte des Katechismus-Unterrichts. Bd. 2, Abt. 1. 2. Gütersloh 1911. XIV*, 496*; VI, 1126 S. Rhau, Melanchthon: Rhau, B., Oratio de vita et gubernationo scholastica Val. Fridlandi Trocedorffij instauratore et rectore Scholae Goltpergensis. Reci- tata in Acad. Vitebergensi 18. Cal. Sept. in: Melanchthon, Ph., Orationum quas proximis annis ante obitum soripsit: Et quae post obitum ipsius in Academia Vitebergensi scriptae et recitatae sunt tomus V. Witebergae 1572 (Exe. Schleich & Schöne). 7 BL, 982 S., 4 Bl. [Ex.: Breslau, U.-B.] S. 817 bis 57. Rhau, Rosarium: Rhau, B., Oratio de Val. Fridlando Trocedorfio instauratore & Rectore scholae Goltpergensis. Recitata Vuitebergae cum decerneretur gradus Magisterij Philosophie! Triginta octo honestis & doctis iuris 18. Cal. Sept. Anno 1564. Trozendorf, Rosarium. Witebergae 1565. (Titel s. S. 148.) BLÄ.e—<5Z. Schickfus: Schiekfus, J., New Vermehrte Schlesische Chronica unnd Landes Beschreibung. Darinnen Wcyland H. Joach. Cureus seinen Grund geleget. Itzo Bis an dis 1619 Jahr . . . verm. u. gebessert. Auch in Vier unterschiedliehe Bücher abgetheilot. 4 Bde. Leipzig: Schürer & Götze 1625. fol. [Ex.: Berlin, Staats-B.] Schmidt: Schmidt, Charles, Histoire litt6raire de FAlsace a la fin du XV e et au commencement du XVI 6 siecle. 2 vol. Paris 1879. XXI, 464 S.; 2 BL, 440 S. Schönwälder u. Guttmann: Schönwälder, K. F., u. Guttmann, J. J., Geschichte des königl. Gymnasiums zu Brieg. Zur 300j. Jubelfeier verfaßt. Breslau 1869. VIII, 356 S. Schola Goldbergensis: Scholae Goldbergensis Denuo Apertae Fama publica. Typis divulgata Ligiis N. Sartorii (1620). 64 BL 4°. [Ex.: Breslau, U.-B.] Schutt: Schutt, J. K. G., Die Geschichte des städt. Gymnasiums zu Görlit* bis zu Baumeisters Amtsantritt. Progr. des städt. ev. Gymn. Görlitz 1865. S. 5—110. Schweinichen: Schweinichen, H. v., Denkwürdigkeiten, her. von H. Oesterley. Breslau 1878. XVIII, 558 S. Scripta: Scriptorum publice propositorum a professoribus in Academia Wite- bergensi, Ab anno 1540 usque ad annum 1569. 7 Bde. Witebergae 1560—72. [Ex.: Berlin, Staats-B.] Scriptores rer. Lusat.: Scriptores rerum Lusaticarum Antiqui et reoentioree . . . inter quos Christophori Manlii Rerum Lusaticarum Commentarii de- prehenduntur . . . Praef. et in Scriptores Introductionem praemisit Chr. Godofr. Hoffmannus. Tom. 1, p. 1. Lipsiae et Budissae 1719. 1 Titelkupf., 2 BL, 32, 468 S., 1 Karte, fol. [Ex.: Berlin, Staats-B.] Soriptores rer. Siles.: Scriptores rerum Silesiacarum. Breslau 1835ff. XX Verzeichnis der abgekürzt zitierten .Schriften. Seelen: Seelen, J. H. v., Athenae Lubecenses sive de Athenaei Lubecensis insignibua meritis. 4 vol. Lubecae 1719—22. [Ex.: Breslau, U.-B.] Sutorius: Sutoriua, B. G., Die Geschichte von Löwenberg, aus Urkunden u. Handschriften. Th. 2, welcher die Geschichte der Kirchen u. Schulen dieser Stadt enthält. Jauer 1787. 448 S. [Ex.: Berlin, Staats-B.] Thebesius: Thebesius, G., Liegnitzische Jahrbücher, worinnen so wohl die Merkwürdigkeiten dieser Stadt Als auch die Geschichte der Piastischen Hertzoge in Schlesien von ihrem Anfange biss zum Ende des 16. Jh. gründlich untersuchet werden . . . hör. von G. B. Scharffen. Th. 3. Jauer 1733. 1 Bl., 272 S., 2 Tai, 1 Tab., 18 Bl. Reg. fol. [Ex.: Berlin, Staats-B.] Trozendorf, Catechesis von 1558: Titel s. S. 137, Anm. 2. Trozendorf, Methodi von 1577: Titel s. S. 153/4, Anm. 1. Trozendorf, Precationes von 1565: Titel s. S. 144, Anm. 1. Trozendorf, Precationes von 1581: Titel s. S. 145, Anm. 1. Trozendorf, Rosarium: Titel s. S. 148, Anm. 1. Zeitschrift: Zeitschrift des Vereins für Geschichte Schlesiens. Breslau 185511. Zincgref: Zincgref, J. W., Teutsche Apophtegmata das ist DerTeutschen Scharfsinnige kluge Sprüche. In 2 Teil zus. getragen . . . anitzo noch mit dem Dritten Teill verm. Durch J. L. Weidnern. Leyden 1644. 1 Kupfert. 13 Bl., 393 S., 23 BL; 1 Zwischent., 120 S.; 1 Sondert., 536 S., 21 Bl. [Ex.: Berlin. Staats-B.] Erstes Kapitel. Die alte Stadtschule. 1. Legendarische erste Schulgründung durch die hl. Hedwig. Die Anfänge des Schulwesens einer kleinen Stadt entziehen sich in der Regel der geschichtlichen Kenntnis; unsichere Vermutungen späterer Zeiten oder sagenhafte Erzählungen suchen bisweilen dem Mangel abzuhelfen, ohne jedoch ein helleres Licht darüber zu verbreiten. Eine, wie es scheint, erst recht spät entstandene, doch auch noch von dem letzten Chronisten der Stadt 1 ) anstandslos festgehaltene örtliche Legende bringt so die erste Begründung einer Schule in Goldberg mit dem frommen Wirken der schlesischen Landesheiligen, der gütigen hl. Hedwig, in Verbindung. Diese soll 1212 bei der Besetzung des von ihr 1208 erbauten Klosters mit Franziskanern aus Assisi als Gegenleistung den Mönchen die Aufgabe zugewiesen haben, die Jugend zu informieren, oder, wie der genannte Chronist sich ausdrückt: „Durch diese hat sie eine Schule angerichtet und das Evangelium in ihrem Gebiet fortgepflanzet." Die erste Passung der Nachricht geht auf einen Bericht des Rates der Stadt aus dem J. 1707 zurück 2 ), der sich hierbei auf das Stadtarchiv und „die schlesische Chronik" beruft. Die Gründung des Klosters und seine Übergabe an die Franziskaner durch die hl. Hedwig wie die Jahreszahlen sind urkundlich nicht zu belegen, und auch schon 1707 gab es keine Urkunden darüber. Die Nachricht geht zwar bis an die Schwelle des MA. zurück, ist aber dennoch vollkommen unrichtig, schon deshalb, weil die Franziskaner erst später nach Schlesien gekommen sind. Die mißver- ') Sturm, L., Geschichte der Stadt Goldberg in Schlesien. Goldberg 1887. 1007 S. S. 248. *) Ebenda S. 247/8. Monuinwita Germaniae Pnedasojic» LVII 1 Die alte Stadtschule. standene Quelle für die Lehrtätigkeit der Minderbrüder ist zum Teil das Hausbuch des Goldberger Lehrers und Bürgermeisters M. Zacharias Bart aus der zweiten Hälfte des 16. Jh. 1 ), der aber nur von der Predigertätigkeit und der theologischen Gelehrsamkeit der Franziskaner spricht. Barts ganz übersehene Quelle für seine Darstellung und die indirekte des Rates für seinen Bericht von 1707 ist die an Johann von Kittlitz gerichtete „Praefatio" des Laurentius Ludovicus zu den „Precationes" Trozendorfs, und zwar nicht bei der 1. Ausgabe von 1564, sondern bei einer späteren' 2 ), nämlich der von 1581. Ludovicus berichtet das von Bart ziemlich ungeschickt Wiedergegebene viel ausführlicher und aus dem Munde Trozendorfs, der symbolisch die vorbildliche Sorge der hl. Hedwig für das Evangelium und die Doctrina in Goldberg auf den Segen der Reformation bezog. Er berief sich dabei auf die aus alten Dokumenten geschöpften Erzählungen älterer Goldberger Bürger. Bei ihm findet man auch die immer wiederkehrenden Nachrichten über den Goldbergbau, die Bergknappen aus der Mongolenschlacht von 1241, die Verwüstungen der Hussitcn usw. und in den Randlemmata auch die Zahlen 1208 und 1212, 1208 aber als Gründungsjahr für das Kloster von Assisi und 1212 mit der Beifügung von „circa". Die Zahl 1208 als Gründungsjahr für das Goldberger Kloster rührt von Michael Prach her. 3 ) 2. Schulverfassimg. Die von dem Kloster ganz unabhängige mittelalterliche Stadtschule war gewiß auch sehr alt; sie mag ihren Ursprung bereits im 13. Jh. genommen und wahrscheinlich schon vor dem Kloster bestanden haben. Der nach den Bedingungen des MA. dafür gegebene natürliche Ort war die von den Parochianen erbaute Stadtpfarrkirche zu St. Marien oder zu Unserer Lieben Frauen. Das kirchliche Bedürfnis, die gesangliche Ausgestaltung des Gottesdienstes, einschließlich der Prozessionen und der Begräbnisse, war bei der Begründung zuerst maßgebend, dann erst das Bildungsbedürfnis, aber auch dieses wieder mit besonderer Rücksicht auf die zukünftigen Kirchendiener und Schuldiener, die man fast zu jenen rechnen konnte. Wegen der engen Beziehungen zur Pfarrkirche hieß man solche Schulen, die sich regelmäßig in der Nähe *) Bauch, Bart S. 31. 2 ) Ludovicus, Praefatio von 1581 Bl. a8. 3 ) Prach Bl. B3v. Schulverfassung. der Kirchen befanden, auch Pfarrschulen. Als der erste mit Namen genannte Pfarrer 1 ) erscheint Hermann am 11. Nov. 1233. In den geschichtlich geklärten Zeiten befand sich im Besitz der Pfarrkirche die Goldberger Kommende des geistlichen Ritterordens St. Johanns des Täufers von Jerusalem, der nachweislich schon 1267 in der Stadt ansässig war. 2 ) Der Orden besaß auch das teilweise von dem Komtur und dem Konvent geübte Patronat der Kirche, d. h. die Verleihung der Stelle des Pfarrers, die der Komtur innehatte, und der Stellen der andern Geistlichen der Kirche — auch diese konnten Brüder des Ordens sein —, soweit dieselben nicht bloß Altaristen oder Inhaber von Altarlehen waren, für die das Präsentationsrecht der Stadt oder Privatleuten zustand. Der Orden hatte ebenso das Patronat der Schule; er besetzte die Stelle des Schulmeisters, der keineswegs immer ein Magister gewesen ist, und entließ diesen, der seinerseits, wie üblich war, die Unterlehrer oder Locati (Mietlinge) annahm und entließ. Im späteren MA. gab es in Goldberg einen Lokaten und einen Kantor. Die rechtliche Stellung des Kantors oder Sukzentors, der in Goldberg niemals Signator genannt wurde, ist nicht recht klar; doch scheint er in bezug auf Anstellung und Unterhalt mehr von dem Komtur als von dem Schulmeister oder von der Stadt abhängig gewesen zu sein. Die Einkünfte des Schulmeisters bestanden, soweit nicht der dazu verpflichtete Komtur das Seine, z. B. etwa durch freien Tisch, beitrug, vermutlich nur aus dem Schulgeld und daneben aus den Zinsen von frommen Stiftungen, die für kirchliche Leistungen gemacht worden waren, und auch Altarlehen konnten das Einkommen verbessern. Ebenso haben bei den Untcrlehrern, wenn sie auch wohl einen Anteil vom Schulgeld von dem Schulmeister erhielten, Legate und Altarlehen (so noch 1507) mitgesprochen. Es war bei Schulmeistern und Lehrern vorauszusetzen, daß sie gewöhnlich wenigstens die niederen Weihen hatten. Auch für arme Schüler gab es Stiftungen. Dagegen gehörte die Schule, der Grund und Boden und das Gebäude, der Stadt, die mit der Parochie zusammenfiel; sie hatte wie bei der Kirche die bauliche Unterhaltung und führte gegebenenfalls einen Neubau auf. Die auch anderswo bei baulichen Vornahmen an Kirche und Schule als Organe der Stadt genannten Kirchenväter, die die eigentliche Kirchkasse führten, sind uns hier gleichfalls begegnet. Trotz des fremden Patronats nannte der Rat, l ) Regesteu N. 425. -) Ebenda N. 1266. 1* Die alte Stadtschule. der ja in Goldberg zugleich das weltliche Haupt der Parochianen war, den Schulmeister „unser Schulmeister". Die Kunde von dem Leben der Schule im MA. und bis zum J. 1504 ist außerordentlich dürftig; von dem Unterrichtsbetrieb z. B. ist nicht das geringste überliefert. Daß die Schule von Anfang an eine lateinische war, ist wegen der Verwendung der Schüler im Gottesdienst selbstverständlich. Die Knaben lernten, wenn wir nach dem Vorbild der um dieselbe Zeit oder wenig später entstandenen Schulen in Breslau 1 ) urteilen wollen, lateinisch schreiben und lesen, das lateinische Glaubensbekenntnis, das Pater noster, das Ave Maria, die sieben Bußpsalmen und wohl gar alle Psalmen, da diese im Gottesdienst wiederkehrten. Die einfachsten grammatischen Dinge, die Etymologie, wofür mindestens der Donat gebraucht wurde, konnten nicht entbehrt werden wie die Anfänge des Lateinsprechens, für das auch kleine syntaktische Hilfen nötig waren. Ganz unentbehrlich war die Übung des Gesangs, die ohne theoretische Belehrung nach Gehör und Gedächtnis vor sich ging. Wir lassen nun alle erhaltenen Nachrichten, chronologisch geordnet, folgen. 3. Chronik der Schule bis 1497. Die älteste Erwähnung der Schule geschieht 1330. Am 29. Sept. des Jahres bestätigte Herzog Boleslaw III. von Liegnitz 2 ) den Verkauf des im Goldberger Distrikt gelegenen Erbguts Seifen seitens des Goldberger Bürgers Thomas von Salburg und Margaretas, der Witwe Heinrichs von Euswin, an den ehrsamen Magister Pranczko Vulschuzil (Vollschüssel), den ehemaligen Rektor der Goldberger Schule, mit der Klausel, daß, wenn Magister Franczko nicht innerhalb seines Lebens anders über das Gut bestimmen würde, dieses nach seinem Tode zu dem Hospital in Goldberg als „ewiges Testament" gehören sollte. Vulschuzil war Priester, wie aus der nochmaligen Bestätigung' des Kaufes durch die Söhne Boleslaws, Wenzel I. und Ludwig I. von Liegnitz 3 ), vom 18. Okt. 1344 hervorgeht. Unter dem 13. Mai 1349 wird als Rektor Magister Egidius erwähnt 4 ), der vorher Rektor der Schule in Neumarkt gewesen ') Bauch, Schulwesen S. 18, 21. 2 ) St. A.-Br., Depositum Goldberg, Urk. N. 19. 3 ) Ebenda Urk. N. 30. 4 ) Rudkowski, W., Die Stiftungen des Gymnasiums zu St. Elisabet in ihren Urkunden u. ihrer Geschichte. Breslau 1902. 272 S. S. 53. Sehirrmacher, F. W., Urkundenbuch d. Stadt Liegnitz u. ihres Weichbildes bis zum J. 1455. Liegnitz 1866. XV, 543 S. 4°. N. 157. Chronik der Schule bis 1497. war und damals die gleiche Stelle bei St. Peter und Paul in Liegnitz erhielt. Den 14. Mai 1451 bestätigte Bischof Peter von Breslau 1 ) die Stiftung des Diözesanpriesters Johann Peysker, der 12 Mark Zinsen zur Errichtung und Ausstattung eines neuen Altars des hl. Johannes Baptista in der Pfarrkirche zu Goldberg geschenkt hatte. Das Patronat sollte nach dem Tode des Stifters auf Nikolaus Peysker alias Hofemann und dann auf die Ratmannen von Goldberg übergehen und zugunsten des Sakristans, wenn dieser Priester sei oder binnen Jahresfrist werden könne, sonst zugunsten des Schulrektors unter den gleichen Bedingungen oder des Sukzentors, des Lokaten oder eventuell eines armen Priesters oder eines nicht benefiziierten Klerikers ausgeübt werden. Als erster Inhaber wurde Nikolaus Peysker investiert. Der Altarist hatte wöchentlich drei Messen zu lesen. Aus dieser Urkunde ist also zu entnehmen, daß die Schule 1451 drei Lehrkräfte, den Schulmeister, den Sukzentor oder Kantor und einen Lokaten hatte. Eine andere Stiftung, die der gegen das Ende des MA. stark anschwellenden Marienverehrung entsprang und an der auch die Schule beteiligt war, liegt aus den Jahren 1460 und 1461 (oder aus einem der beiden?) vor. Am 9. Juni 1460 bekannten Bürgermeister und Ratmannen der Stadt Goldberg 2 ), daß sich geistliche und weltliche Mitbewohner einmütiglich mit fertigen Zinsen, 24 Mark jährlich, zu der Stiftung einer ewigen Singemesse in der Goldberger Pfarrkirche zum Lobe der gebenedeiten Mutter Christi Maria vereinigt und gebeten hätten, diese Stiftung von ihnen anzunehmen und davon jährlich den gebührenden Stellen, nämlich denen, die die Singemesse täglich halten sollten, dem Komtur und seinen Brüdern, dem Schulmeister und seinen Schülern, die sie singen würden, dem Glöckner und wo sich's sonst gebühren würde, auszurichten und zu zahlen. Die Ratmannen hätten das dem Goldberger Pfarrer und Komtur Johannes Waitmann und seinen Brüdern vom Orden der Kreuziger vorgetragen, und diese hätten den vom Rate Deputierten zugesagt, daß der Komtur einen Bruder oder Kaplan dazu anhalten und die Brüder ihre Arbeit desto fleißiger tun würden. Daher hätten die Stifter und Stifterinnen die fertigen ersten Zinsen mitsamt den Briefen und Siegeln darüber dem Rate und seinen künftigen Nachfolgern eingeräumt und abgetreten, indem ■) D. A.-Br. Hs. II b 2, fol. 52 b. s ) St. A.-Br. E. Hs. I. 40. ß Die alte Stadtschule. sie dem Rate als ihrem Seelwärter anvertrauten, die Zinsen jährlich einzumahnen und allenthalben auszurichten, damit die Messe zu gebührender Stunde nach der ordentlichen Gewohnheit anderer ehrbarer Städte, wo diese auch gesungen werde, täglich und zu ewigen Zeiten gehalten würde. Der Rat versprach das und daß er und die ihm folgenden Ratmannen alle Jahre dem Pfarrer und Komtur und seinen Nachfolgern neun Mark, jede Quattember neun Vierdung Heller, seinen Brüdern fünf Mark, jede Quattember ein Schock, dem Schulmeister eine Mark, jede Quattember einen Vier- dung, dem Sukzentor selbsechst acht Mark weniger einen Vierdung, jegliche Quattember dem Sukzentor achtzehn und den andern fünf Personen oder Adjunkten, d. h. Schülern, fünfzehn Schillinge Heller, und dem Glöckner eine Mark, jede Quattember einen Vierdung zahlen würden. Bischof Jodocus von Breslau bestätigte am 18. Juni 1461 auf Bitten der Ratmannen die Fundation. 1 ) Die in der Urkunde aufgeführten frommen Stifter waren Johann Hennig, der Altarist, die Gebrüder Johann und Nikolaus Lewe, Johann Swarcz, Hannos Nikolai, der Küchler, Moelmattis, Lukas Fritzsche, Georg Hofe- mann, der Erbe seines Bruders Johann Hofemann, Nikolaus Schone- weldir, Johann Kaulwitz, der Armbruster, Margareta Lautirbach, Guttige (Judith), die "Witwe des Georg Ruperti und Barbara Sigmund. In dem Schriftstück werden auch noch genaue Bestimmungen gegeben, die den Umfang der Leistungen des Kantors und der Schüler deutlich erkennen lassen. Die täglichen Marienmessen sollten am Altar des hl. Johannes im Winkel hinter der Sakristei durch einen der Kreuzherren oder einen Kaplan feierlich gesungen werden, desgleichen das Salve Regina an allen Sonntagen, an den Vigilien und Festen der Gottesmutter durch die Schüler. Wenn aber an den Sonntagen aus Rücksicht auf die Gegenwart Gebannter das Salve weggelassen würde, dann sollte es am nächsten Mittwoch gesungen werden. Es war die Messe Salve saneta parens zu singen, an Sonn- und Festtagen jedoch nur bis zum Sanctus wegen der darauffolgenden Predigt. An den Marienfesten und in deren Oktave sollte die betreffende Festmesse genommen werden. Der Bischof verlieh allen, die der Messe und dem Salve beiwohnen und fünf Paternoster und Ave für die Kirche beten würden, 40 Tage Ablaß. Der Schulmeister erhielt seinen Anteil an der Stiftungssumme für die Hergabe der Schüler. Aus einem unter dem 23. Aug. 1483 von dem Rate in das ') D. A.-Br. Ha. IIb 2, fol. 120 f. Chronik der Schule bis 1497. Stadtbuch aufgenommenen Hauskauf 1 ) lernen wir wieder einmal einen „alten", d. h. ehemaligen Schulmeister, Benedictus, kennen. Er kaufte das Haus zwischen „beiden Seelhäusern" von Katharina von Zedlitz auf Seichau für 34 Mark. Damals mag schon Martin Lewe Schulmeister gewesen sein. Am 5. Febr. 1485 haben, wie der Rat sagt, Martin Lewe, „unßer Schulmeister", und Katharina Lewe 2 ), seine Mutter, ihr Haus auf der Schmiedegasse der Stadt für eine Erbrente und gegen Zahlung des Geschosses abgetreten und aufgelassen. Lewe, ein geborener Goldberger, hatte vom "Wintersemester 1473 ab in Leipzig studiert, jedoch keinen Grad erworben. Der am 2. Nov. 1488 im Stadtbuch genannte „ver- stendige Nicolaus Toecker, Baccalaureus", auch ein Goldberger, könnte recht wohl ebenfalls ein Schulmeister gewesen sein, er wird aber nicht als solcher bezeichnet. 3 ) Dieser hatte im Wintersemester 1484 die Universität Leipzig bezogen und war in der Vigilie von Crucis 1486 Bakkalar geworden. Von einem schweren Disziplinarfall in der Schule 4 ) hört man durch den am 23. Nov. 1489 vor dem Rate geschlossenen Sühnevergleich: „Vor uns haben sich mittenander Barbara Linckyn und Jacobus Gorteler vortragen vanwegen des orbers, das Jacob Gortelers son yn der schulen der Linckyn son mit eynem brotmesser yn hals gostachen hatte. Nemlich das Jacobus der frawen iren willen gemacht had und sal den arezt und gerichte ober sich nemen und sullen dadurch gescheydin und frund seyn. Sint es ane ir beyder wort und wille gesehen ist. Und ap es anders mit der Linckyn sone denne wol (da got vor sey) mit krangheit adir todißhalbin zeuginge, sal van beydin parten nicht gedocht werdin. Sunder all enthalb in, wy vor oben ausgedruckt ist, gericht und gescheidin seyn. Ouch bekante dy Linckyn, das Cristoff, ir son, sy umb gotis willen gebeten hett, ap her an dißer krancheit stürbe, das sy es also weide bleibin laßin, Jacob Gortelern und seynem son dorumbe nicht anfangin, noch mit rechte zu trachten adir irkeyn geld van em forderen." Von Jakob Gorteler werden wir noch mancherlei zu berichten haben. Im J. 1491 stellte sich das Bedürfnis eines Neubaus der Schule ein. 5 ) Die Ratmannen schlössen zu diesem Zweck am 24. Febr. den folgenden Vertrag: „Wir habin dy schule newe zu bawin x elen huch vorneezu vordinget Gregor Hoppoffe, Anthonius und Merten ') St. A.-Br„ Stadtbuch fol. 37 b. 2 ) Ebenda fol. 56 b. 3 ) St. A.-Br., Stadtbuch fol. 84, 84 b. ") Ebenda fol. 98 b. ") Ebenda fol. 115. 8 Die alte Stadtschule. und sullen en geben xxij marg und sullen iij toren hawin und xxj fenster und xvj fenster bencke, wo sy sich hyr fordern werdin, tzwu mittel mawern und dy balcken ynzuraawern obin und unde- nigen. Dy gründe sal dy stat fertigin, sunder dy erbt sullen G. A. und M. thuen und hantreicher seibist halden." Dahinter folgt eine Zusammenstellung der einzelnen Zahlungen, und an deren Ende steht: „Item der kirgenfater dedit eis viij marg", nämlich aus der Kirchkasse. Im J. 1491 machte auch ein Streit zwischen dem Kantor und dem Schulmeister dem Rate zu schaifen. 1 ) Am 23. Aug. gelobten vor ihm Prinßig und Joacheym Falkenhayn mit gesamter Hand für Gregor Adloff, den Kantor, daß er friedlich leben und, was er „zu dem Schulmeister zu thuen had", mit Recht tun werde. Die Bürgschaft schützte den hitzigen Kantor vor der Entlassung. In feierlicher Weise bat am 4. Jan. 1495 der Schulmeister Martin Kretschmer aus Goldberg 2 ), der seit dem Sommersemester 1491 seinen Studien in Leipzig obgelegen hatte, aber auch nicht promoviert war, den Rat durch den Komtur um ein Altarlehen: „Vor uns ist komen in sitzendem rote in keigenwertikeit unser eldisten und geswornen der andechtige, wirdige herre er Johannes Rodeler, unser pfarkirche commondator, mitsampt domo wirdigen herren Martino Cretschmer, unserm schulmaister, vor on demittig- lich betende, so und wir unserm schulmaister in vorgangener zceit vorheischen und globet hetin, en mit eim lehn zcu begobin, nach innehält und laute seynes briefis, em sulger glöbde vorczogin sind, das nach nycht nach Schickung gots vorlediget sey em genuglich. Wir wolldin em umb gotis wille gebin und lehn das altare, er Matis Bertoldi saliger gehabt, uff das her gote zcuuorann, danach unsern kindern ehister bas gedynen mochte." Der Schulmeister verpflichtete sich, wenn ein anderes Lehen, das der Stadt zu verleihen zukäme, sich erledigen würde, dieses nur zu beanspruchen, nachdem er das eben erbetene in die Hände des Rates zurückgegeben hätte. Aus dem Prädikat „Herr" erkennt man, daß Kretschmer Priester war. Eine kleine Stiftung, die auch arme Schüler berücksichtigte 3 ), bildet den Schluß unserer ma. Schulnachrichten. Unter dem 15. Juni 1497 steht in dem Stadtbuch: „Entscheid des Kindes Kathie, Pancracij Schultis Zone. Demnach aus den sebin brot- l ) St. A.-Br., Stadtbuch fol. 125 b. ») Ebenda fol. 165 b. 3 ) Ebenda fol. 223 b. Chronik der Schule bis 1497. 9 benckin sullen habin dy rotmanne, die ytczund und zukunftigin seyn werden, tczwu brotbencke, und sullen uff alle quartalia weys- brot kouffin und dem kinde zcu seyner und seynes vorstorbenen votir seien salikeyt armen leuten und schulern weggebin. Also j bang, dy der organista hat, di ander dy iuncfer had." Mit dieser mageren Zusammenstellung haben wir mehr einen Begleitkommentar zu den vorausgeschickten lückenhaften Ausführungen als eine Geschichte der Schule gegeben. Immerhin umfassen die kleinen Beiträge einen Zeitraum von 170 Jahren, in dem die Stadt sich dauernd einer Schule erfreute. Sie war nur klein und konnte kein allzu hohes Ziel verfolgen, aber sie genügte dem örtlichen Bedürfnis. Die nicht promovierten Sektoren am Ende des MA. charakterisierten die Schule. Ein Goldberger sollte sie bald auf einen höheren Standpunkt erheben. /weites Kapitel. Die gehobene Stadtschule. 1. Herkunft und Studienjahre des Schulmeisters Hieronymus Gürtler. Das stille Diimmerleben der Schule endete mit dem J. 1504, um einer Epoche lebhafter Entwicklung nach vorwärts und aufwärts Platz zu machen 1 ), die von einem Goldberger Stadtkind in anerkennenswerter Weise eingeleitet und durchgeführt wurde. Trozendorf hat an diesem seinen durchaus würdigen Vorläufer gehabt. Das war Hieronymus Gürtler, von Wildenberg genannt, der den bedeutenden Schulmännern des 16. Jh. zugezählt werden muß. Hieronymus war ein Solin des uns schon bekannten Goldberger Bürgers Jakob Gürteler oder Gorteler, dessen Söhne sich häufiger Wildenberg, vom Wildenberg oder vom Willenberg nannten. Jakob war ein wohlhabender Mann, Besitzer von mindestens zwei steinernen Häusern und saß eine ganze Reihe von Jahren im llate der Stadt, 1509 und 1514 als Bürgermeister. Es fehlte ihm nicht an literarischer Bildung, er verstand und schrieb lateinisch. Doch von Gemütsart war er leidenschaftlich und aufbrausend und brachte dadurch großes Ungemach über sich und seine Familie, das auch die Geschicke der Schule mit streifte. Nur einer seineu sechs namhaften Söhne hat sich neben Hieronymus, wenn auch Sebastian außerdem noch in dem Wittenberger Album erscheint, in die Literaturgeschichte eingeführt, vielleicht der jüngste, Fabian, der sich der ihm von Johannes Crotus Rubianus verliehenen Namensform Fabius Zonarius bediente. 2 ) In der Jugend ein treuer Kumpan Ulrichs von Hütten, wurde er von diesem 1511 als Bote an die frommen Väter im Kloster Fulda geschickt, ohne daß es ihm jedoch gelang, von den „circumspecti patres" etwas heraus- ') Bauch, Gürtler. 2 ) St. A.-Br., Stadtbuoh fol. 105. Herkunft und Studienjahre des Schulmeisters Hieronymus Gürtler. ] 1 zuschlagen 1 ); im „Nemo" ehrte Hütten ihn durch ein Gedicht. Später (151 8) empfahl ihn der Bamberger Kanonikus Lorenz Behaim an Wilibald Pirckheimer als Reuchlinisten und Verfasser von rhythmischen Expektorationen gegen die Kölner, Ortvinus Gratius, Arnold von Tungen und Jakob Hochstraten, „more et stilo obscurorum virorum", und das war kein Wunder bei dem Freunde der beiden Verfasser der „Epistolae obscurorum virorum". 2 ) Nach Vorstudien in Frankfurt a. 0. und Wittenberg war er 1518 Doktor der Medizin. Wegen der Herkunftsbezeichnung „Chrysopolitanus" hält man ihn gewöhnlich für einen Ingolstädter. Hieronymus Gürtler muß sich ziemlich spät für einen gelehrten Beruf entschieden haben, denn er ist schon 1464 oder wahrscheinlicher 1465 in Goldberg geboren. Er war nach Sitte der Zeit mit dem vom Vater überkommenen deutschen Namen Gürtler und dem daneben gebrauchten Wildenberg auch nicht zufrieden und nannte sich an verschiedenen Stellen und zu verschiedenen Zeiten Hieronymus Cingulatoris, Cingulatorinus, Cingularius, Aurimontanus, Aurimontanus a Ferimontanis und Wildenbergius. Dieser Namenwechsel hat die Feststellung seiner Werke sehr erschwert. Die Grundlagen seiner Bildung erwarb er jedenfalls in der Schule seiner Vaterstadt, seine akademischen Studien hat er in Köln gemacht, wo er am 9. Juni 1490 mit den Worten eingetragen ist: „Hieronymus Jacobi Cingulatoris de aureo monte ad artes iurauit, pauper." Daß er als armer Schüler eingetragen ist, erlaubt durchaus keinen Rückschluß auf eine etwa ungünstige Vermögenslage seines Vaters; auch wohlhabende Eltern ließen ihre Kinder den dornigen Pfad gehen. 3 ) Von seinen Lehrern schweigt Hieronymus im allgemeinen; er gehörte der berühmtesten Burse, der Montanerburse, dem Hauptquartier der Anhänger des hl. Thomas von Aquino an und wurde am 30. Mai 1497 zum Bakkalaureus promoviert. Als Bakkalaureus hätte er noch mindestens ein Jahr in Köln bleiben müssen, er erbat sich aber bei der Artistenfakultät die Dispensation von der Verpflichtung, er erhielt sie am 17. Juni und übernahm die Leitung einer uns unbekannten Schule. Nach nicht allzu langer Zeit kehrte er zur Beendigung seiner Studien nach Köln zurück, empfing dort am 11. März 1501 von dem 1 ) Hütten, ü., Opera ed. E. Böcking. 1. Leipzig 1859. 515 S. S. 20, 27. 2 ) Heu man n, 1., Documenta literaria varii argumenti. Altorfii 1758. 6 Bl., 341 S., 5 Bl. [Ex. i Berlin, Staats-B.]. S. 261. 3 ) Krafft, K., Aufzeichnungen des Schweiz. Reformators H. Bullinger. Elberfeld 1870. III, 100 S. S. 9. Yl Die gehobene Stadtschule. Vizekanzler der Universität, M. Ulrich Krytwys, die Liccntia in artibus und begann am 15. März als Magister zu lesen. 2. Gürtler als Rektor in Culm. Lange hat er aber nach Erreichung der höchsten Würde in der Philosophie auch jetzt nicht in Köln verweilt, er ging nun sicher nach Culm 1 ) in Westpreußen als Rektor an die Schule der Gregorianer oder Gugelherren („cuculli"). Diese Zweigniederlassung der Brüder vom gemeinsamen Leben war zum Zwecke der Schultätigkeit auf Bitten eines Culmers, der einst unter Obhut der Brüder die Schule in Zwoll besucht hatte, von Zwoll aus gegründet worden. 2 ) Die Stadt Culm war damals durch die Kämpfe des Deutschen Orden9 mit Polen gänzlich heruntergekommen. Nach ungünstigen Anfängen der Brüder hatte die Stadt am 1. Sept. 1472 bei dem Bischof von Culm, Vinzenz Kielbassa, ihre Zulassung für Schulzwecke erreicht, und am 7. Sept. bereits hatte der Rat den Bruder Johann Wester- wald zur Einrichtung der Stadtschule, der „scbola civitatis" oder „nostra" nach Weise der Brüder berufen, indem er den Brüdern seine Unterstützung bei der Schulzucht zusagte und ihnen die" Freiheit zugestand, Magister und Lektoren anzustellen und abzusetzen nach ihrem Gefallen, aber mit dem Wissen des Rates, und für die materielle Ausstattung gesorgt. Durch eine zweite Urkunde vom 4. Aug. 1473 hatte auf Bitten des Rates Bischof Vinzenz den Priester-Brüdern Johann Westerwald und Gerhard Cewertz nochmals gestattet, in Culm eine „schola sive Studium particulare" einzurichten, und das Verhältnis der Brüder zur geistlichen Obrigkeit geregelt. Den letzten und endgültigen Schritt zur dauernden Begründung der umgewandelten Stadtschule bezeichnet eine städtische Urkunde vom J. 1489. Durch diese übertrug der Rat, nachdem sich die Brüder bewährt hatten, dem Bruder Johann Westerwald, seinen Brüdern und ihren Nachfolgern für immer die Leitung und Verwaltung der Stadtschule unter den früheren Zusagen und erweiterte jetzt noch die materiellen Zugeständnisse. An diese PartikularBchule der Brüder wurde nun vermutlich schon 1501 Gürtler als Rektor berufen. Er übernahm ihre Leitung, als sie in Blüte stand, und war in einer späteren Zeit nicht bloß untätiger Zuschauer, als sie durch die reformatorische Bewegung ') Bauch, Görtier S. 163f. *) Lindeborn, I., Historia sive notitia Episcopatus Daventriensis. Co- loniae Agripp. 1670. 8 Bl., 556 S., 1 Bl. [Ex.: Berlin, Staats-B.]. 8. 126. Gürtler als Reformator der Goldberger Schule (seit 1504). 13 wie die Brüderniederlassung geschädigt wurde und endlich erlag, und als es sich darum handelte, sie zu ersetzen. Wir erfahren aber bedauerlich wenig über die Einrichtung der Anstalt und über seine Wirksamkeit an ihr und können nur annehmen, daß die Culmer Schule für ihn zum Modell seiner eigenen Schöpfung in Goldberg wurde. Spuren weisen darauf hin, daß er schon in Culm nicht nur als Lehrer, sondern auch als Grammatiker tätig war. 3. Gürtler als Reformator der Goldberger Schule (seit 1504). Die alte und nicht anzuzweifelnde Goldberger Tradition x ) erzählt, Gürtler habe 1504, durch eine Teuerung veranlaßt, mit einer beträchtlichen Zahl seiner Schüler Culm verlassen, um mit ihnen nach Goldberg zu wandern und dort eine Partikularschule ins Leben zu rufen. Yon einer Teuerung in Preußen zu dieser Zeit ist uns sonst nichts bekannt, und man könnte daher eher an einen Ruf aus Goldberg in das erledigte Rektorat der Stadtschule denken. Von der Befugnis des Komturs, die Stelle zu besetzen, wußten später nur vom Rate geschlossene Verträge, von denen allein Wenzel in seiner „Goldberga" Notiz genommen hat, zu erzählen; aber der Komtur und der Rat der Stadt müssen sich bei der Annahme Gürtlers als Schulmeister der Stadtschule freundnachbarlich die Hand gereicht haben, so daß die Mitwirkung des Komturs nachmals ganz in Vergessenheit geriet. Da aber das vorhandene Schulgebäude für die unerwartete Menge der Schüler nicht ausreichte, wurde es vom Rate durch einen Neubau an der Stelle des Hauses der Reichen und des Hauses der Armen (das sind wohl die beiden alten Seelhäuser oder Konvente gewesen) ersetzt. Nach der Tradition halfen Gürtler und seine Schüler selbst an dem Werke, Gürtler soll im Mörtel einen goldenen Ring verloren haben, und die armen Schüler wurden indes um Gottes willen verpflegt. Den Ehrentitel eines Mitbegründers der Schule darf auch Herzog Friedrich II. von Liegnitz beanspruchen, da Gürtler sagt, er habe „monitu et con- sensu" dieses Fürsten das „Studium" eingerichtet 2 ), und auch sein Liegnitzer Kanonikat 3 ) ist wohl als eine Unterstützung der Sache «) Claius, Schola Bl. M8\ Bauch, Bart S. 18. 8 ) Wildenberg, H., Totius naturalis philosophiae epitome. Basileae 1544. Widmung Bl. a 3. S. Anm. 56. ») Album Academiae Vitebergensis ab a. Ch. 1502 usque ad a. 1560. Ex autographo ed. C. E. Foerstemann. Lipsiae 1841. VIII, 373 S. 4". H Die gehobene Stadtschule. von seiten des Herzogs aufzufassen. Der Goldberger Priester Christoph Schönwälder, der 1506 starb 1 ), vermachte der Schule seine Habe, 89 ungarische Gulden. Endlich begünstigte auch noch der Bischof von Breslau, Johann V. Thurzo, die Neuschöpfung: denn eine Neuschöpfung wurde aus der alten Schule. So konnte Gürtler in gesicherter Stellung an den Aufbau der Schule nach seinem Ideal gehen. Wenn er auch wesentlich in den ma. Anschauungen vom Schulwesen erwachsen war, so hatte er doch einen Hauch von dem neuen Geiste, der durch die wissenschaftliche Welt ging, dem Humanismus, verspürt. Ob er schon in Köln, vielleicht durch Hermann von dem Busche, den er gelegentlich erwähnt, oder durch Laurentius Corvinus in Breslau, zu dem er Beziehungen hatte, oder endlich durch die Lehrweise der Brüder- schulen Anregungen empfangen hat, läßt sich nicht feststellen. Die Art und Weise, wie er im Sinne der neuen Richtung seine Schule zu entwickeln trachtete, erweckt in uns den Eindruck eines vorwärtstastenden, fleißigen Autodidakten; gar manche Sonderbarkeiten in seinen Arbeiten erklären sich einfach aus diesem Umstand. Er hat aber zu streben nicht aufgehört und besonders in der Grammatik immer aufs neue wieder bessernd und reformierend die Hand angelegt, so daß wir an seinen Arbeiten auch die Reform der Schule in humanistischem Sinne und deren Fortschreiten verfolgen können. *& v 4. Gürtlers „Ars granimaticae'*. Die Grundlage aller und jeder Schulbildung war im MA. und im Anfang der Neuzeit die lateinische Grammatik. Ihr wandte daher zunächst Gürtler seine Aufmerksamkeit zu, indem er nicht unbesehen das von den Voreltern Überkommene weiter lehrte, sondern es sogleich^ in reformatorisch modifizierter Form gelehrt wissen wollte. Unter den grammatischen Lehrbüchern des MA. nimmt bei weitem den hervorragendsten Platz das „Doctrinale" des Franzosen Alexander de Villa dei ein 2 ), es war geradezu ebenso ein Bestandteil des spätma. Bildungskanons wie die Werke des „Arestotiles"; ein Angriff dagegen mußte daher nicht nur wie eine zweifelhafte ') St. B.-Br., Wenzel. p Reichling, D., Das Doctrinale des Alexander de Villa-Dei. Kritiscb- exeget. Ausg. Berlin 1893. XXIII, CCCIX, 211 S. = Mon. Genn. Paed. 12. Neu- decker, K., Progr. d. Bealsch. Pirna 1885. 36 S Gürtlers „Ars grannnaticae". 15 Neuerung, sondern wie eine verwerfliche Ketzerei erscheinen. In leoninischen Versen des bequemeren Auswendiglernens wegen geschrieben, zerfällt es in vier Teile, doch so, daß gewöhnlich der dritte und der vierte Teil zusammengezogen sind. Naturgemäß erforderte schon die metrische Form an sich wegen der Konstruktion eine Erklärung des Lehrers für die ungeübten Schüler, die „cleri- culi novelli" oder „parvuli". Diese Kommentare, die nun auch mit dem Text gedruckt wurden, schwollen, besonders seit der Druck nicht bloß die Verbreitung, sondern das bienenartige Zusammentragen erleichterte, bis ins ungeheuerliche an, so daß sie einen Schüler vom Durchschnitt vollständig erdrücken mußten. Aber nicht nur die Masse des sprachlichen Stoffes mußte den Schüler überlasten: es wäre gegen die steifpedantische Natur der Spätscholastik gewesen, wenn man nicht zu den Sach- und Worterklärungen, die übrigens zum Teil in deutscher Sprache gegeben wurden, und zu den wunderbaren Etymologien die Spitzfindigkeiten der logischen Definitionen, Distink- tionen, Quästionen und Argumentationen, in denen nun einmal die Gelehrsamkeit aufging, hinzugebracht hätte. Und alles dies, die ewigen petitiones prineipii, sollte von dem Schüler, der unreif für das Verständnis der unnötigen, ihn retardierenden logischen Seil- tänzereien wie für das Bemeistern des Durcheinanders der grammatischen Begriffe und Formen, die er nur nacheinander aufzunehmen imstande war, verdaut werden. 1 ) Der neueste Herausgeber des „Doctrinale" hat die Beispiele allzusehr zum Vorteil der alten Herren ausgewählt und damit kein ganz richtiges Bild hergestellt. Am weitesten verbreitet scheint um 1500 der Kommentar gewesen zu sein, der von dem Dekan bei der Promotion Gürtlers zum Bakkalaureus, Gerhard von Zutphen, aus einer Unzahl von "Werken, wenn auch wohl nicht immer direkt aus diesen Quellen, zusammengelesen und unter dem reklamehaften Namen „Glosa notabilis" bekannt ist. Die erste Ausgabe hiervon erschien 1488 in Köln; uns liegt die Quentelsche von 1491 vor. Die humanistische Reaktion richtete sich alsbald gegen das Gewirre der Kommentare, indem sie aber noch zunächst den Text ') Haase, F., Progr. d. Univ. z. Geburtstag des Königs. Vratislaviae 1856. 46 S. S. 40/1. Haß, J-, Görlitzer Rathsannalen. Her. von E. E. Struve. 3. Görlitz 1870. XX, 389, 27 S. S. 306. Seriptores rerum Lusat. Neue Folge 4. in sermones iuxta turmarum seriem divisa, suis figuris iaru insignita a I. Othero diligenter collecta. Argentorati 1511. 258 Bl. 4° [Ex.: Berlin, Staats-B.]; turma XXVI, Bl. Nv. 16 Die gehobene Stadtschule. des Alexander im großen und ganzen unangetastet ließ. Erst allmählich ging man auch daran, dunkle und unnötige Teile des Buches durch das Werkzeug des frühen Humanismus, den ebenfalls gereinigten Donatus, zu ersetzen. Am bekanntesten sind die auf diesen Zweck hinzielenden negativen und positiven Vorschläge Jakob Wimpfelings, der Alexander noch wohlwollend gegenüberstand, in seinem „Isidoneus germanicus". 1 ) Die Vorschläge Wimpfelings in bezug auf eine eklektische Behandlung Alexanders und die Verwerfung der metagrammatischen Kommentare wie für die Gestaltung des lateinischen Unterrichts überhaupt fanden begeisterte Aufnahme bei Gürtler; er erklärte, er fände in dem „Isidoneus" die wahrhaftigste Anleitung zum Jugendunterricht, und daher schwebte ihm dieses Ideal vor, als er 1506 an die Ausarbeitung seines umfassenden „Opus grammaticae integrum" ging, das 1507 in Leipzig erschien.' 2 ) Das „iam denuo compendiario sermone in lucem traducta" im Titel sagt uns nach seiner Ausdrucksweise, daß schon eine frühere Ausgabe vorangegangen ist, die nach der häufigen Erwähnung von „Gedanum", „Thoronia" und „Culmen" vielleicht in ihren Anfängen schon in Culm entstanden war oder in Rücksicht auf die aus Westpreußen mitgebrachten Schüler deren heimatliche Gegend nicht überging. Ein Exemplar davon ist uns nicht in die Hand gekommen. In der „Epistola introductiva" an die „accurati ast humanissimi scholarium praeceptores" läßt er sich über seine und Wimpfelings Ansichten aus, und er hat sich so sehr die Wimpfelingschen Anschauungen zu eigen gemacht, daß diese Vorrede aus wörtlich dem „Isidoneus" entnommenen Stücken für uns sehr sonderbar zusammengeflickt erscheint. Da aber hier, mit Ausnahme der partiell milden Beurteilung der Texte des Alexander und Donatus, die positiven Stellen Wimpfelings fehlen, so macht sie den Eindruck eines heftigen Angriffs -gegen die hergebrachte Lehrweise, besonders gegen die Casualia und Temporalia im kleinen Donat wie bei Johann Geiler von Kaisersberg und gegen die dunklen Definitionen im Alexander, die von den Schülern mechanisch gelernt würden, ohne daß sie den Sinn verstünden, mit Hilfe der scholastischen Kommentare. *) Schmidt 1, S. 22; 2, S. 320 N. 10. 2 ) Cingularius, H., Opus grammatice Integrum ac conBumatissimum Germanieque solidissima et prima Iuventutis institutio quam accuratissirne castigata: et iam denuo Compendiario sermone in lucem traducta . . . Impr. Liptzck per Bacc. Wolfg. Molitoris de Monaco 1507. 190 gez. Bl. 4° [Ex.: Breslau, U.-B.]. Gürtlers „Ars grammaticae". 17 Wie verhält er sich aber in seiner Grammatik gegen diese Kommentare? Er benützt sie selber! Die vielen Zitate mit Angabe der Autoritäten dürfen uns nicht täuschen (später verfuhr er anders): er hat einen guten Teil davon nicht direkt aus den Autoren, sondern eben aus den Kommentaren zu Alexander, nach dem Wortlaut vielleicht selbst aus der „Glosa notabilis" entnommen, so gleich im Anfang bei der Definition des Begriffs Grammatik. Er setzt diese Definitionen wie die „Glosa" in den Prologus, in das „Prooemium", das sich nicht an die Schüler, sondern an die Lehrer wendet; jedoch ist in dem „Prooemium" schon alles, was nach abstrakten philosophischen Deduktionen aussieht, alle Quästionen, Dubia, Argumentationen usw. ausgeschieden. Die aus der philosophischen Grammatik übernommenen Begriffe sind nur dogmatisch gegeben, hierbei nach dem Vorgang der Scholastiker noch einzelne unnötige; aber im allgemeinen ist, was von der Sache abführen könnte, beseitigt. Dafür gibt er hier Auskunft über Plan und Zweck seines Werkes und über die Methode, die er bei dessen Verwendung angewandt wissen will. Zunächst spricht er von der Notwendigkeit und dem Nutzen der Grammatik, um daran in nicht streng logischer Folge Definitionen der Grammatik zu knüpfen. Hieran reiht er die hergebrachte Einteilung der Grammatik in vier Spezies: Orthographia, Etymo- logia, Diasynthetica und Prosodia. Die Behandlung der Orthographie, von der er selbst sehr wenig profitiert hatte, schließt er jedoch, obgleich er sein Werk „integrum" betitelt, unter Verweisung auf Johannes Tortellius aus seiner Grammatik aus. Die Definitionen der vier Spezies zeigen zugleich, daß er von Griechisch soviel wie seine Vorgänger und Gegner, d. h. nichts, verstand. Dann folgt eine Übersicht über die Einteilung seines Werkes in fünf „Opuscula". Der erste Abschnitt soll handeln von der leichten Erkennung der Redeteile; der zweite umfaßt den ersten Teil des Alexander, die Etymologie, also die Formenlehre; der dritte die Diaeynthetik, d. h. die Syntax, „die unnütz dunkel und sehr verworren" im zweiten Teile Alexanders überliefert war; das vierte „Opusculum" „est de vero et fundamentali modo metrandi", wie wir, um eine Probe seines scholastisch gefärbten Lateins zu geben, sagen; das fünfte handelt vom Briefschreiben für Anfänger. Um sich gegen Angriffe zu schützen, bemerkt der Verfasser, daß man hieraus sähe, sein Buch enthalte nichts als die Lehre des Donatus und Alexander, nur kürzer und verständlicher gefaßt und für die Knaben leichter lernbar. Unnötig, ziemlich tautologisch, Monument» üormaniae Paedagogica LVII 2 18 Die gehobene Stadtschule. folgt als scholastischer Nachklang nach dem Vorgesagten noch eine Erklärung „De subiecto grammaticae et cuiuslibet opusculi". Der folgende Absatz bezieht sich schon auf die Methodik; solche Einblicke in den Betrieb des Unterrichts erhalten wir selten. Er entschuldigt sich, daß in dem Werke die Erklärung der Vokabeln, d. h. deren Übersetzung ausgelassen sei, und zwar charakteristisch für die Energie des Lehrvortrags dadurch, daß er die Übersetzung und Erklärung der termini und "Wendungen nicht gesetzt habe, damit die Lektoren (Unterlehrer) und Lehrer der Knaben sie mit sorgfältiger Verdeutlichung gäben und die Knaben aufmerksamer seien und sich bemühten, die Hand zum Schreiben bereit zu halten und die Bezeichnung der termini in den Einschuß zwischen den Zeilen oder am Rande ihres Buches sorgfältig einzutragen lernten, auf daß sie nicht sagten und dächten, sie hätten die Einzelheiten im gedruckten Buche, und, indem sie die Erklärungen des Lehrers für nichts hielten, die Zeit mehr träumend oder träge als in sorgsamem Hören auf die Lektion hinbrächten und daß sie so, durch die Notwendigkeit gezwungen, aufmerksamer würden. Auch der Lektor habe keine Entschuldigung wegen des langweiligen („tae- diosa") Aufsuchens der schwierigen termini, da die Erklärung der Vokabeln in den Vokabularien, wie in dem „Cornucopiae", „Brevi- loquus", „Vocabularius rerum" und andern, zu finden sei. In dem nächsten Absatz, „De modo exercitandi se in his opusculis", bittet er die Lehr er,. Rektoren und Lektoren, sie möchten sich nicht durch fortwährendes Lesen, Rufen und Schreien den Kopf verwirren, sie sollten vielmehr wenigstens einmal am Tage die Knaben bei Strafe dazu anhalten, daß sie miteinander disputierten, sich gegenseitig fragten und sich in der Erkenntnis der Redeteile, in der Beugung und dem Geschlecht der Nomina, in den Praeteritis und; Supinis der Verba (a verbo), in der Übereinstimmung und Nichtübereinstimmung der Satzteile und in der Quantität der Silben übten. Wöchentlich einmal sollte den Knaben Stoff zu einem Briefe und zu einem Gedicht gegeben werden (die ersten häuslichen schriftlichen Arbeiten!), in einer vom Lehrer bestimmten Stunde sollten diese Arbeiten geprüft und den Schülern die Mängel und Fehler gesagt werden. Wenn das die Schüler sehen würden, würden sie mehr und mehr mit Lust zu diesen Arbeiten erfüllt werden. Sie sollten sich auch in acht nehmen, die lateinischen Worte der deutschen Sprache zu sehr nachzubilden, daß sie sich nicht zu sagen gewöhnten: iuva mihi, sondern iuva me, nicht magister erit venire, sondern veniet oder venturus est etc. Gürtlers „Ars grammaticae". 19 Und wenn sie sich dann selbst das sinnlose, bäurische und barbarische Latein verbessern würden, würde nicht wenig Nutzen die olge sein, sie würden geübter werden. Denn das gegenseitige Quälen werde ihnen wunderbares Verständnis ereben, werde sie ink, geübt und kühn machen, da sie sich voreinander auszuzeichnen begehrten; endlich würden sie immer eifriger darauf brennen, für die Erlangung von Ehre, Sieg und Ruhm zu streiten. Die Übung habe nämlich (nach Cicero) große Kraft, die Übung, die alle Lehren der Lehrer übertreffe. Daher sollten sie sich gegenseitig quälen und üben, und sie würden, wie die Erfahrung lehre, viel eher und leichter zum Ende der Grammatik kommen. Für den Humanisten bezeichnend ist hier, daß er auch auf den Ehrgeiz als Triebfeder für schnellere Fortschritte rechnet. Wie unbeholfen aber und noch scholastisch angehaucht ist doch die Methode! Die Knaben sollen bei der Einübung, bei der Repetition und beim Examinieren das Wort haben, gerade da, wo die Erfahrung des Lehrers und sein reifes Judicium Schweres und Leichtes, Wichtiges und Unwichtiges unter Berechnung des Wissens und Könnens er emzelnen Schüler zu scheiden und zweckentsprechend auszuwählen, die schwierige Fragestellung zu erwägen und die Fragen exakt und 8chnell zu bndeQ ^ ^ ^^ ^ allerdings der Mittelpunkt des Unterrichts, aber wie bei den scholastischen Dispute i 0 nen nur als der thronende Meister, der den ganzen Aktus leitet, der schlichtet und entscheidet und von seinem höheren, authentischen Wissen dazugibt, nicht aber seine Person, sein Wissen und seinen Geist zum lebensvollen, lebenerweckenden, anregenden, alles an sich heranziehenden Mittelpunkt macht. Und es liegt doch auch m diesen tastenden Anfängen pädagogischer Methodik, zumal Z T WZ . g V ° n re S ehnäßi gen schriftlichen häuslichen Arbeiten, in der Goldberg in Deutschland dem ganzen 16. Jh. voranging, ein AI den ^rr 11 ^ Gedank6 ' nicht ™ der negative" das ™:^^zz^ een > sondern der: ihn durch ** Bat est! Unterrichts weise zu ersetzen. Bonum voluisse Diese Form der Repetition und Einübung der durchgenommenen Pensen erscheint dem Verfasser so wichtig, daß er einen tageweise aufgestellten typischen Wochenplan für die Verteilung des Stoffes anfügt: „Exercitatio operis et eius modus examinandi. Die lune facient dietam primam in petitionibus in primo opus- culo de nomine. In seeundo ineipiet Rectis as es a usque 0 dabit 20 Die gehobene Stadtschule. eque. In tertio opusculo in regulis, puta de nominibus adiectiuis et substantiuis. Die martis in primo opusculo de pronomine. In secundo O dabit eque usque Sextus in i. In tertio opusculo de pronomine. Die mercurii. In primo opusculo de verbo. In secundo Sextus in i vel in e usque Inquantum potero. In tertio autem opusculo de verbo membrum primum. Die iouis. In opusculo primo de aduerbio. In secundo Inquantum potero usque Ut tibi per metrum. In tertio autem de verbo membrum secundum et tertium. Die veneris. In opusculo primo de participio. In secundo Ut tibi per metrum usque Versibus his terna. In tertio autem opusculo de aduerbio, participio, coniunctione, prepositione et inter- iectione. Die saturni. In primo opusculo de coniunctione, prepositione et interiectione. In secundo Versibus his terna usque ad finem. In tertio vero opusculo capitulum secundum et tertium usque ad finem. Die solis. In opusculo quarto et in Elegantiis orationum atque terminorum. Hec enim exercitatio in pueris mirabilem faciet fructum." Unter den Tagen erscheint also auch der Sonntag als Schultag, der vor den übrigen Tagen nur den Vorzug hat, daß wie zum Zeichen des Festtags die Regeln über Prosodie geübt werden sollen und die „Elegantiae orationum atque terminorum". Der Stoff der vier ersten „Opuscula" ist vollständig in den Tagespensen aufgeteilt, nur das fünfte Buch, die Anleitung zum Briefschreiben, wird hier mit keinem Worte erwähnt; wir haben jedoch schon gehört, daß auch sie praktisch, für häusliche Aufgaben, verwendet wurde. Demnach konnten diese Repetitionen, die alles Durchgenommene allwöchentlich wieder durchübten, nur auf der obersten Stufe vorgenommen werden. Das sagt auch die Hereinziehung der „Elegan- tien", mit denen auf ein anderes weiter unten zu erwähnendes Werk Gürtlers angespielt wird. Die untere Stufe mußte ähnlich nach und nach gefördert werden. Das erste „Opusculum", die acht Redeteile, beruht wesentlich wie ähnlich die entsprechenden Teile der Grammatik z. B. bei A. Mancinellus und P. Henrichmann auf dem „Donatus minor'% dessen Angaben meist wörtlich herübergenommen sind. Ausdrücklich bittet der Verfasser bald im Anfang wieder die Lehrer, alle andern Definitionen, die Suffizientien der Redeteile, Argumenta- Gürtlers „Ars gramrnaticae". 21 tionen u. a. beiseite zu lassen, so daß ebenso auch die Knaben nur mit den Definitionen des Donatus zu antworten haben. Man könnte dieses erste Buch „allgemeine Grammatik" nennen, wie sie heut bei uns im deutschen Unterricht der Vor- und Unterstufe behandelt wird; es besteht aber zwischen heute und damals der Unterschied, daß diese einleitende Grammatik eben in lateinischer Sprache gegeben wurde. Gürtler bleibt aber nicht bei der allgemeinen Grammatik stehen, sondern gibt vollständig und abschließend hier schon im ersten Teil die Lehre vom Pronomen, von der Steigerung und die Formenlehre des Verbs, übersichtlich auch die Endungen der fünf Deklinationen und die Geschlechtsregeln. Zwölf allgemeine Regeln über Kongruenz, Konkordanz, Regimen der Präpositionen usw. für den ersten Gebrauch der Knaben zum Lateinsprechen bilden den Beschluß. Aus dem Gesagten ginge hervor, daß bei dem Gebrauch von Gürtlers Buche für die Schüler schon einige Kenntnis des Lateins vorausgesetzt wurde, es mußte aber auch dann noch, wenn auch immer auf die Muttersprache zu besserer Erläuterung zurückgegriffen wurde, einem Anfänger schwer werden, das, was ihm im ersten „Opusculum" geboten wurde, zu bewältigen. Und das verlangte auch Gürtler nicht ohne weiteres. Er schrieb vielmehr den Schülern vor, daß sie dem Opus den Text des Donatus beigebunden haben mußten. Der Lehrer sollte ihnen nun zunächst die Definitionen, Kasus, Zeiten, Pronomina, Adverbia, Participia, Konjunktionen und Präpositionen verdeutschen; die Schüler hatten sich dann nach der eingefügten Interlinearübersetzung Übersetzung und Sinn und zugleich den lateinischen Text einzuprägen; nun erst, sobald sie den Text des Donatus mit Verständnis anzuwenden gelernt hatten, sollten sie in das „Opus grammaticae" eingeführt werden. Demnach war dieses erste „Opusculum" nur die Erweiterung des Donatus. Das zweite „Opusculum" stellt sich nach dem Donatus und „Opusculum primum" als dritter konzentrisch erweiterter Kreis dar. Es umfaßt die Etymologie, d. h. die Formenlehre, auf Grund des Alexander Gallus, der jedoch nach Wimpfelings Verlangen nur auszugsweise verwandt ist, und zwar nur für die Deklination und das Verbum; die Pronomina, die Steigerung und die Verbalformen sind als im ersten Teil genügend abgehandelt beiseite gelassen. Für 'das Verbum beschränkt er sich auf die Bildung des Perfekts und Supinums, auf die Deponentia, Anomala, Neutropassiva und Defectiva; hier ist meist die deutsche Bedeutung neben die lateini- 22 Die gehobene Stadtschule. sehen Vokabeln gesetzt. Zugleich aber fällt auf, wie sehr sich noch die empirische Grammatik in den Kinderschuhen befindet; manche Verben erscheinen einer falschen Konjugation eingereiht (z. B. amplectari für amplecti), viele fälschlich als „deponentalia" (z. B. appretiari, commemorari, citari, desolari), manche mit ungenauer oder falscher Übersetzung (z, B. comminari — trauen, divi- nari — versagen, potiri — gebrauchen, experiri — untersuchen), und endlich fehlen auch Mißverständnisse (z. B. ferfari — sprechen!) nicht. Auf der andern Seite ist anzuerkennen, daß die dunkeln Wendungen Alexanders meist durch verständlichere prosaische Regeln wiedergegeben sind, so besonders auch bei der Deklination; natürlich aber erscheinen auch hier noch überall Spuren des ma., scholastischen Lateins; vieles ist für uns unverständlich (z.B. tripos, triporis; antipos, antiporis!), vieles für den Schüler unnötig. Der dritte Teil gibt die „Diasynthetica" oder Syntax mit sehr geringer Benutzung der Verse Alexanders, und wenn diese angeführt werden, so geht verständigerweise die prosaische Regel voraus. Die Belegstellen sind meist Cicero (Briefe), Sallust, Seneca, Horaz, Vergil, Ovid, Tibull, Terenz, Juvenal, den unter dem Namen des Cato bekannten Moralien, Boetius,Gregorius, Donatus, Alexander, zum größten Teil aber der Vulgata entnommen. Die Beispiele der letzten Kategorie geben dem Latein eine für uns auffallende christlich-orientalische Färbung. So ist die Reinheit der Sprache, die auch sonst noch durch Scholastizismen vielfach getrübt wird, auch hier sehr ungleich, wie auch die Regeln bei allem Streben nach Klarheit sehr ungleichwertig sind. Trotzdem finden wir doch auch den kritischen Standpunkt wieder, wenn Gürtler bei der „gramma- tica prohibitiva" zwar Beispiele anführt, aber dazu sagt: „Wenn auch solche inkongruente Wendungen in der heiligen Schrift, bei Dichtern und Rednern gefunden werden, so ist es doch für uns nicht angebracht, jene zu gebrauchen, weil sie, unnötig angewendet, fehlerhaft erscheinen. Was kann das für Einfluß haben, wenn die Alten solche Wendungen gebraucht haben, da vieles des Metrums wegen den Dichtern erlaubt war, was uns nicht erlaubt ist." Vor allem will er nicht, daß die Schüler mit der Behandlung solcher unwesentlichen Dinge aufgehalten werden. Ebenso kurz übergeht er die „impedimenta constructionis" und verlangt zum Schluß, daß die Lehrer nach der Behandlung und Einübung der ersten drei „Opuscula" die Schüler sofort zu den Briefen des Pranciscus Philel- phus, des Cicero, des Marius Philelphus und des Aeneas Silvius führen sollen. Die Epistolographien dieser Autoren erschienen ihm Die Unterlehrer. 23 also als die nutzbringendste Lektüre für die Anfänger, in Rücksicht jedenfalls auf das praktische Bedürfnis der Zeit; die klassischen Schriften kamen dann erst dem Fortgeschritteneren, wohl gar erst dem Studenten zu. Das vierte Buch gibt mit sehr geringer Benutzung Alexanders eine möglichst vollständige Poetik. Von den Vorteilen und Annehmlichkeiten der Kenntnis der Verskunst (nach Baptista Guarinus) ausgehend, bietet er zuerst unsystematisch die Schemata für Hexameter und Pentameter und dann vier formale Hauptregeln aus der „Structur.a carminum" des Laurentius Corvinus. 1 ) Daran reiht er ausführliche Regeln und Zusammenstellungen für die Erkennung der Quantität und für die Vermeidung prosodischer Fehler. Dann folgt eine schematische Übersicht über die Versfüße, und den Beschluß bilden die Genera carminum, die Metra, ohne Berücksichtigung der Strophenbildung nach der „Structura" des Corvinus, der auch sämtliche Beispiele entnommen sind. Gürtler selbst war eigentlich kein Poet, aber er machte doch recht und schlecht seinen Vers. Der letzte Teil endlich beschäftigt sich mit dem Briefe. Der Löwenanteil fällt den Titulaturen zu; die Behandlung der Datierung fehlt ganz, und obgleich auf Cicero, Aeneas Silvius, Marius und Franciscus Philelphus mehrfach Bezug genommen wird, ist doch dieser Teil stark scholastisch gefärbt. Heinrich Bebel, obgleich hier und da selbst benutzt, würde wohl kaum mit dieser Kompilation einverstanden gewesen sein. Uns unbekannt ist das „Era- rium aureum", auf das bei den Titeln verwiesen wird. Laurentius Corvinus, der in Breslau als Schulmeister zu St. Elisabeth dem Humanismus die Wege geöffnet hatte, unterstützte die Bestrebungen Gürtlers, indem er durch ein empfehlendes Dekastichon das „Opus grammaticae" in die gelehrte Welt einführte. 5. Die Unterlehrer. Die Erfolge der verbesserten Lehrmethode Gürtlers machten sich bald geltend: die Schüler zeigten raschere Fortschritte, und der zunehmende Ruf der Schule ermöglichte es dem Rat, die Existenz der Schule für die Zukunft zu sichern. Im August 1507 weilte auf der Flucht vor einer Seuche der Ordinarius der Breslauer Diözese, Bischof Johann V. Thurzo, der hochgebildete, milde <) Bauch, Schulwesen S. 233. 24 Die gehobene Stadtschule. Gelebrtenmäzen 1 ), der in Italien studiert und ala Dozent in Krakau über Ovid gelesen hatte, in Goldberg. An diesen wendete sieb der Rat mit der Bitte, drei Altarlehen der Goldberger Pfarrkirche, die unter seinem Patronat standen, solange die Schule bestünde, den drei Unterlehrern oder Kollaboratoren übertragen zu dürfen. Es waren der Altar „sanctae et individuae Trinitatis et beatorum Matthiae apostoli, Catharinae virginis, Hedwigis electae et omnium Sanctorum", mit dem ein anderer unter dem Titel „sanctorum Georgii et omnium Martyrum" vereint war, der Altar „Omnipotentis Dei suaeque gloriosae genitricis Mariae nee non sanctorum Hiero- nymi confessoria, Hedwigis electae et Barbarae virginis" dritten Dienstes, mit dem auch ein anderer unter dem Titel „saneti Nicolai confessoria atque pontificis, Mariae Magdalenae et Mariae virginis beatarum" in Verbindung stand, und der Altar „beatae Virginis, trium Regum, Christophori martyris et Sigismundi regia". Die Begründung des Ansuchena ist für Gürtler so ehrenvoll, daß wir sie hier einfügen wollen; sie lautet: „Cum divina favente benigni- tate bonarum artium Studium opera et industria honorabilis et periti viri mngistri Hieronymi Cingulatorini tantum ceperat incrementum, ut ex variis scholis pueri et adulti hunc praeeeptorem audituri in Goldbergensem scholam paasim confluant, a quo et primia literarum rudimentis variarumque diseiplinarum argutioribus praeeeptis eru- diantur, exercitatione aaaidua brevi tempore dociles et diseiplinarum, quae alias eis difficiles visae erant, capaciores reddantur, est- que ea spes non incerta aliquando ex ea studiorum officina viros literarum artiumvc bonarum peritos prodituros . . ." Nicht minder bezeichnend sind die Worte der Gewährung des edlen Kirchenfürsten, der die Schule schon als eine gehobene betrachtete: „Nos vero Johannes, episcopus praefatus, considerantes in hac patria in primis rudimentis pueros negligi ineptoque inatituendi modo etiam optima ingenia a literarum atudio abalienari, quo fit, ut, nisi apud exteras gentes magna adhibita opera bonas mercentur artes, paueos haec terra doctos viros alat, quos tarnen omnis prior aetas summe coluit et illorum frequentia celebris esse voluit, Nos quoque, qui talium virorum commercio mirumimmodum delectamur, eam Goldbergensem scholam sub hoc praeeeptore magistro JTieronymo Cingu- latorino tum aecurate et subtiliter turn faciliore institutionis via pueros erudiente non modicam huic patriae utilitatem, qua etiam medioeris fortunae pueri absqua magno sumptu bene literati efficiantur, alla- turam cense ntes . . . altaria tria memorata . . . deputamus . . ." ') Bauch, Thurzo S. 200f. Die Unterlehrer. 25 Die Urkunde, die am 30. Aug. 1507 im Pfarrhof zu Goldberg ausgestellt ist 1 ), bestimmte, daß das erste freiwerdende Lehen dem „Collaborator senior seu primarius" zustehen sollte. Bei Vakanz eines zweiten oder der zwei übrigen sollte dieser sich das reichere auswählen dürfen. Ebenso hatte der „Collaborator medius" die Auswahl vor dem „Collaborator inflmus", der nur Anrecht auf das bescheidenste hatte. Der Kantor ist nicht mitgenannt. Die Lehrer hatten alle Pflichten der Altaristen zu erfüllen, doch brauchten sie nicht „actu presbyteri" zu sein oder innerhalb eines Jahres die Priesterweihe zu erwerben. Es genügten also für sie die niederen Weihen, und das erlaubte ihnen jederzeit, in das bürgerliche Leben wieder zurückzutreten; auch Gürtler, obgleich Kanonikus, doch nicht als solcher residierend, hat kaum die höheren Weihen gehabt. Wenn sie ihr Schulamt verließen, verloren sie ipso facto ihr kirchliches Lehen. Der Rat hatte zwar die Präsentation für die Altardienste, die nur den Lehrern „salarii loco" verliehen werden durften, dem Rektor aber wurde ausdrücklich vorbehalten, wie früher die Unterlehrer aus vernünftigen Gründen zu entlassen. Wenn aber die Schule in dem Zustand des Studiums nicht verharrte oder die Menge von Lehrern und Schülern, die sie zur Zeit hatte, vielleicht wegen Nachlässigkeit oder Trägheit der Lehrer oder durch irgendeine andere Ursache verlöre, so daß sie den früheren Zustand wieder anzunehmen und den berühmten Namen einzubüßen schiene, dann sollte die vorliegende Urkunde kraftlos werden, und die früheren Bestimmungen für die Lehen sollten wiederum vollkommen eintreten. Augenblicklich war nur ein Benefizium frei, und dieses erhielt der Senior Nikolaus Adeler, der schon als „clericus nostrae dioce- sis" bezeichnet wird; er wurde sofort damit investiert. Nikolaus Adeler oder besser Aedeler oder Edeler war aus Haynau (nicht aus Löwenberg); 1498 ist er in Köln als „pauper" immatrikuliert, und von dort hat er wohl auch das Bakkalaureat nach Goldberg mitgebracht. Von andern Unterlehrern Gürtlers kennen wir noch Franz Baldmann oder Waldmann aus Naumburg am Queis, der 1509 zuerst als „Hypodidascalus" bezeichnet wird. Er nannte sich später Pranciscus Sylvius Novimontanus. Ein weiterer Kollaborator war Bernhardinus Buchwald oder Fagilucus aus Löwenberg. Dieser ist im Wintersemester 1501 in Krakau als „Bernardinus Bernardi de Lemberg" intituliert und wurde 1504 Bakkalaureus. Aus der letzten ') Vgl. Bauch, Denkmäler S. 13 f. 26 Die gehobene Stadtschule. Zeit Gürtlers ist dann noch Bartholomäus Lubschütz aus Goldberg zu erwähnen, der im Sommer 1512 in Wittenberg Bakkalaureus geworden war, und endlich vielleicht noch Johannes Sigismundi Werner aus Goldberg, der im Wintersemester 1507 seine Studien in Leipzig begann und 1512 Bakkalaureus wurde. 6. Gürtlers „Elegantiae orationum". Gürtler begnügte sich nicht mit der Abfassung seiner Grammatik, er wollte allseitig für das Beste seiner Schüler sorgen, und die gute Meinung des Bischofs gab ihm auch einen neuen Anstoß zu weiteren Bemühungen. Wir berührten oben, daß er in dem „Opus grammaticae" auf „Elegantiae orationum atque terminorum" verwies. Dies ist sein „Elegantiarum opusculum" 1 ), das er neben seiner Grammatik seit dem Oktober 1506 unter den Händen hatte, 1509 in der Handschrift vollendete und das im April 1510 in Leipzig in zwei Teilen erschien. Diese sehr fleißig kompilierte, umfangreiche Rhetorik oder Stilistik behandelt im ersten Band die „Elegantiae orationum", d. h. die „Syntaxis ornata", in neun Kapiteln und fügt in umfassender Weise, alphabetisch geordnet, die „Colores rhctorici", die Lehre von den Redefiguren und Tropen an. Eine begriffliche, literarhistorische und empfehlende Einleitung in die Rhetorik führt in das Werk ein, und ein Verweis auf das Gedicht des Antonius Mancinellus „De figuris" schließt den ersten Teil. Von deutschen Humanisten werden besonders benutzt 2 ) J. Wimpfeling („Elegantiae") und „Corvinus noster" („Hortulus elegantiarum" 3 ) und „Structura carminum"), von italienischen A. Mancinellus, F. Philel- phus, L. Valla, B. Mantuanus. Neben den zahlreichen klassischen Zitaten erscheint aber doch gelegentlich noch die heilige Schrift, die mittelalterlichen scholastischen Grammatiker fehlen jedoch. Der zweite, sehr starke Teil gibt in alphabetischer Anordnung die „Elegantiae terminorum". Im Grunde ist das nur die praktische Anwendung der theoretischen Lehren-des ersten Teils, d. h. Gürtler ist sich über den logischen Unterschied zwischen Tropen und Rede- ') Cingulatorinus, H., Elegantiarum Opusculum omnibus Oratorie artis et eloquentie studiosis tarn utile quam necessarium . . . P. (1) 2. (Am Ende v. P. 2: Impr. Lyptzk per Bacc. Martinum Herbipolensem 1510.) 46 u. 143 Bl. 4» [Ex.: Berlin, Staats-B.]. 2 ) Schmidt 1, S. 21; 2, S. 318 N. 6. ') Bauch, Schulwesen S. 235. Gürtlers „Elegantiae orationum'. 27 figuren nicht klar geworden, und auch die „Syntaxis ornata" schließt er hier wieder mit ein; selbst Orthographisches ist hier und da herangezogen. Den ersten Band schmücken Verse von Schülern der Gold- berger Schule, von Pranciscus Baldmannus Novimontanus und von Joannes Joppener Soraviensis, den zweiten solche von Baldmann, der hier 1509 zum ersten Male als Hypodidascalus bezeichnet wird. Joppener, der sich später Johannes Soranus nannte, wurde Magister artium und Doktor der Medizin. Als praktischer Arzt verlor er in Preßburg seine ganze Habe durch eine Feuersbrunst und trat darauf in die medizinische Fakultät in Wien ein, wo er im Juni 1540 starb. 1 ) Vor dem ersten Teile stehen zwei Briefe Gürtlers an A. Mancinellus und H. Bebel, worin er diesen unter Ausdrücken hoher Verehrung sagt, daß er sie ihnen zur Ehre und der deutschen Jugend zum Nutzen ausgeschrieben habe. Von Mancinellus hat ihm die „Epitoma elegantiarum" jedenfalls in der Sammlung der „Opera Antonii Mancinelli Veliterni cum quibusdam in locis com- mentaria explanatione Ascensii" vorgelegen; daher dürften wohl auch die Stellen aus Valla stammen, von Bebel, der ihm vielleicht durch den Krakauer Lehrer dieses Humanisten, Laurentius Corvinus, bekannt geworden ist, die „Commentaria de abusione linguae latinae apud Germanos et proprietate eiusdem" und der „Vocabularius optimarum dictionum". Das ganze Werk ist Gürtlers Vater Jakob gewidmet, auf dessen Anregung es entstanden sein soll. In seinen Briefadressen nennt ihn Hieronymus „grammaticus peritissimus, latini sermonis explorator Btudiosissimus". Das sieht nach der Schreibweise des Sohnes so aus, als wäre auch er einst Schulrektor gewesen. Wenn das Werk auch wesentlich eine Kompilation ist, so war es doch gewiß für die Zeit verdienstlich; uns erschiene es für Schulzwecke fast zu umfangreich, für damals ersetzte es ein Lexikon. In die Zeit der Gegensätze versetzt uns eine kurze Schlußbemerkung, worin Gürtler erklärt, daß er kein Gegner der „ecclesiastici", „dia- lectici" und „grammatistae" sei, auf die man aber, vielleicht gegen seinen Willen, den Satz davor beziehen muß, daß er nicht für „barbari et indocti", sondern für „oratores" und „volentes politam et eultam latinitatem consequi" geschrieben habe. ') Die Matrikel der Ungarischen Nation an der Wiener Universität 1453—1630, her. von K. Schrauf. Mit 2 Schrifttaf. Wien 1902. XCII, 537 S. S. 197. 28 Die gehobene Stadtschule. 7. Gürtlers Ausgabe ciceronischer Briefe (1506). In der Grammatik hatte auch Gürtler mehrfach auf die Briefe Ciceros verwiesen. Diese waren damals meist nur in großen Ausgaben mit weitläufigen Kommentaren verbreitet. Daher faßte Gürtler schon 1505 den Entschluß, eine Schulausgabe der „Epistolae familiäres" zu veranstalten. Er wählte kurze und instruktive Briefe aus und versah sie mit knappen Argumenten, die er übrigens teilweise seinen Vorlagen entnahm. Vom Mai 1505 datiert die Widmung an den Leser, und noch in demselben Jahre wurde das Buch von Konrad ßaumgarten in Breslau gedruckt. 1 ) In der Widmung ermahnt er mit dem Kommentator der Briefe, Hubertinus Clericus Crescentinas, die Knaben und Jünglinge, sie sollten den Studien der Beredsamkeit, die den Menschen sehr hohen Kuhm bringe, mit allen Kräften obliegen und die Anfänge dazu gerade diesen Briefen entnehmen. Diese sollten sie Tag und Nacht lesen, lernen und nachahmen, sich in ihnen üben, sich an ihnen ergötzen. Dann möchten sie die größeren Briefe und die nicht weniger gelehrten als eleganten andern Bücher aufschlagen und endlich auch andere bewährte Autoren der römischen Sprache. Doch sollten sie diese so lesen, daß sie den einen Cicero zum Bannerträger oder vielmehr zum Führer einsetzten, um ihm zu folgen, ihm nachzuahmen und sich nach ihm zu richten. So würden sie in dieser Sache als Hochgelehrte hervorgehen, „quod nos illius iuuentutis praeeeptores ita fieri curabimus". Selbst die späteren Ciceronianer strengster Observanz, ein Petrus Bembus und ein Christophorus Longolius, hätten nicht begeisterter über Cicero schreiben können. Und das war 1505! Die letzten Worte Gürtlers zeigen, daß die Briöfe nicht nur für Privatlektüre, sondern auch zur Behandlung in der Schule bestimmt waren. Unter den bewährten Autoren hat man auch Terenz zu verstehen; doch fehlt für seine Verwendung in Goldberg, nicht unter den Autoritäten Gürtlers in der Grammatik, vorläufig jede Spur. Gürtlers Freund Corvinus hatte ihn schon früher bei St. Elisabeth in Breslau gebraucht. 2 ) Wenn der Ausgabe auch kein Originalwert zukommt, so entsprach sie doch den Bedürfnissen vieler. Für Goldberg wurde ') Cicero, M. Tullius, Epistole familiäres atque breuiores Adolescentibus quoque magis utiles ex toto epistolarum eius volumine, tanquam ex eloquentie fönte studiose collecte. (Impr. wratislavie apud Conradum Baumgarten 1505.) Aiij-Hiiij. 4» [Ex.: Breslau, U.-B.]. *) Bauch, Schulwesen S. 234/5. Gürtlers „Gramniatica". 29 schon 1509 eine Wiederholung 1 ) nötig. Ihr fügte Gürtler die lateinische Vita Ciceros nach Plutarch und die Hexasticha „der zwölf Weisen", Basilius, Asmenius, Lyomannus, Euphorbius, Iulianus, Hylarius, Palladius, Asclepias, Eusthenius, Pompelianus, Maximius und Vitalis, vom Grabmal Ciceros bei. Auch dieser Ausgabe fehlt ein Kommentar, obgleich Gürtler in seinen „Elegantiae" von dem Nutzen eines solchen spricht. Nikolaus Aedeler hat das Buch mit einem empfehlenden Dekastichon begleitet. Die Ausgabe erschien diesmal 1510 bei Wolfgang Stöckel in Leipzig. Schon 1511 und 1512 ließ dieser Drucker genaue Wiederholungen folgen. In Krakau druckte 1510 Johann Haller die Sammlung 2- ) nach, 1517 Valentin Schumann in Leipzig, andere folgten, alle ohne des ersten Herausgebers zu gedenken. Mit der ersten Ausgabe 3 ) hat Gürtler nicht bloß sich ein Denkmal gesetzt, sondern auch der Stadt Goldberg, und ebenso der Drucker Baumgarten sich selbst. Auf gutem Papier mit schönem Druck zeigt sie auf dem Titel einen knienden Engel mit den Breslauer Wappenschildchen, die den Kopf Johannes des Evangelisten und das Breslauer W tragen. Das ist dem Herstellungsort geweiht. Auf der vorletzten Seite liest man unter dem Kolophon: GOLTPERK, und darunter sieht man, zierlich eingerahmt, in einem abgerundeten Schilde einen auf dreifach gegipfeltem Berg sitzenden Adler mit entfaltetem Fluge: das Wappen von Goldberg. Nur die sonst übliche silberne Binde über Brust und Flügeln fehlt. Das ist dem Bestimmungsort gewidmet. 8. Gürtlers „Gramniatica". Die eingehende Beschäftigung mit den Feinheiten der lateinischen Sprache mochte wohl in Gürtler die Erkenntnis erwecken, daß sein „Opus grammaticae" den Anforderungen an eine gute ') Cicero, M. Tullius, Epistole familiäres atque breuiores adolescentibus quoque magis vtiles ex toto Epistolarura eius volumine tanquam ex eloquentie i'onte accurate colleete ac denuo vigili cura elimate: adiimotis etiam Episto- larum argumentis vel Titulis intentiones ipsarum succincte declarantibus, cum Epistolarum numero libri cuiuslibet, quo Iuuenibus ipsis in libros principales facilior pateat aditus. (Impr. Liptzk per Baccalaureum Vuolfgangum Mona- censem 1510.) 4". 2 ) Titel von „cuiuslibet" ab: Additum est praeterea Compendium Isagogi- cum in epistolarum compositionem per Iodocum badium Äscensium editum. En habes candide lector epistolas familiäres Ciceronis easque breuiores. Impr. Cracouie. Impensis J. haller 1510. 4 °. 3 ) Das "Exemplar der U.-B. Breslau ist ein Unikum. 30 Die gehobene Stadtschule. Latinität recht wenig entspräche und daß er insbesondere mit Alexander Gallus ganz brechen müßte. Er entschloß sich noch 1510 zu einer vollständigen Umarbeitung und verband damit zugleich seinen Dank an den gütigen Gönner der Goldberger Schule, indem er die Neuausgabe dem Bischof Johann V. von Breslau widmete. 1 ) Seine gänzliche Abwendung von Alexander drückt er in der Widmung mit den Worten aus: „omissis reliquis Alexandri Gallici aliorumque grammatistarum halucinationibus". Er habe erkannt, sagt er in dem Vorwort an die Lehrer, daß mit Alexanders Behandlung viel kostbare Zeit verlorengegangen sei; seine Grammatik würde die Schüler in wenig Monaten zum Ziele führen und zugleich zu wahrem Latein. Eine lange Liste von antiken und modernen grammatischen Autoritäten soll ihm als Schild gegen etwaige Angriffe dienen; er hätte diese Aufzählung noch bedeutend erweitern können. 1511 kam die neue „Grammatica" in Leipzig heraus. Sie ist wieder in die uns bekannten fünf Bücher geteilt. Das erste „Opusculum" erscheint in seiner Anlage im großen und ganzen wenig verändert. Das, was in der ersten Ausgabe noch an die Scholastik anklang, ist verschwunden, es ist jetzt eine echte „Grammatica positiva", ebenso verschwunden ist aber auch die methodische Einleitung und Anleitung. Der Ausdruck ist gereinigter. Bei der Deklination ist der Unterschied der „casus recti" und der „casus obliqui" neu. Bedeutend erweitert ist der Abschnitt über das Pronomen aus den Angaben des Laurentius Valla, I. Sulpicius und A. Mancinellus („Spica decliuationum"). Auch der allgemeine Abschnitt über das Verbum hat Bereicherung erfahren. Am meisten aber ist das Kapitel von den Präpositionen, die erst in diese Ausgabe ausführlich aufgenommen sind, erweitert, und zwar ist der ganze Abschnitt aus J. Henrichmanns „Grammaticae institutiones" 2 ) übernommen, die übrigens schon vom Anfang an benutzt sind, bisweilen auch da, wo Gürtler sich auf C. Lancilotus, Horatius u. a. direkt beruft. Man muß aber zugestehen, daß er im allgemeinen nicht einfach abschreibt, sondern nach Bedürfnis exzerpiert. Der ') Cingulatorinus, H., Grammatica castigatissime in libros quinque partita atque reposita. Vocabulorum appendice interpollata ac denuo dili- genti recognitione impressa. Liptzk impr. Wolfgangus Monacensis 1511. CC gez., 27 Bl. 4" [Ex.: Dresden, öff. ß.]. 2 ) Henrichmann, J., Grammaticae institutiones castigatae denuo atque düigenter elaboratae. Phorce in aed. Th. Anshelmi 1508. 129 Bl. 4° [Ex.: Berlin, Staats-B.]; SGDE«: Phorce 1506 [Ex.: Nürnberg, Stadt-B.l; SGDE>: Haganoe 1520 [Ex.: Berlin, Staats-B.]. Gürtlers „Graminatica". 31 Abschnitt über das Adverbium ist jetzt richtiger hinter das Partizipium gestellt; ungeschickt sind allgemeine, aus Henrichmann entlehnte Regeln über die Deklinationen schon hinter der ersten Deklination eingereiht. Im zweiten Teil, der auch hier wieder mit der Deklination beginnt, wird Alexander ebenso wesentlich durch Henrichmann ersetzt, von dem Gürtler einmal sagt: „quem tanquam bonum pue- rorum praeceptorem sum secutus". Sehr deutlich ist z. B. die Anlehnung bei der Konjugation. Aber auch hier sieht man, daß Gürtler das Aufgenommene selbständig verarbeitet und durch zahlreiche Lesefriichte aus einer großen Reihe von Autoren erweitert hat. In entsprechender Weise ist auch das dritte Buch, die Syntaxis, umgearbeitet. Über Henrichmann gehen die letzten Abschnitte „De grammatica permissiva" und „De grammatica prohibitiva" hinaus, sie entsprechen aber der ersten Ausgabe; nur ist Alexander ausgeschlossen. Das vierte Buch, „De condendis carminibus", ist ebenfalls radikal behandelt. Hier liefert jetzt die „Ars versificandi et carmi- num condendorum" H. Bebeis 1 ) den Grundstock; Corvinus bleibt nur in seinen vier Hauptregeln erhalten, die aber auch Bebel seiner Anweisung einverleibt hat. Am meisten hat von dem Text der ersten Ausgabe das fünfte Buch, der Briefsteller, bewahrt; doch auch hier finden wir Ergänzungen, besonders aus Bebeis „Commentaria epistolarum conficien- darum" 2 ), eingearbeitet. Die Kategorien der Titulaturen sind noch vermehrt, und in ausführlicher "Weise ist der römische Kalender abgehandelt. Den Schluß des ganzen Werkes bildet eine für die Unterlehrer Gürtlers bestimmte „Vocabulorum Etymologiae appendix secundum Capitulorum et Alphabeti seriem breviter conflata". Fassen wir nun unser Urteil über diese zweite Ausgabe der Grammatik kurz zusammen, so müssen wir das ehrliche Streben >) Bebel, H., Ära versificandi et carminutn condendorum . . . Syllabarum quantitates Racemationes et exquisitiores observationes recenter collecte pro maiori carminis ornandi declaratione eiusdem. (Colonie, Quentel 1507. 48 Bl. 4° [Ex.: Breslau, U.-B.]; SGDEi; Lipsiae 1536 [Ex.: Dresden, Oft. B.]. s ) Bebel, H., Commentaria Epistolarum Couficiendarum . . . Contra Epistolandi modos Pontij et aliorum Contra Epistolas Caroli Commentaria de Abusioae linguae latinae apud germanos et proprietate eiusdem: Vocabularius optimarum dictionum. (in urbe . . . Argentina, Grüninger 1503.) CLXII Bl. 4° [Ex.: Berlin,Staats-B.]; SGDEi; Tubingaelöll [Ex.:Frankfurt a.M., Stadt-B.]. 32 Die gehobene Stadtschule. Gürtlers anerkennen, wenn er auch selbst noch nicht bis zur klassischen Reinheit durchgedrungen ist. Zu dem poetischen Schmuck der ersten Ausgabe ist hinter dem dritten Buch ein Epigramm eines Schülers, B. Bogentantz aus Liegnitz, gekommen 1 ), das sich an die deutsche Jugend wendet und die von dem Alexander Gallus befreite Grammatik lobpreist. Bogentantz ging dann nach Köln, wo er 1515 ein Werk über den Gesang verfaßte. Später soll er Eektor bei St. Peter und Paul in Liegnitz gewesen sein. 1525 ging er noch einmal auf die Universität Wittenberg. 9. Gürtler als Doktor der Medizin. Man sollte es kaum glauben, daß Gürtler bei so emsiger philologischer und pädagogischer Tätigkeit an einen Wechsel des Berufs dachte, und doch ist es so. Er begab sich im Sommersemester 1511 nach Wittenberg, um dort Medizin zu studieren, blieb aber dabei Leiter seiner Goldberger Schöpfung. Sonst war wohl Aedeler sein „Provisor" oder Vertreter im Rektorat. Sein Studium war wenigstens nach seinem Aufenthalt in Wittenberg kein zusammenhängendes; vom November 1511 bis zum Mai 1512, wo er von der „Jumfer" Anna Adam ein Haus für 12 Mark kaufte 2 ), können wir ihn in Goldberg nachweisen. Im August 1512 ist er wieder in Wittenberg, und zwar als Doktor der Medizin. Er hat sonach diesen akademischen Grad im Sommersemester 1512 erworben. Das medizinische Dekanatsbuch erwähnt seine Promotion im Dekanat des Doktors U. Erbar, hat aber das Jahr hinzuzufügen vergessen. Die Promotion führte, wie es scheint, seinen Vater Jakob und seinen Bruder Sebastian nach Wittenberg; beide haben sich in die Matrikel eintragen lassen. In demselben Semester und vielleicht bei derselben Gelegenheit sind auch F. Sylvius und B. Lubschütz in die Matrikel aufgenommen worden. Hieronymus gewann in Wittenberg neue Freunde, so den skotistischen Magister, Professor der Mathematik und keineswegs talentlosen Poeten Guolfus Cyclopius Cycnaeus (Wolfgang Kandelgießer aus Zwickau), der dann als Doctor med. in Celle lebte und später in Magdeburg als „Schwarmgeist" Nikolaus von Amsdorf viel zu schaffen machte 3 ), und Johannes Ferreus Montanus Hessus (Eisermann), der in dem Federkrieg zwischen Wittenberg und Leipzig nach der berühmten Disputation von 1519 eine Rolle spielte*) und 1527 unter dem Namen Ferrarius der erste ') Bauch, Humanismus III. S. 160. 2 ) St. A.-Br., Stadtbuch. *) Bauch, Humanismus I. S. 219. *) Enders 2, S. 157, Ann». 3. Weitere pädagogische Arbeiten Gürtlers. 33 Rektor der Universität Marburg war. Gürtler wurde hier aus Cingulatorinus in Cingularius umgetauft. 10. Weitere pädagogische Arbeiten Gürtlers. Während er sich dem medizinischen Studium hingab, arbeitete er auch als Pädagoge fleißig weiter. Wir haben bis jetzt nur von grammatischen und rhetorischen Hilfsbüchern bei ihm gehört; am 1. Nov. 1511 begann er die Bearbeitung eines logischen Hilfsbuchs, das zwar der Scholastik entstammte, aber doch auch mit reformierender Tendenz von ihm angegriffen wurde, die Bearbeitung der zwölf Traktate des Petrus Ilispanus, die für die Anfänger im Brauch waren. Im Januar 1512 beendete er seine Arbeit, die auf Bitten seiner Schüler 1513 gedruckt erschien 1 ). Er sagt darüber: „Itaque rogantium optatis morem gesturus, pauciusculis, aliorum magis quam nostra usi Minerua, codiculum hunc pro viribus conseruimus, serie argumentorum [der scholastischen], quibus reliqui libri refertissimi sunt, omissa, ita tarnen omissa, ut nihil obscurum, nihil reconditum, nihil aneeps, nihil ambiguum de so parturit hie codex, quem ado- lescentes post prima grammatices seiende libamina legant, ut uberrimis hie fructibus uteunque degustatis ad Aristotilis (!) dia- lecticam liberius confugere queant . . ." Die „Enarratiuncula", d. h. der Kommentar, der den Text der zwölf Traktate begleitet, sind, wie bei einem Schüler der Montanerburse nicht anders zu erwarten ist, thomistisch, doch keineswegs rein thomistisch, ihr Latein scholastisch. Doch fehlen auch Beispiele aus dem Altertum nicht. Echt scholastisches Latein schreibt er im „Prohemium" bei der Besprechung der „artes mechanice". Dort sagt er: „Vocantur autem ille infami nomine mechanice, quasi adultere, quoniam addiscentes eas adulterari videntur eo, quod ignobilioribus operam dant." Er leitete also „mechanicus" von „moechor" ab. Der Freund Gürtlers, L. Corvinus, der einst als Rektor zu St. Elisabeth in Breslau seinen Schülern gleichfalls den Petrus Ilispanus geboten hatte 2 ), hat das Buch durch ein heroisches „Epigramma ad scholasticos logice ignaros et aliarum artium cupi- dos" empfohlen. ') Cingularius, H„ In omnes Petri hispani traetatulos enarratiuncula ad ornnium legentium vsum optima enodatione emunete luculenterque enarrata ac demum ad scholasticorum suorum preces aheneis litteris excussa. Impr, Lipczk per Baccalaureum Vuolfgangum Monacensem, 1510. 4°. 2 ) Bauch, Schulwesen S. 238. Monnmcnta Gormaniao Faodagogica LV1I. 3 34 Die gehobene Stadtschule. Mit der Herausgabe des Petrus Hispanus hatte der Rektor der Goldberger Schule für alle Disziplinen seiner Anstalt gesorgt, da er jetzt für alle Lehrzweige, für Grammatik, Rhetorik und Dialektik oder Logik, Lehrbücher verfaßt hatte. Der ganze Unterrichtsbetrieb an seiner Schule war somit seine eigenste Schöpfung. Aber er fand auch weiterhin noch Anlässe, pädagogisch die Hand zu rühren. Als er in Wittenberg, schon als Doktor der Medizin, verweilte, wurde schon wieder einmal eine neue Ausgabe seiner Grammatik nötig. Sie wurde vielleicht in "Wittenberg gedruckt, fiel aber so reich an Druckversehen aus, daß er sie 1515 nochmals in Leipzig setzen ließ 1 ), nachdem er eine Kürzung vorgenommen hatte. Darüber sagt er in einem Epigramm an den Leser: „Nuper chalcographi vitio quod mille scatebat Mendis, iam longe tersius exit opus. Nam quod erat pridem mendoso pumice pressum Aut quod abundabat, demere cura fuit." Die Widmung dieser Wiederholung an Thurzo trägt das Datum: Wittenberg am I.August 1512. Das Buch ist diesmal betitelt „Artis grammaticae observationes". Die Grammatik enthält jetzt nur vier Bücher, die Poetik ist weggefallen; der Briefsteller, obgleich auf dem Titel mitgenannt, ist so eingerichtet, daß er als selbständiges Buch gehen kann. Die „Appendix" für die Unterlehrer ist auch weggelassen. Die Ausgabe entspricht sonst im allgemeinen der zweiten, hin und wieder bemerkt man das Streben nach besserer Latinität; unter den vorangestellten Autoritäten ist diesmal Henrichmann ausdrücklich genannt und neben ihm noch neu Aldus Manutius und Gregorius (1. Geor- gius) Simler. Eine Wittenberger Errungenschaft sind einige wenige Worte in griechischem Druck. Unter den poetischen Beigaben erwähnen wir ein Gedicht des Guolfus Cyclopius, von Corvinus das alte und zwei neue Epigramme, von Franciscus Sylvius zwei, ein neues bei dem vierten Opusculum. Dies ist die letzte Ausgabe von Gürtlers Grammatik; der Briefsteller ist als Buchhändlerspekulation mehrfach wieder aufgelegt ') Cingularius, H., Artis Grammatice observationes: ad divum Joanneni Turzo Vratislavianorum Presuletn: castigatissime et diligenti recognitione novissime stanneis formulis excusse. Lipsi impr. Vvolfgangus Monacensis 1515. [Beigedr.] Hierouymi Cingularij Aurimontani de Componendis Epistolis Opelluro utilissimum politissitnumque. zus. 104 Bl. 4° [Ex.: Breslau, U.-B.]. Weitere pädagogische Arbeiten Gürtlers. 35 worden 1 ). Bin weiteres Portleben wurde der Grammatik durch einen andern Schulmann zuteil. Als der frühere Domschulmeister, nun Schulmeister zu St. Maria Magdalena in Breslau, Mag. A. Moiba- nus 1521 an die Abfassung einer eigenen Grammatik ging, seiner „Paedia artis grammaticae" 2 ), legte er seiner Arbeit die „Gramma- ticae observationes" zugrunde, die er vermutlich vorher im Original benutzt hatte. Ihr beiderseitiger Freund Corvinus, der auch die „Paedia" poetisch empfahl, mag der Vermittler gewesen sein. Das letzte und beliebteste Schulbuch in dieser Lebensperiode schrieb Gürtler im November und Dezember 1512 in Goldberg, seine „Tersissima latini eloquii synonymorum collectanea". 3 ) Die alphabetisch geordneten Synonyma beginnen mit Abweichen und schließen mit Wüste. Für uns ist die Reihenfolge ziemlich sonderbar hergestellt. Außer Synonymen sind auch poetische Umschreibungen aufgenommen. Auf dem Titel nicht genannt 4 ), folgt hinter dieser Zusammenstellung noch: „De vocum proprietatibus seu termi- norum differentiis in libellum Synonymorum annotatio ex M. T. C. et compluribus Oratorum ac Poetarum campis nouiter selecta et ad alphabeticum ordinem comportata atque reposita." Dieser Abschnitt bringt Heteronyma und ist trotz des vorstehenden Titels im wesentlichen nichts anderes als das alphabetisch umgestellte letzte Opus der Grammatik des Mancinellus: „Vocum proprietates". Gürtler hat das Werk seinen Schülern Ch. und N. von Seidlitz gewidmet. Seine Unterlehrer F. Sylvius und B. Fagilucus haben die üblichen Begleitverse geliefert. Von diesem Buche muß es übrigens noch eine zweite Wittenberger Ausgabe geben, die noch Gedichte von Joannes Ferreus Hessus und Sylvius enthielt. Von dieser ') Z.B. (Lipsi impr. Wolffg. Monacensis 1517.) 10 Bl. 4" [Ex.: Breslau, U.-B.]; o. 0. u. J. (Sohl.: Ex Vuittembergensium offioina 1510. Vorrede 1512). 10 Bl. 4° [Ex.: Berlin, Staats-B.] o. 0. u. J. 2 ) Bauch, Reformation 8.34/5. 3 ) Cingularius, H., Tersissima latini eloquij Synonymorum collectanea. annotatis vocum proprietatibus: non modo epistolas: verumetiam carmina cu- dere volentibus oppido idonea: ex multijugis et quidem luculentissimis cum Oratorum tum Poetarum scriptis studiosa recognitione veluti quedam progymnasmata eruta: vernaculoque suo vt inventu sint faciliora accom- modata: ac denuo secundum alphabeti seriem deprompta atque concinnata. (Wittenburgi in offlcina J. Gronenbergi. 1513.) 46 Bl. 4» [Ex.: Dresden, öff. B.]. *) Die späteren Ausgaben haben noch auf dem Titelblatt: „Annexus est Tractatulus utilissimus de vocum proprietatibus seu terminorum differentiis." 3* og Die gehobene Stadtschule. kennen wir wenigstens zwölf Wiederholungen. 1 ) Der hervorragende Humanist Conradus Mutianus Rufus kaufte 1515 die „Synonyma" für seine jugendlichen Hausgenossen 2 ), farrd sie also auch brauchbar. 11. Gürtlers Abschied aus Goldberg. Im August 1513 wird im Goldberger Stadtbuch Gürtler mit Albrecht vom Bock zusammen als Testamentsvollstrecker genannt. Das ist seine letzte Erwähnung in Goldberg und Schlesien. In demselben Jahre noch siedelte er wahrscheinlich nach Thorn über, von 1515 ab ist er dort Stadtphysikus gewesen. 3 ) Mit diesem Ortswechsel entging er der Katastrophe, die seine Familie in Goldberg traf. 4 ) Die Goldberger Schule ließ er zwar noch als Trivialschule, aber doch als ein in dem Trivium der drei ersten freien Künste systematisch und voll ausgebautes Partikular und auf einer so hohen Stufe in humanistischem Sinne zurück, daß ihr in der Landschaft wohl kaum eine an Leistungen gleichkam; selbst in der Hauptstadt Breslau hat um diese Zeit das städtische Schulwesen geebbt 5 ), so daß schon einmal, wenn auch bald mit schwankendem Geschick, vor Trozendorf das Partikular in Goldberg an der Spitze der schlesischen Schulen gestanden hat. An Ruf näherte sich ihm die Domschule in Breslau 0 ), der Mutianus Rufus seine Famuli anvertraute (aber der Schulmeister Mag. M. Kunler stand doch Gürtler nach), und die Pfarrschule zu St. Jakob in Neiße 7 ), die auch viele Schüler, sogar aus Breslau, z. B. A. Moibanus, den Reformator, und den späteren Breslauer Domherrn und Gegner der Reformation N. Weidner, anzog. V. Krautwald wird dort ehrenvoll als Leiter und Lehrer genannt, doch fehlte der systematische, feste Zusammenhang im Untcrrichtspfan. Gürtlers Wirken in Goldberg aber wurde durch Trozendorfs Geltung bald in tiefen Schatten gestellt, und gerade seine für die Goldberger Schule verfaßten verdienstlichen Werke gerieten bis auf eins, die „Synonyma", schon im IG. Jh. gänzlich in Vergessenheit. ') Lips., Wolfg. Monacen. 1513, 1514, 15.15; Lips., M. Lotther 1515, 1518; Lips., V. Schumann 1516, 1518; Mogunt., Schöffer 1517; Argentorati 1518, 1519, 1521. SGDE 0 : Ex aurimontanorum Gymnasio 1514 [Ex.: Berlin, Staats-B.]; SGDEi; Antverpiae 1544 [Ex.: ebenda]. 2 ) Krause, K., Der Briefwechsel des Mutianus Rufus. Kassel 1885. 12 S., 1 Bl., LXV1II, 700 S. S. 546. a ) Nach der u. S. 40 abgedruckten Grabschrift. *) Vgl. u. S. 42/3. ») Bauch, Schulwesen S. 290, 291, 297. 8 ) Ebenda S. 284, 287. ') Eberlein S. 9f. Kastner S. 15. Gürtler in Thorn und Culm. Lebensausgang. 37 12. Gürtler in Thorn und Culm. Lebensausgang. In Thorn wurde Gürtler gewöhnlich Goldberger genannt. Er selbst schrieb sich nun Aurimontanus, Aurimontanus a Ferimontanis, Aurimontanus Wildenbergius oder Wildenbergius. In seiner Eigenschaft als Stadtarzt verfaßte er, als die Seuche des sog. Englischen Schweißes 1530 auch Preußen berührte, eine Schrift über diese Krankheit. 1 ) Während einer schweren Erkrankung des Bischofs von Culm, Tiedemann Giese, 1539, behandelte er den Leidenden 2 ); einer seiner ärztlichen Kollegen war hierbei Nikolaus Coppernikus. Er trat in Thorn auch in die Ehe. Noch bestand in Culm die Schule der Brüder vom gemeinsamen Leben 3 ), segensreich und allgemein anerkannt hatte sie gewirkt; aber wir hören, daß schon 1513 die Brüder und die Anstalt sich in ungünstiger Lage befanden; infolge der reformatorischen Bewegung sollte sie bald noch weiter zurückgehen. Der Culmer Bischof Johann Konopacki suchte eifrig, den Bedrängten beizustehen. Bei einer mit reichen kirchlichen Verleihungen für die Brüder von ihm ausgestatteten Urkunde von 1519 befindet sich unter den zugezogenen Zeugen der Thorner Physikus H. Aurimontanus, und seine Anwesenheit war, wie man aus seinem weiteren Verhalten schließen kann, gewiß keine zufällige. Die gütige Fürsorge Konopackis war nicht imstande, den Niedergang der Schule aufzuhalten. 1531 mußte man wegen des Unvermögens der Brüder, die Anstalt ordentlich zu erhalten, den Versuch machen, die preußischen Stände für die Anstalt zu interessieren. Bei einer Tagfahrt zu Thorn hielt ein Schüler vor den Ständen als Demonstratio ad oculos eine von Wildenberg verfaßte Rede für die Schulbrüder*), deren Kern die Bitte um die Gewährung der Mittel zur Besoldung von drei schon angenommenen Unterlehrern war. Was darauf beschlossen wurde, wissen wir nicht. 1 ) (Hieronymus Aurimontanus a Ferimontanis Artium et Medicina- rum doctor), Perhorrendae pestilentialis Ephemeris: quam falso sudatoriam luem uocant: curandi Ratio. Cracowie,, H. Victor 1513. 2 ) Urkundenbuch des Bisthums Culm. Bearb. von C. P. Woelky. T. 2. Das Bisth. Culm unter Polen 1466—1774. Danzig 1885. Neues preuß. Urkundeu- bucb, Westpreußischer Teil. 2 Abt., 1. VII, 808 S. 4°. S. 800. 8 ) Bauch, Gürtler S. 190 f. 4 ) Hieronymi Aurimontani a Ferimontanis pro Culmensis gymnasii instauratione ad primates Prussiae oratio in comitiis Turonensibus habita 1531. Craeouiae, H. Vietor, o. J. 6 Bl. 4° [Ex.: Krakau, Czartoryskisches Museum]. Wiederabgedruckt bei Bauch, Denkmäler S. 26—31. 3g Die gehobene Stadtschule. Als Johannes Dantiscus den bischöflichen Stuhl von Culm bestiegen hatte, wandte auch er der Schule rege Aufmerksamkeit zu, und nach seiner entschiedenen Art griff er ziemlich rücksichtslos in die bestehenden Verhältnisse ein. Er hielt sich zuerst an die Brüder. Da die Mittel derselben versagten, erfahren wir jetzt nichts mehr von ihrer Mitwirkung bei der Schule; der Bischof nahm die Angelegenheit ganz allein in die Hand, und sein Gehilfe war Wildenberg. Zu Ostern 1537 bat Wildenberg den Bischof um Zusendung der bei Krakauer Druckern bestellten Eröffnungsanzeigen für die Schule, da es Zeit wäre, sie überall anzuschlagen, weil sich schon Schüler eingefunden hätten, die auf die Eröffnung der Anstalt warteten. Er ersuchte ihn sogar wegen Mangels an Lehrkräften um einen wenig fähigen Bakkalaureus aus seiner Umgebung. Im Juli 1537 verwendete er sich für den krank gewesenen Bakkalaureus J. Himmelreich aus Hirschberg in Schlesien bei Dantiscus und teilte ihm gleichzeitig mit, daß er die Neffen des Bischofs, A. Reiße und J. Lehmann, dem Bakkalaureus zum Privatunterricht übergeben habe. Himmelreich führte am Tage des hl. Johannes Evangelista auf dem Rathaus mit seinen Schülern eine Komödie auf, kündigte aber schon am 14. Jan. 1538 seine Stellung. 1 ) Der neue Culmer Bischof Tiedemann Giese, selbst ein Schüler des Partikulars, nahm sich der Schule nicht weniger als sein Vorgänger, der indes den Stuhl des Ermlands übernommen hatte, und mit diesem zugleich auf den Landtagen und bei dem König an. Aber erst 1554 kam es, nachdem die Culmer Schule bis dahin ihr Leben ziemlich kümmerlich gefristet hatte, zur Gründung einer neuen lebensfähigeren Anstalt, des akademischen Gymnasiums, das der Rat der Stadt Culm auf Veranlassung des Bischofs Johann Lubodzieski unter Bezugnahme auf das alte, 1383 von Papst Urban VI. dem Hochmeister des deutschen Ordens Konrad Zöllner von Rothenstein und seinen Brüdern erteilte Privilegium für die Errichtung einer Universität 2 ) ins Leben rief. "Wenn wir nun auch bei der Entwicklung der Schulangelegenheit die Mitwirkung Wildenbergs nicht durchgängig haben verfolgen können, so geht sie doch weiter aus seinen für die Anstalt verfaßten Werken hervor. ') Hipler, F., Beiträge zur Gesch. der Renaissance u. des Humanismus aus dem Briefwechsel des Johannes Dantiscus. Zeitschr. f. Gesch. u. Altertumsk. Ermlands 9 (1887), S. 471—572. S. 544. *) Bauch, Gürtler S. 164. Gürtler in Thorn und Culm. Lebensausgang. 39 Im J. 1542 schrieb er eine Epitome der Naturphilosophie des Aristoteles. Als für die Schule berechnet ist das Buch elementar, einfach und klar geschrieben. 1 ) Der Verfasser hat sich selbst im Wissen, im Gebrauch der Sprache und in seinen pädagogischen Anschaungen weitergebildet und hat alle scholastischen Einflüsse überwunden, die Bearbeitung ist rein dogmatisch. Uns sind Ausgaben hiervon Basel 1544, 1548, Krakau 1548, Basel 1554 und 1558 bekannt geworden. Das Werkchen ist den Herzögen Friedrich III. und Georg II. von Liegnitz und Brieg als Dank für ihre Sorge um die Goldberger Schule gewidmet. Der greise Autor, längst Thorner Bürger, ließ seine Blicke zu seinen „Erbherren", zu seiner Gründung in Goldberg, zu seiner Vaterstadt und ihrem Rate zurückschweifen; mit hohem Lobe gedachte er Trozendorfs und wünschte, das Buch in seiner alten Schule eingeführt zu sehen. Im nächsten Jahre ließ er eine Epitome der Rationalphilosophie des Aristoteles folgen. 2 ) Dieses Werk, „in usum et gratiam iuven- tutis Cülmensis Gymnasii susceptum", widmete er Tiedemann Giese von Culm in Anerkennung seines Eifers für die Wiederherstellung der Schule. Hier gibt er seine Quellen an: Aristoteles, Plato, Boetius, Porphyrius, G. Valla, R. Agricola, Ph. Melanchthon, J. Cae- sarius, C. Rudolphus, J. Willichius, E. Sarcerius, F. Titelmannus. Er hat den ihm gebotenen Stoff jedoch selbständig verarbeitet, Ausgaben von dieser Schrift sind z. B. in Krakau 1547 und Breslau 1548 erschienen. Den Abschluß dieser Lehrbücherreihe bildet dann seine 1548 oder 1549 veröffentlichte Epitome der Moralphilosophie. 3 ) Er legte in der Widmung dem als Nachfolger des Dantiscus auf den erm- ländischen Stuhl versetzten Giese die Culmcr Schule ans Herz und geht von der Ethik des Aristoteles und der Politik aus, verfährt aber bei der Ökonomik sehr frei und zwar auf christlicher Grundlage. Treffen wir in den ersten Kapiteln viele Zitate aus Cicero, so begegnen wir im letzten Abschnitt Stellen aus dem Evangelium ») Wildenberg, H., Totius naturalis philosoplviae in Physicam Aristo- telis Epitome, euius haec est facies: Physicorum libri VIII. De Coelo IV. De generatione II. Meteororum IV. De Anima III. Basileae, J. Oporinus 1544. 4 Bl., 1 Tab., 180 S., 1 Bl. 8» [Ex.: Berlin, Staats-B.]. ») Wildenberg, H., Universae philosophiae rationalis in Dialecticam Aristotelis Epitome, libris octo absoluta. Vratislaviae, A. Wingler (15)48. 1 Titelbl., 132 S. 8° [Ex.: Breslau, U.-B.). 3 ) Wildenberg, H., Moralis Philosophiae Epitome: Ethices, Politices et Oeconomices prineipia luculentissime enarrans. Cracoviae 1519. 40 Die gehobene Stadtschule. und besonders aus den Paulinischen Briefen. Er hatte sich dem protestantischen Bekenntnis angeschlossen. Der Ethik sind, alphabetisch geordnet, angehängt des Isocrates „Aurea ad Demonicum decreta" und Senecas „De morum urbanitate dicta". Von diesem Buche haben wir nur eine Krakauer Ausgabe von 1549 nachweisen können; doch folgte es öfter in Gesellschaft. Tiedemann Giese war mit diesen Arbeiten Wildenbergs sehr einverstanden, und daher wurden die drei Bücher, auf seinen Wunsch und ihm gewidmet, in eine Gesamtausgabe (das dritte Werk war zur Zeit noch ungedruckt) zusammengefaßt, die zuerst ohne Jahr bei J. Oporinus in Basel erschien. 1 ) Wie sehr dieses Schulbuch der Zeit zusagte, erkennen wir daraus, daß in Basel 1555, 1558, 1562, 1566, 1571 und 1585 neue Auflagen erfolgten, denen sich eine 1562 in Lyon anschloß. Seine Werke überlebten Wildenberg, denn am 30. Sept. 1558 legte er sich, 93 Jahre alt, zwei Jahre nach Trozendorf, zur wohlverdienten Ruhe. In seiner Vaterstadt Goldberg, in der Pfarrkirche, errichteten ihm sein Sohn und seine Schwiegersöhne über dem Eingang zur Sakristei ein Denkmal, das auch seiner theologischen Studien gedenkt. 2 ) Die beigegebenen Verse sind von J. Claius Hertzbergensis verfaßt: „Clarissimo Viro D. Ilieronymo Wildenbergio Goldbergen. Theologo, Philosopho et Medico eximio: Physico Thoronen. Felicias. Annis XLIII. Qui et ibidem pie decessit, natus annos XCIII. Prid. Cal. Oct. Anno Domini M. D. LVIII. Filius 3 ) et Generi grati Benigno Patri F. F. Anno M. D. LXVI. Tradidit ingenuas hie Wildenbergius artes, Edidit et scriptis optima quaeque suis Goldbergaeque scholam fecit Colmaeque cclebrem; ') Wil denberg, H., Totius Philosophiae humanae in treu partes, nempe in Rationalem, Naturalem, et Moralem, digestio: earundemque partium lucu- lentissima descriptio, Libris tribus primarijs consummatam noticiam com- plectens: Partim antea quoque, partim nunc primum in lucem edita. Basileae, J.Oporinus [15](46). 10 BL, 110,143,139 S. 8« [Ex.: Berlin, Staats-B.]. SGDE': Basileae 1571 [Ex.: ebenda]. 2 ) Abgedruckt bei Adamus, M., Vitae germanorum medicorum, qui seculo superiori, et quod excurrit, claruerunt. Haidelbergae 1620. 16 Bl* 451 S., 13 Bl. [Ex.: Berlin, Staats-B.]. S. 90. ') Das ist wohl der in Krakau im Sommersemester 1540 immatrikulierte „Hieronymus Hieronymi Vyldenbergius diocesis Culmensis", der im Wintersemester 1541 in Leipzig eingetragen und im Sommer 1543 relegiert worden ist. In Leipzig heißt er „Hieronymus Wildenbergius Toroneus". Sylvius Rektor in Goldberg. 41 Nunc est coelestis pars quotcunque scholae, Ad quam nos etiam doctor summusque magister Quamprimum misero Christus ab orbe vocet." 13. Sylvius Rektor in Goldberg. Nachfolger Gürtlers im Rektorat der allseitig festgefügten Schule wurde sein Unterlehrer F. Sylvius 1 ) und zwar nach der Überlieferung schon 1512, also in dem Jahre der Promotion Gürtlers zum Rektor der Medizin. Vielleicht ist hier doch erst das Jahr 1513 einzusetzen. Nach unserm Wissen nannte er sich noch 1506 „Chrysipolitanae palestrae alumnus", ist im Sommerseinester 1512 in Wittenberg immatrikuliert und im Wintersemester 1512 als Kölner Bakkalaureus von der artistischen Fakultät rezipiert worden. Wann sein Kölner Studium fällt, können wir nicht feststellen. In Wittenberg wurde er am 3. Febr. 1513 zum Magister promoviert. Aus diesem Grunde und wegen der erst im Dezember 1512 abgeschlossenen „Synonyma" Gürtlers möchten wir seinen Amtsantritt frühestens im J. 1513 suchen. Vielleicht war diese Besetzung der Stelle mit einem jüngeren Manne dem langjährigen Kollaborator senior N. Aedeler nicht angenehm, denn er verließ seinerseits Goldberg, um das Rektorat der Stadtschule in Löwenberg zu übernehmen. Man wußte später zu erzählen, er habe in Löwenberg versprochen, den Hauptteil der Goldberger mitzubringen, das sei ihm aber nicht gelungen. 2 ) Für den Umzug geben ältere Nachrichten das Jahr 1515 an, aber die Goldberger Überlieferung führt ihn unter Sylvius nicht mehr als Lehrer an. In Löwenberg wurde er später Stadtschreiber, darauf Ratmann und verwaltete 1531 und 1542 sogar das Amt des Bürgermeisters. 3 ) Sylvius tat als junger Schulmeister auch bald einen Schritt, der zwar nicht ganz unerhört, doch immerhin ungewöhnlich war 4 ), er heiratete, und seine Gattin ») Claius, Schola Bl. N v . Bauch, Bart S. 18. 2 ) Sutorius, S. 332/3. Suevus, C, Mnemosyne Leorina. Hoc est, Oratio de praeeipuis Leobergae Silesiorum ornamentis. In novi Acroatorii inaugura- tione in Festo Catharinae Anno 1611. Lignici, Sartorius (1611). 64 Bl. 4°. [Ex.: Berlin, Staats-B.] Bl. J 4. Die Identifikation Aedelers mit dem 1513 gestorbenen Rektor in Zittau (Bauch, Gürtler S. 179) halte ich nicht mehr aufrecht. c ) Wesemann, H., Zur älteren Schulgesch. Löwenbergs. Progr. d. Real- progymn. Löwenberg i. Schi. 1895. S. 31—52. S. 45, Anm. 20. 4 ) Ein verheirateter Schulmeister 1485 in Neumarkt: Bauch, Schulwesen S. 199. 42 Die gehobene Stadtschule. • war eine Tochter Jakob Gürtlers, die ganz bedeutend jünger als Hieronymus gewesen sein muß. In der Schule ging er auf den Spuren seines Schwagers getreulich weiter. Seine Mitarbeiter im Schuldienst waren B. Buchwald, J. Calvus (Kahl), K. Fleischer und B. Lubschütz, deren Reihenfolge wohl nur aufs Geratewohl zusammengestellt ist. Buchwald z. B. dürfte bald abgetreten sein, um seine letzte akademische Würde zu erwerben, so daß wieder nur drei Collaboratores vorhanden waren. Über J. Calvus ist nichts bekannt. K. Fleischer aus Wilmannsdorf, nicht aus Löwenberg, hatte vom Sommersemester 1508 ab in Frankfurt a. 0. studiert und dort im Wintersemester 1509 das Bakka- laureat erlangt. Im Sommersemester 1513 erscheint er nochmals als Student in Wittenberg. Dem Rektorat des Sylvius wurde ohne eigenes Verschulden ein jähes Ende bereitet. Im J. 1514 war sein Schwiegervater J. Gürtler Bürgermeister; als solcher geriet er mit dem herzoglichen Hauptmann des Goldborger Gebiets, A. von Bock, in Streit. Tradition und Einträge des Stadtbuchs geben darüber Auskunft. 1 ) Ein Bauer kaufte bei einem fahrenden Händler Wagenschmiere und wurde hierbei von einem betrunkenen Edelmann beleidigt und geschlagen. Der Geschlagene wandte sich klageführend au den Bürgermeister und dieser an den Hauptmann. Als der Hauptmann zu ruhiger Behandlung der Sache mahnte, zieh ihn der hitzige Gürtler der Parteilichkeit, und Bock drohte ihm deshalb mit einer Beschwerde bei dem Hofe in Liegnitz. Der Stadtschreiber suchte zu vermitteln, und der Hauptmann war bereit, die Beschwerde zu unterlassen, wenn Gürtler selbst darum bäte. Dazu war der Bürgermeister nicht zu bewegen, und so wurden beide nach Liegnitz geladen. Wie er einst, 1492, von dem Goldborger Rate, weil er „alle Burger und Herrn des Rothes manchfeldig mit seynem bößen Maule geschouldin had", in den Seizerturm gesetzt und mit 10 Mark gestraft worden war 2 ), so wurde Gürtler auch diesmal in Liegnitz eingekerkert und auf herzoglichen Befehl sein Gut in Goldberg vom Rate mit Beschlag belegt. Die Erbitterung teilte sich auch seinen in Goldberg angesessenen Söhnen Adrian und Sebastian mit. Sie wurden, weil sie Drohungen gegen den Fürsten ausgestoßen hatten, ebenfalls wegen ihres ungebärdigen Betragens „in ') Claius, Schola Bl. N. 2. St. A.-Br. Stadtbuch, 1514 Mittwoch nach Elisabeth. J ) St. A.-Br. Stadtbuch. Vgl. Bauch, Gürtler S. 160. Die Goldberger Schule unter B. Buchwald. 43 Gcfengnus genommen" und erst entlassen, als sie geschworen hatten 1 ), weder dem Fürsten noch seinen Untertanen wegen ihrer Gefangenschaft „in Arge mit "Worten noch mit Werken zu gedenken". Auch ihre Habe wurde mit Beschlag belegt. Die Familie wurde aus der Stadt verwiesen. 1516, als ihnen vermutlich die Rückkehr wieder erlaubt wurde, verkauften Adrian und Wilhelm ihren Grundbesitz in Goldberg. Jakob starb 1517. Im Juni und November des Jahres erschienen seine Hinterbliebenen oder deren Bevollmächtigte zur Erbteilung in Goldberg. Das Schicksal der Familie teilte Sylvius: er legte freiwillig sein Amt nieder und ging nach Hirschberg ins Exil. 14. Die Goldberger Schule unter B. Buch wähl. Die verwaiste Schule wurde nun 1515 B. Buchwald übergeben. 2 ) Dieser hatte schon vom Wintersemester 1501 an in Krakau humanistische und mathematische Studien getrieben. Die Matrikel nennt ihn „Bernardinus Bernardi de Lemberg". Nachdem er zu Pfingsten 1504 Bakkalaureus geworden war, trat er in Goldberg unter Gürtler ein und besang 1512 die „Synonyma". Wann er seine Studien aufs neue in Frankfurt a. Ö. aufnahm, darüber schweigt die Matrikel. Neben dem Abschluß seines artistischen Kursus trieb er zugleich eifrig Medizin, um deren willen er wohl schon in Krakau fleißig Mathematik (Astrologie) studiert hatte. Am 25. Jan. 1515 promovierte ihn der Dekan der Artisten Mag. W. Schwab als ersten von fünf Magistranden mit einer poetischen Ansprache 3 ) und erteilte ihm hohes Lob wegen seiner Sitten und seiner Bildung, besonders als feinem Dichter und Kenner der mathematisch-astronomisch-musikalischen Disziplinen: „Te studiis vigilem vidit Cracovia florens, Artibus his medicis impiger ipse studes. Te sectatorem sensit veneranda mathesis, Quam colis ut matrem filius ipse tuam. Stellarum varios cursus et sydera noscis, __________Mensuras, numeros dulcisonosque modos." >) St. A.-Br. Stadtbuch: 1514 feria tertia post misericordias domini, Dornstagk nach Jubilate; 1516 Sonnabend nach ad vincula Petri, Sabbato post Martini; 1517 quarta feria post corporis Christi, Freitag nach Katharine. J. Gürteler soll nach seiner Entlassung Altarist geworden sein, so sagt wenigstens Claius. 2 ) Claius, Schola 131. N. 3. Bauch, Bart S. 19. •) Bauch, Frankfurt S. 126/7. 44 Die gehobene Stadtschule. Von seiner Tätigkeit als Schulmeister hat sich nur die Erinnerung erhalten, daß er auf eine gute Disziplin gesehen habe und bei Vergehen ein strenger Richter gewesen sei. Neugekommene Schüler, die Waffen mitbrachten, mußten sie dem Rektor abliefern und erhielten sie nur für Reisen und beim Abgang zurück. Auch er leitete die Schule nur zwei Jahre und verließ Goldberg 1517, um die Leitung der Pfarrschule in Glogau zu übernehmen. Er soll ebenfalls versucht haben, möglichst viel Schüler mit sich nach dem neuen Wirkungskreis zu nehmen. Als seine Unterlehrer werden noch Kahl und Fleischer und dazu erst jetzt J. S. Werner und ein gewisser Martin aus Liebenthal erwähnt. Werner schloß sich früh der kirchlichen Reformation an und wurde schon 1523 von Herzog Friedrich IL als Hofprediger nach Liegnitz berufen 1 ), wo er 1524 das Abendmahl unter beiderlei Gestalt reichte, doch sich bald an K. von Schwenkfeld und V. Krautwald anschloß. 1532 wurde er Pfarrer zu St. Peter und Paul, ward aber 1540, als sich in Liegnitz endlich die konfessionelle Lage klärte, als Schwärmer abgesetzt und wendete sich nach der Grafschaft Glatz. 1548 wurde ihm der Eintritt in die Stadt Liegnitz untersagt. Er starb 1554 in Rengersdorf. Seine „Postill" war ein wichtiges Erbauungsbuch für die Schwenk- feldianer. 15. Sjlvius noch einmal Rektor. Die Gürtlerschen Händel waren indes begraben worden, und dadurch wurde jetzt bei der Vakanz 1517 der Zugang zum Rektorat für Sylvius, der sich immer noch persönlicher Schätzung in Goldberg erfreute, nochmals frei. Bis 1523 behielt er die Stellung und trat dann in das bürgerliche Leben über. 1525 erhielt er die zweite Stelle im Rate der Stadt, die des Hofrichters. 2 ) Mit kurzen Unterbrechungen gehörte er dann bis zum J. 1537 der Körperschaft als Ratmann oder Vogt an. Wann er starb, ist nicht bekannt, 1568 lebten noch zwei seiner Söhne, Alexander und Johann, in Goldberg 3 ), Alexander war 1554 in Wittenberg immatrikuliert worden. Seine Lehrkräfte waren bis auf Fleischer neue. Nur unter ihm wirkte F. Geppart aus Goldberg. 4 ) Dieser hatte im Winter- ') Eberlein, G., Zur Würdigung des V.Krautvald. Correspondenzbl. 8 (1903), S. 268-86. S. 277, Anin. 1. 2 ) Die Mitglieder des Rates verzeichnet St. B.-Br., Wenzel. 3 ) Claius, Schola Bl. N. 4, N. 4". 4 ) Der Name wird sehr verschieden geschrieben: Geppart, Gephart, Gep- pert, Goppert. Eintritt der kirchlichen Reformation. 45 semestcr 1515 die Universität Leipzig bezogen und war im Winter 1516 Bakkalar geworden. 1519 soll er als erster Häretiker in Glogau eine kleine lutherische Gemeinde gesammelt haben. 1 ) Schon 1519 ließ er sich wieder in Prankfurt a. O. eintragen, im Mai 1520 wurde er als Leipziger Bakkalar rezipiert und am 22. Jan. 1521 zum Magister promoviert. Anfang 1527 ging er im Auftrag Friedrichs IL zu Oecolampadius und Zwingli, um Dozenten für die Liegnitzer Universität zu werben. 2 ) Damals und bis zu seinem Tode, am 8. März 1545, bekleidete er die Stelle eines Stadtschreibers in Liegnitz. Sein Kollege G. Reimann entstammte einer angesehenen Familie Löwenbergs. Auch er hatte, seit dem Wintersemester 1518, in Frankfurt a. 0. studiert und war 1519 Bakkalar geworden. Nachmals war er viele Jahre Ilofrichter in Löwenberg und blieb (f 1544) in dem Gedächtnis der Zeitgenossen durch seinen Sohn, den Doktor beider Hechte und bischöflichen und herzoglichen Kanzler J. Reimann 3 ), den wir unter den Schülern H. Paxmanns in Goldberg wiederfinden werden. Wenn nicht andere Unterlehrcr der Vergessenheit anheimgefallen sind, muß man aus den Studienjahren der genannten schließen, daß schon unter Sylvius nicht immer drei studierte Untcrlehrer an der Schule zugleich tätig gewesen sind. Sollte dies nicht auf einen beginnenden Niedergang der Schule deuten? 16. Eintritt der kirchlichen Reformation. Die an sichtbaren Vorgängen in der Schule so arme zweite Amtszeit des Schulmeisters Sylvius war gleichwohl keine stille Zeit für Deutschland und seine engere Heimat, denn sie umspannte die Jahre vom Auftreten Luthers gegen Tetzel bis zum endgültigen Fußfassen der Reformation in Goldberg. Der poetische Chronist der Schule, Claius, obgleich ein guter Lutheraner, hat den Veränderungen, die sich während jener Periode in der Stadt vollzogen, und auch denen, die die Schule betrafen, kein Wort geschenkt, wiewohl er der durch Schwenkfeld und seine Anhänger gerade im Herzogtum Liegnitz und in Goldberg verursachten Wirren gedenkt, und sein prosaisches Gegenbild Z. Bart hat nur kurz, doch warm das frühzeitige Eintreten der Reformation in Goldberg hervorgehoben. ») Scriptores rer. Siles. 10, S. 66. l ) Vgl. u. S. G8. 3 ) Vgl. Heydenreich Bl. 21. 46 Die gehobene Stadtschule. Die Überlieferung hielt (ob mit vollem Recht?) daran fest, daß zu Crucis (14. Sept.) 1522 die Reformation voll von Goldberg Besitz genommen habe. 1 ) Die Bürger fielen Luther zu und hielten auch, abweichend von manchen Nachbargemeinden, in den Schwonk- feldschen Unruhen treu zu ihm wie später bei dem Eindringen des Calvinismus, der nur einige Männer aus dem Gelchrtenstand ergriff. Die Reformation, so zögernd sie meist in Schlesien an die Veränderung alter kirchlicher Gebräuche und Riten heranging, hat doch bald den äußerlichen Begriff der Parochio und der Parochianen vollständig umgestaltet und mit einem neuen Inhalt erfüllt, daraus sofort Polgerungen gezogen und diese in die Wirklichkeit umgesetzt. Die Parochianen wurden zur Kirchengemeinde, die Rechte an die Besetzung der Kirche in Anspruch nahm; die Parochio wurde zu einer bloßen Grenzbezeichnung, stellte aber keine Zusammenfassung von Rechten über die Gemeinde mehr dar, die ihr nicht von der Gemeinde zugestanden waren. In Goldberg fanden die Veränderungen jedoch eine Begrenzung an der rechtlichen Stellung der Stadt. Diese gehörte dem Herzog von Liegnitz, der selbst wieder als Vasall von Böhmen ein mittelbarer Fürst war. Man konnte also nicht allein und radikal vorgehen, sondern mußte sich in die Verhältnisse schicken und sich auf das Erreichbare beschränken. Außerdem waren in Goldberg die Kirchengemcindo und die Stadtgemeinde miteinander verquickt und blieben es nach den natürlichen örtlichen Verhältnissen. Dieser Umstand verlieh aber der Kirchengemeinde ein festeres Rückgrat und Geschlossenheit im Handeln, auch wo man des Herzogs bedurfte. Der überaus rasche Verfall der katholischen Kirche in Schlesien zu Anfang der Reformation erleichterte ein Vorgehen gegen die aus dem Mittelalter herübergenommenen Verhältnisse, und Herzog Friedrich IL, der sich selbst sogleich der Kirchenreform zugewandt hatte, bot gern seine Hand zur Beihilfe. 2 ) ') So St. B.-Br., Wenzel . .. Vgl. auch für das Folgende ebenda. 2 ) Eine im Archivdunkel gebliebene Korrespondenz (Breslau, K. S. A., St. A.-Br., Rep. 28. F. Liegnitz ß. B. III 23*, fol. 40 b) gibt uns einen Einblick in die Verhältnisse, doch fällt sie erst in das Jahr 1523. Zwischen dem 1. und 9. Mai schrieb der Herzog Friedrich II. an den Statthalter des Ordens in Löwenberg: „Wir haben Ewer Schreiben, was belanget den Prediger zum Goltpergk, seynes Inhalts vorlesen, dorhin Yr uns anzeiget, wie der selbig widder dye bepstliche Heiligkeit und Ceremonien der Kirchen geprediget hott und helt dye Messen nicht, dye zum Predigstul gestifft werden [wären]. Auch sich bey dem Conter angeßaget, das er seyu Her nicht wer, und gedechte, Die Stadt erwirbt das Schulpatronat. 47 17. Die Stadt erwirbt das Scbulpatronat. Der Johanniterorden war im Besitz des Patronats der Kirche und der Schule, „die Commendatores haben im Papsttum die Kirche und Schule und derselben Diener mit Besoldung und anderer Notdurft gegen völlige Einnahme des Dezems bestellen und erhalten müssen", sagt "Wenzels „Goldberga". Wollte man etwas erreichen, so konnte man aus Kücksicht auf den Oberlehnsherrn, der bei der alten Kirche verharrte, nicht einfach den Orden aus- dem Orden nicht zu dynen, und also seibist Orlaub und eyn Abscheidt ge- nohmen. Derhalben, weytter Yrthumb zu verhütten, an unfii begert, das wirs also bey dem Prediger, den der Conter auf'genohmen, lossen wolten. Dorauf geben wir Euch zu erkennen, das wir davon gar keyn Gewissen [Wissen] tragen, das der selbig Prediger widder dye bepstliche Heiligkeit und cristliche Kirche etwas fürnehmen solt; seyn auch nicht des Gemüthes, solchs yn unsern Landen und Stetten lassen aufzukornen, sunder, domit wir der Sachen allenthalben gruntlichen Underricht haben mögen, so gedencken wir, auf nestkunftig Mitwoch unser Rethe dohin gegen Goltpergk abzufertigen, und wene alßden befunden, das difi Furgenohmen der kristlichen Kirchen entgegen, dovon dy Leutte Ergernuß nehmen mochten, so wollen wir doreyn sehen, das disselbig abgestalt werde, auch mit dem Prediger vorschaffen, domit dy Messen, so zu dem Predigstul gesthifft, nicht nochstellig blyben. Aber diß wollen wir Euch nicht vorhalten, das wir seibist gut Wissen haben, das der Prediger, den der Conter angenohmen, zum Predigen nicht toglich und dorzu gancz ungeschickt. Derhalben sich unser Underthan, dy von Goltperg, der Rat und Gerneyn, bey uns beclaget, das sie keyn Lieb und Gnade hetten, dem selbigen zuzuhören, uud uns gebeten, sie bey dem iezigen Prediger zu behalden. Auch sich erbotten, wene der Conter Beschwer trüge, yne mit Speiß zu versorgen, das sye yne. seibist Vorsorgen wolten, domit er nicht bey yne were, dodurch Uneynikeit mochte erwachsen, und dorurnb vorsehen wir uns, Thr werdet es also bey dem Conter wissen anzustellen, domit er an dißem, das sich unser Underthan beschweren, auch ym Genüge habe. Worzu wir Euch .. ." Ein zweites, zwischen dem 16. und 18. Mai ausgefertigtes Schreiben des Herzogs an denselben Adressaten (fol. 53) zeigt bereits einen Fortschritt in der gelegenheit zugunsten der Goldberger Bürgerschaft und der Reformation: .Nachdem Yr uns schreibet, wie Yr gesonnen, des Ordens Hawß in unser Stadt Goldperk mit einem andern Conter zu vorsehen und, ßo vill Euch möglich, dye Uneynikeit und Zwittracht, ßo iczundt vorhanden, ausßtilligen, domit der Prediger zimlicher Gebor sali vorhalden werden, dorauf geben wir Euch zu erkennen, das wir iczundt etliche Tag nicht eynheymisch seyn werden. Sünder, ßo balcle uns Got widderumb anheym hilfft und wir von Euch ersucht, das Yr gesonnen seyt, eyn andern Conter dohin zu setzen oder den iezigen aldo zu bleyben lossen, ßo wollen wir uns in eygener Person gegen Goltpergk vorfugen und doreyn sehen, das diß geschege, das do cristlich ist. Euch gnedigen Willen ..." 4g Die gehobene Stadtschule. schalten oder expropriieren; aber der in Rhodus bedrängte Orden war bei dem allgemeinen Zusammenbruch und der notorischen politischen Schwäche des Königs Ludwig II. von Böhmen und Ungarn wohl oder übel bereit, der Stadtgomeinde und dem sie stützenden Herzog entgegenzukommen, um zu retten, was zu retten war; ja, er hat sich in der Folge sogar sehr gütig gegen die Stadt erwiesen. Der Chronist Wenzel sagt unter dem Datum 1522 sehr sachgemäß: „Die Stadt hat mit Vorwissen des Herzogs Friedrich II. dahin mit dem damaligen Commendator gehandelt, daß ihm der Rat all sein zur Commenda gehöriges Einkommen an Getreide (Dezem) und Silberzinsen völlig verbleiben ließ und dagegen mit des Commendatoris und des Ordens Zulassen auf der Stadt eigene Unkosten und Besoldung Pfarrer (eigentlich Prediger) und Kapläno sowie Schulmeister und Cantores vozieren und jährlich besolden sollte." Für die Schule galt diese Abmachung bis zum J. 1546, bis zur Begründung der fürstlichen Schule. Die Stadt übernahm 1550 die Kommende auf vier Jahre in Pacht 1 ), und 1554 nach dem großen Brande überließ ihr der Orden sogar auf sieben Jahre alle Einkünfte gegen Neubau der Kommende und nochmals nach dem zweiten großen Feuer von 1561 auf sechs Jahre gegen die Repouse von sieben ungarischen Gulden jährlich an den obersten Meister in Strakonitz. Am 10. Nov. 1567 endlich gestattete der Komtur von Reichenbach Martin Ultoma, dem der oberste Meister des böhmischen Priorats in Strakonitz und das Kapitel der Johanniter die Kommende in Goldberg übergeben hatten, dem Rate nochmals, mit Vorwissen des Herzogs nach Gefallen gelehrte, christliche und tüchtige Kirchendiener anzunehmen und zu Urlauben, und dies sogar unter Gewährung eines Beischubs zu deren Besoldung von 50 Mark jährlich von seiten des Komturs, aber mit dem Vorbehalt der übrigen Einkünfte. Das war der endgültige Verzicht des Ordens auf das Patronat der Kirche. Daß der Komtur in Goldberg zugleich der Pfarrer gewesen war, war zu der Zeit Wenzels schon vergessen. Der Schule wurde in dem Vertrag nicht mehr gedacht, denn sie war unterdes in die fürstliche umgewandelt worden. Und so schlief das Patronatsrecht des Ordens über sie ein, ohne selbst wieder aufzuwachen, als die fürstliche Schule eingegangen und an ihre Stelle wieder eine einfache Stadtschule getreten war. Das Tatronatsrecht über die Kirche wurde aber mehr zu einem Ius l ) St. B.-Br., Wenzel. Auch für das Folgende. Die Einkünfte der Schule. 49 nominandi, zu einem Vorschlagsrecht der Stadt bei dem Herzog, und gelegentlich erlaubte sich der Herzog, selbst einen Pfarrer oder Prediger zu setzen, eine Anwendung von Summepiskopat im kleinen. Bei der Schule wurde die Besetzung der Stellen unter herzoglicher Mitwirkung allmählich und besonders nach 1546, wenn auch mit gelegentlichen Modifikationen, noch schärfer ausgebildet; die Stadt behielt jedoch das alte Recht, ihren Anteil an den Besoldungen weiterzuzahlen. Welches aber waren nun die Einkünfte der Schule vor und bis zur Fundation der fürstlichen Schule? 18. Die Einkünfte der Schule. Hierüber berichtet ein Schreiben des Rates 1 ) an den Herzog vom 19. Mai 1628, in dem dieser die folgenden Posten zusammenstellt: „Anno 1505 [?] durch Herrn Stanislai [1. Ghristophori} Schön- walders Dotation 89 Floren ungarisch; 3 vornehme Altana, welche Anno 1507 auß unserer Pfarrkirchen mit Consens Bischof Johannis, darüber ein Rath das Juspatronatus gehabt, zur Schule geschlagen und davon 3 Collegen besoldet; 1524 durch Hecker Hansen Garten, Wiese und Berg, welche er der Armut verordnet und nachmalen zu der Schulen Einkommen angewendet worden, merklich sind gemehret und folgendtß Anno 1546 mit der fürstlichen Schulen Einkommen, damit diese Schule dotiret, consolidiret worden." Hierzu mußten noch die Zinsen der kirchlichen Stiftungen von Altardiensten für Lehrer und Messen, an denen Lehrer und Schüler beteiligt waren, und die andern wohltätigen Stiftungen für Lehrer und Schüler gerechnet werden, von denen wir wenigstens einige nachgewiesen haben 2 ), wenn auch gewiß manche von diesen Stiftungen mit der Zeit und besonders in der reformatorischen Bewegung verfallen sein mögen. Die Altardienste und ihre Messen schwanden, die Zinsen blieben. Die Schule behielt ihre gesanglichen Verpflichtungen gegen die Kirche weiter. Der Stadt blieb auch wie bei der Kirche die bauliche Erhaltung der Schule und etwaige Ausführung von Neubauten. Wenn allerdings in den berührten Verträgen von den eigenen Unkosten der Stadt bei Besoldungen und auch bei Bauten die Rede ist, so ist das öfters cum grano salis zu verstehen. Was dabei die Kirchkasse zu leisten ') St. A.-Br., Ortsakten, Fasz. XVI. 2 ) S. o. S. 5—6. Monumonta Germaniao Paodagogica LVII 50 Die gehobene Stadtschule. hatte, wurde üblicherweise in öffentlichen Angaben ebenfalls als Ausgabe gemeiner Stadt bezeichnet. Die Schüler hatten nach wie vor ein Schulgeld z.u zahlen, das der Schulmeister mit den Lehrern teilte. 1 ) 19. G. Helmrich als Schulmeister. Die neuen Bestimmungen wegen Berufung der Schulmeister machten sich sofort bei dem Nachfolger des Sylvius bemerkbar; er soll durch Schreiben des Herzogs und der Stadt berufen worden sein. 2 ) Nach den beiden Epigonen Gürtlers, Sylvius und Buchwald folgte 1523 als dritter der wie Sylvius aus der Schule des ersten Rektors hervorgegangene, doch schon mit moderneren Zutaten verbrämte zweite Goldberger von Geburt im Rektorat: Georg Helmrich. Am Donnerstag vor Ostern 1501 geboren, war er erst im 23. Jahre, als er eintrat. 1517 hatte er sich auf die Universität Frankfurt a. 0. begeben und am 19. Juli 1518 das Bakkalaureat erhalten. Im Sommersemester 1522 zeigt die Leipziger Matrikel seinen Namen. Er hatte sich wahrscheinlich dem Studium des Jus zugewendet. Wo er die Zwischenzeit von 1519 bis 1522 verbracht hat, könnte nur erraten werden; doch steht durch das Zeugnis seines Sohnes Georg fest, daß er, wenn er auch in der Matrikel fehlt, in Wittenberg studiert und dort enge Freundschaft mit Trozcndorf geschlossen hat. Wie dem auch sei, ebenso unklar ist, was das Epitaph des Georg Aemylius 3 ) ihn selber sprechen läßt: „Barba genas nondum teneras mihi prima tegebat, Cum mihi sunt patriae tradita seeptra scholae. Hie ego quos tulerim, longum est narrare, labores, Dum regitur studio parua iuuenta meo. Hoc tarnen officium septom tolerauimus annis, Visaque sunt curis tempora longa meis." Mit diesen sieben Jahren und seiner völligen Bartlosigkeit könnte man sich vielleicht auseinandersetzen, wenn man annähme, er sei früher einige Jahre Unterlehrer an der Schule gewesen. Die Nachkommen berichten von ihm, daß er die drei Sprachen Lateinisch, Griechisch und Hebräisch gekonnt habe; doch Claius, der diese Kunde von seinem Kollegen, dem gleichnamigen Sohne Helmrichs hatte, nennt das wegen seiner Jugend und der geringen ') Wie in Schlesien allgemein üblich war. Die Angaben bei Persch- mann S. 16, Anro. . ., beruhen auf einem Mißverständnis. *) Claius, Schola BLNöf. Bauch, Bart S. 19. *) Vgl. u. 8. 78 u. Kap. 4 (s. Register). G. Helmrich als Schulmeister. 51 Gelegenheit damals, zu solchen Kenntnissen zu gelangen, mit Kecht wunderbar. Mindestens war wohl der Umfang des Wissens im Griechischen und Hebräischen ziemlich bescheiden. Auch Verse sind von ihm nur wenige vorhanden; aber wegen seiner Geltung wurden diese dafür um so öfter wiederholt. Wider Willen vom Studium abgerufen, wollte er höchstens ein Jahr seines Amtes warten 1 ) und dann nach Italien gehen, um dort Doktor der Rechte zu werden. Da ergab sich ihm ein anderes Hindernis. Um die Kosten für den langen Studienaufenthalt jenseits der Alpen aufzubringen, mußte er zur Erbteilung mit den Schwestern schreiten. Diese zog sich über ein Jahr hin, und weil die Testamentsvollstrecker das Erbe des Vaters zugunsten der Schwestern für ihn gering einschätzten, übernahm er das väterliche Haus, wurde Bürger und blieb in der Heimat. Am 18. Sept. 1525 vermählte er sich, noch als Rektor der Schule, mit Katharina, der 15 jährigen Tochter des angesehenen ehemaligen Fürstentumkanzlers J. Strobel von Stromnitz in Glogau. In demselben Jahre wurde er auch Ratmann (eine in Goldberg wiederholt vorgekommene Ämterhäufung) und war von 1529 an sechsmal Bürgermeister; am 28. Sept. 1536 starb er in dieser Würde. Sein Rektorat muß er im Herbst 1525 niedergelegt haben. Als der Schwenkfeldianer F. Eckel aus Liegnitz von Herzog Friedrich IL, vermutlich 1530 zur Vertretung des erledigten Pfarramts, nach Goldberg geschickt worden war und seine Lehre von der Kanzel verbreitete 2 ), fand er tumultuarischen Widerstand in der Gemeinde, und es wurden ihm Drohbriefe auf die Kanzel gelegt. Helmrich wurde als der Urheber der Briefe angesehen. Es ging das Gerücht, daß der Herzog ihn einsetzen würde, und Helmrich wich deshalb nach Krakau, von wo er nach Eckeis Abgang erst zurückkehrte, als der Zorn des Herzogs vorraucht war. Für die Schule ließ er westlich von der Kirche auf Stadtkosten ein neues Haus erbauen und schmückte den Eingang mit den Versen: „Aonio lepidae venientes culmine Musae Montana gaudent urbe domoque frui." ») Ich folge liier nicht allein Claius, sondern vorzüglich dem von seinem Sohne Georg verfaßten Nachruf für seine Mutter Katharina. Trozendorf, Methodi 131. Bb 3. Weiteres über Helmrich s. u. S. 73/6. s ) Ich weiß, daß Eberlein, G., Aus Kirchen-Rechnungen des Re- formations-Jh. Correspondenzbl. 4 (1893), S. 102—10, S. 107, den Aufenthalt Eckeis in Goldberg für eine Klatschgeschichte S. Schubarts hält, aber zu Claius' Zeiten lebte noch die Frau Helmrichs als Gattin des Rektors Thaburnus. 4* 52 Die gehobene Stadtschule. 20. Der Unterlehrer Valentin Trozendorf. Seine Jugend und Schulbildung. Als Helmrichs Hauptverdienst um die Schule wurde jedoch betrachtet, daß er es war, der auf die Anweisung des Fürsten in seiner Berufung, zugleich einen Lehrer für Goldberg zu besorgen, den unsterblichen Valentin Trozendorf mitgebracht, d.h. nachgezogen hatte. Sic waren, wie wir schon vernahmen, einander als Kommilitonen in Wittenberg nähergetreten und hatten in regem Wetteifer miteinander gearbeitet und sich kaum stundenweise getrennt. Sonst bedarf das Leben Trozendorfs vor seiner ersten Wirksamkeit in Goldberg noch nach gar manchen Seiten hin der Aufklärung, weil es gar zu sehr von der Legende überwuchert ist und weil er selbst zu wenig darüber erzählt hat. Überdies ist das Zahlengerüst für seine Lehrjahre unrichtig. Im Grunde war man für die Kenntnis davon wesentlich auf den Inhalt der von seinem treuen Schüler K. Peucer 1 ), dem geistigen Haupte der Universität Wittenberg nach dem Tode seines Schwiegervaters Melanchthon, verfaßten und von dem Dekan der philosophischen Fakultät Mag. B. Rhau aus Naumburg am Queis, gleichfalls seinem Schüler, am 15. August 1564 bei Gelegenheit der Promotion von 38 Magistern in Wittenberg vorgetragenen Rede über Trozendorf 2 ) angewiesen. Inzwischen haben sich jedoch neue und unerwartete Quellen aufgetan, die zwar nicht überall, doch für wichtigere Dinge Aufschluß zu bringen geeignet sind. 3 ) Am 14. Febr. 1490 wurde dem kleinen Landwirt oder Gärtner Bernhard Friedland in dem zum Görlitzer Hospital gehörenden und dicht bei der Stadt gelegenen Dorf'e Troitschendorf von seiner Gattin Dorothea ein Sohn geboren, der nach dem Heiligen des Tages in der Taufe den Namen Valentin erhielt. Valentin hatte mehrere Geschwister, von denen sein jüngster Bruder Franz hieß 4 ), ist also nicht ohne Gespielen aufgewachsen. Er und Franz haben eine Vorbildung empfangen, Franz vermutlich durch ihn, die sie befähigte, ') Christoph Manlius, der Schüler Peucers, sagt ausdrücklich: „De huius vita extat autore Peucero Oratio recitata Wittenbergae anno 1564 a Decano Collegii Philosophici M. Balthasare) Rhavo Numburgensi Silesio." Scriptores rer. Lusat. S. 437. s ) Rhau, Melanchthon S. 817—57; Rhau, Rosarium Bl. ßG — <5 2. *) Besonders ergiebig waren D. A.-Br. und das von Sturm nicht genügend durchforschte St. A.-Br. *) Zu diesem s. u. S. 63 und weiter unten beim Tode Trozendorfs. Der Unterlehrer Valentin Trozendorf. 53 eine Universität zu beziehen. Der Vater hielt den kleinen Valentin bald zu seinem eigenen Beruf au, so daß er anfangs ohne jede Schulbildung aufwuchs. In der Familie herrschte frommer Sinn, der Vater nahm die Almosen heischenden Franziskaner aus Görlitz ireundlich bei sich auf, bewahrte die von ihnen gesammelten Gaben auf und führte sie ihnen in das Kloster, wenn er den Markt in Görlitz besuchte. Valentin begleitete ihn häufig und sah bei den Besuchen im Kloster die Bibliothek, die ihn lebhaft beschäftigte. Das und seine geweckten Fragen, seine Begierde zu lernen, regten die Mönche an, die Eltern zu ermuntern, den Sohn einer Schule zu übergeben und ihn der gelehrten Bildung zuzuführen. Die Eltern befolgten den Rat, und so kam Valentin 1506, also bereits 16 Jahre alt, auf die Stadtschule in Görlitz; das Kloster speiste ihn mit täglichen Almosen. 1 ) Aber sei es, daß der Knabe dem Vater in der Wirtschaft fehlte oder daß er selbst zuerst den Mut verlor, Valentin kehrte schon 1507, nachdem er kaum die Buchstaben zu unterscheiden und zu verbinden gelernt hatte, nach Hause zurück, zum Leidwesen der Mutter, die ihn lieber als Mönch oder Priester wiedergesehen hätte. Sie setzte es durch, daß er neben seiner ländlichen Tätigkeit wenigstens Lesen und Schreiben bei dem Pfarrer und dem Küster des Dorfes lernte. Wenn er die väterlichen Rinder weidete, übte er sich im Schreiben auf der weißen Innenseite der Birkenrinde mit Gänsefedern oder einem Kohre aus dem Sumpfe. Ruß zur Tinte lieferte ihm der Rauchfang, und das Tintenfaß war die Scherbe eines zerschlagenen Käsetopfes. 2 ) Diese Beschäftigung richtete immer wieder seinen Sinn auf die Schule, und da der Tod des Vaters der Mutter ermöglichte, auf ihren Wunsch wieder zurückzukommen, so kehrte er zwei Jahre später, 1509, nach Görlitz zurück 3 ) und entfaltete nun, älter und l ) Vgl. Ludovicus, Nuncupatio Bl. B2: „Gorlicü Anno M. D LXXXI in Goenobio scholae augustae, quod anno 1506 eleemosynis quotidie pauit Troce- dorfium prima hterarum elementa discentem " •) Hierzu Rhau Melanchthon; Rhau', Rosarium; Mylius, N„ Elegia: rozendorf, Precationes von 1581 Bl.b8-c3v. Man hat bei Myliu, b Ter die Stelle übersehen, wo die Mutter sagt: „Ante diem quoniam drum tibi fata parentem Et mihi dilectum surripuere virum, Qui pater est viduis carisque parentibus orbis, Nos precor aeternus curet ametque Deus." 3 ) Vgl. Trozendorf, Methodi Bl. 43, Praefatio V. Trocedorfii recitata in repetitione doctrinae Catecheticae Anno 1552 18. Martii: „Anni iam sunt quadra- ginta tres, cum mea rnater postremo me a se dimitteret." 54 Die gehobene Stadtschule. verständiger geworden, in der Schule einen Eifer und eine Ausdauer, daß er die ihm zuerst überlegnen Mitschüler binnen kurzem überholte. Den letzten Ansporn hierzu hatte ihm seine liebe Mutter gegeben 1 ), die ihn bis zur Neiße bei Görlitz begleitete und nach vielen guten Lehren mit den Worten von ihm Abschied nahm: „Lieber Sohn, bleib ja bei der Schulen." Er nahm diese Worte der Mutter, die übrigens wenige Jahre später einer Seuche erlag, nachdem er ihren ersten Wunsch, ein Geistlicher zu werden, erfüllt hatte, als Omen, das ihn bis zu seinem Lebensende bei der Schule hielt: in seiner alles mit der Kirche und ihrer Lehre in Zusammenhang bringenden Denkweise suchte er in den Worten der Mutter den Mund der großen Mutter Kirche. 21. Trozendorfs Schulmeister Mag. Th. Pentzelt. Der Schulmeister, der ihn mindestens einige Jahre unterrichtete, wird von der Überlieferung M. Alexander Cuspinianus genannt. Aber hierbei haben sich Mißverständnisse und gelehrte Kombination die Hände gereicht und ein Phantasiegebilde geschaffen, das vor der kritischen Sonde nicht standhält. Wegen des Namens Cuspinianus ist er zu einem Verwandton des Historikers und Superintendenten der Wiener Universität Johannes Cuspinianus (Spies- heim) aus Schweinfurt 2 ) und so zu einem Franken gemacht worden. Er hieß jedoch Thomas Pentzelt, sonst Spieß genannt, und war aus Weida in Sachsen gebürtig. 3 ) Daß Cuspinianus eine Übersetzung von Spieß sein soll, ist leicht einzusehen; daß der Name Alexander wahrscheinlich aus „Pentzelt, al. (= alias) Cuspinianus", entstanden ist, dürfte auch nicht schwer zu erraten sein. Warum gerade dieser Schulmeister in der Erinnerung haften geblieben ist, das dürfte wohl den Grund darin haben, daß Trozendorf durch ihn auf den Humanismus und die Universität Leipzig hingewiesen worden ist. Wenn wir deshalb auch dem sonst wenig bekannten Manne unsere Aufmerksamkeit zuwenden, so ergibt sich das Folgende. ') Trozendorf, Methodi Bl. 43: „Nam pestis tum [1509] grassabatur in his regionibus, ea quoque eadem ablata est. Haec erat nouissima vox, dicebat: Lieber Son, bleib ja bey der Schulen." a ) Zu J. Cuspinianus vgl. Bauch, G., Die Rezeption des Humanismus in Wien. E. litt. Studie z. dtschen Universitätsgeschichte. Breslau 1903. VIII, 167 S. S.48f. ") Nach den Akten der Leipziger Universität. Trozendorfs Schulmeister Mag. Tri. Pentzelt. 55 Im "Wintersemester 1490 wurde Thomas Pentzelt unter die Leipziger Studenten aufgenommen, im Winter 1494 wurde er zum Bakkalar und erst im Wintersemester 1503 zum Magister promoviert. Vom Winter 1506 bis zum Winter 1508 ist er als lesender Magister nachzuweisen, führte aber nun den Namen Spieß. Hiernach dürfte er vielleicht schon zu Ostern 1509 als Schulmeister in Görlitz angetreten sein. Am 3. Dez. 1512 erschien er vor dem sitzenden Rate und übergab unter Danksagung dem Rate die Schule. 1 ) Wenn man das als Kündigung auffaßt, so hat er wohl zu Ustern 1513 Görlitz verlassen. 2 ) In Leipzig gab er sich später theologischen Studien hin und erreichte am 3. Aug. 1518 die erste Stufe des theologischen Bakkalaureats: er wurde Cursor. Aus der Zeit seiner Lehrtätigkeit in Leipzig liegen ein paar Werke von ihm vor, die seine Stellung zu den literarischen Strömungen an der Universität erkennen lassen. So gab er als Magister, das Jahr ist leider nicht zu bestimmen, drei der Briefe des italienischen Humanisten F. Philolphus^) heraus, „in quibus non- nullae quaestiones non minus ornate quam philosophice determinan- BT.V m Z Semem ehemali Sen Lehrer Bakkalar K. Gerhard aus Saalfeld widmete. Zwei dieser Briefe sind an den Juristen und Kedner G Saccus und einer an Filelfos Gönner A. Canobius gerichtet ]j 10 m den ausgewählten Briefen behandelten und deren Abdruck vorangestellten Fragen sind: woher es komme, daß die Juden stinken; weshalb man im Herbst mehr Appetit zum Essen habe als in den andern Jahreszeiten; warum die Schwäne am Lebensende lauter und süßer singen; mit Hilfe welcher Mittel man nicht betrunken werden könne; Erklärung des Wortes „Clepsydra"- ob Cicero zu tadeln sei, der den Tod ein Übel nenne und sogleich darauf sage, wenn ein Übel, dann etwas Elendes; ob es wahr sei was viele dem Aristoteles vorwürfen, daß in seinen Büchern nirgends die Unsterblichkeit unserer Seele zu finden sei Man sieht: ein eigenartiges Quodlibet. Sonst hat er bei den Briefen nur Randlemmata hinzugesetzt, die ihre Disposition angeben und auf bemerkenswerte Aussprüche hinweisen. Trotz des humanistischen Gegenstandes ,st das eigene Latein Pentzelts noch scholastisch, wie schon das „determinantur" im Titel verrät. l ) Schutt S. 13/4. 2 j Die Zahlen schwanken bei Schutts Gewährsmännern zwischen 1512 u 1513 J ) Philelphus F., Epistole tres: in quibus nonnulla questione's non minus ornate, quam philosophice determinantur. Lipczk, J. Thanner O J 4 « Der Name M. Thomas Pentzelt bei der Widmung. 56 Die gehobene Stadtschule. Noch schärfer drückt sich diese Doppelnatur seiner Bildung in einer zweiten Veröffentlichung aus, in dem von ihm wohl Anfang 1504 verfaßten „Modus studendi" 1 ), den er seinen Schülern, den Söhnen des Leipziger Ratmanns Johann König, Anton, Wolfgang und Franz, widmete. Das ist eine auf moralischer Basis beruhende hodegetisch-pädagogische Abhandlung, die trotz der vielen klassischen und humanistischen Zitate durch die Natur ihrer Latinität und manches in der Denkweise immer noch deutlich den Scholastiker erkennen läßt und doch wieder auch ausgesprochen humanistische, auf die Jugend angewendete Perspektiven zeigt. So heißt z. B. der Anfang des „Praeceptum XXI. de latinitate servanda diligentissime": „Tarn necessaria est cuilibet studenti sermonis la- tinitas, ut sine ea in aliqua arte penitus nihil aut admodum parum intelligimus. Haec autem in frequenti poetarum et oratorum lec- tione facillime comparatur." Und noch merkwürdiger sagt er im „Praeceptum XXII. de studiosa et utili graecarum literarum cogni- tione": „Necessaria est literarum graecarum cognitio, adolescentes dilectissimi; quae si in toto propter praeeeptorum penuriam haberi nequit, bene tarnen nobiscum agitur, si in aliqua oius parte reeipia- mus. Nam genus omne eloquentiae omnisque doctrina luce prae- fulgens, ut Prisciano placet, a Graecorum fontibus ad Latinos emanuit. Ob id illud Quintiliani praeceptum summopere est pro- bandum: A sermone graeco puerum ineipere malo . . . Admonet nos Horatius: ......vos exemplaria graeca Nocturna versate manu, versate diurna; Graiis ingenium, Graus dedit ore rotundo Musa loqui . . ." In bezug auf die Behandlung der von der Scholastik so stark betonten logisch-dialektischen Disziplinen hebt er die Wichtigkeit der Texte hervor, will aber doch die Kommentare auch nicht ganz vernachlässigt wissen. Das deutet ebenfalls schon den Einfluß des humanistischen Denkens auf seine Anschauungen an. Er war eben nach seinem ganzen Bildungsstand ein Frühhumanist. Seinen achtungswerten sittlichen Standpunkt kennzeichnen die ersten drei Vorschriften, in denen er von den Studenten verlangt, daß sie vor allem Sünden meiden, Gott anrufen und fürchten und ihr ') Pentzelt, Th., Modus studendi Discipulis studiosis aecommodatus. Lipczk, J. Thanner 1504. 15 BI, 4°. Der Name M. Thomas Pentzelt bei der Widmung. SGDEo; Leipzig 1504 [Ex.: Leipzig, U.-B.]; SGDE 1 : Leipzig 1510 [Ex.: Berlin, Staats-B.}. Trozendorfs Schulmeister Mag. Th. Pentzelt. 57 eigenes Wesen erforschen sollten, ob es zum Guten oder zum Bösen neige. Das Schriftchen gefiel, denn bis 1515 druckte J. Thanner in Leipzig noch vier Auflagen davon. 1 ) Es ist doch wohl nicht unwahrscheinlich, daß Trozendorf diese Arbeit seines Schulmeisters kennengelernt und manches daraus für später behalten hat. Einen Beleg für unsere Einschätzung Cuspinians als Humanisten und seine dementsprechende Tätigkeit in der Schule besitzen wir auch an einem Leipziger Drucke 2 ) des Jahres 1511, der ihn zugleich für diese Zeit als Schulmeister in Görlitz darstellt. Am 3. Sept. 1511 widmete ihm, dem M. Thomas Spyß aus Weida, der Leipziger Frühhumanist M. Gregorius Laticephalus (Bredekopf) aus Konitz 3 ) die lateinische Textausgabe der von den Humanisten als Schutzschild gegen die Angriffe ihrer kirchlichen und scholastischen Gegner benutzten verständigen, an seine Neffen gerichteten Abhandlung des Bischofs von Caesarea Basilius Magnus über das Lesen der heidnischen Dichter, Redner, Geschichtsschreiber und Philosophen. Laticephalus war vorher bei seinem Freunde und Gönner Spieß in Görlitz gewesen. Er schrieb ihm: „Ich habe Basilius drucken lassen und schicke ihn dir, der du in der schönen Stadt Görlitz dem öffentlichen Amte des Behrens obliegst und nach der dir angeborenen Gesetztheit und Umsicht aufs beste der Schüler öffentliche und private Sache leitest. Nimm dieses Werkchen an und teile es den Deinen mit. Ohne Zweifel werden dir die Worte und der Inhalt gefallen. Ich zweifle auch nicht, daß du, was ich wünsche, tun wirst. Denn du pflegst deinen Untergebenen niemals im Baten, Anempfehlen und Lehren des Guten zu fehlen." Und einer seiner damaligen Untergebenen war Trozendorf, der gewiß auch durch Basilius zum Studium der alten Literatur, also humanistisch, doch mit moralischer Richtung, angeregt worden ist. Die alten Lebensbeschreibungen Trozendorfs berichten, daß Pentzelt sich später um die Verbreitung der Reformation in Schlesien große Verdienste erworben habe. Daß er zur Theologie überging, bewies seine Erwähnung als Cursor 1518 in Leipzig; am 4. Juli ') 1505, 1509, 1510, 1515. 2 ) Magnus Basilius de poetarum oratorura historicorumque ac philo- sophorum legendis libris. Liptzck, J. Thanner 1511. 4°. 3 ) Zu Bredekopf vgl. Bauch, G., Geschichte des Leipziger Prühumanis- mus mit besonderer Rücksicht auf die Streitigkeiten zwischen Konrad Wimpina u. Martin Meilerstadt. Leipzig 1899. 1 Bl., 194 S. S. 67 f., 80f. Zentralbl. f. Bibliothekswissenschaft. Beiheft 22. 5g Die gehobene Stadtschule. 1529 ließ er sich in Wittenberg immatrikulieren, um seine Studien als Hörer Luthers fortzusetzen. 1540 schickte er als Superintendent zwei Männer zur Ordination nach Wittenberg 1 ): das Ordinierten- buch, das ihn wieder Magister Thomas Spieß nennt, hat jedoch den Ort seiner Superintcndentur hinzuzufügen vergessen. Die schle- sische Kirchengeschichte schweigt über ihn. 22. Trozendorf als Leipziger Student. Als Trozendorfs Mutter, die das verwaiste väterliche Gut bewirtschaftete, noch lebte, begab er sich im Sommersemester 1514 auf die Universität Leipzig und wurde daselbst im September 1515, also sehr rasch, Bakkalar. Den scholastischen artistischen Kursus hat er damit abgeschlossen. Doch nicht die scholastische Ausbildung haftete an ihm und nahm ihn vorzugsweise in Anspruch, sondern das schon auf der Schule, wenn auch in bescheidenem Umfang in ihm angeregte humanistische Streben belegte ihn mehr und nicht ohne Erfolg mit Beschlag. Er war zu einer glücklichen Zeit nach Leipzig gekommen; jedoch erst am Ende seines Anfent- haltes erreichte ihn das Glück. Etwa zu Ostern des J. 1515 traf der englische Gräzist R. Crocus aus Köln in Leipzig ein 2 ), der hier zum ersten Male, wie Pentzelt es gewünscht hatte, geordnet Griechisch lehrte, und in demselben Jahre zwischen Johannis und Michaelis fand sich auch der feine Lateiner und Gräzist P. Mosel- lanus von Freiberg her ein. 3 ) Bei Crocus konnte Trozendorf die Grundlagen für seine griechischen Kenntnisse erwerben und Plutarch hören; mit Freuden dachte er noch kurz vor seinem Endo daran 4 ), wie er einst bei Mosellan die drei Bücher Ciceros vom Redner nicht bloß gehört, sondern, begeistert durch den Lehrer, auch freiwillig auswendig gelernt habe, so daß er im Wettkampf mit Kommilitonen um ausgesetzte Pfänder öfter große Teile eines Buches hersagen und alle übrigen darin weit übertreffen konnte. Er scheint schon in Leipzig an einer Schule gewirkt zu haben. Seineu Aufenthalt an der Universität mußte er aber einmal unterbrechen, ') Buchwald 1, S. 11, N. 161, 166. 2 ) Bauch. Studium S. 178f. Bauch, Humanismus 4, S. 53 f. Geß, Fi Leipzig und Wittenberg. E. Beitrag z. sächs. Reformationsgesch. Neues Archiv f. Sächs. Gesch. 16 (1895), S. 43—93. S. 65, 91, N. 298. *) Bauch, Studium 8. 183f. Schmidt, 0. G., Petrus Mosellanus. % Beitr. z. Gesch. des Humanismus in Sachsen. Leipzig 1867. VII, 88 S. S. 19 f. *) Ludovicus, Nuncupatio Bl. A6. Trozendorf als Lehrer in Görlitz und Schweidnitz. 59 als eine Seuche seine Mutter und alle Geschwister bis auf den jüngsten Bruder Franz dahingerafft hatte. Er schrieb *) an seinen Oheim Barthel Jost in Görlitz: „Unßeren fruntlichen Gruß zcuvor. Meyn lyber Urne Barthol. Jch thu Euch zcu wissen, das ich frisch unde geßunth byn von den Genoden Gottiß. Deß ßelbigen gleich orfuer ich allczeyth höchlich wider gerne von Euch und den Ewern. Meyn über Urne, mir ißt gesagth worden, das mir meyiie Muter und alle Geswister gestorben ßein, ßunder alleyne das der jüngste Bruder noch lebe und das dy Herren von Gorlicz das Gut vorkaufen wollen oder villeicht gereyth vorkauft haben. Und, über Urne Barthol, ßo weyß icli iczunder zcu nymande Zcuflucht zcu haben ßundern alleyn zcu Euch als zcu eynem Vätern und bithe Euch, das Ir wollit alzo wol thun und wollit mir und dem Kinde das selbige Gelt helfen vorschaffen, daß iß unß möchte werden und daß Kinde mochte erczogen werden, und wen eß mündigte [14 Jahre alt] worde, ßo wollt ichs zcu mir yn dy Schul nemen. Und ßo mirß Gott verleyt, uff Faßnachth will auch hyn keyn Gorlicz kommen. Und dormit befeie ich mich yn Ewern getrewen und weißen Roth und Beschuczunge. • Valentinus Fridelanth Ewer gchorßamer undertheniger. Dem erßamen unde weißen Manne .Barthol Jost zcu Gorlicz zcu komme dißer Brieff." Vielleicht hat dieser notgedrungene Besuch in der Heimat seine Anstellung in Görlitz herbeigeführt, so daß 1515 oder 1516 als Datum für den Brief anzusetzen wäre. 23. Trozendorf als Lehrer in Görlitz und Schweidnitz. Wenn nun die Überlieferung meint, er sei 1515 nach Görlitz berufen worden, so scheint nach dem über Crocus und Mosellanus Gesagten höchstens das Ende des Jahres für den Umzug möglich oder gar erst der Anfang oder Ostern von 1516. Der Schulmeister, unter dem er seine Lehrerlaufbahn begann, ist ziemlich sicher festzustellen. Der Breslauer Chronist N. Pol 2 ) nennt ihn M. Johannes Bütner, es war wohl M. Andreas Buttner. L. Ludovicus ') Görlitzer Anzeiger 51 (1856), S. 2. Original Görlitz, Milichsche Bibliothek, Hs. Sign. C. Ch. fol. N. 240. 2 ) Pol 2, S. 145, doch verbessert nach dem Original, St. B.-Br., H.s. B. 1620. Andreas Büttner war vielleicht aus Löwenberg. gO Die gehobene Stadtschule. sagt 1 ) von dieser Zeit und Trozendorf: „primus in patriae schola linguam graecam et discipulos et praeceptores docuit." Er lehrte aber den Rektor und die andern Lehrer nicht bloß Griechisch, sondern hielt ihnen auch lateinische Vorlesungen. Außer den Rudimenten der griechischen Sprache las er den Kollegen das Plutarch zugeschriebene Buch von der Erziehung der Knaben und Oiceros Buch von den Pflichten. Er wird jedoch nicht allzulange in Görlitz geblieben sein. Die Rede Peucers deutet dies an, indem sie sagt, er habe auch viele andere gute Männer bei der Verbesserung und Ordnung der Schulen Schlesiens mit Rat und Tat unterstützt, die, von der Schönheit und Lieblichkeit der wiederaufblühenden Wissenschaften ergriffen, den barbarischen Schmutz, in dem sie alt geworden waren, überdrüssig gehabt und den jungen Mann um die Wette geschätzt und zu sich eingeladen hätten. Hiernach erscheint es doch wohl nicht ganz unbegründet, wenn Pol angibt 2 ), daß er zu Schweidnitz neben Mag. J. Rosenberg eine Zeitlang das Schulwesen verwaltet habe. Manlius will in Schweidnitzer Chroniken gelesen haben, daß er etwa 1522 der Schweidnitzer Schule als Rektor vorgestanden habe. Allein 1522 war Mag. D. Hofmann Schulmeister in Schweidnitz 3 ), und Peucer setzt Trozendorfs Tätigkeit an andern Schulen in die Zeit vor dem Wittenberger Studium, und so fiele der Schweidnitzer Aufenthalt etwa 1517 oder 1518, als Rosenberg Rektor war. Mit dem J. 1518 leitete sich eine Unterbrechung seiner Lehrtätigkeit ein: er erfüllte den ersten Wunsch seiner Mutter Dorothea, indem er Geistlicher wurde. Mindestens von 1519 bis 1524 ist er am Dom in Breslau angestellt gewesen. 4 ) Diese überraschende Tatsache wird durch folgendes belegt. In den Akten oder Protokollen des Breslaucr Domkapitels"') steht zum 23. Juli 1518: „Dominus Valentinus Pridland reeeptus fuit in penitenciarium ec- clesie, ad quartale proximum instituendus." Zum 18. Febr. 1519 liest man: „Dominus Valentinus Fridlandt personaliter presens assumptus est in penitenciarium ecclesie, et decrete sunt illi litere ') Ludovicus, Nuncupatio Bl. A6 T . 2 ) Pol 2, S. 145. Johann Rosenberg war aus Görlitz. In Leipzig Student Sommersemester 1511, Bakkalar Sommer 1512, Magister Wintersemester 1516. a ) Schubert, H., Die evang. lat. Schule in Schweidnitz. Corre.spon- denzbl. 9 (1904), S. 39. *) Bauch, 6., Zur Breslauer Reformationsgeschichte. Zeitschrift 41 (1907), S. 336-52. S. 345. 5 ) D. A.-Br., Acta capituli. Trozendorf als Lehrer in Görlitz und Schweidnitz. 61 capituli commendaticie ' ad dominum episcopum." Dieser Bischof war noch jener Johann V. Thurzo, der 1507 die Altäre in Goldberg *™ Schule geschlagen hatte. Am 4. Nov. 1519 erhielt der neue 1 önitenziar einen neuen Kollegen an Nikolaus Menlen oder Men- leyn. Beide -wurden am 8. Febr. 1520 als Zeugen zugezogen, als der Kanonikus Dr. S. Huber den Kanonikus Paczel (Pötschel) behufs der Resignation seines Kanonikats bevollmächtigte. 1 ) Die bischöflichen Kanzleinotare Dr. M. Witiger und V. Krautwald wohnten am 11. Febr. der Resignation bei. 2 ) Das Protokoll über die Wahl Jakobs von Salza zum Bischof 3 ) vom 1. Sept. 1520 nennt „Valentinus Fridlant, penitenciarius ecclesie Wratislauiensis", als Zeugen, und einer der ausstellenden Notare war „Valentinus Krautwalt de Nissa, clericus Wratislauiensis". So stehen die beiden gleichnamigen späteren Gegner hier dicht beieinander und waren einer dem andern persönlich bekannt. Endlich erscheint „Herr Valentinus Fridtlandt, Beichtvater zw sandt Johannis zw Breslaw", am 2. Nov. 1524 als Zeuge bei einem Rechtsakt vor dem Arclii- diakonus M. Gregorius Lengisfeld.*) Am 25. Mai 1410 unierte«) in Bologna Papst Johann XXIII. nach schon von Papst Alexander V. am 21. Aug. 1408 erfolgter, aber mcht beurkundeter Bewilligung auf Antrag des Breslauer tfiscnots und Domkapitels vier Benefizien sine cura am Dom zu zwei Benefizien für zwei Pönitenziare, die wegen Mangels an unterhalt msher gefehlt hatten und doch vonnöton waren, um bei Abwesenheit des Bischofs von Breslau oder in seinem Auftrag in den bischöflichen Reservatfällen zu absolvieren. Die Pönitenziare mußten Priester sein. Am 9. Jan. 1415 publizierte Bischof Wenzel in Ottmachau diese päpstliche Bulle a ) und vollzog die Vereinigung der vier Benefizien, die nun zu Manualbenefizien wurden. Trozendorf ist also zum Priester geweiht gewesen, ja, er war es schon 1518, wie der Titel Dominus in den Kapitelsakten anzeigt Durch diese Nachrichten erhalten die bald angeknüpften Bedungen Trozendorfs zu Wittenberg eine eigentümliche BeTeucl- tung. Er w ohnte bekanntlich im Juli 1519 der berühmten Dispu- ') Licgnitz, Peter-Pauls-Bibliothek, Urkunde al« ^ Melanomen, der bild für alle 7ei nn ' f hm als Lehrer das leuchtende VorPhilipp e ofusdo geW °; den ' " SGd ddectatus ™Z°™ ™ Btudiis copia äd hu„ct> "J d ° Cend ° ^^^ Zitate ac rerum Inzwischen Z Ih V^ *«** W-if ■ «gt Peuce, und Jm "Feh 15 20 der M *7 ^ T *<*"*•* **■*»*■ jedoch von ol l ^ einverlei b* worden; man erfährt jedoch von Beziehungen zu ihm nichts. Bei der gewaltigen Mensre vorbereitet zusammenströmten, war es einem mit Melanchthon he freundeten und wirklich gelehrten Manne nicht allzuschwer ShüW zu finden, die gern und reichlich zahlten Von AH !' ?' «endorf die hebräische Grammatik g emt und hT J^ ^ vertraut gemacht, daß er bald die P sa "„ 2 ° ^^ *° Ausleger verstand und sie andern orklCnV ^ Z™ ^^ Privatvorlesungen über CicerosSoh * , ^"^ DazU hielt er Sorgfalt verwendete und ZZit^VK" ** Mühe und hierbei nicht bloß um der Sprach, **%"*"* Briefe *» Paul», für seine Hörer wie vor allem tr Tb 17 *" ^ **" 64 Die gehobene Stadtschule. Zimmer der Freunde trugen, da sein Stübchen zu klein für sie war. 1 ) Auf diese Weise konnte er, religiös und theologisch vertieft und geklärt und humanistisch nach allen Seiten ausgebildet, als etwa 1525 durch Helmrich der Ruf nach Goldberg an ihn erging, Wittenberg verlassen, um zum Heile der Jugend als Lehrer zu wirken. Mclanchthon, der an ihm auch die hohe Begabung zum Lehrer erkannt hatte und ihn schätzte, hatte ihm, wohl in der Erinnerung an seine Eigenschaft als Priestor, das Wort mitgegeben 2 ), es sei oft von größerer Bedeutung, ein Grammatikus als ein Kardinal zu sein: sonst hätte der Scherz auch keinen rechten Sinn. 24. Trozendorf Lehrer in Goldberg. Doch nicht sogleich sollte sich seine Lehrertüchtigkeit vor den Augen der Mitwelt entfalten: die fließenden und* unruhig wallenden Zeitverhältnisse und seine energische Teilnahme an der Sicherung und dem ungestörten Ausbau der kirchlichen Reformation hinderten ihn daran. Die Wittenberger Eindrücke waren noch zu frisch: hatte er doch dort den Wormser Reichstag. Luthers Aufenthalt auf der Wartburg, die Schwarmgeisterei der Zwickauer Propheten, das überstürzte Vorgehen mit Neuerungen A. Karlstadts erlebt; diese Erinnerungen riefen den treuen Anhänger Luthers unter das Gewehr, als er die klärungsbedürftige Lage seiner neuen Heimat und die darin lauernde Gefahr für die Kirche, wie sie ihm vorschwebte, erkannte; denn diese Kirche und ihre Lehre war ihm das Höchste und das unbedingte Notwendige. Die Schule mußte daher vorläufig in den andern Aufgaben warton. Thabor und Ludovicus preisen ihn' 1 ) deshalb als einen der ersten Hersteller und Verbreiter des neuen Evangeliums in Schlesien. Mit ihm arbeitete als zweiter Unterlehrer und als Vertreter der durch Sylvius weitergegebenen Wildenbergischen Observanz Gregor Reimann. Die Zweizahl der Lehrer läßt erkennen, daß in der allerdings nicht langen Zeit unter Helmrich die Schule nicht im Fortschreiten war. Noch war er Pönitenziar am Dome, als der Breslauer Reformator Dr. J. Heß vom 20. bis zum 23. April 1524 seine Disputation ') Vgl. Ludovicus, Nuncupatio Bl. A4v. 2 ) Ludovicus, Praefatio von 1564 Bl. ß4 maticum esse quam Cardinalem." 3 ) Trozendorf, Precationes von 1581 Bl. V7, Z7\ 2 ) Ludovicus, Praefatio von 1664 Bl. /?4 T oben: „praestare saepius Grammaticum esse quam Cardinalem." Trozendorf Lehrer in Goldbersf. in der Dorotheenkirche zu Breslau veranstaltete *•), die seine Lehre der Feuerprobe unterwerfen sollte. Heß sah 8ich nach sprachlichen Helfern um, die, falls es nötig würde, die Urschrift der Hl. Schrift aufschlagen und erläutern sollten. Für den griechischen Text des Neuen Testaments fand er in Breslau den Schulmeister zu St. Maria Magdalena Mag. A. Niger, und für den hebräischen Text des Alten Testaments gewann er Trozendorf, mit dem er auch in Breslau bekannt geworden war. Kam Trozendorf im Wortkampf auch nicht zur Mitwirkung, so hat er hier doch schon moralisch durch seine persönliche und öffentliche Gegenwart als Pönitenziar am Dome wie ein Eideshelfer und Zeuge für Heß und die Reformation vor der Breslauer Bürgerschaft gewirkt. Hierbei führte er vor der Uöeuthohkeit zuerst den Namen Trozendorf. Nach unserer früheren Darstellung hat Trozendorf etwa im i erbst 1525 das Rektorat der Schule übernommen. Seine alten Biographen, die als Panegyriker überall nach einem Ruhmestitel u ihn gesucht haben, mußten doch zugestehen, daß er als Rektor, „cum non subito schola augeretur«, wie sie sich mildernd ausdrücken. MeinunlT 1 ü"' ^ i8 P utationon ' Auslegungen, Yergleichung der gen mit den Freunden zur aufgenommenen Reinigung der Kehgion gewandt habe. Die alte Kirche, Karlstadt, Zwingli müssen m aamals die Unterlagen gegeben haben. Seine emsige Tätigkeit rar üio Reinigung und Reinhaltung der Kirchenlehre, wie seine Gelehrsamkeit lenkten die Aufmerksamkeit des Herzogs Friedrich aut ihn, und das sollte bald Folgen haben. Daß unter den geschilderten Umständen die Schule, wie wir eben gehört haben, keineswegs in neue Aufnahme kam, kann man sich leicht denken. Und so sind auch aus diesem Rektorat nur zwei Unterlehrer bekannt, die zudem wahrscheinlich gar nicht bis zum Ende desselben ausgehalten haben : A. Treiber und K Capelus lreiber war ein geborener Löwenberger ?), er hatte vn™ w- * ZTw,T nb in Lei « s ' udiert Md »» ™ZZZ "Sä de> IM, 8. UOf. du Protokoll der Di „ t i on Tn / » ^Ti ,A,ii °»"*> dorfnor ,d.o,„, et erodito, vi,- „„3 P "" 0ko11 "" T ">™' bei du i£S* MMW ' ! "" C " li0h "" • Am "" e "- "-'*"«• "W.% Monumonta Gcnnaniao raouagogica I/VII 66 Die gehobene Stadtschule. aus dieser Zeit in Hirschberg sind die Verse 1 ), die er neben A. Moibanus und Dr. W. Droschius dem am 17. Jan. 1531 gestorbenen Pastor zu Hirschberg M. G. Langnickel weihte. Capelus hieß eigentlich Kretschmer und war aus Lauban. 2 ) Er war vom Sommer 1519 an in Wittenberg Student gewesen; eine Promotion ist von ihm nicht bekannt. Auch er soll, was uns zweifelhaft erscheint oder nur auf kurze Zeit möglich war, zuerst nach Hirschberg gegangen und schon 1526 Rektor in seiner Vaterstadt geworden sein. 1537 verfaßte er auf Anordnung des Rates eine Schulordnung. Aus demselben Jahre haben wir eine sehr anerkennende Schilderung besonders seiner Leistungen als Lehrer der Poetik in Lauban. G. Aemilius sagt in seinem Propempticon, auf das wir später kommen: „Instruit hie summa celebrandus laude Capelus Moribus et studiis pectora parua bonus. Quotquot habet iuuenes animis vigilantibus, omnes Dulcia Pieriae ducit ad antra viae Scribendisque suos ita versibus urget, ut illa Dedita Musarum sit schola tota choro." 1539 ist er in den Rat der Stadt aufgenommen worden und, verhältnismäßig jung, schon 1540 gestorben. 25. Trozendorf in Liegnitz. Der unbefriedigenden Tätigkeit an der Schule wurde Trozendorf 1527 durch seine Berufung nach Liegnitz enthoben. Was noch von älteren oder fortgeschritteneren Schülern vorhanden und nicht schon vorher nach Liegnitz gezogen war, nahm er, wie einst Adler nach Löwenberg und Buchwald nach Glogau, jedenfalls mit sich nach Liegnitz. Dort war eine neue Stiftung ins Leben getreten, zu deren Ausbau ihn der Herzog mit einlud. Im J. 1524 berief Friedrich II. den bisherigen bischöflichen Kanzleinotar und früheren Schulmann und Neißer Kanonikus Krautwald aus Neiße als Kanonikus und Lektor der Theologie an der ') „M. Georgius Langnickel, pastor Ecclesiae Hirschbergensis, auus maternus [des Valentinus Ermericus], obijt 1531. xvij Januarij: cui pie defuneto hoc Epitaphium scripsit... Ambrosius Moibanus, Pastor Vratislauiensis ... Vvolf- gangus Droschius ... Andreas Treiberus Ludimoderator". 0. 0. u. J. fol. *) Claius, Bart und Aemylius nennen ihn fälschlich Johann. Oberlausitz 2, S. 310,2. Trozendorf in Liegnitz. 67 Kollegiatkirche zum hl. Grabe in Liegnitz. 1 ) Dieser wurde am 11. Juli auf Präsentation des Herzogs investiert. 2 ) Der Bischof von Breslau und Herzog von Liegnitz Wenzel hatte einst bestimmt, daß ein Kanonikus des Stifts Doktor oder mindestens Bakkalar der Theologie sein und in jeder Woche zwei Lektionen in der Theologie in dieser Kirche oder an einem andern Orte des Liegnitzer Doms lesen sollte. Da aber dergleichen Männer, die bei der Kirche residieren könnten oder wollten, sehr selten gefunden würden und, wenn man sie gehabt habe, die theologische Lektur wegen Mangels an Hörern nicht mit Erfolg hätten verfolgen können, verfügte am 7. Sept. 1509 Bischof Johann V. mit Zustimmung und auf Wunsch Herzogs Friedrich II., der das Kapitel der Kollegiatkirche zu Rate gezogen hatte, daß der Lektor Doktor oder Lizentiat der Dekrete sein dürfte und im kanonischen Recht lesen sollte. Es blieb dabei dem Herzog unbenommen, wenn sich günstige Gelegenheit böte, sich nach der alten Vorschrift zu richten oder aber auch die neue nach seinem Dafürhalten anzuwenden. Der Herzog hat also mit der Berufung Krautwalds als Lektor der Theologie (obgleich er nicht promoviert war) unter dem Einfluß der reformatorischen Bewegung an die alten Intentionen Wenzels wiederangeknüpft, und in deren doppelseitiger Weiterbildung durch Friedrich lag der erste bescheidene Keim für den Gedanken der Gründung einer Universität in Liegnitz. 3 ) Vielleicht hat die gütige Begabung des erfolgreichen Goldberger Schulmeisters Gürtler mit einem Kanonikat in Liegnitz 4 ) durch Friedrich IL den Gedanken bei ihm weitergebildet. Es liegt auch nahe, hier an die Schloßkirche zu Allerheiligen in Wittenberg zu erinnern, die ebenfalls eine Kollegiatkirche und der Universität inkorporiert war, so daß alle Domherrnstellen derselben nur für Professoren der Universität bestimmt waren. Bei dem gleichen Verfahren wäre auch in Liegnitz mindestens ein Teil der ») Bauch, Heß S. 39. 2 ) Nach freundlicher Mitteilung von Herrn Direktor M. Abicht in Liegnitz lautet der Investitureintrag: „1524 Die 11 Julij investitus est Venerabilis Vir Dominus Valentinus Krautwaldt, Canonicus Nissensis, ad Canonicatum et pre- bendam in Ecclesia Lignicensi vacantem per liberam resignationem D. Joannis Punitz, Ultimi eorundem Canonicatus et prebenda (possessoris), ad presen- tationem illustris prineipis et D. D. Friderici." St. A.-Li., Akten M 375. ') Zur Geschichte der Universitätsgründung vgl. Egli2, S. 9—13. Eberlein, G., Die erste evang. Universität. Ev. Kirchenbl. f. Schlesien 4 (1901), S. 281/2, 289—90, 297/8. Koff'mane, G., Eine schlesische Universität in der Reformationszeit. Correspondenzbl. 2 (1883), S. 34/9. 4 ) S. hier oben S. 13/4. 5* ßg Die gehobene Stadtschule. Professoren fundiert und dauernd gesichert gewesen, die sonst bis zu einfallenden Vakanzen aus andern eingezogenen Stiftungen oder aus der herzoglichen Kammer versorgt werden mußten. Johann Heß hielt sich im Oktober 1523 vor seiner P]inführung als Pfarrer zu St. Maria Magdalena in Breslau in Liegnitz auf. 1 ) Er war bei Hofe bekannt, denn schon 1515 war er mit Johann V. und Herzog Karl von Münsterberg als Informator des jungen Herzogs Joachim von Münsterberg bei der Hochzeit Friedrichs IL mit Elisabeth von Polen in Liegnitz gewesen 2 ) und 1522 als Pfarrer daselbst in Frage gekommen. 3 ) Er könnte auch zu Rate gezogen worden sein und auf Wittenberg verwiesen haben. Die 24 geplanten Professuren, von denen S. Grunaeus zu erzählen weiß 4 ), sind wohl aber bedeutend zu hoch gegriffen. Krautwald war als Dozent schon vorhanden, Trozendorf kam erst 1527 aus Goldberg herüber. Sonst war Melanchthon in Wittenberg der Haupthelfer des Herzogs für Berufungen. Er empfahl z. B. V. Obsopoeus und A. Niger, den Schulmeister zu St. Maria Magdalena in Breslau, der sieh bald wegen der verheerenden Einwirkung der Prädikanten auf das Breslauer Schulwesen in prekärer Lage befand, aber als es sich im Herbst 1526 darum handelte, die Universität zu eröffnen, gingen nur der Hebraist B. Ziegler und K. Cor- datus nach Liegnitz. Auch Joachim Camerarius, der etwa Anfang 1526 Liegnitz wegen der Berufung an die Universität berührt hatte, reiste erfolglos nach Nürnberg weiter. 5 ) Friedrich IL wendete sich aber auch nach einer andern Seite. In seinem Auftrag ging der uns schon bekannte Magister Geppart nach Basel zu Oecolampadius und von diesem zu Zwingli nach Zürich, und Zwingli empfahl den jungen Th. Buchmann oder Bibliander 8 ), der gegen Ende Juli 1527 in Liegnitz eintraf. Ein anderer Dozent, der vielleicht auch schon 1526 antrat, war der ehemalige Stadtpfarrer von Ansbach J. Eurer. An Juristen und Mediziner hatte der Herzog nach Melanchthons Mitteilung ebenfalls gedacht; sie blieben ein frommer Wunsch. Melanchthon wird wohl recht "haben, wenn er sagt, der Streit um die Eucharistie habe das Unternehmen gestört. 7 ) ') Bauch, Reformation S. 14. 2 ) Bauch, Thurzo S. 213 Anm. 1. 3 ) Heß empfahl F. Eckel. *) St. B.-Br., Rhediger XIX N. 292. Grunaeus an J. Monau, Liegnitz, 20. Sept. 1601. 6 ) Bauch, Heß S. 52/3. •) Egli 2, S. 9-13. ') Corp. Ref. I, S. 811/2. Trozendorf in Liegnitz. 69 Die Lehrer begannen, wie üblich, auch ohne feierliche Einweihung und wahrscheinlich noch vor Emanation eines kaiserlichen Stiftungsbriefs in dem Stift zu St. Johannis zu lesen, Krautwald in deutscher Sprache, doch unter Heranziehung lateinischer und deutscher Zitate, über Altes und Neues Testament, Ziegler über Altes Testament, wohl mit besonderer Rücksicht auf den Urtext, und Buchmann über Rhetorik. Doch die Zeitverhältnisse waren einem Aufblühen der neuen Hochschule nicht günstig, sie kam nicht über die Anfänge einer theologischen und einer philosophischen Fakultät hinaus. Die Schulen in Schlesien machten zur Zeit eine üble Depression durch 1 ), und so wollte sich auch in Liegnitz keine genügende Anzahl von Hörern zusammenfinden. Dazu kam die religiöse und theologische Lage in Liegnitz und an der Universität: die aus Lutheranern, Zwinglianern und Schwenckfeldianern gemischten Professoren konnten nicht auf die Dauer friedlich und gedeihlich nebeneinander wirken; das wäre im ganzen 16. Jh. 2 ) eine Unmöglichkeit gewesen und war es schon 1526/9 in Liegnitz, obgleich die Scheidung der Geister damals sich erst entschiedener zu vollziehen begann. Der vergebliche Versuch einer Einigung- Luthers und Zwingiis bei dem Religionsgespräch in Marburg 1529 machte erst ihren Zwiespalt gänzlich offenbar; der Bruch zwischen Luther und Schwenckfold und seinem theologischen Gehilfen Krautwald erfolgte schon Ende 1526. Herzog Friedrich, der nach dem Gesagten zuerst zwischen den Parteien schwankte, hielt sich dann über 1529 hinaus zu den Schwenckfeldianern; aber über den sofort einsetzenden Streitigkeiten ging inzwischen die erste geplante deutsche evangelische Universität noch im Zustand der Unfertigkeit zugrunde. Ziegler und Cordatus, der sich von den Schwenckfeldianern abgestoßen fühlte 3 ), zogen schon 1527 wieder ab, Rurer, der mit ihnen in Streit geraten war, eilte ihnen voraus; Buchmann ging erst 1529. Wegen des allseitig aufflammenden Hasses gegen die Anhänger Schwenckfelds oder „Stenkfelds" mußte Krautwald aus höheren Rücksichten verstummen, und so blieb als einziger Dozent Trozendorf übrig, der jedoch Ende 1529 oder Anfang 1530 seine Tätigkeit an der Universität, Über die wir gar nichts wissen, ebenfalls einstellte und mit nur sechs Schülern (so sagt die Über- ') Bauch, Reformation S. 51/3, 56/8. 2 ) Einen Versuch, die ungleichen Brüder Calvinisten und Lutheraner vor einen Pflug zu spannen, brachte im Anfang des 17. Jh. das Schönaichische Gymnasium zu Beuthen a, 0. ') Vgl. die Briefe Luthers an Cordatus, Enders 5, S. 410; 6, S. 14. 7Q Die gehobene Stadtschule. lieferung), den Reliquien der Universität, wieder nach Wittenberg wanderte. 1556 fand er in der Halle, wo er gelesen hatte, seine Grabstätte. Zum Zerfall der Neugründung hatte er ohne seine Absicht, doch der Tat nach als strenger Anhänger Luthers ein gut Teil beigetragen. Noch später hat er, als er von dem Vorschlag erfuhr, die Streitigkeiten über die Glaubenslehren abzutun, weil dadurch die Gemüter einander entfremdet und die gemeinsame Verteidigung der Staaten gegen die Raubzüge der Türken verhindert würden, im Gegensatz dazu gesagt 1 ), die wahre Lehre von Gott sei zu lehren, zu bekennen und zu verteidigen, „vel si fractus illabatur orbis", und sein Kampf richtete sich gegen das Aufkommen der Schwenck- feldianer. Es ist zwar nicht richtig, daß er den Herzog veranlaßt habe, Schwenckfeld 1525 nach Wittenberg zu Luther zu schicken, und daß er dadurch seine und Krautwalds Heterodoxie aufgedeckt habe; aber er trat bald auf den Plan, als 1526 Wittenbergs Entscheidung gefallen war. Von der Unermüdlichkeit, Schärfe und Unerbittlichkeit seiner Kämpfe mit den „Sphondyliern" {orpovövXrj ein stinkendes Tier: Stenkfeld) legt auf Grund seiner eigenen Aussagen L. Ludovicus 2 ) in derPraefatio der „Precationes" an J. von Kitt- litz vom November 1563 Zeugnis ab, und der Pastor von Gieß- mannsdorf L. Hartranfft benutzte 1578 die Beweisführung Trozen- dorfs zu einer „Wahren,' christlichen und glimpflichen Widerlegung der Schwenckfelder". 3 ) Man sieht, daß auch jetzt wieder der Theologe das Übergewicht über den Schulmann erhalten hatte. Nun hatte diesmal sein Auftreten einen Erfolg, nicht bloß für die Sache, die er verfocht, sondern auch für ihn selbst: seine rastlosen Disputationen mit den Schwenckfeldianern und gegen sie, auch nachdem alle Wittenberger fahnenflüchtig geworden waren, sein Streben, auch den Herzog persönlich von ihnen abzuziehen, machten, da der Herzog wirklich nach und nach einlenkte und man dies als Erfolg seiner Bemühungen betrachtete, seinen Namen in ganz Schlesien bekannt, und auch der Herzog ehrte seine ehrliche Über- zeugung, obgleich er die Universität und ihn selbst diskreditierte, und schenkte ihm sein Vertrauen, indem er freilich Schwenckfeld ') Bauch, Bart S. 31/2. J ) Ludovicus, Praefatio von 1563 Bl. O— C3 T ; von 1581 Bl. a 6"—al". 3 ) Hartranfft, L., Ware, Christliche, und glimpffliche Widerlegung des Irrthumbs der Schwenckfelder . . . Auff Bitt vieler Frommen Christen vom Adel, viel Jahr lang zusammen gelesen, Und mit besonderm fieiß aufa den Lehren des H. Valentini Trocedorfij gezogen, o. 0. 1578. Tiefstand der Goldberger Schule. 71 «' und Krautwald aus demselben Grunde nicht ganz fallen ließ. Ganz folgerichtig verließ der theologisierende Schulmann Liegnitz, als dort mit dem Weggang Schwenckfelds 1529 ein anderer Luftzug eingetreten zu sein schien und auch als Lehrer für ihn daselbst nichts mehr zu tun war. 26. Tiefstand der Goldberger Schule. Die verfallende Schule in Goldberg hatte nach Trozendorf eine frische und tüchtige Kraft als Schulmeister erhalten, den hervorragenden Kenner des Griechischen und gewandten Poeten M. Johannes Langus aus Freistadt im Teschenschen 1 ), der aber trotz seines Bemühens nicht imstande war, den Verfall aufzuhalten oder gar der Schule wieder aufzuhelfen. Er mag daher später nicht übermäßig gern an diese Zeit zurückgedacht haben, besonders weil ihm dazu noch von F. Staphylus nachgesagt wurde 2 ), er, „Longinus", sei ein Anhänger Schwenckfelds; zu Krautwald hatte er tatsächlich alte Beziehungen gehabt. Lange war nämlich, von Krautwald auf der Pfarrschule zu St. Jakob in Neiße gut vorbereitet und auch schon in die Anfänge des Griechischen eingeweiht, im Wintersemester 1520 nach Krakau gegangen, wo er sich durch Privatunterricht erhielt. 1522 folgte er dem Wiener Humanisten Ph. Gundel aus Passau, der, ebenfalls ein Kenner des Griechischen, nach Krakau gekommen war, um Nachfolger des 1521 gestorbenen Poeten R. Agricola Junior in der Lektur für Poetik und Rhetorik zu werden, nach Wien, wo er Magister wurde. Für kurze Zeit wurde er darauf Lehrer der Knaben der königlichen Kapelle in Ofen neben dem Musiker und Breslauer Domvikar Th. Stolzer aus Schweidnitz und übernahm 1527 die Leitung der Goldberger Schule. Da Capelus das sinkende Schulschiff bereits verlassen hatte 3 ), war der in Wittenberg (Wintersemester 1521) vorgebildete Kantor G. Meffred (Meffert) aus Gold- berg sein e inziger Unterlehrer. Lange verlor bald die Lust, seine ') Claius, Schola Bl. (K Bauch, Bart S. 19. Zu Lange vgl.Iano- ciana 1, S. 153f.; Kastner S. 29f.; Mitt. d. Ges. f. dteche Erzieh.- u. Schul- gesch. 5 (189a), S. 19f.; Bauch, G., Schlesien u. die Universität Krakau im 15. u. 16. Jh. Zeitschrift41 (1907), S. 99-180. S. 165f.; D. Scepsius, Epicedion Joan. Langi, Görlitz 1568. s ) Staphylus, F., Defensio pro trimembri theologia M. Lutheri contra aedificatores babylonicae turris. Phil. Melanthonem Shvvenckfeldianum Longi- num And. Musculum Mat. Flac. Illyricum Iacobum Andream Shmidelinurn. (Dillingae Apud Sebaldum Mayer) 1559. 116 Bl. 4° [Ex.: Berlin, Staats-B.]! 3 ) Bauch, Bart S. 19 rechnet Capelus noch hierher zu Lano-e. 72 Die gehobene Stadtschule. Gelehrsamkeit in einer so trostlosen und undankbaren Stellung zu vergraben; sobald er eine andere Unterkunft vor sich sah, beschloß er, nach kaum achtzehn Monaten, 1528, das Feld zu räumen, und diesen Entschluß erleichterte ihm sein unleidliches Verhältnis zu dem damaligen Bürgermeister Ch. Langer, Grötzer genannt, der ein nicht eben feiner Mann gewesen sein soll. Zum Abschied leistete sich der durch seinen Humor bekannte Lange den Spaß, diesen Korydon und gestrengen Herrn noch einmal tüchtig zu ärgern l ), und man erzählte sich später noch die Sache mit vielem Vergnügen. Über Breslau begab er sich nach Neiße und stand dort etwa 1528 bis 1530 der Schule zu St. Jakob vor. Nach 1530 wurde er bischöflicher Kanzleinotar, trat jedoch 1532 als Stadtschreiber in Schweidnitz ein und blieb dort bis 1534. Hierauf wurde er wieder Sekretär des Bischofs Jakob, und Bischof Balthasar machte ihn 1539 zu seinem Kanzler, König Ferdinand I. ehrte ihn 1540 mit dem Titel eines Doctor legum. Gegen 1543 ging er als Rat und Orator in den Dienst Ferdinands über und wurde besonders oft zu Gesandtschaften nach Polen verwendet. In den fünfziger Jahren lebte er als Privatmann in Neiße und gab zum Zeitvertreib Unterricht an seiner alten Schule — der Goldberger Lehrer Mag. Z. Bart hat damals zu seinen Füßen gesessen 2 ) —, und der kaiserliche Rat verbrachte seinen Lebensabend als Syndikus in Schweidnitz, wo er am 25. Aug. 1567 starb. Trotz der Dienste bei zwei Bischöfen und am Wiener Hofe war Lange ein Anhänger der Reformation. Im Liegnitzer Gebiet erschien er nochmals 1557 als königlicher Kommissar bei derWiedereinsetzung Herzog Friedrichs III. Seine umfangreichen Übersetzungen der Kirchengeschichte des Nicephorus Gallistus Xanthopulus 3 ), die mit Ferdinands I. Unter- ') Vgl. St. B.-Br., Wenzel. Fertig zur Abfahrt, suchte er den Bürgermeister auf und sagte zu ihm: „Herr Bürgermeister, ich hätte euch was vertraulich mitzuteilen, woran sonderlich eurer Person viel gelegen ist; wenn ihr es nicht weitersagen wolltet." Der Bürgermeister versprach dies mit Mund und Hand. Nun fuhr Lange fort: „Mein Herr Bürgermeister, ihr seid ein grober Esel und nicht der, der solch ein Amt führen soll." Ergrimmt rief Langer nach seinen Leuten, um den „Bachanten" greifen zu lassen. Lange entgegnete aber: „Nein, ihr habt versprochen, ihr wolltet nichts sagen, und ich habe auch keine Zeit übrig." Sprach's, ging hinaus, stieg auf den Wagen und fuhr schnell davon. 2 ) Bauch, Bart S. 5. 3 ) NicephorusCallistus, Ecclesiasticae historiao libri decem & octo. opera . . . ac studio Joannis Langi, e Graeco in Latinum sermonem translati, nuneque denuo in lucem editi. Basileae per J. Oporinum et Heruagium (1555). 965 [richtig 956] S., 26 Bl. fol. [Ex.: Berlin, Staats-B.]. Tiefstand der Goldberger Schule. 73 Stützung erschien, und der Werke des Justinus Martyr 1 ) sind öfter ganz oder teilweise wiederholt worden. Poetisch übertrug er die religiösen Dichtungen des Gregor vou Nazianz 2 ) und schrieb selbst mancherlei religiöse Gedichte. Aber auch seine Polemiken gegen Staphylus und Dr. Wolfgang Droschius 3 ) hat er zum Teil in metrischer Form geführt. Mit dem Abgang Langes sank die Goldborger Schule auf ihren Tiefstand. Sie war so zusammengeschmolzen, daß man gar nicht daran dachte, ihr einen neuen Schulmeister zu geben, und daß der Kantor Meffred ihr Leiter und einziger Lehrer war 4 ); sie vegetierte eben gerade noch. Man erkannte später an, daß der brave Kantor die kleine Schar in guter Ordnung hielt; aber das war auch alles. Drei Jahre währte dieser Zustand, bis 1531 Helmrich zum dritten Male Bürgermeister wurde. Zu dieser Zeit war auch nicht einmal mehr ein Schemen der Liegnitzer Universität einer Wiederbelebung der Aurimontana im Wege. Liegnitz stand außerdem als nicht glaubensrein oder mindestens wegen des Verdachts, das Hauptquartier der Schwenckfeldianer zu sein, hinter Goldberg als ein für Schüler geeigneter Ort zurück; überdies hatte Goldberg als Schulstadt alten Ruf. Wenn nun noch ein Mann an die Spitze der Schule trat, der zweifellos über jeden Verdacht in Glaubenssachen erhaben war, ja, vielleicht gar durch seine Persönlichkeit die sichere Bürgschaft für Erhaltung der Glaubensreinheit bot, dann brauchte die Schule in weitem Umkreis keine Nebenbuhlerin zu befürchten und konnte zu neuem, frischem Leben erstehen. So oder ähnlich waren die Erwägungen Helmrichs, und er handelte dementsprechend. ')Iustinus Martyr, Operum, quae extant, omnium per Joannem Languni, Silesium, e Graeeo in Latinum sermonem uersorum, & Sententiis priscorum sanetorum Patrum illustratorum, Torai III. Basileae, per Frobenios fratres. (1565). 348, 279, 190 S., 35 Bl. fol. [Ex.: Berlin, Staats-B.]. •) Gregorius Nazianz onus, Graeca quaedam & saneta Carmina. Cum Latina Joannis Langi Silesij interpretatione. Et eiusdem Joan. Langi Poemata aliquot Christiana. Basileae per J. Oporinum (1561). 240 S. [Ex.: Berlin, Staats-B.]. Erweiterte Ausgabe magna cum accessione, nunc primum edita. Basileae (1567). 526 S., 1 Bl. [Ex.: ebenda]. s ) Gegen Staphylus bei den Gedichten Gregors, gegen Droschius Jano- cianal, S. 161, XIV. 4 ) Claius, Schola Bl. 02. Bauch, Bart S. 19 fehlt die Zeit. Drittes Kapitel. Entwicklung und Blüte der Schola ducalis. 1. Trozendorf in den neuen Verhältnissen. Den Bürgermeister Helmrich führten seine Erwägungen dazu, Trozendorf nochmals zum Leiter der Schule vorzuschlagen, und seinem Wunsche schloß sich der Rat gern an. Trozendorf lehnte den Ruf nicht ab, der ihm wieder eine Lebensstellung gab, die er in Wittenberg nicht gefunden, ja, wie es wegen Unterlassung der Promotion zum Magister den Anschein hat, gar nicht gesucht hatte. Die letzten Worte der Mutter: „Lieber Sohn, bleib ja bei der Schulen" mögen jetzt nach seiner Abschweifung zur Theologie wieder neue und verstärkte Kraft wie ein wirkliches Omen in seiner Erinnerung gewonnen und ihn zur Rückkehr auf das Katheder veranlaßt haben. Denn er gab sich nun wirklich dem Lehrerberuf so ganz hin, daß er mit der Zeit sogar einen Fachtheologen neben sich für seine Schule begehrte und daß er, was ihm in Wittenberg schon bei der großen Nachfrage nach Theologen zu erreichen gewiß nicht schwer gefallen wäre, gar nicht daran dachte, ein geistliches Amt anzustreben oder anzunehmen, obgleich ein solches an Ansehen und Einkünften die Stellung eines Schulmeisters übertraf. Der eifrige theologische Kritiker und scharfe Polemiker von ehemals blieb von nun an bei der lehrhaften, aufbauenden und erbauenden Einwirkung auf das heranwachsende Geschlecht. Diese Selbstbescheidung machte ihn, den Anspruchslosen, für die Zeitgenossen und die Nachwelt groß. Freilich konnte Melanchthon dem für immer von Wittenberg Scheidenden 1531 noch nicht das von ihm erzählte Wort im voraus auf die Reise nach Goldberg mitgeben, daß er zum Schulmeister geboren sei wie Scipio zum Lagerkommandanten *), denn die Fähig- ') Zincgref 3, S. 195. Trozendorf in den neuen Verhältnissen. 75 keit zur Leitung einer Schule hatte er trotz seiner früheren Wirksamkeit in Goldberg doch erst noch zu beweisen und voran nachzuholen und wiedergutzumachen, was er in Goldberg einst unter den Stürmen der kirchlichen Bewegungen verabsäumt hatte. Gelang ihm das und in hervorragender Weise, dann konnte Melan- chthon a posteriori jenes Wort prägen. Meister Philipp liebte nicht, mit hohen Worten ohne dazu berechtigenden Hintergrund umzugehen. Trozendorf mußte mit der verfallenen Schule gewissermaßen ganz von vorn und aufs neue beginnen; mühsam war der erste Anstieg, aber indem er sich mit seiner Aufgabe selbstlos und unermüdlich identifizierte, bewältigte er das schwere Werk, sie nicht bloß auf ihre frühere Höhe zu heben, sondern sie sogar zu der ersten in Schlesien und zu einer der geachtetsten in ganz Deutschland zu machen. K. Peucer versichert uns panegyrisch, weil nicht viel vorher sein Ruf (wegen seines Kampfes gegen die Schwenck- feldianer) ganz Schlesien erfüllt hätte, sei rasch, d. h. verhältnismäßig rasch, eine große Menge von Schülern aus allen Orten zusammengeströmt. Er fand diesmal auch einen geeigneteren Boden für die Erfüllung seiner neuen Aufgabe als ehemals vor: die schwenckfeldische Bewegung war dadurch abgeflacht, daß der Landesherr Herzog Friedrich IL sich von ihr lossagte, und die Goldberger Bürgerschaft war dem lutherischen Bekenntnis treugeblieben; so wurde er nicht mehr durch erneuerte Kämpfe abgezogen. Reibungen mit den Schwenckfeldianern in Liegnitz machte er dadurch unschädlich, daß er drohte, bei dem Fürsten seine Entlassung einzureichen. 1 ) Und auch die persönlichen Beziehungen gestalteten sich sogleich angenehm für ihn und die Schule: Rathaus und Kirche lebten in schönster Eintracht. Helm- rich, sein einstiger Kampfgenosse gegen Schwenckfeld, von dem 2 ) er sagte: „Quod ego hie sum, unus est autor", war ein Mann nach seinem Herzen und ein wirklicher Freund für ihn wie für die Schule und ebenso der neue, orthodox lutherische Stadtpfarrer Mag. J. Kresling. Von diesen erzählte Claius 3 ) nach Trozendorf: „Floruit Helmrico respublica consule, dicit, Concio Creslingo salva docente fuit." *) S. u. S. 76. ') In dem zweiten Gebet für den todkranken Helmrich: Trozendorf, Methodi Bl. Bb2v. s ) Claius. Schola Bl. N6*. Entwicklung und Blüte der Schola duoalis. Beide haben ihm aber nicht allzulange angehört; mit dankbarem Gemüt hat er ihrer gedacht, als er sie verlor, und ihnen Ehrungen erwiesen. . Kresling oder Kreslingcr war ein Fremdling in Goldberg und Schlesien. In Ofen geboren, hatte er seine Studien auf der Wiener Universität im Sommorsemester 1508 begonnen und war dort Bak- kalar geworden. 1511 begab er sich nach Krakau, wurde dort zu Anfang 1514 Magister und kehrte 1515 nach Wien zurück. Zur Reformation übergetreten, war er 1530 Prediger zu St. Barbara in Breslau. 1 ) Aus dieser Stellung berief ihn im März 1530 Herzog Friedrich II. zum Prediger, d. h. Pfarrer, nach Goldberg. Der Bres- lauer Rat gab Kresling die Genehmigung, dem Rufe zu folgen, behielt sich aber die Rückberufung vor und forderte ihn schon im September 1530 zum Nachfolger des nach Wohlau berufeneu Dr. P. Fontinus als Prediger des göttlichen Wortes und Vorsteher der Hospitäler zum hl. Geist und zu St. Bernhardin zurück. Kresling kam jedoch nicht. 1532 mußte er aber dem immer noch vorhandenen Einfluß der Anhänger Schwenckfelds am Hofe in Liegnitz weichen. 2 ) Trozendorf widmete ihm eine Dank- und Abschiods- rede 3 ), die er von einem Schüler vortragen ließ, der im Namen aller Schüler dem Scheidenden dankte, daß sie, die meist in der christlichen Lehre noch ganz roh und unwissend oder von Aberglauben und verderbten Meinungen angesteckt nach Goldberg gekommen seien, von seinen christlichen Predigten zur Erkenntnis der Wahrheit angeregt, durch ihn das Evangelium und den wahren Gebrauch der Sakramente innehätten, so daß sie, wenn sie Christus als Heiland, Mittler und Gottes Sohn kennten, ihm dies verdankten. Kresling war dann Pfarrer in Karpfen in Oberungarn und 1544 in Schemnitz. Moibanus widmete ihm seinen „Trostbrief an die christlichen Brüder, die durch die Tyrannei der Türken bedrängt und unterdrückt wurden". 4 ) Wie Trozendorf zu den nächsten Nachfolgern Kreslings stand, erfahren wir nicht, von seiner Wertschätzung de» Pastors Mag. G. Tilenus werden wir dagegen später hören. *■) St.B.-Br., Hs. Klose 4,72,73; Konrad, P., Die beiden ersten ev. Geistlichen des Hospitals z. heiligen Geist in Breslau (1525-53). Zeitschrift 29 (1895), S. 133-58. ö. 140. 2 ) Scripta VII, S. 598. 3 ) St. B.-Br., Wenzel. Bauch, Bart S. 28/9. *) Moibanus, A., Epistola consolatoria scripta ad Christianos fratres, qui Turcarum tyrannide affliguntur et opprimuntur, denuo excussa. Vratislavie Apud A. Winglerum. 1544. Trozendorf in den neuen Verhältnissen. 77 Georg Helmrich betätigte seine Teilnahme für Trozendorf und die Schule nicht allein durch freundschaftlichen Verkehr, er schuf, wie wir schon erwähnt haben, als Bürgermeister der Schule ein neues Heim bei der Kirche auf Kosten der Stadt und war ihr auf jede Weise behilflich. Ihn rief der Tod bereits am 28. Sept. 153(> ab. Als er schon am 30. Aug. auf dem Sterbebett in großer Schwäche lag, betete auf Wunsch des Kranken Trozendorf 1 ) mit seinen Schülern, daß der Heiland ihm milde beistehen möge, daß er entweder die frühere Fülle der Kräfte wiedererlange und der Kirche, der Schule und der Gemeinde der Vaterstadt fürderhin in alter Weise nach Kräften diene oder sanft und fromm entschlafend aus diesem Tale der Schmerzen in die himmlische Akademie und Heimat hinüberwandere und das Ziel seines Glaubens, das Heil Beiner Seele, davontrage. Am nächsten Tage wiederholte Helmrich, in größter Schwäche und seine Auflösung erwartend, den Wunsch, und wieder versammelte Trozendorf die Schule zum Gebet 2 ), das sich in seinem Munde zur Parentation umwandelte. „Bittet Gott durch seinen eingeborenen Sohn", so sprach er, „daß er ihn der Kirche, der Gemeinde und unseren Studien erhalte. Denn das ist euch allen zu wünschen. Daß wir uns nämlich dieser Bequemlichkeit für die Wissenschaften erfreuen, das verdanken wir ihm zum großen Teile. Daß ich hier bin, dessen ist er allein der Urheber. Daß unsere Studien in diesem Stande sind, dazu hat er einen großen Teil beigetragen. Und wenn (was Christus nicht wolle) jener dahinginge, dann würden unsere Studien einen sehr großen Schaden erleiden." Helmrich hatte auch die Schüler bitten lassen, daß sie, zu Amt und Würden aufgestiegen, seinen kleinen Kindern als Mündeln und Waisen, deren Vormund Trozendorf wurde 3 ), dasselbe Wohlwollen zukommen lassen sollten, das er ihnen erwiesen habe. Der Bürgermeister hatte aus seiner Ehe mit Katharina Strobel drei Söhne, Georg, Johann und Josias, und drei Töchter. Georg wurde ein treuer Gehilfe Trozendorfs und Thabors an der Schule, Johann wurde Ratmann und Bürgermeister, stand jedoch dem Vater an Tüchtigkeit nach. Nachdem Helmrich die Augen geschlossen hatte, warf der Tod seines lieben Freundes Trozendorf selbst aufs Krankenlager; dann aber sorgte er für eine literarische Ehrung. Der Mann, der seine Schüler zum Versemachen anhielt und die Dichtkunst schätzte, hat l ) Trozendorf, Methodi Bl. Bb R ») Ebenda Bl. Bb2. 8 ) Helmrich Bl. Fiij. 78 Entwicklung und Blüte der Schola ducalis. selbst kein Gedicht hinterlassen und traute sich wohl auch nicht die Fähigkeit zu, den geschiedenen Freund würdig poetisch zu ehren. Daher schrieb er an seinen jungen literarischen Freund G. Aemylius (Ömler) aus Mansfeld in Wittenberg und ersuchte ihn unter Beifügung der stofflichen Unterlagen, ein Epitaph für Tlelm- rich zu verfassen und drucken zu lassen. 1 ) Ein ehemaliger Gold^- berger Schüler, Ch. Preyß (Preuß) Pannonius konnte noch weitere Auskünfte geben. Aemylius, obgleich ihm Helmrich fremd war, entsprach dem Ansuchen mit zwei Gedichten, und der junge Dichter M. Acontius Urscllanus sowie Ch. Preyß trugen auch drei Gedichte bei. Aemylius schloß noch eine Elegie, „Officium boni consulis" an, die auf Helmrich und seine Ratskollegen, denen er die Epi- taphia zuschrieb, berechnet war. Im Februar 1537 war der Druck beendet, und die beiden jungen Leute Acontius und Preyß machten sich, da die Fastenzeit begann und die Vorlesungen schwiegen, zu Fuß auf den Weg nach Goldberg, um die poetischen Gaben zu überbringen. Aemylius gab ihnen ein an Trozendorf gerichtetes geschriebenes Reisegedicht mit auf den treulich beschriebenen Weg. 2 ) Dieses „Propempticon" ist aus verschiedenen Gründen nicht ohne Interesse. In neun Tagereisen, über Torgau, Beigern, Ka- menz, Bautzen, Görlitz, Lauban, Löwenberg, Bunzlau ging es nach Goldberg. In Bautzen sollten sie den Prediger J. Cellarius grüßen, in Görlitz den Arzt Mag. J. Sigismund und den Aemylius nicht persönlich bekannten Schulmeister Mag. Ch. Lasius aus Straßburg, bei Lauban wird des Schulmeisters K. Capelus und seines und Trozen- dorfs talentvollen, frühgestorbenen Schülers L. Zeidler gedacht und bei Bunzlau des Predigers Mag. F. Aenobarbus. Die genaue Beschreibung des Weges und der Ortlichkeiten verdankte Aemylius wohl Preyß. Durch das Seizertor traten die Wanderer in die Stadt Goldberg ein. Ihre Unterkunft sollten sie an der Ostseite des Marktes bei der Witwe Helmrichs finden. Dann: „Prima Valentinum sit visere cura magistrum Doctaque laudatae tecta videre scholae. Templa iacent medium coeli constructa sub orbem, Ut perhibent, matris nomine sacra Dei. ') Originaldruck scheint verschollen. Trozendorf, Methodi Bl. Aa f., und in späteren Ausgaben. 2 ) Propempticon Georgii Aemylii Scriptum ad Melch. Acontium & Christoph. Pannonium, abeuntes in Sylesiam. Impr. Vitebergae per J. Clug. 1537. 4». Trozendorf in den neuen Verhältnissen. 79 Ante fores tiliae ramis frondentibus umbram Proiiciunt, puro cum nitet orbe dies. Huc ubi delati, noua se domus offeret alto Limine, quae scriptum distichon illud habet: Aonio lepidae venientes culmine Musae Montana gaudent urbe domoque frui. Scilicet ex gemino facile est cognoscere versu, Inclita quod nitidae sunt ea tecta scholae." Sie hatten Trozendorf eine poetische Epistel des Aemylius zu überreichen, in der er ihm die Erfüllung seines Wunsches mitteilte und die Überbringer der Epitaphia empfahl. Nach einer Mahlzeit bei Frau Helmrich sollten diese F. Sylvius aufsuchen, der die Epitaphia dem Rate zu überreichen bestimmt war. Die Reise der beiden ging dann noch weiter, über Liegnitz, Neumarkt und Lissa nach Breslau. Auch hier wird an mancherlei gedacht. Liegnitz erinnert an den Frankfurter Professor Mag. J. Jociscus Hegitmatianus und an den Schulmeister V. Nicius, Breslau an den Reformator J. Heß, seine Münzen und Bücher, an Moibanus und den Propst zum hl. Geist F. Hanisch, an den Schulmeister zu St. Elisabeth Mag. A. Winkler, an das stolze Haus des königlichen Rates H. Rybisch, an Dr. J. Metzler, seine griechische Grammatik und die übrigen Werke und an die andern imposanten Bauten der Stadt. Acontius hat auf diesem Ausflug ein poetisches Denkmal 1 ) in Breslau zurückgelassen. Daß wir hier so ausführlich sind, mag damit entschuldigt werden, daß Trozendorf den Druck des „Propempticon" veranlaßte, weil es ihm gefiel, obgleich sich auch Verse darin befinden, die man deshalb dort nicht suchen würde, die aber doch auch den sonst sittlich so strengen Mann als Kind seiner Zeit und keinen Spielverderber zeigen. So. z. B. der Wunsch, den Aemylius den Abreisenden mitgibt: „Alma Venus tribuat faciles in amore puellas Cumque illis liceat ludere mille modis. Serta ferant vobis viridem superantia laurum; Scitis enim, dicam qualia quoque loco", oder auch: „Cum iubar Hesperio demiserit aequore Phoebus Sextaque lucentem clauserit hora diem, Continuo veteres blando sermone sodales *) Bauch, Reformation S. 107. 80 Entwicklung und Blüte der Schola ducalis. Dulcia sub placitae tecta vocate domus. Quaeritis, hie quali iubeam vos munere fungi: Ponite foeeundo pocula plena mero. Dulcia thyrsigeri desunt si munera Bacchi, Sufficiat madido flaua liquore Ceres. Hac duce per longam conuiuia ducite noctem, Si modo Germanum nomen habere iuuat, Atque velut pugiles generosis viribus hastam, Tollite per crebras pocula plena vices, Quisque suo socio verbis praefatus amorem Praebibat et pleno proluat ora cado. Tum si forte aliquid charus propinet amicus, Accipiat similes exhibeatque vices. Denique sit eunetis ea maxima cura bibendo, Ut releuent plenos euacuentque cados. Omen inest facto, nam pocula sicca notabunt Imbre carens coelum temperiemque bonam." Die bei Trozendorf nach K. J. Löschke suggestiv vorauszusetzende, etwas salbungsvolle Frömmigkeit fehlt in dem „Propempticon" gänzlich, und auch in den Epitaphien ist nicht mehr, als allgemein unter den Literaten üblich war, frommen Gedanken Raum gegeben. Allerdings beschritt die humanistische Poesie der Reformationszeit erst gegen das Ende des 16. Jh. hin in der Zeit des flachen Späthumanismus, der z. B. Satiren als unchristlich verwarf, mehr und mehr den öden Weg der äußerlichen Frömmigkeit mit biblischen, namentlich alttestamentlichen Beziehungen, die den Metren eines Horaz und Vergil so sonderbar zu Gesicht stehen. 2. Anfangszustand der Schule und ihre Lehrer. An den Beginn der Tätigkeit Trozendorfs in der Schule setzt die Überlieferung 1 ) die ihm zugeschriebene Anrede an seine Schüler: „Salvete, vos Nobiles, Consules, Senatores, Judices, Caesarum, Regum, Principum Consiliarii, vos Opifices et Artifices, Mercatores, etiam Carnifices, Lictores et Nebulones", oder deutsch: „Seid ge- gegrüßet, ihr Junckern, Bürgermeister, Ratherren, Richter, Kaiserliche, Königliche, Fürstliche Räthe, ihr Handwerksleute, ihr Künstler l ) Zuerst lateinisch in: Gesner, S., Acta Jubilaei Academiae Wite- bergensis, Celebrata Anno 1602, Witebergae, Exe. L. Seuberlich Impens. C. Ber- geri 1603. 190 Bl. 4° Bl. Giijv. [Ex.: Berlin, Staats-B.]. Deutsch bei Zinc- gref 1, S. 204. Anfangszustand der Schule und ihre Lehrer. 81 und Kaufleute, auch ihr, Hencker, Büttel und Buben." Die ganze Erzählung ist nichts weiter als eine alte Schulschnurre, die schon von dem Lehrer Luthers J. Trobonius 1 ) berichtet wird. Vor dem kleinen Häufchen von Schülern, das Trozendorf vorfand, wäre der Scherz auch gar nicht am Platze, sondern abgeschmackt gewesen. Er übernahm ganz allein den Unterricht der fortgeschritteneren Schüler; die kleineren fielen neben dem Gesangunterricht für alle dem Kantor Meffred zu. Als die Zahl der Schüler sich allmählich mehrte, griff Trozendorf zu dem alten Aushilfsmittel, daß er ältere Schüler zu dem Unterricht der Anfänger gebrauchte 2 ), bis er endlich in der Lage war, auch akademisch vorgebildete Lehrkräfte für die obere Stufe zu seiner Entlastung heranzuziehen. Doch auch dann behielt er die älteren Schüler, die man in Schlesien Schreiber zu nennen pflegte, für die Unterstufe bei. Von den jungen Hilfslehrern ist einer unvergessen, vielleicht, weil er besonders tüchtig und außerdem dadurch merkwürdig war, daß er zum schlesischen Adel gehörte: J. Tschirnin (Tschernin) oder von Czirn aus einer Familie des Neißer Gebiets. Man nannte ihn mit Übersetzung seines polnischen Namens Nigrinus, und der Dichter J. Stigel hat Tschernin dem lateinischen Verse zuliebe sogar in „Iserninius" verkehrt. Dieser las den Jüngeren die Briefe Ciceros, ein Jahr gratis und dann auf Anordnung des Herzogs Friedrich II. gegen 40 Liegnitzer Mark jährlich vom Rate der Stadt Goldberg. 3 ) Er blieb dabei Schüler Trozendorfs. Nach unsern Angaben begann er 1539 mit seiner Lehrtätigkeit und setzte sie etwa bis zum Frühjahr 1542 fort, wo er nach Wittenberg ging. Dort starb er bald; Trozendorf hielt ihm in der Goldberger Schule eine Trauerrede 4 ), und Stigel schrieb ihm ein poetisches Epitaph. 5 ) Im J. 1539 oder vielleicht schon Ende 1538 trat der erste akademische Lehrer für Rhetorik ein; auch er war vorher ein Schüler Trozendorfs gewesen, und wir haben ihn schon kennen gelernt: Ch. Preyß Pannonius aus Preßburg.") Er war im Sommersemester 1536 von Goldberg nach Wittenberg gekommen und am 19. September 1538 zum Magister promoviert worden. Preyß, der wegen seines dichterischen Talents geschätzt wurde, ist jedoch in Goldberg nicht alt geworden, denn schon am 2 7. Aug. 1540 erging an ihn der Ruf als Professor an 1 ) Löschke, K. J., V. Trotzendorf. Breslau 1856. VIII, 95 S. S. 19, Anm. 2 ) Bauch, Bart S. 20. ') Ebenda. 4 ) Scriptores rer. Lusat. 1, S. 439. 5 ) Stigelius, J., Poematum Liber IX. Jenae 1572. Bl. H5\ «) Bauch, Frankfurt S. 140/2, 152/3. Monumonta Gormaniao Paedagojica LVTt 6 &2 Entwicklung und Blüte der Schola ducalis. die neu reformierte Universität Frankfurt a. 0., und er leistete dem Rufe Folge; im Wintersemester 1540 ist er in Frankfurt immatrikuliert und erhielt die Professur für Poetik. Er beschäftigte sich aber auch mit Cicero, dessen Leben nach den eigenen Schriften er schrieb. Durch ein Gedicht gewann er Fühlung mit dem Herzog Albrecht von Preußen, und später führte ihn so sein Schicksal an die neue Universität in Königsberg und schließlich in das Stadtschreiberamt in Thorn. Unter dem Namen „von Springenburg" wurde er in den Adel erhoben. In Goldberg ersetzt wurde er noch im J. 1540 durch den Mag. F. Reich aus Sorau in der Niederlausitz. Dieser war zur selben Zeit wie Preyß, im Sommersemester 1536, Wittenberger Student geworden und hatte am 23. Sept. 1540 das Magisterbarett erworben. Als Goldberger Lehrer verheiratete er sich 1542 mit Anna Wiele, die als Witwe 1554 Z. Barts erste Prau wurde. 1 ) Bis zu seinem Tode, zwölf Jahre lang, hat er der Schule angehört. Der Kantor Meffred wirkte aber auch noch weiter fort. Neben seinen kirchlichen Einkünften erhielt er als Lehrer von der Stadt jährlich 5 ganze Mark, und Trozendorf gewährte ihm, um sein Einkommen aufzubessern, bei Zunahme der Schule aus eigenen Mitteln 20 Mark dazu. 2 ) Meffred gab etwa 1538 oder 1530 seine Stellung in Kirche und Schule auf und wurde Rektor an der Schule in Lauban, wo er 1541 nachweisbar ist 3 ); er starb hochbejahrt um 1560 als Pastor zu Groß-Baudis im Liegnitzer Gebiet. 4 ) Wenn Ehrhardt, der nicht immer verläßlich ist, zu trauen wäre, hätte in der kurzen Vakanz nach seinem Abzug ein Schüler, V. Pauskopf, das Kantorat versehen 5 ), bis J. Heniochus 1539 oder 1540 die Stelle übernahm, der eigentlich Wagenknecht und daneben nach seiner Heimat Debissus oder Debitz genannt wurde. Er soll 1534—40 Rektor in Löwenberg gewesen sein und stieg in Goldberg mit der Zeit nach Abgabe des Kantorats bis zum ersten Lehrer der Schule, den man später Konrektor hieß, auf. Zu diesen Lehrern gesellte sich noch M. Liebald aus Bunzlau") als besonderer Kate- chismuslehrer, Catecheta oder Catechista, für die kleineren Schüler. Die Zeit seines Antritts wie die seines Abgangs sind unbekannt; er soll nach Bunzlau gezogen sein und wurde 1550 Pastor in Probst- hayn. Das waren die nachweisbaren Lehrer bis zur Umwandlung der Stadtschule in die Schola ducalis 1546. ») Bauch, Bart S. 16. s ) Ebenda S. 20. 3 ) O berlausitz 2, S. 315. 4 ) B u c h w a 1 d 2, S. 400. Bauch, Reformation S. 346. 5 ) Ehrhardt III 2, S. 450. ») Bauch, Bart S. 21. Auswärtige Berufungen Trozenclorfs. 83 3. Auswärtige Berufungen Trozendorfs. Der wiedererstarkenden Schule drohte zweimal die Gefahr, ihren Soapitator zu verlieren. 1535 wurde Trozendorf, als er noch ziemlich allein stand, nach Nürnberg und nach Görlitz berufen. 1 ) Beide Einladungen waren den Goldberger einfachen und bescheidenen Verhältnissen gegenüber sehr verlockend. In Nürnberg verließ 1535 Joachim Camerarius seine Stellung an der Melanchthon- schule; sie befand sich zwar auch in keiner glänzenden Lage, aber die alte Reichsstadt hätte doch einen ganz andern Resonanzboden für einen tüchtigen Mann abgegeben. Trozendorf lehnte jedoch ab und ebenso für Görlitz, wo der Schüler des J. Rhagius Aesti- campianus und Melanchthons P. Ritter aus Strehlen in Sachsen Platz machte. Bei dieser Ablehnung erfahren wir seine Gründe. Der Görlitzer Rat hatte ihn durch den Stadtschreiber P. Romer und den Stadtphysikus Dr. J. Troger, der einst Schulmeister zu St. Elisabeth in Breslau gewesen war, sondieren lassen. An Troger schrieb er, er wolle die durch zahlreiche und auserlesene Knaben blühende und durch seine großen Mühen hergestellte Goldberger Schule nicht durch ungelegenen Abgang zerstreuen und die blühenden Studien vieler Jünglinge stören. Dann führ er fort: „Bei diesem Stande der Dinge kann ich ohne das schwere Verbrechen der Fahnenflucht von hier nicht weggehen. Denn wie ein Soldat ohne Befehl des Feldherrn vom Posten nicht fortgehen darf, so ist es für mich, da ich von Gott zur Unterweisung der Jugend gleichsam auf einen Posten gestellt worden bin, etwas Schmähliches, ohne regelrechte Entlassung zu entweichen und wie durch Preisgebung des Postens zu verschulden, daß die guteingerichteten Studien der Jugend gestört werden. Denn ich habe die Überzeugung, daß ich in diesem heiligen Amte nicht sowohl den Menschen als Gott diene, und halte es für einen Frevel, ohne seinen Willen abzugehen. Gegen seinen Willen würde ich aber abgehen, wenn ich mich nach meinem Willen zu ungelegener Zeit von hier davonmachte und die Schule ohne bestimmten Nachfolger zurückließe. Wenn es aber Gott gefallen sollte, daß ich von hier zu euch überginge und die letzte Zeit meines Lebens in der Heimat zubrächte, ist gewiß, daß er selbst mir den Weg öffnen und zu seiner Zeit eine bequeme Gelegenheit zeigen würde." So gern er sicherlich' nach der Heimat gegangen wäre, so hielt er es doch für seine sittliche Pflicht, seine --------------- » ') Scriptores rer. Lusat. 1, S. 440. 6* g4 Entwicklung und Blüte der Schola ducalis. Schule, die nun wieder erfreulich aufzublühen begann, nicht im Stiche zu lassen, und es war auch mannhaft gedacht, gedacht von einem guten Manne, der bedacht hatte, was er vollbringen wollte. Die Verehrung, die er wegen seiner Pflichttreue genoß, drückte sich bald darin aus, daß man ihn wie sein Vorbild Melanchthon kurzweg „Praeceptor" nannte. Was er damals schon bedacht hatte und bald auch in das Leben umsetzte, das schreibt man sonst gern erst der höchsten Blütezeit seiner Schöpfung, der Zeit nach Vollendung der fürstlichen Schule, zu: die Heranziehung des Schülerzötus zur Mitwirkung bei der Pflege der Disziplin. Daß die Einführung dieser Einrichtung in den allmählichen Aufstieg der Schule fällt, sagt Bart 1 ) mit den Worten: „Nicht sowohl die Sorgfalt im Lehren als die Handhabung [guber- natio] der Disziplin gab der Goldbergcr Schule zu dieser Zeit das Gedeihen." Der erste Anlaß hierzu war vermutlich durch den Umstand gegeben, daß er zuerst bei dem Mangel an Lehrkräften fast ganz auf die Schüler als Hilfslehrer zurückgreifen mußte und daß dann bei der Menge von Schülern eine genügende Aufsicht für ihn allmählich unmöglich wurde. Die Ausnahme der Beteiligung der Schüler wurde zur Regel, und das führte allmählich zur Arbeitsteilung über. Und daß Trozendorf auch die Einführung der lebensvoll und anregend umgestalteten melanchthonischen Deklamationen in seine Schule zu dieser Zeit vornahm, werden wir ebenfalls bald zeigen können. Der volle Ausbau seines Gedankens und dessen schließliche, vollständige Anwendung konnten jedoch erst erfolgen, als ihm auch die räumliche Möglichkeit dafür gegeben war; das noch nicht alte bisherige, doch immerhin beschränkte Schulhaus (später das Cul- mische Haus genannt) wäre dazu zu klein gewesen. Hier griff der Herzog Friedrich IL, der einst auch Gürtler bei seinen Bestrebungen unterstützt hatte, fördernd ein. Das alte Kloster der Franziskaner stand infolge der Reformation nun leer, und da ihm König Ferdinand I. freie Hand ließ, die alten Stiftungen in pios usus zu verwenden, und die Erhaltung der Schule auch unter die pios usus fiel, konnte er den geräumigen Bau der Schule zur Benutzung übergeben. Die städtische Schule trat mit diesem Entgegenkommen des Fürsten zugleich in nähere Beziehungen zu ihm, und dadurch wie wegen ihres ausgesprochenen Gedeihens wuchs auch sein Interesse für sie. In welchem Jahre die Übergabe der Gebäude vor sich ging, findet x ) Bauch, BartS. 20. Auswärtige Berufungen Trozendorfs. 85 man nur bei Claius 1 ) und in Wenzels „Goldberga". Dieser setzt dafür 1540 an und Claius 1542. Für die Einführung der Lobreden der Schüler ist wahrscheinlich 1542 als Anfangstermin zu nehmen, denn J. von Czirn, dem zu Ehren die erste Panegyris gehalten wurde nachdem er kaum aus dem Gesichtskreis seiner Mitschüler entschwunden und noch ganz unvergessen war, ist, wie wir hörten, im Sommersemester 1542 nach Wittenberg gegangen wie Peucer, der so anschaulich über alles berichtet, im Sommersemester 1543. Sollte aber auch der Schulstaat wirklich als festes, dauerhaftes Gebilde entstehen, so war die Voraussetzung dafür, daß die überwiegende Zahl der Schüler in einem Konvikt oder Alumnat zusammenlebten, da sonst nicht davon hätte gesprochen werden können, daß die Schüler gemeinsam lebten, aßen und schliefen: das Alumnat war das Kloster, und der Hausherr war Trozendorf. Dabei war es aber keineswegs ausgeschlossen, daß manche von den Schülern, z. B. adlige, ihre eigenen Losamenter hatten und doch den Tag über, auch bei Tische, in der Schule verweilten. Später wohnten und aßen viele bei Lehrern oder Bürgern der Stadt. Ein schmerzlicher Vorfall im J. 1536 mochte Trozendorf den Wunsch, die Schüler möglichst unter seiner Aufsicht zu konzentrieren, noch dringender nahegelegt haben. 2 ) Ein hoffnungsreicher Schüler hatte sich in eine Liebschaft eingelassen, und als ihm Trozendorf die Möglichkeit, zu seiner Geliebten zu gelangen, abschnitt, machte er seinem Leben durch den Strick ein Ende. Trozendorf bereitete diese Tat, schon aus religiösen Gründen, großen Kummer. Die Mitschüler nahmen sich der Leiche des Unglücklichen an, für die nach Auffassung der Zeit kein „ehrliches" Begräbnis möglich war. Sie "vollzogen die Beerdigung bei Nacht und geleiteten den so plötzlich Abgeschiedenen, indem sie weiße Hemden über ihrer Kleidung anlegten. Zu der Zeit, wo es sich um die Übersiedlung der Schule ins Kloster handelte, kam Trozendorf noch einmal dem Görlitzer Rektorat nahe 3 ), nämlich nachdem Mag. Ch. Lasius 1540 den Dienst der Stadt verlassen hatte. Der Rat hatte gehofft, Lasius, der sich dazu erboten hatte, würde für einen Ersatzmann sorgen; aber noch arnJM). Jan. 1541 „stand der Rat mit der Schulen fast irrig und ») Claius, Schola Bl. 0 5. 2 ) E b e n d a Bl. 0 4 ». St. B.-Br., Wenzel. ') Missivenbuch im Görlitzer Ratsarehiv 1539—43 (Jecht, R., Quellen zur Gesch. der Stadt Görlitz bis 1600. Görlitz 1909. VIT, 248 S. S. 137 f.) fol. 185. Ich verdanke die Abschrift Herrn Prof. Dr. Jecht. 86 Entwicklung und Blüte der Schola ducalis. kümmerlich". Daher wandte er sich unter Berufung auf sein mehrfaches Erbieten und Mahnung an sein Vaterland an Trozendorf mit der Bitte, „einraten" zu helfen: „dodurch wir mit einem goschigten und gelarten Magistro adir sunsten nach euer Gelegenheit mit einem tapfern Manne möchten vorsorgit werden, uns hierinnen Anweisung zu thun." Dieser empfahl umgehend den Schulmeister zu Mansfeld Mag. G. Tilenus aus Sorau und erbot sich, die Sache fleißig zu fördern. Hierauf schrieb ihm der Rat am 29. Jan.: „Bitten dorauf freuntlich, ir wollet den Sachen, wie ir wisset, mit Fleisse nachtrachten, domit gemelter Schulmeister aufs förderlichste bey uns auf unser Parloge [Kosten] erscheinen mochte, und euch zu seiner Zukunft nicht zu beschweren lassen, bey uns auch einzukommen, Gelegenheit der Schulen und wie hirinnen zu halden, uns mit einander underreden möchten, wie wir uns gentzlich vertrösten, gunstiglich thun werdet." Trozendorf leistete der Einladung Folge und führte Tilenus mit einer Rede in sein Amt ein. x ) Die nicht erhaltene Rede wäre nach den Andeutungen des Rates für uns gewiß nicht ohne Bedeutung. Tilenus wurde 1551 Pfarrer in Goldberg, nachdem er vorher schon eine andere Pfarrei gehabt hatte. 4. Trozendorf als Schulmeister und Lehrer. Um zuerst einen geschlossenen Überblick über Trozendorfs Tätigkeit als Schulmeister und Lehrer zu geben, der zugleich besonders und abschließend seine disziplinarischen Maßregeln und Einrichtungen berücksichtigen soll, lassen wir seinem treuen Schüler K. Peucer das Wort. Die sorgfältige und viel mehr ausgeführte Nachbildung durch den treuesten seiner Schüler L. Ludovicus in Görlitz lassen wir dagegen hier, eben als Nachbildung, beiseite. 2 ) Peucer berichtet 3 ) etwa das Folgende. Die Schule war ganz und gar einem aufs beste eingerichteten und durch Gesetze, Lehre und andere ehrbare Übungen festgefügten politischen Gemeinwesen ähnlich, zu dem Zwecke, daß die Jugend von früh an in die heiligen Lehren von Gott eingeführt, zur Furcht und Verehrung Gottes angeleitet würde, daß sie die Elemente der für die Kirche und die menschliche Gesellschaft notwendigen Wissen- ') Aus demselben Missivenbuch, fol. 186. Auch diese Abschrift verdanke ich Herrn Prof. Dr. Jecht. Ch. Manlius, Scriptores rer. Lusat. 1, S. 439, setzt als Datum für die Einführung des Tilenus an: „Anno 1541 die dominica dominicam Trinitatis proxime consecuta." 2 ) Wir kommen darauf im "VI. Kapitel bei M. Laubanus. 9 ) Rhan, Melanchthon; Rhau , Rosarium. Trozendorf als Schulmeister und Lehrer. 87 schaften und Künste lernte, daß sie durch scharfe Zucht gewissermaßen zahm gemacht und an öffentliche und private Pflichten gewöhnt würde. Deshalb hatte Trozendorf den ganzen zahlreichen, aber an Befähigung ungleichen Schülerzötus nach attischer und römischer Sitte in sechs Klassen und die Klassen in gewisse Tribus geteilt. Den einzelnen Klassen hatte er, entsprechend der Passungskraft der Schüler, ihre Studien bestimmt, die er mit Ausdauer wiederholte und, ohne zu ermüden, betrieb, indem er (sokratisch) „eadem per eadem" erklärte. Die oberen Klassen unterrichtete er selbst, in den ersten Jahren allein, in den folgenden, als sein Alter und die Arbeiten zugenommen hatten, mit Hilfe der Kollegen, die er berufen hatte; die unteren Klassen unterwies er durch ältere •Schüler, die nach seinem Willen durch die gebotene Gelegenheit ihren Geist und ihre Fortschritte an dem erproben sollten, was dem Knabenalter zukommt. Die Fortgeschritteneren übte er in den Grundlagen der heiligen Lehre, denn diese trieb er mit besonderer Sorge und Sorgfalt, in dem Gebrauch beider Sprachen, der lateinischen und der griechischen, und in denjenigen Künsten, die zum Behuf der Bildung der Rede und der Regelung der Schlußfolgerung vorgetragen werden. Deshalb ließ er niemals die Dialektik beiseite und wollte, daß die Gedichte Vergils und die „Vertraulichen Briefe" Ciceros stets in den Händen der Schüler sein sollten, und außer diesen behandelte er als Einlagen Ciceros „Pflichten" und seine Reden, bisweilen auch die des Livius, damit die Jugend allmählich auch zur Übung der Rhetorik übergeführt würde. Zu den Anfängen des Griechischen fügte er die Schriften des Isocrates und die Paulinischen Briefe hinzu. Und obgleich er an den einzelnen Tagen je eine Stunde der öffentlichen Wiederholung widmete, mischte er doch, um die Aufmerksamkeit und den Fleiß bei den Hörern zu schärfen, immer Prüfungen in die Vorlesungen durch aufgeworfene Fragen oder eingeschobene Schlußfolgerungen, die er fast immer aus der Ethik oder aus der heiligen Lehre nahm, oder durch Vorlegung von Aufgaben, von Sentenzen oder von irgendeinem Locus communis, und dadurch geschah es, daß die Jünglinge zugleich sowohl den Gebrauch der dialektischen Vorschriften überschauten als auch sich gewöhnten, die Dinge selbst zu erkennen und zu verstehen. Die Entwicklung der Themata und Fragen gab er entweder selbst oder forderte sie von einem der Hörer, den er, da er ziemlich reiche und aus den Quellen geschöpfte Erklärungen verlangte, vor der Zeit der öffentlichen Vorlesung darauf aufmerksam machte. So hatte er auch je zwei „Exercitia styli" für jede Woche ein- gg Entwicklung und Blüte der Schola ducalis. gerichtet, eins in ungebundener Eede, das andere in Versen. Diesen hatte er als drittes eins in der Beweisführung zugegeben, dem er anwohnte und vorsaß, nachdem er die Themata für die Disputationen gestellt hatte. Den Stoff für die Scripta entnahm er aus der Kirchenlehre oder aus der Philosophie, aber niemals etwas Müßiges oder Nichtssagendes. Die Scripta forderte er von den einzelnen öffentlich ein und übersah sie, um die Sorgfalt der Seinen zu erforschen, aber selten sah er sie durch, weil die Zeit nicht zulangte. Was aber des Stils wegen zu erinnern war, das setzte er den außer der Zeit, wann es ihm gerade lag, zu ihm Gerufenen privatim genau auseinander und erinnerte auch oft im öffentlichen Unterricht daran. Aber außer diesen Übungen im Schreiben und Disputieren und außer der täglichen im Lateinsprechen boten mehrere andere, der Disziplin wegen eingeführte Einrichtungen Gelegenheiten für dieselben Übungen, von denen die Geschichte der Schulleitung berichten wird. Doch bevor ich von dieser zu sprechen fortfahre, kann ich das nicht unterdrücken, daß es mir scheint, die Leitung einer so großen Menge sei für ihn auch deshalb ziemlich leicht gewesen, weil er sie sowohl in wenige Punkte zusammengezogen als sie auch, höchst angemessen in Stufen der Ämter geordnet, so wie er ihrer bedurfte, zerlegt hatte. Das war aber ein Beweis von hervorragender Umsicht, denn von dem glücklichen Erfolg schweige ich: der war geradezu göttlich. Dem ganzen Zötus saß er nämlich als AvtoxqAtcoq vor, aber er verwendete so viel Aufseher, daß in einem so großen Haufen keinem, der an seinem Ort und innerhalb der Grenzen blieb, weder an einer Stelle noch zu irgendeiner Zeit seine Wächter oder Beurteiler (Censores) fehlten. Die er zu Aufsehern und Wächtern der häuslichen Disziplin gesetzt hatte, nannte er Ökonomen, die er zu Beurteilern des Betragens und zu Harmosten der Tischgenossen bestimmt hatte, Ephoren und Inspektoren, die, denen er das Geschäft gegeben hatte, in den öffentlichen Zusammenkünften, die wegen der heiligen Lektionen oder der Disputationen stattfanden, ihre Kontribulen zu beobachten, Quästoren. Das Amt der Ökonomen war, dafür zu sorgen und einzustehen, daß jeder seine häuslichen Pflichten recht tue. Diese weckten, wenn morgens aufzustehen war, durch die Schulglocke die Übrigen; kurz darauf umhergehend jagten sie die noch nicht Aufgestandenen heraus und trieben die Übrigen an, daß sie, richtig angezogen und gewaschen, zu dem gemeinsamen Gebet eilten, das Trozendorf mit Trozendorf als Schulmeister und Lehrer. 89 besonderer Sorge und Strenge forderte und erzwang. Dieselben riefen auch die Schülerschar durch ein gegebenes Glockenzeichen zu den Lektionen zusammen und durchmusterten nach dem Frühstück, wenn die für anständige Erholung gewährte Zeit vorüber war, die einzelnen Stuben, ob sie gereinigt seien, wie es sich gehörte, ob die Betten gemacht, die Kleider abgebürstet, die Geräte rein und geordnet, ob jeder an seinen Ort und zu seiner Arbeit zurückgekehrt sei. Sie sorgten auch und standen dafür ein, daß nicht welche lärmten oder zusammen tränken oder durch unangebrachtes Schwatzen oder musikalische Übungen zur Unzeit die Studien der Nachbarn störten. War die Zeit zum Schlafen gekommen, riefen sie einen jeden, nachdem das Gebet gesprochen war und sie die Tür der Schule zugemacht und verschlossen hatten, wieder durch ein Glockenzeichen zu seinem Bett. Nachdem sie türweise nach allen gefragt hatten, geboten sie Stillschweigen, und nicht eher begaben sie sich selbst zur Ruhe, bis sie sich überzeugt hatten, daß alles schwiege. Da ihrer in den vielen und verschiedenen Räumen (Contuberniis) mehrere waren, berichteten die Übrigen dem einen, der ihr Oberstor war, wie es sich mit den ihnen Anvertrauten verhalte. Dieser berichtete dem Lehrer Trozendorf, der bisweilen den Ökonomen beistand, manchmal viel später entweder über alle zusammen nachforschte oder nur nach denen fragte, die er wegen nächtlichen Umherschweifens in Yerdacht hatte. Den Ephoren unterstanden dio Discophori (Tellerträger). Diese bedienten bei Tische, und die einzelnen taten dies nach der Reihe wöchentlich. Die Ephoren waren die Meister des Teiles der Schuldisziplin, der Sauberkeit, Anstand und Sittsamkeit bei Tische fordert, und führten die Gesetze aus, die darüber vorgeschrieben waren. Und da sie ihr Amt kraft öffentlicher Autorität führten, so ehrten sie die Übrigen nicht weniger als Trozendorf selbst. Wenn dieser nach Aufhebung der Tafel wegging, folgten ihm alle sofort, und keinem war erlaubt, noch länger zu verweilen oder vor dem gegebenen Zeichen wiederzukommen. Er wollte aber, daß sich die Einzelnen gegürtet zum Mahle setzten, damit der eingeengte und gleichsam gebundene Leib weniger angefüllt und nicht mit einer Bürde von Speise belastet würde, und das um des Geistes und der Gesundheit willen. Die Quästoren waren die Aufseher über die öffentlichen Arbeiten. Den einzelnen Tribus aber standen ihre Quästoren vor, die einem Obersten unterstanden und gehorchten. Sie wurden wöchentlich gewählt und legten ihr Amt feierlich mit einer öffentlichen 90 Entwicklung und Blüte der Sehola ducalis. Rede nieder. Das Amt jenes war monatlich. Diesem Obersten berichteten die Übrigen, wenn welche aus ihren Tribus von öffentlichen Lektionen oder Gebeten oder von den abendlichen Disputierübungen ferngeblieben waren. Denn die Quästoren hatten die Kontribulen anzuhalten, den öffentlichen Gebeten und Lektionen beharrlich und eifrig beizuwohnen, die Abwesenden zu notieren und anzuzeigen. Ebenso hatten sie die Themata für Fragen und Beweisführungen zu stellen, über die während einer halben Stunde nach der Mahlzeit die Kontribulen unter sich verhandelten, indem einer fragte. "Wenn Trozendorf dahinter kam, dafci welche von den Ephoren oder den Quästoren in dem ihnen übergebenen Amte nachlässig wären oder den Ihren durcli die Finger sähen oder mit ihnen unter einer Decke steckten, solche bestrafte er als Pflichtvergessene auf das strengste. Nachdem die Dinge so geordnet waren, wurde der, der sich gegen die Gesetze, die Sitten und die Einrichtungen der Schule vergangen oder gegen seine Pflicht gehandelt hatte, Trozendorf angezeigt. Nach dessen Befinden wurde er zu einer Körperstrafe oder zu einer Geldstrafe verurteilt oder er wurde vom Magistratus scholasticus zur Entscheidung der Sache vor Gericht gerufen. Mit dem Magistrat verhielt sich die Sache, wie folgt. Trozendorf wählte aus dem Schülerzötus für die einzelnen Monate je einen Konsul, dem er zwölf Senatoren und zwei Zensoren beigab. Jene waren Beisitzer des über die Sache erkennenden Konsuls; wenn einer von ihnen etwas für seinen Stand Unwürdiges zuließ, wurde er aus dem Senat gestoßen. Die Zensoren waren Meister des Betragens und der Zucht auf öffentlichen Wegen und bei Zusammenkünften, damit in Gang, Gebärde, Rede und der ganzen Köperhaltung von den Schülern die ihrem Stande geziemende Sittsamkeit beobachtet würde. Denen aber, die sich dem öffentlichen Gericht zu unterziehen hatten, wurde der Termin acht Tage vorher angesagt, damit sie vorbereitet erschienen. Denn es wurde kein Theaterstück vorgeführt, sondern die Sache wurde ernsthaft behandelt, mit derselben Feierlichkeit und Strenge, wie sie den öffentlichen Gerichten zukommt. Der Senat saß allein an einem umschriebenen Orte innerhalb eines bestimmten Kreises, den niemand überschreiten durfte. Rings umher stand die übrige Schar, gespannt auf die vorliegende Sache achtend, mit Scheu und Bescheidenheit, wie sie einer solchen Sache zukamen. Mitten in der Schar stand der „Dictator perpetuus" Trozendorf als Schulmeister und Lehrer. y | Trozendorf. Der von dem übrigen Zötus getrennte Angeklagte wurde vor der ganzen zuschauenden und zuhörenden Korona angeklagt. Die Rolle des Anklägers übernahm zuweilen Trozendorf selbst, manchmal übertrug er sie einem von den Schülern, besonders wenn etwas gegen die Gesetze oder die guten Sitten begangen worden war. Wenn der zur Beantwortung aufgeforderte Angeklagte, vorher durfte er nämlich nicht sprechen, die Schuld durch eine richtige Entschuldigung entkräftet oder bei Eingeständnis der Schuld mit der Bitte um Verzeihung seine Sorgfalt der Versammlung durch die Rede erwiesen hatte, wurde er freigesprochen, indem der Konsul die Stimmen einforderte und was beschlossen worden war, verkündete. Wenn die Rede, die jeder ganz allein ausarbeiten mußte, nachlässig und somit ein Zeichen von Trägheit war, wurde der Beklagte wohl selbst bei einer leichten Schuld verurteilt. Mit großem Ernst und Nachdruck wiederholte Trozendorf darauf die gefällten Urteile, begründete sie tiefer und führte sie aus. Er hatte aber die Gerichte besonders in der Absicht eingerichtet, daß sich die jungen Leute von klein auf gewöhnten, die Würde der staatlichen Ordnung zu achten und die Magistrate und Gerichte wie ein Werk Gottes zu ehren. Denn wie die Frömmigkeit gegen Gott durch die Stimme der Lehre und die Übungen im Gebet, so glaubte er, daß Ehrfurcht vor der staatlichen Ordnung durch die Schauspiele der Gerichte den zarten Gemütern eingepflanzt und beigebracht werden müßte. Nicht weniger trug er Sorge, die Sitten eines jeden zu formen als den Geist durch die Lehre auszubilden. An dieser Stelle sind die Panegyriken zu erwähnen, die er nach Weise des alten Griechenland mit einer gewissen besonderen Festlichkeit feierte. Bei diesen wurden nämlich von den Schülern lateinische Reden um die Wette vorgetragen, und die, die gesiegt hatten, wurden mit Öffentlicher Lobpreisung gekrönt wie einst bei den olympischen Wettkämpfen. Diese Schauspiele entzündeten und regten nicht ganz schläfrige oder der Begierde des Ruhmes fremde Geister heftig an. Nicht ganz zu übergehen sind auch die körperlichen Übungen, die allerdings Trozendorf nicht sowohl ständig forderte als~ vielmehr guthieß. Doch pflegte er meist Zuschauer zu sein, wenn gerungen oder im Laufe gestritten wurde, und die Gewandtheit eines jeden zu beobachten und die Flinken und Lebhaften zu loben und die Trägen oder Ungeschickten (distortos) zu tadeln. Aber dies und noch anderes fast Unzähliges zu verfolgen, duldet weder die Zeit, noch ist es unsere Absicht. 92 Entwicklung und Blüte der Sehola duealis. Dieser von Liebe zu seinem Lehrer getränkten Darstellung eines anhänglichen Schülers können wir noch ein paar anderswoher genommene Züge hinzufügen. Die Zeit kannte keine Verzärtelung, und so waren die von Trozendorf eingeführten und verhängten Strafen nach unserm Empfinden zum Teil recht hart. Claius zählt sie möglichst vollständig auf. Da gab es außer Geldstrafe Karzer oder Schläge oder die Lyra, ein an die chinesische Justiz erinnerndes Strafinstrument, das man wegen einer oberflächlichen Ähnlichkeit in der Gestalt auch Fidel nannte, ein mit Eisen beschlagenes Holz, in das man den Kopf und die Hände stecken und einschließen konnte, also eine Art von Pranger. Einige mußten einen großen, vermutlich geschnitzten oder gemalten Esel um den Hals tragen, andere, wenn die Übrigen frühstückten, auf dem Boden sitzen, noch andere zur Winterzeit, neben ihrem Bett hingestreckt, auf der Erde liegen. Ansprechender ist das Bild, das Ch. Manlius, Peucers Schüler, von der Ausgestaltung der Lobreden entwirft. 1 ) Er sagt: Diese Sitte des alten Griechenland, Lobreden vorzutragen, führte Trozendorf in der Weise in seinen Schulstaat ein, daß die Knaben nicht in den alten Annalen den Stoff suchten oder die Helden fremder Völker zu loben sich vornahmen, sondern aus ihrem Zötus, aus denen, deren Anlagen, Sitten und Studien ihnen wohlbekannt waren und die sich vor ihren Augen bewegten, die Stoffe für ihre Lobreden auswählten und ihre Mitschüler und Studiengenossen lobten, bei denen besondere Liebe zu den Wissenschaften, Kraft des Geistes, Sinn für die Tugend, Keuschheit, Sittsamkeit und Eifer im Gehorsam hervorleuchteten. Das war der Stoff für die Lobreden. In dieser Weise lobte als ersten von allen Kaspar von Kittlitz den Johann von Czirn, der damals schon in Wittenberg den Studien oblag. 2 ) Nach Beendigung der Lobrede richtete einer der Volkstribunen an den Schulsenat die folgenden Worte. Das Kollegium der Tribunen sei der Meinung, daß Nigrinus der Wahrheit gemäß gelobt worden und dem Lobredner eine Ehre zu erweisen sei. In welcher Art er aber geehrt zu werden verdiene, das sei dem Urteil der versammelten Väter anheimzustellen. Ihm antwortete einer der beiden Zensoren, es sei Sache der Zensoren, nicht bloß Vergehen zu tadeln, sondern auch Wohlgetanes zu belohnen. Daher, weil sie glaubten, daß Kittlitz seines Amtes gut gewaltet und Nigrinus richtig gelobt habe, beschlössen sie, daß der Panegyrist ') Scriptores rer. Lusat. 1, S. 441/2. 2 ) Vgl. o. S. 81. Trozendorf als Schulmeister und Lehrer. 93 zu krönen sei. Nach ihm trat der Konsul auf und sprach in diesem Sinne: der Senat sei gemäß seiner Ergebenheit für den edlen Schülerstand den Studien günstig und wolle, daß der Tüchtigkeit Ehre zuteil werde. Daher erkenne er nach der Meinung der Tribunen und Zensoren und der allgemeinen Zustimmung des Senatorenstandes dem Kittlitz wegeu gut verrichteter Leistung den Kranz zu, den ihm die jungen Leute aus dem Ritterstand, um die Tüchtigkeit mit Ehre zu schmücken, flechten sollten, und er ermahne dazu, daß aus dieser Ehre, die den Studien zuteil würde, alle tüchtigen Knaben und Jünglinge zur Liebe zu den Tugenden und den guten Künsten angeregt werden sollten. Bald übergab der Herold dem Lobredner den Kranz, mit dieser Ansprache: „Sei gegrüßt, edler Jüngling! mit diesem Kranze belohnen dich der hohe Stand der Senatoren und die Kollegien der Tribunen und der Zensoren. Diese Ehre sollst du so auffassen, daß du einsiehst, du seiest von dem Senat und dem Volke der Schule wie durch ein Pfand verpflichtet und durch dieses Geschenk eingeladen worden, daß du in dieser edlen Laufbahn der guten und hochgelobten Künste, in die du mit uns zugleich eingetreten bist, eifrig dahinzueilen fortfahrest und so studierest, daß du einst aus deinen Studien dem Gemeinwesen edle Frucht bringen könnest." Zuletzt schloß der Lobredner den ganzen Akt mit dieser Danksagung: „Ich sage euch, versammelte Väter, Zensoren, Tribunen und junge Leute, für die Ehre, die ihr mir erwiesen habt, den Dank, den ihr beanspruchen dürfet, und erkenne an und gestehe, daß mir von euch eine reiche Wohltat erwiesen worden ist. Mit allem Eifer und aller Sorge werde ich mich anstrengen und mit Ausdauer danach streben, daß ihr einsehet, daß euer für mich höchst ehrenvolles Urteil mir ein Sporn und Antrieb zur Verfolgung der edlen Studien mit heißem Bemühen sei." Wenn Peucer in der Erinnerung an ihre erste blühende Jugendzeit den Erfolg der eigentümlichen Schulleitung Trozendorfs wahrhaft göttlich nennt, so mußte er doch als einer, der nicht bloß schonfärben, sondern im Grunde auch der Wahrheit gerecht werden wollte, mit den Worten schließen: „Auf diese Weise hat Trozendorf seine Schule viele Jahre geleitet. Aber in dem letzten Akte war er unglücklich: die Disziplin ward untergraben durch Nachstellungen und auf Betreiben des Teufels und durch die zunehmende Frechheit und Boshaftigkeit der Geister gewissermaßen nach dem Walten des Fatums in diesem ausgemergelten und wahnwitzigen Greisenalter der Welt, in dem alles Guteingerichtete, wie durch 94 Entwicklung und Blüte der Schola ducalis. einen Stoß kopfüber gestürzt, verfällt und die edlen Künste und Disziplinen zusammensinken und zugrundegehen, was wir auch dagegen zu unternehmen suchen." Den pessimistischen und fatalistischen Zug, der aus diesen Worten hervorklingt, teilte Peucer mit Melanchthon und vielen andern edlen Geistern der zweiten Hälfte des 16. Jh., die in theologischer und religiöser, in politischer und moralischer Beziehung so unerfreulich war; wir aber entnehmen daraus, daß auch ein pädagogischer Meister wie Trozendorf nur mit einer sicheren Mehrzahl von Schülern, die von vornherein und andauernd redlich gewillt war, die gewährte Mitwirkung mit der in diesem Falle noch schwerer als sonst wiegenden freiwilligen Unterordnung, dem unentbehrlichen Gehorsam und der eigenen Selbstzucht zu entgolten und möglich zu machen, fähig war, sein schön gedachtes Ziel zu erreichen und zu behaupten. Das reine Ideal und die edle Theorie wurden auf die Dauer durch die graue und grobe Wirklichkeit ad absurdum geführt. War erst einmal ein schlechter Geist in die wechselnde Zusammensetzung des Schüler- zötus eingedrungen, so wurde der Schulstaat zur Farce und konnte als diskreditiert in der früheren Reinheit nicht wiederhergestellt werden. Die Klage über den Rückgang der Disziplin war damals allgemein, und sie wird bei tiefwühlenden Volkserregungen immer wieder ertönen. Es würde nun vielleicht als an der Zeit erscheinen, hier genauer auf Trozendorf als Rektor und Lehrer einzugehen, aber die sonstigen uns darüber zur Verfügung stehenden Nachrichten betrachten ihn rückschauend und beziehen deshalb seine letzten Jahre mit ein, so daß die Zeiträume bis 1546 und von 1546 bis 1556 im einzelnen nicht voneinander zu scheiden sind; daher wird es sich empfehlen, zunächst die Weiterentwicklung der Schule zur Schola ducalis und zu dem, was man heut Gymnasium nennt, zu verfolgen. Nur auf zwei Punkte sei vorher noch kurz hingewiesen. Es ist nicht in Abrede zu stellen, daß Peucer wiederholt deutlich von „leges" oder „leges et instituta scholae" spricht. Die Schule hat also und schon vor 1546 Schulgesetze gehabt. Diese sind jedoch gänzlich verschollen. Der zweite Punkt betrifft Trozendorfs Behandlung und Ausbildung des Katechismus. Er hat den kleinen Katechismus Luthers eingeführt 1 ), und um diesen rankten sich alle seine katechetischen Übungen, Catechesis und Rosarium. Der jüngere G. Helmrich erzählt davon: „Ach, mit wie großem Ernst ') H e 1 m r i ch in der ersten Widmung seines deutschen Katechismus von 1578. Herzog Friedrich iL und die Goldberger Schule. Schulordnung v. 1546. 95 und Fleiß trieb der gute Senior den lieben Cateehismum, nicht allein mit seinen Schülern in lateinischer Sprache, sondern auch mit der ganzen Goldbergischen Gemeinde. Denn alle Sonntage und Feste tat er eine deutsche Predigt vom Catechismo zu Mittag in der Schulkirche von der öffentlichen Kanzel, nicht allein vor, sondern auch nach dem großen Sterben [1553]." Daß er aber hierbei die Analphabeten seiner Schule besonders berücksichtigte, werden wir bei der Besprechung seiner Werke noch zu erwähnen haben. Helmrich nennt ihn wegen dieser freiwilligen öffentlichen Tätigkeit den Seelsorgerund geistlichen Vater aller Goldbergischen Einwohner. Doch nun zur Ausbildung der Schola ducalis oder illustris. 5. Herzog Friedrich IT. und die Goldberger Schule. Schulordnung von 1546. Der Herzog Friedrich IL, der seinen Plan, in Liegnitz eine Universität zu schaffen, wie eine Seifenblase hatte zerrinnen sehen, nahm sich allmählich der Goldberger Schule, als sie sichtlich aufzublühen und ihr Ruf sich auszubreiten begann, mehr als der Lieg- nitzer und der in Brieg an und zögerte nicht, diese gewissermaßen zu seiner Landeshochschule zu machen. Die Vollendung dieses neuen Gedankens war dann so ziemlich seine letzte verdienstliche Tat für die Hebung der gelehrten Bildung in seinen Gebieten, denn im J. 1547 schied er aus dem Leben. Wie er durch die Überweisung des Franziskanerklosters an die Schule dieser die Möglichkeit zu räumlicher Ausdehnung und finden Ausbau in Klassen gegeben hatte, so gewährte er ihr am 29. Sept. 1544 durch die Stiftung von 24 Stipendien die Möglichkeit 1 ), arme, aber tüchtige Schüler heranzuziehen, und der Chronist sagt: „Wodurch dieses Gymnasium in das größte Aufnehmen gebracht ward." Der Herzog ging aber noch weiter. Die alten Universitäten hatten schon vielfach das Bedürfnis empfunden, als Anhang zu der artistischen Fakultät sog. Pädagogien zu schaffen, um noch jugendlichen oder nicht genügend zum Universitätsstudium vorbereiteten Studenten die Gelegenheit zu bieten, das ihnen Fehlende zu erwerben oder nachzuholen. In diesen Pädagogien hat man die Vorläufer und in ihrer Aufgabe den Keim des Gedankens für die Schaffung der modernen selbständigen Mittelschulen, d. h. der Gymnasien, zu sehen, weil sie nur zu Bil- ') Thebesius 3, S. 46. Schickfus 2, S. 56. 9(j Entwicklung und Blüte der Schola duealis. dungszwecken und nicht als Anhang zu Kirchen mit dem Hauptzweck, den Kirchen zu dienen, entstanden sind. Mehrfach versuchte der Humanismus mit der Besitznahme der Pädagogien die allmähliche Eroberung der Universitäten. Der Humanismus hat auch schon, allerdings nicht immer glücklich, damit begonnen, solche ganz selbständige Anstalten zu schaffen (man nannte sie Poetenschulen), wie eine z. B. von 1497 bis 1509 in Nürnberg bestand 1 ), die aber höchstens Juristen ganz für die Universitäten, zumal für die italienischen, vorbilden konnten und deshalb meist zu keinem rechten Leben gelangten. In dem Schlesien benachbarten Polen errichtete 1520 der in Italien gebildete Bischof Johann Lubranski von Posen eine den Poetenschulen entsprechende Ncacademia, das Collegium Lubrancianum 2 ), ebenfalls nicht mit bedeutendem Erfolg. Die Reformation übernahm, unterstützt durch den von ihr herbeigeführten Verfall der Scholastik, den Gedanken des Humanismus, indem sie auf humanistischer Grundlage selbständige höhere Schulen zu schaffen suchte, wie 1526 die Melanchthonschule in Nürnberg 3 ) (auch diese wollte nicht recht gedeihen), oder, und das mit besserem Erfolg, die alten Trivialschulen bei den Kirchen unter Beibehaltung der Verpflichtungen gegen dieselben zu wirklichen Vorbereitungsschulen für die Universitäten aus- und umzubauen trachtete. Wiederholt kam auch noch der praktische Gedanke hinzu, weniger Bemittelten durch solche Schulen, denen man akademische Kurse beigab oder irgendwie anhängte, den Besuch der Universitäten ganz zu ersparen, wie das z. B. die Breslauer in mehreren Ansätzen versucht haben 4 ), bis sie sich auf die Einrichtung ihres ersten Gymnasiums, des zu St. Elisabeth, heute des ältesten in Schlesien, etwa 1560 beschränkten. Dieselben Gedanken führten zur Gründung des ersten Gymnasiums in Schlesien, der Schola duealis in Goldberg, die daneben auch noch der Kirche tributär blieb. Verhandlungen des Herzogs mit Trozendorf, die darauf hinausliefen, die Schule äußerlich und innerlich auf eine höhere Stufe zu erheben, zeitigten 1546 den folgenden Bericht Trozendorfs, der den ') Bauch, G., Die Nürnberger Poetenschule 1496 — 1509. Nürnberg 1901. VI, 296 S. Mitt. des Vereins f. Gesch. d. Stadt Nürnberg 14. J ) Bauch, Reformation S. 163. *) Heerwagen, H. W., Zur Geschichte der Nürnberger Gelehrtenschulen in dem Zeiträume von 1526 bis 1535. Hälfte 1. 2. Progr. d. Kgl. Studienanstalt. Nürnberg 1867/8. 28, 30 S. *) Bauch, Reformation S. 164/9. Herzog Friedrich II. und die Goldberger Schule. Schulordnung v. 154G. 97 Namen einer Schulordnung 1 ) trägt und als eins der wichtigsten Dokumente für die "Schule unter Weglassung der Kurialien hier folgen mag. „Schulordnung zum Goldberg, gestellet durch Herrn Valentinum Trotzedorfium anno Christi I54ß und P. G. Herzog Friedrichen dem Andern dies Namens gehorsamlich präsentieret. Gnädiger Fürst und Herr, wann E. F. G. derselben fürstlichen Schulen zum Goldberg recht anrichten und zu einem vollkommen Partikular ordenen wollten, sollen folgende Lectiones gelesen, getrieben und stets wiederholet werden, also daß die Knaben hieraus einen ziemlichen Verstand und Unterricht fassen und hierdurch gerüstet werden möchten, nachmalen in hohen Fakultäten, als in Theologia, Jurisprudentia, Medicina uud Philosophia, mit sonderem Nutz zu studieren. Erstlich solle die Grammatica als die Mutter und Regiererin der andern Künste mit aller ihrer Zugehörungen, als Orthographia, Etymologia, Syntaxi und Prosodia, für allen Dingen mit sondern hohen Fleiß täglich getrieben werden; daneben nützliche Lectiones aus guten autoribus, ex Terentio, Plauto, Cicerone, vornehmlich Epistolae Ciceronis und Officia, auf daß die Knaben beiderlei, durch Regeln und Exempeln, zur lateinischen Sprache angeleitet, schicklich reden und schreiben lernen. Beineben auch Lectiones aus Poeten, Virgilio, Ouidio und dergleichen, daß die Knaben auch die Metrika begreifen, lernen Vers machen und daraus reichen Vorrat in guten Worten erlangen. Item Grammatica graeca und hierauf nützliche Lectiones aus griechischen autoribus. So ist auch die Notdurft, daß Arithmetica, Sphaera, Musica sonderlich aber Dialectica und Rhetorica und etzliche Principia phi- losophiae naturalis und moralis in der Schulen fleißig gelesen werden Der Catechismus muß in der Schulen stets und täglich mit sonderm großen Fleiß gehalten und getrieben werden, daß die blühende Jugend von Jugend auf einen gewissen Bericht in den vornehmsten Hauptartikeln christlicher Lehre begreifen mögen Sonderlich, ja vornehmlich, muß man der kleinen Knaben, der Fibelisten, fleißig abwarten, daß dieselben reinlich lesen und schreiben und den kleinen deutschen Catechismum Lutheri laut, langsam, deutlich und unterschiedlich recitieren lernen. ') Abgedruckt bei Bauch, Bart S. 29f. Monumenta Gorraaniao raoiagosica LVII 98 Entwicklung und Blüte der Schola ducalis. Über dies soll alle Wochen ein gemein Exercitium gehalten, Episteln lateinisch zu schreiben, und eines jeden Knaben Version übersehen und mit Fleiß emendieret werden. So soll auch wochen- lich ein Exercitium versificandi beschehen. Täglich, aber zue Ahend, sollen Precationes und Disputationes, in welchen ein Knabe den andern übe in denen lectionibus, die sie den Tag über gehöret haben, so wohl ein Monat umb den andern eine öffentliche Disputation und Declamation gehalten werden. Zu Portstellung und Erhaltung obangezogener Ordnung der Lectionum, Exercitiorum und Disputationum, item zue Erhaltung eines ziemlichen Gehorsams und Disciplin, welchs ist das vornehmste Stücke in guter ratione scholastica, gehören zum wenigsten sechs vornehmliche Personen, als 1. ein Schulmeister, 2. ein Magister philosophiae und Professor graecae linguae, 3. ein Sphaerista, 4. ein Grammaticus und Rhetor, der ziemliche versus schreiben kann, 5. ein Cantor, der ein ziemlicher Musicus sei, 6. ein Catechista. Darüber haben sich E. P. G. gnädig bewilliget, einen Juristen zu halten, der Institutiones lese. Besoldung der Lectores. Schulmeister . . . 100 Mark 112 1 /« 80 70 70 50 30 Juristen .... M. philosophiae Sphaerista Rhetorista . . . Musicus .... Catechista . . . Summa constituit 512 1 /«.; „ Solchs E. P. G., der ich unterthenigcn Diensten höchstes Vermögens beflissen, zue begehrten Bericht gehorsamlich unverhalten. Goldberg 12. Martii anno 1546." Der Herzog ging auf Trozendorfs Vorschläge ein, und nur in einem Punkte scheinen sich Schwierigkeiten ergeben zu haben, nämlich in bezug auf die angesetzten Gehälter; sie wurden dadurch behoben, daß Trozendorf selbstlos auf ein Gehalt ganz verzichtete *) und sich mit dem Schulgeld allein zufrieden erklärte; ») Bauch, Bart S. 25. Die neuen Lehrer. 99 außerdem sollte der Kantor nur 40 Mark bekommen. Von der also bewilligten Summe von 402 x /2 Mark übernahm der Fürst auf seine Kammer 352 ^2 Mark, 50 Mark mußte die Stadt aus dem gemeinen Kasten, d. h. aus den ihr von früher her zustehenden, von uns schon angegebenen Einnahmen für die Stadtschule beisteuern; denn diese Schule blieb der Grundstock der Schola ducalis. Von Verhandlungen über die Transfusion oder Inkorporation mit der Stadt ist aber nichts bekannt. 6. Die neuen Lehrer. Nun erhielt Trozendorf den Auftrag, nach Wittenberg zu reisen und dort die von ihm gewünschten drei neuen Lehrkräfte selbst auszuwählen und anzuwerben. 1 ) Schon am 20. März wußte Peucer, daß er kommen würde 2 ); aber die Reise mag sich durch die Verhandlungen mit dem Herzog, der überdies um diese Zeit die schweren Anfechtungen Ferdinands I. wegen des Erbvertrags mit Joachim IL von Brandenburg von 1537 durchmachen mußte, verzögert haben, denn am 20. März bat er im Auftrag des Herzogs Peucer 3 ) um die Besorgung eines Erziehers für den jungen Herzog Heinrich XL an Stelle des bisherigen, nun zum juristischen Studium auf die Universität zurückkehrenden Pädagogen Mag. N. Lauben aus Sprottau. Friedrich IL selbst hatte Melanchthon in dieser Sache angegangen, und Peucer sollte diesen dabei unterstützen. Leider findet man gar nichts Bestimmtes über den Termin der Reise; sie erfolgte wohl erst im Laufe des Sommers 1546, als Herzog Friedrich schon krank war, so daß sein zweiter Sohn Georg II. die Vokationen vollziehen mußte. Daß Trozendorf sein Auftrag wieder an Melanchthon wies, darf man als selbstverständlich annehmen, und von einem der Ausgewählten ist in der Tat bekannt, daß er Trozendorf von Melanchthon empfohlen worden 4 ), von einem zweiten 6 ), daß er auf Bitten Melanchthons nach Goldberg gegangen ist. Bei diesem Besuch könnte Melanchthon den Vergleich zwischen Trozendorf und Scipio angestellt haben •), wenn er nicht bloß eine Anekdote ist. Später nannte man wohl die ersten drei Lehrer nach dem Rektor, aber nicht offiziell, Professoren, und für den ersten kam allmählich der Titel Konrektor auf. ») Bauch, Bart S. 20/1. 2 ) Ebenda S. 32/3. 8 ) Ebenda S. 33. ') Mag. M. Thabor, nach der Rede seines Sohnes in St. B.-Br., Wenzel. r ') J. Figulus. S. S. 100, Anm. 1. e ) S. o. S. 74. 100 Entwicklung und Blüte der Schola ducalis.- Der angeworbene Jurist war J. Figulus (vermutlich Töpfer) aus Nürnberg, der vielleicht mit Unrecht Magister genannt wird. Schon im Sommersemester 1520 war er als Student in Wittenberg eingetragen und hatte als Hörer und Hausfreund Luthers neben der Jurisprudenz Theologie getrieben und häufig und gern gesehen Luther auch auf Reisen begleitet. 1 ) Dann legte er sich ganz besonders auf das Zivilrecht und bildete sich darin zum Privatlehrer aus. Als Trozendorf auf der Suche nach Lehrern war, ging Figulus auf Bitten Melanchthons nach Goldberg, um die Anfangsgründe des Rechts zu lehren, denn für diese Arbeit hielt ihn Melanchthon ganz besonders geeignet, weil er es verstand, sich der Fassungskraft der Schüler anzupassen. Bis zum J. 1553 blieb er in Goldberg; als jedoch im Sommer des Jahres die Pest die Schule zerstreute, begab er sich nach Frankfurt a. 0. und entschloß sich im Spätjahr, seine Lektur aufzugeben. Von Frankfurt ging er bald wieder nach Wittenberg zurück und lebte dort bis zu seinem Ende bescheiden, aber zufrieden als Privatlehrer und Repetitor des Rechts. Am 28. März 1565 ist er gestorben. Um seine Goldbergor Stelle 2 ) bewarb sich Mag. N. Lauben: Herzog Georg II. erteilte zwar als vormundschaftlicher Regent Figulus die Entlassung, zog jedoch 1554 das Gehalt und damit die Stelle ein. 3 ) Die Maßregel Georgs war in den Folgen der Jahre 1553 und 1554, der Pest und dem Feuer in Goldberg, der zeitweise fast an Auflösung grenzenden Lage der Schule begründet. Friedrich III. stellte 1558 die Lektur wieder her. 4 ) Der als Graezist angenommene Mag. G. Seiler aus Siebeneichon bei Löwenberg ist ein Schüler Trozendorfs gewesen. Im Wintersemester 1538 wurde er Wittenberger Student und am 11. Sept. 1543 Magister. Bei der Promotion wird er „Poleslaviensis" genannt: daher könnte er, wie Löschke angibt, von 1542 bis 1546 Rektor in Bunz- lau gewesen und, von dort aus berufen, nach Goldberg gekommen sein. Im J. 1550 erging an ihn die Berufung zum Rektor an die Schule zu St. Peter und Paul in Liegnitz 5 ), und er wurde 1551 als solcher eingeführt. Auf Trozendorfs Fürsprache 0 ) erhielt er 1554 nach dem Tode des Pfarrers zu Unserer Lieben Frauen Mag. J. Titz diese Stelle, die er bis zu seinem am 10. Mai 1560 erfolgten Tode innehatte. Als Lehrer des Griechischen an der Goldberger ») Scripta VI, Bl. Ff. 6. *) St. A.-Br., Ortsakten Fasz. XVI, zwei Briefe von Lauben an die Herzöge Georg II. und Heinrich XL vom 2. Dezember 1553, Groß-Wandris. 3 ) Bauch, Bart S. 25. ♦) Ebenda S. 26. ") Abicht S. 16. «) Bauch, Bart S. 34/5. Die neuen Lehrer. 101 Schule ersetzte ihn 1551 Mag. G. Helmrich der Jüngere. Dieser ist im Wintersemester 1544 in Frankfurt wohl nur deponiert worden, zum 28. Juni 1546 steht er in der Wittenberger Matrikel, und am 15. Okt. 1549 ist er zum Magistorium gelangt. Er wurde als Konrektor der Schule eine Säule der Trozendorfischen Tradition und hat nur einmal, 1554, einen kurzen Seitensprung getan. Ein Denkmal seines griechischen Unterrichts war die Tabella, die er nach dem Muster der Tafeln des ß. Crocus 1 ) übersichtlich für die leichtere Erlernung der Formenlehre zusammenstellte und dem Neffen und Schüler Trozendorfs V. Friedland widmete. 2 ) Wenn er diesen dem Oheim als verehrungswürdiges Muster hinstellte, so kam er damit an die falsche Adresse, denn der Neffe stahl dem Oheim 300 Taler. 3 ) Aus der späteren Zeit ist zu erschließen, daß als Grundlage für den Unterricht die einfache, 1529 zuerst erschienene Grammatik des Dr. J. Metzler aus Breslau gedient hat 4 ); doch fehlt es nicht an Zeichen, daß man zeitweise auch die griechische Grammatik Melanchthons benutzt hat; wahrscheinlich als Helmrich in Liegnitz aus dem Kollegium ausgeschieden war und Thabor ihn ersetzte. 5 ) Der Sphärist und Mathematiker wurde in Mag. M. Thaburnus aus Glogau gefunden, den man die erste und stärkste Säule der Trozendorfischen Tradition nennen mußte. Sein eigentlicher Name war Thabor. 6 ) Er hatte am 9. Nov. 1524 das Licht der Welt erblickt und zuerst in der Vaterstadt unter dem Rektor Mag. J. Zeidler die Schule besucht. Mit 13 Jahren ging er bereits 1537 nach Wittenberg und verblieb zwei Jahre daselbst; zu mathematischen Studien ging er, ebenfalls auf zwei Jahre, nach Krakau und suchte ') Bauch, Studium S. 182. Crocus, R., Tabulae grecas literas coru- pendio discere cupientibus, sane quam utiles. (Lipsiae: Schuman 1516.) 69 S. [Ex.: Berlin, Staats-B.]. 2 ) „Honesto Et Liberalium Artium Studioso Adolescenti, Valentino Frid- land Trotzendorffio, Georgius Helmericus Goltbergensis." 3 ) St. B.-Br., Ebers, zum 26. April. ') Bauch, Reformation S. 57. Metzler, J., Primae grammatices graecae partis Rudimenta. Haganoae per J. Secerium 1529. 67 Bl. [Ex.: Zwickau, Ratsschul-B.]. ") Crusius, M., Grammaticae Graecae Cum Latina congruentis. Pars Prima ... In usum Scholae Gorlicensis. Gorlicii Exe. A. Fritsch 1592. [Ex.: Breslau, U.-B.] Hier (erster Herausgeber L. Ludovicus) steht bei „De Tonis": „Commonefactiones quaedam scriptae ex praeeeptionibus Graecis Philippi Me- lanthonis in editione Haganoensi Ann. 1536 a Martino Taburno Rectore scholae Aurimontanae." •) Hierzu die Nachrichten seines Sohnes Martin in St. B.-Br., Wenzel. 102 Entwicklung und Blüte der Sehola ducalis. dann nochmals Wittenberg auf. K. Cruciger immatrikulierte ihn jetzt am 25. Okt. 1542, und nun hielt sich Thabor dort vier volle Jahre als Hörer Luthers und Melanchthons auf. Er studierte Theologie, die drei Sprachen, Lateinisch, Griechisch und Hebräisch, die philosophischen Fächer und besonders Mathematik und Astronomie. Auf Melanchthons Wunsch unterstützte er den E. Reinhold aus Saalfeld in der Berechnung der astronomischen Tafeln für Preußen. 1 ) Am 25. Febr. 1546 ward er Magister. Von Melanchthon Trozen- dorf empfohlen, wurde er auf Trozendorfs Vorschlag von Herzog Georg IL nach Goldberg berufen und traf am 11. Nov. 1546 daselbst ein, so daß jetzt das Lehrerkollegium und die Verteilung der Besoldung die folgende Gestalt hatten: Trozendorf, Schulmeister...... — Mag. J. Figulus, Jurist.......112'/2 Mark Mag. G. Seiler, Professor graecae linguae 80 „ Mag. M. Thaburnus, Sphärist .... 70 „ Mag. F. Reich, Rhetorist...... 70 „ J. Heniochus, Kantor....... 40 „ M. Liebald, Catecheta....... 30 „ Die Bestellung der neuen Lehrer ist insofern von ganz besonderer Bedeutung, als die Berufenen mit bestimmten Lehraufträgen, d. h. als Fachlehrer, angestellt wurden. 7. Herzog Friedrich III. und die Schule. Der Herzog Friedrich IL hat die Vollendung seines Goldberger Werkes nicht allzulange überlebt. Seit dem Frühjahr 1546 kränklich, hatte er die Vernichtung seines Erbvertrags mit den Hohen- zollern nicht verwinden können und verschied am 17. Sept. 1547. War er auch in sittlicher Beziehung nicht immer unangreifbar gewesen (er huldigte zuweilen mehr, als gut war, dem Weine und verschmähte auch käufliche Liebe nicht) 2 ), so wog das in den Augen l ) Reinhold, E., Prutenicae tabulae coelestium motuum. Tubingae per V. Morbardum 1551. 8 ungez., 68 gez., 11 [richtig 13] gez. BL, 3 Tab.; 143 gez. Bl. 4° [Ex.: Berlin, Staats-B.]. Ein Zeichen der Freundschaft haben wir an Theodosius Tripolita, De Sphaericis Libri Tres, A. J. Vögelin Hailpronensi, Astronomie., in Viennensi Gymnasio, ordinario professore . • ■ restituti, & Scholijs . . . Viennae in officina J. Singrenii 1529. 52 Bl. 4". Auf dem Titel des Exemplars der Breslauer Stadtbibliothek steht: „Doctis- simo viro D. Martino Thaburnio avixcpü.ooorpM amico suo cariss. d. d. Erasmus Reinhold." ») Scriptores rer. Siles. III, S. 103. Herzog Friedrich III. und die Schule. 103 der Zeitgenossen nicht eben schwer, und er hatte doch gutes Regiment zu führen und für Kirche und Schule aufs beste zu sorgen gesucht. Der Nachfolger in den Liegnitzischen Gebieten, sein ältester Sohn Friedrich III., war ihm und dem zweiten Sohne, Georg II. von Brieg, sehr unähnlich; unwirtschaftlich, ja verschwenderisch, launenhaft, eigenwillig, jähzornig und tyrannisch ist er eine böse Last für seine Untertanen, adlige und bürgerliche, gewesen, so daß selbst der Oberlehnsherr König Ferdinand I. einzugreifen sich genötigt sah und ihn zuerst zeitweise, später dauernd unschädlich machte. Die Kehrseite seiner Regierung mußte auch die Goldberger Schule zu kosten bekommen. Zuerst schien es zwar, als ob er sich ihrer wie der Vater annehmen wollte; aber das war bei seiner Launenhaftigkeit mehr Strohfeuer, und die fatale, nie weichende Geldnot stand außerdem stets im Wege. Bei der Übernahme der Regierung 1547 (16. Nov.) erklärte er in den Verhandlungen mit dem Liegnitzer Rate 1 ), der bei ihm in Ungnade war und viel von ihm zu leiden hatte, er wolle es bei dem König durchsetzen, eine Universität in Goldberg aufzurichten, und die Professores iuris zu Sprechung der Urteile gebrauchen. Wenn man aber den Zusammenhang der Verhandlungen betrachtet, so macht es fast den Eindruck, als hätte er mehr damit beabsichtigt, den Liegnitzern einen Tort anzutun. Im nächsten Jahre, 1548, forderte er allerdings einen Bericht von Trozendorf darüber ein, wie die Schule mehr gefördert und akademisch ausgebaut werden könnte. Dieser 2 ) antwortete: „Gnädiger Fürst und Herr. Demnach E. F. G. mir in Gnaden auferleget und anbefohlen, fetfner] zu sinnen, welcher Gestalt die Schule in E. F. G. Stadt Goldberg nützlich möchte aufgerichtet und in Aufnehmen kommen, als stelle E. F. G. ich hiebei gehorsamlich zu, jedoch auf derselbigen gnädige Verbesserung, mein einfältiges Bedenken und wohlmeinende Resolution. Erstlich wollen E. F. G. in Gnaden bestätigen und confirmieren die Schulordnung und deputierten Stipendia, so E. F. G. Herr Vater hochmilder Gedächtnis im 1546 Jahr gnädig bewilliget und bisan- hero erleget worden. Welcher Ordnung Extract E. F. G. ich hiermit gehorsamlich präsentiere. Denn die Erfahrung bezeuget, daß berührte Schulordnung der Schulen förderlich und der blühenden Jugend bisanhero sehr dienstlich gewesen. ') Thebesius 3, S. 59. 2 ) Bauch, Bart S. 26/7. 104 Entwicklung und Blüte der Sohola ducalis. So sind auch viel armer Kinder allhie in E. F. G. Stadt Goldberg, die ziemliche ingenia und zum Studieren nit ungeschickt, aus den man Leute zum Lehramt und in Kirchen tauglich auferziehen möchte, wann sie ein ziemlich Vermögen hätten, den studiis nachzufolgen; wie man denn bei allen Zeiten aus den Armen nehmen müssen, durch welche die Kirchen- und Schuldienste versorget werden. Denn die so vermögend sein, begeben sich mit Beschwer zur Theologie. Aber dieweil arme Kinder nicht Verlegung haben, müssen sie von ihren studiis ablassen. Wann nun E. F. G. aus fürstlicher Milde etzliche stipendia verordneten für solche lehrhaftige Knaben, würde hiedurch, wie zu hoffen, viel Nutz geschafft und ein löblicher Gottesdienst angerichtet werden. Zu dem war auch nicht alleine zu der Schulen Aufnehmen dienstlich, sondern auch den Kirchen in E. F. G. Lande tröstlich, wann allhier bei der Schulen ein wohlgelahrter, erfahrner und geübter Theologus war, der etliche Lectiones in theologia läse. Derselbe könnte auch daneben die Superattendenz und Visitation in E. F. G. Lande helfen befördern. Bei dem könnten desgleichen die Pfarrherrn Unterricht und Kat suchen, wo sie etwa in einem Artikel christlicher Lehre nicht für wüßten oder da etwa ein bedenklicher Casus vorfiele. Solches möchte zum Anfang auf ein Versuchen an- gestellet werden; wo aber E. F. G. mit der Zeit ein Mehres stiften und in anderen Facultatibus Lectores zu verordenen gesonnen, wollte die Notdurft sein, etzliche Gebäude und Wohnungen anzurichten und zu verfertigen, denn das Kloster ist sehr übel erbauet, und dieweil dasselbe eine Zeit lang öde und wüste gestanden, sind etzliche Gemach und Zimmer baufällig worden. Dies mein einfältiges Bedenken hab auf E. F. G. gnädigen Befehlich ich zur untertänigen Relation gehorsarnlich ein- und verbringen sollen, in tiefster Demut bittende E. F. G., dieselbe in Gnaden zu vermerken." Die Vorschläge fanden nur in bezug auf den Status quo ante und auch darin nicht, wie es scheint, ungeteilten Beifall; ob die Stipendien für arme Schüler weiter bewilligt wurden, die doch schon Friedrich II. gestiftet hatte, ist nicht nachzuweisen; der gewünschte Professor theologiae und die vom Herzog in Aussicht genommenen Professores in andern Fakultäten blieben aus. Ein kleines Zeichen wirklicher Gunst von seiten des Herzogs war, daß er 1549 Trozendorf aus den zu dem Kloster gehören- den Äckern hundert Reichstaler überwies 1 ), um ihm ein Gehalt ') Bauch, Bart S. 26. Hunger, Pestilenz und Feuersbrunst. 105 zu gewähren, auf das er 1546 im Interesse der Schule verzichtet hatte. In demselben Jahre wurde aber auch Trozendorf und die Schule durch einen willkürlichen Justizakt des unberechenbaren Fürsten auf das schwerste betroffen. 1 ) Am St. Stephansabend (26. Dez.) waren drei Schüler im Ratskeller zum Wein, K. von Promnitz auf Pleß, J. Talkwitz, der Sohn des Stadtschroibers, und W. Knüppel, ein Student und Freifechter. Während sie nichts ahnend dasaßen und zechten, kam der Wächter namens M. Meinhard, ein versoffener Mann, nahm ungeheißen und wider ihren Willen das vor ihnen stehend Quart und trank den Wein aus. Sie waren darüber entrüstet, und im Zorn ergriff Promnitz das Quart und warf das zinnerne Gefäß jenem an den Kopf. Als der Wächter sah, daß er blutrünstig war, lief er und klagte bei Gericht über Gewalt auf der fürstlichen Freiheit. Alle drei wurden ohne Ansehen der Person gefänglich eingezogen, und dem Fürsten wurde über den Frevel berichtet. Dieser befahl, die Beklagten nach Liognitz zu schicken, und als jähzorniger Mann hat er sie nicht lange gefangen gehalten, sondern ist sofort zur Exekution geschritten und hat die beiden Unschuldigen Talk witz und Knüppel enthaupten lassen. Promnitz aber, der die Tat begangen, ist auf die Fürbitte des Breslauer Bischofs Balthasar von Promnitz, seines Verwandten, losgelassen und nur neben den beiden andern hinausgeführt worden. 8. Hunger, Pestilenz und Fenersbrnnst. Diese grausige Tat mag lähmendes Entsetzen in Goldberg verbreitet haben. Still vollzog sich das Leben der Schule in den folgenden Jahren, bis 1553 das Unheil über sie bercinbrach, das sie bis in die Tiefen ihrer Lebenskraft traf. Eingeleitet wurde es durch eine große Teuerung im J. 1552, bei der die Zerstreuung der Schule - man denke an die vielen armen Schüler - nur durch die Milde einiger gutherzigen Bürger und die vornehme Freigebigkeit der Herren Sigmund und Sebastian von Zedlitz auf Neukirch und Lähnhaus*) verhütet wurde. Die Schule war jedoch trotzdem zusammengeschwunden, und kaum war die Teuerung überstanden, da brach am 10. Juni 1553 plötzlich, von außen her eingeschleppt, eine schwere Seuche aus, die Schüler und Lehrer, wie wir von Figulus gehört haben, zum großen Teile an einem Tage verscheuchte. Schon hauste die Pest an andern Orten, und ein Bote kam, um deshalb einen >) St, B.-Br, Wenzel. 2 ) Ebenda. Claius, Schola Bl. 05. 106 Entwicklung und Blüte der Sohola ducalis. Schüler, J. Buchner aus Krossen, heimzufordern. 1 ) Der Knabe, der den Boten bei sich beherbergte, starb in der nächsten Nacht. Der Bote kam auf seinem Heimweg nur bis Alzenau und verschied dort unter einem Schuppen. Trozendorf gestattete sofort allen Schülern hinwegzuziehen; einige Lektionen wurden für die Schüler, die nicht sogleich fortkonnten, auf dem oberen Chor (Empore) der Kirche gehalten, da Trozendorf der Meinung war, daß dort oben die Luft gesünder sei als in der Schule. Die Pest nahm jedoch so überhand, daß Trozendorf die Schule ganz schließen mußte und am 23. Juni selbst, um die Schule nicht ganz zergehen zu lassen, mit dem letzten Häufchen der fremden Schüler nach Löwenberg flüchtete. 2 ) Tapfer hielten der Bürgermeister L. Cirkler und der Pfarrer Mag. G. Tilenus auf ihrem Posten aus. 3 ) 2500 Menschen sollen in der Stadt gestorben sein. Bis zum Herbste herrschte die Pestilenz in Goldberg, und erst nach Martini sandte Trozendorf den Lehrer Mag. Z. Bart nach Goldberg voraus 4 ), um die städtischen Knaben zur Schule zu sammeln. Dann folgte er selbst, eröffnete um Weihnachten die Schule wieder, und nach und nach begann sie sich wieder zu füllen. Melanchthon hatte bei der Nachricht von der Pest seinen „lieben Bruder" Trozendorf in der Hoffnung, daß sich der Goldberger Ameisenhaufen bald wieder zusammenfinden würde, liebreich eingeladen 5 ), indes zu ihm in sein Haus zu traulicher Unterhaltung nach Wittenberg zu kommen, und sein Schwiegersohn Peucer hatte sich dieser Bitte angeschlossen. Da erfolgte der schlimmste Schlag des Geschicks für die Schule. Am 17. Juli 1554 früh nach 10 der ganzen Uhr brach infolge der Verwahrlosung eines Lichtes durch ein Weib in der Niederstadt bei einem Schmiede namens Melchior Landeck ein Feuer aus. 6 ) Der Sommer war heiß und trocken, und lange hatte es • nicht geregnet, so daß die ausgedörrten Schindeldächer die Flammen blitzschnell überallhin verbreiteten. Dazu waren die zum Lösch- ') St. B.-Br., Wenzel. s ) Bauch, Bart S. 6. Claius, Schola 131. 05. St. B.-Br., Wenzel. Werniclrfe, E., Chronik d. Stadt Bunzlau von d. ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Bunzlau 1884. VI, 700 8., gibt hier, S. 206, nach Holstein die falsche Nachricht: „Anno 1553 hat Herr Trotzendorf sich mit etlichen seinen diseipulis allhier aufgehalten und in der Schule allhier gelesen; Collegae sind damals gewesen Lucas Knöfel, Georg Hansel, so hernach Pfarrer zu Primkenau geworden." 3 ) St. B.-Br., Wenzel. «) Bauch, Bart S. 6. B ) Corp. Ref. VIII, S. 188. «) St. B.-Br., Wenzel. Bauch, Bart S. 6. Hunger, Pestilenz und Feuersbrunst. 107 dienst Verpflichteten auf den Feldern in der Ernte, und als sie, abgehetzt, die Stadt erreichten, konnten sie wegen Mangels an Wasser und weil die Löscheinrichtungen nicht recht imstande waren, nichts ausrichten, ja, es konnte aus den meist leichtgebauten Häusern kaum etwas gerettet werden. In drei Stunden lag alles, was brennen konnte in Asche. Selbst die mit einem Hohlziegeldach versehene Kirche ward nicht verschont. Der Turm fing bei der großen Hitze des Brandes Feuer, und von ihm aus wurde das Dach zerstört, die Glocken schmolzen auch; doch im Innern war das Gotteshaus unversehrt. Von allen Gebäuden blieben außer einem kleinen Häuslein am Wolfstor nur der Stock und die Büttelei erhalten, deren man bald auch dringend bedurfte, um die bösen Buben, die den armen abgebrannten Leuten das stahlen, was sie mühsam geborgen hatten, einzusperren. Die Schule teilte das Schicksal der andern Gebäude; nur die Mauern standen, alles andere war zerstört. Trozendorf hatte so ziemlich alles, was sein gewesen war, seine Habe, sein Vermögen und seine Bücher bis auf seine hebräische Bibel, eingebüßt. In seiner Not wendete er sich am 21. Juli an den vormundschaftlichen Regenten des Liegnitzer Fürstentums Herzog Georg IL von Brieg, und aus diesen von der bittern Not erpreßten Zeilen sieht man auch noch eine traurige Folge der liederlichen Wirtschaft Friedrichs III., das Ausbleiben der Gehälter der Lehrer. 1 ) Er schrieb: „Weil die elendste und armeste E. F. G. Stadt Goldberg durch die erschreckliche Fewerbrunst zu Grunde verterbt, Gott im Hymel erbarme es, und nu gar zu Asche wurden ist, wird das Studium der Jugent aber eyns gehindert und zustöret. Ich hab aber ein Heuflin der Knaben, so viel möglich, in der Nahend bey einander gehalden, bis wir durch E. F. G. gnedigs Verschaffen etwa in einer ander E. F. G. Stedte ein Nehstlin erlangen, do die angefangene Studia der Jugent möchten widderumb ein wenig angerichtet und gefördert werden. Denn die weil ein gut Teil aller Wolfart der Kirchen Gottes und der weltlichen Regiment vornehmlich doran gelegen, daß die Jugent in Schulen recht unterweiset, in nutzer und notwendiger Lehr erbarlich aufgezogen und gemostert werde, bin ich tröstlicher Hoffnung und bitte auch in untertheniger Demut umb der Ehrn Gottes willen, E. F. G. wollen die löbliche und dem ganzen Lande sehr nützliche Schuelordnung und Stiftung, durch den durchleuch- ') Monatsschrift S. 224f. l()g Entwicklung und Blüte der Schola ducalis. tigen Fürsten, B. F. G. Herrn und Vater gottseliger Gedechtniß, aufgerichtet, gnedig erhalten, fördern und schützen. Es hat ein erbar Radt zu Liegnitz sich nachbarlich vernehmen lassen, wo es E. F. G. gnedige Vergunst were, sie wollten dem elenden Schuelheuflin bey ihnen Rawm eingeben und günstige Förderung erzeigen. E. F. G. geruchen, das elende Hcuflin in Gnade entpfohlen zu halten, gnediglich vergönnen, fördern und schaffen, daß wir doselbst zu Liegnitz ein beqwehm Nehstlin zum Studio bekommen möchten. Nachdem aber, gnediger Fürst und Herr, den Magistris und Schuelgehülfen wie andern armen E. F. G. Unterthanen ihre Bücher, Geredte und Vermögen zum mehrsten Teil, etzlichen alles gar durchs Fewer vertorben, von mir selbs aber will ich nicht groß klagen, denn dieweil das Fewer nicht weit von der Schuel erstlich angieng und geschwind furtfuer mit grausamen Toben, mußte ich vurnehmste Aufachtung geben auf die lebendige Jugent und sorgen, daß redlicher Leute Kinder vur mir her aus der Fahr ausbrecht wurden, und also meines eigen Geredts wenig versorgen künde. Dozu, was ich lange Zeit mit sawer, trewer Arbeit erworben und zum Siechpfennig aufs Alter ersparet hatt, ist zum Teil bey und mit der Bürger Gut, denen ichs fürgereicht, vertorben und verloren, zum Teil aber durch Deube entwendet wurden. Gelangt derhalb unser aller, so zur Schuelen zugehörig, unter- thenig, demutig und engstliche Bitten an E. F. G., wollen gnedig verschaffen, daß den Magistris und Schuelgehülfen iezund in der hochdringenden Nodt der Solt, auf III verlaufene Quartale aus- stendig, wie E. F. G. zuvor gnedig verwilligt und befohlen hat, durch den Rendtmeister zu Liegnitz endlich on lenger Aufzug gegeben und ausgezalet werden möchte, damit sie sich in der hohen Dürftigkeit ein wenig zu retten hetten ..." Von den Kollegen hatte Helmrich schwere Verluste erlitten; er bezifferte seinen Schaden an Haus und Hof, an Kleidung und Bettgewand auf über 1000 Taler und berechnete die ihm im Keller, wohin sie gerettet worden waren, verbrannten, vom Großvater und Vater ererbten und selbstgekauften Bücher allein mit mehr als 400 Talern. 1 ) Den übrigen war es ähnlich gegangen. Das traurige Schicksal der kleinen Stadt und der Schule er- regte a llgemeine Teilnahme. Noch an dem Brandtag selbst schickte ') Helmrich in der ersten Widmung vor seinem deutschen Katechismus von 1578. Hunger, Pestilenz und Feuersbrunst. 109 der Rat von Liegnitz 1 ), der schon 1553 während der Pestzeit beschlossen hatte, dort nach Möglichkeit mit Geld und Viktualien zu helfen, Schlachtvieh, Fleisch, Brot, Wein, Bier und andere Nahrung dahin. Ferner gelegene Orte sammelten Geld, auch für die Wiederherstellung der Schule. Am schwarzen Brett in Wittenberg machte der Rektor V. Yinshemius das Unglück bekannt und erbat Almosen 2 ) zur Linderung des Elends der armen Familien der Stadt. Der sichtlich von Melanchthon verfaßte Anschlag brachte Stadt und Schule zusammen: „Gratum Hospitium praebuit urbs Goltperga annos aliquot Ecclesiae Dei et Scholae, in qua scminaria Ecclesiae singulari fide et foelicitate exeoluisse virum doctissimum et inte- gerrimum Dominum Yalentinum Trozedorfium, fratrem nostrum ca- rissimum, scitis. Et sunt in hac Academia multi, quos Trozedorfius paterno amore erudiit et erga quos ciuitas officiosa fuit. Recens autem ea urbs periit incendio . . . Summa est coniunetio Ecclesiae illius et Scholae nostrae ..." Herzog Georg IL, von Brieg herbeigekommen, fuhr am 28. Sept. von Liegnitz nach Goldberg, um das noch überall sichtbare Elend zu beschauen 3 ) und möglichst Abhilfe zu schaffen, und ermahnte die Nachbarn, den Wiederaufbau mit Fuhren zu unterstützen; und das geschah auch. Nachdem 1553 die Schule durch die Pest schwer geschädigt worden war, hatte sich Melanchthon vermutlich auf Trozendorfs Anregung hin veranlaßt gesehen, im März 1554 einen Bittbrief für die Schule an den frommen Herzog Georg zu richten. 4 ) Der Herzog wisse, so schrieb er, daß die göttliche Weisheit selbst verkündigt habe, daß in diesem letzten schwachen Alter der Welt größere Zerrüttungen sein würden als zuvor, daß aber gleichwohl der Sohn Gottes sich eine ewige Kirche bis zur Auferweckung aller Menschen aus dem Tode durch das Evangelium sammeln wolle und eben an den Orten, wo diese Lehre rein gepredigt werde, und daß er dazu einige Herrschaften und Regenten erhalten wolle. Er wolle auch daß alle Menschen und besonders die Regenten, ein jeder nach seinem Stande, zur Pflanzung christlicher Lehre diene, wie der Herr spreche: Wer dem Geringsten unter den Meinen einen Trunk Wasser gibet um der Lehre willen, der wird Belohnung empfahen. Nun wisse der Herzog, daß Kinderschulen zum höchsten nötig seien zur Erhaltung christlicher Lehre. Die Schule zu Goldberg in seinem Lande habe sehr großen Nutzen geschaffen, und viele seien dort i) Thebesius 3, S. 87, 98. *) Scripta II, Bl. 13'. 3 ) Thebesius 3, S. 99. 4 ) Bauch, Bart S. 33/4. \ | 0 Entwicklung und Blüte der Schola ducalis. zuerst unterwiesen worden, die zur Zeit durch Gottes Gnade in Kirchen, Landen und Universitäten sehr löblich dienten. Darum bitte er um Gottes willen in aller Demut, Georg wolle die Schule in Goldberg Gott zum Lobe gnädiglich erhalten und die Eleemo- syna, die darauf gewendet wurde, nicht fallen lassen. 9. Verlegung der Schule nach Liegnitz. Jetzt war der Inhalt der Bitte Melanchthons in Trozendorfs flehenden Worten noch einmal an ihn herangetreten, und so erging als Antwort auf sein Gesuch der herzogliche Befehl an Trozendorf, mit der Schule nach Liegnitz überzusiedeln. Doch nicht alle Gold- berger Eltern mochten ihre Kinder missen, und daher ließ Trozendorf den Mag. Bart, der sein eigenes Haus aufzubauen hatte, als Lehrer der Stadtknaben zurück und gesellte ihm A. Blümel aus Sagan als Katecheten zu. Beiden, besonders Bart, sind wir ein paar "Worte schuldig. Bart war 1529 in Neiße als Sohn dos Goldschmieds und Ratmanns M. Bart geboren. 1 ) Zuerst besuchte er die Schule zu St. Jakob in Neiße als Schüler des Rektors N. Winmann und genoß auch den Unterricht des Dr. J. Lange. Am 9. Mai 1546 brachte ihn seine Mutter Katharina nach Goldberg und empfahl ihn Trozendorf; 1548 reiste er nach Leipzig zur Deposition, kehrte aber sogleich wieder nach Goldberg zurück. Im Frühjahr 1549 bezog er die Universität Wittenberg und wurde am 11. Aug. 1551 Magister. Nachdem der Rhetorist Reich am 12.-April 1552 gestorben war, bot ihm Trozendorf die Stelle an, und er begann am 20. April in der Schule zu lesen. Im Sommer 1553 machte er die Exodus der Schule wegen der Pest nach Löwenberg mit, kehrte vor Trozendorf nach Goldberg zurück, um die Jugend der Stadt zur Schule zu sammeln, und heiratete am 3t. Jan. 1554 die Witwe Reichs, Anna. Er war keine hervorragende Erscheinung, aber fleißig und gewissenhaft und erwarb sich später als Bürgermeister große Verdienste um die Stadt und auch um die Schule. Weniger ist von Blümel zu sagen. 2 ) Er war nach Besuch der Schule in Sagan zwei Jahre Schüler Trozendorfs gewesen und hatte in Wittenberg, wo er am 7. Febr. 1550 immatrikuliert wurde, studiert. Bis zu seiner Berufung zum Pastor in Röchlitz durch den Hauptmann A. von Bock, im Oktober 1565 in Wittenberg ordiniert, gehörte er als Katechet der Schule an. ') Bauch, Bart S. 5f. 2 ) Ebenda S. 6, 21. Buchwald 2, S. 51, N. 531. Verlegung der Schule nach Liegnitz. 11 l Als Lehrer verheiratete er sich mit Barbara Fürstwalde, und J. Claius feierte die Hochzeit durch ein Gedicht. 1 ) Durch diese Abgabe und die vorher schon erfolgte Entlassung des Juristen Pigulus schwand das Lehrerkollegium, das Trozendorf nach Liegnitz begleitete, auf Thaburnus, Heniochus und Helmrich zusammen. Vielleicht ging auch noch der „Bakkalar" Balthasar mit, den wir nur durch eine zufällige Erwähnung kennen: am 2. Mai 1554 bedachte ihn der Breslauer Arzt Dr. S. Huber, der ihm seinen ungeratenen Sohn Paul anvertraut hatte, in seinem Testament. 2 ) Auch diese kleine Lehrerzahl war für die stark verringerte Schülerschar noch zu groß, so daß sie einen „Professor" als Rektor für die Schule zu St. Peter und Paul in Liegnitz hergeben konnte. Der Herzog überwies der Schule, die mit Trozendorf sofort, wahrscheinlich am 30. Juli, nach Liegnitz aufbrach, das verlassene Eranziskanerkloster zu St. Johannis, gewöhnlich das Stift genannt, in dem einst die kurzlebige Universität gehaust hatte und das jetzt erst zurecht gemacht werden mußte. 3 ) Zunächst begann Trozendorf seinen Unterricht in der ehemaligen Klosterkirche. Die „große Stube" hinter der Kirche zu St. Johannis, das ehemalige Refektorium, wurde zum „gemeinen Lektorram" der Schule, und in der Kirche konnte Trozendorf wie in dem Kloster zu Goldberg an den Sonntagen und den andern Festen seine dreifachen „Lectiones sacras" mit Katechismus und Rosarium vornehmen. Herzog Georg II. sorgte aus dem Stiftsbesitz für die Beheizung im Winter wie einst Friedrich II. zur Zeit der Universität.*) Am 8. Aug. bereits erschien er vor dem Rate persönlich 5 ) und bedankte sich für seine Hilfe und besonders dafür, daß er die ganze Schule aufgenommen habe. Am 12. Sept. verwendete er sich für seinen ehemaligen Schüler und Kollegen, nun Rektor zu St. Peter und Paul, Mag. G. Seiler bei dem Herzog Georg um die Pfarrstelle zu Unserer lieben Frauen 6 ), und als Seiler am 9. Okt. in das Pfarramt eingewiesen wurde, ging seine Schule neben der Liegnitzer mit.') Die Vakanz des Liegnitzer Rektorats, das in- dessen von dem Bakkalar G. Schergot (Theodotus) verwaltet wurde, J ) Claius, Carmina lib. I, N. VIII. 2 ) St. A.-Br., Rep. 17. II 1. 10a, fol. 109. ») Die Utensilia der ehemaligen Universität bedurften der Erneuerung und Ergänzung. *) Bauch, Bart S. 35. 6 ) St. A.-Li., Acta publica N. 4. «) Bauch, Bart S. 34/5 i) St. A.-Li., Acta publica N. G, fol. 110 b. 112 Entwicklung und Blüte der Schola ducalia. machte eine Neubesetzung nötig. 1 ) Als Kandidaten dafür kamen Mag. G. Helmrich, J. Ileniochus, Mag. J. Beier und G. Schergot in Betracht. Die Stimmen im Rate waren sehr geteilt: mehrere Ratmannen waren für Beier, die meisten für Honiochus, und dieser wurde auch am 10. Okt. gewählt. Trozendorf, dem das Recht, ihn zu entlassen, zustand, gab hierzu seine Einwilligung, obgleich er Heniochus ungern hergab. Doch als der Herzog Kunde von der Wahl erhielt, ließ er am 19. Okt. durch den Hauptmann dem Rate befehlen, den Mag. Helmrich zum Rektor zu bestellen, und der Hauptmann machte außerdem noch dem Bürgermeister Vorwürfe, daß er Helmrich nicht sogleich gewählt habe. 2 ) Am 31. Okt. wurde denn auch Helmrich von Rat und Schoppen in sein Amt eingewiesen, und Trozendorf hatte einen treuen Kollegen weniger, der aber in theologicis sein fleißiger Hörer blieb. Ein Nachfolger für Helmrich wurde nicht berufen. Dagegen nahm in Liegnitz Trozendorf einen neuen Kantor an: das war B. Krumbhorn aus Liegnitz. 3 ) Am 3. Sept. 1525 geboren, war er 1534 zu Trozendorf nach Goldberg geschickt worden. Hierauf wendete er sich im Mai 1544 nach Wittenberg und hörte Luther und Melanchthon. Im Wintersemester 1546 ging er nach Frankfurt a. 0. und wurde dann Lehrer in Liegnitz und Bunzlau. Mit Trozendorfs Schule zog er 155(1 nach Goldberg. Zum Kantor mag er tauglich gewesen sein, seine literarische Bildung war jedoch gering, und das wirkte später recht störend. Daß Trozendorf in Liegnitz Schule hielt, konnte bei außerhalb Schlesiens Lebenden den Anschein erwecken, als sei für die Liegnitzer Zeit seine Schule mit der Liegnitzer verschmolzen gewesen. So kann man bei M. Neander aus Sorau, dem berühmten Ilfelder Rektor, in der dem Liegnitzer Rate 155G gewidmeten „Aristologia Pindarica" lesen 4 ), wie er die Liegnitzer Schule höchlichst lobt und Trozendorf, der jetzt in „ihrer" Schule lehre, und ebenso mit dem Lobe G. Seilers und M. Thabors als Liegnitzer Lehrer nicht kargt. Eine beigegebene griechische Ode „De Hymnis Pindaricis" feiert allerdings Trozendorf als „Scholae Goldberganae ') St. A.-LL, Acta publica N. 6, fol. 110. 2 ) Ebenda fol. 110, 110b, 113, 115. ') Buch wald 2, S. 5, N. 83. Leichenpredigt von L. Kr eu t z heim- Liegnitz o. J. 4 °. *) Neander, M., ÄQioxoloyia mvdaQixij Hl^viKolaxivi]. Aristologia pindarica graecolatina. Hoc est, quidquid est in Pindaro memorabile notatu dignum et rarum. Omuia graecolatina. Basileae, per L. Lucium (1556). 16 BL, 433 S., 2 Bl. [Ex.: Berlin, Staats-B.]. Verlegung der Schule nach Liegnitz. 113 praesidem celeberrimum". Diese Ehrung Trozendorfs traf erst nach seinem Tode in Liegnitz ein. Die Schularbeit nahm in Liegnitz sofort ihren Anfang. Mit ihm wohltuender Rückerinnerung an seine Studienzeit in Leipzig, wo er bei P. Mosellanus Ciceros „Orator" gehört und auswendig gelernt hatte 1 ), teilte er sich z. B. mit zwei andern Kollegen so in die drei Bücher des Werkes, daß diese in dem Zeitraum von sechs Monaten erledigt wurden. Ganz besondere Sorgfalt aber verwendete er auf seine katechetische Tätigkeit, wie Helmrich 2 ) erzählt: „Daselbst zu Liegnitz in der Goldbergischen Schulen Exilio trieb der gute Herr Praeceptor in seinem Alter und kurz vor Beinern Ende den lieben Catechismum neben andern christlichen Übungen mit höchstem Fleiß, fast mehr denn vormals zum Goldberg vor dem Brande, gleich als ahnete es ihm und sagte es ihm sein eigen Herz, sein Ende wäre nun nahe und fast vor der Tür. Denn alle Sonntage und sonst an hohen Festen hielt er drei sacras lectiones, eine Stunde vor dem Amt [Hauptgottesdienst], und vor der Predigt legte er die Epistel desselben Tages aus, zu Mittag, eine Stunde oder länger nach Tische repetierte, trieb und handelte er den Catechismum (dazu nahm er noch andere zwei Stunden die Woche über, eine an der Mittwoch, die andere am Freitag nach der Predigt): nach der Vesperpredigt legte er das Evangelium aus." Wehmütig dachte er an die Zeit der höchsten Blüte seiner Schule, vor dem J. 1552, zurück und erzählte gern dem Superintendenten Mag. H. Thcodorus in traulichem Gespräch 3 ), er habe eine so große Zahl von Schülern in seiner Schule gehabt, daß man, wenn sie zusammenzubringen wären, aus ihnen ein richtiges Heer gegen die Türken bilden könnte. Schwer mögen auf ihm die disziplinarischen Verhältnisse gelastet haben. Thabor sagt*) von Liegnitz: „Aber dieser Ort war nicht bequem zu einer solchen Schulen, darum daß der fürstliche Hof nicht weit war. Denn Hofwesen und Schulleben reimen sich gar nicht zueinander. Die Freiheit und Frechheit zu Hofe verderben ganz und gar die Schulzucht. Wie auch die Alten gesagt haben: Tugend und Frömmigkeit darf nicht gen Hof kommen. War deswegen gar schwer, allda Schule zu halten." Dies erklärt wohl, daß sich Trozendorf in Liegnitz nicht recht heimisch fühlte; die Seinen und er selbst sprechen denn auch stets ') Ludovicus, Nuncupatio Bl. A6. 2 ) Helm rieh in der ersten Widmung seines deutschen Katechismus von 1578. :i ) Ludovicus, Praefatio von 1564 Bl. ßi. «) St. B.-Jir., Wenzel Monument» öonnaniae Paedagogica LVII g 114 Entwicklung und Blüte der Schola ducalis. von Liegnitz als von einem Exil der Schule. Der Wiederaufbau des Klosters in Goldberg beschäftigte ihn unaufhörlich. Reiche Spenden waren dazu eingegangen, aber die Not zwang dazu, erst die bürgerlichen Wohnstätten wiederherzustellen; die Kirche und die Schule mußten dagegen zurückstehen. Bart, dem Trozendorf die Beaufsichtigung des Baues übertragen hatte, mochte oft von ihm angespornt werden. Den körperlich schon verfallenden Greis schreckten nicht Regengüsse und winterlicher Schnee davon ab, auf seinen Stab gestützt, von Liegnitz nach Goldberg zu wandern 1 ), um die Fortschritte zu besichtigen und die Zimmerloute und Maurer zu rascher Arbeit anzutreiben; nichts lag ihm mehr im Sinne als den Tag zu sehen, an dem er die verbannte Schule wieder zurückführen und an ihrem alten, schon berühmt gewordenen Sitze wieder unterbringen könnte. Bei einem solchen Ausflug schlief er einst bei kurzer Rast auf dem Wege ein und glaubte, lebhaft träumend, eine Vision zu haben 2 ), die ihn tröstete und mit neuem Mute erfüllte. Noch an dem Tage, an dem er zusammenbrach, schickte er früh 12 Taler durch eine Frau Katha nach Goldberg. 3 ) Doch Liegnitz war ihm als Ziel für seine irdische Pilgerschaft bestimmt. Von den in Liegnitz geknüpften oder gepflegten Beziehungen zeugt unter anderm seine Mitwirkung als Zeuge bei der Ehe- beredung 4 ) zwischen H. Hoppstadt aus Hamburg und Helena Fürstenberg, der Tochter des verstorbenen B. Fürstenberg im J. 1555 und seine Patenschaft bei der Taufe des Sohnes Nikolaus von dem Dr. med. H. Haunold, Phrygio genannt 5 ), seinem Arzte, zugleich mit Esther, der ersten Frau seines Kollegen Heniochus, am 12. April 1556. Am 20. April 1556 empfahl er G. Schergot, der in Leipzig seine Studien fortsetzen wollte 6 ), in freundschaftlicher Weise an Joachim Camerarius. Auch in der Fremde verlor er die tapfere Vertretung der Lehre Luthers und die beständige Bekämpfung der Sektirer nicht aus den Augen. 7 ) Am Sonntag Exaudi 1555 erschien er mit den beiden Liegnitzer Superintendenten und dem Goldberger Pfarrer unangemeldet bei S. von Zedlitz in Neukirch. Sie klagten über das neuerdings wieder bemerkbare Sektirerwesen im Fürstentum und besonders auf dem Lande und baten Zedlitz, zu Herzog Georg II. zu reisen oder ihm über das Anwachsen der ') Ludovicus, Nuncupatio Bl. A7». ») Ebenda Bl. A7", A8. •) Bauch, Bart S. 37. ') St. A.-Br., Stadt Liegnitz Contracten-Buch No. 9 1555—58, fol. 48 b. 5 ) Nach dem Taufbuch von St. Peter und Paul. ') Bauch, Bart S. 86. ') St. A.-Br., Hs. E 39. Tod und Begräbnis Trozendorfs. Ehrungen für ihn. 1 ] 5 Sektirer zu schreiben. T.rozendorf erbot sich, wenn ihm der Herzog Urlaub erteile und seinen Kollegen befehle, der Schule fleißig und treulich vorzustehen, sicli ohne Verzug am nächsten Tage auf seine eigenen Unkosten nach Wittenberg (zu Melanchthon) zu begeben, um dort Rat und Beistand zu suchen. Zedlitz schlug dem Herzog vor, Trozendorf, den Superintendenten und andern Pastoren und Pfarrern in seinen Landen den Auftrag zu geben, wider die Irrtümer einmütig ihre Konfession aufzustellen und in Druck zu geben. Der Herzog jedoch beurlaubte Trozendorf nicht und ließ auch nicht zu, daß „ytziger Zeit" etwas in Druck gegeben würde. 10. Tod und Begräbnis Trozendorfs. Ehrungen für ihn. Da, am 21. April, am Dienstag nach Misericordias Domini, klopfte bei ihm der Tod an 1 ), als er in der großen Stube hinter der Kirche zu St. Johannis seine Frühlektion hielt, in der er seinen Schülern „Erotemata dialectices" vorlas. Zum Ende der Lektion um die elfte Stunde der ganzen und um sieben der halben Uhr nahm er den 23. Psalm vor: „Der Herr ist mein Hirte" und wollte ihn mit einer kurzen Erklärung durchgehen, weil er sich mit dem Evangelium des verflossenen Sonntags vom guten Hirten reimte. Da fing er bald in dem ersten Verse an zu stammeln und mit der Zunge zu schlürfen, und flugs darauf rührte ihn der Schlag, daß er auf der ganzen rechten Seite seines Leibes gelähmt wurde und seiner nicht mehr mächtig war, und er begann deshalb allmählich auf der Bank, auf der er saß, darnieder zu sinken. Als dies seine Schüler und Zuhörer gewahr wurden, sprangen sie ihrem Präzeptor bei, hielten und faßten ihn und trugen ihn endlich auf ihren Händen und Armen in sein Schlafgemach und bald darnach in sein Museum oder Studierstüblein. Daselbst lag er vom Dienstag bis auf den Sonntag halbgelähmt mit großer Geduld. Es besuchten ihn viel angesehene Leute, die oft meilenweit her zu ihm kamen. Er hätte sich gern mit ihnen unterredet, aber er war seiner Zunge nicht mächtig, daß ihm vor Jammer gar oft die Augen voll Wassers standen. Bisweilen hätte er mit der linken Hand auf ein schwarzes Täfelchen geschrieben und seine Gedanken und Meinung zu verstehen gegeben, aber die Hand und die Pinger wollten nicht mit, so daß er die Kreide wieder beiseite legen mußte. Die ganze Zeit über konnte man nichts von ihm verstehen oder vernehmen außer daß er am Sonnabend um die Vesperzeit, als Helmrich ihn zu be- ] ) Das Folgende nach Helmrich von Bl. Lb an. 8* ]lß Entwicklung und Blüte der Scliola ducalis. suchen kam, zu diesem, nachdem er zuvor seine Augen stracks auf ihn gewendet, ihn scharf angesehen, mit seiner linken Paust dessen rechte Hand ergriffen und fest gedrückt hatte, mit lispelnder, schleppender und stammelnder Zunge die lateinischen Worte redete: „Ores cum tua schola, ut Deus hinc rae auferat in bona hora." Darauf antwortete Helmrich ebenfalls in lateinischer Sprache: „Mein lieber Herr Präzeptor und Vater, ich vernehme alle diese eure Worte, damit ihr mich jetzt anspracht. Was ihr von mir begehrt, das tu ich unermahnet von mir selbst. Dergleichen tun dasselbe alle Kollegen und Professores in eurer Schule." Und dann hielt er noch eine tröstende Ansprache an ihn. Bei diesem Gespräch waren nur zwei Personen zugegen, der Dr. med. H. Haunold, Phrygio genannt, und Frau Esther, die Gattin des Heniochus, Helmrichs Muhme. Den folgenden Sonntag Jubilate, den 26. April, als nach verrichteter Predigt und gehaltenem Amt in der Kirche die Todesangst und der letzte Kampf herzutraten, kamen alsbald alle Prädikanten aus beiden Pfarrkirchen zu ihm, dazu seine Kollegen, Schüler und viele andere seiner guten Freunde. Diese beteten ihm vor, sprachen ihm die trostreichsten Sprüche aus Gottes Wort vor, desgleichen auch das apostolische Symbolum. Sie begehrten auch von ihm, daß er ein Zeichen gebe, ob er solches verstünde, in seinem Herzen bedächte, mit festem Glauben annähme und behielte. Ein solches Zeichen gab er mit den Augen, mit Bewegung der Lippen und des Mundes und mit Erheben seiner linken Hand. Darauf fielen alle Anwesenden auf die Knie nieder und Mag. H. Theodorus sprach ein Gebet vor. Dann stimmte er das lateinische Responsorium aus dem Propheten Job „Scio, quod redemptor meus vivit" an, danach den Lobgesang des Altvaters Simeon „Nunc dimittis servum tuum, Domine"c Hierauf sangen sie (und das alles mit halber Stimme) die Antiphon „Ego sum resurrectio, Vivo ego dicit Dominus" und „Sic Deus dilexit mun- dum". Endlich schlössen sie mit Doktor Luthers Gesang "Nun bitten wir den Heiligen Geist". Ehe noch dieses Lied ausgesungen und zum Ende geführet wurde, zog er davon mit einem kleinen Schlucken und freundlichen Gieben (Giepsen) eine Viertelstunde vor Seigers 17, da er siebenundsechzig Jahr alt war. Er verschied in den Armen seines Schülers M. Scipio. 1 ) So war das eingetreten, was ihm das Liebste war, denn es war sein Wunsch und Gebet gewesen, Christus wolle ihn in seinem Beruf und mitten in seiner *) G. Wein rieh, Christliche Leichenpredigten. Bd. f). Leipzig 1617. S. 1158L Tod und Begräbnis Trozendorfs. Ehrungen für ihn. 117 Schularbeit von hinnen fordern und sterben lassen. Thaburnus hatte vor dem Tode noch mit der Schule für ihn gebetet. 1 ) Den folgenden Dienstag, den 28. April, wurde er in feierlicher Weise im Beisein dreier erlauchter Personen, darunter die Prinzen Heinrich XI. und Friedrich IV., und vieler fremder Leute zur Erde bestattet. 2 ) Er ward aber eben an die Halle in St. Johannis Kirche begraben, darin er vor Zeiten gelesen hatte, als er neben andern gelehrten Männern zu einem Professor gegen Liegnitz an die Universität auf etliche Zeit von Goldberg gefordert worden war, und ebenso 1554 nach seiner Ankunft aus Goldberg. Nach N. Mylius hat ihm sein Schüler G. Seiler die Leichenpredigt gehalten. Mylius beschreibt auch den Leichenzug; doch da dies in der Form einer Ekloge geschieht, sagt er „pastores" für „praeeeptores": „Incipit hinc longo procedere in ordine funus: Praecedunt pueri teneri, qui maxima cura Semper erant vivo, cantantos funebre carmen. Sex subeunt iuvencs feretro portantque Magistrum, Triste ministeriurn, sed onus non dulcius ullum. Pone sequebantur moerentes agmine nigro, Discipuli fuorant huius quieunque Magistri, Pastores, iuvenesque senesque, deinde secuti Bis ter quinque sacerdotes in vestibus albis, Post proceres summi, venerandus deinde Senatus Urbis et ex aliis q\xi vonerat urbibus illuc, Tum multi de plebe senes puerique virique Foemineusque chorus nuptae innuptaeque puellae." Thaburnus hielt mit der nun verwaisten Schule 3 ) ein Gebet an der Gruft für ihren Leiter. Die dankbaren Schüler Trozendorfs N. Mylius aus Liebenthal und M. Kinner aus Leobschütz vereinigten sich zu Trauergedichten a uf den he imgegangenen treuen Lehrer.*) Ein anderer Schüler, >) Thabor, M., Precatio recitata in coetu scholastico Dominica Iubilate, quae erat 26. Aprihs, cum iam animam ageret Trocedorfinus. Trozendorf Precationes von 1581 Bi. Vii— V6. -) S. das folgende Gedieht des N. Mylius. ») Thabor, M., Precatio recitata XXVIII. Aprilis, quo die Trocedorfius sepultus est, Lygmtij in templo D. Iohannis, in loco, in quo primum post conflagrationem Aurimontanam docere coeperat. Trozendorf, Precationes von lf»81 Bl. V6—V6*. *) Ecloga Aristaeus. Scripta de morte clarissinii viri . . . D. Valentini Pridlandt Trozedorfii, optime de Ecclesia et Republica Scholastica meriti, qui • • ■ Lignitij pie decessit 6. Cal. Mai.j. Anno 1556. Addita est et elegia in'qua J j & Kntwicklung und Blüte der Scbola ducalis. der Pfarrer zu St. Maria Magdalena in Breslau Mag. A. Cureus aus Freystadt, hielt ihm eine inhaltrciche Parentation 1 ) von der Kanzel seiner Kirche. M. Volland, L. Ludovicus und G. Helmrich ehrten ihn durch Reproduktion seiner Werke. Das schönste literarische Denkmal schuf ihm K. Peucer durch seine warme biographische Rede in Wittenberg 1562, die den ganzen Mann umfaßte. A. von Bock setzte ihm ein steinernes Denkmal an der Stätte 2 ), wo er zur Ruhe gebettet war. Bocks Denkmal haben die Jesuiten zerstört, aber die von Epicharm auf ihn übertragene und von ihm gern zitierte Theocritische Inschrift, die es trug: „ro«r naialv eine yj)iqmßa u behielt und behält ihre Geltung, auch wenn indessen die Philologen das Wort in bezug auf Epicharm korrigiert haben. Dasselbe Motto beherrschte die übrigen Denkmäler. In der Goldberger Pfarrkirche ließen ihm andere Schüler ein Epitaph errichten (15G6). Die Aufschrift rührt von G. Helmrich her wie die beigegebenen auf einem Worte Trozendorfs fußenden 3 ) Verse: „Tluius, Christe, Scholae semper pia semina serva, Tuta sit auxilio nostra Sarepta tuo." Der Rat ließ an demselben Orte (1593) sein Bildnis aufhängen mit den Versen, die das Epigramm Theocrits auf Epicharm wörtlich wiedergeben sollten: „Utilia hie pueris dixit cum foenore tanto, Pro quo debetur gratia magna viro." In Görlitz stiftete L. Ludovicus sein Bild (1590) für die Peter- Pauls-Kirche. Dieser hebt hervor, daß die Qörlitzer Schule nach ipse Trozedorfius loqui inducitur. Autore Nicoiao Mylio. Wittebergae 1557. 4°. Gewidmet dem Breslauer Ratmann N. Rhediger (II) als Mäzen der Studien. Von Kinner sind dabei: „Echo Aurimontana de morte Aristaei" und viel nachgeschriebene Chronosticha auf den Tod Trozendorfs und die „Calamitates von Goldberg" 1552, 1553, 1554 (vgl. u. S. 144). ') Als Bruchstück erhalten, jetzt unter den Handschriften der St. B.-Br. 2 ) Zu den Bildern und Denkmälern Trozendorfs vgl. Förster, R„ Die Bildnisse V. Trotzendorfs. Schlesiens Vorzeit in Bild u. Schrift 7 (1896), S. 502-14, 3 Taf. s ) Trozendorf verglich Goldberg mit Sarepta. Sarepta hatte einst Goldgruben und reichen Gewinn gehabt. Nachdem die Gruben untergegangen waren, wurde der Ort eine Unterkunft für die Kirche, indem Elias dorthin kam und die Lehre von Gott aussäte. So sei das Goldberyiscbe Sarepta, nachdem die frühereu Schätze an Gold ausgegangen seien, ein Domizil der Kirche und frommer Studien geworden. Denn als das Licht des Evangeliums in Sachsen wiederhergestellt wurde, ist in Schlesien die gereinigte Lehre zuerßt in Goldberg öffentlich vorgetragen worden. Ludovicus, Praefatio von 1563. Bl. C6, 06». Trozendorfs Nachlaß. 119 Trozendorfs Ordnung und Methode eingerichtet sei. Görlitz galt als Trozendorfs Heimat; doch auch seine engere Heimat, das Dorf Troitschendorf, ehrte ihn (1608) durch Aufhängen seines Bildes in der Kirche. Die Kuratoren des Hospitals zum hl. Geist in Görlitz, zu dem das Dorf gehörte, erwiesen ihm diesen Liebesdienst. Diese Erinnerungsmale priesen ihn dankbar als Lehrer: das war der bleibende Eindruck bei seinen Schülern; demgegenüber trat seine theologische Tätigkeit als Vorkämpfer für die lutherische Reformation zurück, und das war gewiß in dem Sinne des bescheidenen Mannes, der nur ein treuer Schüler Luthers in der Lehre wie Melanchthons in der Schule sein wollte. Der Mutter Wort: „Lieber Sohn, bleib ja bei der Schulen" war nicht bloß ein Omen für ihn gewesen, sondern es war ihm zum Symbolum geworden. Das Liegnitzer Denkmal sagte in einer späteren Beischrift auch von ihm als bekannte Tatsache: „Artes tradebam totius tempore vitae Et, quae sunt inundi praemia, pauper eram." 11. Trozendorfs Nachlaß. Seine Hinterlassenschaft konnte allerdings nach dem Gold- berger Brande, der ihn so schwer getroffen hatte, nicht allzu groß sein; aber man erzählte sich (was kaum glaublich erscheint), daß er einst 18 000 Joachimstaler besessen hätte 1 ), wie er dem älteren G. Helmrich (f 1536) selbst vertraulich mitgeteilt habe. Später soll ihm ein adliger Schüler 500 Taler und sein Neffe 300 Taler gestohlen haben; der größte Teil sei im Feuer zugrunde gegangen einen nicht kleinen Teil habe er für arme Schüler und andere Arme verausgabt und einen andern Teil auf Nahrung und die täglichen Bedürfnisse verwendet, so daß nach seinem Tode nur 700 Taler übrig gewesen seien. Aus seinem Briefe an Georg IL nach dem Brande erfuhren wir, daß er gar manche in Goldberg ausgeliehene Summe wegen des Brandes als verloren ansah. Erbe war sein Bruder Franz 2 ), der als Gerber und Bürger in Görlitz lebte, obgleich auch er die Universität gesehen hatte und zwischen 1561 ') St. B.-Br., Ebers s. zum 26. April. 2 ) F. Friedland von Trotsohendorf hatte 1531 „Sabbato post Matthaei apostoli" als Gerber das Görlitzer Bürgerrecht erworben und besaß 155G Dienstag nach Petri et Pauli ein Haus „in suburbio". Freundliche Mitteilung von Herrn Prof. Dr. Jecht. [20 ' Entwicklung und Blüte der Schola ducalis und 1563 ebenfalls starb. Diesem bekannte am 12. Mai 1556 vor dem Liegnitzer Rate der Pfarrer Mag. G. Seiler, daß er dem Verstorbenen 94 Taler (zu 36 Weißgroschen) und 28 Weißgroschen schulde, die er in Raten bezahlen wolle. 1 ) Der Bevollmächtigte des Franz, H. Willer aus Görlitz, erhielt Ende 1563 von der Witwe Seilers Hedwig die letzte Rate, als Franz schon tot war. In die Ordnung der Verhältnisse griff Georg II. ein und befahl dem Liegnitzer Hauptmann Sigismund von Bock, ihm darüber zu berichten. 2 ) Am 3. Juli meldete dieser, daß er mit den Schoppen die hinter- lassene Habe inventarisiert und besichtigt habe. Ein Testament oder irgendein letzter Wille sei nicht gefunden worden, nur zwei Register. In dem einen seien alte und neue Schulden, d. h. ausgeliehenes Geld, verzeichnet, die zum Teil bezahlt und ausgestrichen wären, zum Teil aber, bis gegen 300 Taler, noch ausstünden und eingemahnt werden könnten. Dieses Register sei dem Bruder zugestellt worden. Das andere Register enthalte das Geld, das von etlichen zum Bau der Schule gegeben wäre. An barem Gekle seien ungefähr 300 Taler und nicht viel darüber vorhanden. Der Herzog befahl darauf unter dem 10. Juli 3 ), alles Hinterlassene, das nicht zum Schulbau bestimmt sei, den Erben auszufolgen. 12. Urteile von Zeitgenossen über Trozeiulorf. Der Tod des bewährten Schulmanns, der schon weit und breit verehrt wurde, führte erst recht zu seiner Würdigung. Melanchthon schildert in der Widmung von Trozendorfs „Catechesis" 4 ) an Herzog Heinrich XI. seine Verdienste als Lehrer und Theologe, zugleich in der Absicht, den Bestand der Goldbergcr Schule zu sichern. „Und wenn irgendwo", sagt er, „fanatische Menschen und Betrüger Wahnsinniges ausstreuen, so drücken sie die Pastoren der Städte Schlesiens durch ihre allgemeine Übereinstimmung darnieder. Zu dieser Eintracht hat viel beigetragen die Treue des hochangeseheneu Valentin Trozendorf, der sich durch Gelehrsamkeit und Tugend ') St. A.-Br., Stadt Liegnitz, Contracteubuch N. 9, fol. 106 b. Hierbei auch die Quittung H. Willers von 1563. In einem andern Bande ist unter dem 18. April 1561 die Erbschichtung für den verstorbenen G. Seiler vom 22. März l. r >61 eingetragen, der Mag. M. Thabor als Zeuge und Vermittler beiwohnte. Hier steht noch Franz als Lebender und eine Quittung Willers vom 22. Miirz 1561 über 25 Taler. 3 ) Bauch, Hart S. 36/7. 3 ) St. A.-Br., F. Liegnitz III 9a. *) Zu der „Catechesis" vgl. u. S. 137, Anm. 2. Trozendorfs Persönlichkeit. 121 auszeichnete und auch die Goldberger Schule über dreißig Jahre mit Gottes Hilfe glücklich geleitet hat und nicht bloß die Studien der Lernenden unterstützte, sondern auch viele Ratschläge der Kirchen beeinflußte. Ich weiß, daß die Frömmigkeit dieses Mannes so beschaffen war, daß er nichts lieber wollte, als das wir alle eins in Gott wären. Und was er stets im Munde führte, das hat er auch mit ganzem Herzen gehalten und von andern gehalten wissen wollen: 'Liebet die Wahrheit und den Frieden', wie bei Sacharja geschrieben steht. Auf diesen Zielpunkt hat er alle seine Ratschläge gerichtet, Richtiges gelehrt und bei der Beurteilung anderer Redlichkeit [candor] angewendet, damit nicht die allgemeine Eintracht gestört würde, und hat die Verkehrtheit der Sykophanten gehaßt, die, um Zwietracht zu entzünden, das verläumderisch herunterreißen, was nicht sinnlos gesagt ist." Die Anerkennung Me- lanchthons für den gestorbenen Freund erhält allerdings eine eigentümliche Beleuchtung durch das, was M. Ratzeberger von Trozen- dorf zu erzählen weiß. 1 ) Dieser sagt, Trozendorf habe oftmals gegen seine vertrauten Freunde geklagt, daß ihm alle seine Schüler von Wittenberg aus dem Umgang mit Philippus als Sakramentierer und Zwinglianer wieder zurückkämen und viel anders von Philipp in der Sache vom Sakrament unterwiesen wären, als er sie in seiner Schule zu Goldberg unterrichtet habe. Dagegen sagt der vertraute Schüler Trozendorfs, L. Ludovicus 2 ), daß dieser mit den 0(povdvAl£ovTeg, den ßlaxi^ovieg und den fivavxl£ovres, d. h. mit den Gegnern Melanchthons, nichts gemein gehabt habe. Nimmt man hierzu Melanchthons Worte, so wird wohl das dem fernen Ratzeberger von Gegnern Melanchthons Zugetragene genügend abgeschwächt sein. Melanchthon zeichnet Trozendorfs Bild als das eines abgeklärten, redlichen und milden Mannes, der nicht mehr den Streit sucht, sondern ihn um des Großen und Ganzen willen meidet. 13. Trozendorfs Persönlichkeit. Noch bleibt uns übrig, einen Blick auf Trozendorfs Person zu tun, da aucli diese Seite des Menschen für seine Bewertung nicht ohne Bedeutung ist, zumal bei einem Schulmann und Vorsteher eines so großen Organismus, wie es die Goldberger Schule vor ihren Schicksalsschlägen war. Nach dem Goldberger Bilde umgab ') Ratzeberger, M., Handschriftliche Geschichte über Luther u. seine Zeit zum ersten Male her. von C. (i. N e u d e c k e r. Jena 18ö0. VIII, 284 S. S. 90. ') Ludovicus, Praefatio von 1563. Bl. C, C T . 122 Entwicklung und Blüte der Schola duealis. sein lebhaft gefärbtes Gesicht schwarzes Haupthaar, das frühzeitig ergraute, und ein ebensolcher Bart. Scharf und ernst blickende dunkle Augen zeigten einen festen Willen an. Von Figur war er klein wie sein Freund Melanchthon, aber er hatte eine so unansehnliche Gestalt, daß ein Görlitzer Rektor nicht ganz ohne Recht von ihm sagen konnte, er wäre eher ein Compendium hominis als ein homo gewesen. Und doch litt seine Autorität unter dem körperlichen Mangel nicht, denn dieser wurde durch sein ganzes sonstiges "Wesen reichlich ausgeglichen. A. Cureus entwarf in seiner Trauerrede*) in den folgenden ansprechenden Zügen den Eindruck seiner Persönlichkeit. In bezug auf seine Statur und die äußere Erscheinung seines Körpers war er keine ehrfurchtgebietende Person, noch war auch sein Antlitz schön oder wenigstens wohlgestaltet zu nennen. Doch äußerliche Vorzüge sind vergänglich. In ihm war ein eleganter und schöner Geist, und seinen beredten Worten fehlte auch nicht die Grazie. Er besaß ihm von der Gottheit gewährte auserwählte und herrliche Geistesgaben. Sein Verstand war aufnahmefähig für jegliche Art von Lehre, und augenblicklich konnte er Gesprochenes und Gehörtes oder Gelesenes fassen und behalten. Er vorfügte über die Kenntnis und Beherrschung der Hauptsprachen (Lateinisch, Griechisch, Hebräisch) und der freien Künste wie der wahren und reinen Philosophie. Damit war eine gewandte Beredsamkeit verbunden, mit deren Hilfe er die im Geiste empfangenen und durch Nachdenken geformten Dinge mit großem Lobe leicht auszusprechen und andern mitzuteilen vermochte. Und da er außer an ausgezeichneter Gelehrsamkeit und Beredsamkeit reich an Klugheit und ausgereifter Überlegung war, pflegte er vielen treuen Rat in zweifelhaften und schwierigen Lagen zu geben. Er tat dies auch, ndem er öffentlich auf das beste die Bürger und selbst bisweilen den Rat in ernsten, das Gemeinwesen betreffenden Sachen beriet. Nehmen wir hier nun noch die uns schon bekannten Eigenschaften hinzu, seine tiefe Frömmigkeit, seinen sittlichen Ernst, seine Gewissenhaftigkeit, seine Beständigkeit, seine Selbstlosigkeit, sein maßvolles Urteil andern gegenüber, sein heiteres Wesen im geselligen Verkehr, seine Herzensgute gegen arme Schüler und andere Arme, und ziehen wir von allem Gehörten die Summe, so wird uns wohl die Verehrung, die ihn über das Grab hinaus begleitete, und die Autorität des kleinen Mannes seinen kleinen und gr oßen Schülern gegenüber ohne Zweifel verständlich sein. l ) Ihr Domizil s. o. S. 118, Antn. 1. Trozeridorfs pädagogische Grundsätze. 123 14. Gesaintbeurteilung Trozendorfs. Ist früher von uns ein Gesamturteil über ihn als Lehrer und Rektor abgelehnt und nur seine Wirksamkeit bis etwa zum J. 1546 einigermaßen beleuchtet worden, so werden wir jetzt das Unterlassene, soweit dies die sehr spärlichen Quellen, an deren Zerstörung auch das Feuer von 1554 mitgeholfen hat, erlauben, nachzuholen haben, ohne doch anders als mit Bruchstücken arbeiten zu können, und das wird der Darstellung nur den Charakter eines lückenhaften Mosaiks zu verleihen imstande sein. Ein genialer Mensch und im eigentlichen Sinne bahnbrechender Pädagoge ist Trozendorf nicht gewesen, sondern eine zwar tüchtige, gediegene und tiefsinnige, doch mehr rezeptive Natur, ein Mann, der das, was er an seinen Meistern Luther und Melanchthon bewunderte, verarbeitete und durchaus auf das Praktische, Erreichens- werte und Erreichbare gerichtet war, ohne doch überall auf eine eigene Meinung zu verzichten. Deshalb waren ihm geistreiche Sprünge, weites Ausholen, unruhiges Probieren und rasches Wechseln fremd, aber was er sich angeeignet und, selbständig durchdacht, anzuwenden gelernt hatte, das hielt er fest, baute es aus und führte es durch: auf der einfachen, zweckmäßigen, klaren und festen, alles, was er lehrte und gelehrt wissen wollte, durchdringenden Methode, die nicht nur den Weg, sondern auch ein bestimmtes maßvolles Ziel umfaßte, beruhte daher seine Bedeutung. Das hat besonders sein fähigster und bester und daher auch dankbarster Schüler als Schulmann, L. Ludovicus, erfaßt und darnach, besser und mit mehr Verständnis als die Goldberger Thaburnus und Helmrich, zum Vorteil und Ruhme für die Görlitzer Schola Augusta seine Lehr- und Leitertätigkeit eingerichtet. 1 ) Ludovicus ist es auch, dem wir die Überlieferung der pädagogischen Maximen und Anschauungen seines Lehrers in der späteren Zeit seines Lebens hauptsächlich verdanken. 15. Trozendorfs pädagogische Grundsätze. An die Spitze seiner pädagogischen Maximen, die er auch vou seinen Kollegen beobachtet wissen wollte, setzen wir billigerweise die Individualpädagogik. In der „Praefatio", die er gewissermaßen als Probelektion 1552 seiner „Catechesis" vorausschickte, sagt er darüber: „In dem Epitaph des Dichters Epicharm steht geschrieben: ') Wir kommen weiter unten bei Melchior Laubanus darauf. 124 Entwicklung und Blüte der Schola ducalis. 'Tot? nmol xetfoifia eine, Pueris utilia dixit.' Das ist ein hohes Lob für einen, der in der Schule lehrt. Nicht Prunkendes, um Gelehrsamkeit zu zeigen, ist in der Schule vorzutragen, sondern die Art und "Weise des Behrens ist dem Verstand und der Passungskraft der Hörer anzupassen. Gewichtig hat Quintilian gesagt: 'Ditficilius est iudicare, quid doceas, quam, cum iudicaveris, docere.' Daher werde ich mich, soweit ich das zu tun vermag, bei der Wiederholung der Catechesis zu dem Verstand und der Passungskraft der Knaben herablassen und mich ihnen anpassen." Laurentius gab das, auf die Grammatik bezogen, mit den Worten wieder, die er unter Trozendorfs Bild setzte: „Talis erat, tales traetans Trocedorfius artes, Nil pueros inter non puerile sonans." Aber er verallgemeinerte auch seines Meisters Worte und ergänzte sie. 1 ) Nachdem er vorausgeschickt hatte, es wäre für niemand zweifelhaft, daß man zwar die zarte, unwissende, unerfahrene Jugend und die Größeren, die im Kennen und Wissen der Dinge lange geübt seien, in ganz verschiedener Weise unterrichten müsse, aber daß bei beiden Befähigung und Gelehrsamkeit gleichmäßig erforderlich und daß man kaum imstande sei, zu schildern, was Trozendorf darin geleistet habe, fügte er hinzu: „Nicht dunkle Lehrmeinungen der Philosophen, um etwa dadurch Bewunderung seines Geistes zu erregen, hielt er für sich in der Schule vor- tragenswert, nicht Ungewöhnliches brachte er auf die Bahn, nicht auf neue, nicht auf eigene, nicht auf sophistische Erfindungen ging er aus, sondern nur darein wollte er die zarten Geister eingeweiht wissen, was er wegen des notwendigen Gebrauchs in der Kirche und wegen des vielfältigen Nutzens im gemeinen Leben, von seinen Lehrern in Wittenberg öffentlich vorgetragen, übernommen hatte. Treffend war sein Urteil bei der Auswahl der Lehren. 2 ) Am meisten aber war das immer in der Schule bewegte Wort zu schätzen: Pwcgcln wenig und kurz, Beispiele klar und nützlich, Übung lange und häufig. Oft hatte er auch das im Munde: Nicht nur mit demselben Inhalt, sondern auch mit denselben Worten und Silben muß man lehren; dies ist für das glückliche Portschrcitcn in den Studien und für die Erhaltung der Ruhe in den Kirchen von der höchsten Bedeutung.- 1 ) Als die Hauptzeichen für die gute Be- anlagung eines Schülers betrachtete er 4 ) die drei folgenden Dinge: ') Ludovicus, l'raefatio von 1563. B1.A7. 2 ) Ebenda Bl. A2\ ») Ebenda Bl. A8*. 4 ) Ludovicus, Praefatio von 1564.- Bl". o 4», «5. Trozendorfs grammatischer Unterricht. 125 Lesen verständlich und geläufig, Schrift gleichförmig und elegant, Aussprache klar und deutlich. Wenn ein Schüler diesen Anforderungen nicht genügte, so tadelte er ihn streng, als hätte er eine üble Tat und etwas zur Unehre für seine Schule begangen. "Von sich selbst als Lehrer 1 ) sagte er: „Niemals bin ich, ohne vorher alles durchdacht zu haben, an eine öffentliche Lektion gegangen", und durch diese Beharrlichkeit hatte er die Fähigkeit erworben, daß er das Nachdenken an Stelle des Griffels und das Gedächtnis für Geschriebenes gebrauchte. Als Greis pflegte er nur fünf Stunden zu schlafen, den übrigen Teil der Nacht verbrachte er mit Vorbereitung für Gebete und den Unterricht. 2 ) Einen Zug für die Beurteilung von Trozendorfs durch seine Biographen oft gar zu sehr hervorgekehrte Frömmigkeit, den auch Ilelmrich bestätigt, gibt Ludwig 3 ), wenn er sagt: „Das Eine möchte ich als dem Exil der Schule besonders eigen nennen, daß bei den mit dem Alter wachsenden Schwierigkeiten und Bedrängnissen die ausgezeichnete Frömmigkeit und der unvergeßliche Eifer Trozendorfs im Unterrichten der Jugend unter den Bekümmernissen und Widerwärtigkeiten mehr und mehr hervorzuleuchten, heller zu strahlen und sich gewissermaßen in dem geräumigen Theater von Mangel und Dürftigkeit weiter auszubreiten anfing." 16. Trozendorfs grammatischer Unterricht. Schon in dem Briefe*) an Herzog Friedrich IL oder der „Schulordnung" von 1546 stellte Trozendorf die Grammatica an die Spitze seiner Auseinandersetzungen und nannte sie die Mutter und Re- gierorin (oder, wie die andere Lesart lautet, Ernährerin) der andern Künste. Er verstand jedoch, wenn er kurzweg von Grammatik sprach, auch die Rhetorik und im Grunde alles Sprachliche mit darunter. Die Grammatik in allen ihren Teilen, Orthographie Etymologie, Syntax und Prosodie, sollte vor allen Dingen mit besonderem Fleiße täglich betrieben werden. Daneben sollten gute Autoren, besonders Terenz, Plautus, Cicero und von Cicero vornehmlich die Briefe und die „Officia" oder „De oratore" behandelt werden, damit die Knaben, durch Regeln und Exempel zur lateinischen Sprache angeleitet, schicklich, d.h. angemessen, reden und schreiben lernten. Yergil, Ovid und ähnliche Poeten sollten ') Ludovicus, Nuncupatio Hl. A 5. ») Ebenda Bl. A5. 3 ) Ebenda Bl. A4. «) B a u c h, Bart S. 29-31; s. o. S. 97. 126 Entwicklung und Blüte der Sehol.a ducalis. in den lateinischen Unterricht mit einbezogen werden, daß die Knaben auch die Metrik begriffen, Verse machen lernten und reichen Vorrat an guten Worten daraus erlangten. Von den Dichtern kamen hiernach Terenz und Plautus nur als Sprachmeister, Vergil, Ovid und ihresgleichen als Vorbilder für die Poetik, das Versemachen und nebenbei auch wieder als Sprachvorbilder in Betracht. Über Vergil las J. Heniochus. 1 ) Die Schüler der zweiten Klasse (1550) hießen nach ihrem Pensum „Terentiani" oder „Grammaticuli". Plautus gehörte in die erste Klasse. Wie sah es nun sonst mit der Ausführung der Forderungen in der Praxis aus? Betrachten wir zuerst die Grammatik an sich. Was Trozendorf darin für die Anfänger gebrauchte, etwa den kleinen Donat, ist nirgends berührt. Sonst legte er seinem grammatischen Unterricht ein aus den grammatischen Büchern Melanchthons hergestelltes handschriftliches Kompendium zugrunde. Seine Kollegen sagen auch unter Bezugnahme auf das „roTg naiol xQijoi/ia ehis" darüber: „Nicht Thra- sonischer Prahlerei Entsprechendes, nicht Verwickeltes, nicht Untaugliches, sondern Verständliches, Einfaches, Nützliches und Notwendiges lehrte er geschickt und treulich. Das aber erstrebte er besonders, daß er wenige und klare Kegeln durch gute Beispiele bewährter Autoren erklärte und belegte und die Schüler daran gewöhnte, indem sie das Gelernte anwendeten, etwas dem Ausdruck der Schreibweise Ciceros Ähnliches zu bilden." Das Kompendium, wie es unter der Feder Trozendorfs entstand, ist nicht erhalten, nur Spuren davon lassen sich feststellen. Im J. 1566 machten die Goldberger Lehrer, um das lästige und für die Schüler wenig fruchtbringende Diktieren abzustellen, zum zweiton Male ein solches Kompendium druckfertig 2 ) und sagten im Vorwort, nach Trozendorfs Tode hätten sie das von ihrem treuen Lehrer zusammengestellte oder vielmehr aus den Lehren Melanchthons ausgezogene Kompendium durchgesehen und erwogen, und wenn auch alles darin der Billigung wert erschiene, so hätten sie doch die allzu große Kürze als schädlich für.die Knaben angesehen und auch durch ihre Erfahrung erkannt. Deshalb hätten sie mit guter und frommer Absicht einiges hinzugefügt, so daß dieses Buch in der Goldberger und in andern ähnlichen Schulen, die man „triviales" nenne, nicht ohne Nutzen der Jugend vorgelegt werden könnte. Dieses Kompendium umfaßt Orthographie, Prosodie, Etymologie und Syntax. Bei der Prosodie sind nur Hexameter und Pentameter berück- >) Claius, Schola Bl. 05. *) S. u. S. 209. Trozendorfs grammatischer Unterricht. 127 sichtigt. Ganz am Schlüsse ist der römische Kalender abgehandelt. An keiner Stelle ist auf Trozendorf Bezug genommen, so daß sein Anteil nicht bestimmt werden kann. Ähnlich steht es mit einer zweiten Benutzung von Trozendorfs Arbeit. L. Ludwig hat 1567 und 1568 für die Görlitzer Schule die Etymologie und- die Syntax Melanchthons als methodischen Vorkursus für die große Grammatik Melanchthons zu einem „Compendium Praeceptionum grammati- carum" zusammengezogen. Nach dem Titel müßte man annehmen, daß er die Etymologie und die Syntax nach der Bearbeitung Trozendorfs 1 ) wiedergegeben habe („Omnia tradita et feliciter usur- pata aValontino Troccdorfio"); aber seine Vorreden zu den beiden Teiien des Buches stellen die Sache doch etwas anders dar. In der Widmung an den Knaben P.Ritter (1581) erwähnt er allerdings, daß Trozendorf „libellos hos pueriles singulis annis repetitos non typorum sed calami opeia superioris seculi disciplina exaratos ad extrcmum vitae spiritum proposuisse"; doch in der Vorrede zur Etymologie an die Quartaner (1567) sagt er kein Wort von Trozendorf, wahrend er in der Vorrede zur Syntax an die Tertianer (1568) schreibt: „Juvabunt memoriam non parum yvcogiajuara J). Tiocedorfii de online regularum, quorum proprer ipsius viri autoritatem mentionem facere hoc loco voluimus. De applieationibus exemplorum nemini litern movemus, suum cuique iudicium relin- quimus . . . Alicubi pueriles dcclaratiunculas et commonefaciunculas de usu regularum adieeimus a D. Trocedorfio traditas, ut tarn do- centibus quam discentibus viri huius memoriam commendaremus." Eine Vergleicbung des Goldbeiger mit dem Görlitzer Kompendium aber zeigt, daß sie sehr verschieden sind und daß man auch hierbei in bezug auf das geistige Eigentum Trozendorfs auf ein Non liquet hinauskommt. Die Frage, ob auch in Goldberg vielleicht in den letzten Jahren Trozendorfs oder später die große Grammatik Melanchthons außerdem gebraucht worden sei, läßt sich ebensowenig wie die nach dem Donat beantworten. Da aber Trozendorfs stete methodische Behandlung auch bei der Grammatik von Ludwig besonders hervorgehoben und gepriesen wird, konnte auf der obersten Stufe nicht gut etwas anderes als der „große" Melanchthon behandelt werden. ') Melanchthon, Ph., Compendium Praeceptionum Grammaticarum ... In usurn Scholae Gorlicensis. Gnorismata Regularum in Syntaxi, & formae applicandi exempla. Omnia tradita, et feliciter usurpata a Valentino Trocedorfio. In Schola Goldbergensi. Edita opera Laurentij Ludovici Leoberg. Gorlicii: J. Rhamba 1603. 108 Bl. [Ex.: Breslau, Ü.-B.]. Wiederholt bis 1630. ] 28 Entwicklung und Blüte der Sehola ducalis. Die Gründlichkeit und beharrliche Übung in der methodischen Bearbeitung der Grammatik fanden auch darin ihren Ausdruck, daß Trozendorf an jedem Tage den ganzen Zötus der Schule zu einer grammatischen Repetition vereinigte. Der Schulmann Ludwig faßt dies in den Worten l ) zusammen: „Alle seine Arbeit verwendete er auf das Studium der Grammatik, d. h. jenes, das sich sowohl um den Ausbau und die Ordnung als um die Glättung und den Schmuck der Rede bewegt, sie einzig pflegte er in jeder Art der Fächer („doctrinarum") aufzusuchen, zu betrachten, zu lehren, einzubleuen, eingebleut zu wiederholen und sie also zu jeder Zeit zu überdenken und zu betreiben. Wenn er in jener methodischen Behandlung [der Übung und Repetition] der grammatischen Lehren, denen er nach meiner Erinnerung stets, solange ich mit ihm zusammengelebt habe, eine Stunde des Tages, indem er den gesamten Coetus scholasticus vereinigte, gewidmet hat, so wissen wir auch ganz genau, daß er in jener reicheren Exegese der Schriftsteller, deren man zur Bildung der Rede bedarf, dies auch im hohen Greisenalter auf das fleißigste getan hat." Zur Anwendung gebracht wurde der behandelte grammatische Stoff außer in der Stunde und bei den Repetitionen in den „Exer- citia styli" 2 ), mit deren Einführung Trozendorf einst in Goldberg der erste Humanist, H. Gürtler, vorangegangen war. 3 ) Von früher her wissen wir, daß, nämlich auf der Oberstufe, wöchentlich je ein Exorcitium in Prosa und eins in Versen wechselten, während auf der Unterstufe nur prosaische Exercitia gestellt werden konnten. Hierbei wurden, den Abgabetag mit eingerechnet, von der Aufgabe bis zur Abgabe viertägige Termine, d. h. wahrscheinlich von Montag zu Donnerstag und von Donnerstag zu Montag, innegehalten. Über die prosaischen 4 ) sagen die Lehrer: „Damit aber Gelegenheit und Stoff für Übungen nicht fehlte (um von dem unaufhörlichen Gebrauch der lateinischen Rede in den Zusammenkünften und Gesprächen der Schüler zu schweigen) legte er wöchentlich bald die Disposition eines bestimmten Themas für die Fortgeschritteneren, bald ein in deutschen Worten abgefaßtes Stück (für die Unterstufe mit Ausschluß der Anfänger) vor, damit dieses alle in die lateinische Sprache übersetzten in nicht nur passendem, sondern ') Ludovicus, Praefatio v. 1563 Bl. A2*. ') Ludovicus, Nunoupatio Bl. A5 —AG T . 3 ) S. o. S. 18,9. ') In dem Vorwort zu Melanchthon, Ph., Compendiuru grammaticae lat. Gorlicü 15G7 (vgl. u. S. 209). Trozendorfs grammatischer Unterricht. 129 auch gutem, reinem, sorgfältigem und die Redeweise Ciceros wenn nicht ähnlich wiedergebendem, doch wenigstens einen Schatten von ihr darstellendem Ausdruck. Die von den Schülern angefertigten Aufgaben sah er an, las sie wiederholt, erwog sie, zeigte Irrtümer und Fehler freimütig an und verbesserte sie, indem er auf die verletzte Regel zurückgriff, erinnerte an die wahre und richtige Konstruktion, oft auch an angemessenere Vokabeln und Redensarten, und trug ihnen endlich seine eigene Übersetzung vor, damit die Einzelnen das Ihrige mit dem Seinigen verglichen und auf das. was ihnen fehlte, aufmerksam würden und nach und nach vieles richtiger ausdrücken lernten." Ludwig erzählt 1 ) in Bewunderung des phänomenalen Gedächtnisses seines Lehrers hiervon: „Die Exercitia styli, die er durch Nachdenken seinem Gedächtnis eingeprägt hatte, trug er vier Tage, ehe er sie von den Schülern wiederforderte, in deutscher Sprache den Hörern als Diktat vor. Nach Ablauf der vier Tage wiederholte er die Exercitia in lateinischer Rede, indem ihm kein Wort oder Satz entfallen war oder das Gedächtnis ihn irreführte, schnell und leicht und legte so seine eigenen Übersetzungen der Schule vor." Dann fährt er fort: „Ich erinnere mich, als er sah, daß einzelne Schüler sich mit Übungen in der griechischen Sprache abmühten und griechische Scripta anstatt der lateinischen abgaben, wie dieser Greis, der in der lateinischen, griechischen und endlich in der hebräischen Sprache ungewöhnlich geübt war, einige kurze Gebete, die er der Schule deutsch als Aufgabe vorgelegt hatte, nachdem er sie durchdacht hatte, in griechischen Worten ohne geschriebenes Exemplar geordnet, vollständig und ohne Stocken hersagte." Nach Erwähnung des studentischen Wettkampfs im Aufsagen der Bücher „De Oratore" in Leipzig schloß er seine Erinnerung mit den Worten: „Daher ist mein Lehrer so der Reinheit, Echtheit und Klarheit beflissen gewesen, daß er sehr oft lange und viel stockte, während er den Geist durch Nachdenken stark anstrengte, um ein Wort oder eine Redensart herauszubekommen, die für die vorliegende Sache passend und geeignet schiene." Welch größeres Lob könnte ein Philologe als Schulmann auch noch zu unserer Zeit erhalten! Und das war ein Greis, bei dem man eher hätte erwarten können, daß sr zum Rückzug blaßen ließe. Obgleich uns nur Exercitia styli a us dem Bereich der Katechese und der Gebete und zwar auch recht lange, auf viele Termine berechnete erhalten sind, wäre es *) Ludovicus, Nuncupatio Bl. A5 T . Montunenta Qormaniao Pacdagocrica LVII 1 30 Entwicklung und Blüte der Schöla dncalis. natürlich verfehlt, anzunehmen, daß Trozendorf einseitig nur religiöse Themata behandelt hätte. Die ganz kleinen Knaben, Fibelisten, Analphabeten oder Cato- ehumeni genannt, erfuhren besondere Berücksichtigung durch Trozendorf, der streng darauf hielt, daß sie gut (lateinisch und deutsch) lesen und reinlich schreiben lernten. Ludwig definiert: „Catechu- meni, qui in orthographia, hoc est lectione atque scriptiono, excr- centur." Wie wir von Helmrich erfahren 1 ), bekamen die kleinen Knaben als Hausaufgabe zu ihrem Pensum auch „ein Latein" auf, d. h. einzelne oder mehr Vokabeln und bald kurze Sprüchlein, z. B. aus dem Dionysius Cato oder aus der Hl. Schrift, zu lernen, die am nächsten Tage wieder aufgesagt werden mußten. Die schriftlichen Arbeiten der Oberstufe, die wie alle Exercitia styli nicht gleich unsern Exerzitien zur Einübung bestimmter Regeln dienten, sondern den Ausdruck zum Zweck hatten, also Aufsätze waren, gehörten, von den Arbeiten der Unterstufe vorbereitet, schon in das Gebiet der Stilistik und der Rhetorik. Es ist bezeichnend, daß gerade der Lehrer der Grammatik und der Rhetorik nach Trozendorfs Anforderung auch ziemliche, d. h. gute, Verse achreiben können sollte; die technische Poetik und die vom Durchschnitt der Schüler erlernbare Poesie waren eben in der Behandlung grammatisch und in der Ausübung wie in der Disposition wesentlich rhetorisch, wie mit seltenen Ausnahmen der größte Teil der Verse der eigentlichen humanistischen Poeten. Auch bei der Rhetorik können wir auf keine theoretische Anleitung, wie z. I>. Quintilian, verweisen; es scheint vielmehr, als ob Trozendorf von der „Syntaxis figurata" aus induktiv die Regeln der Rhetorik aus der Lektüre und Erklärung der Autoren herausgezogen und zusammengestellt hätte. Als Vertreter der „Artes dicendi" wird F. Reich und nach ihm Z. Bart genannt. Was Reich als Dichter leistete, liegt im Dunkeln; Bart war, wie es scheint, ein poetischer Grobschmied. Zu den schriftlichen Aufsätzen kam jeden zweiten Monat eine öffentliche Deklamation. Es ist wohl anzunehmen, daß diese Vorträge sich nach 1546 nicht mehr bloß mit dem Lobe von Mitschülern beschäftigt haben. Noch unbedeutender als in bezug auf die lateinische Grammatik sind unsere Kenntnisse von der Behandlung des Griechischen. Daß die Grammatik behandelt würde, hatte Trozendorf 1546 verlangt und durchgesetzt. Der erste Professor des Griechischen, ') Helmrich in der ersten Widmung zu seinem deutschen Katechismus von 1578. Andere Unterrichtsfächer. 131 Mag. G-. Seiler, hat jedoch gar keine Spuren hinterlassen. Von seinem Nachfolger Helmrich haben wir wenigstens die Tafel zur Einübung der Flexionen kennengelernt. Als Grammatik wurde vermutlich die von Dr. J. Metzler 1 ) zugrunde gelegt. Von den behandelten Autoren wird nur Isocrates als Schullektüre und Plutarcb als Trozendorfs Lektüre im Alter erwähnt. Das Griechische kam erst der Oberstufe zu. Da Trozendorf in den Erklärungen der Sprüche des „Rosariums" und zur Worterklärung die Urtexte des Alten und Neuen Testaments heranzog, muß er auch auf der Oberstufe hebräischen Unterricht erteilt haben. 17. Andere Unterrichtsfächer. Zum alten Trivium gehörte nächst Grammatik und Rhetorik als dritte Ars die Dialektik. Von dieser sagt Ludwig 2 ): „In der Dialektik, die in seiner Schule ebensowenig wie die Grammatik jemals aus der Hand gelegt werden durfte, tummelte sich dieser beste Bildner der Jugend so, daß den Jünglingen, bevor sie auf die Akademien gingen, die Hauptsachen für katechetische [d. h. theologische], ethische und auch gewisse physische Disputationen ganz vertraut waren. Alles dieses hatte er selbst, im Kopfe durchdacht und abgehandelt, inne, so daß er keine Niederschrift zur Unterstützung im Lehren, im Abhandeln, im Disputieren oder beim Wiederholen verwendete." Für den Unterricht in der Dialektik hatte Trozendorf „Erotemata Dia- loctices" oder „Quaestiones dialecticae" zusammengestellt; nach welchem Muster, können wir nicht angeben, Melanchthons „Erotemata" scheinen es nicht gewesen zu sein. Zahlreiche Spuren davon findet man in der exegetischen Katechesis. Dort sind ganze logische Syllogismen und Fallacia angewendet und demonstriert, Kategorien und dgl. angezogen. In den „Precationes" ist N. XXIII (Ps. 51) ein Muster der dialektischen Behandlung. Dort geht voraus: „Enarratio singulorum membrorum in tractatione dialectica libro secundo de propositionibus et alias saepe repetita". Die erste Propositio ist: „Cor mundum crea in me, Deus." Die Purificatio führt zur Renovatio, und diese wird nach den zehn Praecepta durchgesprochen. Dann wird entwickelt: „Puritas est Praedicatio a ccidentalis, non essentialis; Renovatio est Qualitas, quae inest mu- ') Bauch, Deformation S. 57. 2 ) Ludovicus, Nuncupatio Bl. A4 T — A5. 9* 132 Entwicklung und Blüte der Schola duealis. tabiliter", und das wird mit einem aus ihrer Lehre abgeleiteten Trugschluß gegen die Anabaptisten angewendet. Puritas wird als „Praedicamentum qualitatis, habitus et actionis" besprochen. Doch nur die erste Propositio ist in dieser Weise abgehandelt, die andern fünf bloß exegetisch. Mit Bedauern stellte Ludovicus schon 1563 fest 1 ), daß, weil man solange mit dem Drucke der methodischen Bücher Trozen- dorfs gezögert habe, die Gefahr drohe, daß seine Schriften unter fremdem Namen, verstümmelt und verschlechtert untergeschoben würden, wie das den „Dialecticae exercitationcs" schon zum zweiten Male widerfahren sei. Wegen des fragmentarischen Zustands der Kenntnis von Trozendorfs Dialektik sind solche Plagiatoren für uns nicht zu entlarven. Wieweit „Principia philosophiae naturalis et moralis" getrieben wurden und nach welchen Vorlagen, kann man nicht sagen. Daß sie in der Tat gelehrt worden sind, beweist Ludwigs Angabe über ethische und physische Disputationen. 2 ) Diese Disputationen, einschließlich der katechetischen, wurden abwechselnd mit den Deklamationen je einen Monat um den andern gehalten. Die von Trozendorf eingeführten Fächer Arithmetik, Sphaera (Astronomie) und Musik, zusammen gewöhnlich Mathematik genannt, vertrat bis auf Musik Thabor; bei Claius kann man nachlesen, daß er „Sphaera", wahrscheinlich nach dem alten Buche des Johannes a Sacrobusco, und Mathematik, d. h. hier Arithmetik, behandelt hat. Da Trozendorf für die Kantorstelle einen Mann verlangt hatte, der ein ziemlicher, d. h. ein guter, Musicus sei, ist auch theoretischer Musikunterricht getrieben worden. Die tägliche Arbeit der Schüler schlössen, wie sie als Eingang zu dem Unterricht geführt hatten, gemeinsame Gebete ab, nachdem Disputationen, d. h. Repetitionen durch gegenseitiges Abhören des Tagespensums der Schüler vorangegangen waren. 18. Trozendorfs Religionsunterricht. Mit diesen „Precationes" kommen wir zu dem Religionsunterricht, wie ihn Trozendorf an seiner Schule ausgebildet hatte. Wenn man den von Löschke allgemein imputierten Anschauungen folgen wollte, müßte man annehmen, daß dieser den ganzen übrigen Unterricht in Schach gehalten, ja überwuchert und unterdrückt habe. Aber ') Ludovicus, Praefatio von 1563 Bl. 08 T — D. -) Ludovicus, Nuncupatio Bl. A5. Trozendorfs Religionsunterricht. 133 erstens hat Löschkes Vorstellung infolge einer Idiosynkrasie von Anfang an schon den altgewordenen Trozendorf im Auge und wird ferner auch dadurch stillschweigend beeinflußt, daß nur seine religiösen und theologischen "Werke, die ebenfalls erst gegen das Ende seines Lebens hin geschaffen wurden oder zum Abschluß gelangten, durch den Druck erhalten sind und von ihm für die Beurteilung des Mannes einseitig zugrunde gelegt werden. In Wirklichkeit gab es in Goldberg wie auch anderswo nur zwei Religionsstunden wöchentlich: am Mittwoch und Freitag nach den Wochenpredigten in der Schule, und dazu kam die lehrhafte Feier des Sonntags durch die Schule in der Schulkirche. 1 ) Gebete und zwar kürzere tägliche Gebete, die von den Schülern gelernt oder auch von Trozendorf und den andern Lehrern vorgesprochen wurden, eröffneten und schlössen die Lektionen. Trozendorf war ein starker Beter, doch kein so stürmischer wie Luther, und A. Curous sagt: „In omnibus et singulis lectionibus laudabili more miscuit pias preces, orans pro tota Germania et Silesia, praecipue pro Goldberga prae- bente hospitium et nidulos coetibus scholasticorum." So erhielt aller Unterricht an geeigneter Stelle und das ganze Leben der Schüler die religiöse Weihe. Trozendorfs Anschauung von der Wichtigkeit des Religionsunterrichts drückt Ludwig mit den Worten' 2 ) aus: Nach seinem Dafürhalten war das Ziel aller Studien die Lehre der Kirche. „Wir müssen", sagt er, „den Wissenschaften zu dem Zwecke obliegen, daß wir die überlieferte Lehre von Gott zu lernen und jeder an seinem Orte, in der Kirche, in der Gemeinde, in der Schule und in dem Haushalt, die Ausbreitung des Evangeliums zu unterstützen vermögen." Es sind das die Anschauungen Luthers und Melanchthons, die zwar jedem Christen seinen Anteil am Priestertum zuwiesen, aber durchaus nicht jeden zum Pastor machten. Trozendorf hielt also die Religionswissenschaft zwar für das Höchste, was ein Mensch lernen konnte; aber er wollte durchaus nicht seine Schüler dem Leben und seinen Aufgaben und Pflichten entziehen. Seine tiefe Frömmigkeit machte auch ihn selbst nicht weltfeindlich, sondern er schöpfte im Gegenteil die Kraft daraus, weltliche Pflichten durch die religiöse Grundlage und den religiösen Hintergrund zu veredeln. Dem Religionsunterricht gab er katechetische Form. Wie diese katechetische Weise der Behandlung zu verstehen ist, soll später ') Hei mrich in der ersten Widmung vor seinem deutschen Katechismus v on 1578. 2 ) Ludovicus, Nuncupatio Bl. A7. 134 Entwicklung und Blüte der Schola ducalis. bei der Betrachtung der Katechismen erörtert werden. In seiner Vorrede zu den „Precationes" ^ schreibt Ludwig: Nicht verschieden von seiner Verwendung der Grammatik war die katechetische Übung, die er die Seele aller Studien nannte. Wer die Catechesis aus der Schule verwiese, sagte er, nähme die Sonne aus der Welt. Das Eine begehrte er, wenigstens dem Anschein nach zu jeder Zeit getan zu haben, das Eine im höchsten Alter getrieben zu haben, daß er die katechetische Lehre den Knaben vollständig und rein gelehrt, die heiligen Sprüche, die die Quellen der wichtigsten Lehren, Disputationen und Tröstungen enthalten, mit den ersten Elementen (der Wissenschaften) den Jüngeren eingeträufelt habe. Über die Entwicklung dieser „Sententiae sacrae" zum „Rosarium" hat sich Ludwig bei ihrer Herausgabe 2 ) genauer ausgesprochen: jene „gnomas seu sententias sacras" fing er zuerst an, der Zeit, d. h. den heiligen Tagen, anzupassen, an denen die Kirche einen bestimmten Teil der himmlischen Lehre zu behandeln pflegt, indem er nämlich mit dem Feste der Epiphanien begann, an dem die herrliche Offenbarung der Gottheit am Jordan geschehen ist, wo, da die Lehre von der Unterscheidung der drei Personen entwickelt wird, es geschah, daß der Befehl Gottes des Vaters, den Sohn zu hören, die erste Stelle in dieser Reihe erhielt und ihm eine Konkordanz aus dem Alten Testament angefügt wurde. In dieser Ordnung schritt er dann einige Zeit vor, setzte, was die Kapitel der Lehre je an ihren Tagen zu erfordern schienen, in einem kurzen Wort aus der Hl. Schrift hinzu und fügte diesem eine kurze Erklärung bei, die die Jüngeren auf die Teile der Lehre, die in dem Spruche enthalten war, kurz aufmerksam machen sollte. Weil diese Belehrungen an den Sonntagen geschahen, in den abendlichen Versammlungen, in denen, nachdem die täglichen Pensen examiniert und die öffentlichen Gebete gesprochen worden waren, die Schule durch das Glockenzeichen zum Schlafengehen gerufen wurde, nannte er sie -anfänglich sonntägliche Pensen, da sie die Summe der Lehre (in aphoristischer Form) enthielten, die in dem Sonntagsevangeliuni dargeboten worden war. Nachdem aber diese Zusammenstellung über das Hundert hinaus angewachsen war und die Erklärung anderer Glaubensartikel von Tag zu Tag andere Sprüche erforderte, richtete Trozendorf, um das Gedächtnis der kleinen Knaben zu unterstützen und ihre Munterkeit im Lernen ') Ludovicus, Praefatio von 1563 Bl. A3 T ; von 1581 Bl. «3 V . 2 ) Ludovicus, Praefatio von 15(j4 Bl. «2»— ai. Trozendorfs Religionsunterricht. 135 durch eine liebevolle Empfehlung und Sammlung dieser Sprüche anzuregen, Zusammenstellungen derselben her und begann, indem er jetzt einzelne, nun zwei, einmal je drei und bald mehrere Sprüche, wie es die Fassungskraft der Knaben vertrug, so wie Blumen zu einem Strauß sammelte, einen Kranz aus jenen Sprüchen zu flechten, und nachdem ihm der süße Name „Rosarium", Rosenkranz, eingefallen war, deutete er diesen von den tollen Fabeln der Mönche, aus denen man Rosenkränze und Kronen für die Heiligen zu flechten pflegte, auf jene duftenden Rosen Jerichos um, d. h. auf jenen Haufen oder Vorrat der besten Sprüche der Hl. Schrift, die entweder eine herrliche Lehre oder reichen Trost durch ein oder das andere Wort aussprechen, den Geist aufrichten, den Glauben anregen, die Frömmigkeit nähren. Denn ein solches Büschchen von Sprüchen, um es mit Trozendorfs Worten zu sagen, ist in der Tat ein Rosenkranz oder ein himmlisches Geflecht, aus jenen heilkräftigen und lieblichen Blumen des Paradieses gewunden, das stets auf das Haupt, ja sogar auf das Herz zu legen und ständig zu tragen ist, und ein durch häufiges Nachdenken auszupressender duftiger Saft, der durch seine Wohlgerüche unsere Herzen und Gemüter belebt und erquickt für das ewige Leben. Dieser aus Rosen von Jericho geflochtene Kranz war dann in Wahrheit für Trozendorfs Schule n yQvaovs /uhv a.j_upl y.gaxl XEi/uevog JiXöxog", der durch seinen Duft und seinen hellen Glanz auf das schönste selbst die Handhabung der andern Studien und Fächer schmückte. Und niemals ließ er jene Rosen absterben oder verwelken oder abschneiden, sondern, indem er einen Katecheten anstellte, sorgte er dafür, daß dieser während der katechetischen Übungen an den f-'inzelnen Tagen durch Vorsprechen der Sprüche mit lebendiger Stimme den Knaben voranging und von ihnen das Vorgesprochene solange wiedcrvorlangte, bis sie dasselbe, wenn auch mit lispelndem und stammelndem Munde aus dem Gedächtnis aufzusagen gelernt hatten. Trozendorf selbst aber stellte bei der Behandlung der Kirchenlehre sowohl in der Schule als auch in den öffentlichen Biedigten, die er in der mit der Schule verbundenen Kirche an den heiligen Tagen zu halten pflegte, jene katechetische Schar in die Mitte, und wenn ein Spruch aus den Zierden des Rosenkranzes vorkam, ließ er diesen oder jenen aus der Zahl der Knaben aufstehen und den Spruch in der öffentlichen Versammlung mit lauter Stimme geziemend und deutlich aufsagen. An diesen Versuchen der Knaben ergötzte er sich, damals schon ein Greis, so, daß er an keinen Teil der Studien gewissen- 136 Entwicklung und Blüte clev Sehola ducalis. hafter ging, daß er sogar durch Verteilung von Geldstücken an den wichtigeren Pesttagen die zarten Geister zum Wetteifer in diesen Studien anzuregen versuchte; wie er ja in seinem ganzen Leben bei der Gelegenheit etwas Gutes zu tun sehr freigebig war. Alleweil glaubte er in diesen ersten Übungen der Knaben ihre Befähigung zu beobachten, Anzeichen ihrer Frömmigkeit abzusehen und danach Hoffnung, ihre Liebe zu den Wissenschaften und dem Fortschreiten ihrer Studien zu fassen. Daher begann er sogleich bei diesem sozusagen ersten Eintritt in die Schule an den Schüchternen das Leisesprechen, an den Ungelenken die grobe Sprache, an den Plappernden die flache Aussprache zu verbessern, die Stockenden, Kichernden, Schwatzenden, Schluchzenden, Murmelnden, Stotternden, oder wenn er sonst welche antraf, die durch Schlucken, Flüstern, Stammeln oder Räuspern das Sprechen entstellten, sie zu ermahnen. Alles dieses vernachlässigte er bei diesen ersten Übungen in keiner Weise, damit die Knaben sich von klein auf an ein gemessenes, geordnetes und klares Sprechen gewöhnten. Aber das betrieb er hauptsächlich wegen der Übung in der himmlischen Lehre und wollte, daß durch solche heiligen Dinge die Knaben seiner Schule geweiht oder vielmehr die Arbeiten der Studien Gott gewidmet sein sollten. Denn er meinte, daß das Studium der Frömmigkeit von der frühesten Jugend an die Grundlage und das Licht aller übrigen Studien sei, so daß (wir glauben die Stimmen der Wittenberger Reformatoren zu hören), wenn man dieses Studium vernachlässige, rascher Untergang und schreckliche Finsternis in allen Wissenschaften für die Lernenden hereinbrechen müßte. Durch diese Beharrlichkeit und Sorgfalt erreichte er, daß in der Folge jener katechetische Zötus den gesamten Kranz von heiligen Sprüchen im Gedächtnis festhielt und überall, wo er selbst es wollte oder es notwendig war, rasch mit der Stimme wiedergeben konnte, und er duldete nicht, daß auch nur ein Spruch aus jener Schule und Kirche zu Goldberg dem gewissermaßen öffentlichen Gedächtnis entschwand, solange als die Schule mit der Stadt von der Pest und dem Brande noch verschont war. Die Zahl der Sprüche belief sich nach Ludwig auf 117. Diese Schilderung wollen wir mit einer Bemerkung abschließen, die allgemeineren Charakters ist. Luther gilt durch seine Bibelübersetzung als der erste Klassiker und Weiterverbreiter der neuhochdeutschen Schriftsprache. In der Goldberger Schule war Bibellesen noch nicht eingeführt, und die Schüler lernten die Hl. Schrift Trozendorfs Werke. 137 und damit das Hochdeutsche nur durch die Perikopen und das „Rosarium" und durch den kleinen Katechismus Luthers mit den Fragen Trozendorfs kennen. Trozendorf hat in der Katechese, und in den exegetischen Kommentaren, um ganz deutlich zu werden, bisweilen auch deutsche Erklärungen eingemischt und führt hin und wieder recht derbe deutsche Ausdrücke und Sprichwörter an. Sonst wurde in der Schule nur lateinisch gesprochen und gelehrt. Aber alle Schüler hörten und lernten die Perikopen, das „Rosarium" und den Katechismus und zwar zuerst den Katechismus. Daran aber hat bis jetzt niemand gedacht, daß dieses kleine, unscheinbare Rüchlein in ganz Deutschland, wo man nicht plattdeutsch sprach, aber auch teilweise dort, der Vorspann für die deutsche Bibel und ihr Vorläufer und Wegbereiter und also auch für das Neuhochdeutsche gewesen ist. 19. Trozendorfs Werke. In die Art und Weise, wie Trozendorf im einzelnen den Religionsunterricht an seiner Schule betrieben hat, erhalten wir sonst erst genauere Einsicht durch seine Katechismen. Dies können wir indes nur mit der Einschränkung sagen, daß uns auch hier nicht seine eigenen Hefte vorliegen, sondern nur Bearbeitungen von der Hand treuer und fleißiger Schüler und Kollegen. Der Goldberger Brand und der Übergang der Habe an seinen Bruder Franz haben den Verlust schon für seine Kollegen und Schüler, die zu spät der folgen bewußt wurden, und damit auch für uns herbeigeführt. Ziemlich langsam hat die erhaltende Tätigkeit seiner Getreuen ( 'ingesetzt, und das hat bei der zunehmenden Fruchtbarkeit der Zeit an ähnlichen Werken gewiß auf die Verbreitung seines religiöspädagogischen Erbes Einfluß gehabt. Zunächst machte sich der Propst von Schlieben, Mag. M. Vol- landt aus Sprottau, an die Herausgabe des einen Katechismus. Sechs Jahre ungefähr war er Schüler Trozendorfs in Goldberg gewesen. In dem Briefe *), mit dem er am 30. Okt. 1558 dem Herzog Georg IL ein gedrucktes Exemplar übersandte, gab er die Geschichte seiner Ausgabe. 2 ) Um des teuren Mannes Namen und Gedächtnis für die Nachwelt zu erhalten, hatte er danach seinen »Katechismus und Kinderlehre", die er von ihm nachgeschrieben ') St. A.-Br„ Ortsakten Fasz. XV. 2 ) Trooedorfius, V., Catechesis Seholae Goltpergensis . . . Cum Prae- fatione Philip. Melantb. Vitebergae 1558 (Exe. J. Crato). 128 Bl. [Ex.: Breslau, U -B-l- Reu 11,2, S. 773; 11,1, S. 349*f. 138 Entwicklung und Blüte der Sehola ducalis. und kolligiert hatte, während der Zeit, wo er in Wittenberg gewesen (immatrikuliert am 1. Juli 1554, Magister am l.Aug. 1555), mit vieler Mühe und Arbeit in eine gewisse- Ordnung zusammengefaßt und unter Trozendorfs Namen im Druck ausgehen lassen Er hatte ursprünglich die Absicht, den Katechismus Georg II. zu dedizieren, und hatte auch schon die „Epistola dedicatoria" geschrieben; als er aber dafür seine Wittenberger Lehrer zu Rate zog, übernahm Melanchthon die Dedikation, damit man daraus erkennen könnte, was er und andere gelehrte Leute von Trozondorf. seiner Lehre und seinem Leben hielten, und richtete sie an Herzog Heinrich XL, um diesen zu fleißigem Lesen von Gottes Wort anzureizen, und damit er, zur Regierung gekommen, an seinem Yater (Friedrich III.) und seinem Oheim (Georg II.) ein Beispiel als Förderern von Gottes Wort und der freien Künste, d. h. besonders der Goldberger Schule, hätte. Melanchthons Widmung, die wir wenigstens in bezug auf Tro- zendorf schon kennen, war ein für ganz Schlesien höchst schmeichelhaftes und klug auf den jungen schlesischen Herzog aus Piasts Geschlecht berechnetes Dokument. Sein Bedauern, daß diese Gegend, „praesertim cum non alia gens in Germania plures habeat eruditos viros in tota philosophia", noch keine kartographische Darstellung gefunden habe, sollte bald durch einen Breslauer Schulmann, M. Helwig, der vermutlich ein Schüler Trozendorfs war, gegenstandslos gemacht werden. 1 ) Mit großem Lobe gedenkt er der Stadt Breslau wegen ihrer fleißigen Handwerker, ihrer geschäftigen Bürger und ihres um die Studien hochverdienten Rates, des Landes wegen seiner Fruchtbarkeit, seines Reichtums an Erzen, der Bewohner wegen ihrer Sitten und ihres Strebens nach Bildung. „Nee in ulla parte Germaniae plures ex populo diseunt et in- telligunt doctrinas; multi etiam ad poeticam et ad eloquentiam idonei sunt." Als Beispiele nennt er C. Ursinus Velius, J. Rosinus, G. Logus und J. Langus, den ehemaligen Goldberger Rektor, deren Gedichte die gelehrtesten Männer Italiens gelobt haben. Die Kirchen fast der ganzen Gegend sind in frommer Übereinstimmung, viele, die in den Städten lehren, verstehen die lateinische, griechische und hebräische Sprache und beweisen die Frömmigkeit ihres Gemüts durch wahre Anrufung Gottes in der Erkenntnis des Mittlers und in dem Vertrauen auf ihn. Nachdrücklich pries er das Verdienst Trozendorfs um diese Eintracht, das seiner Schule und seiner „Catechesis" und spendete hohe An- l ) Bauch, Reformation S. 118. Trozendorfs Werke. 13') Erkennung nicht nur Friedrich III. und Georg II. als den Erhaltern der Schule, sondern, wie es sich gebührte, auch dem Großvater Heinrichs XL, Friedrich IL, dessen Frömmigkeit man die Errichtung der Schule verdankte. Dadurch, daß Vollandt nirgends, auch außerhalb der Vorrede nicht, erwähnt wird, tritt er gänzlich zurück, nichts lenkt von Trozendorf ab, und die Bedeutung seiner „Catechesis" wird in ein helles Licht gestellt. Me- lanchthon hätte nur noch auf das pädagogische Geschick und die Klarheit und Durchsichtigkeit der Darstellung seines Schülers besonders hinweisen können. Wenn wir nun zu dem Katechismus selbst übergehen, müssen wir noch einmal vorausschicken, daß die Grundlage aller Kate- chisation an der Goldbcrger Schule Luthers „Kleiner Katechismus" war, den Trozendorf als den Morgenstern und die liebe Mittag- soune, wie Helmrich sagt 1 ), eingeführt hatte. Dieser war also der erste Katechismus der Schule und alle andern nur seiner Auslegung gewidmet. Nicht als den zweiten, sondern als den letzten müssen wir Vollandts „Catechesis" bezeichnen, da sie nur für die am weitesten fortgeschrittenen Schüler zu verwenden war und zwar zu der Zeit, wo die Schule in voller Blüte stand und sechs Klassen zählte; denn sie setzt einige Kenntnis des Hebräischen und eine gründlichere des Griechischen voraus. Das Jahr der Entstehung des Ilaupt- stoffs wäre festzustellen, wenn man wüßte, von welchem Zeitpunkt aus Trozendorfs Erzählung bei der Frage nach der Notwendigkeit ues Katechismus in der Schule 2 ) von den Gegnern seiner „Catechesis" zu verstehen wäre: „Anni sunt iam septemdeeim, cum in hoc ducatu regnarent fanatici quidam aocpoi, qui specioso praetextu volobant mihi adimere Catechesin et e schola excutere. Ego ro- spoudebam: Si Catechesis mihi adimitur, habeo missiouem aulicam. Nam Catechesis est quiddam substantiale scholarum." Da mit diesen Gegnern nur die Schwenckfeldianer gemeint sein können, hätten sich ihre Angriffe nur gegen die Art und Gestalt von Trozendorfs Katechese richten können, denn V. Krautwald hat schon 1525 oder 1526 an eine Katechese gedacht 3 ), Schwenckf'eld 4 ) und J.S.Werner 5 ) —^^Katechismen drucken lassen. ') Helmrich iu der ersten Widmung zu seinem deutschen Katechismus '»n 1578. ') Trozendorf, Catechesis Bl. Bö. 3 ) Eber lein S. 1—48. Cohrs, F., Die evangelischen Katechismus- versuche vor Luthers Enchiridion. Bd. 4. Berlin 1902. XXXIX, 431 S. Mon. Germ. Paed. 23, S. 196 f. *) ReulI,l,S.846«;II,2,S.757f. ») Ebenda 11,1, S.346*; 11,2, S.762f. 140 Entwicklung und Blüte der SSehola ducalis. Trozendorf definiert „Catechesis" durch „Est prima institutio no- viciorum et rudiura in Ecclesia; principales articuli doctrinae coelestis excerpti ex scriptia Prophetarum et Apostolorum cum puerili enarratiuncula proponuntur (viva) voce, non scriptis, et dictata illa deinde reposcuntur ab auditoribus." Er katechisierte also nicht, indem er durch an die Schüler gestellte Fragen aus diesen die erwünschten Antworten hervorlockte, sondern trug seine Lehren, in Frage und Antwort geteilt, mündlich vor, die ebenso, nach seinem Diktat schriftlich aufgenommen und auswendig gelernt, wieder mündlich aufgesagt wurden. Noch deutlicher spricht er sich in seiner „Praefatiuncula" darüber aus, in der er davon ausgeht, daß Christus selbst „Doctrinae coelestis Studium et meditationem", d. h. den Katechismus, „gravissimis verbis" den Menschen empfehle, indem er Johannis 5, 39, zu den Jüngern sage: „'EßevvaTe mg ygarpäg . . ." in der Erklärung zuerst das Wort egevvdaj von egeo {Ego/xai) und evvi] (Lager) ableitet und mit „qui scrutatur inter- rogando immoratur" erklärt und dann fortfährt: „Deinde etiam hoc observandum, quod [Christus] dicit: 'Scrutamini!', non vult [ho- mines] esse iudices et censores, ut faciunt fanatici et haeretici, sed diseipulos et auditoros, qui haec scripta non ad normam humanae sapientiae revocant, sed sunt admiratores et manent semper disci- puli et catechumeni." Und weiter spricht er: „Scriptura autom est testimonium de Iesu Christo et testimonium requirit simplicem as- sensionem. Ergo testimonium vult fide apprehendi, non ad normam rationis diiudicari; requirit lectores, diseipulos et catechu- menos ... In catechesi summa doctrinae coelestis est contraeta in pauca capita, ut pueri et rudiores possint corpus doctrinae com- plecti et animo comprehensum secum circumferre. Quare iuxta Bartholomaei dictum catechesin recte vocamus parvum Evangelium." Die „Praefatiuncula" hat nicht nur die „Catechesis" im Auge, sondern Trozondorfs gesamte katechetische Tätigkeit von unten an, denn die „pueri et rudiores" kommen hier kaum in Betracht; aber auch die „Catechesis" und sie vorzüglich ist dogmatisch-exegetisch nach ihrem Inhalt. Die Exegese geht jedoch in einer ganz eigentümlichen Weise vor sich, die überall zuerst den praktischen Schulmann verrät, der selbst trotz aller tiefen Frömmigkeit den Theologen zuweilen beiseite schiebt. So fällt z. B. auf, daß er in einem theologischen Werke Homer, Hesiod, Pindar, Epicharm, Menander, Euripides, Athenaeus, Aeschines, Isocrates, Plutarch. Aristoteles, Hippocrates, Cicero, Terenz, Ovid zitiert. Ganz schulmäßig ist Trozendorfs Werke. ] 4*1 seine Behandlung, wenn er z. 13. nach Anführung des Spruchea „Ex ore infantium et lactentium perfecisti tibi laudem" (Matth. 21, 16, ex Psalmo 8, 3) zur Begründung der „Kinderlehre" als Beweis dafür, daß die Katechese Gott gefalle, die „Sententia huius dicti" gibt und daran eine ausführliche „Enarratio grammatica singulorum verborum" anhängt. Noch schärfer tritt das Schulmäßige bei der Verwendung der dialektisch-logischen Methode hervor, obgleich er r bis zum ,1. 1534 blieb, indem er dann Beförderung erhielt. Viertes Kapitel. Die Epigonen zeit der fürstlichen Schule. 1. Martin Thabor als Rektor der wiederaufgebauten Goldberger Schule. Am Begräbnistag Trozendorfs l ) hatte M. Thabor mit der Schule gebetet: „Wir bitten dich, heiliger Gott, daß du die Schwierigkeiten milderest, die dem Tode eines solchen Mannes folgen werden, und einen an seine Stelle setzest, der mit gleicher Treue und Sorgfalt der Jugend vorstehen könne, und unsere Studien so leitest, daß wir in derselben Weise das Leben beschließen." Als dem ältesten Lehrer fiel ihm selbst die vorläufige Leitung der Schule zu, so wie er sie schon in den Krankheitstagen ihres Rektors vertreten hatte. Es bewegte ihn zunächst, wie nach seinem Urteil über die Einwirkung der Nähe des Hofes auf die Disziplin der Schule nicht zu verwundern ist, nur der Gedanke, die Schule sobald als möglich wieder nach Goldberg zurückzuführen. Noch am 20. Aug. 1356 hatten, wohl in Nachahmung der höfischen Sitten, zwei Schüler der Schule, ein Sohn des Breslauer Bürgers S. Williger und ein Sohn des ehemaligen Liegnitzer Bürgermeisters M. Jeschke im Scherz gefochten 2 ), und der junge Jeschko war tödlich verletzt worden. Doch dem Wunsche Thabors stand noch der bauliche Zustand des alten Klosters im Wege, trotzdem seit dem Brande fast zwei Jahre ins Land gegangen waren. Am 24. Jan. 1556 hatte der Herzog Georg II. als Vormund im Liegnitzer Fürstentum ein bittweise abgefaßtes offenes Mandat 3 ) an alle geistlichen und weltlichen Prälaten, Herrn, Ritterschaften, Adlige und Bauernschaften im Goldberger Weichbild ergehen l ) Thabor, M., Preeatio pro conservatione scholae post mortem Troce- dorfij. Trozendorf, Precationes v. 1581 Bl. V6 V —V7. *) St. A.-Li., Acta publica N. 6, fol. 226, 295. ») St. A.-Br., F. Liegnitz III 9a. Martin Thabor als Rektor der wiederaufgebauten Goldberger Schule. 1 71 lassen, in dem er unter Anerkennung, daß sie den Abgebrannten bereits mit Fuhren zu Hilfe gekommen wären, erklärte, daß doch wegen Mangels an Holz die Kirche und die Schule bisher noch nicht hätten erbaut werden können. Die hohe und unvermeidliche Notwendigkeit erfordere aber, wofern nicht die Gewölbe und Giebelwände eingehen sollten, sie unter Dach zu bringen. Daher sollte ein jeder Bauer von einer Hufe bald eine Fuhre Holz aus dem Hainwald nach Goldberg schaffen. Trozcndorf hatte schon im Herbst 1555 mit der Wiederherstellung wenigstens der Zäune des Schulgrundstücks und im Winter mit dem Eindecken der Dächer mit Schindeln, die er aus Jauer bezog, begonnen. 1 ) Er selbst hatte beschleunigend auf die Handwerker einzuwirken gesucht und den zurückgelassenen Z. Bart zu seinem Bevollmächtigten bestellt. Noch am 21. April 1556, am Morgen des Tages, an dem ihn der Schlag rührte, hatte er durch eine Botenfrau Geld nach Goldberg geschickt. Reiche Gaben ermöglichten, wenn nur die Arbeit geleistet werden konnte, den Wiederaufbau. 2 ) Von Breslauer Bürgern hatte der Ecclesiast zu S. Elisabeth in Breslau Mag. Joh. Scholz 200 Taler gesammelt, der Bürger Pfintzing schickte von dorther allein 60 Reichstaler und der Bürger J. Geppel ebenso 60 Taler. Der Edelmann Tschaurich in Lobendau gab 60 Joachimstaler, die Witwe Tscließ 50 Mark und E. von Nostitz auf Dammitsch 50 lleichs- taler. Die Thorncr sandten 50 ungarische Gulden. Der Herzog Georg überwies 1559 zum Ausbau der Schule 100 Taler von der Strafe, die er dem Goldberger .T. Aßmann wegen Ehebruchs auferlegt hatte. 3 ) Später, 1563, nahm Thaburnus aus dem Holze des Schulwalds noch 200 Taler ein. 4 ) Thabor übernahm auch die Bauleitung, und im Herbst 1556 waren die Arbeiten an der Schule so weit gediehen, daß die fertigen Räume zur Not die noch wenig zahlreichen Schüler wieder aufnehmen konnten. Thabor zögerte daher nicht länger, sich mit den Schülern auf den Weg nach Goldberg zu machen. Am 28. Okt. ging die Wanderung vor sich, und in einem Gebet zu Gott r, J, das er sogleich nach der glücklichen Ankunft mit der Schule verrichtete, sprach er: „Wir sagen dir von ganzem Heizen Dank, daß du immer deiner Kirche und ') Bauch, Bart S. 37. 2 ) E b e n d a S. 28, 38. ») St. A.-Br., F. Liegnitz III 9a, fol. 354. 4 ) Bauch, Bart S. 28. 8 ) Thabor, M., Gratiarum actio pro reduetione scholae, quae Gold- bergam redijt i">. Cal. Nov. An. 1556. Trozendorf, Precationes von 1581 Bl.V7v_ V8 V . 1 72 Die Epigonenzeit der fürstlichen Schule.' den Schulen beistehst, die deine Lehre pflegen, und die verdienten Strafen milderst und dies auch durch unser Beispiel gezeigt hast. Denn obgleich du diesen Ort wegen unserer Sünden nach deinem gerechten Urteil durch Feuer furchtbar hast zugrunde gehen lassen, hast du doch anderswo die Herzen Frommer gerührt, daß sie, durch wahre Frömmigkeit bewogen, für diese elende Schule sorgten, ihr eine Herberge gewährten und mit allen Dingen halfen. Nachdem aber durch die Mühe und Hilfe der Guten nach deinem wunderbaren Rate der Schulbau teilweise wieder hergestellt worden ist, hast du die Schule in ihren schon viele Jahre berühmten Sitz wieder zurückgeführt. Für diese großen "Wohltaten sagen wir dir herzlich Dank und bitten dich, ewiger Vater, zugleich, daß du dir wegen deines lieben Sohnes, unsers Mittlers und Fürbitters, diesen Ort empfohlen sein lassest und dir geheiligt wollest, ihn vor allen Übeln und Gefahren hütest und den Teufel, den Hauptfeind der Kirche und der Schulen, zurückdämmest, der durch seine Organe, die Schwärmer und Papisten, unsern Studien mancherlei Fallstricke zu legen trachtet. Gib, daß die Lernenden in deiner Furcht leben und die nach Lehre und Ehrbarkeit Strebenden Gehorsam und Fleiß beim Lernen der Wissenschaften betätigen. Und da die verbrannte Schule ihren Führer und Lehrer, den ehrwürdigen Greis Valentin Trozendorf nach deinem Willen verloren hat, so erwecke nach diesem, das bitten wir, andere und leite sie durch den heiligen Geist, daß sie treulich und fleißig der Jugend vorstehen und sie in der nützlichen, notwendigen, heilsamen, von dir gebilligten Lehre unterweisen und unterrichten, daß auch an diesem Orte immer sei und bleibe eine Versammlung, die deinen Sohn, unsern Heiland, recht erkenne, wahrhaft liebe und mit wirklichem Eifer sein Wort zu erhalten trachte. Auf daß immer dein Name geheiligt sei etc. Amen." Der endgültige Nachfolger Trozendorfs war schon gefunden.' Herzog Georg II. bestimmte Thabor dazu 1 ), und als dieser um eine schriftliche Bestätigung bat, schickte an deren Stelle der Herzog am 25. Nov. den folgenden Befehl an den Liegnitzer Hauptmann S. von Bock, der sich auch über den Bauzustand der Schule und über die Abstellung der Gehaltsnot der Lehrer ausläßt: „Wie der wolgelerte unser lieber Getreuer Magister Martinus Thabor, Professor der Schulen zum Goltberg, an uns gelangen lossen, das werdet ihr hierinverwart genugsams czu vornehmen haben. Und soviel erstlich seine Bitt umb die Confirmation seines ') St. A.-Br., F. Liegnitz III 9a, fol. 152. Martin Thabor als Rektor der wiederaufgebauten Goldberger Schule. 173 Ampts anlanget, achten wir vor unnoten, das ieme dieselbige schrieftlicb solte gegeben werden. Domit ehr aber gleichwoll, wie nielit unbillich, für einen Preceptor und Schulmeister geehret und gehalten werde, so ist unser Beuehlich, das ihr euch auf einen fordersamen Tagk neben dem Hauptmann czum Goltpergk aldohin begeben, seine Collegas und Discipulos für euch erfordern und ienen anczeigen, das wir gemelten Magister Martinum Thabor aldohin zuen einem Schulmeister auf- und angenohmen, ieme auch Macht und Gewalt mitgegeben haben, do er seiner Collegaten irgent einen zue seinem Ampt nicht tuglich befinde, das ehr denselben apsezen und einen anderen an seine Stelle ordnen möge. Derohalben wollet ienen auflegen und beuelhen, das sie deme alle Ehrerbittungk, auch geburlichen Gehorsamb geleisten und sich gegen ieme nicht wiederwertig beweißen und erzeigen ßollen. Do ehr alsdann ferner unser Kundschaft oder Bekenntnus bedorfen wurde, soll ieme dieselbe auch mitgetheilet werden. Was aber die Erbauung der Schulen doselbst betrieft, ist auch unser Beuehlich, ihr wollet ehs mit allem Vleiß besichtigen, was noch doran czue bauen ist, und unß dasselbige alsdann czue berichten nicht underlossen. Dieweile aber dasselbige icziger Czeit nicht woll geschehen khann, werden sie bis auf den Fruling domit Gedolt haben müssen. Wir haben auch vornohmen, das Nickel Schräm czue Haynau iczlich Gelt, das frembde Leuthe czue Erbauung dieser Schulen sollen gegeben haben, bein sich haben ßoll. Desselbigen wollet euch bein ieme erkundigen. Welches alsdann auch konnde dorczue gebraucht werden. Was wir sonsten werden helfen können, das wollen wir auch zue thuen nicht underlossen. Zum dritten, der Collegen Besoldung belangend, ist unser genediger Beuehl, dieweile die Schule billich gefordert wirt, ir wollet doselbest in der Rentkhamer die Vorordnung und Einsehungk thuen, das ienen ihre Besoldungk allewege zue einer jeden ge- burenden Zeit vorrichtet und zuegestellet werde, domit sie nicht derohab viele Muhe brauchen dorften. Dornoch ihr euch hapt zue richten undt vorpringt hieran unseren Willen und Meinung. Datum Briegk am Tage Catharinae Anno im 1556." Die Bemerkung, daß zur Zeit für den Schulbau wohl nichts geschehen könnte, war wegen der Jahreszeit und der bergigen hegend gewiß zutreffend. Aber schon am 5. Jan. 1557 erging ein neues offenes Mandat 1 ) an die Getreuen im Goldberger Weichbild. Da zur Erbauung der Kirche und der Schule in Goldberg Holz ') St. A.-Br., F. Liegnitz III 9a. 174 D' e Epigonenzeit der fürstliehen Schule. vonnüten sei, das ohne ihre Hilfe nicht zur Stelle gebracht werden könnte, sollten alle ihre Untertanen, „wie der mann gesessen und die dozu zwei pf'erden" hätten, je zwei zusammenspannen und sobald wie möglich eine Fuhre mit Bauholz aus dem Hainwald nach Goldberg tun. Daß sein früheres Mandat von einigen nicht befolgt worden sei, daran habe er gar kein Gefallen getragen. Noch 15(50 aber war das Kloster nicht wieder vollständig ausgebaut. 1 ) Thabor also hatte zwei Aufgaben gleichzeitig zu erfüllen: den Ausbau der Schule weiterzuführen und die Schule aufs neue aus den von Liegnitz mitgebrachten Schülern und den in Goldberg zurückgebliebenen zu organisieren sowie ihr möglichst den alten Glanz wiederzuverleihen. Der Lehrerstab, der ihn umgab und ihm zur Hand gehen mußte, bestand vorläufig nur aus fünf Kollegen. Die erste Stelle hatte nunmehr J. Heniochus inne. G. Hclmrich, der am 5. Sept. das Rektorat in Liegnitz aufgesagt hatte, folgte als zweiter Lehrer zum Quartal Luciae (13. Dez.) nach Goldberg nach. 3 ) Der Liegnitzer Rat gab ihm am 19. Dez. die gewünschte Kundschaft, d. h. ein Zeugnis über seine Tätigkeit im Dienste der Stadt. 4 ) Z. Bart war der drifte in der Reihe. B. Krumbhorn führte das Kantorat, und A. Blümel wirkte als Katechet. Diese Lehrerzahl setzt aber immerhin voraus, daß die Schule bald nicht mehr ganz klein war, sondern wieder zuzunehmen anfing, denn eigentlich fehlte gegenüber dem Stande von 1552 nur der Lector Institutionum. Es war keine Kleinigkeit für Thabor, der Nachfolger eines Trozendorf zu sein. Er genoß zwar das Vertrauen Friedrichs III. und Georgs II., doch seine Tätigkeit an der Schule als Mathematiker war doch ursprünglich ziemlich einseitig gewesen. Als aber die Schule in Liegnitz den Gräzisten G. Helmrich verlor, war er für diesen als Ersatz eingetreten und hatte über Grammatik und zwar nach Melanchthon, Isocrates, Lycurg, die „Hecuba" des Euripides und ähnliche Bücher gelesen. s ) Ebenso hatte er hebräische Grammatik gelehrt und einige Psalmen behandelt, so daß sich seine Fächer gemehrt und seine Erfahrungen geweitet hatten. In Goldberg hatte er sich schon früher eingelobt und 1548 die Witwe des älteren G. Helmrich, Katharina geheiratet, so daß er der Stiefvater des jüngeren Georg geworden war und Grundbesitz ') Im Rektorat des Heimich Paxmann. 2 ) St. A.-Li., Acta publica N. 6, fol. 275. ') Ebenda fol. 291. 4 ) Ebenda. '■) Claius, Schola Bl. 06\ Thabors Nachfolger Heinrich Paxmann. 175 erworben hatte. Unter Friedrich III. war er 1550 und 1551 noch Mitglied des Rates als Vogt gewesen. Diese Beziehungen hielten ihn in Goldberg auch fest, als er sich schon 1558 entschloß, das Rektorat niederzulegen. Sein gleichnamiger Sohn gibt als Grund für den Entschluß an: „scholasticorum laborum pertaesus"; das ist jedoch wohl nur eine billige Redensart, denn der Vater blieb auch weiterhin Lehrer an der Schule. Eher könnte man annehmen, daß ihn die unsichere Lage der Schule im J. 1558 dazu veranlaßt habe. Der Herzog Friedrich III. nämlich, der bei seiner schlechten Finanzwirtschaft vor der Notwendigkeit stand, einen erheblichen Teil seiner Gebiete verpfänden zu müssen, ließ zwar am 18. März 1558 an Melanchthon schreiben 1 ), daß er nach Liegnitz kommen und die Schulen im Fürstentum visitieren sollte, äußerte aber dabei auch, daß, wenn er sich des Goldberger Gebiets begeben müßte, die Schule nach Liegnitz versetzt werden würde. Diesen Wunsch hatte der Liegnitzer Rat ihm gegenüber zum Ausdruck gebracht. 2 ) Wir kennen die Anschauungen Thabors über das llofleben, auch in Liegnitz, und seine Einwirkung auf die Schuldisziplin und können also wohl verstehen, daß er, wenn die Verlegung wirklich nochmals erfolgte, dann nicht sonderlich bereit war, die schwere Verantwortung, die ihm als Leiter der Schule zufiel, zu tragen. Was er selbst als Grund der Kündigung angegeben hat, ist unbekannt. 2. Thabors Nachfolger Heinrich Paxmann. Die Entlassung wurde ihm in Gnaden erteilt, vielleicht weil er Lehrer bleiben wollte, und er erhielt als Zeichen des Vertrauens sogar von Herzog Friedrich III. den Befehl, für die Wiederbesetzung des Rektorats mit Sorge zu tragen. 3 ) Ausgestattet mit herzoglichen Briefen reisten deshalb der Liegnitzer Pfarrer und Superintendent Mag. G. Seiler und er nach Wittenberg, um sich mit Melanchthons Hilfe ihres Auftrags zu entledigen. Friedrich III. hatte auch die Intervention des Kurfürsten August von Sachsen angerufen 4 ), und so bezeichnete Melanchthon seinen angeheirateten Verwandten Dr. Heinrich Paxmann aus Burgwodel im Hannoverischen als den geeigneten Mann. Paxmann, dem auch noch drei andere Angebote zugegangen waren, nahm die Berufung nach Goldberg an und ') ThebesiosS, S. 115. s ) St. A.-Li., Acta publica N. f., fol. 285b. 3 ) St. B.-Br., Wenzel nach deni Leben Thabors von seinem Sohne. *) S. unten die Briefe Paxmanns an Heinrich XL ] 76 Die Epigonenzeit der fürstlichen Schule. reiste zum November 1558 dorthin ab. Obgleich^Arzt, hatte er doch jahrelang als philosophischer Dozent gewirkt und blieb auch später bei dieser Fakultät, so daß er wohl die wissenschaftliche Befähigung für die Übernahme des Rektorats besaß. Am 11. April 1547 war er in Wittenberg als Student eingetragen worden, hatte am 11. Febr. 1550 das Magisterium erworben und schon am 18. Okt. 1551 gleichzeitig mit M. Neander und T. Heshusius in den Senat des Collegium philosophicum, d.h. der Fakultät, als ordentliches Mitglied Aufnahme gefunden. Im Wintersemester 1556/7 bekleidete er das Dekanat, und während desselben wurden am 22. Jan. 1557 Mag. P. Vincentius aus Breslau, der Ausbauer des Görlitzer Gymnasiums, erster Breslauer Schulinspektor und Rektor zu St. Elisabeth, und am I.Mai 1557 der Gegner des A. Musculus: A. Praetorius und der gekrönte Poet J. Scliosser von der Fakultät rezipiert. Als Dekan disputierte, er am 11. Dez. 1556 „De partibus humani corporis et de methodo". Er promovierte am 5. Jan. 1557 einen Bakkalar und ebenso am 2. Febr. den Sohn des Bürgermeisters H. Krapp, Jakob, Melan- chthons Neffen. Anfang 1557 forderte er auch durch öffentlichen Anschlag zur Meldung zum Magisterexamen auf 1 ) und lud am 2. Febr. für diesen Tag zum Examen ein. 2 ) Außer dem Dekan examinierten Melanchthon, Peucer und noch drei andere Magister. Es mag trotz der winterlichen Zeit ein heißer Tag gewesen sein, denn nicht weniger als 48 Magistranden wurden am 16. Febr. promoviert. Unter den neuen Magistern war der Holsteiner 0. Günther, den Paxmann als ersten philosophischen Dekan der Julia wiedersehen sollte. Von seinen Vorlesungen erwähnt Claius 3 ) Demosthenes, Homer, Dialektik und Physik, und erhalten sind seine Anschläge vom 18. Aug. 1555, in denen er Vorlesungen über Aristoteles „De anima" ankündigt 4 ), und vom 10. Mai 1556, durch den er zur Erklärung der Kommentarien Caesars über den gallischen Krieg einlud 5 ), die er nicht bloß wegen der historischen Kenntnis und des schönen Lateins, sondern auch aus patriotischen Gründen empfahl. Diese Vorlesung mußte er einmal unterbrechen. Er hatte sich verheiratet, und seine Gattin Margarete starb am 6. Sept. bei der Geburt eines Knaben. In dem Anschlag 6 ) pries er die >) Scripta III, Bl. 40. 2 ) Ebenda Bl. 56 T , 61. 3 ) Claius im Epicedium für Henning Paxmann, Bl, Cijf.: s. u. S. 192, Anm. 2. *) Scripta II, Bl. 275. ») Ebenda II, Bl. 393. «) Ebenda III, Bl. 14, 14*, 17vf. Thabors Nachfolger Heinrich Paxmann. 177 Tugenden der Verstorbenen und erklärte, daß er wegen seiner trostlosen Lage einige Tage aussetzen würde. Der Rektor J. Milien teilte den Todesfall der Universität mit und zeigte das Begräbnis für den 7. Sept. um 4 Uhr an. J. Chesselius (Caselius) widmete ihr am 16. Okt. ein griechisches Gedicht. Seine Gattin scheint der Familie Krapp angehört zu haben, denn er nennt Melanchthon seinen Gevatter und Schwager. Der Sohn scheint seine Mutter auch nicht lange überlebt zu haben. Jm J. 1557 hielt Paxmann als Braunschweig-Lüneburger 1 ) die von Melanchthon geschriebene Rede auf Herzog Ernst von Braunschweig. Das Thema seiner Disputation von 1556 und seine Vorlesungen über Physik lassen erkennen, daß er sich als Magister neben seinen Vorlesungen dem Studium der Medizin zugewendet hatte. Kurz nach dem Tode der Frau wurde er von dem Dekan der Mediziner, Dr. J. Milichius, zum Examen zitiert 2 ), am 16. Juni 1557 wurde die bei der Erwerbung der Licentia übliche „Quaestio" von ihm gelöst, und am 17. Juni wurde er zusammen mit J. Göbel aus Zwickau von dem Dr. J. Hermann, dem nachmaligen Kryptocalvinisten, mit eiuer Rede feierlich zum Doktor promoviert. Den Druck der Rede begleiteten mit glückwünschenden Versen der Dichter J. Schlosser, der nachmalige gräflich lippische Kanzler und Rat Mag. J. Tintius oder Tunte aus Hameln und Ch. Schellenberg aus Annaberg. Herzog Friedrich III. teilte seinem Bruder Herzog Georg II. mit, daß er Paxmann zum Rektor der Goldberger Schule bestellt habe, und ersuchte ihn als den Pfandherrn von Goldberg, jemanden für den 11. Nov. 1558 zur Einsetzung und völligen Bestätigung ') Oratio De Ernesto Duce Brunsuicensi; recitata a Henrico Paxrnanno • • • 1557. Melanchthon, Ph., Selectarum declamationum quas conscripsit *t partim ipse in Schola Vitebergensi recitavit, partim alijs recitandas ex- nibuit. T. 4. Argentorati 1558. 4 Bl., 933 S., 16 Bl. [Ex.: Breslau, U.-B.] S.650f. J ) Hermann, J., Oratio recitata . . . cum decerneretur gradus Doctorum irtis Medicae . .. D. Henrico Paxmanno Burguuerensi . 4°. Epithalamia In ... Magistri Georgii Isingii. Scbolae Carnouiensis Moderatoris . . . Et ... virginis Catharinae . .. Magistri G. Helmrici . . . Scholae Goldberg. Prof. . . . filiae. Oorlicii Exe. A. Fritsch. 1575. 4°- Ein Bruchstück einer dritten Sammlung von Epithalamien auf der Breslauer Universitätsbibliothek, angebunden der „Chrysoris" des V. Ludovicus 1697. *) Carmen Graecum De Officio Magistratus Politici In Gratiam Et Honorem Inclytae Reipublicae Freistadiensis, Scriptum A Paulo Jungio ••• Scholae Hersperg. Collega. Vitebergae Exe. J. Crato. 1571. 4°. Das Lehrerkollegium in Thabors Zeit. 239 ist. 1575 widmete er Sigismund von Knobeisdorf auf Ochel-Herms- dorf eine Elegie auf den Tod Friedrichs von Knobelsdorf 1 ), des Patrons Sigismunds. Jungius gehörte 1579 zu den Zeugen von Thabors Auflösung und verließ am 10. Juli 1580 Goldberg, um an der Schule zu Meseritsch in Mähren Lehrer zu werden. 2 ) 1584 wurde er an Stelle des entlassenen L. Besler an dem Brieger Gymnasium Lehrer der Sprachen, las Griechisch und Hebräisch 3 ) und erklärte besonders Homer und Hesiod. 1584 verheiratete er sich mit einer Briegerin; sein Rektor M. Tilesius und sein Kollege M. Severus schrieben dazu Gedichte. 4 ) Er selbst hat noch Gedichte aus den Jahren 1596 und 1598 hinterlassen. Schon 1605 ist er gestorben. Der Lehrer der Rhetorik und Erklärer Ciceros Mag. K. Kifer aus Goldborg ist schon am 28. Sept. 1559, also noch zu Lebzeiten Melanchthons, in Wittenberg eingeschrieben, und erst im Sommersemester 1567 bucht ihn die Frankfurter Matrikel. Wo er Magister geworden ist, doch wohl in Wittenberg, kann man nicht feststellen und ebensowenig die Zeit, zu der er nach Goldberg kam und wieder ging. In Wittenberg schrieb er 1568 für den Mag. K. Suevus aus Löwenberg ein „Propempticon" B ), als dieser nach Löwenberg aufbrach, um das Rektorat der Schule in der Vaterstadt zu übernehmen. Seine spätere Wirksamkeit als Rektor der Schola ducalis besprechen wir an ihrem Orte. Von Mag. D. Mramerus aus Sorau weiß man, daß er im Sommersemester 1572 seine Studien in Frankfurt a. 0. begann und dort am 12. April 1576 Bakkalar und Magister geworden ist. Nach Bart wurde er 1578 Lehrer in Goldberg; doch schon am 10. Sept. 1580 starb er als Tertius. Ein Lehrer mehr von der Stellung,, wie wir sie bei L. Cirkler gesehen haben, dürfte H. Landek aus Goldberg 6 ) gewesen sein. ') Elegia De Obitu Friderici A Knobelsdorff . . . Scripta A. M. Paulo Jungio ... Francofordiae e.V. 1575. 2 ) St. B.-Br., Bart fol. 202b. *) Schönwälder u. Guttmann S. 51, 66. 4 ) rafir)hov Tn sacrum Nuptiale . . . Magistri Pauli .Tungii, Prof. Illustris Scholae Bregensis ... Et virginis Hedwigis . . . , M. Kirstii, ciuis Bregensis re- hetae filiae, . . . Mel. Severi. 1584. die 9. Noueinb. o. O. u. J. fol. s ) Propemptica Duo ... M. Caspari Sueuo Leorino, Witeberga In patriam vocato ad gubernationem Scholae, scripta ab amicis, M. Ad. Francisco et Casp. Kifer. Witebergae Exe. J. Schwertel. 1568. 4". ') Buchwald2, S. 166, N. 1160. 240 Die Epigonenzeit der fürstlichen Schule. Ein Schüler von Trozcndorf ging er im Sommersemester 1556 nach Wittenberg und blieb dort ungefähr zwei Jahre. Von da ging er nach Mähren und war fast fünf Jahre Lehrer adliger Knaben auf der Burg Fulnek. Hier erreichte ihn 1564 der Ruf zum Lehrer in Goldberg. 1572 wurde er von Barbara von Biberstein, der Witwe des Herrn von Tirtschky, als Pastor in das Dorf Rosenberg in Mähren berufen. Der Kantor P. Rantzbach aus Goldberg hat sich im Wintersemester 1560 in die Frankfurter Matrikel eintragen lassen. Bis 1574, wo er Pastor in Alzenau wurde 1 ), war er Kantor. 1597 nennt ihn S. Grunaeus dazu noch „Senior Goldbergcnsis". 2 ) Sein Nachfolger als Kantor wurde D. Günther aus Liegnitz, geboren 1545. Man findet ihn zum 11. Nov. 1572 im Wittenberger Album. Nach seiner Goldberger Tätigkeit wurde er Diakonus zu St. Peter und Paul in Liegnitz und von 1592 ab als Krumbhorns Nachfolger Pfarrer und Senior in Waldau 3 ), wo er 1613 starb. Auf Günther folgte im Kantorat Johann Scholtz (Scultetus) aus Sagan. Akademische Bildung scheint er nicht erhalten zu haben, sondern ein Schüler von Goldberg gewesen zu sein. Im November 1578 heiratete er, schon als Kantor, die Tochter des Goldberger Bürgers G. Klemm, Maria. G. Helmrich schickte den von den Freunden J. Hainschmid, G. Tilenus, D. Quesuitius Brigensis gespendeten Ilochzeitsgedichton 4 ) fromme moralische Sentenzen voraus und ein langes Epithalamium, auf das er wieder „Moralia" folgen ließ. Die alten Goldberger Schüler Hainschmid und Tilenus nennen Scholtz ihren alten Freund oder Sodalen. Das Ganze schloß Helmrich mit „Precationes". Scholtz ist in drei Rektoraten Kantor gewesen. Der noch zu erwähnende Sukzentor, d.h. Gehilfe des Kantors, M. Ashelm ist für uns ein unbeschriebenes Blatt. Der Katechet A. Blümel aus Sagan, den 1554 nach dem Brande Trozcndorf dem in Goldberg zurückbleibenden Z. Bart für den Unterricht der gleichfalls in Goldberg bleibenden Knaben als Katechet zugesellt hatte, hat noch unter Paxmann und Thabor als Katechet gedient, bis er im Oktober 1565 in Wittenberg zum Pastor in Röchlitz ordiniert wurde 5 ), wohin er von dem Hauptmann ') Bhrhardt4, S. 514. 2 ) »St. B.-Br., Rhediger, Brief des Simon Grunaeus vom 17. Okt. l^ 97 -.... a ) Valentin Hedwiger, Leichpredigt für M.Simon Grunaeus 1628. Bl.Gmj- *) S. o. S. 228, Anm. 2. *) Buch wald 2, S. 51, N.531. Thabors Schaler. 241 A. von Bock berufen war. Zu dieser Zeit mag er sieh mit Barbara Fürstenwaldc verheiratet haben. Claius dichtete ihm ein „Epithalamium". 1 ) Blümel soll 1590 in Röchlitz gestorben sein. Der nächste Katechet war Gregor Werner, von dessen Verhältnissen wir gar nichts wissen, als daß er später Lehrer und nicht meht bloß Katechet gewesen ist. Er war aus Goldberg, wo die Familie Werner mehrfach im Rate erscheint. Als er schon lange Schöppe war, schrieb er 1618 ein Gedicht zur Hochzeit des Rektors J. Molideus. 2 ) 8. Thabors Schüler. Zum Schluß tun wir noch einen Blick auf den Besuch der Schule in Thabors Rektorat. Haben wir von Paxmanns Zeit schon gehört, daß sich die durch Pest und Feuer wie durch den Tod Trozcndorfs schwer bedrängte und zusammengeschmolzene Schule wieder kräftig zu erholen anfing, so berichtet ihr Schüler aus den Jahren 1566 und 1567 H. von Schweinichen 3 ), damals wären an Herren und Adelspersonen über 140 Studenten allda gewesen ohne die andern, deren über 300 waren. Die stattliche Zahl der Schüler barg wie früher auch Elemente, die sich in die Disziplin nicht fügen wollten. So warfen einige Schüler, wie wir gehört, dem Lehrer Claius nächtlicher Weile aus Rache mit Steinen sein Fenster ein. Mit Namen können wir nur die folgenden Schüler Thabors anrühren, die aber doch zeigen, daß die Schule noch immer Anziehung über die Grenzen Schlesiens hinaus übte. Nur kurz haben wir hier die Schüler und späteren Kollegen Thabors Dr. J. Fleischer aus Breslau, Mag. P. Jungius aus Freystadt und Mag. G. Isingius aus Löwenberg zu erwähnen. Mit ihm besuchte gleichzeitig sein Bruder J. Isingius, der nach Wittenberg seine Studien in Wien fortsetzte, beide auch als Schüler Fleischers, "ie Goldberger Schule. Mag. P. Auleander aus Neiße widmete als Goldberger Schüler 1569 von Leipzig aus Herzog Georg IL ein Gedicht. 4 ) Von dem Kantor .1. Scholtz aus Sagan ist die Schülerschaft zu Thabor auch sicher. Mag. K. Suevus aus Löwenberg, Q er nach Studien in Wittenberg 1568 Rektor in Löwenberg wurde, w ar auch Thabors Schüler. 5 ) Dr. G. Tilenus, Sohn des Goldberger ') Claius, Carmina üb. I, N. VIII. 2 ) S. hier unten Kap. VII. ') Schweinichen S. 21. 4 ) Auleander, P., Hymnus In Laudem Sanctorum Angelorum. Jam- *>ico Dimetro compositus. Lipsiae J. Rbamba exe. 1569. 4". (Vgl. u. „Nachträge.) "0 8. die „Propemptica" von Franciscus und Kifer o. S. 239, Anm. 5. Monumonta Germaniao Pnedagos-icn T.VTI 16 242 Die Epigonenzeit der fürstlichen Schule. Pastors Mag. G. Tilenus, geboren in Goldberg am 1. Febr. 1557, studierte nach dem Besuch der Goldberger Schule in Wittenberg (3. Juni 1574), Prankfurt a. 0. (Sommersemester 1579) und Padua, von wo er 1585 als Dr. iuris utriusque heimkehrte. Er wurde Rat des Herzogs von Miinsterberg-Öls und starb am 4. März 1590 in Breslau. 1 ) Sein ganzes Leben hindurch ist er ein geschmackvoller lateinischer Dichter gewesen. D. Spor oder Spörer aus Goldberg 2 ) wurde nach seiner Goldberger Schulzeit vor 1586 Lehrer zu St. Elisabeth in Breslau. 1589 legte er seine Stelle nieder und wurde erst Sekretär, dann Kanzler des Stifts zu St. Vinzenz. Seine Frau war die Schwester der Frau Dr. J. Cratos von Craftheim. Er starb 1023 als Obereinnehmer der kaiserlichen Biergefälle im Bistum Breslau und im Fürstentum Troppau, 71 Jahr alt. G. Thilo von Thilau 3 ), in Liegnitz 1552 geboren, lernte in Liegnitz die Elemente und wurde 1568 nach Goldberg geschickt, wo er bis 1573 blieb. Dann bezog er die Universität Prankfurt und wurde 1578 von Herzog Heinrich XI. zum Sekretär gemacht. Nachdem er vorübergehend Landschreiber gewesen war, machte ihn Herzog Friedrich IV. wieder zum Sekretär und bald auch zum Bat. Er blieb auch Rat bei Joachim Friedrich bis zu seinem Tode 1602. Heinrich von Czirn (Zirn) und Tirpitz 4 ) auf Prieborn, herzoglich liegnitzisch- briegischer Rat. Im Sommersemester 1559 steht er in der Frankfurter Matrikel. G. Helmrich hat ihm und seinen Brüdern Hans und Christoph 1575 seinen deutschen „Katechismus", M. Thabor der Jüngere hat ihm die „Piae Meditationes" seines Vaters gewidmet. F. von Nostitz auf Ransau wird uns als Schüler des Thaburnus durch L. Ludwig vorgestellt wie G. von Schaffgotsch vom Kynast auf Fischbach und Schwarzbach, der auf Veranlassung seines mütterlichen Großvaters, des Schülers von Trozendorf B. von Nostitz zu Thabor nach Goldberg gegangen war.') Hans von Sch weinich en auf Mertschütz 6 ), geboren 1552 auf der Burg Gröditz- ') Cunradi S. 307. 2 ) (Georg Tilenus), Ad nuptias . . . Dn. Davidis Spori Aurimontani, in Elisabethano Vratisl. Gymn. Synergi, et . . . Marthae Scharfiae, Joh. Weidolti, relictae viduae, . . . celebrab. nupt. XVIII. Aug___1586. Lipsiae, G. Defnerus impr. 4". *) Oratio Qua ... Georgio Thiloni A Thilaw JC. Atq. Princip. M«P°" Breg. Consiliario A. 1602. 26. Feb. Parentavit Andreas Baudisius Vratisl- Superint. (Lignicii Typ. N. Sartorii.) 4°. 12 Bl. Lau banu s, Thilo. *) Helmrich in der 1. Widmung zu s. deutschen Katechismus v. lJ B ) Querela De Morte . . . , Erasmi a Nostitz in Dammitsch ad Viadruui, . . . Scripta A Laurentio L u d o v i c o ... Witebergae Exe. J. Lucius 1563. •) S. hier oben S. 229, 241. Thabors Schüler. 243 borg, wo sein Vater Georg Hauptmann war. Seit 1562 war er am Liegnitzer Hofe, 1566 und 1567 Schüler in Goldberg zusammen mit Ch. von Kreckwitz auf Wirrwitz. Dann wurde er wieder Hof- junker und später bis 1602 Liegnitzer Marschall und bis zu seinem 1616 erfolgten Tode noch herzoglicher Rat. Er verfaßte die bekannten „Denkwürdigkeiten" und andere kulturgeschichtlich wichtige Schriften. W. von Zedlitz 1 ), geboren 1551, besuchte die Schulen in Friedeberg a. Q., Lauban, Schweidnitz und darauf in Goldberg. 1570 zog er nach Wittenberg, und dort wurden Ch. Pezelius, F. Widebram, Peucer, M. Wesenbeck und M. Teuber seine Lehrer. Nach Kriegsdiensten in Ungarn und Belgien wurde er von Herzog Georg IL zum Rat für Joachim Friedrich als Propst in Magdeburg bestimmt. Später war er Rat von Joachim Friedrich und Johann Georg, 1596 Hauptmann von Liegnitz und von 1602 ab Tutor des jungen Herzogs Georg Rudolf. Er starb 1613. Der Schule in Goldberg bewahrte er stets sein Wohlwollen. Nikolaus (III) Rhe- diger 2 ) auf Strisa und Sponsberg, aus der hochangesehenen Breslauer Patrizierfamilio, geboren 1555 in Augsburg, von wo seine Mutter, eine geborene Herbrot, stammte. Vorgebildet auf dem Elisabethan in Breslau und in Goldberg, bezog er mit seinem Informator M. Wein- r 'ch als Jurist im Wintersemester 1568/9 die Universität Leipzig und am 24. Mai 1569 die Universität Wittenberg. Zum Winter lo73 ging er nach Heidelberg und von da über Basel und Genf nach Frankreich. Er starb 1616. M. Schilling 3 ), ebenfalls aus Patrizischer Familie in Breslau, war bis zum Herbst 1568 in Gold- oerg, wo er sich, wie Dedikationen bezeugen, an Claius anschloß. Auch er ging im Wintersemester 1568/9 nach Leipzig, aber schon am 11. Okt. 1568 nach Wittenberg. Ein paar Tage vor Rhediger, aj n 16. Sept. 1573, ist er in Heidelberg immatrikuliert. Über Basel wanderte er nach Padua und starb am 13. Juni 1595 als Schöppe des Fürstentumgerichts in Breslau. T. Lindner aus Breslau 4 ), königlicher Mann von Grüneiche und Romberg. Nach Goldberg studierte ÜjnJWittenberg (3. Juli 1568) und in Italien. M. Thabor der ') Christliche Leichpredigt von M. Simon Grunaeus. Liegnitz den 5 - Juni 1613. 2 ) Nicolai Henelii Rhedigeroninema, sive de vita . . . Dn. Nicolai Rheogen. . . . Commentarius. Bethaniae ad Oderam Lit. Typog. J. Dörferi. 0. J. 40. 3 ) Vgl. in dem Bande der Breslauer Stadtbibliothek Sign. 8 N. 484 die Widmungen und hs. Beigaben des Claius, alles an M. Schilling gerichtet. 4 ) Nach der Widmung der „Precationes" des M. Thabor durch den gleichnamigen Sohn (s0 g 218) Anm 3 ) Blt A2 _ A7 v. 16* 244 Di e Epigonenzeit der fürstlichen Schule. Jüngere widmete ihm die „Gebete" seines Vaters. Yon 1587 bis 1611 gehörte Lindner dem Rate seiner Vaterstadt als Schöppe und Ratmann an und starb am 14. März 1611. J. Hainschmid aus Gottesberg l ) war Thabors Schüler, scheint aber keine Universität besucht zu haben. Als lateinischer Poet beteiligte er sich 1575 an den Epithalamien für Mag. G. Isingius und Katharina Ilelmrich. 1578 heiratete er selbst, damals Pastor in Lauterbach bei Rcichenbacli. Barbara Lindner aus Löweuberg, und G. Ilelmrich ehrte ihn durch ein „Epithalamium" und eine „Precaciuncula". I. Fabricius 2 ) aus Reinhartsgrimma bei Pirna. Erst Schüler in Freiborg und dann Student in Frankfurt a. 0. bei A. Praetorius, ging er, als dieser 1563 am Lesen gehindert wurde, nach Goldborg. 1564 wurde er in Wittenberg ordiniert, da ihn der Rat von Trebnitz Olser Herzogtums als Geistlichen berufen hatte. J. Eisatius (Eisigk) aus Schweid- nitz 8 ) war fünf Jahre Schüler in Goldberg und fünf Jahre Apotheker in Striegau. 1564 wurde er von J. Czettritz-Neuhaus nach Seitendorf als Pastor berufen. A. Zenckfrey 4 ) aus Sprottau, Sohn des Pastors Mag. M. Zenckfrey in Brieg, war Schüler in Sprottau, Brieg, Breslau und zwei Jahre in Goldberg. Hierauf drei Jahre Lehrer, Kautor in Meseritsch und Neustadt OS. und Bakkalar in Troppau. 1566 war er in Frankfurt deponiert worden und 1569 in Wittenberg immatrikuliert: 1571 wurde er von dem sächsischen Marschall J. von Löser als Diakonus nach Pretsch berufen. W. Sat- pogius 5 ) aus Mährisch Trübau, zuerst in Trübau durch P. Eckel aus Glatz unterrichtet; dann erhielt ihn der Graf Wolfgang Dietrich von Hardeck vier Jahre in Goldberg und vier Jahre in Wittenberg (inskr. 9. Mai 1566). 1571 wurde er von J. von Boskowitz als Diakonus nach Trübau berufen. Matthäus Müller 6 ) aus Kremnitz in Oberungarn besuchte als Knabe die Goldberger Schule und vom Winter 1563/4 an die Universität Wittenberg. Wegen Armut der Eltern mußte er in der weiten Welt sein Brot suchen. Zwei Jahre war er Ludimoderator in Trautenau in Böhmen. 1572 ward er von dem Ritter Ch. Silber in Jungebuche in Böhmen zur Kirche berufen. G. Libing 1 ) aus Hirschberg in Schlesien. In Ilirschberg unter dem Rektor Ch. Schilling vorgebildet, wurde er, 16 Jahre alt, 1565 von den Eltern nach Breslau geschickt. 1566 ging er auf zwei Jahre nach Goldberg. 1568 in Wittenberg immatrikuliert, ') S. hier o. bei Helmrieh. s ) Buchwald2, S.31, N. 390. •) Buchwald2, S.31, N. 393. *) Ebenda. 2, S. 139, N. 1053. r ') E b e n d a 2, S. 156, N. 1115. ») E b e n d a 2, S. 186, N. 1236. 7 ) Ebenda 2, 8. 189, N. 1252. Gesamturteil über die Epigonenzeit 245 ging er 1570 nachhause und war ein Jahr Synergus in Troppau. 1572 berief ihn der Edelmann ,T. Scheffinger als Pastor in Reußen- dorf, Ron und Kreppelhof. Der Andrang der Schüler hatte in der kleinen Stadt bereits unter Paxmann zu Unzuträglichkeiten für die Knaben geführt. Pax- mann hatte über ihre Ausbeutung und Verführung durch habgierige Bürger geklagt, und seine Kollegen hatten in ihrem Bericht an Herzog Heinrich XI. aus Lokalpatriotismus oder aus Rücksicht auf die Vettorschaft die Übelstände ziemlich obenhin behandelt und sie als leicht durch ein fürstliches Mandat zu beseitigen hingestellt. Allein Herzog Georg II. sah sich genötigt, unter dem 26. Aug. 156S gleichsam als Bestätigung der sieben Jahre früher laut gewordenen Klagen Paxmanns dem Goldberger Magistrat das strenge Mandat l ) zuzusenden: „Wir wollen euch gnediger Meinungkh nicht vorhaldten, das wir glaubwirdig berichtet worden, samb solten sich etzliche Burgere bein euch als unbedachtsame und leichtfertige Persohnen denen Knaben und Schulern, welche von ihren Eltern aldohin zue studiren vorschicket und nach aller Notdurft mit Buchern, Kleidern, Betgewandt und anderem vorsehen werden, dasselbe abzuekhaupelen und an sich leichtfertiger Weise zue bringen bevleisen. Darob dan die Eltern, wan sie ihre Kinder wederumb abfordern und dasselbe nicht den halben Theil anheim bringen, nicht wenig Beschwer [haben]. Darob wir als der Pfandtherr khein Gefallen tragen. Ist derowegen an euch unser ernster und endtlicher Bevehlich, das ir dasselbe ahn unser Stadt bei Vormeidung harter Straft 0 und Ungnadt abschälen und vorbuitten, auch vleissige Aufachtung und Nachfrage haben wollet. Da ir etwa solcher Gesellen einen erfahret, das ir denselben mit gcbreuchlicher Gefengnus zusambs Wiedergebung desselben, so er von den Schulern zue sich bracht, genugsam strafen Wollet . . ." 9. Gesamturteil über die Epigonenzeit. Passen wir in Gedanken noch einmal zusammen, was wir über Thabors „Piae Meditationes", Helmrichs „Katechismus" und Claius' Behandung der lateinischen Grammatik gesagt haben, und schauen Uns nach dem Urteil von Zeitgenossen über die unter Thabor in der Schule geübte Methode um, so hat der ehemalige Schüler ö. Thilo von Thilau 2 ) darüber geäußert: „In tradendis diseiplinis °rganicis rotundiorem sese planioremque viam desiderare; quae tum communi quodam Scholaruni morbo in taediosa praeeipue magnorum ') St. A.-Br., F. Liegnitz III 9a. '-) Laub anus, Thilo Bl. D. 24G Die Kpigonenzeit der fürstlichen Schule. Commentariorum mole, neglecto fere usu, qui teste Cicerone onmium Magistrorum praecepta superat, posita fuerit; unde porro usu venerit, ut vix plurimorum continuatione annorum praeceptiones artium semel integre docendo discendoque percursae sint." Hierin waren Reformen oder die Rückkehr zu Trozendorfs einfacher und klarer Methode dringend vonnöten, der von seinen treusten Schülern, wie sie vermeinten, und Nachfolgern zwar wie das Palladium der Schule verehrt, aber sachlich immer mehr in den stillen Heiligenschrein im Hintergrund geschoben wurde. Man sah in ihm, dem Bekämpfer der Schwenckfelder, unter der immer mehr theologisierenden Richtung an der Schule eben den ersten Vertreter der lutherischen Rechtgläubigkeit in Goldberg und im Liegnitzer Gebiet, die Methode aber entfernte sich nach und nach ganz von ihm und machte die pädagogischen Schwächen der Zeit mit. Das wäre das Fazit der Epigonenzeit der Schule. 10. Einsetzung einer Schulinspektion. Am 15. April 1579 war der Rektor Thabor abgeschieden, und schon am 5. Mai suchte der Herzog Friedrich IV. der verwaisten Schule einen festen Rückhalt zu geben, indem er dem Fastor Mag. B. Wegner und dem Bürgermeister Mag. Z. Bart die Inspektion der Schule übertrug. 1 ) Diese Einrichtung, natürlich je nach den Umständen in den Ämtern mit Wechsel der Personen, blieb bis zum Ende der Schule bestehen. Die Verwaltung der Schule während der Vakanz des Rektorats blieb bei Mag. G. Helmrich und den übrigen Kollegen. 2 ) Der eigentliche Inspektor war der geistliche Herr, und der Bürgermeister vertrat die Stadt, war aber wegen der Aufsicht über die Einkünfte städtischer Herkunft keineswegs ohne Einfluß. Der oberste Schulinspektor war der fürstliche Superintendent in Liegnitz, dem Goldberg kirchlich unterstand, der, wie uns noch begegnen wird, auch ein Zensurrecht 8 ) über aus der Schule hervorgehende Schriften übte. Ihm wurden gegebenenfalls noch fürstliche Räte zugesellt, im 17. Jh. bildete das Konsistorium in Liegnitz die oberste Schulbehörde. Im Schöße desselben wurde 1623 der Beschluß über die Aufhebung der Schola ducalis in Goldberg gefaßt und von dem Herzog Georg Rudolf sanktioniert und zur Au sführung gebracht. >) St. B.-Br., Bart fol. 201 b. 2 ) Ebenda fol. 201b. 3 ) Bei dem Streit des S. Grunaeus mit A. Hentschel (vgl. Register). Fünftes Kapitel. Einsetzen des Niedergangs der Schule. I . L. Cirkler, sein Bildungsgang und seine Berufung. Wir haben in Thaburnus, dem unentwegten Pfleger der Trozen- dorfschen Tradition, wie er sie sich zurecht gelegt hatte, eine vollwertige Inkarnation des einseitigen, aber glaubensstarken orthodoxen Luthertums kennengelernt. Da muß es eigentümlich berühren, daß ihn eine unüberbrückbare Kluft von seinem nächsten, nur zehn Jahre jüngeren Nachfolger Mag. Lorenz Cirkler scheidet. Denn dieser war ein ebenso vollüberzeugter Calvinist. Das bedarf gewiß einer Erklärung, die sich allerdings nicht aus der Absicht irgendeines bei der Wahl Mitwirkenden, sondern nur aus einem Zusammentreffen von ganz besonderen Verhältnissen herleiten läßt. Die Vorbedingungen der Erziehung und der Bildung waren bei beiden fast die gleichen, und daher muß die Herkunft des spaltenden Keils auch deshalb anderswo gesucht werden. Ein Mann, der Thaburnus ähnlich gewesen wäre, hätte auch jetzt noch viel mehr der tatsächlichen Lage entsprochen. Doch der auf Anweisung des Herzogs Friedrich IV. durch Z. Bart und den Stadtschreiber V. Wiele a m 11. Mai 1579 gemachte Versuch i ), den treuesten Schüler Trozen- dorfs und Sospitator seiner Werke: L. Ludovicus, das beste Pendant z u Thaburnus, wenn er auch stark Philippisch gefärbt war, als Nachfolger des Thaburnus zu gewinnen, scheiterte an dessen runder Ablehnung. Cirkler ist im J. 1534 in Goldberg als Sohn des um die Stadt u nd die Schule wohlverdienten, aber nicht übermäßig reichen Bürgers L. Cirkler, der 1561 als Bürgermeister starb, geboren. Trozen- dorf war sein langjähriger Lehrer. Im Sommersemester 1553 ist er in Prankfurt a. O. als Scholar eingetragen, aber dort vielleicht n ur deponiert worden. Am 11. Febr. 1554 fand er als wirklicher l ) St.B.-Br., Bart fol.200b. 248 Einsetzen des Niedergangs der Schule. Student Aufnahme in dem Album von Wittenberg., Hier wurde sein namhaftester Lehrer Melanchthon. Ohne durch eine Promotion abzuschließen, verließ er etwa 1558 mit einer guten gelehrten Bildung die Universität, übernahm als Lehrer eine Stelle an der Goldbergcr Schule l ) und war gleichzeitig Privatlehrer der Söhne des brandenburgischen Rentmeisters, des Schenks, des obersten Frankfurter Stadtschreibers und anderer Kinder von Adel und aus Städten. Schon 1560 wollte er zur Fortsetzung seiner Studien wieder die Universität beziehen, doch Herzog Georg II. von Brieg, der Pfandinhaber von Goldberg, bewog ihn durch seine Räte Dechant J. Wentzki und Dr. A. Heugel, noch bis Ostern 1561 zu bleiben. Im Januar 1561 bat er dann nochmals dringend den Herzog um seine Entlassung für Ostern, um mit seinen Zöglingen ihm wegen seiner geringen Mittel sonst unzugängliche Universitäten aufzusuchen. In der Folge übergab ihm der streng lutherische Herzog seine Söhne Joachim Friedrich und Johann Georg zum Unterricht.' 2 ) Der Herzog gewann Zuneigung zu ihm, obwohl er, wie aus seiner Einwirkung auf seine Schüler hervorgeht, mindestens schon als Philippist nach Brieg gekommen war, und von den herzoglichen Söhnen hing besonders Joachim Friedrich dauernd mit treuer Liebe an seinem Lehrer und machte ihn, als er die Regierung angetreten hatte, zu seinem Rate. Als Ausdruck des Vertrauens, das Georg II. in ihn setzte, kann mau Cirklers Mitwirkung bei der Entscheidung des Herzogs über die Verweigerung des Goldberger Pastors G. Tilenus und seines Diakonus ansehen, dem verworfenen Knappen Ch. Grimm, Eichscholz genannt, auf dem Sterbebett das Abendmahl zu reichen. Der Herzog sah in den Schwierigkeiten, die ihm seine ganze Geistlichkeit machte, eine Antastung seiner landesherrlichen Itechte und in dem Verhalten des Tilenus und des Diakonus die Anwendung der vorhergehenden Exploration oder Beichte calvinischer Weise und gebot unter Androhung der Entlassung den Kirchendienern, bei ihren Kirchenkindern gebührenden christlichen Fleiß zu verwenden, damit sie dieselben auf ihr Begehren ohne Vorbitte, Trost, Absolution und Darreichung der heiligen Sakramente nach gewöhnlichem christlichen Bericht, doch ohne Exploration, nicht versterben ließen. Bei dem mündlichen Bescheid 3 ), den er am H.Juli 1563 den Geistlichen der Weichbilder von Brieg, Ohlau, Strehlen und Nimptsch ') S. o. S. 179. a ) S. die folgenden Anmerkungen. Gillet'2, S. :> r >4. ') St. A.-Br„ Rep. 21 F. Brieg. III 18 B, fol. 88. L. Cirkler, sein Bildungsgang und seine Berufung. 249 erteilen ließ, war Lorenz Cirkler mit als Zeuge zugezogen. Die Goldberger Bürgerschaft mußte nach der Meinung Georgs IT. über diese Sache auch gründlich aufgeklärt werden. Er ließ eine Instruktion J ) für seine Abgesandten A. Bock von Hermsdorf, den Hauptmann zu Goldberg, den königlichen Rat S. von Zedlitz und Neukirch und L. Cirkler, „unserer geliebten Kinder Praeceptor", denen noch Geistliche beigegeben wurden, abfassen (23. Sept. und 8. Nov. 1563), in der etwa das Folgende steht: es sei dem Herzog kund geworden, daß der gewesene Pfarrer und der Kaplan zum Goldberg und andere ihn unter die Leute brächten, daß er mit Geben der Abschiede wegen des goldbergischen Falles, der sich mit Christoph Grimm, sonst Eichscholz genannt, im vorschienenen 62. Jahre begeben,"dem Ministerio zunahe getreten sei. Er trüge keine Scheu wegen dieser Handlung und männiglich könne davon ein Wissen haben. Die Gesandten sollten den Rat, die Professoren, Scheppen, Ältesten, Geschworenen und die ganze Gemeinde zusammenrufen und ihnen alle Akten, wie sich die von Anfang bis hieher zugetragen hätten, öffentlich vorlesen lassen. Da schien ein anderer Fall Cirklers Bekenntnis bloßstellen zu sollen. Der Diakonus E. Tribauer hatte auf der Kanzel ein Gebet gehalten, das Cirkler zu Bedenken Anlaß gab. 2 ) Es kam zu Verhandlungen über die Abänderung des Gebets, aber kein Friede trat ein, da Cirkler auch ein zweites Gebet beanstandete. Eine Kommission, aus den Räten Ch. von Seibottendorf, Hauptmann zu Biieg, Dr. G. Lassota, Geh. Rat und Kanzler, Dr. L. Heugel, A. Gefüg von DeHerdorf, G. Wentzki von Petershaide, dem Superintendenten und Hofprediger Th. Tann- holzer und dem Pfarrer zu Schwanowitz und Senior im Briegischen Weichbild J. Felbinger bestehend, entschied, Tribauer und Cirkler sollten diesen Handel weder öffentlich noch heimlich weiter regen oder eifern. Über das erste Gebet, da es Tribauer geändert habe, solle nicht mehr disputiert werden. Das zweite Gebet solle Tann- holzer als Superintendent mit etlichen Seniores und andern gelehrten Theologen übersehen und überlegen, und wenn sie befänden, daß e s schriftgemäß sei. möge er es dem Volke vorsprechen; wo aber nicht, sollten sie es nach Bedürfnis ändern. Nachdem Cirkler am Herzogshof seine Pflicht zu aller Zufriedenheit erfüllt hatte und von Herzog Georg verpflichtet worden war 3 ), si ch später nochmals, falls man seiner Dienste für die herzogliche ') St. A.-Br., Rep. 21 F. Brieg. III 18E, fol. 95b. 2 ) Ebenda III 18 F, fol. 159. 3 ) Schreiben Georgs II. an Friedrich IV. vom l.Dez. 1583 (vgl. u. „Nachträge"). 250 Einsetzen des Niedergangs der Schule. Schule bedurfte, in Brieg einzustellen, übernahm er den Privatunterricht junger böhmisch-mährischer Adliger und besonders den des Freiherrn M. Slawata, Herrn zu Chlum, des Freiherrn K. von Waldstein und des Freiherrn K. von Zierotin l ), Herrn zu Namiest und Roßitz in Mähren, der einst eine Zierde des mährisch-böhmischen Herrenstands in der eisernen Zeit des großen deutschen Krieges werden sollte. J. von Zierotin schickte den Informator mit diesem seinem Hohne 2 ), der noch im Knabenalter stand (geb. 14. Sept. 1564), nach Straßburg auf die von dem berühmten Pädagogen Joh. Sturm geleitete Akademie, die mit einer philosophischen Fakultät ausgestattet war. Die Wahl Cirklers zum Informator gibt uns einen Maßstab für die Einschätzung seiner damaligen konfessionellen Stellung in die Hand. J. von Zierotin war die angesehenste Persönlichkeit unter den Laien der Brüder-Unität in Mähren. Die Unität, die, ohne das eigene Bekenntnis aufzugeben, zu dieser Zeit schon von dem Luthertum zum Calvinismus abgeschwenkt war, wachte sorgfältig darüber, daß besonders die jungen Herren in reinem Bekenntnis erzogen wurden. Der junge Zierotin besuchte zuerst daheim die unter opferwilliger Beihilfe seines Vaters geschaffene Schule in Eibenschitz, an deren Spitze Mag. E. Rüdinger, des Joach. Camei'arius Schwiegersohn stand, der 1574 wegen seines calvini- stischon Bekenntnisses seine Professur in Wittenberg hatte aufgeben müssen. Wenn nun Cirkler den Knaben im fernen Ausland jahrelang unterweisen sollte, in dem bildungsfähigsten und fremden Einflüssen am leichtesten zugänglichen Alter, mußte für den Vater in Cirkler eine sichere Gewähr nicht bloß nach seiner Gelehrsamkeit und seinen Charaktereigenschaften, sondern ganz besonders nach seiner religiösen oder theologischen Stellungsnahme liegen. Dieser hatte also nun die Wandlung vom lutherisch unterrichteten Schüler in Goldberg zum philippistischen Studenten in Wittenberg und von da zum Anhänger Calvins vollständig zurückgelegt und damit die feste Meta seiner religiösen Entwicklung erreicht. Ein zweiter Begleiter des jungen Barons, der mehr die Dehors zu vertreten hatte, war Lavinus, von dem wir sonst nichts weiter beibringen können. K. von Zierotin, eine solide Natur, hielt sich nicht, wie mancher andere vornehme junge Mann, bloß als großer Herr, dem es mehr ') S. u. S. 261 die Gedenkworte Joachim Friedrichs für Cirkler. J ) Chlumecky, P. v., Karl von Zierotin u. seine Zeit 1564—1615.. 2 Bde. Brunn 1862. 79. XXIV, 865 S.; 4 Bl„ CCCLII S. L. Cirkler, sein Bildungsgang und seine Berufung. 251 auf schöne Pferde und gute Hunde als auf die Studien ankam, in Straßburg auf, sondern wandte sich unter Cirklers Leitung ehrlich ernsten Studien zu und eignete sich neben einer tüchtigen Bildung auch Hochachtung vor gelehrten Männern für sein ganzes Leben an. Bei den österlichen Versetzungen des Pädagogiums 1580 fiel es Zierotin zu, die öffentliche Rede an die Kommilitonen zu halten. 1 ) Er sprach „De comparanda vera gloria" und sah den Weg, zu diesem Ziele zu gelangen, in den „rectis studiis". Als er sich 1581 fertig machte, Straßburg zu verlassen, lud er den Rektor Sturm, die Visitatoren und die Professoren der Akademie zu einem „Pran- dium" ein und faßte bei dem Mahle seinen Dank für alles, was er in Straßburg empfangen hatte, in einer „Oratiuncula" zusammen. J. Sturm antwortete dankend auf die „Oratiuncula" und berührte dabei auch die „Oratio de vera gloria". Er lobte zuerst einen andern fremden Schüler, der von Straßburg schon früher fortgegangen war, den polnischen Grafen von Ostrorog, aufs höchste und fuhr fort: „Hanc etiam tibi laudem, Carole Zerotine baro, tribuo. Sod in huius laudis societatem etiam libenter admitto magistrum Laurentium Circlerum, qui tibi cum in illa quam habuisti oratione tum iis annis, per quos nobiscum vixisti, tanquam Spartanus Ephorus adstitisse videtur." Dieses ihn ehrende Zeugnis hörte Cirkler, der sich selbst merkwürdiger Weise des wohl in Straßburg erworbenen Magistertitels nie bediente, nicht mehr mit eigenen Ohren, er konnte es nur gedruckt zu Gesicht bekommen; denn er war schon 1580 fast gewaltsam von Zierotin losgerissen worden, sodaß dieser, gewiß zu Cirklers großem Schmerze, ohne ihn nach Basel zu J. J. Grynaeus und nach Genf zu Th. Beza weitergehen mußte. Bevor er sich in Goldberg band, hatte Cirkler noch einen Abstecher nach Italien gemacht. Nach der Absage des L. Ludovicus richtete Z. Bart, den der Herzog zu Rate gezogen hatte, Friedrichs IV. Augen auf Cirkler 2 ), der als Goldberger Stadtkind und bewährter Lehrer der Brieger Prinzen ganz besonders geeignet erscheinen mußte. Man verfuhr ') Oratio de comparauda vera Gloria: reeitata Argentorati a . . . Carolo Barone a Zerotin: . . . cum Progressiones haberentur Paschales, 1580. Item Oratiuncula eiusdem: qua aliquot ... Academiae Professoribus ante suum discessum . . . , valedixit. His addita sunt . . . Joan. Sturmii, eiusdem Academiae Rectoris . . . programmata nQoox?>t]nxä: n^omfintixa. denique carmina •• • a Studiosis adolescentibus conscripta. Argentorati 1581. 4°. 2 ) St. B.-Br., Bart fol. 202. 252 Einsetzen des Niedergangs der Schule. hierbei mit einem bemerkenswerten Eigensinn, aber man hatte Grund, rasch und fest vorzugehen. Bei dem Tode des Thaburnus bestand das Lehrerkollegium aus Mag. Q. Tlolmrich, Mag. P. Jungius, Mag. D. Mramerus, Joh. Scholz, dem Kantor G. Werner, dem Katecheten, und M. Ashelm, dem Sukzentor. Helmrich, der Vertreter des Rektors, starb am 16. Sept. 1580, am 10. desselben Monats war der Tertius Mag. D. Mramerus verschieden, und Jungius war schon am 10. Juli als Lehrer nach Mcseritsch in Mähren gegangen, sodaß nur der Kantor, der Katechet und der Sukzentor übrig blieben ; die Oberstufe entbehrte durchaus qualifizierter Lehrkräfte, und das mußte natürlich die Geltung und den Besuch der Schule schwer schädigen. Denn was hatte sie dann noch für Anspruch auf den Namen „Schola illustris"? Bart schrieb niedergeschlagen *) in sein Hausbuch: „habuit tunc ordinarium neminem. Quo fato haec fiant, dies dabit." Daher erklärt es sich wohl, daß man mit Gewaltmaßregeln gegen Cirkler vorging, um ihn zur Annahme des Rektorats zu zwingen. Dabei wußte weder der Herzog noch der Goldberger Rat, wes Geistes Kind Cirkler unterdessen geworden war; man setzte eben, was man von ihm wünschte, stillschweigend an ihm voraus, und um sich seine Freiheit zu wahren, seine kirchliche Stellung vor den beiden wohlmeinenden Bedrängern offen darzulegen — das hätte vielleicht, wie wir sogleich verstehen werden, für Cirkler bedenklich ausgehen können —, zögerte er, sein Bekenntnis bekannt zu geben. Es gingen am 1. Juli zwei Schreiben, begleitet von einem Privatbrief Barts, an Cirkler ab 2 ), die Vokation des Herzogs Friedrich IV. von Liegnitz und eine freundliche Einladung des Goldberger Rates. Cirkler antwortete ablehnend, indem er darauf verwies, daß er J. von Zierotin verpflichtet sei und daß dieser ihm vorläufig die Entlassung noch nicht erteilen wolle. Darauf sandte der Rat unter dem 17. Okt. 1579 durch einen besonderen Boten einen Brief an Zierotin mit der Bitte um die Entlassung Cirklers und mit freundlichen Anerbietungen. 3 ) Der Bote sollte aus Mähren geradenwegs nach Straßburg gehen. Als auch dieser gütliche Versuch ohne Erfolg blieb, erhielt Cirkler mit einer peremptorischen Zitation des Herzogs eine ebenso peremptorische Zitation des Rates.*) Wir lassen das Schreiben des Rates an Zierotin und das letzte an Cirkler als merkwürdige Aktenstücke zur Schulgoschichte folgen. ') St. B.-Br., Bart fol. 203. *) St. B.-Br., Wenzel. ') Ebenda. 4 ) Ebenda. L. Cirkler, sein Bildungsgang und seine Berufung. 253 Daß Cirkler sich dem Rufe des Herzogs und der Stadt nun nicht mehr entziehen konnte, wird der zweite Brief lehren. „Edler, wohlgebohrner Herr, gnädiger Herr! Ew. Gnaden sind unsere demüthige und gantz willige Dienste mit besonderm Pleiße jederzeit zuvoran bereit. Gnädiger Herr, E. Gn. sind unterdienstlichen berichtet worden, daß der durchlauchte und hochgebohme Fürst und Herr Herr Friedrich, Hertzog in Schlesien zur Liegnitz, Brieg und Goldberg, unser gnädiger Fürst und Herr den ehrbahren, wohlgelehrten Laurontium Cirklern als J. F. Gn. getreuen Erbunterthanen zu einem Rectore in diese fürstliche Schulen anhero vociret. Weil aber der Circkler Sr. Gn. mit Diensten verhafft, werden wir berichtet, daß ihne E. Gn. noch zur Zeit nicht urlaubet, sondern diese Sachen in ferneren Ratschlag zu nehmen, hinter sich gezogen. Demnach aber, gnädiger Herr, sichs ansehen lasset, als diese Handlung sich lange verziehen möchte, aber hoch vonnöthen seyn will, diese weitberühmte Schule wiederum mit einem tüchtigen Manne zu bestellen, weil nicht allein dem Land Schlesien und andern vielen anstoßenden Ländern und vielen tapfern ansehnlichen Leuthcn ihrer Kinder halben an dieser Schule viel gelegen, der Circkler, E. Gn. Diener, in derselben erzogen und gutte Gelegenheit für einen Fremden hierum weiß, dem Circkler auch für seine Person sowohl vielen ehrlichen Leuten hiermit wohl gedienet, solches auch des lieben Gottes Ehre, Kirchen und Schulen anlanget, so zweifelts uns gar nicht, E. Gn. als der christliche und hochverständige Herr werden diesen Sachen selbst gnädig nach- dencken und offtgedachten Circkler auss gnädiger Intercession unsers gnädigen Fürsten und Herrn, weil er auch J. F. Gn. Erbunterthaner, loßlassen. Damit aber auch E. Gn. auch dißfals nicht dürfen beschweret Werden, so haben wir Zeigern, unserm Abgesandten Befehlich gethan, E. Gn. Schreiben und Loslassung an mehrgedachten Circkler selbst nach Strasburg zu führen. Da aber E. Gn. auch derselbten geliebten Sohn, den jungen Herren, bey diesem Mann gern wißen wollten, könten E. Gn. ihn ^t ihm anhero schicken. Dann auch sonsten in dieser Schulen, 'ninassen E. Gn. sonder Zweifel gnädig wissen, Grafen, Herren und v iel ansehnlicher Leute Kinder zu seyn und studiren pflegen. "Wir Sollten auch, gnädiger Herr, mit allem Fleisse darob seyn, damit dem jungen Herren eine tüchtige und gutte Herberge verschafft würde, auch einen solchen Tisch bestellen, auf dass E. Gn. damit 251 Einsetzen des Niedergangs der Schule. gnädig zufrieden seyn werden. Auch was wir sonsten dem jungen Herren dienstlich und förderlich seyn könten, sollt an unserm treuen Fleiß gar nicht erwiedorn . . . Datum Goldberg den 17. Oct. 1579. E. Gn. dienstwillige Bürgermeister und Rathmanne der Stadt Goldberg." Nun die schärfere Tonart: „Erenverter, namhafftiger und wohlgelehrter Herr, besonders gutter Freund und Gönner. Wir hätten uns gäntzlich getröstet und versehen, Ihr würdet Euch auff des Herrn Herrn Friedrichs, Hortzogen in Schlesien zur Liegnitz Brieg und Goldberg, gnädige Vocation, sowohl auff unser freundliches Schreiben und Ersuchen zu einem Rectore in diese fürstliche Schulen haben brauchen und bestellen lassen, auch nicht vermeint, daß I. Gn. der Herr Jan von Zerotin, Euer gnädiger Herr, auJß sonderlicher Betrachtung, daß diese Sachen vornehmlichen in des lieben Gottes Ehre, Kirchen, Schulen sowohl das gantze Vaterland und andere anstoßende Länder betreffende, hätte hindern sollen. Aber wie dem allen, weil hochgedachte I. F. Gn. neben derselben löblichen Käthen und vielen tapfern Leuthen auff Euer Persohn zu solchem ehrlichem Ambte gäntzlichen geschlossen, wir auch in unser Einfalt I. F. Gn. keinen andern rathen sollen mögen, so ist an Euch unser freundliche Bitt, auch väterlich Ermahnen, wollet divinam vocationom, Euer von Gott geordnete Obrigkeit, viel ansehnliche Leutho und sonderlich Euer liebes Vaterland in gutter Acht nehmen und dem lieben Gotte hierin stille halten und solch Ambt und Schuldienst annehmen. Wir sind auch Zwey- fels frey, Euer- gnädiger Herr als ein hochverständiger Herr werde diesen Sachen gnädig nachdencken und Euch, weil Ihrer Gn. Dir vormals treulich gedienet, Euren Schaden und Unglück nicht gönnen. Den Ihro Fürstl. Gn- gnädig wissen, wie es in der Cron Böhmen bräuchlichen gehalten wird, wenn ein Herr einen Unter- thanen fordert und er nicht compariret, daß er nicht allein alles seines Guttes, so er unter dem Herren hat, sondern wohl was mehrern verlustig. Derowegen uns gar nicht zweifelt I. Gn. werden Euch in Betrachtung allerley Umstände gnädig Urlauben. Im Fall es nicht geschieht, werdet Ihr sonder Zweifel in I. F. Gn. Befehlich oder Citation unterthänig zu ersehen haben, was Euch begegnen und erfolgen wird. Demnach Ihr aber uns und gemeiner Stadt Jurisdiction unterworffen, so wollen wir Euch hiermit bey Verlust desjenigen, so Ihr im Stadtrecht habt, peremtorie citiret und endlich außgelegt haben, daß Ihr Euch zum ehesten anhero Cirklers Rektorat. • 25 , r > gestellet, solch Ambt und Dienst gehorsamlich annehmet und der schuldigen Gebühr bey angesetzter Poena erzeiget, inmassen uns darum gar nicht zweifelt, Ihr ohn einiges ferners Einwenden oder Entschuldigung billig thun werdet. Es wird I. F. Gn. Euch eine solche Besoldung ordnen, damit Ihr wohl zufrieden seyn werdet. Wir wollen Euch auch alliier bey gemeiner Stadt in billigem Schutz halten und uns dermaßen gegen Euch erzeigen, daran Ihr einen freundlichen und gutten Gefallen tragen sollet . . . Datum Goldberg den 26. Febr. im SOsten Jahre. N. N. Bürgermeister und Rathmanne der Stadt Goldberg." 2. Cirklers Rektorat. Erst am Ende des Jahres, am 28. Nov. 1580, traf Cirkler aus Italien in Goldberg ein, wurde am 6. Dez. auf Befehl des Herzogs Heinrich XI. durch die Inspektoren als Rektor eingeführt und begann bereits am 9. Dez. zu lesen. 1 ) Es galt nun vor allen Dingen, das Lehrerkollegium zu vervollständigen. Ein zweiter Goldberger, der uns schon bekannte Sohn des Thaburnus, Martin Thaburnus 2 ) wie der Vater geheißen, den man doch ebensogut wie Cirkler zum Rektorat hätte berufen können, ersetzte seinen Stiefbruder G. Heimlich als erster Kollege oder Konrektor und als Lehrer des Griechischen. Er war 1549 geboren. Schon 1558, bei der Suche nach Pax- "lann, nahm ihn der Vater nach "Wittenberg mit, und nachdem ihn Melanchthon im Katechismus geprüft hatte, wurde er am 2. Okt. in die Matrikel eingeschrieben und deponiert. So hat der junge Martin den Praeceptor Melanchthon zwar kennen, aber nicht mehr heben gelernt. Erst 1571 bezog er die Universität Wittenberg als Student und siedelte 1574 nach Frankfurt a. 0. über. Am 12. April 1575 wurde er dort zugleich zumBakkalar und Magister promoviert. Jffl J. 1576 wurde er Lehrer eines jungen Grafen von Hardeck in Mähren. 1580 trat er seine Stellung in Goldberg an, behielt sie a W nur bis zum 21. April 1582, da er es vorzog, Stadtschreiber z u werden. Den 13. Febr. 1583 verheiratete er sich mit Justina, 3er Tochter des Z. Bart. Nachdem er die Werke seines Vaters herausgegeben hatte und 1597 noch Notarius publicus geworden ^ar, starb er schon am 28. Jan. 1598. Nicht nur nach der strengen ') St. B.-Br., Bart fol. 203b. ! ) Bauch, Bart S. 16. 256 Einsetzen des Niedergangs der Schule. Observanz der Lehren Luthers, auch nach der Vorliebe für astrologisch-astronomisches Wissen war er ein echter Sohn seines Vaters. Ein tüchtiger, anregender Lehrer ist er jedoch nicht gewesen. 1 ) Die andern Lehrer blieben, und es ist gewiß als ein deutliches Zeichen des Eückgangs der Schule zu betrachten, der durch die unzweifelhafte Tüchtigkeit Cirklers nicht abgewendet werden konnte, daß weder die erledigte zweite noch die ebenfalls freie dritte Stelle neu besetzt wurden. Der Rückgang muß sich besonders in den oberen Klassen geltend gemacht haben, da diese beiden Stellen in der Hand von Magistern zu sein pflegten. Wenn der jüngere Thaburnus 1586 bei der Ausgabe der „Piae Meditationes" seines Vaters sagt, zur Zeit Trozendorfs und seines Vaters habe die Schule „laudem puritatis vcrae doctrinae" gehabt, so heißt das doch wohl, daß dies nach Thaburnus, d. h. zur Zeit Cirklers, nicht mehr der Fall gewesen sei. Für das Zeitalter der engen Gewissen war das ein Grund, daß lutherische Eltern ihre Kinder aus Goldberg wegnahmen oder nicht dorthin schickten. Da der Religionsunterricht damals in der Schule eine so wichtige Rolle spielte, war ein solches Verhalten auch vollkommen erklärlich und berechtigt. Daß aber Cirkler mit seinen Anschauungen nicht schroff und herausfordernd, sondern gelind und vorsichtig hervorgetreten ist, beweist die nächste Folgezeit. Direkte Äußerungen über seine Wirksamkeit haben wir sonst nicht, außer daß 1599 seiner in öffentlicher Rede in der Schule von M. Laubanus gedacht wurde, der „Circleri facunda eruditio" lobte, und daß er durch sein Urteil über die gute Begabung und die Geschicklichkeit zum Studium des zukünftigen Liegnitzer Landeshauptmannes und Wohltäters der Schule W. von Rothkirch, der als sein Schüler noch nicht zehn Jahre alt war, die Eltern vcranlaßte 2 ), ihn studieren zu lassen. Ein anderer namhafter Goldberger Schüler von ihm war K. Scultetus aus Greifenberg 3 ), der am 11.März 1589 zu Heidelberg in der Matrikel erscheint und dort am 26. Febr. 1590 Magister wurde. Er studierte dann Jura, besonders unter dem Jtaliener J. Pacius a Beriga aus Vicenza. Nachdem er in Breslau zu Ansehen gelangt war, begab er sich zu der Zeit, wo M. Laubanus in Goldberg lehrte, nach Basel, um Doktor der Rechte zu werden. Laubanus begleitete ihn mit einer Ode, die der eignen Sehnsucht nach dem Rhein und dem Neckar Ausdruck gab und dem Freunde die poetischen ') S. hier weiter unten am Ende des Rektorats ron Sicke den Brie Auleanders und Feiges. ') Grunaeus 131. Gij, Gijf. 3 ) Laubanus, Musa. Oden III, !• Cirklers Rektorat. 257 Glückwünsche von P. Melissus, S. Stenius, J. Grater, M. Adam und dem eben als Dichter gekrönten Mag. D. Pareus aus Frankenstein verhieß. Dr. Scultetus war später, 1611, Prokonsul und Syndikus in Liegnitz. Schon am 27. Aug. 1582 gab er seine Goldberger Stelle auf, nachdem er sie bereits am 7. April aufgesagt hatte 1 ), von Herzog Georg II., der bis dahin sichtlich noch keinen Verdacht gegen seine lutherische Rechtgläubigkeit geschöpft hatte, auf Grund der früher eingegangenen Verpflichtung nach Brieg als Nachfolger des Mag. P. Sickius zum Rektorat 2 ) der 1569 dort gegründeten „Schola illustris", dos heutigen königlichen Gymnasiums, berufen. Erst im Oktober traf er, durch eine Erkrankung aufgehalten, mit zahlreichen Schülern in Brieg ein. Sein zweiter Brieger Nachfolger, der schlesische Chronist J. Schickfus, erzählt 3 ), daß man in Brieg ihm noch zu seiner Zeit mit Verwunderung nachsagte, was für eine große Autorität und Nachdruck er gehabt habe. Unter ihm blühte die Schule auf, sein Ruf als Bildner junger Adeliger führte viel vornehme Knaben nach Brieg. Der Herzog Georg hatte Sicke abgestoßen, als er Cirkler bereit fand, das Rektorat anzunehmen, und er bedauerte es nicht. Am 1. Dez. 1583 äußerte er, daß sich unter seiner Leitung die Schule „bis anher so vermehret, daß wir hoffen, es sollen darbei Gott zu Lob und Ehren und zu besserer Bestellung beider des geistlichen und weltlichen Regiments, auch sonsten ihnen selbest und den Ihren zu Aufnehmen, Ehren, Nutz und Wolfart mit besonderer unserer Behegligkeit viel vornehmer und anderer guter Leute Kinder erzogen werden".*) Aber auch hier stieß er endlich mit seinem Glauben an, und der Herzog Georg, der ihn, wie wir gehört haben, schätzte, ihn deshalb nach Brieg gezogen hatte und bisweilen seinem Unterricht beiwohnte, zögerte trotzdem nicht, als Hüter der reinen lutherischen Lehre gegen ihn einzuschreiten, als er bei der Erklärung des Examen Philippi bis zur Lehre vom Abendmahl gekommen und wegen seiner Behandlung in den Verdacht des Kryptocalvinismus geraten war. 5 ) Mit noch vier andern Kollegen, L. Besler, J. Pau- lonius, M. Tilesius und J. S. Schröter, wurde er am 23. Jan. 1584 vor ') St. B.-Br., Bart fol. 210b. 2 ) Schreiben Georgs II. an Friedrich IV. vom 1. Dez. 1583 (s.u. .Nachträge"). 3 ) Schickfus 4, S. 74. ') Schreiben Georgs II. an Friedrich IV. vom 1. Dez. 1583 (vgl. Anm. 2). ") St. B.-Br., Rhediger IX, N. 277. Monumonta Gormiuiine Paedagoi'ica I.VII 1' 258 ■ Einsetzen des Niedergangs der Schule. den Herzog zitiert, und da ihre Antworten nicht der ersten Redaktion der Confessio Augustana entsprachen (Cirkler reichte sein Bekenntnis außerdem schriftlich ein), wurden sie sämtlich entlassen und aus den briegischen Landen verwiesen. Nur Tilesius widerrief unter dem Einfluß seines Vaters Balthasar, der als Pastor in Hirschberg den Rektor Ch. Schilling als Calvinisten vertrieben hatte, und wurde nicht nur wieder zu Gnaden angenommen, sondern bald auch zum Nachfolger Cirklers gemacht. Der Herzog war schwer aufgebracht, als er erfuhr, daß durch einen Schüler namens Hedwiger eine Abschrift von Cirklers Bekenntnis, die von dem Famulus Steinberg herrührte, nach Goldberg gekommen sei, und ließ nachforschen, ob dies auf Cirklers Befehl geschehen wäre. 1 ) 3. Cirklers Lebensausgang und Testament. Da es Cirkler seine Mittel erlaubten, ohne Amt zu bleiben (er war nicht verheiratet), so zog er sich ganz aus der Öffentlichkeit zurück, um still für sich und seine religiösen Anschauungen zu leben, denen er sich nun ganz hingeben konnte. In seinen letzten Tagen pflegte er sich, wenn er in Schlesien war, in Liegnitz aufzuhalten und hatte die Absicht, sich dort ganz niederzulassen, hielt sich aber so zurückgezogen, daß selbst viele Liegnitzer es gar nicht wußten, daß er in der kleinen Stadt wohnte. 2 ) Im allgemeinen führte er sonst ein ziemlich unstätes Dasein und war von der schlesischen Heimat vielfach fern. Auch hierin ging er seinen religiösen Bedürfnissen nach. Sogleich von seiner Brieger Entlassung ab pflegte er ziemlich regelmäßig nach der reformierten Pfalz, nach dem ebenfalls reformierten Zerbst oder nach Mähren zu den rechtgläubigen Brüdern zu reisen, um mit Gleichgesinnten am Gottesdienst und Abendmahl „als ein wahres Glied der reformierten Kirche" teilzunehmen. So steht er, wenn auch durch Schreiberhand entstellt, ohne Gebühr, d. h. als Geehrter, 1584 in der Matrikel der Universität Heidelberg, und aus dem J. 1591 ist ein Brief K. von Zierotins aus Brandeis an der Adler erhalten 3 ), worin ihm dieser sanfte Vorwürfe wegen seiner heimlichen Abreise und seiner allzugroßen Bescheidenheit macht, ihn seiner Liebe versichert und ihm 200 Taler auf den ') St A.-Br., F. Liegnitz III 9 b. 2 ) St.B.-Br., Rhediger XVIII, N. 54 u.113. ') Chlumecky 2, S. II—III. Cirklera Lebensauggang und Testament. 259 Hauptmann von Namiest anweist. Die Zerbster Freunde meldeten sich später. Im Frühjahr 1598 war er wieder einmal nach Mähren gereist, und sein Liegnitzer Freund Mag. S. Grunaeus, der Diakonus zu Unser Lieben Frauen, hoffte im Juni auf seine baldige Heimkehr. Er sollte nie mehr wiederkommen. K. von Zierotin hatte einen gleichnamigen Verwandten bei sich, den er wie seinen Sohn liebte und den er auch nach Straßburg schicken wollte. Er sollte in die dritte Klasse eintreten und „memoriam et stylum exercere". Zierotin vertraute seinen Vetter Cirkler zur Überführung und Unterbringung an. Im Mai brach Cirkler auf und gelangte mit dem jungen Mann glücklich nach Straßburg. Mühselig mag er die übernommene Verpflichtung erfüllt haben, denn schon im April hatte er sich so schwach gefühlt, daß er sich in Namiest selbst eine Grabschrift verfaßte. Von Straßburg begab er sich auf dem Rückweg nach Mähren in die Pfalz, nach Heidelberg und Speier, um seinen Freunden Valet zu sagen und nochmals dem Gottesdienst und dem Abendmahl beizuwohnen. In Speiei* erkrankte er schwer und starb dort am 28. Juli. Der Schüler des Z. Ursinus, Mag. Qu. Reiter aus Mosbach, der Pfarrer zu St. Aegidien und frühere Hauslehrer bei A. Dudith in Breslau 1 ), hielt ihm am 29. Juli bei dem Begräbnis in der Kirche die Leichenpredigt, die er auf das XI. Kapitel Ad Hebraeos begründete: „Von der Pilgramschaft der Kinder Gottes auf Erden". Reiter widmete den Druck dieser Rede dem älteren K. von Zierotin und fügte ihm auch in dessen Namen ein Kenotaphium bei. Zu Cirklers Andenken druckte er auch die von ihm selbst verfaßte charakteristische, die Ubiquität und damit das lutherische Bekenntnis ablehnende Grabschrift ab: „Grabschrift, welche Er Laurentius Circler seeliger in seiner Schwachheit zu N. den 16. Aprilis Anno 1598 im selbs gestelt und mit eigner Hand verzeichnet hatte. Steh still, mein lieber Wandersmann, Und ließ mich, eh du fort thust gähn: Hie liegt begraben Laurentz Circler. Hastu von ihm weß gehöret ehr, Du fragst, warum er lieg allein ') Gillet 2, S. 320f. Von der Pilgramschafft der Kinder Gottes auff Erden. Ein Christliche Leichpredigt auß dem 11. Cap. ad Hebraeos. Bey der Begräbnuß des . . . Herrn Laurentii Circleri Weyland der Fürstl. Schulen Goldberg u . Brieg. Rectoris Georg II., Heinrich XL und Friedrich IV. um die Goldberger Schule gab und dann die Stände ernstlich zur Beihülfe bei dem Versuch, die Schule aus den Trümmern wiederherzustellen, aufrief. Für die ') Gamelion Nuptiis ... Dn. Georgii Bueadorffii Sangerhusani, I. V. Doctoris . . . Et . . . virginis Annae . . . M. Petri Sickii, filiae. Celebratis Brigae Sile- siorum. Anno 1583. 13. Augusti. Beneuolae gratulationis ergo nuneupatum. Vratislaviae. In Off. Typ. J. Scharffenberg. 4 °. 2 ) St. B.-Br., Bart fol. 212. ») Ebenda fol. 212b. *) Sickius, P., Oratio de dicto Paulino: Parentes, educate liberos vestros doctrina et diseiplina Domini. Continente optimam educandi liberos rationem. Habita cum ipsi gubernatio Illustris Scholae Goltbergensis 1584 . . . committeretur. Vratislaviae. Ex Off. Typ. J. Scharffenberg. 18 Bl. 4° [E*- : Breslau, U.-B.]. Sicke als Goldberger TCektor. • 273 Hede selbst, die er nach der Übergabe des Schulregiments an ihn hielt, hatte er zum Thema das Paulinische Wort (Epist. ad Ephes. VI) gewählt: „Parentes, educate liberos vestros in doctrina et disciplina Domini", das zwar kurz sei, aber, entfaltet und in seine Teile, Form und Gedankeninhalt, zerlegt, die allerbeste Art und Weise der Erziehung der Jugend in ehrbaren Familien und in der Schule vorschreibe und darstelle. Und so wendete er sich zuerst an die Eltern und die Familie und rügte besonders die Vernachlässigung der ersten religiösen Vorbildung der Kinder. Dann fuhr er fort: „Domesticae educationi proxime succedit scholastica", die den Lehrern zufällt. Die Lehrer, da sie in der Stellung zu den Kindern den Eltern am nächsten kommen, sollen daher auch niemals väterliche Liebe zu der von ihnen zu unterrichtenden Jugend vermissen lassen. Sie haben jedoch schwierigere und vollkommenere Verpflichtungen als die Eltern zu bewältigen. Als Ziel des Unterrichts stellte er hin: „Ita in christiana iuuentute instituenda cum verae religionis doctrina sobriae philosophiae, artium dicendi et eloquen- tiae studia sunt coniungenda. Denique ad eulturam pietatis, fidei, inuocationis, gratiarum actionis et aliarum virtutum, quae non sunt folia fici, sed flammae accensae a Spiritu Sancto et primae tabulae Decalogi propria, et in seeunda tabula ad iusticiae, obedientiae, modestiae, veritatis et aliarum virtutum, quarum decus Hesperi et Eoi fulgorem, ut inquit Aristoteles, oculis hominum gratissimum longe vincit, amorem iuuentus assuefacienda est." Sehr ähnlich hatte er sich in den Brieger „Constitutiones" bei der Moralphilosophie ausgedrückt. Dann gibt er eine Geschichte der Schulen, wie sie ihm vorschwebt, von Joseph in Ägypten bis auf Friedrich IL, Friedrich III. und Friedrich IV. von Liegnitz, der nach dem lob- "würdigen Beispiel des Großvaters und des Vaters die Schule, »temporum et hominum iniuria collapsam", mit Hülfe seiner Räte wiederherstellen wolle. Der Fürst und seine Landesräte würden die ihnen von Gott gestellte Aufgabe erfüllen, Gott und der Kirche zum besten und sich selbst zu immerwährendem Ruhme. Mit einem Wunsche zum neuen Jahre und einer Bitte zu Gott schloß er. Daß e r von den Lehrern väterliche Liebe zu den Schülern verlangte und von zu harten Strafen nichts wissen wollte, war ein Ausfluß seines eigenen Wesens, denn noch nach seinem Tode wurde ihm »paternus in scholam animus" nachgerühmt. Was man in Goldberg von ihm erwartete 1 ), drückte wohl der ') St. B.-Br. ( Wenzel. Mnnnmonta Germaniae Paedagogica LVII 18 274 Einsetzen des Niedergangs der Schule. Stadtschreiber Mag. M. Thabor der Jüngere aus, der ihn im Kamen der Stadt begrüßte. Das Bruchstück, das wir von dieser Rede besitzen, ist die uns schon bekannte Biographie seines Yaters, und diese konnte nur den Sinn haben, daß Sicke an diesen, die Säule der lutherischen Rechtgläubigkeit, wieder anknüpfen sollte. Da ihn aber der jüngere Thabor in seiner Ausgabe der väterlichen „Piae Meditationes" von 1586 ohne gute Zensur läßt und ganz über ihn schweigt, hat er sich wohl auch in Goldberg friedlich und nicht prononziert verhalten. Der Goldberger Historiograph Prach erzählt 1 ), daß er das Kloster an vielen Orten erneuert, etliche neue Musea gebauet und ein ganzes neues Gebäude zu den früheren aufgerichtet habe. Das spricht dafür, daß die Schule sich anfangs unter ihm erholte, wenn sie auch, wie wir bald noch hören werden, die frühere Blüte nicht wiedererlangte. Er selbst sagte 1584: „Illustris scholac Gold- bergensis status medioeris est." Über seinen Lehrbetrieb sind wir leider nicht unterrichtet: er wird wohl aber die in Brieg aufgestellten Forderungen, z. B. sicher die in Goldberg früher auch schon üblich gewesenen Disputationen und Deklamationen der Schüler, nach Goldberg übertragen haben. Und dazu gehörte auch die Wiedereinführung juristischer Vorlesungen über die „Institutionen", die besonders für die jungen Edelleute, die man doch wieder heranziehen wollte, von Bedeutung waren. Das geht mit Sicherheit, wenn wir an seine frühere Wertung der „Institutiones" denken, aus seiner Erwähnung der „Justitia" in den Zielen des christlichen Unterrichts hervor und wird durch Prach bestätigt. Im übrigen galten die Schulgesetze Heinrichs XL auch unter Friedrich IV. weiter. Von gedruckten Publikationen liegt aus Sickcs Goldberger Zeit außer seiner Antrittsrede nur eine „Oratio de dignitate vitae coniu- galis" vor 2 ), die er Anfang 1587 vor der Schule zur Feier der Vermählung des Herzogs Friedrich IV. mit Maria Sidonia, der hinter- lassenen Tochter des Herzogs Wenzel ITI. von Teschen (20. -Tan.) zu derselben Zeit hielt, wo die Stände in Liegnitz festlich versammelt waren. Er brachte darin die Segenswünsche der Schule dar. Die G lückwünsche faßte er nochmals in einem elegischen ') Prach Bl. G2v. 2 ) Oratio de dignitate vitae coniugalis scripta & recitata, in Honorem Nuptiarum 111. Principis . . . Friderici IUI. Ducis Silesiae, Lignitii, et Bregae, ete. et Suae . . . Sponsae .. . Dn. Sidoniae Mariae, . . . Dn. Wenceslai Ducis Silesiae, Teschinensis, & maioris Glogouiae. ... Filiae A M. Petro Siokio 111. Scholae Goldberg. Rectore. Francof. March. Exe. A. Eichorn. 1587. 4". Sicke als Goldberger Rektor. 275 „Votum nuptiale Tllustvis Scholae Goldbergensis" zusammen, und sein erster Professor Mag. A. Brettius steuerte dazu noch ein griechisches und ein lateinisches Gamelion bei. Diese Rede und ihre Beigaben sollten natürlich neben der Bewährung dankbaren und patiotischen Sinnes als ein redendes Zeugnis für das Wiederaufleben der Schola illustris dienen. Schon am 26. April 1588 entriß der Tod den früh gealterten Rektor, dem Brach in seiner „Goltberga" als seinem Lehrer ein schönes Denkmal gesetzt hat, seiner Wirksamkeit. Andere urteilten im Gegensatz zu Prach sehr ungünstig über ihn. Die folgende, in Goldberg nicht mehr erhaltene Grabschrift 1 ) sollte das Gedächtnis des in der Fremde gestorbenen Mannes verewigen: „Cla- riss. & Doctiss. Vir Dominus M. Petrus Sickius Rensburg. Nobiliss. Academ. Witteb. & Regiomont. quondam Prof. Publ. Celeberr. Gym- nas. Elbing. Illustris Scholae Brieg. & Goldberg. Rector Digniss. & fideliss. Philosophus Orator Theologus Insigriis Excellens Optimus sub hoc saxo corpore conditur, animo viuit felicitate sempiterna. Obiit pie & religiöse Ao. 1588. d. 26. Apr. hora 8 matut. postqnam expleuisset annos mortalitatis 58. Rectoratus huius illustris IV. Sep- tim. 15." Er ließ den Ruf hinter sich, daß er besonders Sorge trug, „ut discipulos in sacrosancta theologia eruditos relinqueret". Von seiner Familie erfährt man, daß am 5. Sonntag nach Epi- phan. 1585 seine Tochter Katharina in Breslau den Bürgermeister der Stadt Striegau G. Titze geheiratet hat. Mag. A. Brettius mußte die Rektoratsgeschäfte übernehmen, bis ein geeigneter Nachfolger gefunden wurde. In diesem Prorektorat wurde er von J. Feige insofern unterstützt, als dieser ordentliche Lehrstunden Sickes versah. Das Zusammenwirken hatte später ein Nachspiel. Wenn wir nun der Gehülfen Sickes gedenken wollen, mögen unsere nicht eben klaren Nachrichten über den ersten Professor unter Kifer und noch unter Sickius, Mag. P. Auleander (Hofmann) aus Neiße, vorangehen. Schon vor 1569 läßt er sich in Goldberg nachweisen: denn in diesem Jahre widmete er als ehemaliger Goldberger Schüler von Leipzig aus dem Herzog Georg IL einen ln jambischen Dimetern geschriebenen „Hymnus in laudem sanc- torum angelorum". 2 ) Er war seit dem Sommersemester 1568 in ') Tolkemit, A. N., Elbingscher Lehrer Gedächtniss. Das ist: Leben u. Schriften aller Evang. Lehrer, die seit der Reformation an sammtlichen Kirchen, ■wie auch an dem Gymnasium in Elbing gelehret.. Danzig 1753. 2 BL, 442 S., 2 Taf. 4» [Ex.: Berlin, Staats-B.] S. 251. 2 ) S.o.S. 141, Anm.4. 18* 276 Einsetzen des Niedergangs der Schule. Leipzig immatrikuliert und ist wohl 1570 noch dort gewesen. Ein in Leipzig 1570 gedrucktes und dem Rate seiner Vaterstadt Neiße gewidmetes heroisches Gedicht, „Historia septem fratrum" 1 ), gibt uns allerdings sonst keinen Fingerzeig darüber, wo er sich zu dieser Zeit aufhielt. Unter dem 5. Febr. 1575 buchte ihn das "Wittenberger Album, und dort erwarb er wahrscheinlich das Ma- gisterium. Im J. 1582 war er als Konkurrent Kifers wieder in Goldberg. Sein Schüler Prach nennt ihn „vir omni scientia om- nique eruditione abunde praeditus". Im Rektorat des Sickius, spätestens 1586, verschwand er wieder über die böhmische Grenze und lebte nun als Geistlicher in Seifen unter der Herrschaft der Barone von Waldstein. K. von Waldstein hatte ihn berufen. 2 ) Von dort begab er sich 1588 nach Wittenberg, jetzt auf Vorschlag der Universität von dem Kurfürsten Christian von Sachsen zu der ordentlichen Professur der Dialektik und Ethik berufen. Gegen Ende des Jahres begann er seine Vorlesungen mit einer Antrittsrede, die seine Hörer zur Liebe der Dialektik anregen sollte. 3 ) Diese Rede widmete er dem Breslauer Patrizier J. Monau, den er seinen Herrn und Freund nannte. Im Wintersemester 1590/1 war er Dekan der philosophischen Fakultät, und als er am 23. März 1591 32 Kandidaten zu Magistern promovierte, hielt er wiederum eine Rede, „De summo fine bonoque hominis" 4 ), die er „seinem Herrn und Freunde" H. von Dieskau widmete. Das Halbjahr hatte ihm selbst vorher schon einen neuen Grad gebracht und damit den Abschluß seiner theologischen Studien 5 ), die er neben seinem philosophischen Lehramt verfolgt hatte. Am 22. Jan. 1591 hatte er seine Doktordisputation gehalten, und am 25. Jan. war ihm das Barett verliehen worden. Am 7. April ver- ') Aule an der, P., Historia Septem Fratrum, Vna cum matre truei- datorum ab Antiocho Epiphane. Reddita carmine Heroico. Lipsiae J. Rhainba. impr. 1570. 4°. 2 ) Nach der sogleich zu nennenden .Oratio". 3 ) Aule and er, P., Oratio Qua ante operarum initium, sub finem anni 88, Ad Dialectices Amorem excitare studuit Auditores suos. Vitebergae Typis Cratonianis, 1589. 20 Bl. 4° [Ex.: Berlin, Staats-B.]. 4 ) Auleander, P., Oratio de Summo Fine Bonoque Hominis: Habita cum tribueretur testimonium doctrinao triginta duobus honestis et doctis vins in Academia Wittebergensi, 23. Mart. 1591. Wittebergae Typis S. Gronen- bergij 1591. 5 ) Hierzu und für das Folgende ist die Quelle: Liber Decanoruni Facul- tatis Theologiae Academiae Vitebergensis. Ex autographo ed. C. E. F o e r s t e- mann. Lipsiae 1838. V, 17G S. S. 72/5. Sicke als Goldberger Rektor. 27" ließ er dann auch die philosophische Fakultät, wurde von der theologischen rezipiert und erhielt den Auftrag, über den Römerbrief zu lesen. Durch einen Anschlag (25. April) gah er den Studenten der Theologie von der Rezeption und der Bestätigung durch Kurfürst Christian Kunde und lud sie für den 3. Mai zur ersten Vorlesung ein. 1 ) Im Wintersemester 1592/3 führte er das theologische Dekanat, im nächsten Semester wurde er jedoch zeitweise vom Lesen suspendiert und verschwindet mit den Angaben über diese Disziplinierung, weil er wegen Abschaffung des Exorzismus mit U. Pierius und P. Calaminus als Kryptocalvinist entlassen wurde, aus den Akten und aus unsern Blicken. Die alte Goldberger Nachricht, daß er schon früher Kryptocalvinist gewesen sei, erhält wohl damit eine Stütze, und auch sein Predigtamt unter den Freiherrn von Waldstein läßt darauf schließen. Sein Nachfolger als Konrektor in Goldberg („Chrysorani gym- nasii magister Rexque secundus") wurde Mag. A. Brettius, ebenfalls ein Neißer und kein Löwenberger. Dieser war in Breslau, nicht in Goldberg, vorgebildet worden, hatte seine Studien in Straßburg unter Joh. Sturm fortgesetzt und dort auch das Magisterium erlangt. Ein Gedicht auf seine Hochzeit 2 ) sagt darüber: „Nissa natales tibi, Bresla morum Contulit cultum, schola Sturmiana Plenius perfccit et artis aequo ad- auxit honore. Chrysoris plantaris- post iuuentae Credidit, quam literulas doceres Atticas, Mores phrasium venustos, Schemata, formas." Daß er schon 1586 in Goldberg angestellt war, lassen wohl seine griechischen und lateinischen Verse bei der Gratulation Sickes zur Vermählung Friedrichs IV. mit Maria Sidonia am 20. Jan. 1587 annehmen. Er galt als tüchtiger Grieche und wurde anch sonst Wegen seines vielseitigen Wissens geschätzt. Seine späteren Geschicke wollen wir beim folgenden Rektorat zur Darstellung bringen. Als neuer Kollege erschien unter Sickius auch J. Feige, dessen ganzes Leben mit der Schola illustris verbunden bleiben sollte. 3 ) Am 24. Juni 1556 war er in Goldberg geboren. Sein Vater L. Feige hatte dem Rate angehört, und seine Mutter entstammte der be- ') P. Auleander D. Theologiae In Academia Witebergensi Studiosis S. 1 Bl. fol. 2 ) S. u. S. 310. 3 ) St. B.-Br., Wenzel, Epitaphia. 278 Einsetzen des Niedergangs der Schule. kannton Löwenberger Gelehrtenfamilie Reusner. Am 15. Nov. 1581 ist sein Name in die Wittenberger Matrikel eingeschrieben worden; er gab sich jedoch den philosophischen und linguistischen Studien nicht bis zum Magisterium hin, sondern faßte von Anfang an das Jus als Hauptstudium ins Auge. Michael Prach sagt von ihm: „post longam in studiis peregrinationem laudabilesque in utroque iure progressus, solidam etiam philosophiae et linguarum cogniti- onem . . . eligitur." Er hat als Lehrer bald die Vorlesungen über die „Institutionen" gehalten, die Sicke wieder einführte, wie Prach ebenfalls bezeugt. An dritter Stelle finden wir auch einen neuen Lehrer. Vorübergehend scheint Brettius Tertius gewesen zu sein, dann aber folgte G. Ermrich aus Goldborg, der im Sommersemester 1576 als Frankfurter Student notiert ist, aber keinen Grad erworben hat. Das war ein Rückschritt in der Zusammensetzung des Lehrerkollegiums, der nicht zugunsten einer Hebung der Schule ausgelegt werden kann, wie man sofort einsieht, wenn man damit das Kollegium der Schola illustris in Brieg vergleicht. Man darf wohl glauben, daß schwierige Gcldverhältnisse dem Rektor Sicke hier hindernd in den Arm gefallen sind. Als Kantor haben wir jetzt K. Nixdorf, auch einen Goldberger, zu nennen, der wie Ermrich, aber erst im Wintersemester 1579 die Universität Prankfurt aufgesucht hatte. So hat sich in allen Stellen ein Wechsel vollzogen; nur G. Werner lehrte wie ein eiserner Bestand als Katechet weiter und setzte in seinem Amt und in seiner Person die Tradition des Thaburnus fort. Zum wenigsten zweien von den Schülern Sickes können wir auch noch ein schlichtes Denkmal gewähren. Am 27. Sept. 1586 deklamierte öffentlich in der Schule W. Theodorus aus Haynau eine „Elegia de castis angelis" *) und widmete das Gedicht dem Senior und der Zunft der Tuchmacher (pannifices) in Haynau. Er war schon im Sommersemester 1584 in Frankfurt deponiert worden und wurde nachmals erst Lehrer an der Haynauer Schule und dann Pastor in Konradsdorf bei Haynau und in Woitzdorf. 2 ) Ein ') Theodorus, W., Elegia De Castis Angelis publice 5. Calend. Octobris Anni 86. in illustri Goldbergensium gyinnasio, Silesiorum recitata. Gorlieii Exe. typ. A. Fritschij, 1586. 4°. 2 ) Geistliches Salve, oder Abendglöcklein . .. Kürtzlich geprediget, und aber verordnet: durch Wolphgangum Theodorum Haynoviens. Sil.-an jetzo zu Conradsdorff Im Haynischen Kreiß, am Wort Christi . .. dienend u. arbeitend. Liegnitz (1612;. 4°. Sieke als Goldberger Rektor. . 279 lobenswert dankbarer Schüler Sickes war, wie wir schon berührt haben, M. Prach aus Jauer, der im Sommer 1594 ebenfalls nach Prankfurt ging und 1597 in Leipzig in Form einer Rede seine „Goltberga" schrieb l ), die eine vielbenutzte Quelle für die Geschichte der Schule wurde. F. von Gelhorn, der werktätige Gönner der Schule, wurde ihr Editionspate. Ein dritter Schüler Sickes setzte sich durch eine wohltätige Stiftung selbst ein Denkmal, das war W. von Rothkirch. 2 ) Wir können von dem Rektorat Sickes nicht Abschied nehmen, ohne daß wir noch ein aus diesem stammendes Dokument vorlegen 3 ), das, wenn es auch vielleicht nicht überall unanfechtbar ist, ein scharfes Streiflicht darauf wirft und die Verhältnisse sowie außer Sicke auch andere uns bekannte Goldberger Persönlichkeiten nicht eben günstig beleuchtet. Einzelne Striche unserer Zeichnung des Rektorats gehen schon darauf zurück. Unter dem 7. Mai 1586 schrieben Auleander und Feige einen vertraulichen Brief an den Liegnitzer Superintendenten L. Krentz- heim und den herzoglichen Hofarzt Dr. J. Baudis. Sie beriefen sich darauf, daß die Rücksicht auf ihre amtliche Stellung und ihre Verpflichtung gegen den Herzog erfordere, alles zum Wohle der Schule zu tun, und da die Schule durch die Machinationen Schlechter von Tag zu Tage mehr in Gefahr geriete, könnten sie wegen des Wohles der Schule nur zu ihnen ihre Zuflucht nehmen und ihnen auseinandersetzen, welche neuen Übel der sonst schon schlimm genug betroffenen und mit so vielen Ungetümen ringenden Schule zu drohen schienen. Sie fuhren dann fort: „Vor einigen Monaten hat G. Ermrich, unser Kollege und Freund, ein guter und gelehrter Mann, die Verwaltung der Schuleinkünfte aus solchen Gründen niedergelegt, die zu besprechen hier nicht der Ort ist, und da er in einer recht unwürdigen Lage ist, hat er sich vorgenommen, dem Schulamt gänzlich zu entsagen. Was mit dieser Verwaltung geschehen wird, darum sind wir sehr besorgt, weil wir recht wohl wissen, daß ein großer Teil des Gedeihens der Schule auf der treuen und uns nun nicht ohne Recht verdächtigen Einnahme der Schuleinkünfte beruht. Wir erkundigen uns im Geheimen und bemühen uns, aus dem Rektor herauszulocken, was mit der Verwaltung geschehen werde. Doch obgleich dieser sich nicht selten mit solchen Dingen ') Vgl. den Titel im Anfang des Buches unter «Abkürzungen". s ) G r n n a e u 3. ») St. A.-Br., Ortsakten, Fasz. XXI. 2&0 Einsetzen des Niedergangs der Schule. an uns wendet, mit denen ihn zu behelligen wir uns schämen würden, verheimlicht er uns nach der ihm eigentümlichen Sitte alle seine Pläne und ist stummer als ein Fisch. Der Bürgermeister (Z. Bart), der weder der Stadt noch der Schule wohlwill und fürchtet, daß seine und seiner Ratmannen alte Künste und die uns durchaus nicht unbekannte schofele Jagd nach Geld endlich dem Fürsten bekannt würden, wenn die Verwaltung der Einkünfte einem Manne anvertraut würde, der zu der Schule hielte, ist schon lange darauf aus (da er nicht hoffen kann, daß ihm selbst die Verwaltung übertragen würde), daß sie einem zu seiner Partei gehörenden und ihm ganz ähnlichen Menschen übertragen werde^ d. h. einem verlogenen und schamlosen, durchtriebenen und unehrlichen Manne. Und damit er die Sache erfolgreicher verheimliche, verbindet er sich mit dem Rektor, obgleich er sich seiner sehr schämt, da er ihn mit Unrecht empfohlen hat, indem er jetzt einen Menschen erlangt zu haben glaubt, durch dessen Schamlosigkeit er alles durchsetzen könne. Und diese Hoffnung täuscht den Mann nicht. Denn da der Rektor sieht, daß er wegen Unsauberkeiten, die mit Worten nicht auszudrücken sind, wegen der wunderbaren Nachlässigkeit und nicht bloß wegen der Schlaffheit, sondern wegen der Zerstörung der Schuldisziplin allen Bürgern verhaßt ist und daß er wegen der schlechten Verwaltung der Schule und wegen noch anderer häßlicher Ursachen auch alles Wohlwollen derer verloren hat, durch deren unglückliche Bemühungen er die Verwaltung der Schule bekommen hat, und wohl weiß, daß er von allen Schülern, auch von denen der untersten Klasse, gering geschätzt wird, zögert er nicht, weil er glaubt, nun ein Hauptstück gefunden zu haben, mit seinen und der Schule Feinden heimlich und offen gemeine Sache zu machen. Wir stellen das nicht etwa so ins Blaue hin, denn damit wir nicht Älteres, sondern das Neueste und Heutige berichten, so hat sich heut der Trug und die Unehrlichkeit deutlich verraten. In der Nachbarstadt Schönau ist ein durch Unwissenheit berühmter und ausgezeichneter Kantor, dessen Unwissenheit nicht bloß uns, die wir den Menschen gar nicht kennen, sondern auch dem Rektor selbst von jenem Manne, unserm Kollogen und Freunde (Ermrich), der versichert, daß ihm die Unwissenheit bekannt sei, so oft geschildert worden ist. Diesen Menschen unter die Zahl der Kollegen der Schule einzureihen, daran arbeitet unser Rat, aber durch Gottes Güte vergeblich, schon drei ganze Jahre. Diesem Menschen haben der Bürgermeister und der Rektor, von dem jener einen ihm in seinen Schlichen ähnlichen Quaestor, dieser einen ihm Sicke als Goldberger Rektor. . 2S1 an Unwissenheit nicht eben unähnlichen Kollegen erhofft, nicht nur die Orgel, obgleich sie den G. Mimer, einen Jüngling, der unserer Schule angehört und den wir zu fördern wünschten, mit leerer Hoffnung hingezogen haben, sondern auch die Verwaltung der Einkünfte zu übertragen und ihm außerdem eine Lehrstelle an der Schule zuzuweisen beschlossen. Und heut, als er dawar, haben sie ihn ehrenvoll behandelt und gebeten, er möge den nächsten Tag abwarten. Da er aber angegeben hat, er müsse abreisen, haben sie ihn ermahnt, daß er sobald wie möglich nach Goldberg zurückkehre. Denn da wollten sie gänzlich mit ihm schließen. Er wird baldigst wiederkommen. Der Stadtvogt Kulhase, ein seinem Schwiegervater [Bart] nicht unähnlicher Schwiegersohn, der schon lange die Sache betreibt und ganz und gar auf Sammeln von Geld ausgeht, das er mit großer Geriebenheit oft zu großem Verderben anderer anzuwenden pflegt, bangt auch schon sein Schiffchen daran. Denn er vermeint, einen guten Trunk mehr als die andern davonzubringen und vom neuen Organisten, Quaestor und Kollegen, der gar nicht unvermögend sein soll, 200 Taler auf Borg zu erlangen. Das sind die Künste der Gold- berger. Darum und um nichts anderes ist es unsern Leuten zu tun. Da Ihr nach Eurer besonderen Weisheit, auch wenn wir schweigen, leicht einsehet, in welche Gefahr durch diese Schliche das "Wohl der Schule gebracht wird, und wisset, zu wie großem Verderben der neue Trug und die Unwissenheit für die Schule ausschlagen kann, bitten wir, daß Ihr in frommer, Gott angenehmer und der Schule heilsamer Weise dafür Sorge tragt, daß für diese neuen Übel rechtzeitige Gegenmittel gefunden werden. Und das, was wir soeben gesagt haben, ist uns vollkommen bekannt. Durch stetes Gerücht wird uns noch anderes zugebracht und Schlimmes, das wir nicht sicher wissen, obgleich uns alles mit Recht verdächtig ist. Man sagt, der Bürgermeister wisse, daß sein Schwiegersohn, der Stadtschreiber Thaburnus, von dem Fürsten abgesetzt werden solle und daß er deshalb den oberen Kollegen stärker nachstelle, um dem abgesetzten Schwiegersohn die nächste Stelle nach dem Rektor zu verschaffen. Was aber jener Mann, dem wir sonst nicht übelwollen, der Schule nützen würde, darüber könnte, wenn wir das nicht aus vielen Gründen und Anzeichen wüßten, die erwähnenswerte Äußerung der Schüler gegen Cirkler belehren, die Cirkler selbst mir [Auleander] berichtet hat: 'Wir bellen nicht unsere gute Zeit schlecht verwenden, indem wir Thaburnus hören.' 282 Einsetzen des Niedergangs der Schule. Außerdem soll unser Sicke, der mit den unbedeutendsten und unwürdigsten Dingen zu uns gelaufen kommt und Dicht einmal seine Schüler daran, daß sie seine Stunden besuchen sollen, ohne uns zu sich gerufen zu haben, privatim zu mahnen wagt, irgend eine neue Schulordnung an den Hof geschickt haben. Diese Schulordnung ist uns, da wir das unaufrichtige, versteckte und hinterlistige Wesen des Mannes kennen, außerordentlich verdächtig, besonders weil er gegen uns auch nicht das Geringste von jener Ordnung erwähnt hat." Daß dieses Schriftstück viel zu denken gibt, ist klar, auch wenn man nicht geneigt ist, alles zu unterschreiben. Wenn dann Auleander in dem J. 1586 fortging, so dürfte das wohl in den beregten Verhältnissen seinen Grund haben. Feige war als geborener Goldberger in seiner Stellung gesicherter und weniger wanderlustig. Der neue Lehrer, gegen den beide so heftig remonstrierten, ist, nach dem Weiteren zu urteilen, doch wohl nicht angestellt worden, wenigstens nicht als Lehrer. 7. Der neue Rektor Pankraz Criiger, sein Vorleben und sein Bildungsgang. Nach dem Tode Sickes war nicht sogleich Ersatz zu schaffen; fast ein Vierteljahr verging, bis die Vakanz gedeckt werden konnte. Herzog Friedrich IV. dachte diesmal zunächst an einen schlesischen Landsmann, und am 9. Juni verhandelten in seinem Auftrag der Superintendent des Liegnitzer Fürstentums L. Krentzheim und der herzogliche Hofarzt Dr. J. Baudis mit dem Rektor der Freystadter Schule Mag. N, Ludwig aus Glogau l ), mit dem sie nahe verwandt waren. Dieser lehnte jedoch ab. Und nun wandte sich der Herzog an den Dr. theol. A. Wenzel aus Haynau in Frankfurt 2 ), den er schätzte und zu dem er als einem geborenen Untertan noch besonderes Vertrauen hegte, weil er durch eine geschichtliche Arbeit sein Interesse für die piastische Familie bewiesen hatte 3 ), um Rat. wegen der Besetzung des erledigten Rektorats. Wenzel besaß außerdem genügende Einsicht in die Bedürfnisse einer Schule, ') Abraham Frisius, Leichenpredigt für M. Nicolaus Ludwig. 1617- [Vgl. u. „Nachträge".] *) Nach Crügers Goldberger Antrittsrede. 3 ) D. Chytraeus an Herzog Georg II. Anfang 1557 (1575?). Chy- traeus S. 74/5. Horstius, J., Epistolae philosophicae et medicinales. Cum vita Gregorii Horstii scriptae a R. Reineccio. o. 0. 1596. Impens. V. Voegelmi- «Ol &, 19 Bl. [Ex.: Berlin, Staats-B.] S. 139. Der Rektor Pankraz Crüger, sein Vorleben u. sein Bildungsgang. 283 denn er war früher Konrektor in Güstrow und Rektor in Neu- Brandenburg gewesen. Er empfahl dem Herzog den Mag. P. Cru- gerius aus Finsterwalde in der Lausitz, der zur Zeit in Frankfurt ohne feste Stellung lebte, und kam selbst als Begleiter und Führer mit seinem Kandidaten zum Herzog nach Liegnitz. Sofort nach dem Eintreffen, an demselben Tage noch, wurden sie vor den Herzog gerufen, obgleich Friedrich IV. außer mit Regierungsgeschäften mit den Vorbereitungen zu einer Hochzeit, die am nächsten Tage am Hofe gefeiert worden sollte, und mit dem Empfang der dazu Geladenen reichlich zu tun hatte. Der Herzog verhandelte selbst mit Wenzel und Crüger und legte ihnen die Goldberger Verhältnisse und das, was dort zu geschehen hätte, dar. Er verschwieg die prekäre Lage der Schule nicht, aber hoffte immer noch das Beste. 1 ) Crüger fühlte sich durch den liebenswürdigen Empfang und die freundlichen Einladungen, die wohlgemeinten guten Hoffnungen in dem Kreise, der Liegnitzer gebildeten Gesellschaft angeheimelt und kam noch im Juni nach Goldberg. Seine Einführung aber zog sich bis zum 24. Juli hin, weil der Herzog es sich nicht nehmen lassen wollte, dem festlichen Akte persönlich beizuwohnen. Ehe wir zu dieser Feier übergehen, wollen wir jedoch erst noch den Lebenslauf Crügers bis zu seinem Antritt in Goldberg an uns vorüberziehen lassen. Hier ist es ganz besonders nötig. Pancratius Crüger ist eine pädagogische Erscheinung, die Teilnahme erweckt und auch verdient; er hat es von Jugend an bis zu seinem Tode nicht leicht gehabt, den Pfad durch das Leben zu finden und den gefundenen zurückzulegen. Stellte sich ihm zuerst die Armut störend in den Weg, hatte er fast immer mit Kränklichkeit zu ringen, zuletzt mit Siechtum, so konnte doch nichts seine Arbeitslust dämpfen und auch bei Ausbleiben von äußerem Erfolg u nd Mangel an Verständnis für seine Bestrebungen sein hoffnungreiches Gemüt niederdrücken. Das Siechtum und der für den Abschluß seiner Lebensarbeit, wissenschaftlich-technischer und pädagogisch-methodischer Reformen zum besten der Jugend, vorzeitige ^od haben ihn sein Ziel nicht erreichen lassen. Er war 1547 in Finsterwalde geboren. 2 ) Aus Versehen oder au s einer Laune taufte ihn der Geistliche Pankraz statt Johann, ') Nach Crügers Goldberger Antrittsrede. s ) Die Hauptquellen für sein Leben, die „Oratio Parentalis" des D. Rechner und die Einladung des Frankfurter Rektors J. Heidenreich zu dem Begräbnis Crügers, s. u. S. 309, Anm. 4 u. 3. 2S4 Einsetzen des Niedergangs der Schule. wie der Vater gewollt hatte. Crüger hat sich hinterher diesen Umstand als Omen für die Entwicklung seines Lebens zurechtgelegt. Sein Vater Gregor und seine Mutter Elisabeth gehörten dem Handwerkerstand an und waren wenig wohlhabend. Sie erzogen ihn anspruchslos und fromm. In der Schule der heimatlichen Kleinstadt erhielt er den ersten Unterricht. Dann wurde der Knabe nach Halle geschickt und mußte dort als Schüler sein Brot um Gotteswillen vor den Türen erbetteln. Hier hatte er den in Wittenberg gebildeten Mag. P. Dolscius aus Plauen, einen in Italien 1560 promovierten wohlbekannten Arzt und Poeten, zum Rektor und Lehrer. Dies war wohl mit ein Grund, daß er selbst später ein so gewandter und eifriger Poet wurde. 1 ) Etwas herangewachsen, schlug er sich lernend und lehrend in Halberstadt .als Pädagoge durch. Hierauf begab er sich auf die Universität in Leipzig und wurde dann für ein Vierteljahr Untcrlehrer und für ein Jahr Rektor, jedenfalls in einem kleinen Ort; er nennt den Namen desselben nicht. Als er hierdurch etwas Geld zusammengebracht hatte, zog er nach Wittenberg und studierte zwei Jahre auf der Universität. Ohne Promotion übernahm er nun die Kantorstelle an der Martinsschule in Braunschweig. Sein Einkommen war keineswegs glänzend und seine Ausstattung ärmlich; deshalb erbarmte sich der Rektor des Martineums Mag. A. Pouchenius aus Gardelegen seiner, nahm ihn als Privatlehrer für seine Kinder an und gab ihm Tisch und Bett. Trotz seiner schmalen Verhältnisse heiratete der Kantor etwa nach einem halben Jahre seine Jugendliebe aus Halberstadt, Margaretha Elp aus einer Goslarer Familie; sie bewährte sich vollkommen als treue Genossin und Mitdulderin. Als das Rektorat der Ägidien- schule frei wurde, empfahl ihn Pouchenius bei dem Superintendenten Dr. M. Chemnitius und der Herrschaft, und er erhielt die Stelle vor vielen Mitbewerbern. Jetzt befand er sich endlich einmal in einer glücklicheren Lage und ward auch bei der besseren Bürgerschaft beliebt. Seine Muse trat hier 1568 mit der ersten Gabe hervor 2 ), einer heroischen Schilderung der Feierlichkeiten, mit denen Herzog Julius am 12. Juli in Wolfenbüttel das Begräbnis seines Vaters, des wilden Heinrich des Jüngeren, begangen hatte. ') Eni Gedicht des Dolscius: Tn Natalem Filii Dei Domini Et Be- deruptoris Nostri Jesu Christi Elegia ... Witebergae. 1552. 4°. 2 ) Qua et magnificentia ... et pietate . . . Dominus Julius. Dux Brunsvic. et Lüneburg . . . Domino Henrico Tuniori, Patri suo . . . Wolft'enbytij funus fecerit. Anno 1568. Caroline indicatum a Pancratio Crugerio. Lipsiae J. Rhamba exe. 1568. 4 °. Der Rektor Pankraz Crüger, sein Vorleben u. sein Bildungsgang. 285 Ali der Schule zu St. Ägidieu begann er seine Reformideen zuerst in die Praxis umzusetzen, und Chemnitius gewann Interesse für ihn. Daher und weil auch wieder noch freundliche Empfehlungen des Pouchenius nachhalfen, kam er auch in Betracht, als es sich darum handelte, die Helmstedter Universität zu organisieren. Chemnitius gehörte als einflußreichstes Mitglied der Kommission an, die die Gründung vorbereitete und auch die Statuten ausarbeitete. Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel verwandelte 1576 auf Grund eines Privilegs des Kaisers Maximilian IL vom '.). Mai 1575 das 1571 in Gandersheim gegründete und 1574 nach Helmstedt verlegte „Paedagogium illustre" in eine Universität, die „Academia Julia". 1 ) Crüger wurde als einer der ersten philologischen Professoren der philosophischen Fakultät dahin berufen. Schon vor der Inthronisation war er zur Stelle und nahm am 15. Okt. 1576 an der Einweihung als Inhaber der Lehrstühle für Poetik und Grammatik teil 2 ); aber es fehlte ihm noch ein dafür notwendiges Requisit, die Würde eines Magisters. Er sollte bald dazu gelangen. Um die Vis et Potestas der am 15. Okt. promulgierten Privilegien sogleich durch ein Beispiel vor aller Welt zu erweisen, wurde am 16. Okt. auf Befehl des Fundators Herzogs Julius eine Magisterpromotion veranstaltet. Zehn Kandidaten waren vorhanden, und deren Eruditio war in den vorangehenden Tagen bereits in einem privaten Examen erforscht worden. Nun fand am 16. Okt. zuerst noch früh von 7 bis 10 Uhr ein öffentliches Examen im Hause des Neuen Kollegiums statt, und fremde Magister, darunter Dr. Heinrich Paxmann (der an demselben Tage abwesend in Frankfurt zum Rektor gewählt wurde), Mag. J. Craigus Scotus und noch e in anderer Frankfurter, sowie der erste Rektor der Julia: Heinrich Julius, Herzog von Braunschweig und postulierter Bischof von Halberstadt, mit seinem Bruder Herzog Philipp Sigismund waren zugegen. Endlich ersuchte der Rektor den philosophischen Dekan Mag. 0. Guntherus, das Examen zu schließen. Man begab sich zur Promotion, da das Kollegium die Gäste nicht faßte, in die Kirche. Wieder war der Rektor in voller Amtstracht mit dem Bruder dabei. Der Dekan hielt an die Magistranden eine Rede „De studiis philosophiae" und bat dann den Vizekanzler der Universität, wozu ') Narratio. 2 ) Koldewey, F., Geschichte der klassischen Philologie auf der Universität Helmstedt. Braunschweig 1895. 1 Taf., X S., 1 Bl. 226 S. S -1.2, 5; 25-8. 2S0 Einsfitzen des Niedergangs der Schule. für diesen Fall speziell Dr. theol. M. Chemnitius ernannt worden war, um die „Licentia tribuendi gradum et insignia magisterii philo- sophici". Nachdem ihm der Vizekanzler die Licentia erteilt, ging die Promotion vor sich. Crüger war der erste von den zehn neu- kreiertcn Magistern. Ihm fiel auch die übliche Quaestio zu, der als Thema (Ps. 27) zu Grunde lag: „Unum petii a Domino, illud requiram. ut inhabitem in domo Domini omnibus diebus vitae meae, ut videam pulchritudinem Domini et visitem templum eius." Darauf antwortete der Vizerektor Dr. theol. T. Kirchner, und mit der Gratiarum actio durch Mag. H. Oppechinus aus Wolfenbüttel schloß der Actus. Es folgte ein von dem Herzog Julius gespendetes Prandium, zu dem außer den Dozenten, den Neupromovierten und den Pestgästen auch alle adeligen Studenten eingeladen waren. Während des Festmahls, an dem der Herzog selbst teilnahm, traten studierende Jünglinge und Knaben mit Zithern, Lauten und andern Musikinstrumenten ein und trugen vor dem Herzog eine von Crüger zu Ehren Sr. Hoheit verfaßte Dichtung mit Gesang und Saitenspiel frei vor. Die Mitwirkenden stellten Religio, Justitia, Apollo und die neun Musen dar. Sie besangen die Taten der Vorfahren des Herzogs und seine eigenen Tugenden und Verdienste; am höchsten priesen sie, den Verhältnissen entsprechend, die Gründung der Julia durch Julius. Crüger zeigte sich in der Dichtung als feinen Poeten; Religio, Justitia und Apollo sprachen in heroischem Versmaß, die Musen jede in einer andern lyrischen Weise, in horazischen und selteneren griechischen Strophen. Das Festspiel erweckte bei allen Speisenden Wohlgefallen und wurde sogar der Ehre gewürdigt, in die offizielle Festschrift aufgenommen zu werden. 1 ) Dort sind die Bilder der Musen als vornehmer Damen des 16. Jh. mit ihren Wahrzeichen beigegeben und Apollo, der Glatte, als Helmstedter Professor (vielleicht Crüger selbst), bärtig, mit Barett, in langem Talar und einem Pelz darüber, die auf einen Altar gestellte Leier schlagend. Schon 1578 führte Crüger das philosophische Dekanat, und im Sommer 1579 vertauschte er seine Professur mit der für Dialektik. Nach seiner Art war er neben der amtlichen Tätigkeit auch fleißig mit Publikationen, die sämtlich aktueller Natur sind, beschäftigt. 1577 ließ er, einer statutarischen Anregung folgend, seine „Gc- nealogia dueum Brunsuicensium et Lunaeburgensium" in Tetrastichen auf alle Weifen von den Langobardenkönioen bis zu Herzog ') Navratio Bl. Ii 2. Der Rektor Pankraz Orüger, sein Vorleben u. sein Bildungsgang. 287 Julius und seinen Söhnen 1 ), eine der vielen Nachahmungen der Monosticha und Disticha auf die römischen Kaiser des C. Ursinus Velius, erscheinen. Ein kleineres Gedicht 2 ), lateinisch*und deutsch(l). widmete er in demselben Jahre der Taufe von Herzogs Julius Tochter Dorothea Augusta. Das Festspiel bei der Inthronisation der Universität muß in den höheren Kreisen ganz besonders gefallen haben, denn am 8. Juli 1578 führte Crüger am Wolfenbüttel er Hofe in Gegenwart des Erzbischofs Heinrich von Bremen, des Herzogs Julius und des Herzogs und postulierten Halberstadter Bischofs Heinrich Julius einen Streit 3 ) auf zwischen den Julischen Musen Calliope, Euterpe, Thalia, Erato, rolyhymnia, Melpomene, Thcrpsichore und Urania mit Neroniana, der Meisterin in Gottlosigkeit und Tyrannei. Im J. 1578 folgte auch ein heroisches Gedicht ähnlicher Art wie die „Genealogia". ein Katalog der Halberstadter Bischöfe 4 ) von der Zeit Karls des Großen bis auf Herzog Heinrich Julius; es feierte die am 8. Dez. 1578 erfolgte Einführung des Rektor primus et perpetuus der Academia Julia in seine bischöfliche Residenz. Das Vorlesungsverzeichnis für den Winter 1578 war mit einem empfehlenden Epigramm an den Leser von ihm ausgegangen. 1 ) Als Dekan hielt er alle seine amtlichen Reden in gebundener Form und ließ sie, zusammengefaßt, drucken. 0 ) Poetisch gratulierte er ') Crugerius, P., Genealogia illustrissimae domus Ducum Brunsvic. et Lunaeburg. coutinua patrum serie supra septingentos annos, e regio Longo- bardorum sauguine, repetita ad illustrissimos Principe« ac dominos, D. Julium Ducem eius familiae clarissimum et D. Ernestum Ludovicum Ducem Pomeraniae, h ".jus generum . . . o. 0. 1577. 9 BI. 4« [Ex.: Berlin, Staats-B.j. 2 ) Historia baptisati Christi, Latino et Teutonico carmine exposita cum b aptizaretur Julii filiola, Dorothea Augusta. Henricopoli 1577. 4°. Seelen 4, S. 197. ') Crugerius, l\, Disceptatio Musarum Juliarum cum Neroniana, im- Pietatis & Tyrannidis rnagistra: coram Principibus Henrico Archiepiscopo Bre- oiensi & Julio Duce Brunsvic: & Henrico Julio, postulato Episcopo Halber- statensi. Habita in aula Guelphibitana 8. Id. Julij. Henricopoli, C. Corneus ex c. 1578. 17 Bl. 4°. Halle, J., Zur Geschichte des Humanismus. Antiquariats- Katalog XLV. München o. J. 205 S. S. 33/4. *) Catalogus Episcoporum Halberstadensium, A Caroli Magni Imp: Tem- Poribus, ad haec usque contextus, missusque Ad . . . Principem . . . Henricum u hum . . . Episcopum eius üioeceseos, Ducem Brunsuicensem & Lunae- "Urgensem &c. Academiae Juliae Rectorem . . . tum ad Decanum & uniuersum Kathedrale Capitulum. A M. Pancratio Crugerio .. . Henricopoli 1578. 4°. r> ) Vicerector Et Professores Academiae Juliae Studiosis Salutem. Helm- st *ti 17. Octobris 1578. fol. ") Decanatus Philosophicus Quintus, Illustris Academiae Juliae, quam Se mestri aestiuo A.C. 1578 gefiit, M. Pancratius Crugerius ... Adiectae 2S8 Einsetzen des Niedergangs der Schule. auch 157Ü zu der Verheiratung des Professors der Theologie und der hebräischen Sprache Mag. J. Olearius mit einer alcäischen Ode auf Gottes zweite Anrede an die ersten Eltern im Paradies 1 ), wie er ihm vorher bei seiner Promotion zum Dr. theol. durch einen Knaben ein heroisches „Eucharisticum" hatte rezitieren lassen 2 ), und 1580 zur Vermählung von K. von Swichelde mit Elisabeth von Hoim durch ein heroisches Gedicht 3 ) auf die beiden alten Familien. Für die Dauer richtete sich aber Crüger in Helmstedt nicht ein; das Einkommen seiner Professur deckte knapp die Bedürfnisse seiner Familie, und Gelegenheit zu Nebenverdienst bot sich ihm an dem kleinen Orte zu wenig. Bei einem Besuch des A. Pou- chenius, der unterdes Superintendent in Lübeck geworden war, in Helmstedt klagte er diesem seine Bedrängnisse und bat ihn, seiner bei sich bietender Gelegenheit eingedenk zu sein. Diese Gelegenheit erschien schon 1580. Als in Lübeck nach dem um Ostern 1580 erfolgten Tode des Rektors am Catharineum Mag. J. Hanaus aus Frankfurt a. 0., der die Logik des Petrus Ilamus in Lübeck eingeführt hatte, über die Anstellung eines neuen Rektors zwischen den weltlichen und geistlichen Organen der Schulverwaltung beraten wurde 4 ) und der Superintendent Mag. A. Pouchenius auf die Frage des Bürgermeisters H. Plönnies, weil bei den Beratungen über die Verbesserung des Schulwesens seine Vorschläge nicht immer wohlwollend beurteilt worden wären, eine Antwort ablehnte, geriet der Senior Mag. G. Barth darüber in Zorn. Nachdem Plönnies den Frieden wiederhergestellt hatte, schlug dann Pouchenius auf eine neue Anfrage Crüger vor, den ihm Chemnitius in einem Briefe von Braunschweig her als einen sehr gelehrten Mann gelobt habe, der nicht nur der sunt precationes, recitatae in duabus Promotionibus Doctorum. Helmestati Exe. J. Lucius. 1579. 32 Bl. [Ex.: Berlin, Staats-B."]. ') Mir jetzt leider unerreichbar. Daher fehlt hier der genaue Titel. a ) Carmen Eucharisticum A Puero Recitatum In 111. Acad. Julia: Cum S. Theologiae Doctoratus Tribueretur .. . D. Joh. Oleario Wesaliensi, Hebraeae linguae Prof.: Scriptum autem a M. Pancratio [Crugerio] Finsterualdensi, eiusdem Acad. Prof. Helmestati Exe. J. Lucius. 1579. •) De Pervetustis Ac Nobiliss. Duabus Saxoniae familijs, Schuicheldia et Hoimia Liber Illustribus aliquot rerum Saxonicarum historijs aspersus: et Nuptiis . . . D. Cunradi A Svichelde, Principis ... D.. Henrici Julij, Episcopi Halberstatensis, Ducis Brunsuic. et Lüneburg. Consiliarij summi . • • Et Virginia ... Elisabethae Ab Hoim, . . . Ant. ab Hoim filiae: Paratus a M. Pancratio Crugerio, Acad. Juliae Prof. Helmstadii Typ. J. Luci.j. 1Ö80. 22 Bl. 4° [Ex.: Berlin, Staats-B.]. 4 ) Seelen 4, S. 146-58. Der Rektor Pankraz Crüger, sein Vorleben u. sein Bildungsgang. 289 Jugend mit Frucht vorstehen, sondern auch eine Zierde für die ganze Stadt sein würde. Man solle seine Willensmeinung erforschen. Von anderer Seite wurden A. Lenicer, Rektor in Lüneburg, H. Me- nius, Konrektor in Magdeburg, G. Bersmann, Professor in Leipzig, und von andern noch andere empfohlen. Gegen Crüger erklärte sich der Senior; er würde weder der Schule noch der Jugend von Nutzen sein, er sei gewissermaßen zur Erregung von Unruhen geboren und deshalb auch in Braunschweig entlassen worden, er habe sich zudem in Helmstedt so geführt, daß man ihn lieber möglichst bald von dort weggeben als länger bleiben sähe. Wegen der widerstreitenden Meinungen verschob man die Entscheidung darüber, ob Crüger zu berufen sei, auf den 22. Dez. An diesem Tage trat Pouchenius aus der Reserve, die er sich früher auferlegt hatte, heraus: er empfahl Crüger lobhaft auf Grund seiner eigenen Erfahrungen und lobte seinen Fleiß und seine unermüdlichen Bemühungen bei der Unterweisung der Jugend. Er sei ihm seit vielen Jahren genau bekannt und sei von ihm ein ganzes Jahr im eigenen Hause beköstigt worden. In Braunschweig sei er aus dem Kantor zu St. Martin Rektor bei St. Ägidien geworden, und, nach Helmstedt berufen, sei er mit den ehrenvollsten Zeugnissen fortgegangen, so daß nicht zu zweifeln wäre, er könne mit Recht der Schule vorgesetzt werden und werde der Stadt zu großer Zierde gereichen. Der Senior widersprach aufs neue und hatte an Crüger allerlei auszusetzen. Nach immer noch schwankenden Äußerungen der Anwesenden sagten die Bürgermeister endlich, sie hätten in Braunschweig und Helmstedt über Gelehrsamkeit, Fleiß, Leben und Sitten Crügers nachforschen lassen und erfahren, er sei so beschaffen, daß man ihm vertrauensvoll die Jugend zum Unterricht übergeben könne. Daher würden sie ihn zu einem Kolloquium "ach Lübeck berufen, und wenn sie erkannt hätten, daß er der Schule von Nutzen wäre, würden sie ihn auf ein Jahr annehmen. Man beschloß die Berufung auf dieser Grundlage. Am 9. Jan. 1581 traf Crüger ein, am 11. besprach sich Pouche- n i«s in Gegenwart der Pastoren mit ihm über seine konfessionelle Stellung und Schulsachcn, und am 12. verhandelte der Senat mit ihm wegen des Gehalts. Wir geben auch das Hauptsächliche aus diesen Besprechungen wieder, weil wir das wie das Vorangegangene zum Verständnis des Späteren nicht entbehren können. Unser Referent, J. H. von Seelen, hat für das weniger Schöne, zu dem wir "ald kommen werden, leider den Weg in usum delphini eingeschlagen wie J. Heumann in Nürnberg bei seinen Brief- MonumeDta Germaniac Pacdagogica LVII 19 290 Einsetzen des Niedergangs der Schule. Publikationen: er hat von dem Quellenmaterial das, was auch später noch patrizischen und geistlichen Ohren übeltönend war, weggelassen und so für Crüger bei der Beurteilung seiner Lübecker Irrungen die besten Stützen beseitigt. Von Seelen war auch Rektor am Catharincum und hatte also dieselbe Aufsichtsbehörde wie einst Crüger. Hinc illae lacrymae. In dem Kolloquium am 11. Jan. fragte ihn Pouchonius zuerst, ob er die „Formula Concordiao" unterschreiben wolle. Hierauf, ob er die vom Senat unter Mitwirkung der Pastoren festgestellte Lehrordnung und Lehrmethode genau befolgen und alles auf der Grundlage des „Systema Philippicum", wenn auch mit der durch die Rücksicht auf die Zeitströmung gebotenen Heranziehung des Petrus Ramus behandeln wolle. Er dürfe jedoch, wenn ihm eine ausführlichere Behandlung für bessere Fortschritte der Jugend ersprießlicher schiene, das nur nach vorheriger Mitteilung an die Inspektoren und Pastoren tun. In keinem Falle dürfe er auf eigenen Kopf ohne Befragung der Aufsichtführenden handeln. Sodann habe er zu bestimmten Zeiten öffentliche Disputationen und Deklamationen zu halten, um durch die praktische Anwendung des Gelernten die Jugend mehr zu den Studien anzuregen. Ferner liege es dem Rektor ob, die Kollegen zu brüderlicher Liebe und zu sorgfältiger Pflichterfüllung anzuhalten. Bei Vergehen und Nachlässigkeiten der Kollegen würde der Rektor zur Rede gestellt werden. Wenn Lehrer oder Schüler auf den Rektor nicht hörten, würden die Inspektoren mit Strafen einschreiten. Auf diese Punkte antwortete Crüger, er wolle die „Formula Coneordiae" gern unterschreiben, auch die Lehrordnung und die Methode wolle er beachten, und er legte den ganzen von ihm bisher befolgten Lehrgang dar. Er habe stets an dem „Systema Philippicum" festgehalten; doch habe Melanchthon in der Dialektik, besonders im zweiten Buche, manches allzu knapp behandelt, und es müßten dort einzelne Kapitel eingefügt werden; anderes habe er zu breit gefaßt, und da hätten Kürzungen einzutreten. Disputationen und Deklamationen zu halten sei er bereit, doch bitte er, mit drei oder vier im Jahre genug zu haben und mit Disputationen nicht aus dem Gebiet der oberen Fakultäten, sondern nur über in der Schule behandelte Stoffe zufrieden zu sein. Für die Disziplin rechne er auf die Mitwirkung der Kollegen. Er wolle sich W* diesen wie ein Bruder verhalten, habe aber in Helmstedt von Lübeckern gehört, daß einzelne Kollegen dem früheren Rektor Schwierigkeiten gemacht und dabei Hülfe bei einflußreichen Leuten Der Rektor Fankraz Criiger, sein Vorleben u. sein Bildungsgang. 291 gefunden hätten. An ihm solle es nicht liegen, wenn nicht alles wohl zugehen sollte, und er zähle für etwaige Auflehnungen auf das Einschreiten der Herren. Am 12. Jan. befragte der Bürgermeister H. von Doren in Gegenwart seiner Kollegen, mehrerer Senatoren und der Pastoren die geistlichen Herren nach dem Ausfall des Kolloquiums. Nach dem Abgang der Pastoren wurde mit Crüger wegen des Gehalts verhandelt, doch zunächst ohne Erfolg, weil er 400 Mark statt der dem Vorgänger gezahlten 300 vorlangte. Am nächsten Tage versprachen ihm die Bürgermeister Versorgung seiner Witwe, wenn er in Lübeck stürbe, und ein Stipendium ad studia für einen Sohn. Dafür sagte Crüger zu, daß er seine Entlassung bei Herzog Julius dringlich betreiben wolle, um zu Ostern anzutreten. Sicher aber würde er spätestens zu Johannis kommen. Und so reiste er am 15. Jan. wieder ab. Schon im April konnte er sein Wort einlösen. Er legte sich mit großem Eifer auf seine berufliche Tätigkeit; die Musen schwiegen außer in der Schule. Seine eifrige Tätigkeit aber brachte ihn auf die Bahn des Konflikts, weil er sich, wie wir schon gehört haben, zum Reformator berufen fühlte. Die Freundschaft mit Pouchenius ging darüber in Stücke, ja, dieser wurde nicht bloß sein Gegner, sondern sein unversöhnlicher Feind. Reibungen müssen schon sehr früh eingetreten sein, und wenn auch zeitweise Waffenstillstand herrschte, so entbrannte zuletzt der Streit doch mit einer so großen Schärfe, daß er nur mit dem Falle des Rektors enden konnte. Während der ersten Zusammenstöße schrieb Crüger an seinen Freund D. Chytraeus. Dieser suchte ihn aufzurichten 1 ) und ihm über die Gereiztheit hinwegzuhelfen. Er riet ihm auch wohlmeinend, seine Reformarbeit auf die Dialektik zu beschränken, die Grammatik aber lieber beiseite zu lassen. Derselbe Freund drückte ihm seine Freude aus, als er von Crüger einmal erfahren hatte, daß die Streitigkeiten einzuschlummern schienen 2 ), und suchte ihn deshalb davon abzubringen, daß er nach einem ruhigeren Orte Umschau hielt. In einem andern Briefe meldete er ihm die Besetzung des Stettiner Rektorats 3 ), versprach, ihm nach Kräften beizustehen, und forderte ihn auf, seine „Dialecticae meditationes" ^ u veröffentlichen. Da wurde Crüger durch Schritte des Pouchenius A 6 V ') Chytraeus S. 602, ohne Jahr. Der Streit bei Seelen 4, S. 158—96. J ) Chytraeus S. 678, ohne Jahr. 3 ) Ebenda S. 685, Tdibus Julii o. .T. 19* 292 Einsetzen des Niedergangs der Schule. und des Pastors zu St. Marien zu einer Anklage- und Verteidigungsschrift getrieben, die sich an eine Kommission wendete, der die Beilegung der Streitigkeiten übergeben war. Vom 30. Mai 1587 datiert dieser „Libellus aecusatorius" l ); aus ihm geht auch hervor, was der Grund zum vollen Bruche wurde, nämlich daß Pouchenius auf der Kanzel gegen ihn predigte und daß der Pastor zu St. Marien Mag. M. Rhau ihn von der Beichte zurückwies. Crüger hatte schon in Helmstedt erfahren, daß der Rektor in Lübeck den Katechismus behandeln müsse, und da er wußte, daß Mag. Gr. Henning den Ruf als Subkonrektor in Aussicht habe, hatte er diesen, der Theologe war, dafür gewonnen, den Katechismus zu übernehmen. Nach der Ankunft Hennings geschah die Übergabe des Katechismus, und sie wurde wiederholt von dem Bürgermeister II. von Doren als zweckentsprechend gebilligt. Crüger übernahm dafür Korrekturen. Nach einiger Zeit wurde ihm aus dem Wechsel ein Vorwurf gemacht: er schäme sich wie ein ruchloser Mensch, hieß es von der Kanzel aus, des Katechismus und verachte damit das heilige Predigtamt und die heilige Theologie. Durch seine verächtlichen Bemerkungen über das schlechte Latein der Kirchenväter setze er, wurde hinzugefügt, „oratio et phrases Spiritus saneti" und „sacrae scripturae" herab. Der Katechismus wurde ihm wieder aufgezwungen, und nun machte er es in der Behandlung nicht recht. Es wurde ihm, dem Philosophon und Philologen, auch schwer übelgenommen, daß er die „Loctio theo- logica", die Pouchenius sogleich bei seinem Amtsantritt als Superintendent 1575 in einem öffentlichen Lektorium eröffnet oder von neuem eingeführt hatte, nie besuchte und es sogar aussprach, er wolle nicht dabei erscheinen. Wahrscheinlich, meinte Pouchenius, weil das Postillen- und theologische Pfaffcnlatein seinen Ohren nicht wohlklinge. Er besuchte auch nach der Ansicht seiner Gegner Kirche und Predigt zu selten und soll während der Streitigkeiten fast länger als ein ganzes Jahr seine Stelle auf dem Chor bei den Knaben nicht eingenommen haben. Der Angegriffene nannte die Vorwürfe wegen Verachtung des Katechismus aus gottlosem Herzen eine grobe Unwahrheit, und wenn er von einem Geistlichen gesagt habe, er -könne nichts mehr als Postillenlatcin, so dürfe man das nicht auf die Bibel und ihre phrases umdeuten. Die Vergewaltigung des Rektors wegen des Katechismus, der ') Seelen 4, S. 159. Der Rektor Pankraz Crüger, sein Vorleben u. sein Bildungsgang. 293 Zwang, daß er, obgleich kein Theologe, den Keligionsunterricht behalten mußte und ihn einem Theologen, der vorhanden war, nicht übergeben durfte, wirft ein eigentümliches Licht auf die durch die Reformation geschaffene Lage der Schulleiter gegenüber den Geistlichen, die einer Knechtschaft bedenklich ähnlich sieht. Die Theologie war eben noch, ganz wie in dem „dunkeln" katholischen Mittelalter, die Herrin und Gebieterin aller geistigen Tätigkeit. Wundern könnte man sich nicht, wenn nach der Ver- ketzerungssucht der Zeit hinter der „Yerachtung" des Katechismus Kryptocalvinismus oder ein ähnliches Verbrechen gesucht worden wäre. Im Bekenntnis war ihm also nichts am Zeuge zu flicken, und auch sein sittliches Leben bot nicht die geringste Handhabe zu Angriffen für die durch den Haß geschärften Luchsaugen seiner Gegner. Der zweite Grund des Streites war das Streben Crügers nach einer „Reformatio studiorum". Hatte ihm Pouchenius einst offiziell mitgeteilt, daß er in der Dialektik neben Melanchthon auch Petrus Ramus, den Zerstörer des Molanchthonischon Aristötelismus, berücksichtigen solle, so warf man ihm jetzt vor, daß er von dem „Systema Philippi" abwiche, obgleich er Melanchthon dem Ramus vorzog und Ramus sogar wieder beiseite schob. Fortwährende Visitationen und Revisionen, auch der Hefte der Schüler, gaben Pouchenius den Stoff, um ungezählte Einwände zu erheben. Jeder Ausdruck wurde ihm verdacht, bekrittelt und zum Verbrechen gestempelt. Dasselbe wandte man auf die Behandlung der Grammatik a ", in der lateinischen und der griechischen wie in der hebräischen Sprache, ja, bis in die Musik hinein gingen die Anklagen. Selbst wenn er statt „Nominatiuo hie magister, Genitiuo huius magistri" etc. kurzweg „magister, magistri" etc. deklinieren ließ, war das unordentlich. Die Einwürfe Crügers, daß er Th. Linacer folge, daß der ■Dr. theol. Chemnitius seine Methode in der Braunschweiger Ägidien- schule gebilligt habe, und das glänzende Zeugnis der Helmstedter Universität für Crüger ließ Pouchenius nicht gelten und ebensowenig Q ie Zustimmung des Theologen D. Chytraeus. Dagegen führte er 0. Günther in Helmstedt und J. Caselius in Rostock als Gegner Krügers an. Nur über die Disputationen und Deklamationen, die er in lateinischer und griechischer Sprache, in gebundener und ungebundener Rede öfter veranstaltete, hört man keinen Tadel. Dafür nieder über die Disziplin. Daß diese ihm durch die Gegner gänzlich untergraben wurde, darüber schwieg man, aber daß die nicht 294 Einsetzen des Niedergangs der Schule. enden wollenden Revisionen nach seiner berechtigten Meinung der Schule mehr schadeten als nützten, wurde ihm als Verachtung der Schulinspektion ausgelegt. Es gab schließlich kaum noch etwas, was ihm nicht nachgesagt wurde: schlechte Behandlung der Kollegen und der Schüler, unziemlicher Verkehr mit katholischen Priestern, Anstiftung von Zwietracht zwischen dem Senat und dem kirchlichen Ministerium, zwischen dem Ministerium und der Schule, Vernachlässigung des öffentlichen Unterrichts, sophistische Examina usw. Es war daher kein Wunder, daß man endlich, da die Schule selbstverständlich durch die Zwistigkeiten schwer litt, alles in die Worte zusammenfaßte: „Er ist der Schulen Untergang zu verantworten schuldig und niemand anders." Obgleich trotz alledem Crüger selbst im Senat Schirmherren hatte, so mußte er doch schließlich den übermächtigen Gegnern weichen, ja, er wurde sogar durch eine ausführliche Urfehde mundtot gemacht. Und so konnte Pouchenius, der seinen ehemaligen Schützling wiederholt des schwärzesten Undanks geziehen hatte, am 29. Okt. 1588 in sein Exemplar von P. Ebers Kalendarium schreiben: „Hoc die a Senatu Lubecensi remotus est a gymnasiarchatu M. Pan- cratius Crugerus ob simultates et manifestas inimicitias, quas aliquot annis aduersus superintendentom, me, et M. Michaelem Rhau, pastorem ad d. Virginem, palam et furiose exereuit. Et manu ßti- pulata iuramenti loco promisit nee sc ipsum nee per alium, publice aut priuatim, scripto aut voce hac de causa quenquam conuicia- turum esse. Anno 1588 hora 9 antemeridiana in consistorio con- claui." Den Ausgang und seine nun traurige Lage teilte Orügcr seinem Freunde Chytraeus alsbald mit. Dieser hatte die Ereignisse kommen sehen und hatte sich daher um seinetwillen, schon ehe die letzten Nachrichten eintrafen, .an N. Frischlin gewendet 1 ), von dem ihm mitgeteilt worden war, der Hildesheimer Rat suche einen an Frömmigkeit, Gelehrsamkeit und Autorität ausgezeichneten Rektor, und man beriet in Hildesheim tatsächlich wegen Crügers Berufung. Aber die Befürchtung des Chytraeus, daß die Freunde seines Gegners hindernd dazwischentreten würden, traf wohl zu. Chytraeus dachte noch kurz vor seinem Tode seines Freundes Crüger, und als der hervorragende Theologe und Gelehrte 1600 starb, widmete ihm dieser dankbar eine Elegie 2 ), die mit den Worten schließt: ') Chytraeus S. 821, die Catharinae o. J. J ) Memoriae ... Davidis Chytraei Theologi, Philosophi, Historici Prof. Acad. Rostoch. . . . defuneti, VII. cal. jul. Monumentum Positum a Fan- Der Rektor Pankraz Crüger, sein Vorleben u. sein Bildungsgang. 29£ „.....Magni post fata Philippi Tu nisi par illi nemo, Chytraeo, fuit. O anima illustris, salue, quam regia coeli Dum tenet, in fcerris inclyta fama colit. Quod si cura tibi morienti nomen in ore, Testis ut est nati littera, ferre meum Dulcemque extremo testari pignore amorem, Haec mihi, quae noram vera, tacere nefas." Vorläufig aber war Crüger ohne alle Aussichten. Noch bis zum Anfang des J. 1589 blieb er, wahrscheinlich notgedrungen, in Lübeck. Damals schrieb er als Facit der Lübecker Episode an die Wand seines Studierzimmers: „Dum studeo ante alios tenerae prodesse iuuentae, Ante alios hominum praemia more fero." Ein Lübecker Zeitgenosse 1 ), der auch seine logischen und rhetorischen Neuerungsversuche sympathisch beurteilte, sagte anerkennend von ihm: „Vir fuit in dicendo disertus, in disputando acutus, in disciplina scholastica regenda seuerus." Das "Wintersemester 1588/9 war noch nicht abgelaufen, als er in Prankfurt a. 0. anlangte und dort immatrikuliert wurde. Ein Lehrstuhl war zur Zeit nicht frei, und als er sich nach Hülfe umtat, blieb sie aus. Er bat um Brot und erhielt einen Stein oder den letzten Backenstreich Lübecker Herkunft. Er schrieb an den bekannten Philologen J. Caselius nach Rostock und legte diesem, den ei " für seinen Freund hielt, seine Lübecker Erlebnisse und seine augenblickliche Lage dar. Caselius fällte auch kein günstiges Urteil über Pouchenius, er nannte ihn „mirus homo, acris item animi Vl,,u . Daran schlössen sich aber lange Lehren 2 ) für Crüger: er werde, da er sich durch Begabung auszeichne und durch Arbeiten •ucht leicht zu ermüden sei, mit geringer Mühe wieder hochkommen, u nd das scheinbare Unglück werde ihm nicht zum Schaden gereichen. Er solle der Universität Frankfurt seinen Fleiß und Streben nach Bescheidenheit und Wahrheit zeigen, und das würde er tun, wenn er privatim gute griechische und lateinische Schriftsteller erklärte. Hingegen solle er in den Disziplinen durchaus nichts Neues aufbringen, sondern, wenn er „siue in arte dicendi siue in altera dis- cl 'atio Crugerio ... in Acad. Marchica Prof. Francofurti Typ. F. Hart- ^anni, 1G00. 2 Bl. 4» [Ex.: Berlin, Staats-B.]. ') Seelen I, S. 127; es war der Bürgermeister H. Brockes. 2 ) C1 B ussen S. 10, N. 47. 296 Einsetzen des Niedergangs der Schule. serendi vel ratiocinandi" etwas behandeln wolle, nicht von der Weise der Alten abgehen, da sie vollkommen sei. Die Logik z. B. sei seit Jahrhunderten bewährt, sie könne nicht ohne einige Kenntnis der Philosophie betrieben und nur von dem richtig erfaßt werden, der von Kindheit an in allen Teilen der Philosophie sich lange Zeit und eifrig umgesehen habe. Die mit Vernachlässigung des Studiums der Weisheit Neues ausgedacht hätten, hätten ihre unglücklichen Hörer mit ihren schnöden Hirngespinsten nur in tiefere Unwissenheit versenkt und ihnen zugleich mit der greisenhaften Fähigkeit zu schwatzen eine große, aber falsche Vorstellung von Weisheit beigebracht. Dagegen die, welche die Philosophie und die Disziplinen der Alten brav gelernt hätten, die erst konnten ein wenig verbessern und zu Guterfundonem anderes mit Recht zufügen. Richtiger würde; er für sich sorgen, wenn er auf die ihm schon gezeigte Art dem gemeinen Nutzen diente. Dann verhieß er ihm, sobald er erfahren, wie die Anfänge sich anließen, an gewünschte Adressen zu schreiben, und um so bereiter, wenn er auch von andern etwas über seinen Fleiß vernommen hätte. Und wenn er fleißig arbeite, möge er sich nicht allzusehr auf die eigene Befähigung verlassen, denn die das täten, bemühten sich nicht um wahre Urteile, die schon, nicht durch die Zeit, vielmehr durch Beweise, bestätigt seien, sondern erzeugten mit Eifer und Leichtigkeit neue und falsche Meinungen zum eigenen und öffentlichen Schaden. Der bis zum Reaktionär konservative Caselius, der mit den Ramisten allerdings schlechte Erfahrungen machte, sagte sich, wenn man den Kern der Ausführungen betrachtet, mit seinen guten Lehren von Crüger,- der sich nach ihm, von seiner geistigen Arbeit trennen und erst Beweise von seiner Artigkeit vorweisen sollte, los. An demselben Tage, am 15. April, schrieb er an Mag. B. Ga- minaeus nach Frankfurt 1 j und empfahl ihm für eventuelle Anstellung an der Universität K. Memmius, den Sohn seines ehemaligen Kollegen Dr. P. Memmius, der zu gleicher Zeit wie Crüger Rektor Stadtarzt in Lübeck gewesen war. Und als er die Kunde erhielt, daß der Frankfurter Professor der Poetik Mag. M. Haslob gestorben sei (28. April 1589), wandte er sich am 15. Mai finden jungen K. Memmius 2 ) nochmals an den Dekan und die ordentlichen Professoren der philosophischen Fakultät wie an den Rektor und Senat; dagegen dachte er an den in Helmstedt bewährten alten und in Verlegenheiten schwebenden verheirateten Poeten ') Claussen S. 11, X. 48. 2 ) Ebenda S. 19. X. 72. Crüger als Rektor in Goldberg. 2ti7 Crüger mit keinem Worte. Aber Caminaeus, der Angerufene, dadurch auf eine gefährliche Konkurrenz aufmerksam gemacht, nahm die freie Stelle rechtzeitig für sich selbst in Anspruch und erhielt sie. Eine größere Anzahl der Frankfurter Dozenten hatte Crüger als Ersatz für Haslob ins Auge gefaßt, und als man doch nicht umhinkonnte, dem Kollegen Caminaeus die Stimme zu geben, machte man, da geglaubt wurde, dieser würde die Professur nicht lange behalten, Crüger Aussicht auf die Nachfolge. Das war ein Wechsel auf die Zukunft mit langem Ziel. Und von Aussichten wird niemand satt. Ein Gratulationsgedicht 1 ), das Crüger dem Rektor des Sommersemesters 1589 Ludwig Grafen von Eberstein beim Amtsantritt überreichte, wird ihm wohl auch nur einen kleinen klingenden Lohn eingebracht haben. Da kam das Angebot des Goldberger Rektorats, und wir werden gern glnuben, daß Crüger dachte: „An non parendum Deo vocanti?" 8. Crüger als Rektor in (Joldberg. In Goldberg spielte ihm seine Anfälligkeit sogleich einen Streich: ihn, den von der Reise schon Angegriffenen, befiel ein Fieber, so daß er seine Inaugurationsrede nur mit Schwierigkeiten ausarbeiten konnte. Sie ist doch eine schöne, trotz des blühenden Stils sachliche und taktvolle Leistung geworden; wir müssen nur die auf die Publikation berechnete Fülle im Drucke (7 Lagen!) hinwegdenken. Am Einführungstag, dem 24. Juli, war der Herzog Friedrich IV. nut einem großen Gefolge von Räten und Vornehmen des Herzogtums zugegen. 2 ) In seinem Auftrag übergab nach einer Rede „De scholarum tum dignitate tum utilitatibus" der herzogliche Rat und Legist Mag. B. Matthäus aus Wittenberg dem neuen Rektor feierlich die Schule und setzte ihn dem gesamten Coetus der Lehrenden Uj id Lernenden vor. Darauf ergriff Crüger das Wort, um „De difficultate scholastici muneris et quo animo ad id accesserit" zu s Prechen. Er begann mit allgemeinen Betrachtungen über die grolle ') Qratulatio . . . D. Ludouico, Coiniti ab Eberstein, Domino Neogarti et •Massoae, Acad. Francofurtensis Rectori . . . Cum ipsius generositas Magistratuin "oholasticum iniret, 8. Cal. Maij, 1589 . . . scripta, a M. Pancratio Crugerio. T yp- A. Eichorn, 1589. fol. 8 ) Vgl, die Widmung der bald zu nennenden Antrittsrede Crügers. S. 301, A nni. 1. 2«)8 Einsetzen des Niedergangs der Schule. Schwierigkeit der Disziplin für einen Schulleiter bei der aus ganz verschiedenen, selbst aus ausländischen Gebieten stammenden, nach Begabung, Sitten und häuslicher Erziehung ganz ungleichartigen Menge von Schülern, besonders in dieser Zeit, wo man nicht bloß von „levitas" und „petulantia", sondern eher von „ferocitas" und „improbitas" reden müsse. Wenn man das Amt mit Nutzen für die Schüler und zur Zufriedenheit der Menschen verseilen wolle, gehörten nicht nur große Gaben des Körpers und des Geistes, sondern auch Glück dazu. Mut für die schwere Aufgabe gebe ihm das Bewußtsein, daß er nicht auf die eigenen Kräfte vertrauend hierher gekommen sei, sondern in der Überzeugung, daß ihn Gottes Wille und Befehl an diese Stelle gebracht habe, um das, was er imstande sei, zu leisten. Hiervon geht er auf die hohen Anforderungen an einen Lehrer im Unterrichten über. Er nennt ihn den Merkur, der zwischen Gott und der Jugend vermittelt. Sodann bespricht er die Aufgaben in der Übung der Disziplin im speziellen und zerlegt diese in Anforderungen „ingenii, prudentiae, artis" und der Autorität („maiestas"), die eine Gabe der Gottheit sei. Darauf erörtert er die Hindernisse, die Arbeit und Eifer vergeblich machen und in den Kindern, in den Eltern, in den Freunden, in Gcsundheits- verhältnisson, in Abhaltungen und auch in irgendeiner vis maior gelegen sind. Als Sündenbock nehme man herkömmlich bei Verfehlungen der Knaben die Lehrer, deren Worte und Tun man verdrehe oder in schlimmem Sinne auslege oder wohl gar verleumderisch verunstalte. Und oft schlössen sich Haß, Streitigkeiten und Rachsucht an. Es gebe jedoch in einer wohlgeordneten Ge- mi'indc auch Schutz. Er schließt sein eigenes Thema ab, indem er das Ideal eines Lehrers schildert, der ein Muster in allen Tugenden sein müsse, wenn er seine Aufgaben erfüllen wolle, und das sei die schwerste Anforderung, die an den Lehrenden gestellt werde. Die Anforderungen zusammenfassend, fragt er sich selbst, ob er ihnen gewachsen sei, und gibt der bescheidenen Hoffnung Raum, daß ihm Gott, der ihm in seinem bisherigen Lebenslauf Wohltaten und Hülfe bei Beschwernissen erwiesen habe, auch nun beistehen werde. Er werde seine Erfahrungen und das gereifte Urteil dazu verwenden, der Hoffnung der Anwesenden und dem eigenen Wollen zu entsprechen. Vom ersten Anfang seiner Lehrtätigkeit an habe er alle seine Gedanken und Arbeiten auf die Verbesserung des Unterrichts der Knaben in den Anfangsfächern nach bestem Können und Wissen verwandt. Bald sei er am Ziele angelangt, und die Leser würden Crüger als Rektor in Goldberg. 299 sich von seiner Sorgfalt überzeugen. Er wisse aber sehr wohl, daß auch er noch zu lernen habe, und er wolle gern lernen (in dem Folgenden bricht seine Gereiztheit über sein Lübecker Ungemach trotz der friedlichen Festlichkeit unaufhaltsam hervor), doch von denen, die in derselben Bahn gelaufen seien, nicht von denen, die sie durchbrochen oder in Unordnung gebracht haben; von denen, die von Erfahrenen gelernt hätten, nicht von denen, die die Erfahrenen mit vatinianischem Hasse ohne Aufhören verfolgt hätten; von denen, die selbst über diese Dinge nachgedacht hätten, nicht von denen, die nicht einmal im Traume, was gut lehren sei, gesehen hätten oder die, wachend und in der gegenwärtigen Sache stehend, doch nicht sehen wollten; von ehrlichen Männern, nicht von Schleichern; von milden, nicht von streitsüchtigen; von wohlwollenden, nicht von feindseligen; von Mahnern, nicht von Schmäh- siiehtigen; von Forschern nach Wahrheit, nicht von Vorkämpfern für Sophisterei; von Disputatoren, nicht von Kampfbahnen; von denen, die Beweisgründe beibringen und nicht von solchen, die mit der bloßen Autorität kämpfen. Nun aber gesteht er ein, wie unzulänglich er doch für alles zu Leistende sei. Nochmals verweist er besonders auf die allen bekannte Verrohung der Jugend und das vergebliche Ankämpfen dagegen durch die ausgezeichnetesten Männer in der Kirche, in der Schule, am Hofe, im Gerichtssaal, in den häuslichen Wänden, in öffentlichen Zusammenkünften. Was diese nicht leisten könnten, wie sollte das ein unbedeutender Schulmeister bewältigen können! Und das bereite ihm großen Schmerz. „Wenn ich diese Mauern anschaue", sagt er ungefähr weiter, „die als Zeugen der alten Zeit die Versammelten umgeben, diese Bänke, jetzt voll von der erlauchten Corona, sonst aber fast leer, dieses Katheder, auf dem ich stehe, wenn ich es betaste und drücke, das einst ein so bedeutendes Gewicht getragen hat, geht ein wunderbarer Gedanke durch meinen Sinn und erregt ihn: an dich nämlich, Valentin Tro- zendorf, denke ich, du trittst mir entgegen, du stehst mir vor Augen, du haftest in meinem Blick mit dem Antlitz, das ich weder jemals lebend gesehen noch auch nach meinem Alter sehen gekonnt habe, ft ber das man mir vor kurzem in dem Bilde und in Marmor ge- zeigt hat, das mir der Ruf jedoch schon früher geschildert und überliefert hat. Dieser Ruf hat mir deinen Geist und die Denkmäler deines Geistes noch mehr geschildert und empfohlen." Und nun ergeht er sich in einer musterhaften Schilderung der Bedeutung Trozcndorfs und des Lebens und Treibens in seiner Schule 3(J0 Einsetzen des Niedergangs der Schule. und schließt mit den Worten Melanchthons, des Fürsten aller Gelehrsamkeit und Bildung: wie einst Scipio At'ricanus zum Kommando eines Lagers, so sei Trozendorf zur Leitung einer Schule geboren gewesen. Goldberg, wenn auch klein und unansehnlich, war damals der gelobteste Ort Schlesiens. Von hier strömten, nicht wie aus dem trojanischen Pferde, denn das wäre für die Menge zu eng gewesen, sondern wie aus einem Bienenstock, der immer wieder neue Generationen erzeugt, ausgezeichnete Männer in alle Berufe und Stände dos öffentlichen Lebens. Einen so großen Mann nachzuahmen, bleibe ein frommer Wunsch. Die ihm nachfolgten, sonst vorzügliche Männer und reich an Lob der Gelehrsamkeit und des Fleißes, haben, je näher sie ihm noch waren, die Schule oder das Bild seiner Schule voller festgehalten, je weiter von ihm entfernt, um so schwächer, bis die Sache zum Schatten wurde und in den Zustand kam, in dem sie sich jetzt befindet. Leere herrscht in den schönen, durch die Freigebigkeit der Fürsten neu geschaffenen Räumen, wenige bewegen sich in den Korridoren und wenige genießen die Wohltat der Fürsten. Das ist aber nicht die Schuld der Nachfolger jenes hochberühmten Mannes, sondern teilweise der Ungunst der Zeiten und teilweise eines besonderen Grundes. Allerdings hat die Schule auch zu Trozendorfs Zeit unter Hungersnot gelitten, sie ist durch die Pest zerstreut worden und mit der Stadt in Flammen aufgegangen und hat die Wanderschaft antreten müssen. Nicht sogleich und vollkommen konnte sie sich erholen; Bart, nun Bürgermeister, legte zuerst Hand an zur Besserung und dann Thabor, der um die Schule hochverdiente und an Gelehrsamkeit und Fleiß Trozendorf am nächsten kommende Mann, flößte ihr allmählich wieder neues Leben ein, und doch blieben noch manche Nachwehen von dem überstandenen Siechtum zurück. Dazu entstanden, wie das vorher nicht der Fall war, in der Nachbarschaft und in ganz Schlesien viele Schulen, die auch Berühmtheit erlangten, und weil das Licht des göttlichen Wortes sich über Deutschlands Grenzen hinaus, nach Böhmen, Ungarn, Polen und den andern Nachbarreichen und zu den Völkern verbreitete, hatten diese das nun zu Hause, in der Heimat, was sie früher aus einem einzigen Orte in Schlesien weither holen mußten. Diesen könnten zum Nutzen von Goldberg die ihnen zum Heile dienenden, wohleingerichteten, aufblühenden Schulen nicht wieder genommen werden. Daher sei es auch nicht wunderbar, daß die Goldberger Schule niemals wieder die alte Bedeutung ganz erreichte und zwischen Erheben und Zurücksinken schwankte, bis sie zu schwinden und schwach zu werden (Jriiger als Rektor in Goldberg. ;j<) | anfing, obgleich sie hochgelehrte, arbeitskräftige und auf die Hebung der Schule mit allem Sehnen bedachte Rektoren hatte. Es fehlt die Nahrung von außen her, es fehlt die Luft, die einst wehte, die frühere Lage der Dinge ist weg, die günstige Gelegenheit verschwand: jetzt sind andere Sitten, unähnlich ist die Denkweise der Menschen, verwandelt das Wesen der Orte, geändert sind die Zeiten. Es fohlen jetzt der Goldbergcr Schule „grandes ac bar- buti homines et innumera finitimorum et a longinquis ignotaeque linguae gentibus profectorum multitudo". Gewiß würden jetzt solche kommen, die den neuen Rektor nicht mit seinem Maße, sondern nach fremdem messen, die Tro- zendorfs Leistungen und Erfolge von ihm verlangen oder in ihm einen zweiten rettenden Thabor erblicken („Non possumus omnes esse Trocedorffii, non Thaburni", sagt er an einer andern Stelle) und die guten Seiten anderer, in ihm vereint, suchen würden, und kaum fände man eine Schule, bei der soviel Beispiele des Lobes, soviel Zierden an Schultugenden wie unter den früheren Rektoren der Goldbergcr Schule, die zwar auf wenig Schüler zurückgekommen und unansehnlich geworden, aber an Kostbarkeit des Namens und an den besten Vorzeichen überreich sei. Das bedrücke ihn und gebe ihn dem Zweifel preis, ob er das, was man mit Recht von ihm fordere, auch zu leisten imstande sein werde. Damit hat er den Übergang zu der Darlegung, wie es gekommen sei, daß er die Stellung übernommen habe, daß sie ihm ehrenvoll angeboten und übertragen worden sei und daß er darin den Ruf Gottes erblickt habe und zu befolgen meine. Er dankt dem Fürsten, der mit seinem Gefolge gekommen sei, um ihn persönlich einzuführen, und überschüttet ihn mit Lob wegen seiner Verdienste um die Schule. Mit einem langen Gebet, in dem er zuerst des Gründers der Schule, Friedrichs IL, und dann des »Weiten Wohltäters, Friedrichs IV., gedenkt und Gottes Schutz und Gnade für die Schule anruft, schloß er die Feier. Bei dem festlichen Mahle, das den Fürsten, seine Begleiter, den Rat und die Angeseheneren der Stadt und die Lehrer vereinte, °rsuchte der 68 Jahre alte S. von Zedlitz und Neukirch, der einst ac ht Jahre Trozendorfs Schüler in Goldberg gewesen war, Crüger, die Rede, worin er den unvergeßlichen Trozendorf so herrlich gepriesen habe, zu drucken und sie dem Herzog, aber auch den ^nden des Herzogtums zu widmen. Dem Druck 1 ) haben der ') Crugerius, R, Oratio ad illustrissimum prineipem Du. Fridericum, ßueem Legnicensem, &c. amplissivnos eius Prouinciae ordines: De difficultate ;j()2 Einsetzen des Niedergangs der Schule. Förderer Crügers Dr. A. Wenzel und der gekrönte Poet und Frankfurter Schulmeister M. Abel zu Ehren und zur Empfehlung Crügers poetische Gaben beigefügt. Wenn es nur in Erfüllung gegangen wäre, was Wenzel wünschte! „Hine tibi Troczdorffo par fulgens crescet honore Gloria, dum crescat, ceu bene coepit, opus. Florentem is rexit, sed tu seruare cadentem Niteris, ex duris gloria certa venit. Concipe spes firmas, nec cum duce numina. fallcnt, Pancratti, impensae robore euneta tuae." Daß sich Crüger mit frischem Mute an die Arbeit begab, zeigen die Publikationen der ersten beiden Jahre. War er in Lübeck nur mit Thesen hervorgetreten und sonst still geblieben, hier fand er wieder die Lust zu prosaischen und poetischen Darstellungen. Schon die überaus umfangreiche und sorgfältig gearbeitete Ausgabe der Rede zählt dabei mit. Eine zweite Rede folgte. Sein Landesherr Friedrich IV. vermählte sich zum zweiten Male am 4. Dez. 15h!) in Holstein mit Dorothea von Holstein- Sonderburg. Für diesen Tag sagte Crügcr öffentliche Ferien an und hielt in der Schule vor geladenen Gästen und seinen Schülern eine Rede l ), die eine auf die Neuvermählten bezogene Paraphrase der mosaischen Erzählung vom Ursprung der Ehe im I. und 2. Kapitel der Genesis war und die er diesen auch widmete. Bei dem Einzug des herzoglichen Paares in Liegnitz im Januar 1590 brachte er die Glückwünsche der „Schola illustris Aurimontana" 2 ) in einem heroischen Gedicht „Chrysoris" dar. Als Zeichen seiner Dankbarkeit schrieb er wie M. Abel ein Gedicht zu dem in Wittenberg seholastici muneris, et quo animo ad id accesserit: Cum illustri Scholae Aun- montanae gubernandae praeficeretur, JX. Cal. Sextiles 1589. Impr. Francofor- diae ad Viadrum, Typis Sciurinis. 0. J. 28 Bl. 4» [Ex.: Breslau, U.-B.]. ') Oratio Sacra augusto matrimonio lllustrissimi Principis . . . Fridenci Ducis Silesiae & Lignitij. Et IM. principis . . . Dn. Dorotheae Cimbricae, &c. Continens Paraphrasim narrationis Mosaicae de ortu Coniugij, ex Cap. 1- & 2 - Geneseos. In Schola Aurimontana Silesiorum . . . prid. Non. Decemb. 1589. recitata a Pancratio Crugerio . . . Francofordiae ad Viadrum typis Sciurinis. O.J. 12 Bl. 4" [Ex.: Berlin, Staats-B.]. 2 ) Chrysoris, hoc est, De . . . Principis ... Dn. Dorotheae Cimbricae, oriundae e Daniae Regum genere, In Silesiam atque arcom Lignitiam . • • ad ' ventu, qui incidit in mensem Januarium 1590. Illustris Scholae Aurimontanae nomine: Gratulatio scripta a Pancratio Crugerio ..., Reetore. Impr. Vra- tislaviae,- per her. J. Scharffenberg. 0. J. 4 °. Crüger als Itektor in Goldberg. 303 gedruckten Bilde des A. Wenzel. 1 ) 159'! weihte er dem am 2. März gestorbenen kaiserlichen Rate und Hauptmann der Erbfürstentümer Schweidnitz und Jauer M. von Logau und Altendorf ein heroisches Ehrengedicht. 2 ) Der Schultätigkeit gab er sich, wohlbewußt seiner Aufgabe, „admirabili industria" hin, wie ein Kenner, Mag. M. Laubanus, zehn Jahre später von demselben Goldbergcr Katheder herab sagte: oder „ineredibili industria, studio, Labore, diligentia", wie der Gold- berger Schüler M. Prach sich ausdrückt; aber ein rechter Erfolg wollte sich nicht einfinden, obgleich die Schüler ihn hochschätzten und liebten und sich bemühten, dem Bestreben ihres Lehrers zu entsprechen. Selbst ein Verwandter, den wir später noch genauer kennenlernen werden, sein Schüler Mag. D. Vechner aus Goldberg, spricht sich wie auch Prach darüber unumwunden aus :! ), und der springende Punkt war derselbe wie in Lübeck. Vechner sagt etwa: „Ich gestehe frei, daß Pancratius, solange er in meiner Vaterstadt lehrte, niemals eine durch ausgezeichnete Frequenz blühende Schule hatte. Alles war in ihm vorhanden, was zu einem solchen Werke gehört, aber der Erfolg war wie eine große Ernte im Winter. Doch nicht die bei jedem Lehrenden, auch bei dem besten, möglichen Hindernisse allein waren bei ihm das Störende, es war die 'fama nouitatum', die den Erfolg fernhielt. Wenn er auch alle »eine Reformen nur zum Besten der Jugend unternahm, so nahm man ihm das doch übel, ja, man sah ihn wegen seiner Neuerungen 111 der Lehrmethode, besonders bei den ersten Rudimenten, wie einen der ketzerischen Bosheit Überführten an. Häutige Klagen horte man öffentlich und privatim, daß die Kinder darin zu wenig Fortschritte machten, man hielt auch Zusammenkünfte, um zu beraten, wie dem Übel abzuhelfen wäre. Und doch wurden manche 'n kurzer Zeit so glücklich unterrichtet |er meint hierbei wohl auch a ieh selber], daß sie mit Lob lateinisch und griechisch deklamierten. Niemand wollte trotzdem etwas von seiner Art zu unterrichten wissen, keiner wollte seine Kinder sich ihrer bedienen lassen, ') Imago . . . D. Andreae Wencelii Th. Doctoris, Pastoris & Prof. in Ecclesia * Acad. Francofordiana. Witteberg apud G. Brunonem. f'ol. 2 ) Memoriae Matthaei A Logav Et Altendorff, Imperatoriae Majest. Con- siliarii & Praesidis Capitanei Ducatus Suidnicensis & Jauroviensis ...: Pie defuneti, in Jaurorum Castro, ad VI. Non. Martias . . . 1593. Dedicat conse- cr atque Pancratius Crngerius ... Ducalis Scholae Aurimontanae Rector. !n Ligiorum Metropoli, Typis N. Sartorii. 4 Bl. 4° [Ex.: Berlin, Staats-B.]. 3 ) In seiner .Oratio Parentalis": s. u. P. 309, Anm. 4. 304 Einsetzen des Niedergangs der Schule. keiner wollte sie in der Schule eingeführt sehen. Nicht selten beklagte er dies sein Geschick, und manchmal erzählte er scherzhaft im öffentlichen Unterricht, den Kurfürsten Moritz von Sachsen habe, wie er als Knabe die grammatischen Regeln lernen mußte, es sehr verdrossen, daß die erste Spezialregel in A vom Geschlecht der Nomina sogleich so viele Ausnahmen hätte, und er habe einmal im Ärger darüber ausgerufen: 'Ich würde es mit einem Dorfe bezahlen, wenn diese Regel wenigstens keine Ausnahme hätte!' 'Ich', setzte Pancratius hinzu, 'habe das geleistet, doch findet sich niemand, der mir dafür einen bleiernen Pfennig gäbe. Forderst du aber. Pancratius, einen Lohn für deine Arbeit und deinen Fleiß, wäre es für dich genug, wenn du zn Hause unbehelligt, wenn du frei von Haß, frei von Schmähungen, frei von Verfolgungen wärest'. So hat man auch von der verbesserten Didaktik des W. Ratichius gehört, die Außerordentliches zu leisten versprach. Sie scheint ebenfalls schon wieder in das Dunkel versunken zu sein [darin irrte Vechner allerdings|, obgleich die Professoren von zwei Universitäten dafür eingetreten sind. Als Pancratius sah, daß er von so vielen gehaßt würde und daß seine Treue und sein Fleiß, wie doch von ihm verlangt wurde, gar keine Zunahme der Frequenz herbeiführten, legte er 1593 seine Stelle freiwillig nieder und begab sich wieder nach Frankfurt." In Goldberg blieb seine älteste Tochter Maria zurück; der Kantor der Schule G. Vechner, der ältere Bruder des Mag. D. Vechner, hatte sie als Witwer heimgeführt. Von namhaften Schülern Crügcrs in Goldberg ist wenig z u berichten. Ehre machte ihm nachmals D. Vechner, der ihn und seine Ansichten in seinem geschätztesten Werke, der „Hcllenolcxia" 1 N öfter ehrenvoll zitiert. Ein anderer Goldberger, J. Fibing, trug schon 1590, als sein Lehrer noch an der Katzbach weilte, von Frankfurt aus diesem den Tribut der Dankbarkeit ab. Er widmete dem Pastor, dem Diakonus, dem Rektor der Schola illustris und den übrigen Professoren, außerdem auch noch dem Bürgermeister und den Ratmannen in Goldberg als seinen Patronen und Gönnern ein Gedicht auf Johannes den Täufer 2 ) und am Ende des Jahres ') Vechner, D., Hellenolexia, sive parallelismus Graecolatinus. Inu- tatiouem Graecorum in lingua Latina duobus libris iusta methodo monstrans. Ad excolendam utramque Linguam, maxime Romanam, apprime utilis. Fran- cofurti, Ex Officina Typ. M. Beckeri. Impensis G. Tampachii. 1610. 260 S., 10 Bl. [Ex: Breslau, TJ.-B.J; SGDEi: Gothae 1733 [Ex: Berlin, Staats-B.]. ') Carmen Divo Johanni Baptistae Sacrum, Reverendis . . . Viris, U"- Crügers spätere Laufbahn und sein Lebensende. 305 dem Pastor B. Wegner, dem Rektor Crüger, dem Bürgermeister Bart, dem Vogt J. Ilelmrich, dem Diakonus K. Hoppe, dem Stadtschreiber M. Thabor und den übrigen Herren von der Schule und der Stadt ein kurzes Gedicht von der Geburt und dem Leben unsors Herrn Jesu Christi. 1 ) Hierbei beteiligten sich noch mit Epigrammen die Universitätslehrer Mag. Ch. Cornerus und Mag. C. Trygophorus, während bei dem ersten Gedicht zwei Studenten, A. Scholasticus aus Berfeld und U. Sobolus aus Frankfurt, beide Märker, poetisch mitgewirkt hatten. Als Pibing im Jahre 1596 als Unterlchrer der Ratsschule in Frankfurt Magister geworden war, gratulierten ihm 2 ) nicht bloß sein Rektor Mag. Th. Bergomann und sein Kollege und Freund Mag. M. Moller, sondern auch von Goldberg aus D. Vechner und J. Heinrici aus Schwcidnitz u. a., selbstverständlich poetisch. 9. Crügers spätere Laufbahn und sein Lebensende. Es war nicht etwa ein Ruf, der Crüger aus seinem Fiasko in Goldberg erlöste, er fand auch nicht sogleich einen leeren Lehrstuhl; aber die Karenzzeit dehnte sich diesmal nicht allzu lang aus. Am 28. Juni 1593 schon rezipierte ihn die philosophische Fakultät, am 30. Juni hielt er vor einer zahlreichen Versammlung von Professoren und Studenten eine elegante Rede über sein Leben und seine Arbeiten 3 ), und am 5. Juli sprach er öffentlich, zusammenlassend, über seine Lehre von den Partikeln der lateinischen Sprache 4 ); sein alter Gönner A. Wenzel trat ihm dafür die Stunde tastoii, Et Diacono Ecclesiae Goldberg. . . . Clarissimisque . . . Viris, 111. Scbolne «•ectori, et reliquis professoribus . . . Nee Non Amplissimis . . . eiusdem Reipnb: ^onsulib US) & Senatoribus . . . Patronis et fautoribus suis . . . Dedicat, Joh. Pi- b in g us Goldb. S. Francofordiae March. exe. A. Eiehorn 1590. 4". ') l'reve Carmen De Nativitate, Et Vita Domini Nost-ri Jesu Christi, Dei kt Mariae Virginis filij, scriptum & dedicatum . . . M. Balth. Wegnero Pastori. **• Parier. Crugerio Rectori, M. Zach. Barth Consuli, Dn: Casp.Hoppio Diacono, "•■ Mart. Thaburno & ceteris tarn Scholae, quam Reip: Viris ornatissimis, Do- OHnis, Patronis Äs fautoribus suis colendis A Joh. Fibingio Goldberg. S. r ancof'ordiae eis viadrum exe. A. Eiehorn. 1500. 4°. ) Surnmis Philosophiao Honoribus . . . Juuenis, Dh. Joh. Fibingi Golt- befgonsis ... Scholae Erancof. Hypodidascali, Sub Rectore Magnifico, Dn. vlatth. Zni s i 0 . . . Dn. Balth. Caminaeo . . . Decano, in inelyta March. Academia, ö ' Kai. Maij f)6, publice ipsi collatis Gratulationes Ab Amicis Scriptae. Franco- »urti Typ« N. Voltzij. 1596. 4". *) Bauch, Dekanatsbuch 2, S. 111. *) Ebenda. Monumcnta Qerrnaniae Pacdagogica LVII 20 ;j()ß Einsetzen des Niedergangs der Schule. ab. Diese Reden hielt er ex officio wie zu seiner persönlichen und wissenschaftlichen Vorstellung. Im J. 1594 verzichtete der bisherige Inhaber des Lehrstuhls für griechische Sprache Mag. J. Garcaeus, nachdem er Doktor theol. geworden war, auf seine Professur, und Crüger wurde auf Vorschlag der Universität und durch kurfürstliche Bestätigung sein Nachfolger. Wiederum führte er sich durch öffentliche Akte ein: am 25. Mai disputierte er über die Tropen und setzte am 1. Juni, 7. Sept. und 14. Nov. dieses Thema fort. Der in Helmstedt geborene Sohn T. Crüger wirkte als Rcspondont des präsidierenden Vaters mit. Sein Thema lautete genauer: „De tropi definitione disputationes duae, una de genere, altera de speeifica differentia tropi." Er hat die Thesen dafür, 5(3 und 52, wie es Sitte war, gedruckt. 1 ) Am 8. Juli trug er eine schöne Rede über die Würde und den Nutzen der griechischen Sprache vor. 2 ) Über seine Vorlesungen zur griechischen Literatur (Homer, Hcsiod, Deinosthenes usw.), seine rhetorischen und logischen öffentlichen und privaten Kollegien berichten für einige Jahre die erhaltenen „Indices lectionum". In den Sommern 1505, 1601 und 1600 war er Dekan. In dieser Eigenschaft lud er die studierende Jugend durch lateinische poetische oder auch griechische prosaische Programme zur Erwerbung der Grade ein. 3 ) Im Wintersemester 1508 als Rektor der Universität ') De Tropi Definitione Disputationes Duae . . . Candidis Eruditorutn Indiens Publice Propositae, in ill. Acad. Marchica, A. M. Pancratio Crugerio Finsterwaldensi: Cum responderet Timotheus Crugerius Pancratij F. Heluic- statensis. Francofurti Typis Sciurinis. Anno 15Ü4. 4". De Tropi Definitione Uisputatio Tertia Et Quarta ... In inelyta Acad. Francof. publice babita A l'ancratio Crugerio Finsterwaldensi: Cum responderet Sam. Bansovius R°- stochiensis. Francofurti Typis Sciuvianis. 1594. 4". 2 ) Bauch, Dekanatsbuch 2, S. 112. 3 ) Programma M. Pancratii Crugerii ... Decanus Philos. et Graecae Linguae Prof. in Acad. Francof., Quo Deditos Optiniis Artibus Adolescentes, ad petendoa bonorum in Philosophia gradus, . . . invitabat, XIII. Cal. Sextdes- 1595. 4". [Ex.: Breslau, U. B.] Ganz Griechisch. Decanus Collegii Philosopbici In Acad. Marchica M. Pancratius Crugerius ... Eruditae Juventuti S. Anno 1606 VIII. Id. VII br. Typis F. Hartmanui. [Ex.: Dresden, Landes-B.) Poetische Einladung zur Promotion. Programma Decani Collegii Philosopbici in Acad. Francof., Pancratii Crugerii . . . Graecae Linguae Prof. ... Quo Juventutcrn ... ad petendos honorum gradus . . . amanter et benevole invitabat, X • Cal. Sextil. 1601. Francofurti Typis Sciurinis. 5 Bl. 4° [Ex.: Berlin, Staats-B.J- Ganz griech. Prosa. Decanus Collegii Philos. In Acad. Francof.. Pancrfttw Crugerius ... Graecae Linguae Profeß. Ad petendos honores Fhilosophicos eruditam juuentutem Herum benevole invitat. Francofurti Literis Sciurim?- 1601. XVII. Cal. Sept. IUI. folio. [Ex.: Berlin, Staats-B.] Latein. Verse. Oügers spätere Laufbahn und sein Lebensende. 3Q7 forderte er den Coetus scholasticus durch lateinische Scripta 1 ) zur Feier von Christi Geburt als Einleitung für das neue Jahr und zur würdigen Begehung des Ostcrfests 1590 ein. Er genoß in Frankfurt großes Ansehen und fand auch Teilnahme für seine Arbeiten wie auch Mitgefühl für seine Kränklichkeit. Redlich bemühte er sich auch hier, sein Reformwerk zum Abschluß zu bringen; es gelang ihm wegen seines schwächlichen Körpers nicht. 1594 soll er seine methodischen Anschauungen veröffentlicht haben. Die Angriffe und das Ärgernis, die ihm sein Streben eingebracht hatte, veranlaßfen ihn 1597, ein Urteil der Universität über das, was er von seinen Arbeiten vorweisen konnte, zu extrahieren. Die Universität ging zu seiner Freude auf den Wunsch ein. Sie nannte ihn „in doctrinae solidioris laude celebris", lobte seine „solcrtia constansque laborum infinitimorum tolcrantia" und pries „grammatica sua, rhetorica, logica et philosophica alia" als „inuenta pene admiranda". Die „inventa" erklärte sie damit, daß er „noue ordinem ac methodum longo aliam quam compendiariorum vulgua et quoddam artium velut systema traderc instituit eoque ''Ospexit potissimum, ut quae ad orationis et rationis reetae eultum faciunt, alia commodissima via discentibus proponeret". Dies führte g ie dann im einzelnen aus und bat am Ende alle Leser ihrer Verlautbarung, „ut publicao rei litcrariae curam tarn laboriosam, tarn eximiam tamque, uti non dubitamus, utilem faciles euehant effi- ciantquo omni studio . . . [ut] posteritas logat, intelligat, commendet". Uas mag dem alternden Manne in Erinnerung an seine früheren Widerwärtigkeiten wohlgetan haben; gedruckt hat er aber das Gutachten doch erst 1604 zusammen mit dem Nachweis über die Verleihung des Dichterkranzes. 2 ) Wir besitzen auch noch ein Zeugnis speziell für die Erfolge «einer Lehrmethode im Griechischen. Der polnische Edelmann P- W. Riskupski hielt am 17. Juni 1605 eine öffentliche griechische Rede „De laude scriptorum Demosthenis". 3 ) Er nennt sie das 1 ) Scriptum Quo Magnificus Academiae Francofurtanae Eector. Dn. ■""• Pancratius Crugerius ... coetum Scbolasticum ad Natalitia Christi Sal- uatoris nostri, auspicantia annum 1599 deuote celebranda inuitat. Typis *■ Hartmanni. 4°. Rector Academiae Francofurtanae Dn. M. Pancratius Cru- 8eriu s , _ _ Omnes iurisdictioni academiae subiectos, ad Paschatos Christiani •• celebrationem serio inuitat. Typis F. Hartmanni. 1601. 4°. 2 ) De studijs et iDdustria Pancratii Crugerii Finsterwaldensis, in Acad. •'»•ancof'urt. Graccao linguae Prof., Testimonia publica plena laudis, e pluribus du °- Francofurti, Exe. F. Hartman. 1604. 4 Bl. 4° [Ex.: Berlin, Staats-B.]. 3 ) Oratiuncula De Laude Scriptorum Demosthenis, Habita In 111. Acad. 20* 308 Einsetzen des Niedergangs der Schule. zweite Specimen seines Fortschritts. Ziemlich als griechischei Abcdarius nach Frankfurt gekommen, hatte er unter der Führung Crügers in nur achtmonatlicher Arbeit soviel und so leicht nach dessen eigentümlicher Methode gelernt, daß er die Rode schreiben konnte. Begeistert lobpreist er Crüger in seiner Widmung der Bede an St. Romisowski, den Abt des Klosters Paradeis. Wie diese Anerkennungen so machte Crüger auch noch eine andere Ehrung, obgleich er sie mit manchem nicht besonders Würdigen teilen mußte, große Freude. Der kaiserliche Pfalzgraf und Ritter P. Melissus in Heidelberg verlieh ihm am 25. März 1600 aus freiem Antrieb den Poetenlorbcer. Wie Crüger in diesem Jahre dankbar seines gestorbenen Freundes D. Chytraeus gedachte, so hat er, obgleich krank, als Melissus am 18. Febr. 1602 gestorben war, zusammen mit dem ebenfalls gekrönton Dichter Mag. S. Dro- semius aus Dithmarschcn die Manen des Hingeschiedenen poetisch geehrt. 1 ) Er dichtete griechische Verse, die sein Sohn Timotheus in lateinische umsetzte. Von sonstigen poetischen Publikationen können wir noch eine in griechischen Versen geschriebene Übertragung des 103. Psalms anführen 2 ), die er 1600 gewissermaßen als Dank, nachdem er eine lange und schwere Krankheit glücklich überstanden hatte, verfaßte. Der gekrönte Poet Mag. T. Aleutner aus Leobschütz gab ein griechisches Beigedicht dazu. Im Juni 1609 begrüßte er den Kurfürsten Johann Sigismund bei seiner Rückkehr aus Preußen mit einem Gedicht. 3 ) Und 1611 feierte er in heroischem Versmaß das für die Universität erfreuliche Ereignis, daß der Kurprinz Georg Wilhelm, der Herzog Georg Rudolf von Liegnitz und Bricg und der Francofordana 17. Junij 1605. A Petro Wierzbi e ta Biskupski Eq. Polon. Alterum specimen profectus quem consecutus ille est, intra menses octo, m- stitutione, et methodo, ae duetu ... Dn. M. Pancratii Crugerii, Poetae Cae- sarij, & Prof. . . . Francofnrti, Typ. F. Hartmanni. 4°. 1 ) Beatis Manibus . . . Pauli Melissi, Sacri Palatii Comitis, Auratae nu- litiae Equitia, Urbis Romanae Civis, Poetarum nostri seculi Principis; Hos bo- nores Parentales ... Consecramus, M.,Pancratius Crugerius ... in Acad. Francof. Profes. Pub. P. C. M. Samuel Dresemius Dithmarsus P.C. Francofnrti c. V. Typis N. Voitzii. 1602. 4°. 2 ) Psalmus DavidisCllI, Carmine Graeco expositus a Pancratio Crugerio . .. Cum e gravi et diuturno morbo paululum respiraret. Francofurti Typ 1 " Sciurinis, 1600. 4". [Vgl. u „Nachträge".] s ) In Reditum . . . Principis . . . Dn. Joannis Sigismnndi Murchionis Brandenburgensis . . . Carmen M. Pancratii Crugerii . . . 1609. mense Junio- Francofurti Typis F. Hartmanni. 4°. s Crügers spätere Laufbahn und sein Lebensende. 309 Herzog Karl Friedrich von Münsterberg-Ols als Studenten in Frankfurt erschienen 1 ), indem er sie selbst und ihre ruhmreichen Ahnen besang. Die letzten Jahre brachten ihm noch schweres Leid in seiner Familie. Von den sechs Kindern, die ibm seine gute Frau Margaretha geschenkt hatte, verlor er zwei Söhne frühzeitig; der dritte, Timotheus, wurde, schon herangewachsen und in seinen Studien weit fortgeschritten, von dem schlesischen Edelmann Cli. von Lestwitz H508 in Frankfurt jämmerlich erstochen. Von seinen drei Töchtern starb Sophia, bereits heiratsfähig, im Frühling 1614. Durch dieses trübe Geschick tief bedrückt, verschied er am 23. Okt. 1614 in den Armen seiner jüngsten Tochter Margaretha, nachdem er ein volles Jahr an das Bett gefesselt gewesen war. Der Rektor der Universität Dr. theo!. J. Heidonreich lud mit einem warm geschriebenen Lebenslauf die Univorsitätsangehörigen zum Begräbnis ein 2 ), und der Bruder G. Vechnors, des Ehemanns von Maria Crüger, Mag. D. Vechner, hielt ihm in der Schule zu Jauer, an der er als Rektor wirkte, am 9. Dez. 1614 als seinem Lehrer und Verwandten eine pietätvolle Gedächtnisrede 3 ), die Crügers Enkel G. Vechner, der Jura in Frankfurt studierte, mit einer Elegie zu Ehren des Großvaters schmückte. Frau Margaretha Crüger überlebte ihren Gatten. Seine Hauptwerke, denen er sich mit so großer Hingabe gewidmet hatte, sind, wie es scheint, gänzlich verschollen. Nach der Vollendung der wirklich ein Dulderlebcn umschließenden Biographie Crügers dürfte vielleicht die Frage berechtigt sein, °o nicht etwa auch seine Lehrer unter den besprochenen Verhält- ') Memoriae Insoliti ac singularis eventus, quo factum, ut uno eodemque t'-mpore tres illustrissimi . . . Principes, Academiam Francofurt. . .. studiorum causa praesentia sua ... illustrarint: nempe Dn. Georgius Guilelraus, Marchio Brandet). . . . Georgius Rudolpbus. Dux Lignicensis . . . Carolus Fridericus, Dux ^oiisteibergeusis . . . Auctore M. Paneratio Crugerio . . . Anno 1011. Typis '• Kichorn. 4 LI. 4" [Ex.: Breslau, U.-B.]. 2 ) Rector Academiae Francofurtanae Magniücus ... Dn. Joannes Heiden- 'ichius, S. S. Tbeologiae Docfcor, Professor Ad exsequias funeris Quas . . . Dn. M. Paneratio Crugerio . . . Prof. P. r Oqi'jvcov, !) koX dQtpxpSta vneq rijs nvßnalag xaxanh^xixfji, xai ru >v iillwr tw&v ftsydXmv dvatvxvt l ^ za,v > t & v "' Xqvoöqei ov/ißarrojv, Elegi Direnorum Sive Carmen lugubre: De Horribili Incendio & aliis magnis cala- m| tatibus, quae Üoldbergae aeeiderunt. Autore M. A. Brettio Sympolita ICH. L iguicii Typis Sartorianis. 4». 3 ) Carmen Gratulatorium In Heditum ... ex ... Peregrinatione . . . irineipis ... Dn. Georgii Rudolphi, Ducis Silesiae, Lignitii ac Bregae &c. J psius Illustriß. Celaitudine feliciter ingrediente suam in Lignitium, Metro- Polim . . . Cum . . . Principe Du. Sophia Elisabetha . . . Principis . . . Dn. Jo- "annis deorgii, Principis Anhaltini ... Filia ... Sponsa ... 1614. Typis L ygiis N. Sartorii. 4". *) Keverendi dignitate Clariss. . . . Dn. Andreae Baudisii . . . Super- mtendentis; Kodes. Big. ad dd. P. & P. Pastoris . . . Honori p. p. Area« Memorialos. Typis N. Sartorii. 1615. 4». ") St. B.-Br., Wenzel. 3 12 Einsetzen des Niedergangs der Schule. über üble Führung dos Haushalts durch den Rat, und am 18. Juni kam deshalb eine herzogliche Kommission zur Untersuchung der Sachlage nach Goldberg. Sie fand viele Beschwerden berechtigt und suchte nach genauer Information, Untersuchung und JLokalterminen, im Einvernehmen mit einem Ausschuß aus der Gemeinde alles möglichst zu ordnen. Zu diesem Ausschuß gehörten unter andern der Kantor G. Vechner, Mag. A» Brettius und der Fleischer G. Legner. Als nach mehrtägigen Beratungen die Kommission endlich zur Berichterstattung nach Liognitz zurückkehrte, glaubten Brettius und Legner nicht, daß die Räte treulich und unparteiisch berichten würden. Sie reichten deshalb eine Supplikation an den Herzog ein, in der sie die Kommissare und den Hauptmann W. von Zedlitz schlankweg der Treulosigkeit beschuldigten und behaupteten, daß diese die gute Sache der Gemeinde verderbten. Dieses unkluge Verhalten bewirkte, daß der Herzog am 22. Febr. 1616 doch wieder denselben Rat setzte und die Gemeinde so ziemlich das Nachsehen hatte. Vechner, der selbstlos bei der häßlichen Sache mitgearbeitet hatte und uns darüber berichtet, zog aus dem Scheitern der Verbesserung der städtischen Verhältnisse nicht bloß den Schluß, daß seine Genossen töricht gehandelt hätten, sondern auch, daß man besser täte, sich an einem Vorgehen gegen einen hochmögenden Rat, da dieser doch stets Recht bekäme, nicht zu beteiligen. Nach dieser demagogischen Heldentat hört man von Brettius nichts mehr. J. Feige, G. Ermrich, K. Nixdorf und der Katechet G. Werner wirkten unter Crüger weiter. Nixdorf stieg jedoch in dieser Zeit eine Stufe tiuf und wurde 1587 als Kantor durch G. Vechner ersetzt. Dies erklärt sich vielleicht damit, daß Ermrich wirklich in das bürgerliche Leben überging: er war 1596 bis 1598 Vogt. Vechner war im Wintersemester 1579, zugleich mit Nixdorf, i" Prankfurt immatrikuliert worden. Er heiratete am 2:$. Aug. 1588 die Witwe des Mag. K. Kifer, Dorothea Weinhof, die am 13. Nov. 1590 starb. Daß er dann Grügers Schwiegersohn wurde, ist uns längst bekannt. Da er die Schola illustris überlebte und als Mitbeteiligter Aufzeichnungen über ihre letzten Zuckungen hinterließ, gehört er zu den Lehrern, die durchaus nicht übersehen werden dürfen. Daß er später den damals noch sehr rauhen deutschen Parnaß zu erklimmen versuchte, mag an seinem Orte zur Sprache kommen. 1 ) ') S. u. im Kap. VII gegen Ende. Der neue Rektor J. Feige und seine Lehrer. 313 11. Der neue Rektor J. Feige und seine Lehrer. Bevor wir zu dem nächsten Rektorat übergehen, haben wir etwas vorauszuschicken, das uns gewisse eigentümliche Vorgänge bei der Einführung des neuen Rektors erst verständlich machen wird. Wurde schon mehrmals andeutend auf das unerquickliche Verhältnis zwischen den verschiedenen evangelischen Richtungen hingewiesen, so war indes eine bestimmte Richtung, das strenge Luthertum, in Liegnitz zur Alleinherrschaft gelangt und im .T. 15!)l auf Goldberg speziell übertragen worden. Herzog Friedrich IV., dem am 17. Nov. 15SI Kaiser Rudolf II. unter Ausschluß seines älteren Bruders Heinrich XI. die Herrschaft allein übergeben hatte 1 ), erließ am 17. Nov. 1591 ein Patent an die Stadt Goldberg 2 ), in dem es heißt: „ . . . "Wir Friedrich, Hertzog in Schlesien tzue Lignitz, Brieg und Goltpergk . . . fügen . . . hiermit zu wissen, das wir fligendt berichtet, samb sich unter euch conuertit et restituit. 0 rem Deo gratissimam! 0 conatus ecclesiis et scholis salutares! 0 principis pii pietatem omnium literis monu- mentisquc dccorandam!" Er schloß: „Saluc iamque vale, patriae pater, addite diuis! O itcrum salue, dux, iterumque vale! Saluo, Moecenas Charitum fidusque Lycaei Chrysoridis tutor, portus et aura, vale!" Die Professoren der Schule beklagten und feierten den Verstorbenen wieder mit Gedichten. Hentschel trug eine Elegie vor, in der refrainartig der Vers wiederkehrt: „Pundite, Chrysorides, lugubria, fundite, Musae", und Mimer brachte in einem „Emwrjdiov 1 * die Klagen der Chrv- «ori 8 vor. Herzog Friedrich IV. hatte vor seinem Tode die Freude gehabt, daß seine Illustris Aurimontana wieder aufblühte. Nicht weniger pietätvolle Sorge für sie trug sein Nachfolger Joachim Friedrich, der Schüler Cirklers, auch wenn er in Brieg eine zweite Schola illustris hatte, nicht in Licgnitz residierte und nur kurze Zeit regierte. Aber er mußte doch zuerst Unkraut ausjäten und dann zu Experimenten greifen, die nicht immer in erwünschter Weise ausfielen. Der Mittelpunkt der Schulsorgon wurde der Hauptmann des Herzogtums Liegnitz W. von Zedlitz und Neukirch auf Eichholz, und er hat seine Schuldigkeit getan. Allmählich tam neben und bei ihm der Diakonus zu St. Peter und Paul in Liegnitz Mag. S. Grunacus zu immer größerem Einfluß auf die Goldberger Schule und suchte für tüchtige Lehrer und für eine ■Weniger engherzige Auffassung des evangelischen Bekenntnisses in Kirche und Schule zu wirken. Und dafür boten wieder den Rückhalt der gleichgesinnte Herzog Joachim Friedrich und W. v. Zedlitz 328 Einsetzen des Niedergangs der Schule. Hiermit greifen wir aber schon zum Teil in die nächste Periode der Goldberger Schulgoschichte über, und wir haben doch noch das Ende der Alleinverwaltuug Feiges zu betrachten. Es ist bedauerlich, daß für diese Zeit unsere Quellen zusammenschrumpfen und daß die vorhandenen Fragmente sich so spröde zueinander verhalten. 13. Nene Störungen. Die ungünstigen Nachrichten beginnen 1 ) mit einem Zusammenstoß zwischen Grunacus und Ilentschel im April 1597. Ein Goldberger Schüler hatte unter Hentschcls Aufsicht ein Trauergedicht angefertigt, und Ilentschel legte dieses vor dem Drucke dem ordentlichen Inspektor, dem Superintendenten A. Baudis in Licgnitz, vor. Diesem schien in dem poetischen Produkt nicht alles in Ordnung zu sein, er übergab es daher Grunaeus, der ein bekannter Dichter war und 1599 wie P. Crügcr, J. Timaeus, D. Vechner und noch gar mancher andere von dem freigebigen Pfakgrafen P. Melissus den Dichterlorboer erhielt, zu genauerer Prüfung und wies Ilentschel an, sich freundschaftlich mit Grunaeus darüber auseinanderzusetzen. Ilentschel hielt das seiner als ordentlichen Professors der Poetik für unwürdig und erklärte eine Superrevision für unnütz und durchaus nicht nötig, da in dem Gedicht nichts wäre, was der Verbesserung bedürfte oder sie auch nur zuließe. Und als er doch zu der Besprechung gehen mußte, kam er „bene potus" dahin, und da er Grunaeus nicht antraf, das voraussichtlich abfällige .Urteil desselben aber von Baudis schon erfahren hatte, erleichterte er sein gepreßtes Herz laut und deutlich vor den Hausgenossen des Grunaeus, indem er erklärte, er denke gar nicht daran, ihn eines Besuchs oder einer Ansprache zu würdigen, denn er sei sein Feind und gehe mit seinen Feinden, besonders mit Mimer, daraui aus, ihn aus seiner Stellung zu bringen. Bei dem Drucker N. Schneider setzte er seine Schimpfereien vermehrt fort. Darüber aufgebracht, schrieb der sonst so ruhige und vorsichtige Grunaeus an den Rektor Feige, verlangte durch dessen Vermittlung volle Genugtuung von seinem Verwandten und Kollegen Ilentschel und drohte gegebenenfalls mit der Klage. Er fügte ein vernichtendes Urteil über das Gedicht und dessen Fürsprecher Ilentschel hinzu. Von den Ethnizismen, Archaismen und einigem andern, das die Schule bei Wohldonkcnden vielleicht ') St. B.-Br., Rhediger XVIIJ, N. 20. Grunaeus an Feige 17. April 1597. Neue Störungen. 329 mehr zum Unterhaltungsgegenstand, aber kaum empfehlenswerter machen würde, meinte er, wolle er nichts sagen. Allein schon auf den ersten beiden Seiten seien soviel grammatische Vorstöße, daß man sich nicht genug über die Unsicherheit des sonst nicht unbefähigten und fleißigen Schülers wundern könnte. Gefehlt sei auch gegen die erste Eegel der Syntax (Kongruenz). Die Verse seien zum Teil verstümmelt, zum Teil klaffend (hiantes) und sonst mangelhaft, sehr viele Quantitäten falsch gebraucht usw. Ein so bedeutender Professor der Poetik sei jenes Großmaul. Und welch großes Lob würde das Gedicht für die Goldbergor Schola illustris sein! Noch später, 1599, hatte Grunaeus wie der Poet D. Vechner dasselbe Urteil über den „Lycophron". Da Verse schreiben zu lernen damals als selbstverständlich für jeden einigermaßen tüchtigen Schüler und als „speeimen eruditionis" für unentbehrlich angesehen wurde, so ward mit der Kritik des sachverständigen Grunaeus ein schweres Manko der Goldberger Schule aufgedeckt. Als Laubanus die innere Leitung der Schule übernahm, schied er auch ITcntschel von der Vortretung der Poetik vollständig aus. Schlimmer noch war, daß Feige in der wilden Zeit die Disziplin nicht recht zu handhaben verstand. Das erfährt man durch den vielbcstrittencn und doch feststehenden Aufenthalt Albrechts von Wallenstein in Goldberg. Die Erzählung von der Erziehung Wallensteins im Josuitenkolleg zu Olmütz, wo er durch den Pater V- Pachta schon als Knabe der katholischen Kirche zugeführt worden sein soll, muß über Bord geworfen werden 1 ), dagegen beruht der von P. Palacky und W. A. Czerwenka für märchenhaft erklärte Aufenthalt in Goldberg 2 ) auf historischer Grundlage. Wie wir schon früher 3 ) angedeutet haben, war es Cirkler, der den zukünftigen Friedländer nach Goldberg brachte. Schon am 19. Aug. 1597 feilte Grunaeus seinem Gevatter Mimer mit 4 ), sie würden bald einen Freihorrn, das Mündel des von Waldstein, bei ihrer Schule haben, für den mit seiner und seines Verwandten Ch. Eisner Beihilfe Cirkler neulich einen Liegnitzer Jüngling als Privatlehrer bestimmt hätte. Die Hinkunft würde etwa im September erfolgen, Hn d sie würde ohne Zweifel zur Empfehlung der Schule dienen. ') Förster F Wallenstein, Herzog V.Mecklenburg, Friedland u. Sagan, al« Feldherr u. Landesfürst in seinem öftentl. u. Privat-Leben. E. Biographie. M 't 1 Tab. Potsdam 1834. •) Kbenda. 3 ) Vgl. o. S. 262. ') St. B.-Br„ Rhediger XVIII, N. 61, 19. Aug. 1597. 3;-j() Einsetzen des Niedergangs der Schule. Der erwählte Privatlehrer war G. Walther aus Liegnitz, der erst im Wintersemester 159G nach Frankfurt gegangen war, doch von dort schon im Sommer 1507 durch seinen Yater dem Liognitzer Superintendenten Baudis und Grunaeus eine gedruckte logische Disputation übersandte, bei der er als ßespondent mitgewirkt hatte. 1 ) Die beiden durch die Dedikation Geehrten übersandten ihm eine klingende Anerkennung, und Grunaeus versprach, seiner eingedenk zu sein, wenn sich eine Stellung für ihn böte. Die Stellung war nun gefunden; Grunaeus gab dem Durchroisenden einen ganzen Sack voll guter Lehren mit, und Walther war zu Anfang des Oktobers mit Albrecht von Waldstein in Goldberg. Seine Wohnung hatte Waldstein bei dem Neffen Cirklers Hans und seinen Tisch bei dem Kantor Vechner. 2 ) Noch waren nicht zehn Tage seit der Übernahme der Prii- zeptorstello durch Walthcr verflossen, als Grunaeus von Cirklor unliebsame Nachrichten über den Lehrer und den jungen Freiherrn (geb. 24. Sept. 1583) erhielt. Da ihm das wegen seines eigenen guten Rufes höchst peinlich war, schrieb er Walther unter dem 24. Okt.''), erinnerte ihn daran, daß er ihm die ehrenvolle Stelle verschafft habe, und las ihm, etwa wie folgt, den Text: „Man sagt, du habest dich mit deinem vornehmen Schüler so tapfer dem Trinken hingegeben, daß ihr, du bis zum Vollsein [ad satietatemj, dein Baron bis zum Erbrechen, geschlemmt habet. Was das heißen will, überlege, und sofern dir dein Wohl am Herzen liegt, sieh zu, daß von dir dergleichen für die Folge nicht mehr gesagt werden könne. Denn, wenn du dich nicht anders beträgst, hast du gar keinen Grund, dir etwa deine Stelle für die Dauer einzubilden. Du erinnerst dich, wie ich glaube, an das, woran ich dich hier in dieser Hinsicht eindringlich gemahnt und was ich dir über das Vermeiden jeglicher Gesellschaft bei jener zügellosen und ganz verdorbenen Disziplin der Goldbcrger Schule, über die allgemein von rechtlich denkenden Männern gesprochen und Klage geführt wird, nachdrücklich geraten habe. Ich kenne Cirklcr, von dem selbst ich das habe und der deshalb von uns auf jede Weise zu besänftigen sein wird, wenn wir nicht wollen, daß er etwas allzu Hartes gegen dich vornimmt." Er hielt ihm natürlich auch vor, ') St. B.-fir., lihediger XVIK, N. 37, Grunaeus an Walther Vigilia -lo- hiinnis Baptistae 1597. *) S. hier u. S. $1/2 den Brief Wald.steins. •) St.B.-Br., Rhediger N. 87. Grunaeus an Walther 24. Okt. 1597. Neue Störungen. " ov> i daß er die Achtung und die Autorität bei seinem Schüler einbüßen würde, wenn er sich nicht ändere. Wallenstein wird sich gewiß bei der laxen Disziplin wohl befunden haben, wie seine über alles Maß gehenden schlechten Streiche in Altorf schließen lassen. Sein Präzeptor hat wohl den entrüsteten Grunaeus für den Augenblick beruhigt und Besserung versprochen; denn dieser empfahl ihn am 5. Nov. 1597 nochmals Mimer und bat diesen angelegentlich, ihm freundlich entgegenzukommen 1 ), ihm aber auch ein treuer Mahner zu sein. Indessen reiste der treue Eckart Cirkler nach Mähren, ging von dort nach Straßburg und starb in Speicr, und Grunaeus wandte sich von Waltlicr ganz ab, als er immer wieder erfuhr, wie saumselig dieser seines Amtes wartete. Am 10. April 1598 schrieb er an Mimer und dankte ihm dafür, daß er sich Walthers angenommen hätte 2 ), setzte aber hinzu: „Ich habe jenen schriftlich, mündlich und stillschweigend an seine Pflicht erinnert und sehe, daß nichts genützt hat. Daher werde ich den Menschen fallen lassen, wenn ich nicht vernehme, daß dir ein anderes Verfahren, wie du anzudeuten scheinst, deinetwegen lieber wäre." Als Wallcnstein 1599, schon in dem Prorektorat des Laubanus, Goldberg endlich verließ, hielt ihm A r echner die Abschiedsredo, die um 1700 noch in Gold- herg handschriftlich vorhanden war 1 ); aber Walther begleitete ihn nicht mehr als Informator nach Altorf. Der junge Freiherr hatte während seines Aufenthalts in Qold- berg Gelegenheit gehabt, die konfessionelle Stimmung und Erlegung in der Bürgerschaft unangenehm kennenzulernen*), und dadurch Anlaß erhalten, durch einen Brief, den ein Diener überbrachte, einen Blitzstrahl des Fürstentumshauptmanns W. von Zedlitz auf die Stadt herbeizuziehen. Er schildert seine Erlebnisse ungefähr wie folgt: . . .„Nächst Wünschung von Gott dem allmächtigen aller glückseligen Wohlfahrt . . . soll ich E. G. wegen vorgehender Noth nicht bergen, wie ich ja diese Wochen über neben andern ehrlichen Leuten von etlichen leichtfertigen Personen mit Sehmähwortcn angetastet, auch des Nacktes mit Steinen in mein Schlafgcmach sowohl als meinem Wirte H. Circlero (von welchem ft ks denn auch von mir niemandem Ursach gegeben) ist geworfen ') St. B.-Br., Rhndiger N. 90. 2 ) Ebenda N. 139. *) St. A.-Br., Ortsakten Fasz. XXII: Excerpta ex Georgii Thebesii Annal. kign. M»tis, fol. 728. *) U. B.-Br., Handschriften der Schlesisclien Gesellschaft für vaterländische Kultur, Schlesische Geschichte IV Qu. 158. 332 Kinsetzeu des Niedergangs der Schule. worden. Dies aber alles hätte ich also mit Stillschweigen gerne übergehen wollen, aber auf heute, als ich Nachmittag aus gehaltener Lection gegangen, ist einer mit Namen Paul Mehnert, ein Kriegsmann, doch Inwohner allhier, mitten auf dem Ringe gestanden und hat nicht allein vor einheimischen, sondern auch vielen fremden Personen mich samt meinem Praeceptore [Walther] und Famulis für Calvinische Schelmen mit heller Stimme ausgeschrien. Doch weil mir dieses nebst vielen andern widerfähret, hätte ich mich in diesem Fall auch gerne enthalten wollen, damit ich E. G. (weil dieselbe zuvor sehr überlaufen wird) nicht mehr zu schaffen machte, aber, wie gemeldet, die Noth mich fast treibt, dies folgende anzuklagen: Denn als diese eben angezogene Person mir nachgeschrien, bin ich stillschweigend nach Hause und von dannen bald zu Tische zum II. Cantori gegangen. Da Obgemeldeter mit Wehr noch am Ringe gestanden und mir, als ich ins Haus kommen, nachgefolget, aber von einem andern auf der Schwelle erhalten worden. Will allhier weiter geschweigen vieler unnützer Reden, so sich diese dort, die, wie man sagt, auf die Mitwoch nach Ungarn verreisen wollen, vernehmen lassen, durch welche mir neben andern sehr gedrohet. Es könnte sich aber E. G. vieler Sachen mit besserem Grunde als vielleicht sonsten von diesem meinem Famulo erkundigen. Bitte aber auf iczo, E. G. wolle Amtes und der Freundschaft wegen, so sie mit dem wohlgelehrten IT. Lau. (ürclero hält (durch welchen ich auf diese fürstliche Schulen kommen), mich zu beschützen 'bedacht sein, weil ich hier von niemand Schutz und Hülfe wogen des großen Muthwillens [d. h. der Frechheit| bitten kann, und bitte auch, in allem möglichen solches zu entschuldigen . . . Gegeben in Goldborg den 17. May 98. E. G. guter Freund Albrecht von Waldstein." Auf dieses Anschreiben erging umgehend, am 18. Mai, unter Beifügung von Waldstcins Klageschrift ein Befehl des Hauptmanns und der fürstlichen Räte inLiegnitz 1 ) an den Goldbcrgcr Rat etwa des Inhalts: „. . . Da diesem Wesen zu weitcrem möglichen Unheil ferner nicht nachgesehen werden kann, so ist anstatt Ihrer Fürstlichen Gnaden Unser ernster und endlicher Befehl, daß Ihr bald die Schcppen, Altesten und Geschworenen zu Euch erfordert und neben denselben gedachten Paul Mehnert, weil er ein Einwohner der Stadt sein soll, ihn durch Bürgschaft und genugsam zu verpflichten, daß er *ich heute noch anhero auf das Schloß endlich gestellc' und Be- ') U. B. Hr., Hyndschv. d. Hehles. Ges. usw. als Beilage. Neue Störungen. 333 scheides erwarte. Wofern er sich aber aller Bürgschaft widersetzen wollte, sollt Ihr ihn von Euch nicht kommen lassen, sondern ihn, ungeachtet, was er seiner Kriegsdienste halber etwan einwenden möchte, gefänglich annehmen, auf einen Wagen schmieden lassen und alsbald bei Tag und Nacht anhero gegen Liegnitz schicken. Wir wir dieses alles zu Eurer Discretion, wie es am füglichston geschehen könne, gestellet haben. Was auch versehen, wollet Ihr neben den Schoppen, Ältesten, Geschworenen und ganzer Stadt Eurer und Ihrer Fürstlichen Gnaden geleisteten Eide und Pflicht Euch erinnern und denselben so treu sein, daß dem Gesellen und seinem Anhang gesteuert und dies Angeordnete ins Werk gerichtet werde." Damit brechen unsere Nachrichten ab. Feige war durch die Vorgänge als der Rektor Waldsteins mit berührt und hätte also die amtliche Pflicht gehabt, ihn zu schützen; doch davon hört man nichts. Daß die Disziplin in der Schule schon vor Wallensteins Ankunft sehr darniederlag, bezeugt ein Brief des Grunaeus an Mimer vom 5. Aug. 1597, in dem er auf Mimers Wunsch nach einer andern Stellung antwortete 1 ) und dabei den Satz schrieb: „Hoc tarnen videro mihi videor, consilio plane aecurato tibi opus esse, cum non dubium sit hac scholac vestrac tempestate apud vos coorta familiac tuao in posterum non optime prospectum iri." Dieses Ungewitter muß sich wiederholt haben; denn eine Beschwerde an Herzog Joachim Friedrich berichtet Unglaubliches. Leider fehlt uns dafür gerade eine Darstellung von der andern Seite, von dem Rektor Feige. Unter dem 12. Febr. 1598 schrieb G. Boxa von Radoszowice, Subcamcrarius des Landes Wiclun, an den Herzog. 2 ) Der verstorbene Herzog Friedrich IV. habe ihn vor einigen Jahren im Rade Warmbrunn eingeladen und ihn dabei gebeten, das einst von seinen Vorfahren mit Männern von Gelehrsamkeit und Frömmigkeit für die Unterweisung der Jugend reich besetzte Goldberger Kollegium den Polen zu empfehlen. Das habe er gern getan und seine e >genen Söhne, um andere anzuregen, dorthin geschickt. Er habe a "ch nicht anders gedacht, als daß die Zucht der Jugend der Goldberger Schule noch dieselbe wäre wie zu der Zeit, wo er sie selbst unter Trozendorf als Schüler kennengelernt habe. Aber ee hie Söhne hätten, wie aus der Anlage hervorgehe, da sie bei dei- Konnivenz des Lehrers gegen die Schüler vor Beleidigungen ') St. B.-Br., Rhediger XVIII, N. 67. ») St. A.-Br., Ortsatten Fasz. XVI. 334 Einsetzen des Niedergangs der Schule. und Schmach dort nicht sicher hätten sein können, unvermutet Goldberg verlassen müssen. Daher bat er den Herzog, den Rat und die Bürger über die Sache zu vernehmen und die Schuldigen zur Strafe zu ziehen. Die Anlage, der Bericht der Söhne M. und B. Boxa 1 ), erzählt, daß sie eines Tages um fünf Uhr abends, als sie sich nach der Mahlzeit von einem Hause in das andere, wo sie wohnten, begeben wollten und zufällig den Teil des Marktes bei dem Hause des Chirurgen Isaak betraten, in dem der Kantor Vechner mit den Schülern, die dort zum Esseu und Trinken zusammengekommen waren, nach dem Abendgebet der Sitte und Vorschrift gemäß sang, habe einer der Schüler mit lauter Stimme gerufen „Schelm Pollack!" Nach diesem Rufe seien plötzlich alle herabgekommen und hätten sie, nachdem schon einer auf einem andern Teile des Marktes bei der Verteidigung seines Lebens verletzt worden war, mit großer Gewalt und übermächtigem Geschrei (denn die Schule sei auf Befehl des Rektors geöffnet und die übrigen jungen Leute herausgelassen worden) bis zu ihrem Hause verfolgt. Am nächsten Tage sei von dem Rektor ein Studiosus zu ihnen geschickt worden, der ihnen barsch befohlen habe: „Ihr sollt zum Rektor kommen!" Im oberen Flur der Schule habe dieser mehr als dreißig bewaffnete junge Leute mit gezogenen Schwertern aufgestellt, die sie, als sie vorbeigingen, indem der Rektor es sah und hörte, „Schelm Pollack" genannt hätten. Dann aber seien sie vor den Rektor gekommen und hätten ihm die Sache vorgestellt. Dieser habe, damit nicht von dem Fürsten die unerhörte Frechheit der jungen Leute ihm und seiner Konnivenz zugeschrieben würde, ihnen keinen Glauben geschenkt und sie endlich ersucht, sich ruhig zu verhalten, bis der Fürst sein Urteil gefällt haben würde. Sie hätten in gutem Glauben ihre Hand darauf gegeben, und der Rektor hätte versprochen, daß er die Seinen anhalten würde, nicht um Nagels Breite von den Schulgesetzen abzuweichen. Aber diese hätten alle in dem Hause Kulhases, während sie nichts Böses argwöhnten, neue Nachstellungen vorbereitet. Und als sich einer von ihnen um vier Uhr abends von dem Essen nach Hause habe begeben wollen, seien ihm über dreißig mit Schwertern, Knütteln und Steinen Bewaffnete aus dem Hause Kulhases entgegengekommen und hätten ihn mit dem Geschrei „Schelm Pollack!" bis an sein Haus verfolgt, dann das Haus an- ') St. A.-Br. ( Ortsakten Faß. XVI als Beilage. Neue Störungen. jjqr gegriffen und die Tür mit Holzscheiten bearbeitet. Sie hätten so schwere Verachtung und so schimpfliche Beleidigung, da jene nicht bloß sie, sondern auch gute und ruhige Bürger öfter und noch jetzt übel behandelten, mit Gleichmut ertragen und, damit nicht aus diesen Funken der Zwietracht eine größere Feuersbrunst entstünde, Goldberg verlassen. Die beiden Polen zogen nach Frankfurt a. 0. und ließen sich dort in die Matrikel eintragen; nach ihrem Latein zu urteilen, hätten sie in Goldberg recht wohl noch etwas zulernen können. Daß die beiden Boxa und ihre nicht genannten Landsleute so ganz als unschuldige Lämmer nur Leidende gewesen sein sollten, ist wohl kaum anzunehmen; daß aber der Rektor Feige nicht der Mann war, die Ordnung an seiner Schule aufrechtzuerhalten, dürfte hinlänglich klar sein. Die Verdächtigung, daß die Schüler mit seinem Wissen und seiner stillschweigenden Zulassung so tobten und mit blanken Waffen umherliefen, braucht deshalb noch nicht Wahr zu sein; denn er behielt auch weiter das Vertrauen seiner Landesherren. Ganz sonderbar klingt es, daß Grunaous in einem Briefe an Mimer (10. April 1598) den alten Herrn F. von Gelhorn (sein Sohn ging am 25. Febr. 1598 von Goldberg, wo er seit dem 10. Aug. 1595 Schüler gewesen war, nach Schwcidnitz) für den Skandal verantwortlich macht. 1 ) Er sagt: „Sav&oxsQanvov illum, ad quem non minimam dissipationis scholae vestrac partem speetarc, res ipsa testata est, hypoeritam esse animaduerti ex sermone et moribus, quamquam semel tantum in aedibus meis fuerit." Den Pastor * -Popp nennt er „illius applausorem". Hiernach könnte es scheinen, als ob bei dem wüsten Treiben auch noch ein konfessionelles Moment wie bei Waldstein, nur auf die Schule und die Schüler übertragen, mithineingespielt hätte. Doch dem mag sein, wie ihm wolle — daß der Herzog scharf eingriff, zeigt die „Dissipatio" der Schule. Aber schlug so Joachim Friedrich der Schule eine, wenn auch wohlverdiente, Wunde, so suchte er doch auf der andern Seite s ogleich eine Gesundung bei ihr anzubahnen. Am 19. Nov. 1598 teilte Grunaeus seinem lieben Gevatter Mimer vertraulich mit, daß schon über die Einrichtung der Schule beratschlagt würde, daß diese jedoch auf andern Grundlagen unternommen werden sollte, als man bisher ins Auge gefaßt hätte. 2 ) ') St. B.-Br., Rhediger XVIII, N. 139. 2 ) Ebenda XVIII, N. 198. 336 Einsetzen des Niedergangs der Schule. Mehr dürfe er darüber nicht verraten, doch glaube er, daß es ihm binnen kurzem gestattet sein werde, mehr und Sichereres anzugeben. Und an demselben Tage schickte er Feige außer einem kleinen Schriftchen über den Unterschied in der Behandlung der Lehre von der Prädestination durch Melanchthon und Calvin die ebenso vertrauliche Nachricht 1 ), daß man von der Wahl eines neuen Rektors spreche und davon, daß er selbst zu etwas Höherem befördert worden solle. Im Febr. 1599 stand endlich fest, daß Feige Bürgermeister werden, daneben aber das Bektorat der Schule behalten und daß der Rektor der Sprottauer Schule Mag. M. Laubanus aus Sprotta.u als Prorektor und wirklicher Leiter berufen werden sollte. 2 ) Am 19. des Monats ging die von Herzog Joachim Friedrich ausgestellte Vokation 3 ) an Laubanus ab; am 17. März sollte die feierliche Inauguration ins Werk gesetzt werden. Laubanus faßte sein Urteil über den Zustand der Schule zur Zeit als er sie übernahm 4 ), mit den Worten zusammen: „Accipiebam scholam popularibus dissidiis morumque licentia misere afflietam et vastatam." ') St. B.-Br., RhedigerXVTII, N. 199. s ) Ebenda XVIII, N. 238, 237. 3 ) Ebenda XVIII, N. 237, 234. 4 ) Laubanus, Musa Bl. 8h. Sechstes Kapitel. Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. I. Die veränderte konfessionelle Lage. Die Signatur des Anfangs der nun eintretenden Periode, deren vordeutendes Wetterleuchten der Erlaß vom J. 1591 gewesen war, sind die Zusammenstöße der konfessionellen Gegensätze in der Goldberger Bürgerschaft auf der einen und in der Goldberger Schule und Kirche auf der andern Seite. Diese Konflikte ließen den guten Willen der Obrigkeit für die Schule nicht zu dem gewünschten Ziele gelangen, und als endlich schwere städtische Kalamitäten, Feuer und Seuche, am Ende des Zeitraums diese Streitigkeiten zum Verstummen brachten, gaben sie aber auch ^gleich der Schule den letzten Stoß. Mit Georg II. und Friedrich IV. waren in den piastischen -Herzogtümern die Schutzpatrone des strengen Luthertums in das wrab gesunken. Hatte Georg IL als Hüter der echten Lehre Luthers einst in Brieg Cirkler und seine Kollegen aus ihren Ämtern entfernt und aus seinen Gebieten verwiesen, so hatte Friedrich IV. im "• 1 593 unter Mitwirkung der aus Sachsen herbeigerufenen Theologen A. Hunnius und W. Mamphrasius (die in ihrem Bericht von Melanchthons „Corpus Doctrinao" behaupteten, es sei zur Unterdrückung reiner Lutherischer Lehre untergeschoben, und es an erster Stelle unter den Publikationen aufführten, womit nach Luthers absterben die Calvinisten in Wittenberg heimlich, tückisch und v erschlagcn auch die hohe Obrigkeit mehr als einmal wissentlich Zu betrügen sich unterstanden) den Liegnitzer Superintendenten • Kronzhoim aus denselben Gründen seines Amtes entsetzt 1 ) und ') Hunnius, A., u. Mamphrasius, W., Außfiihrlicher Bericht Von er Vi s it a tj on der Kirchen im hochlöblieben Hertzogthumb Lignitz in der °h]esie n . Wie besonders Leonh. Crentzheim, doselbst gewesener Superinten- ens > falscher unreiner Calviuischer Lehr ! . . öffentlich überzeuget, auch des- M °numenta Germaniae Paedagogica LVII 22 ;{38 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. im gleichen Jahre sein scharfes Patent gegen den Calvinismus bei der Einführung J. Feiges in das Rektorat inquisitorisch zur Anwendung bringen lassen. 1 ) Die herzoglichen Hauptstädte erlebten auf diese Weise jede eine kryptocalvinistische Katastrophe im kleinen; Goldberg wurde davon bloß beleuchtet. Beider Erbe Joachim Friedrich hielt zwar äußerlich das lutherische Bekenntnis fest, interpretierte es jedoch tatsächlich in vermittelndem, philippistischem Sinne und ist selbst in Wirklichkeit reformiert gewesen. Friedliebend, wie er war, richtete er als Landesfürst auf konfessionellem Gebiet sein Bestreben darauf, den Frieden zwischen allen diesen Richtungen im Protestantismus zu erhalten und etwaiger Vorketzerungssucht entgegenzutreten. Unter dem 19. Nov. 1G01 erließ er daher ein umfangreiches Patent 2 ) an die Pfarrer, Seelsorger und Schuldicner beider Fürstentümer Liegnitz und Brieg, wie er es künftig in Religionssachen in Kirchen und Schulen gehalten haben wolle. Die wichtigsten Stellen dieses Aktenstückes Lauten etwa, wie folgt: „Wir Joachim Friedrich, Ilcrtzogcte., entbitten den ehrwirdigen, wolgclartcn unsers Liegnitzschen und Brigischen Fürstenthumbs Pfarherrn, Seelsorgern und Schuldienern unsere Gnad und alles Guttes. Liebe Getreuen, wir stellen in keinen Zweifel, euch werde gehorsamlich bewußt sein, weßmassen durch Gottes des Allmächtigen Gnade und Verleihung vom Anfang des Streits in Religionssachen, welcher sich zwischen der Romischen Kirchen und Augspurgischcn Gonfessionsverwanten erreget, in unsern Fürstonthumbcn Liegnitz und Brieg bei Lebzeiten unsers gnedigen in Gott ruhenden Groß- Herrn Vätern [Friedrich IL] und Herrn Vätern [Georg II.] selige 1 ' Gedechtnus biß auf diese Stunde unsere wolgegrunte Religion, wie dieselbte vermöge und inhalt göttliches Worts in den prophetische» und apostolischen Schriften, den approbirten Symbolis, Augs- purgischer Confcssion und derselben Apologia, auch andern ortbo- doxis scriptis Lutheri und Philipp! Mclanchthonis und insonderhei dem Corpore Doctrinae Philippi 3 ) vorfasset, allemalen einfaltig un unverfelscht gelert werde. Von welcher einfältigen und doch ü ^ er ' flüssig klaren Richtschnur unsere geliebte Vorfaren und wir unfi wegen billich enturlaubet worden. 1593. Wittembergk. Gedr. bey M. Welac 4 Bl„ 113 S., 1 131. 4" [Ex.: Berlin, Staats-B.]. i) S. o. S. 313. ') St. B.-Br., Bart fol. 190-3 b. *) Der glaubensstrenge Herzog Georg II. gehörte also nach der Memu von Hunnius und Mampbrasius zu den Obrigkeiten, die von den Wittenbe „ Calvinisten betrogen worden waren. Die veränderte konfessionelle Lage. -i^q keinen saueren Wind noch eingeführte Neuerung haben abführen und irre machen lassen . . . Als auch bei Lebzeiten unseres gnedigen geliebten Herrn Vaters die hochschedlichen Disputa de persona Christi, Communicationc idiomatum, Coena dominica, Ubiquitate und, was demselben mehr anhengig, sich außerhalb Landes erreget, von welichen unsere Vorfaren keinen Zanck gehabt, auch in denselben Puncten ausserhalb des hochwirdigen Abendmales mit der Romischen Kirchen selbst nie kein Streit gewesen, und aber solche unzeitige, schedliche Disputata von den Autoribus und Ertichtern dorsclbigon durch ihre Streitschriften und in ander Wege den Pastoribus und Lehrern dieses Fürstenthumbs heimlich und öffentlich eingedrungen und sie damit irre gemacht werden wölten, hat damals unser gnediger und geliebter Herr Vater seliger aus genügsamen Wissen gehabt den Eath durch deroselbten Abscheide alle solche schedliche und unnötige Gezencke in ihren Landen abgeschafft und die unselige Frucht, weil sie noch in herba gestanden, verschnitten, auch den Geistlichen mit sonderm Ernst befohlen und auferleget, das sie weder zur rechten noch zur lincken Handt Wandten, sondern die einmal erkante und bekante Wahrheit ohne alle horfürgesuchtc Glossen und Menschentand schlecht und gerecht lehren oder diejenigen, welche zu Zanck und Hader Lust hetten, auß dcrselbten Fürstenthum sich wegbegeben und desselbten Fried und Einigkeit inturbiret lassen solten. Solchs zue Folge hat hochgedaebter unser geliebter Herr Vater von der neue gemachten Formula Concordiae wie dieselbe anß ^agelicht kommen, weil man einiger neuen Erklerung in diesen Landen gar nicht bedurft, nichts wissen wollen, sondern alles wie *ur Alters bei der hiebeuor genugsam erklerten, erkanten und Mokanten 'Wahrheit, wie dieselbe in oberzehlten Schriften begriffen Und von Anfangs der Augspurgischen Confession in derselben zugetanen Kirchen geloret worden, richtig und friedlich verbleiben lassen, fnmassen auch wir unß bey Eingange unserer fürstlichen •Rogirung und Aufnehmimg der Huldigung gegen unseren gehorsamen Landschaft und Unterthanen und sie gleichfalls gegen unß, das wir ruhiglich und friedlich dabei verbleiben und unß einige ■Neuerung, so dieser unser durch gottlichen Segen von Anfang hero erhaltenen wahren Keligion zuwider, mit was Nahmen und Schein ^ e genant werden mochte, daran nicht beirren lassen wolten, außdrücklich erkleret. Solchs auch ferner bei allen gehaltenen General- und Special-Conuentibus euch der Pristerschaft mit eon- derem Vleiß eingebunden, ihr euch sambtlich und sonderlich derer 22* 340 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. und keiner andern Gestalt zue euern Kirchen und Schuldiensten vociret und berufen worden seidt . . . Wan unß aber mit Schmortzen vorkompt, das anderer Ohrt unter dem Schein der Augspurgischen Cnnfession vorwitzige, müssige Geistliche ihre newe Getichte den Leuten heimlich und öffentlich aufdringen, auch mit ihren ertichten Gloßon und vermeinten newen Lehrformuln, diejenigen, so ihnen zue ihrer Sclsorge nit vertraut, dennoch mit Gewalt entweder in den Himmel, dessen sie wegen ihres wanckelmüttigen und unbostondigen Klügeln und Grübeln noch wol selbst ungewiß sint, zwingen wollen oder da sie mit ihnen in allen ihren ohne Grundt der Schrift ertichten Gloßen nicht einstimmen können nach wollen, für Caluinisch, schwermerisch und sectirisch zum höchsten Ungebur außschroion, verlcumbdcn und verfolgen, und aber unsere Kirchen und Schulen von dergleichen friedehessigen so viel weniger belästiget, auch allen Verdachts rriger Lehre so viel mehr verteidiget und befreihot sein möchten, ials ist unser gnediger und entlicher Heuehlich an euch, ihr wollet euch in Kirchen und Schulen unsern vorigen außgegangonon Beuehlich nach keiner anderer Lehre und Glaubonsbckenntnuß, als wir in oberzclten auffenbaren Wort Gottes, dem Alten und Newen Testament, den approbirten Symbolis, der Augspurgischen Confession und derselben Apologia und anderen orthodoxis scriptis Luthen und Philippi Mclanchthonis, sonderlichen aber dem Corpori Doc- trinac Philippi verfast und begriffen, zue Unterweisung des Volcks und studirenden Jugent gebrauchen, keine newo Glaubcnsbckcnntnus, sie heißen gleich wie sie wollen, einführen noch die durch unsern Herrn Vätern seligen verabachoidete strittige Punct von newen erwecken oder unter dem Scheine der Widerlegung ihrer Lehre durch priuat Affecten und Gezcncke, auß welchen der gemeine Man nicht gebessert, sonder irre gemacht und goergert wirdt, 8.UI die Cantzel und in die Schulen bringen, auch die außlendischen Kirchen, welche ihr zu richten nicht fürgesetzot, nach euch der selbten Seelensorge vertrauet worden, mit sectirischen Zunahmen oder unzeitigen Verdammungen beschweren, sonder euch euerer Vocation und Beruf mit Lehr und Leben christlich, trcwlich, vleissig und friedlich verhalten und hieran durch niemandts Vurwitzcn, Schreiben oder Geschrei beyrrigen lassen. Da auch jemandt unter euch durch zanckliebende Leute in und ausserhalb Landes schriftlich oder mündtlich prouociret und angetastet würde, sollet ihr ohne unsere außdrücklicho Ver\vilHg un £ euch gegen denselben in keine schriftliche Antwort einlassen, vie Die veränderte konfessionelle Lage. 34j weniger dieselbten oder andere strittige Sachen zue offenem Druck verfertigen, sondern die Iladergeister sich unter einander selbst vereinigen und befriedigen lassen. Welchem aber dieser unser erhaltener friedliche Zustand nicht gefellig, mit dessen muthwilligem Dienste ist unß gar nichts ge- dienet, sondern mag unserem zuuor oftmalen ergangenen und itzo abermals wiederholten Warnung und Befehlichen nach unser Kirchen und Schulen müßig gehen, dieselben unbeirret lassen und an die Ort verrücken, wo dergleichen Gezcncko geduldet werden ..." In Liognitz hatte sich ähnlich wie in Wittenberg nach dem -Tode des Kurfürsten August, nachdem die erste Periode des Philippismus durch die Entfernung Krenzheims ihr Ende gefunden hatte, doch mit dem Tode Friedrichs IV. alsbald eine zweite philippistische Periode einzuleiten begonnen. Die Übernahme der Suporintondcntur durch Krenzheims Schwiegersohn A. Baudis, der nach dem Sturze seines Schwiegervaters erst nach Trautenau und dann nach Krumau in Böhmen gegangen war, war das erste deutliche Anzeichen dieser Reaktion. Für Goldberg könnte man ein solches darin suchen, daß, wie schon erwähnt wurde, der philip- Pistische Grunaeus dem Rektor Feige auf seinen Wunsch eine Schrift über die Unterschiede zwischen Melanchthons und Calvins Lehre von der Prädestination zusandte. Der sehr einflußreiche ■Hauptmann W. von Zedlitz, obgleich ein Schüler des Thaburnus, aber doch auch in seiner fünfjährigen Wittenberger Studienzeit ein üörer der durch die kryptocalvinistische Katastrophe gestürzten Ch- Pozcl, F. Wiedebram, K. Peucer, M. Wesenbeck und M. Tcuber >) ^'urde wie der Herzog Joachim Friedrich als im Grunde reformiert betrachtet, wenn beide auch nicht durch öffentlichen Übertritt diese -Meinung bestätigten. Sie arbeiteten aber stillschweigend dem einseitigen Luthertum im Herzogtum Liognitz entgegen. In der Stadt Liegnitz hatte der Philippismus Boden in der Bürgerschaft, in Goldberg jedoch überwog noch immer, wie früher durch Trozen- d °rf und Thaburnus gepflegt, so zu dieser Zeit durch die Pastoren "*•• Popp und Th. Seiler fanatisch verkündet, das orthodoxe Luther- *Ura. Die Schola illustris erhielt in dem Prorektor Laubanus durch t * 10 maßgebenden Persönlichkeiten, den Herzog eingeschlossen, °i»en schon damals mindestens auf der Grenze zwischen Philippismus ll "d Calvinismus stehenden Mann vorgesetzt, und so konnten Rei- ""ngen nicht ausbleiben, obgleich Philippisten wie Calvinisten mit geschlossenem Visier handelten. Vgl. Laub an us, Musa ßl. 4 b. 342 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. 2. Die Vergangenheit des neuen Prorektors M. Laubanns. Melchior Laubanus, ein keineswegs unbedeutender Pädagoge und Philologe, war am 10./20. Dez. 1567 in Sprottau zur Welt gekommen, wo sein Vater Christoph als Bürger lebte. Seine Mutter Ursula war eine geborene Werner. 1 ) 1573 wurde er in die Schule geschickt und nennt als seinen ersten Lehrer den Rektor J. Weidner den Älteren aus Sprottau, der später Rektor in Krassen und dann Dr. med. in Sprottau und zeitweilig (1600) auch noch Privatlehrer eines Freiherrn von Slawata in Koschumberg war. Nachdem der Vater 1578 gestorben war, hielt ihn die Mutter noch bis zum 16. Jahre in der Sprottauer Schule. In der letzten Zeit hatte er Mag. D. Miriscius zum Lehrer, der seinen Schülern das vierte Buch der „Aeneis" erklärte, sie treulich zum Studium der Verse anhielt und so bei Laubanus die Vorliebe für Vcrgil weckte. Auf Veranlassung des Sprottauer Pfarrers M. Möller, dem er dankbare Verehrung zollte, wurde er 1584 der guten Schule in Görlitz, einst Trozendorfs Lehrmeisterin und erster Wirkungsstätte, zugeführt, die man mit Recht bis zum Endo des Jahrhunderts als „Philippische' bezeichnen konnte. Will man ihn in Goldberg verstehen, muß man die Görlitzer Schulverhältnisse kennen, in denen er seine Vorbildung vollendete und deren Repräsentant er nachmals sichtlich war. Früher schon unter der tüchtigen Leitung des von Trozcndorf geschätzten eigenen Schülers und Schülers von Melanchthon G. Ut- mann von gutem Ruf, war die Schule von P. Vincentius zu einem „Gymnasjum augustum" erhoben worden, und dieser, ebenfalls Schüler und herzlicher Verehrer Mclanchthons, hatte ihr, wie Trozcndorf der Aurimontana, den Stempel der strengen ciccroni- anischen Latinität und Rhetorik aufgedrückt. Sein Nachfolgen J. Meister aus Görlitz fügte als Ergänzung zu der Pflege der Rhetorik die Pflege der lateinischen Dichtkunst hinzu. 2 ) Meister, ursprünglich Schüler Utmanns, hatte als Student in Frankfurt a. 0. unter dem Einfluß des vielseitigen Dr. J. Willichiua des Alteren aus Rössel gestanden und war darauf als Kolleg 0 Utmanns Lehrer in Görlitz und Rektor in Lauban und Elbing gewesen. Na ch schlechten Erfahrungen in Elbing war er nach l ) Vgl. das Curriculum vitao in der Leichenpredigt des Johannes Neo- menius: Eigenschafft eines Trewen und Aufflichtigen Lehrers in Kirchen un Schulen. O.O. (1633). 4". ') Laubanus, M., Ad tres Libb. Poeticorum M. Hieron. Vidae Episcop 1 Albani Archetypi Analytici Pro Ducali Bregano . . Ex Officina Typ. A. Gründen. 1624. 4". [Ex.: Breslau, Stadt-B.] Die Vergangenheit des neuen Prorektors M. Laubanus. 343 Wittenberg gegangen und Schüler Melanchthons und des anerkannten Poeten J. J. Maior aus Joachimsthal geworden. Maior verdankte er seine Neigung für die Dichtkunst und seine weitere Ausbildung darin. Im Dekanat des Vincentius erwarb er am 4. Aug. 1558 das Magisterium und wurde, nachdem er noch als Rektor in Göttingen gewirkt, als 1565 Vincentius das Rektorat in Görlitz übernommen hatte, sein Kollego wie 1569 sein Nachfolger. Wie Vincentius die Bücher Ciceros „De oratore" als eisernen Bestand den prosaischen Lehrbüchern der Schule einverleibt und deren Behandlung selbst inauguriert hatte, so Meister 1572 das poetische Gegenstück dazu, die „Poetica" des II. Vida. Nachfolger Meisters wurde 1584 sein und des Vincentius langjähriger Kollego, Trozendorfs und Melanchthons treuer Schüler Mag. L. Ludovicus, der die „Doctrina Melanchthoniana" und die ciceronianischo Rhetorik im Sinne seiner Lehrer Trozendorf, Tha- burnus, Mclanchthon und Vincentius weiterpliegte und auch Vergil «eine Sorgfalt zuwandte. Nicht bloß, daß er die Leitung der Schule übernahm, als Meister 1584 nach Bremen ging, sondern auch das Einfallen einer schweren Seuche 1585, die die Schule auseinanderscheuchte und die Mühen der Sammlung und einer neuen Einrichtung brachte, hat dem fleißigen und gewissenhaften Rektor Ludovicus die amt- liehe und moralische Verpflichtung zu pädagogischen Veröffentlichungen auferlegt, und er ist dabei von seinen Kollegen, die ^aubanus meist nicht erwähnt, von Mag. M. Mylius, Mag. B. Kisling, G - Rhonius, G. Hauffius, F. Papa, P. Popilius, G. Richter (Judex), G - Eichlcr (Dryander) und M. Theodorus, sämtlich aus Görlitz, wacker unterstützt worden. Nach Antritt des Rektorats reichte er am 1. Okt. 1584 dem Rat und den Scholarchcn ein „Curriculum hibernorum studiorum", e inen ausführlichen Lehrplan mit der Stundenverteilung, den Disputationen, Deklamationen, der Freizeit nebst ihrer etwaigen Verwendung und den Konferenzen der Lehrer sowie der Angabe der betreffenden Lehrer oder Pädagogen bei allen Stunden ein. Goldberg gegenüber fehlen Vorlesungen über die „Institutionen" 1] nd kanonisches Recht. Er sagt am Ende: „Hie hodie cursus est ^udiorum scholae nostrae, cuius, ut ante annos viginti [d. h. zur Zeit des Vincentius] hoc in loco posita sunt initia, ita hunc usque »* diem incrementa sua haud obscura habuit.« Diese Lehrordnung druckte Ludovicus ab und hängte „Axiomata quaedam dn. Sturmii (1 o ratione docendi e scholis Lauinganis" für die Lehrer und die 344 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. Schüler an, die er auch beide noch auf die Schriften Sturms „De ludis literarum recte aperiendis", die „Scholao Lauinganae" und die „Epistolae classicac" verwies. Alles das gab er als Anhang zu seiner „Paraenesis et Isagoge pucrilis ad lectionem librorum Ciceronis de Oratore" '), die er unter der Form einer am 17. Okt. 1584 gehaltenen Rede „Practori, Senatui Populoque Scholao Gor- licensis" (1. Febr. 1585) widmete. Diese Widmung zeigt das Schulgericht in Tätigkeit — man datierte sein Alter mit 20 Jahren — wie er denn auch schloß: „quo et praeeeptorcs et discentes intelligant, plurimum momenti habere in disciplina scholastica, quando diseipuli ipsi fidoles sunt diseiplinae synergi." Außerdem gibt die Vorrede sein rhetorisches Glaubensbekenntnis, das er pietätvoll an Trozendorfs Stellung zu der Disziplin von der Studienzeit bis zum Alter anknüpft. Da fiel im J. 1585 die Pest ein: vom 4. Sept. ab mußte der Unterricht ausgesetzt werden. Neue Publikationen sollton ihre Spuren verwischen. Am I.Fobr. 15S6 ging eine Bekanntmachung des Kollegiums aus, die die Wiedereröffnung der Schule für den 10. Febr. anzeigte. An dem Eröffnungstag hielt Ludovicus eine Ansprache, „Threni Scholae Gorlicensis", die ganz auf den Klageliedern des Jeremias beruht. 2 ) Sorgfältig bearbeitet gab er sie mit einem Gedicht G. Richters „Lacrymao Scholae Gorlicensis , das dieser gleichfalls vorgetragen hatte, seinen Gevattern und Kollegen Kisling, Hauff und Richter (2t. März 1586) gewidmet, heraus, orfreut darüber, daß sich nicht in Monaten, wie zu befürchten gewesen war, sondern in wenig Tagen eine über aller Erwarten große Menge von älteren und jüngeren Schülern wieder einfand, so daß alle Arten von Studien sofort wieder aufgenommen werden konnten, die „doctrina coolestis" für die Knaben, die Anfänge der Sprachen und der Künste für die Jünglinge, wie sie die Kirche immer pflegte und für die richtige Unterweisung der Jugend als nützlich und notwendig ansah. Diese Fülle ermöglichte es auch, sofort einen Schritt weiter- zutun; Ludovicus tat ihn schon am I.Mai 1586 mit einer umfang- ') Ludovicus, L., Paraenesis, et isagoge puerilis, ud lectionem librorum Ciceronis De Oratore. Recitata In scbola Gorlicensi . . . Curriculum Hiberno- rura studiorum Scholae Gorlicensis. Sturminna Qu;iedam axiomata de ratione docendi. Gorlicü Exe. typis A. Kritschij. 1585. 40 Bl. 4" [Ex.: Breslau, U.-B.J. 2 ) Threni Scholae Gorlicensis, Quibus deplorantur calamitates tempor pestis veteres ac recentes. Ehuden) Scholae post dissipationem Jnstaurati Operam nauante cum collegis Laurentio Ludovico Leobergensi. 1586. ^° licii Exe. typis A. Kritschij. 4». Die Vergangenheit des neuen Prorektors M. Laubanus. 345 reichen Veröffentlichung'), die auf Trozendorfischcr Grundlage Schule und Altertum innig miteinander verband und eine in Görlitz schon eingebürgerte Einrichtung von neuem ins Leben rief: „In- stauratio scnatus et fori scholastici, declamationum, disputationum ac reliquorum exercitiorum iuuentutis in schola Gorlicensi." Nach einer achtbaren historischen Einleitung, die an seine Gevatter Freunde und Kollegon Mylius, Rhonius und Popilius gerichtet ist und die Wichtigkeit der Kenntnis der römischen Komitien für das Verständnis der lateinischen Grammatik, der römischen Geschichte und der römischen Schriftsteller betont, gibt er nach einer Paraphrase des 30. Psalms, die in Gebetform auf die Pest und die glückliche rasche Wiederherstellung der Schule eingeht und dem Dank für Gottes Güte Worte leiht, unmittelbar angeknüpft, als Rede an den „Populus scholae Gorlicensis" „Scholae instauratio : Exercitia publica: I. Scriptorum publica collatio, IL Declamationes, CIL Disputatiunculae, IV. Judicia fori scholastici, V. Memoriae exer- citatio." In der darauf folgenden Betrachtung der römischen Komitien und der antiken Staatsformen geht er von den römischen staatlichen Sonderungen der Bürgerschaft auf die entsprechenden Sonderungen der Schüler, Klassen, Tribus, Kurien und Dekurien über und die nach dem Vorbild der Komitien geschaffenen Schuleinrichtungen, der Setzung der Senatoren, des Praetors, der Zensoren mit ihren Rechten und Pflichten, endlich des Moderators oder Praescs und des Respondentcn für die Disputationen, der heiden Schüler, die im Wettstreit deklamieren und zum Schluß derer, die mit vorteilten Rollen Ciceros Schrift „De oratore", ein Ruch Vergils oder eine Komödie des Tercnz rezitieren sollen. Als drittes Stück ließ Ludovicus eine von ihm vorgetragene Verteidigung der Einrichtung erscheinen, daß in seiner Schule vor den älteren Schülern der Brief des Paulus an die Römer, 'las Schiboleth der Reformation, grammatisch erklärt wurde. 2 ) In der Widmung an seine Kollegen und Freunde Papa, Richter und ') Ludovicus, I-., Instauratio exercitiorum scholasticorum in schola. Gorlicensi, post pestein. Dreuiter ostendens, unde sint sumptae appellationes classium, tribuum, decuriarum in scholis, et quibus de causis hodie sint re- ^nendao. Item: Breuis historia Comitiorum Romanorum . . . 1586. 26 BI. 4° D 3 *.: Berlin, Staats-B.]. 2 ) Ludovicus, L., Apologia enarrationis grammatioae. epistolae Pauli . A( 3 Romanos, in Schola Gorlicensi. In qua commemoratur historia commen- tetionum Philippi Melanchthonis, eiusdem epistolae ad Romanos, per annos luadraginta, in Academia Witebergensi. Recitata Gorlicii 158G. (Vorrede: G °rlicii Lusatiorum 1S86.) 35 Bl. 4« [Ex.: Berlin, Staats-B.]. 346 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. Theodorus (Pfingstfest 1586) sagt er, daß er nach Melanchthons Koramentaren dabei vorgehe, und gibt eine historische Übersicht über Melanchthons einschlägige Vorlesungen durch vierzig Jahre. Vincentius hatte das Lesen Paulinischer Briefe unter die öffentlichen Lektionen der Schule eingereiht und selbst mit der „Epi- stola ad Romanos" den Anfang gemacht. Dieser Edition sind Gedichte aller Lehrer der Schule aus den Jahren 1585 und 1586 angehängt, die sicli mit Lchrgegenständen, der Pest, der Zerstreuung und Wiederherstellung der Schule und dem Schulgoricht beschäftigen. Sic verraten wie die Verteilung der Dedikationen unter die Lehrer und das gemeinsame Druckfehlerverzeichnis am Ende, daß alle drei im J. 1586 erschienenen Veröffentlichungen von Ludovicus als ein Ganzes gedacht waren, das sich planmäßig an die von 1585, die Schulordnung und die „Paraencsis", anschließen sollte. Gerade in dieser Zeit, als Ludovicus so wichtige Dinge vor die Schüler und die Öffentlichkeit brachte, war Laubanus Schüler in Görlitz, und es ist daher erklärlich, daß sie auf ihn einen tiefen, ja, einen bleibenden Eindruck machten. Er selbst faßte 1610 die Erinnerungen an seine Görlitzer Schulzeit 1 ) in die schönen Worte zusammen: „Saepe praedicare araicis soloo primam et praeeipuam vitae meae studiorumque felicitatem in eo fuisse, quod in diuinos formandorum ingeniorum duumuiros adolescentia mea ineiderit, Joachimum, dico, Maistorum, polyhistorem magnae variaoque doc- trinae et poetam plane masculum, Laurcntiumque dein Ludouicuni, theologum summum, oratorem neruosum, doctorem sermonis ac methodi perspieuum, laboris inuictum, diseiplinae seucrum ac fo- licem. Etsi enim, cum ante hos sex et viginti annos sedocennem me patria Gorlicio uberiore eultura limandum tradidisset, paueulos post menses ad rectoratum Dremenscm in Saxonas magno totius scholae meoque dolore Maisterus concessit, tarnen siue breuiculus etiam tanti viri conspectus et paucissimae acroases, siue condisci- pulorum, qui diutius ipsum audiuerant, verissima praeconia et com- municatae doctissimarum scholarum roliquiae, siue genius etiam et spiritus scriptorum Maistcrianorum (plurima enim palmam vetcri Latio ambiguam facientia in nostris erant tum manibus) tantum apud me poterant, ut iam illa aetate de classicis Graecis ac Latinis recte existimare eosque longo optimos dicendi ac sapiondi ma- gistros credere ineiperem." ') Laubanus, Vergilius Bl. 2. Die Vergangenheit des neuen Prorektors M. Laubanus. 347 Meisters eifriger Schüler ist er besonders als Poet gewesen; er bekannte, daß er von ihm, obgleich er nur so kurze Zeit sein Schüler war, nicht nur in die Rudimente der Poetik eingeführt worden sei, sondern daß er vor allem Vergil, den er schon in Sprottau unter Miriscius zu lieben angefangen, durch die tägliche Empfehlung Meisters bewundern gelernt und ganz in sein Herz geschlossen habe. Die Neigung für Vergil habe die Lektüre der „Poetica" ,T. Scaligers, die er auf Anraten Meisters mit einem und dem andern Mitschüler unternommen, und die häufige Vorgleichung der Muse Meisters mit der Vergils vermehrt. Da er Meister als sehr glücklichen Nacheiferer der Maronischen Majestät erkannt, habe auch er nach andauerndem Lesen Vergils und aus ähnlichen Nachahmungsversuchen für seine eigene Dichtung einst etwas Farbe und Würde zu erhoffen gewagt. Und sehr gelegen sei es für ihn gekommen, daß nach Meisters Abgang der Eektor Ludovicus sofort die „Aeneis" von Anfang an zu erklären übernommen habe, durch dessen Unterricht sein Eifer noch weit mehr auf Vergil gelenkt worden sei. in den vier Jahren in Görlitz habe er vier Bücher vollständig im öffentlichen Unterricht empfangen. Vom Anfang bis zum Ende, wie Ludovicus bei allen Klassikern zu tun sehr oft seine Schüler geheißen, habe er Vergil mehrfach durchgenommen und sein Studium auf „epitheta, periphrases, phrases, clegantias, figuras et ornamenta poetica" gerichtet; besonders als die Pest 1585 der Schule gezwungene, traurige Ferien auferlegt, habe er «ich durch ganze vier Monate Tag und Nacht einzig mit Vergil beschäftigt und mit Hülfe des Kommentars des Servius und anderer handschriftlicher Schoben aus allen Büchern des Dichters einen umfangreichen „Index supellectilis apparatusque poetici" nach seinem damaligen Können zusammengestellt. Dieser Sorgfalt habe der Nutzen entsprochen; denn die Zusammenstellung habe in der F olg e nicht bloß ihm, sondern auch andern Mitschülern stets freie und geeignete Hülfsmittel für das Schreiben von Versen geboten. Niemals sei ihnen etwas zu kommentieren aufgegeben worden, was 8 ie vermöge dieser Unterstützung mit Vergilischen oder ähnlichen Formeln nicht gekonnt hätten. Und wenn einmal von einem andern etwas auffallend K lücklich ausgedrückt worden wäre, hätten sie das sofort bei der öffentlichen Rezitation erkannt, da ihnen alles Vermische schon ganz bekannt und wie alltäglich gewesen sei. Von Ludovicus führte er auch das ihm maßgebende Wort an, an den Vergilischen Reden, wenn sie auch nur kurz wären, könne alles Kunstmäßige der Beredsamkeit, die eine spezielle Frucht der all- ö 348 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. gemeinen Lehrsätze der Logik, der Rhetorik und der praktischen Philosophie sei, den Anfängern besser und deutlicher gezeigt werden als an den langen und verwickelten Deklamationen Ciceros und anderer. Noch 1624 gedachte Laubanus, wie Ludovicus das „Depositum" des Vincentius und Meisters: Ciceros Bücher „De Ora- tore" und die „Poetica" des Vida, mit höchster Treue und auch mit Erfolg bewahrt habe. Das erste und zweite Buch „De Oratore" hat er aus seinem Munde kennengelernt. 1587 begann Ludovicus auch die Interpretation des Vida, den er später noch einmal herausgegeben hat, und Laubanus hörte von ihm das erste Buch ganz. Er gestand, daß er alles, was er im Stil leiste, der Sorgfalt des Ludovicus bei der Erklärung der griechischen und lateinischen Klassiker verdanke. 1 ) Was er sonst in Görlitz trieb, ist aus dem Lehrplan zu ersehen. Ein Zeugnis für den Erfolg seiner Görlitzer Schulzeit und das wirkliche Leben der uns durch Ludovicus bekannten Schuleinrichtungen haben wir auch in den Werken, die er als Schüler schuf. Am 22. Juli 1587 parontierte die Schule für den in Bremen nach nur kurzer Wirksamkeit am 10/20. Febr. 1587 gestorbenen Meister. Diese Feierlichkeit war mit den durch die Schulordnung vorgesehenen literarischen Wettkämpfen verbunden. Vor der öffentlichen Rezitation des dritten Buches der „Aeneis" deklamierte Laubanus ein stattliches „Epicedion" auf Meister, in dem er die ganze Lebensgeschichte seines verehrten Lehrers vortrug 2 ), zugleich das Lob der Schule sang und seiner nach Meister ihm liebsten Lehrer, Ludovicus und Mylius, ehrenvoll gedachte. Er veröffentlichte das Gedicht als „Specimcn certaminum diseipulorum in Schola Gor- licensi". Als die Zeit seines Abschieds von der Schule herannahte, bestieg er am 7. April 1588 nochmals das Katheder, um seinen Lehrern und Mitschülern Lebewohl zu sagen 3 ), bevor er sich nach Wittenberg begab. Wieder tat er das mit einem heroischen Ge- *) Laubanus, Vida in der Widmung. 2 ) Specialen Certaminum Diseipulorum In Schola Gorlicenai, cum caetus uniuersus parentaret pijs manibus . . . Dom. Joach. Meisten üorlicii . • • editum a Melch. Laubano Sprottav. Ante actionem publioam terti.j libri Aenevdos. (iorlicii Exe. A. Fritsch 1587. 4". ') 'Jjioßatt'iQiov. Continens Descriptionem Et Commendationem Studiorum Oorlicensium, Pronunciatum ibidem ... 1588. 1IX. Id. April. A Melch. Laubano . . . Valedicente Dn. Praeceptoribua, & Condiscipulis: cum in . . • Vite- [»■i'gensem Acad. esset abituius. Witebergae Ter Ilaer. C. Schleichi.j. 1.089. 4". Die Vergangenheit des neuen Prorektors M. Laubanus. 349 dicht, in dem er wie der Lohrplan des Ludovicus einen vollständigen Überblick über alle Zweige des Unterrichts und die gelesenen und behandelten Schriftsteller wie ebenso über alle Schul- einrichtungen, Deklamationen, Disputationen, Schulgericht, gab, so daß es geradezu als Empfehlungsschrift für die Schule in die Öffentlichkeit hinausgehen konnte. Von den Lehrern erwähnte er wieder nur Ludovicus und Mylius. Mylius konnte er sich später dankbar erzeigen dadurch, daß er, der einstige Schüler, seinem Lehrer im Auftrag des Pfalzgrafen Melissus den Dichterlorbeer übergab. Die von ihm gefeierte Schulordnung ist für ihn in Goldberg vorbildlich geworden. In Wittenberg ließ Laubanus 1589 das „Apobaterion" drucken; er weihte es G. und K. Ennder, den Söhnen des Görlitzer Ratmanns M. Ennder. Zwei seiner Mitschüler, F. Perber aus Görlitz und J. Schlegel aus Sagan, der mit ihm zusammengewohnt hatte, schmückten es mit empfehlenden Versen. Am 7. Juni 1588 ist er in das Wittenberger Album eingetragen worden. Dort lebte er in vertrautem Verkehr mit A. Scultetus aus Grünborg, zu dem er schon von Jugend auf enge Beziehungen hatte. Als dieser nach Heidelberg ging, begleitete er ihn, so daß er nur anderthalb Jahre in Wittenberg war. Dieser Teil seiner Studienzeit scheint auch nur von geringer Bedeutung für ihn gewesen zu sein, denn in seinen Dichtungen und seinen andern Werken läßt sich keine Erinnerung daran nachweisen. Anders war es mit Heidelberg, so daß Görlitz und Heidelberg die eigentlichen Quellen seiner Bildung und auch die Hauptpunkte seiner konfessionellen Entwicklung waren. Die Heidelberger Matrikel verzeichnet die Namen der beiden Freunde zum 24. Jan. 1 590; sie wurden auch an demselben Tage, !l m 1. März 1591, Seite an Seite von Dr. Th. Mader zu Magistern der Philosophie promoviert, wie sie 1590 auch als Studenten der reformierten Theologie von dem Dekan Dr. J. Kimedoncius eingetragen worden waren. Scultetus wurde nachher ganz Theologe. Schon als Hofprediger Friedrichs V. von der Pfalz erhielt er am 9- März 1G18 die Professur des Alten Testaments; er mußte 1621 a us Heidelberg vor den Scharen Tillys flüchten. Laubanus blieb auch nach- dem Magisterium noch in Heidelberg. Neben den philosophischen und theologischen Studien hatte er unter Melissus seine poetischen weiter fortgesetzt und nicht nur v iel von diesem gelernt, sondern sich auch mit ihm befreundet. Er lebte dort auch sonst in angeregtem Verkehr, wie aus seinen 350 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. Gedichten unrl denen seiner Freunde hervorgeht. 1 ) Melissus besang die beiden schlesischen Freunde Laubanus und Scultetus. Laubanus richtete Verse an den Polyhistor J. Grutcr aus Antwerpen, an den kurfürstlichen Leibarzt Dr. J. Posth, an den Kretenser A. Portus, der später Griechisch an der Universität lehrte, an den Professor der griechischen Sprache, Poeton und scharfen Gegner der Ubi- quität M. S. Stenius aus Lommatzsch in Meißen, der, als Reformierter vor dem strengen Luthertum weichend, zuerst als Lehrer an die Schola illustris des Pfalzgrafen Johann Kasimir in Neustadt ;in der Hardt und 1585, durch Melissus dahin gezogen, als Professor der Ethik nach Heidelberg gekommen war. Von Landsleuten erwähnt Laubanus außer Scultetus den Theologen B. Pitiscus aus Grünberg und den nachmaligen Juristen Mag. K. Scultetus aus Greifenberg, den einstigen Schüler Cirklcrs in Goldberg. Mit Sehnsucht dachte er noch von Goldberg aus an seine Heidelberger Freunde zurück, zu denen auch Mag. D. Pareus aus Frankenstein zu rechnen ist. Von Heidelberg reiste Laubanus nach der schlesischen Heimat, mit dem Gedanken, bald wieder an den Neckar zurückzukehren. Das sollte aber nur geschehen, um von den Freunden Abschied zu nehmen; denn er wurde an seine Vaterstadt Sprottau mit doppelten Landen gefesselt. Am 1. Febr. 1594 übernahm er das Rektorat der Schule und heiratete an demselben Tage Jungfrau Anna Hentschel, die Tochter des Bürgermeisters G. Hentschel. Anna, die in Goldberg Bitternisse genug erleben sollte, starb, nachdem sie ihm zwei Kinder geboren, denen nur kurze Lebenszeit beschieden war, in Lricg am 28. Mai 1 (326. Als Rektor der Schule in der Kleinstadt nahm er seine Vorgil- studien wieder auf. Er stellte Vergil, ohne andere. Klassiker auszuschließen, in den Mittelpunkt des Unterrichts und sorgte dafür, daß er seine Schüler nicht bloß in jeder Weise zur Nachahmung Vergils gewöhnte, sondern auch die Übung und die Beispiele des grammatischen, rhetorischen und logischen Unterrichts durch scharfe und eingehende Analysis des Poeten darlegte und auch mancherlei Vorübungen des oratorischen Stils daraus entlehnte. So entstanden nach und nach in den fünf Jahren seines Rektorats durch unermüdliche Arbeit auf Grund ungezählter, mit sorgfältiger Auswahl benutzter Kommentare von Kritikern und Philologen die „Archetypi sive Tabulae Analyticae" aller zwölf Bücher der „Aeneis", von denen Die getauschten Gedichte sind meist in Laubanus, Musa gesammelt Laubanus' Einführung in Goldberg. ori er 1610, als or wegen einer schweren Erkrankung am Podagra sein Danziger Prorektorat 1G0S niedergelegt hatte und bis zum 10. Juni 1610, wo er das Prorektorat von neuem antrat, als Privatmann in Sprottau lebte, die „Archetypi" zu den ersten sieben Büchern, wegen des Todes seines Verlegers allerdings nicht einheitlich behandelt, in Liegnitz drucken ließ. 1 ) Melissus, der von der Arbeit Kenntnis hatte, übersandte ihm deshalb schon 1596 ein anerkennendes Gedicht. Am 21. März desselben Jahres verlieh er ihm auch mit Versen den Pootenlorbeor und ein ritterliches Wappen. Laubanus dankte seinem lieben Lehrer für diese Ehrung durch mehrere Gedichte. Die in Sprottau begonnenen analytischen Arbeiten setzte er in Goldberg und später auch in Danzig und Krieg an den von ihm behandelten Schriftstellern fort; aber nicht alles davon kam, wie er wünschte und hoffte, ans Licht. Ob z. 13. aus seinen „Archetypi" zu Homers „Odyssee", von denen er 1609 von Sprottau aus auch wenigstens ein dem Herzog Johann Christian gewidmetes „Pro- theama" vorausschickte 2 ), etwas geworden ist, können wir nicht sagen. Ein gedrucktes Werk aus seiner Sprottaucr Zeit ist eine 1596 in Görlitz erschienene, in Frage und Antwort gefaßte Gesanglehre für die Anfänger. 3 ) Über die mit ihm in Sprottau gepflogenen Verhandlungen wegen Übernahme des Prorektorats in Goldberg schweigen die sonst so gesprächigen Briefe des Mag. S. Grunaeus, der durch W. von Zedlitz "i alles eingeweiht war, ganz, weil sie auf die Intentionen des Regiments diplomatisch Rücksicht zu nehmen hatten. Der Urheber seiner Berufung scheint J. Monau gewesen zu sein; Laubanus schrieb s 'e hauptsächlich Zedlitz zu. 'S. Liiubanus' Einführung in Goldberg. Am 16. März wurde Feige als Bürgermeister der Stadt und ■ils Rektor der Schule durch herzogliche Verfügung eingesetzt. Am ') Laubanus, Vergilius. *) M. Mol. Laubani Odysseae Homericae Epopeia, Sive Archetyporuui In omnes sapiontissimi operis libros, publice brevi speetandorum Protheama, c 1m Mantifia Anthologiac Libri Primi, ad 111. . . . Principem Joannem-Christi- anum Ducem Lig. et Breg. ab Acadeniia & Politica peregrinatione feliciter Patriae redditum. Lignicii Typis N. Sartorii. 1609. 4°. [Ex.: Breslau, U.-B.] :l ) Laubanus, M., Musica vocalis per quaestiones et responsiones in gratiam primae aetatis. 1596. [Nach Schutt S. 51.] Vgl. u. „Nachträge". 352 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der .Schule. 17. März erfolgte der zweite vorgesehene Akt in der Schule. 1 ) Zuerst ergriff der Bürgermeister-Rektor das Wort, um sich seines Auftrags, der Inauguration des Prorektors, zu entledigen. Den Juristen verraten die zitierten Rechtsquellen. J. Monau war als ausführendes herzogliches Organ bei der Setzung des Rates und als Zeuge bei der Inauguration Laubans zugegen. Zwei Dinge, sagte Feige am Anfang seiner Rede, seien es, die ihn an der erlauchten Schule nicht ganz verzweifeln ließen, ein göttliches und ein menschliches: Gottes qxloaroQyln gegen uns das eine, das andere die Pictas des Herzogs Joachim Friedrich und die Eruditio des Hauptmanns und Pracsos der Schule W. von Zed- litz. Diese Dinge gäben ihm auch trotz der Wirron in der ganzen Welt und bei dem gewissermaßen durch das Geschick bestimmten Ruin fast aller Kirchen und Schulen Mut und schienen, wenn auch nicht das Höchste und Beste, so doch Erträgliches und Besseres für die Goldberger Schule zu versprechen. Gott, die wahrt; Sonne der Gerechtigkeit, habe Goldberg einmal als Sitz und Wohnort für sich und die Musen auserwählt, das auserwählte unter soviel Schlägen, Hunger, Pest, Brand der Stadt, gegen 400 Jahre (1212 die sagenhafte Gründung dos Klosters durch die hl. Hedwig) gütig erhalten und das erhaltene durch soviel erlauchte Nährvätcr, edle Mäzene, soviel gelehrte und berühmte Rektoren und Professoren mit wahrhaft göttlichem Erfolg eingerichtet, gemehrt und geschmückt. Daher sei es geschehen, daß auch die Musen selbst den böotischon Borg Helikon verlassen hätten und nach dem sclilesischcn „Aureus mons" gewandert seien, wie sein unvergeßlicher Prosocer G. Helm- rich, einst Goldborger Rektor und Bürgermeister, nicht weniger wahr als elegant gesungen habe: „Aonio lepidae vonientes eulmine Musae Montana gaudent urbo domoque frui." Jehova werde die Schule nicht untergehen lassen: „Hie nrurus aheneus esto!" Dann ging er zum Lobe der „Pietas piissimi prineipis" und der Eruditio Wenzels von Zedlitz, „nobilissimorum doctissimi et doctissimorum nobilissimi", über. Nach Verdienst sagte er von Zedlitz, er sehe mit den eigenen, nicht mit fremden Augen, suche Rat bei sich selbst und nicht draußen, kenne, was der Schule fromme, durch sich selbst und brauche es nicht anderswoher zu erbetteln ') Alle die folgenden Ttedeleistungen sind bei „lllustris Scholae Gold- bergensis Instauratio" (vgl. u. S. 382, Anm. 2) mit abgedruckt. Laubanus' Einführung in Goldberg. 353 und sei endlich der Schule mit wahrhaft väterlicher Liehe zugetan und strebe mit höchster und ernster Begier, sie vollkommen wiederherzustellen. Rühmend und dankend zugleich gedachte er des ganzen Fürstentums und des benachbarten Adels, des herzoglichen Eates J. Monau und der andern Räte. Gott werde ohne Zweifel dem Werke seinen Segen geben. Um das gesetzte Ziel zu erreichen, würden die Lehrer ohne Rücksicht auf Äußeres, Ehren und Vorteile nur nach dem Ruhme Gotdos, der Verbreitung der himmlischen Lehre, den Fortschritten der Schuljugend, dem Gedeihen der Schule streben, und es solle zu jenen ersten Zeiten Trozendorfs zurückgekehrt werden. Gottes Wort solle rein, weder durch menschliche Autoritäten eingeengt, loch durch schwärmerische Ausbrüche und Götzendienst befleckt gelehrt werden; jene Freien zukommende und doch strenge Disziplin stelle sich ein; mit unermüdlichem Eifer sollen in diesem erlauchten Lyzeum außer den Anfängen der Frömmigkeit und den Grundlagen der Sprachen und der Künste jene höheren, theologischen, juridischen, ethischen.'physischen Lektionen, die Übungen der Deklamationen, die ersten Versuche der Disputationen, die Vorübungen der Rechtsprechung und die Vorspiele der Themis belieben werden. Der Fürst wolle ernstlich, daß zwischen Kirche, Schule und ktadt nicht Streit gesät werde, nicht die Samen von Kämpfen, daß licht innerer Haß auflodere, sondern daß unter allen Eintracht herrsche. Daher habe er die Ämter des Bürgermeisters und des Rektors in eine Hand gelegt. Gott habe das gewollt, der Fürst "efohlen und der Hauptmann geraten. Die ihm übertragenen Funktionen des Rektors und die des Prorektors umschreibt er mit den Worten: „In schola vero vult dominus nostcr clementissimus vacare me potioribus et praeter vel lu rium',>c legum vel doctrinae ethices vel oratoriae facultatis pro- tessionem ut hueusque per annos aliquot, sie in posterum quoque, quamdiu id Deo nostro rectori soli perpetuo, placuerit, clauum gubernationis tenere, lectionum ordinem praescribere, exercitiorum ratione , monstrare, publicam diseiplinae inspeetionem habere. ctori ; s vuitem ordinarias rectoris lectiones atque operas, siue doc- **inam mue diseiplinam spectes, commisit et iam committit Hluetris- 8 ima Cclsitudo ipsius viro clarissimo et doctissimo dn. M. Mel- Cn 'ori Laubano, poetae laureato et Sprottauiensium scholae moderatori "delissimo." Die eigenen Äußerungen des Laubanus über seine Monumenta Germaniao raedagoglca LVII 23 354 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. Stellung zur Schule, auf die wir später kommen werden, sind geeignet, die Worte Feiges einigermaßen zu modifizieren. Hierauf stellte er Lauban als Prorektor öffentlich vor, installierte ihn auf dem ehrwürdigen Katheder, empfahl die ganze Schule seinem Unterricht und seiner Aufsicht und wies ihn an, nicht nur sein Lehramt, sondern, was noch bedeutender sei, die Disziplin, und diese vor allem, sorgsam und treulich in acht zu haben. Und dann versprach er ihm für sich und im Namen der Kollegen Liebe und Wohlwollen. Den Kollegen und den Schülern aber gebot er im Auftrag des Hauptmanns und nach dem speziellen Befehl des Herzogs, dem Prorektor genau so wie dem Rektor gehorsam zu sein, auf ihn zu hören, ihn zu lieben und zu verehren. Unter Hinweis auf Gott, auf den Herzog und den Hauptmann forderte er die Schüler zu guter Hoffnung für die Schule auf und in einem Schlußgcbet bat er Gott, daß sein Weinstock auf diesem Goldenen Berge zu Ehren des göttlichen Namens und zum Heile aller Auscrwählten noch einmal Wurzeln schlagen, sprossen, knospen, wachsen, gedeihen, blühen und Früchte für die Ewigkeit tragen möge. In seiner rhetorisch sorgfältig vorbereiteten Gegenrede ging Laubanus von den Gründen aus, die ihn bewogen hätten, das ruhige Rektorat der Schule seiner Vaterstadt mit dem schwierigen Lehramt an der erlauchten Schule des ihm fremden Goldberg zu vertauschen, der in ganz Deutschland hochberühmton Schule, der die göttliche Autorität Trozendorfs, die Treue im Lehren de» Thaburnus, Cirklers beredte Gelehrsamkeit, die väterliche Liebe zur Schule des Sickius, die bewundernswerte Emsigkeit des Pan- cratius und die Tüchtigkeit der übrigen, neueren Lehrer Liebe, Lob und Bewunderung erworben hätten. Gott habe ihn gerufen, und er sei dem Befehl gefolgt. Zum Thema hatte er die Worte aus den Sprüchen Salomonis (Cap. XXII v. 15) gewählt: „Stultitiam alligatam pueri, ea lU virga eruditionis proeul amouebit ab co." In der Ausführung sagte er, der starke Besuch und der hohe Ruhm der Goldberger Schule habe darauf beruht, daß Lehre und Disziplin bei ihr vereint gewesen wären. Jetzt aber sei die so vornehme, so alte, f, 0 w . olt " berühmte Herberge der Musen in eine niemals vorausgeseh orr e U und Verlassenheit gesunken, weil die Disziplin, der Nerv und das Rückgrat des Schulregimcnts, trotz des standhaften Ankämpfen 3 der Lehrer gewaltsam entfernt und von der Lehre losgerissc worden sei. Gleichsam als den Schutzpatron der Schule rief er Laubanus' Einführung in Goldberg. 355 (ähnlich wie einst Crüger von derselben Stelle aus) Trozendorf an: „Sed 0 redi, pulcorrima disciplinae facies! Redi, inqnam, et inaiostate frontis tuae hanc tuam auitam sedein irradia. Reuiuisce, beatissimo Troccdorfi, reuiuisce et huic tuae cathedrae, his pulpitis tuis pristinum auctoritatis splcndorem restitue! Percelle, quaeso hacc subsellia, hos, inquam, parietes, percelle radianti ocellorum tuorum fulgctro, ut, quo doctrinam desiderio adfectant, eodem disciplinae quoque monita animo amplcctantur! Non tuam illam docendi deivözqm, non illam persuadendi ywxaycoyiav, non moni- torum tuorum evEQyeiav, non tuam coercendi castigandique e£ovolav petimus, neque enim fas est, saltcm unicum harum virtutum orakay/iör, saltem y.vmtov unicum, ut ille [Aristophanes Acharnen- sibus| in vetere loquifcur comoedia, nobis infunde et abunde nobis suffecerit." fn der „Gratiarum actio" dankte er dem Herzog Joachim Friedrich für seine Sorge für die Schule und sein persönliches Wohlwollen, v ersprach, mit Gottes Hülfe das ihm Mögliche, roTg naiol xeyot/ia, z u leisten, bat den Rektor, die Diener der Kirche, die Professoren "nd alle Lehrer um ihre gütige Unterstützung und forderte sie, "Wohlbowußt warum, auf: „Retineamus pium consensum doctrinae propheticis et apostolicis libris primum consignatae, oecumenicis doinde symbolis breuiter comprehonsae, nostro vero aeuo Augustana n °n tantum confessione ciusdemque apologia, sed ministorio etiam e t scriptis diui Lutheri et Philippi luculentius uberiusque declaratae!" Ein Gebet an Jesus Christus, in dem er darum bat, daß die Arbeit in der Schule nicht umsonst sei, die Erhaltung der Kirchen un d der Obrigkeiten des Landes erflehte und seinen Schutz für lehrende und Lernende anrief, bildete den Schluß. Ostern fiel im J. 1599 erst auf den 8. April; trotzdem begann der neue Prorektor seine Lehrtätigkeit nicht etwa schon am •°- März, sondern er ging nochmals nach Sprottau zurück und traf en dlich gegen Mitte des April, von Grunaeus mit den besten Wünschen begrüßt, samt Gattin und Habe in Goldberg ein. 1 ) Grunaeus konnte ihm sogleich als gutes Omen die frohe Nachricht mitteilen, daß er ihm in der nächsten Woche den Sohn des Hauptmanns W. von Zedlitz Christoph, der vorher ein Schüler M. Adams gewesen war und sich mit seinem Privatlehrer Ch. Drachstedt in ^üben aufhielt, nach Goldberg bringen werde. Für den 15. April Wft r als Vorspiel zur Eröffnung der neuen Ära die feierliche ') Gi-unaeus an Laubanus, 14. April 1599, St. B.-Br„ Rhediger XVIII, N. 258. 23* 356 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. Verlosung dov Schulgesetze Heinrichs XI. angeordnet worden, W. von Zedlitz und der Breslauor Patrizier und herzogliche Hat Johann Schmid begaben sich daher nach Goldberg und empfahlen bei ihrer Ankunft ihre Söhne dem Laubanus für Unterricht und Tisch. Am 19. April brachte Grunaeus 1 ) diese jungen Leute, Johann und Friedrich Schmid, Christoph von Zedlitz auf Eichholz. Christoph von Zedlitz auf Licbenthal und Franz von Zedlitz auf Simsdorf, dorthin, die alle unter der Aufsicht Drachstedts standen und früher auch von D. Vechner unterrichtet worden waren. Der Hauptmann sorgte alsbald dafür, daß Laubanus vom Goldberger Rat die Umzugskosten erhielt und mit Holz verschen wurde. 2 ) Die Verlesung der Schulgesetze am 15. April gestaltete sich wieder zu einem Redcaktus. Diesmal hatte sachgemäß der Prorektor zuerst das "Wort zu einer Ansprache an den „Proprinceps und Praeses Musarum Aurimontanarum" W. von Zedlitz, an Johann Schmid, die andern anwesenden Männer von Distinktion und die Jugend der Goldberger Schule „Do legum origine atque fine". Am Ende forderte er den Magister A. Hentschel auf, die Schulgesetze laut und deutlich vorzulesen. Nach der Verlesung sprach der Consul-Rector Feige noch einmal über dasselbe Argument, ermahnte die Jugend zur Beobachtung der Gesetze und dankte dem Hauptmann und J. Schmid für ihr Erscheinen. Montag, den 19. April begann Laubanus mit seinem Unterricht. Lebhaften Anteil an Laubanus und an der Entwicklung der Goldberger Schul" Verhältnisse nahmMonau; er wurde durch Laubanus und Grunaeus ständig auf dem Laufenden erhalten. Zunächst richtete Laubanus sein Augenmerk auf die Wiederherstellung der verfallenen Disziplin; die schönen Ermahnungen und die sorgsamen Gesetze mußten in die Praxis umgesetzt werden, und das war nicht so leicht bei dem eingebürgerten Übel. Grunaeus beglückwünschte ihn dazu 11 ), dal.) er die Reform so nachdrücklich in Angriff genommen habe, und feuerte ihn noch durch die Bemerkung an, er verspreche sich nichts für das Gedeihen der Schule, wenn die Verbesserung der Disziplin nicht beharrlich angestreb werde. Möchten immerhin einige Widerspenstige davongehen, es würden dafür gewiß mehr Sittsame hinzukommen. An Monaü ') Grunaeus an Monau, 18. April 1599, St. B.-Br., Rhediger XVIII, N. 259- Derselbe an D. Vechner, die Georgii 1599, ebenda XVIII, N. 262. *) Grunaeus an Laubanus, 26. April 1599, ebenda XVIII, N. 265. - 1 ) Grunaeus an Laubanus, 17. Mai 1599, ebenda XVIII, N. 277. Der Erlafä Joachim Friedrichs und der Lehrplan von 1599. 357 schrieb Grunaeus 1 ), er habe gute Hoffnung für die Schule, weil die Disziplin eine andere sei als die, über die bisher soviel Gute so sehr geklagt hätten. Wirklich verließen ziemlich viel Schüler wogen der Strenge der Disziplin Goldberg 2 ), und Laubanus war deshalb nicht frei von Kleinmut, wenn er an den Fürsten dachte. 4. Der Erlaß Joachim Friedrichs und der Lehrplan von 1599. Der Herzog Joachim Friedrich aber war fern davon, daran Anstoß zu nehmen. Er ordnete vielmehr den Druck der Schul- reden, der Schulgesetze und des von Laubanus entworfenen Lehrplans an und ließ durch seinen Kanzler einen Erlaß abfassen, der sich mit den Gesetzen, der Lehrordnung, der Disziplin und den leitenden konfessionellen Gesichtspunkten beschäftigt, für Goldberg als Vorläufer des Patents von 1601 darstellt und mit den angegebenen Stücken vereint veröffentlicht werden sollte. 3 ) Dieser hatte den folgenden Wortlaut: „Von Gottes Gnaden Wir Joachim Friedrich, Hertzog in Schlesien zur Liognitz und Brig, des Primat und Ertzstiffts zu Magdeburg Thumb-Probst, bekennen und thun kund öffentlich gegen aller- menniglich, demnach zu Fortstellung und Erhaltung eines gottseligen, gerechten und friedlichen Regiments in geistliehen und weltlichen Sachen für allen Dingen hoch und viel gelegen ist, damit die liebe Jugend also bald zu wahrer Gottesfurcht, christlicher Lehr, ehrlichen freyen Künsten und Tugenden angewiesen l ">d mit denselbten das Gemütt nicht minder als der Leib durch natürliche Speise und Narung treulich und fleissig versorget und aufferzogen werde, welches ohne ordentliche wolbesteltc Schulen l 'bel und fast unmöglich zuerlangen ist, als haben Wir nach seligem Abschiede Unsers gnedigon geliebten Herrn Vaters christmilder Gedencken Uns mit sondorem Fleis angelegen sein lassen, damit Unsere fürstliche Schule zum Brig, bey welcher hochgedachter Unser •n Gott ruhender Herr Vater keine Trewe, Vorsorge, Mühe, Fleis Un d Unkosten und was zu Aufnehmung deroselbten dienen möchte, jemals gesparet, auch künfftig von Uns in bestendigem Wesen, so v iel immer möglich, erhalten werden möchte, wollen auch ferner in Erhaltung derselbtcn Gott dem Allmechtigen zu Lob und Ehren, il nch Unseren gehorsamen Unterthanen und wer sich derselbten ') St. B.-Br., Wenzel. ") Grunaeus an Laubanus, 22. Juli 1599, St. B.-Br, Rhediger XVIII. N. 300. ") Vgl. u. S. 382, Aum. 2. 358 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. sonst zu Nutz und Wolfart gebrauchen möchte, an Unserm fernem fürstlichen Fleis gar nichts erwinden lassen. Wann wir aber beineben betrachtet, das Unsere fürstliche Schule zum Goldberge zu Unserer geliebten Vorfahren Zeiten in sonderm Euhm und Auffnchmen gewesen, auch in und bey derselben viel furnehmo tapffero Ingcnia dermassen aufferzogen und in ihren Fundamentis unterwiesen worden, daß sie folgendes mit schlechter Mühe und Kosten auff Universitäten einen nützlichen progressum in studiis erlanget und in geistlichen auch weltlichen Regimenten bey hohen Potentaten und andern Regierungen, wie der Allmechtige einen und den andern seinem genedigsten Willen nach erfordert und beruften hat, mit Ehrn und Nutz auch ihrer selbst so wol der Praeceptorum und bemelter Schulen sonderem Ruhm treulich und nützlich dienen mögen, und gleichwol durch den kümmerlichen Zustand bemoldten Eignitschen Fürstentumbs, in welchem dasselbto viel lange Zeit geschwebet und gleichsam in stareken Meerswellen fluetuirt und damit umgetriben worden, auch vorermcldte Unsere Goldbergische Schule diese allgemeine Un- gelegenheit betroffen worden und an ihrem vorigen Namen und Ruhm nicht wenigen Schaden und Nachtheil erlitten hat, sich aber jetzo durch Gottes genedige Verleihung die grossen und fast unmöglichen Beschwerungen dannoch etwas zu einem Zihl und Erörterung lenden, so haben Wir Unseres fürstlichen Ambts und der Notturfft erachtet, allen Unsern menschlichen und möglichen Fleiß anzuwenden, damit durch göttliche Gnade und Segen wolermcldte Goldbergische Schuel nicht minder als die Brigische zu vorigem Wolstand, Gedey und Auffnchmen wiederumb erhaben und gebracht werden möchte. Und derowegen neben anderen hierzu'' dienenden Mitteln in beiden Schulen die alten Ordnungen und Leges, wie die aufwachsende Jugend in ihren studiis geübet, auch unter denselbten rechte Disciplin, Zucht und Ehrbarkeit, ohne welche der Praeceptorum Fleiß und Mühe vergebens ist, gepflantzet und erhalten werden möchte, für die Hand genommen, die- selbten fleissig beratschlaget, in Ordnung gebracht und bemcldter Unserer Schulen Rectoribus, Conrectori, Praeceptoribus und studierender Jugend, frembden als einlendiscben, publiciren und sich denselbten allordinges gemeß zuverhalten anbefehlen lassen. Welchem nach hiemit ferner Unser genediger und endlicher Befehl, das vorermeldte Unsere verordnete Rectores, Conrector und Praeceptores ihnen die Jugend zu fleissigcr Unterweisung >n Gottes Wort, wie dasselbte durch göttliche Gnade und Verleihung Der Erlaß Joachim Friedrichs und der Lehrplan von 1599. 350, bey Unseres gencdigen geliebten Anherren, Herrn Vätern und Unsern Zeiten ohne einige Verwirrung und A 7 orwitzen gesuchten Menschentandt den Prophetischen und Apostolischen Schrifften, approbierton Symbolis, Herrn Doct. Martini Lutheri und Philipp? Mclanchthonis Schrifften, der Augspurgischen Confession und Corpori Doctrinac Philippi gemoß biß auf diese Stund unverruckt erhalten und golehret worden, auch künfftig ohne einige Enderung also zu lehren, treulich cinpfolen sein, ingleichem auch dem vorgeschriebenen modo nach die anderen Lectionos. exercitia und furnemlich die Disciplin mit sonderem ombsigen Fleiß angelogen sein sollen. Hiergegen die studirende Jugend, frembde und einlendische, sich gegen ihnen alß ihren verordneten Pracceptoribus des von Gott anbefohlenen schuldigen Gohorsambes, Flcisses, Zucht, Ehrbarkeit und Danckbarkcit zuuorhaltcn oder auff den widrigen Fall gebür- lichen Corroction und Straffe zu untergeben schuldig sein sol. Wir sind aber zu einem und dem andern der sonderen genedigen Zuversicht, es werde sich ein jeder seines officii selbst erinneren und diß, was er Gottes Ordnung und Befehl nach zu thun schuldig ist, willig und ohne allen Zwang thun und hierdurch sein selbst eigene Wolfart befördern. Daran beschicht auch Unser gnedigor Wille und Meinung. Datum Brig, den 15. Julii anno 1599." Der Lohrplan, den wir nun, weil er sonst nirgends wiederholt worden ist, hier im Wortlaut folgen lassen, umfaßt Lehrer wie Schüler gleichmäßig und schließt auch die Privatlehrer der Schüler 111 den Schulorganismus mit ein, wenigstens soweit Disputationen und Deklamationen in Frage kommen. Daß auch die gewünschten Visitationen durch herzogliche Räte, mindestens bei den vorgesehenen Prüfungen, in Funktion traten, werden wir aus den gelegentlichen Erwähnungen solcher Besuche erkennen. Eine Besprechung aller Einzelheiten lassen wir beiseite; der Plan mag für 8i eb selbst reden. „Operarum annuarum Illustris Aurimontanae Noua Recensio. Caput I. Coctus et operarum scholasticarum partitio studiorumque quotidianorum communia capita. Corpus scholasticae multitudinis in illustri Aurimontana quatuor or dinibus distinguitur, quorum singulis suas in tabulas harumque de curias dirimuntur. 360 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. Operao gymnasii certa et dcfinita habent tum studia, tum ferias atque vacationes. Studia alia sunt quotidiana, alia stati intcrualli. Quotidiana sunt quac ordinata serie omnibus per hobdomadam diebus continuantur. Hcic occurrunt quaodam communia et ad totam scholae socie- tatem aequaliter attinentia, quaedam item propria singulorum ordinum. Communia sunt potissimum quinque haec capita: I. Conciones sacras diebus Dominicis binas et hebdomadarias diebus Mercurii et Veneris sexta matutina haberi consuctas schola omnis religiöse frequentat. Grandiorcs in choro ante et post con- cionem cum cantore musicac operam nauant. Sub concione omnes suo quisque ordine et loco praescntibus et obseruantibus praecep- toribus seria attentione sacvae doctrinae auscultant. II. Horac publicae sunt tum singulorum ordinum separatorum, tum coniunctorum. Horae ordinum separatorum sunt duae matu- tinae duaeque pomcridianac, utraeque hora intermedia, quae priuatis debetur repetitionibus, inuicem disiunetao; item liora duodccima die Mercurii et Sabbati. Horae ordinum coniunctorum sunt tertia Dominici dici, qua secundus et tertius ordo ad Rosarii lectionem coniunguntur, duodecima dierum reliquorum, qua coniunguntur nunc primus, secundus et tertius ordo ad symphonias musicas, nunc secundus et tertius ad praeeepta musices, nunc tertius et quartus ad exercitia scribendi. III. .Operas diurnas psalmodiac precesque sacrae quotidic auspicantur et finiunt. Sic et reliquae lectioncs eadem rcligione clauduntur. IV. Catalogus absentium a nomenclatoro quotidie exigitur- Absentiae causa diligenter inuestigatur. Qui temere scbolam neglexerit, scholasticis poenis seeundum leges ad officium adigitur- V. Die Sabbati duodecima studia septimanao hebdomadario examino omnium lectionum inspectioneque ephemeridum siue diari- orum concluduntur. Caput II. Communia habuimus. Yideamus singulorum ordinum propria ab infimo in supremum usque ascendendo. Ordo infimus est quartanorum, quorum studia quotidiana sie liabent: Die Dominico. Hora duodecima grandiusculi e catechumenis in schola prae- Der Erlaß Joachim Friedrichs und der Lehrplan von 1599. 361 ludium et specimen cxhibent recitationis catechetieao eo ipso die in templo ante concionera pomeridianam instituendae, praesente Christoph. Wencelio catecheta. Höra tertia sententiam saci'am e Rosario scholae legendam ediscendamque proponit idem "Wencelius. Diebus Lunae, Martis, Jouis et Veneris. Die Lunae. Psalmi insigniores memoriter a prouecti- oribus recitari iubcn- tur, ut inferiores ex frequcnti auscultationc eosdem quoque memoria complectantür. Hora sexta. Die Martin. Paradigmata Donati exercentur. Die Jouis. Vocabula latinoger- manica certo numero et delectu ex nomen- clatura proponuntur et reposcuntur. Christophorus Wencelius. Hora octaua. Diebus Lunae, Martis, Jouis. Legendi exercitiis vacat totus ordo, alpha- betariis in litterarum formis agnoscendis et pronunciandis, modus in syllabarum coniunc- tione, supremis in integrarum dictionum lec- tione sedulo occupatis. Heic potissimam pronunciationi curam praeceptor impendit, ut clara, tarda, distincta et articulata ea sit. Libclli exemplares Icgentibus proponuntur ü ipsi, quorum usus est in hoc et sequenti ordine, ut sunt e germanicis Catechismus Lutheri, Euangelium, Psalterium, e latinis Rosarium, Donatus, Compendium, Gramma- Die Veneris. Catechismus germa- nicus e Rosario scholae proponitur et recitatur. hoa Philippi. Christoph. Wencelius. Hora duodecima. Diebus Lunao, Martis et Jouis. Die Veneris Examen et emenda- tio scripturae siue pic- turae literarum totius Sententiam sacram latino vernaculoque »diomato elegantius in tabula a D. Vechnero hebdomadatim praeformatam peritiores cala- mi, rudiores cretao adminiculo rcpraesentare j tridui superioris coguntur, urgente operas C. Wencelio. Dan. Vcchnerus. 362 Erfolglose Vorsuche zur Neubelebung der Schule. Ilora prima. Exercitationes, Donati paradeigmata nominum vcrborumquc inflexione repotunt, ita quidem, nt noua .subinde nomina et vcrba singulis inflcctenda distribuantur. Roliqui inporfcctiorcs legendi interim exercitiis eo, quo dictum est, modo operam dant. Quibus praeest cum paedagogo Wcncelius. Hora tertia. Gnomo ethica Iatinogermanica paulo ante praescripta exigitur, a primis quidem utraque lingua, a mediis tantum vernacula. Ultimi Ilomoeoteleuton latinogormanicurn in tabula propositum praeeeptori recitant. Postridio gnoma et Ilomoeoteleuton praoeedentis diei prius semper reposcitur, antequam noua exempla exigantur. Wencelius. Die Mercurii. Hora oetaua. Itecitationem Catechismi Luthcri audit Georgius Vechnerus cantor. Hora duodeeima. Declinandi et coniugandi oxorcitia inter grandiusculos urget reliquosque ad literas pingendum adigit Wencelius. Die Sabbati. Ilora sexta. Catechcticac recitationi ad sequentem Dominicam praeparat diacentes Wencelius. Hora oetaua. Euangelicum textum instantia Dominicao percurrunt auscul- tantibus inferioribus. Vechnerus. Hora duodeeima. Declinationum et coniugationum exempla, gnomaa et vocabula totius septimanac repetondo percurrit et reposcit libcllosque dian- orum pcrlustrat Wcncelius. Summa studiorum quarti ordinis. Hie itaque ordo studiorum prima quasi basis primumque fu n " damentum est, a quo digressus tyro in superiorem adfert puerilem illam quidem, exaetam tarnen catechoticorum clemeotorum noticiam, sentenciarum sacrarum Eosarii flosculos non paueos, psalmos nobi- pores, expeditam legendi promptitudinem, scribendi usum medio- crem, declinandi et coniugandi peritiam non vulgarem, plurimorum vocabulorum copiam, gnomarum denique ethicarum non poenitendam supellectilem. Der Erlaß Joachim Friedrichs und der Lehrplan von 1599. ogo Caput III. De ordinc tertio. Quartus ordo sie explicatus fuit. Sequitur tertius, cuius haec est öiaT/vnooaig. Die Dominico. Hora tortia sententiam sacram e ßosario longiorcm proponit repetit et inculcat opera cum seeundanis communi Vechnerus. Die Lunae et Martis. Hora sexta. Etymologieae doctrinao praeeepta e compendio Gorlicensi interpretando porcurrit et exemplorum applicatione illustrata se- quenti die absque haesitatione recitari iubet absolutoque integre doctrinao capitc generale» instituit repetitiones D. Vechnerus. Hora oetaua. Die Lunae. Die Martis. Colloquia Lud. Viuis. Ubi vernacula ex- positio calamo excipitur, grammaticum ety- mologiae et syntaxeos examen frequentatur, vocabulorum et phrasium syluulae excer- puntur, alternis lectione et recitatione ur- gentur a M. Ad. Hentschelio. Epistolas Ciceronis Sturmianas eadem cum colloquiis docendi ra- tione pertraetat Vechnerus. Hora duodoeima. Scripturao exercitium cum quarto ordine commune frequentant plaerique, sie tarnen, ut maior picturae duetuum et lineamentorum elegantia agilitasque heie requiratur. Multi etiam ad musicae studia cantoris opera institutioneque adhibentur. Scribentibus praeest Wencelius. Hora prima. Nomenclatura rerum quotidianarum. Heic integra discentibus ^apita distribuuntur, ita ut singulis pro captu bina, terna pluraue c cdant vocabula. quae sequenti die interrogati voce contenta et clara quisque c memoria promat, ut totus ordo, quid rogatum sit Muidque referatur, intelligat et memoria comprehendat. Huic studio i'iterdum pro re nata interponet quotidiani sormonis formulas ex Erasmo Cantor. Hora tertia. Catonis disticha moralia. Quotidianae heic vigent interpre- tationes, recitationes, grammaticae repetitiones, sie nimirum, ut aliis horis aliarum vocum etymologia integre et praecise exigatur, deeli- 364 Erfolglose Versuche: zur Neubelebung der Schule. nandi coniugandique exercitia, vocabulorum simplicium et phrasium recensionea continuentur. Absoluto hoc libello succedent sententiae Ciccronianao brouiores et neruosiores in hunc peculiariter usum collectae. Vechnerus. Die Mercurii. Hora oetaua. Colloquia Ludoici Viuia pertexit M. Hentschelius. Hora duodeeima. Stili disciplinam hie ordo primum attontarc ineipit, propositis irtitio oxemplia breuioribus duorum, trium quatuorue membrorum, donec paullatim ad unam atque alteram periodum exercitatio ex- surgat. Res sint notae et ad vocabula, formulas atque phraaes lectionum quotidianarum direetae. Praeest his D. Vechnerus. Dicbus Jouis et Veneria. Hora sexta. Prouerbia Salomonis. Quotidianae lectionos, rcpetitioncs, decli- nationes et coniugationea. Cantor. Hora oetaua. Die Jouis. Die Veneria. Epistolae Ciccronis | Catechcticaa quaestionea a dn. Trocedorf'fio Hturmianae. : vernacula lingua praescriptaa recitando euo- Vechnerus. | luunt praeaidente Vcchnero. Hora duodeeima. Die Jouis. Die Veneria. Pictura litterarum cum quarto online | communis aut exercitia musiecs apud Can- torem. Wencelius. Examen acripturae per tertium et quarturn ordinem. Wencelius. Hora prima. Rcgulao ayntaxeos e compendio. Ilarum sensus disertis verbis- pro captu aetatulae explicatur, cxomplorum variorum applicatiO monstratur, quam priuata domi diligentia chartis conaignatam prac- ceptori postridie exhibent. Alternas lectiones et recitationes conti nuat Cantor. Hora tertia. Fabulas Aesopi a Camerario editas interpretatur, repetit, vocabulorum et phrasium analyai retexit atque memoritcr reposcit Vechnerus. Der Erlaß Joachim Friedrichs und der Lehrplan von 1599. 365 Die Sabbati. Hora sexta. Proucrbia Salomonis enarrat (Kantor. Hora oetaua. Euangelii latini interpretatio. Vechnerus. Hora duodeeima. Pensum oranium lectionum et studiorum totius septimanae exigit, diaria vocabulovum et plirasium perlustrat, Boripturae item stilique libellos inspicit M. Ephraim. Summa studiorum tertii ordinis. Assequutus est pner ab hoc ordine in seeundum- ingressus maiorem sententiarum sacrarum numerum, catecheticae doctrinae uberiorem intelligcntiam, grnmmaticae, etymologiae et syntaxeos noticiam mediocrem, declinandi et coniugandi perfectum habitum, manum in scribendo promptam, aliquem musicae gustum, voca- bulorum numerosissimam copiam, formularum et plirasium ephe- Wovidas sie satis ubercs, latine loquendi prineipia quaedam, denique stili tyrocinia et prima quasi pericula non prorsus rudia et impolita. Caput IV. De ordine seeundo. Haec de ordine tertio. Secundus subsequitur, qui hoc modo exeolitur. Die Dominico. Hora tertia. Sententias Rosarii insigniores proponit, perspicua Paraphrasi illustrat et memoriae infigi iubet Vechnerus. Die Lunac et Martis. Hora sexta. Pleniora etymologiae praoeepta c Philippo praelcgit, inter- pretatur et inculcat M. Ephraim. Hora oetaua. Syntaxin integram cum omnibus regulis, exceptionibus et obser- wationibus summa industria explanat, exempla omnia ad regulas diligentissimo applicat et, ut domestica discentium stimuletur in- dustria, priuatim applicationcs consignari posteroque die sub reci- tatione lectionis propositae sibi exhiberi postulat Cantor. Hora duodeeima. Symphoniam harmonicam moderatur et ad sacram leiturgiam Praeparat Cantor. 366 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. Hora prima. Epistolae Ciceronis ad familiäres. Ubi vcrnaculae translationi, grammaticae constructioni, phrasium et natiuae sermonis clcgantiae in diaria comportandac summa cura impenditur. Saepe imitationum cxempla epistolis praesertim brcuioribus accommodantur, ut com- positionis Ciceronianae ratio iunioribus subindc magis magisque constet. "Vechncrus. Hora tcrtia. Terentii Heautontimorumcnos. TIcic porspicua textus inter- pretatio quaeritur, summa cuiusquo sconao brcuitcr annotatur, grammatica proprictas in vocibus singulis phrasibusque coniunctis monstratur, cphemerides quotidic locuplctantur, phrasos in distinctos titalos digeruntur, recitationos omnium lectionum cfflagitantur, deniquo integrorum actuum porsonac disccntibus distribuuntur, quas vocis et gestuum concinna conformatione in praesentia magistri repraesentant. M. Laubanus prorector. Die Mercurii. Hora oetaua. Colloquia Lud. Viuis eadem cum Terentio explicationis via atque methodo proponit M. Ephraim. Hora duodeeima. Stili exercitia heic paullatim altius euehi et expoliri solent iis potissimum in argumentis, quac sensu perspicua fuerint et ad phrases quotidianarum lectionum Terentii inprimis et Ciceronis ac- commodata'. Saepius integrae imitationum formae ex epistolarurn Ciceronis aut Terentianarum fabularum archotypis praescribuntur. M. Ephraim. Cantor. Die Jörns. Hora sexta. Officia Ciceronis, in quibus rursum tres quatuoruc periodi aut quantum captus discentium rerumque patitur cohaerentia, perspicua interpretationo explicantur. Grammatica analysis monstratur, vocum et phrasium gemmulao eruuntur inquo ephemeridum loculos con- ueliuntur, repetitionum etiam et recitationum exercitia singulis lecti- onibus strenue urgentur. Vechncrus. Hora oetaua. Colloquia Lud. Viuis continuat interque repetendum modo vocem aliquam declinabilem, modo indeclinabilem per omnia etymologiae Der Erlaß Joachim Friedrichs und der Lehrplan von 1599. 357 praccepta scrupulosissimc cxaminat ad usum grammaticae ipsarum que praeceptionum intelligentiam in discentium animis roborandam M. Ephraim. Hora duodocima. Praecepta musicae tyronibus explicat et instillat Cantor. Hora prima. Elegiae Ouidianao de Ponto. Heic praeter vernaculam expli- cationem, analysin grammaticam, repetitionom, recitationem et phrasium poeticarum annotationom versuum dimonsio quantitasque syllabarum prosodica non raro excutitur a Vechnero. Hora tertia. Eclogas Virgilianas non dissimili docendi fidelitate eademque pro raus methodo proponit Cantor. Die Veneria. Hora octaua. Catechesin Trocodorfii alternis interprotationibus et recitationi- b»a iuuentuti implantat Cantor. Hora duodocima. Arithmcticae calculum tractat Idem. Hora prima. Declinationum et coniugationum graecae linguae prima tyro- cinia 0 Mezleri Compendio. M. Hontschelius. Hora tertia. Prosodia quantitatis syllabarum, pedum dimcnsiones carminum- que et versuum discrimina praeceptis, exemplis et ipso usu ex- P'Jcantur. Excrcitia etiam versuum praescribuntur. M. Ephraim. Die Sabbati. Hora Sexta. Examen et inspectio exercitiorum ligatae orationis. Disticha distribuuntur destructa, quorum cxaedificatio domi inuestigatur, dimonsio siue scansio dcscribitur, syllabarum omnium quantitas e *cutitur et vel prosodiae rcgulis vel classicorum poetarum auctori- tate munitur. Progressi paullum in bis progymnasmatis distichon inum atque altcrum suo ingc-nio phrasium poeticarum ope con- textum exhibere solent. M. Ephraim. Hora octaua. In textu Euangclii graeco lectionem exercet et ad verbum Particulam grandioribus interpretatur Cantor. 368 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. Hora duodecima. Examinc hebdomadario lectionum, studiorum, repetitionum, ephemeridum omniumquo annotationum operas septimanae publicas terminat M. Hentschelius. Summa studiorum secundi ordinis. Secundus itaquc hie ordo ingenium et indolem pueri hactenus ambiguam et ut plurimum intus delitescentcm produeit et apricum quasi in solcm collocat, ut de futura fruge iudicium fieri possit. Capita doctrinae christianac ex praescripto Trocedorffianae cate- cheseos et intclligit iam reetius et memoriao flrmius impressit. Rosarii sacri flores maximam partem decerpsit. Grammaticac fun- damenta non vulgaria posuit. Phrasium oratoriarum et poeticarum syllogas copioso locuplotauit. Memoriam insignium locorum e Terentio, Cicerone, Virgilio, Ouidio sibi comparauit. Stiluin ora- tionis solutae constantius exeoluit. Oarminum primas quasi lineas duecre didicit. Usum latine loquendi roborauit. Graccae linguae et arithmeticac initia arripuit musicaeque habitum aliquom asse- quutus est. Caput V. De ordine primo. Tantum est de seeundo; restat primus ordo, quem eiusmodi studiis frequentamus. Die Dominico. Hora tertia. Analysin Euangelii logicam cum sacri textus grammatica et locorum communium succineta euolutionc alternatis praelectionibus portraetant M. Laubanus, M. Hentschelius, M. Ephraim- Die Lunae et Martis. Hora sexta. Organum dialecticae Philippicum. Heic rotunda praeeeptorum analysis exemplorumquo applicatio loctionibus et repetitionibus quotidianis mqnstratur, recentiorum logica studia conferuntur artis- que usus cum exemplis et analyseos et geneseos clarissimis demon- stratur. Integro absoluto capite uniuersales instituuntur praeeeptorum recitationes et examina. M. Laubanus. Hora oetaua. Die Lunae. Die Martis. Institutiones iuris ciuilis, quarum in sin- gulis titulis doctrinam perspicua analysi Praecepta gramma- ticae graecae eMezlero Der Erlaß Joachim Friedrichs und der Lehrplan von 1599. 369 euoluit, terminos forenses, definitiones, diui- siones aliasquo regiilas illustrat momoriaque comprehendi iubet, necessaria a non neces- sariis, antiquata a consuotis discernit, vim denique pracceptoruin ciuilibus exemplis demonstrat. His elapso anni curriculo succcdent regulae iuris aut titulus XVI. üb. I. Pandect. de verhör, significationc. inculeat, quae deside- rantur, aliunde implet, declinandi coniugandi- que formas omnes ad unguem exigit accen- tuum variotatem, prae- positionum vim synta- xeosque uniuersae doc- trinam, quatenus a la- tina discrepat, perspi- cue persequitur. M. Hentschelius. J. Feigius rector, Ilora duodocima. Musicae symphoniae cum secundo ordine communes, quibus praecst Cantor. Hora prima. Sexta Vcrrina, ubi post vernaculam textus enarrationem ana- ysis logica, grammatica et rhetorica breuiter subducitur, phrasium, g'irarum rhetoricarum, syllogismorum et ampüficationum exempla »ruuntur inque epliemeridum libros comportantur, repetitiones et 'ßoitationes omnium leotionum frequentantur. oequetur oratio pro Milone, quam cxcipiet epistolarum Ciceronis aIl quot maxime insignium explicatio. M. Ephraim. Ilora tertia. I araenesis Isocratis ad Daemonieum. Heic latine textus ad e rbum redditur, singularum vocum etymologiae et coniunctarum yitaxia diligentissime exquiritur, phrasium et formularum graecamm ■tuli indicantur, doctrinac ipsae cum aliorum philosophorum testi- oniisj tum historicorum exemplis illustratae sub locorum commu- UlI n classos reuocantur, coniugandi cxercitiis temporumque forma- ■onibus iuter repetendum non neglectis. Saepiuscule integrae P a gellae nondum praelectae in decurias distribuuntur, quarum grammaticam analysin domi meditari et ad publicas lectiones quis- eodem scholae proponuntur. Lora oetaua. Grammatica graeca et examen scriptorum graecorum ex phra- sibus Isocratis elaboratorum. Interdum graeca in latinum sermonem conuersa exhibentur una cum analysi etymologica et syntactica. M. Hentschelius. Hora duodeeima. Arithmeticae supputationis compendium proponit et exereet M. Laubanus prorector. Hanc subsequentur eiusdem prorectoris opera prima geometriae elementa et astronomiae primi mobilis compendiosa epitome. Hora prima. Aeneidos liber primus. Ubi vicissim vernacula interpretatio, Der Erlaß Joachim Friedrichs und der Lehrplan von 1599. 37 | naturalis vocum ordo, structurae ratio, analysis logica et rhetorica ostenditur, phrasium pocticarum tituli et logici atque rhetorici arti- ticii exempla subducuntur inque usitata referuntur diaria. Lectiones et recitationes sunt alternatae. Finito hoc libro interiicientur casti- ores aliquot Ileroidum epistolae Ouidii. M. Ephraim. Hora tertia. Ethicae Nicomachiae methodicam synöpsin perspicuis definiti- onibus, partitionibus et explicationibus delincat historicaque exem- |>lorum face collustrat. Succedent hac aestate Ciceronis libri de Officüs. M. Hentschelius. Die Veneria. Hora octaua. Examen theologicum Philippi, cuius praelectionem sequetur primo Paulinae epistola breuior, deinde Augustana Confessio. M. Hentschelius. Iloiae duodeeimae et primae studia cum die Jouis conueniunt. Hora tertia. Carminis exercitia ad imitationem potissimum Virgilianam trac- fanda et octiduo post exhibenda praescribit, deinde rhetoricas prae- 'ectiones continuat M. Laubanus prorector. Die Sabbati. Hora sexta. Voi'suurn inspectio et examen clegantiorumque carminum reci- tft töo. M. Laubanus prorector. D. Vechnerus. Hora octaua. Yocabula et themata gracci Euangelii post Iatinam eius inter- Pretationem in tabula describit, format et inflecti postulat M. Hentschelius. Hora duodeeima. Primo officium oeconomiae hebdomadariae (cuius est dato Nl gno mano scholam excitare vesperique cubitum vocare, fores coHogü claudere et reserare, musea scholasticorum vesperi visitare, a °sentes vesperi aut manc stertentes post datum signum ad pro- i'ectorcm deferre eique quotidie apparere, sieubi ministerio ipsius m d]goat) i)ublica declamatiuncula primae tabulae scholastici depo- nun t et successori commendant. Deinde nomcnclatores tarn primi 'juam seeundi ordinis absentes, tarde vonientes, turbatores etc. otiua soptimanae ad examen generale protrahunt. Quo finito suam 24» 372 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. quisque prouinciam recitatione loci nobilioris ex auetore classic») resignant. Rcliquum horac ephemeridum et locorum communium inspectio, lectionum aliquarum examen, studiorum et repetitionum domesticarum oxploratio, negligcntium et ignauorum castigatio sibi vendicat M. Laubanus prorector. Summa studiorum primi ordinis. Atque haec suprema curia ingenio duce comiteque industria in aeademiae solem eiusmodi educit adolescontum examina, qui doctrinac pietatis omniumque fere articulorum christianae fidei rationem o scriptis Philippicis redderc nouerint, qui Paulinas aliquot epistolas intolligentia memoriaque complexi sint, qui trium artium organicarum praeeepta recte didicerint eorumque usum croborrimis scribendi, disserendi, declamandi. caussas agendi, sententias pro- nunciandi exercitüs explorauerint, qui in scriptis Oiceronis, Yirgilii, Terentii, Ouidii etc. non vulgariter versati sint, qui mediocrem ora- tionis solutao et ligatae facultatem sibi parauerint, qui graecae linguae fundamenta non contemnendae graoeorum auetorum expb- catione et assiduis huius linguae praeeeptis exercitiisque iecerint, qui arithmeticae, geometriae et astronomiae tyrocinia imbiberint. qui denique doctrinae ethicao et iurisprudentiae necessariis quibus- dam nQojrniäeviuaai praeculti sint atque praeformati. Caput VT. De certamine pro loco trium inferiorum ordinum. Atque ita satisfactum studiis quotidianis de iis, quae stati sunt interualli, sequitur. Studia stati interualli aut menstrua sunt aut semestria aut anni- uersaria. Studia menstrua aut sunt trium ordinum inferiorum comrnunia aut primi ordinis propria. Trium ordinum inferiorum est certamen aut velitatio pro loco, quae die Lunae Calendas euiusque mensis proxime insequente hora oetaua instituitur. Certaminum agonotbeten' et designatorem agit M. Laubanus prorector, qui omnes ordines obit, conatus et promptitudinem dis- centium obseruat, praemia bonorum victoribus distribuit, victos ad diligentiam vel verbis vel virgarum supplicio, si crassior fuit ig" 0 " rantia, cobortatur. Seeundanis in specie praesident M. Ilcntschelius et Cantor, Der Erlafa Joachim Friedrichs und der Lehrplan von 1599. 373 tertianis M. Ephraim et Vechnerus, quartanis "Wencelius cum Paed- agogo. Antagonistarum paria pro arbitrio praeceptorum, non disci- pulorum (ne ex composito res geri possit) sie eliguntur, ut unus e superiori, alter ex inferiori producatur loco, qui alternis interrogati- onibus et responsionibus eongrediantur. Tantum ea interrogari fas est, quae publicis scholae lectionibus proximo mense pertraetata fuere; aliunde allata non audiuntur. Quartani vocabulorum, gnomarum, homoeotcleutorum numero, Donati paradigmatis, pictura litterarum, psalmis et catechismo potissimum dimicant. Tertiani et seeundani praeter haec suas nabent loctiones, quarnin intcr})rctationes vernaeulas, examina gram- matica et recitationcs exigunt, declinandi, mouendi, comparandi, ooniugandi, construendi exempla inde depromunt, praeterita et svjpina verborum flagitant, phrases et formulas classicarum lectionum obiieiunt, ephemerides et diaria poseunt et examinant. Quaternis vieibus paria singula committuntur, quartum vietus 8 uperior non sine ruborc iocum suum cum inferiore commutare cogitur, quartum vietus inferior ferulis caeditur. Reliqua susque deque habentur, nisi forte uterque ad interrogata omnia obmutescat, quae supina negligentia ferularum poonas efflagitat. Caput VII. De senatu scbolastico. Studia menstrua trium ordinum inferiorum absoluimus, sequun- tar menstrua primi ordinis, quae ita praeceptorum gubernantur "idiiHtria, ut senatus scholastici secundaria quadam et succedanea a «ctoritate promoueantur. Senatus scholasticus est magistratus ex prouectioribus primi "i'dinis iuuenibus totius scholasticae multitudinis suffragatione electus af l diseiplinae et morum hna^iav stabiliendam et exercitiorum ^holastieorum cursum dirigendum. Membra senatus duo sunt: praetor, qui praeses est et mode- vator oninium consiliorum et actionum senatus, et senatores reliqui tfl nquam collegae. Diseiplinae lvza£lav stabilit hie ordo, dum rcos primi ordinis, ||Uandoeunque postulauerit necessitas, publica praeeonis voce in 'udiciurn et forum scliolasticum euocari iubet, causas violatarum "•gum publice cognoscit, sententias dicit, innocentes absoluit, sonti- l) "8 pro modo delicti poenas infligit, toti denique gymnasio dili- 374 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. gentiao modestiaeque speeimen et admonitionibus frequontibus et quotidiano vitae exemplo proponit. Exercitiorum cursum senatus hie dirigit, dum personas publicis exercitiis idoneas legitimis suffragiis iusto tempore designat, cona- tibus et laboribus aingulorum pracaidet, de cuiusquo vel industria vel negligentia pronunciat, victoribus palmam decernit, victis stimu- los maioris diligentiac subdit omnesque ad scholasticorum exercitiorum amorem exsuscitat. Caput VIII. De declamationibus. Studia menstrua primi ordinia sunt tum declamationes, tum diaputationea die Jouia hora sexta eo ordino frequontandae, ut aemper hacc duo exercitationum genera menaia dimidiati apacio inuicem diatent, ita ut ai hodie audiantur declamatores, post duas aeptimanaa eadem hebdomadis feria diaputationea habcantur. Dcclamationum argumenta de rebus honestis, utilibus scituque dignis crasso filo inuenta et diapoaita per vices pracacribunt primi ordinis profesaores rationemque oratoriae traetationia exemplorum Ciceronianorum indicationo commonatrant. Interdum ex praescripto acliolarum Argentincnaium contraria 0 proponuntur actionea auadentia et dissuadentia, laudantis et vitu- perantis, aceuaantis et defendentis etc. Declamatores bini senatus calculo e grandioribus aut praeeep- toribua priuatis renunciantur, qui mense exaeto dieta die orationibua pro ingenii facultate elaboratia et prorectori pridie exhibitis M theatrum prodeunt caaque in aolemni frequentia vocia et gestuum conformatione adbibita pronunciant deque palma intcr sese p ul " cherrimo apeetaculo contendunt. Ubi peroratum est praetor collegaruin sententias poscit, q censuris suis utriusque orationem examinant, virtutes grammatica». rhetoricas, logicas debitis laudibus cxtollunt, vicia contraria, l soloecismos, barbariem, obscuritatem, nugationca, tautologias, sissy logistias, cacophonias, troporum insolentiam, figurarum inconcin- nitatem, actionis naeuos castigant et vitare iubent, denique nouo* declamatores in sequentem mensem designant. Si qui extra ordinem ingenii vires experiri et declamato traetare praeexercitamenta voluerint, iis quoque perorandi catne conceditur, modo de sententia prorectoris publico theatro dig elueubrarint. Der Erlaß Joachim Friedrichs und der Lehrplan von 1599. 375 Caput IX. De disputationibus. Dcclamationum cffigies repraosentata est: sequuntur dispu- tationcs, quae non minore diligentia coluntur. Alternatim problcmata logica et ethica pracscribit prorector, sentcntias singulas suis rationibus stabilit, argumenta contraria iis opponenda recenset, solutiones breues atquc dialecticas in ipso disputantium conflictu dictat. Problemata omnia breuiter, nude et perspicue concipiuntur. probationes et obiectiones rudem tantum exhibent syllogismorum niateriam, cui postca iuniores conuenientem formam imprimere ex _ praescripto doctrinae syllogisticae iubentur. Disputationos lcgitimis publicisque senatorum suffragiis satis niaturc cliguntur, opponentos quidem ex decuriis inferioribus, re- *pondens c decuriis supremis, praeses e praeeeptoribus priuatis. Opponentium est obiectionum materiam syllogismi forma domi disponere, strueturae totius seeundum omnes syllogismorum partes a tque figuras ex inuentionis et dispositionis doctrina rationem eharta consignatam roddere clara et tarda voce, syllogismos suos publice |>roponorc, contra solutiones, ubi fieri potest, modeste excipore atquc instare. Respondentis est probationes cuiusque problematis syllogismi legibus dispositas ad disputandum adferre, argumenta opponentium rnemoritor assumorc, vicia et errores tarn in forma quam in materia ''etexerc breuiterque ad obieeta morc dialectico respondere. Praosidis est disputationem quamque praemeditata oratiuncula a »s|)icari et concluderc, de argumenti propositi dignitate aut dispu- tationum scholasticarum laude sub nouae disputationis exordium disserere, iuniores ad amanda hacc studia inflammare, opponentes °rdine ad disputandum euocare, syllogismos male dispositos emen- *We, aliis extra ordinom, si usus tulerit, potestatem disputandi lacore, intra metas artis et opponentem et respondentom continere, «onique rotundis et dialocticis solutionibus argumenta opponentium ref'utarc. Integrum quoque est peritioribus extra ordinem (venia tarnen prius a prorectore et praesido impetrata) argumenta suo Martc Co "tra theses exeogitata aut aliunde conquisita in arenam ad- f erre, q Uae e ^ disputationis praeses assumere atque refutare et * n « prorector suis responsionibus dissoluere atque illustrare con- «ueuit. 376 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. Caput X. De examinibus semestribus. Menstrua studia haec fuerunt, semestria sequuntur. Semestribus singulis instituuntur examina publica et generalia, quibus somper aut ipse magnificus scholae praeses aut e consiliari- orum senatu visitator quispiam illustrissimi nomine intcrest. Tempus huic nogocio designatum est proxima post Pascha et festum Michaelis septimana. Examinandi molem scholastica auspicatur panegyris, qua dn. pro- fessoribus non tantum per viecs de argumento aliquo littcrario publice perorandum est, sed gratiae insuper Deo agendae pro ecclcsiarum, scholarum et roipublicao christianae conseruatione, praedicanda sere- nissimi prineipis erga scholam voluntas, leges gymnasii solemni' more repetendae, morigeris spe praemiorum ostensa calcar adden- dum, contumaces poenarum exaggeratione pcrccllondi, denique omnes et singuli ad alacritatem et animorum praesentiam examini« causa cohortandi. Examinis forma talis est, ut quisque professorum de suis lec- tionibus et repetitionibus diligentissime sui ordinis discentes inter- roget, praeeeptionum intclligentiam et memoriam exploret, oxplicato- rum auetorum loca recitari postulet, ephemeridum et annotationum manuscripta perlustrct, stilo extemporaneo progressus superiorum ordinum experiatur, dn. rectore et prorectore labores singulorum moderantibus et in vitam etiam domesticam et mores iuuentuti» diligentissime inquirentibus. Qui suani diligontiam, industriam vitaeque modestiam examiw probaucrunt, meritä laude decorantur et altius pro ratione p r0 " gressuum evehuntur; qui contra, scuerioribus verbiß aut f'erulis in praesentia dn. visitatorum castigati in extrema subsellia i'clß" gantur. Contumaces, bibones. vagatorcs, nycticoraccs, amatores, ventres ignaui a dn. visitatoribus sui officii grauissimc admonentur. Q ul post admonitionem bis terue iteratam emendationis spem nullani ostendunt, de sententia legum missam facere scholam et alibi licentiae et ignauiae tbeatra quaerere iubentur. Caput XI. De exercitiis anniuersariis memoriae. Atque haec sunt studia semestria, restant anniuersaria. Anniuersaria vocamus oxercitia memoriae et actionis die Der Erlafa Joachim Friedrichs und der Lehrplan von 1599. 377 Canicularibus aut praeccptorum iussu aut senatus scholastici auctori- tate suffragiisque celcbranda. Producuntur a magistris in publicum populi scholastici honesto- mmque ciuium conspectum nunc tertiani nunc secundani, qui puerilia memoriae ac pronunciationis edant specimina e lectionibus annui circuli. Sunt, qui fabulas Aesopicas, dialogum aliquem Viuis, Terentii scenas actusuc integros, Virgilii cclogas etc. suis quaequo porsonis apte distributa recitent, alii epistolas Ciceronis, elegias Ouidü, disticha Catonis, Catechesin Trocodorffii, prouerbia Salo- tnonis, epistolam aliquam Pauli breuiorem et si quao talia in theatrum proforunt victoriamquo aequalibus ambiguam facere Omnibus modis conantur. E prima curia voce senatus personao idoneac seliguntur, quae Plautinam aliquam aut Terentianam fabulam (immo etiam sacram e Friscblino aut Schonaeo) in scena histrionico spectaculo reprae- sentent, quae libros integros Virgilii, Homeri, Ouidü, quae integras orationes Ciceronis aut Isocratis, integras epistolas Pauli sine dis- crimine memoria complcctantur; de quarum omnium ingeniis, diligentia, studio, alacritate, voce et gestu publice post recitationem pronunciant ordine senatorum suft'ragia. Caput ultimum. De fcriis et vacationibus publicis. Talia igitur, quod supremus benefaxit Scholarclia, hodierno die S| »)t studia illustris Aurimontanae; paucula de feriis restant. 'Ncc res hunc tenerae possent perferre laborem, Si non tanta quies irot frigusque caloremque Intcr et cxciperet coeli indulgentia terras', _ ,n quit vatum ille phoenix de vicissitudine tempestatum anni, quod 'dem ad scholnrum commercia non absurde forsan accommodaueris. Sic enim natura est hominum, ut ludos et recreationem non ' n mentis exercitatione, sed in corporis agitatione quaeramus, alias su periora omnia pro ludis, iocis atque feriis habituri ossemus. Duo itaque de feriis obseruat et obseruabit Aurimontana nostra, ut et stata habeant tempora et recto usu fineque colantur. Tempora feriarum et quietis sunt: borao duae posteriores hierum Mercurii et Sabbati, nundinarum et Baccbanaliorum solemnia, ^' e s item quibusque anniuersariis ccclosiae sacris proxime succedens. Sic Canicularibus, si caloris sit vis acrior, matutinis tantum horis scholao habentur, rcliquum diei honestis recreationibus vacat. Exercitia praeterea certaminum, dcclamationum, disputationum, 378 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. recitationum publicarum etc., si industriae praescntioris specimina eluxerint, pomeridianas quoquo ferias intcrdum promcrentur. Examina semestria iam confccta dicm unum atquc altcrum immunem poseunt, ut discentes sese paulatim recolligant et doconti- bus spacioli nonnihil ab aasidua lal)orum mole et pondore vere Herculeo respirandi tribuatur. Atquc haec sunt stata feriandi interualla; de reliquo sine iusta grauissimaque causa ad ferias nihil unquam deeiditur. Usus feriarum legitimus sit et concessus, non ut ignauo et infami otio ingenia obbruteseant, ut Bacclio et Cupidini sacrificetur, ut ludis illicitis adliaereatur, sed animus studiorum assiduitate fati- gatus reficiatur, corpus vegetetur, noui ad discendum porgendumque impetus coneipiantur. Licet itaque feriarum tempore ex urbe egredi, hortos, prata, villas viscro, licet ludos ingenuos et minus periculosos, loco tarnen conuenienti, institucre, in curriculis metas figere, currere, saltare, troebum rotare, pilam versare, latruneulos produecre, castra metari, oxercitium cogere, aeiem instruere, duces, centuriones, decuriones eligere, legiones conficere et eas cohortibus distinguero. Has inquam et similia licent, sed non nisi inspectore, non nisi moderatorc praesente et ut sermo sit latinus, gestus alacres et ludis apti mores vereeundi. Volunt enim refici animi hominum f'atigati seriis studiis, sed ea demum laudanda quies et voluptas et reercatio est, quae intra modestiae et vereeundiae so terminos continet. Qua 'sententia, ut olim classicas suas dn. Sturmius, sie nos hodie operarum nostrarum axidygcupiav feliciter concludemus. Der Erlaß Joachim Friedrichs und der Lehrplau von 1599. 37g Idca studiorum quotidianorum ordinis primi eiusdem valuis adfixa. Hör. VI. VIII. 0 Concio sacra. Organum Melanel 1 * H , 9 h dialecticae ithonium. Concio Sacra. Rhetorica Philipp!. Concio sacra. Versuum examen. Examen graeci tex- tus Euan- geliorum. Instituti- ones iuris ciuilis. Gramma- tica Grae- ca. Instituti- ones iuris ciuilis. Gram. Graec. Stilus graecus. Examen theologi- cum Philippi, XII. I. III. Concio sacra. A nalysis log. gram, et theol. Euangelil. Symphonia Sexta 1 Oicer Isocrat Daemo e musicae, Stili examen. Arithnieticac Synopsis. iäxamen hebdomad. et officiorum resignatio. /errina onis. Feriae puhlicae. Aeneis Virgiliana. Feriae puhlicae. es ad uicum. Synopsis Ethicae. Rhetorica Philippi. Idea studiorum quotidianorum ordinis seeundi ciusdom valuis adfixa. Hör. Vi. VIII. Xli. 0 3) d Concio sacra. Etymologin gramm. j Concio plenior. sacra. -"I Syntaxis regulao omnos. Officio Cioeronis. Colloquia L. Viuis. Symphoniae liarmonicae. III. Concio sacra. Rosarium, Epislolae Cic. ad familiäres. Terentii Heauton- timorumenos. Stili examen. Feriae puhlicae. Musicae praeeepta, Eclogae Virgili- anae. Concio sacra. Catechesis Trocedor- liana. Examen versuum. Arith- methica. Euan- gelium Graecum. Examen hebdoma- darium. Declinat. et conjugat. Graecae. üuidn de l'onto. et metrica. Feriae inblicae. 380 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. Idea studiorum qu otidianorum ordinis tertii eiusdem valuis adfixa. Hör. 0 j | l '1 9 1 V VI. Concio Sacra. Etymologia gramm. Concio sacra. Prouerbia Salomonis. Concio sacra. l'rouerbia Salomonis Euan- gelium Latinum. Examen bebdoma- darium. VIII. Colloquia L. Viuis. Epistolae Ciceronis. Colloquia L. Viuis. Epistolae Ciceronis. Script. exercitia aut Musicae. Catechesis Trooedor- (ii. 1 XII. I. Concio Sacra. .Scripturae Musicae exercitia. studhi. Examen stili. Examen scripturae omnium dierum. Nomenclat quoiidi. um rerum narum. Feriae publicae. Regulae Fabalae . yntaxeos. Feriae publicae. III.' 1 Rosarium. Catonis disticha moralia. lesopicae. Idea studiorum quo tidianorum ordinis quarti oiusdem valuis adfixa. Hör. 0 j) er 8 21- 9 1.) VI. VIII. XII. 1. Concio sacra. Praepa- ratio cate- clietica. Concio sacra. Rosarium. Psalmo- rum recitatio. Donati paradeigmata. Concio sacra. Nomen- claturae recitatio. Concio sacra. i lateohig- MIUS Rosarii. Examen scripturae omnium dierum. I'raepa- ratio cate cbetica. Legendi exercitia. Catecbis- mus Lutheri. Legendi exercitia. Pictura lilterarum. Euan- gelium Germani- cum. Pictura 1 tterarum. . Donati parad.et pic. litter. Examen bebdoma- dariutn. Donati paradeigmata. Exercitia legendi. Feriae publicae. Donati paradeigmata. Exercitia legendi. Feriae III. Gliome Latinogermanica et Hoinoeoteleuton. Gnoine Latinogermanica et llomoeoteleuton. publicae. Der Erlaß Joachim Friedrichs und der Lehrplan von 1599. 381 Daß dieser Lehrplan eine höchst achtungswerte pädagogische Leistung ist, wird jedem, der ihn in seiner Gesamtheit und in seinen einzelnen Teilen genauer hetrachtet, ohne weiteres einleuchten. Die solide Grundlage ist der streng systematische, vom Einfachen zum Schwierigeren fortschreitende Gang, der von Anfang an ebenso methodisch auf steter Repetition aufgebaut ist. Die Herkunft auf eine bestimmte Musterlehrordnung zurückzuführen, ist für uns nicht schwer: das „Curriculum lectionum" des L. Ludovicus leuchtet überall durch; doch wie der herzogliche Erlaß auf das in Goldberg bereits Übliche hindeutet, wie z. B. die Vorträge über die „Institutionen" und propädeutische juristische Übungen, so Laubanus auf Job. Sturm. Aber man kann doch nur sagen, daß Sturmsche Gedanken im Sinne des Ludovicus übernommen sind, und vielleicht auch noch, daß andere Anregungen aus der Görlitzer Schulordnung des P. Vincentius oder aus den Ideen anderer Lehrpläne wie aucli aus den eigenen Erfahrungen des Laubanus stammen und selbständig verarbeitet sind. Daß der „Praeceptor" durch seine Lehrbücher auch mit seinem Geiste an der Anstalt vertreten war, ist selbstverständlich. Aber Laubanus war anderseits kein Nachtreter wie Thaburnus, Helmrich und Glaius, wenn auch kein Reformator suo Marte wie P. Krüger. Er billigte das wüste Anhäufen von Lehr- und Lernstoff, wie es jene ■Nachahmer, Erklärer und Erweiterer Melanchthons in Goldberg. Breslau und an andern Orten gleich den einstigen scholastischen Kommentatoren dos „üoctrinale" des Alexander de Villa Dei in unverständiger Weise zu tun pflegten, keineswegs, sondern verlangte, w 'e auch seine „Tabulae analyticae" belegen, geistiges Durch- ar beiten und griff, nicht einseitig, auch, wie wir später, 1603, hören werden, durch die Hereinziohung der griechischen syntaktischen Schriften des Hessen F. Sylburg in die Reformen des P. Ramus, des Verdrängers Melanchthons, mit über. Aber verschwiegen darf auch nicht werden, daß trotz seiner rationellen Denkweise der von ihm auf vier, hier im Lehrplan der Unterabteilungen entbehrende, Klassen, verteilte Stoff immer noch so überreich war, daß kaum ein Schüler imstande war, die Schule in vier Jahren wirklich zu absolvieren. Eine Vermehrung der Klassen wäre wünschenswert gewesen. Von Trozendorf wich er in seinem Schulgericht ab, indem er ß i c h nicht zum Diktator und Vorsitzenden bestimmte, sondern wie Ludovicus summarisch das Kollegium dafür einsetzte, wenn er auch nic ht auf eigenes Eingreifen verzichtete. Vielleicht hat die eigen- 382 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. tümliche Stellung Feiges, des Rektors und Bürgermeisters, der übrigens unter Laubanus an der Schule nur Jura gelesen hat, zur Schuldisziplin und als Vertreters der Rechtsstudien hier die schärfere Ausbildung der Bestimmungen verhindert. So fielen z. B. Entfernungen von der Schule in seinen Amtsbereich. Feste Grenzen waren da schwer zu ziehen. Die Lehrbücher, auf die er neben Melanchthon zurückgriff, waren ebenfalls schon lange bewährt. Die „Colloquia" des spanischen Erasmianers L. Vivcs übertrafen die des Erasmus dadurch, daß das sittlich Anstößige darin vermieden war, und die andern Gesprächbücher durch die Vielseitigkeit des Gebotenen und die Zierlichkeit und Reinheit des lateinischen Ausdrucks 1 ). Die schon lange in Goldberg eingeführte griechische Grammatik des Breslauer Juristen, Schülers des R. Crocus und Freundes von Melanchthon und Joachim Camerarius Dr. J. Metzler war bereits 1529 erschienen. Ursprünglich sehr elementar, war sie durcli Metzlers Freund Dr. A. Niger erweitert und verbessert worden und hatte bereits viele Auflagen erlebt. H. Vida erinnert uns an Görlitz. Nach dem Wunsche des Herzogs sollte mit dem Drucke der Schulpublikation schon im Juni begonnen werden; erst im September kam es jedoch dazu, und obgleich der Drucker, um die Edition zu beschleunigen, alles andere liegen lassen sollte, dauerte es noch bis Martini, ehe die ersten fertigen Exemplare nach Goldberg und an J. Monau abgehen konnten. Zahlreiche poetische Ergüsse bildeten ihren Kolophon 2 ). Der Pastor und Dekan Mag. T. Seiler richtete eine zu fleißigem Studium unter Laubanus mahnende elegische „Paraenesis" an die Ooldberger literarische Jugend. Laubanus sang den Rektor-Bürgermeister Feige an. Feige und Laubanus feierte Mag. A. Ilontschel, und er gedachte auch der Patrone der Schule Zedlitz und Monau. Mag. E. Mimer widmete seinem Gevatter Feige ein lateinisches und Laubanus ein griechisches Epigramm „boni ominis ergo". D. Vechner hatte von Breslau aus eine parodierte horazische Ode an Laubanus geschickt. Der Gold- berger Schüler J. Weidner junior aus Sprottau, den früher, zur Zeit der lockeren Disziplin, Grunaeus einmal wegen eines anstößigen Epi- ') Vgl. Bömer, A., Die lat. Schülergespräche der Humanisten. 2 Bde. Berlin 1897/9. (4 Bll.,) S. 1—112; (2 1311.,) S. 113-236. = Texte u. Forschung, z. GescK. d. Erz. u. d. Unterr. 1, 8. 162 ff. (n. 71 ff.) 2 ) Feige, .T., u. Laubanus, M., Illustris Scholae Goldbergensis iustau- ratio . . . Principis .loachimi-Friderici Ducis Lignic. Sc Breg. Auspiciis, gernina panegyrei, novaque omn. operarum recensione, feliciter suseepta. Lign icl typ. Sartorianis. 1599. 84 Bl., 4 Tab. 4° [Ex.: Berlin, Staats-B.]. Angriffe gegen Laubanas, sein Scheiden von Goldberg u. sein Ende. 383 gramms gründlich abgekanzelt hatte, 1 ) schrieb jetzt moerens-gaudens ein sittsames Epigramm an Laubanus. Grunaeus, der treue Freund der Schule und dos Laubanus, wünschte Feige zu seinem Doppelamt Glück und Laubanus zu der Inauguration der Schule. Die mit dem 29. Sept., dem fünfzigsten Geburtstag des Herzogs, datierte Widmung des Lehrerkollegiums an Joachim Friedrich ist bei aller Ehrerbietung doch ohne dicke Weihrauchwolken und mit bemerkenswerter Offenheit geschrieben. Unter den Gründen für den Niedergang der Schule, die einst Ttäarjg 2\fo]oia? natdsvms gewesen, nach Trozendorf nennt sie neben „reipublicae nostrae [Gold- bergensis] calamitas", Feuer, Pest, Teuerung, als durch die „publica totius provinciae calamitas" veranlai.it den gänzlichen Verfall der Einkünfte: daß die Gehälter weder zur Zeit gesammelt noch den Lehrern gezahlt werden konnten. Als ganz besonders schädigend für die Schule in den letzten Jahren gab das Kollegium das im gemeinen Volke ausgesprengte falsche Geschrei „tribunitiorum ho- minum" von verfälschter und verderbter Religion an. Als weise, zweckbewußte und wohlwollende Maßregel des Fürsten zur Ausrottung aller Fasern von Mißtrauen, Streit und Gehässigkeit wurden das Zusammenschweißen der Bürger und der Schule unter einem Haupte, die Wiederaufnahme aller Studien und Vorübungen, die Abfassung und der Druck dos neuen Lehrplans und die Unterstützung aller dieser Anordnungen durch die Autorität seines Erlasses gepriesen. Die Widmung fährt aber dann fort: „Mit gleicher Beständigkeit und gleichem Eifer vollende, d. h. räume die Störungen unserer Einkünfte weg, richte die Gehälter freigebiger ein, bestimme Armen [Schülern] etwas Beischub, und wir werden nicht zweifeln, daß der ewige Jehovah, dessen väterliche Gesinnung gegen die Schule uns deine Güte zeigt, etwas Großes durch dich und deine Regierung bewirken wird." Dafür versprachen sie, seine Absichten und Versuche unermüdlich nach bestem Wissen und Können z u unterstützen. Als Symbol oder Pfand dafür boten sie ihm das au f seinen Willen und Befehl verfaßte und herausgegebene Buch dar. •'• Angriffe gegen Laubanus, sein Scheiden von Goldberg und sein Ende. Noch bevor die Schriften, diu doch „ad opinionem de schola P r aeclarioiem in multorum animis excitandam" bestimmt waren, die Presse verlassen hatten, schon am 8. Okt. 1599 verlautet, daß sich ') Grunaeus an J. Weidner Junior, die Johannis Bapt. und V. Non. Juliis 15!, <, St. B.-Br., Uhediger XVIII, N. 38, 40. 384 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. die Goldbergcr Sachen nicht zum besten befanden, daß Monau darüber betrübt war und die Liegnitzer sich deshalb große Sorgen machten. 1 ). Da der Hauptmann am Fieber litt, konnte er nicht selbst nach Goldberg reisen und berief deshalb für den 10. Okt. die Scholarchen und einige aus der Bürgerschaft vor die Regierung nach Liegnitz, um den Sachverhalt festzustellen und zu beschließen, was die Schwere der Dinge zu erfordern scheinen würde. Grunaeus zog aus dem Ergebnis der Verhandlungen die Folgerung: „Caput scholae [Feige] non belle valere, brachium alterum [Laubanus] pessime habere et desperatae esse conditionis, medicum, quem zuv alöeaifiov (d. h. venerabilem. Gemeint ist der Pastor T. Seiler) vocabat noster [Zedlitz], fide rem agere non dicam quali." Man werde durchaus Rat finden müssen, diesen Übeln bei Zeiten und mit der Zeit entgegenzutreten. 2 ) Das schrieb er am 1 1. Okt. an Monau, am 25. aber riet er Laubanus, wenn er sich brieflich an Monau wendete, vorsichtig, ja karg über die letzten Unruhen zu schreiben; er selber wolle, wenn nötig, diese Last auf sich nehmen. 3 ) Und wieder regte er ihn an, männlich zu handeln: Gott und die Guten würden ihm sicher gegen diese Heuchler beistehen. Zweifelhaft beruhigend teilte er Monau 4 ) dann am 22. Nov. mit: „Die Goldberger Schule befindet sich noch wohl. Gott segnet das Übrige. Aber was die Beilegung der neulich dort erregten Unruhen betrifft, bin ich der Ansicht, daß sie kein Friede, sondern richtiger ein Waffenstillstand ist. Wenn uns das nur nicht der Ausgang lehren möchte!" Dem Rektor Feige hatte Laubanus 159!) liebenswürdig zum Geburtstag gratuliert;, dann herrschte literarisches Stillschweigen zwischen beiden. Am 9. Febr. 1600 war Laubanus bei Grunaeus in Liegnitz mit seiner wegen ihrer beider Lage ganz aufgelösten Frau. 5 ) Er brachte gewisse diskrete Vorschläge zu richtigerer Gestaltung der Goldberger Kirche mit, die er dem Hauptmann vorgelegt zn sehen wünschte. Aber nach der Meinung des Grunaeus fehlte immer noch das eine für das Wohl und Gedeihen der Schule Nötige: die aufrichtigere Verbindung der Kirche mit der Schule. Diese Frage war schon brennend und wurde rasch noch brennender. Schon verhandelte man in Liegnitz wegen eines Ersatzes für Seiler. ') Grunaeus an J. Monau, St. B.-Br., Rhediger XIX, N. 39. J ) Gruuaeus an .1. Monau, ebenda XIX, N. 41. ') Grunaeus an Laubanus, ebenda XIX, N. 47. *) Grunaeus an J. Monau, ebenda XIX, N. 66. ") Grunaeus an J. Monau, ebenda XIX, N. 103. Angriffe gegen Laubanus, sein Scheiden v. Goldberg u. sein Ende. 385 P. Titus, der Beutliener Pastor, empfahl l ) einen Anwärter. Zedlitz hielt ihn für zu alt und deshalb für ungeeignet, und Grunaeus mahnte den Laubanus und seine Freunde (13. Febr.) zur Vorsicht in dieser Sache. Und am 28. April schlug Grunaeus bereits den Ton der Kassandra an. „Du wirst kaum glauben", klagte er gegen Monau, „wie sehr jene unsere Goldbergerin leidet und mit wie großen Schwierigkeiten der gute Laubanus zu kämpfen hat, während er von der einen Seite öffentlich und privatim angegriffen und von der andern verteidigt wird. Die Schule wird wiederum zusammenfallen, wenn sie nicht gestützt wird. 2 ) Das fürchte ich sehr. Doch scheint mir, daß nicht so die zwar baufälligen Wände sie umwerfen werden als die Windstöße, die von anderswoher auf sie eindringen. Diesen wird man entschieden entgegentreten müssen, damit eine aufrichtige Übereinstimmung der im Tempel und in der Schule Lehrenden erreicht werde, wenn wir nicht wollen, daß es um unsere ganze Hoffnung geschehen sei." G. Vechner berichtet, im J. 1f>00 hätten wenig Bürger ihre Söhne in die Schule geschickt, und wer erwachsene Kinder hatte, schickte sie anderswohin „ob Calvinismum". 3 ) Laubanus fürchtete, durch seine ewigen Quängeleien die Zuneigung W. von Zedlitz' zu verlieren, als er am Anfang des Junis schon wieder über zwei eingeborene Goldberger Schüler, Zobel und Rost, Klage zu führen hatte. Zedlitz hieß es gut, daß beide zur Ordnung gebracht oder ganz entfernt würden. 4 ) Das müsse der •Rektor von Amts wegen tun, oder er werde befehlen, daß es geschehe. Bald darauf (12. Juni) konnte Grunaeus dem im.ner noch bekümmerten Laubanus melden 5 ), der Hauptmann werde bald nach Goldberg kommen, um sich von den Fortschritten seines Sohnes Christoph zu überzeugen, und das werde ihm zum Tröste und der Schule zur Auszeichnung dienen. Kurz darauf (16. Juni) tröstete er Laubanus nochmals liebevoll 8 ), verwies ihn auf die Hinkunft des Rates J. Schmid und sandte ihm das privatim schriftlich geäußerte wohlwollende Urteil des Hauptmanns. Ch. von Zedlitz dachte später als Marburger Student seinem Vater und Laubanus durch^ tüchtige Leistungen Freude. ') Grunaeus an Laubanus, 13. Febr. 1600, St. ß.-Br., Rhediger XIX, N. 105. 2 ) Grunaeus an J. Monau, ebenda XIX, N. 125. 3 ) St. U.-Br., Wenzel. 4 ) Grunaeus an Laubanus, l'ostridie Cal. Jun. 1600, St. B.-Br., Rhediger Xl X, N. las. r ') Grunaeus an Laubanus, ebenda XIX, N. 134. 8 ) Grunaeus an Laubanus, ebenda XIX, N. 138. Monumente Germaniaa Paedugoglca LVII 25 386 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. Ein paar freundlichere Nachrichten unterbrechen diese Klagelieder. Dali Laubanus im September den „Miles gloriosus" des Flautus aufführen ließ, erregte großes Interesse. 1 ) Wenige Tage darauf 2 ) ließ der Amtsbruder des Grunaeus, K. Krause durch diesen seinen Sohn bei Laubanus anmelden und nicht viel später ebenso 3 ) der Lübener Katsherr D. Breithor. Eine Freude für Laubanus war es auch, daß ihm seine Frau Anna endlich nach sechsjähriger Ehe am 13. Juli 1600 einen Sohn gebar, den er Elisaeus nannte. Me- lissus wurde sein Pate. Allein schon im zweiten Jahre starb das Kind, von K. Cunrad, D. Vechner und A. Liebig poetisch beklagt. 4 ) Bei einem Besuch in Breslau, wo er in dem gastlichen Hause des gelehrten Arztes Dr. D. Rindfleisch (Bucretius) zu heiterem Mahle mit J. Monau, F. Virling, J. Höckelshoven und K. Cunrad zusammensaß, wurde er durch den kleinen Dietrich an seinen Verlust erinnert. Aber schon war seine Gattin wieder guter Hoffnung, und sie schenkte ihm diesmal eine Tochter, bei der Grunaeus Paten- stelle übernahm. Ihre Gebeine ließ der traurige Vater in Danzig zurück. Indessen schien sich die gewünschte Änderung im Goldberger Pastorat von selbst einzuleiten. Der Löwenberger Pastor E. Heiden- reich hatte die Absicht, seine Stellung zu verlassen, und T. Seiler strebte darnach, sein Nachfolger zu werden. Grunaeus befürchtete, Mag. A.Hentschel könnte sich um die Goldberger Pfarre bewerben 5 ), J. Feige legte aber bei dem Hauptmann Fürbitte für seinen eigenen Bruder ein. Der Liegnitzer Superintendent A. Baudis sondierte im Einvernehmen mit Zedlitz am 13. Dez. Grunaeus, ob er nicht nach Goldberg gehen wolle. 8 ) Dieser aber zögerte, obgleich er die Wichtigkeit der richtigen Besetzung der Stelle auch für die Schule voll erkannte, weil es ihm, wie er sagte, in Liegnitz möglich sei, unter dem Beifall der Hörer die Wahrheit zu bekennen, und er das für immer erwarte. Er lehnte schließlich ab. Die Goldberger, denen das Vorschlagsrecht für die Pfarre zustand, begannen in den letzten Tagen des Jahres 1600, da Seiler am 3. Dez. wirklich nach Löwenberg gegangen war, die Ordnung ihrer Kirchenverhältnisse ') Grunaeus an Laubanus, St.-B.-Br., Rhediger XIX, N. 172. 2 ) Grunaeus an Laubanus, 17. Sept. 1600, ebenda XIX, N. 174. 3 ) Grunaeus an Laubanus, Prid. Elisabethae 1600, ebenda XIX, N. 1» • 4 ) Laubanus, Musa S. 398—402. ") Grunaeus an Laubanus, 25. Sept. 1600, St. B.-Br., Rhediger XI - N. 178. ") Grunaeus an Laubanus, 13. Dez. 1600, ebenda XIX, N. 204. Angriffe gegen Laubanus, sein Scheiden v. Goldberg u. sein Ende. 387 ernster zu betreiben. 1 ) Sie schlugen den Pastor zu Neukirch K. Popp unruhigen Andenkens, den eben abgezogenen Mag. T. Seiler, den Laubanus in einem Abschiedsgedicht als „Gegner der Papisten" gepriesen hatte, auch den Dr. E. Heidenreich oder den gewesenen Pfarrer zu Kreibe J. Heinrich und endlich den Liegnitzer Diakonus M. Volkmann vor. 2 ) Grunaeus meinte, diese Kandidaten hätten keine Aussicht 3 ), und nur Volkmann wurde vor den Hauptmann gebeten, nahm aber auch nicht an. Ein anderer Bewerber, den Grunaeus ganz gern gesehen hätte, war Mag. B. Genscheidel aus Schweinfurt. 4 ; Grunaeus gratulierte sich dazu, daß er nicht auf das erste Anerbieten hin zugegriffen hatte, denn in den kirchlichen Verhältnissen ging es jetzt, wo kein Pastor und kein Diakonus in Goldberg waren, drunter und drüber 5 ), weil die aufgeregte und uneinige Menge sich zu Ausschreitungen hinreißen ließ, die sich auch gegen die Schule richteton. Zu Anfang des Februars 1601 erfolgte endlich in Lieg- nitz die Entscheidung u ): der neue Pastor war Mag. J. Buchwälder aus Sprottau, bisher Pastor bei M. von Knobeisdorf in Kückers- dorf. Dieser wurde bei seinem Anzug als unbeschriebenes Blatt von der Gemeinde freundlich aufgenommen 7 ) und hielt am 18. Febr. seine erste Predigt. So schien sich ein gewisser Ruhezustand anzubahnen, der auch der Schule zugute kommen mußte. Zu derselben Zeit, wo man in der Kanzlei des Hauptmanns zu Liegnitz die Liste der vorgeschlagenen Kandidaten für die Gold- berger Pfarre feststellte und Grunaeus über die Ausschreitungen ln Goldberg klagte (Januar 1601), wurde als Illustration zu diesen Klagen in dasselbe Kanzleiregister 8 ) eingetragen: „Prorector Lauban hatt ein Knaben vors Judicium gestellt, der ist ad carcerem con- demnirt und gesteckt worden. Seindt ihr 10 auß der Burgerschaft kommen und den Prorector dohin gezwungen, das er ihn hat müssen l°s lassen. Die 10 werden gegen der Liegnicz erfordert und gestraft." Nachdem „diese Feuersbrunst kaum notdürftig bewältigt war, °ouum oritur incendium". Der Urheber war ein in Goldberg ge- l ) Grunaeus an J. Monau, Proprid. Cal. Jan. 1601, St. B.-Br., Rhcdiger X IX, N. 211. s ) St. A.-Br. Rcp. 21. F. Liegn. III 8d: Januarius 1601. 3 ) Grunaeus an J. Monau, Proprid. Cal. Jan. 1601. St. B.-Br., Rhcdiger Xl X, N.211. *) Grunaeus an J. Monau, ebenda. *) Grunaeus an J. Monau, 15. Jan. 1601, ebenda XIX, N. 218. ') Grunaeus an .1. Monau, Postrid. purificationis 1601, ebenda XIX, N.221. ') Grunaeus an Laubanus, 25. April 1601, ebenda XIX, N. 246. ") St. A.-Br Rep 21. F. Liegnitz III 8 d: Januarius 1601. ' y 25* 388 Erfolglose Versuche zur Noubelcbung der Schule. borener Pädagoge adliger Knaben 1 ), ein Schüler des T. Seiler, der unter dem Vorwand der Religion veranlaßte, daß zwei dieser jungen Adligen von ihren Angehörigen zurückgerufen wurden. Diese „Fauni" drohten noch dazu, daß die Sache nicht nur vor den Herzog, sondern auch vor den höheren Magistrat, die kaiserliche Regierung, gebracht werden würde. Grunaeus äußerte nun 2 ) gegen Monau: „Die herrliche Hoffnung, die ich bisher für das Gedeihen der Schule gehegt habe, erlahmt allmählich. Ich glaube, das Geschick verhindert, dal.) der Plan, sie wieder zu erheben, nach Wunsch fortschreitet. Denn der Unterrichtsbetrieb und die innegehaltene Disziplin sint derartig, daß sie eine Ausstellung durchaus nicht zu verdienen scheinen." W. von Zedlitz ging energisch gegen die Edelleute vor, er zitierte sie als Eingesessene des Herzogtums und Laubanus nach Liegnitz s ) und entschied auf Grund der Lehrordnung vollständig für Laubanus. Dem Pädagogen wurde ein besonderer Tag angesetzt. Zedlitz hatte gute Gründe für sein Vorgehen; denn die Anklage wegen Calvinismus vor der kaiserlichen Regierung wäre für die Schule wie für den Herzog gleich unangenehm gewesen, da in Schlesien doch nur die Verwandten Augsburgischen Bekenntnisses gelitten waren. Trotz des Eingreifens gingen jedoch die Wirren in Goldberg weiter, ja, sie verschlimmerton sich noch dadurch, daß jetzt die Schule und die Kirche gleichmäßig als leidend beteiligt waren. Nur andeutungsweise wagte sich Grunaeus gegen Laubanus darüber zu äußern. Das. anfängliche freundliche Verhalten der Bürgerschaft gegen den neuen Pastor schlug bald in das Gegenteil um, und Buchwälder war dabei nicht ganz ohne Schuld. Seiner Gemeinde war schon nicht recht, daß er nicht, wie seine Vorgänger Popp und Seiler es ohne Unterlaß getan hatten, von der Kanzel gegen die Calvi- nisten wetterte; er war aber auch unvorsichtig, indem er ohne Nötigung von dem Hergebrachten abging und sich in seinen Predigten nicht an die Perikopen hielt, sondern freie Texte wählte und, wie bei den Reformierten Sitte war, über die biblischen Bücher predigte und dabei bisweilen recht drastisch wurde. So predigte er am Karfreitag, statt wie üblich die Passion zu lesen, über Josua und Kaleb und ihre Weintraube, und am Ostertag hielt er nicht die erwartete Auferstehungspredigt, sondern, sprach über ') Grunaeus an J. Monau, 10. März 1601, St. B.-Br., Rhediger XIX, N- 28 ' 2 ) Grunaeus an .1. Monau, 10. März 1601, ebenda. *) Grunaeus an J. Monau, 23. Mai 1601, ebenda XIX, N. 266; derselbe an Laubanus, Postrid. pentecostes 1601, ebenda XIX, N. 263. Angriffe gegen Laubanus, sein Scheiden v. Goldberg u. sein Ende. 309 den Propheten Jonas. Schon durch Insulten erregt, kam er an Peter und Paul auf die Worte Christi: „Was sagen die Leute, wer ich sei?" und wandte das auf sich und die Goldberger an; er nannte sie, die im Pinstern sein Haus mit Steinen bombardierten, im Zorn schelmische und meuchelmörderische Leute. Schlimmer noch stieß er bei der Auslegung des Buches Esther an. Dabei erzählte er nach Herodot (I, 3), wie König Kandaules dem Trabanten Gyges seine Prau nackend gezeigt habe. Und als er über Jeremias V, 7, 8 predigte, wo der Prophet klagt, daß seine Hörer im Ehebruch lebten und in das Hurenhaus liefen; ein jeder wiehere nach seines Nächsten Weib wie die vollen müßigen Hengste, da liefen die Weiber aus der Kirche. Der Rat nahm die Weiber in Strafe. Darüber waren die Bürger wieder aufgebracht, und sie begnügten sich nicht damit, dem Pastor bei Nacht die Fenster einzuwerfen, ihm Pasquille zu stecken und, wo sie konnten, Schabernack anzutun, sondern, als er sich bei dein Rate beschwerte und dieselbe Anführer der Menge auf das Rathaus forderte, schickten sie vier Geschworene mit einer Beschwerde über den Rat und den I astor zu dorn Herzog Joachim Friedrich nach Brieg. Der Herzog dekretierte 1 ) darauf: „Weil die Gemeinde ganz unrecht und unverantwortlich gehandelt und in ihres vorgesetzten Pfarrers Lehre und Leben nichts Tadelhaftes funden, auch sie wider eines Rathes »erhalten nichts Erhebliches vorzubringen gehabt, sollen von den Geschworenen die Rädelsführer entsetzt und friedliebende Leute an ihre Stelle geordnet werden. Sollen auch hinfüro in keiner Zeche berechtigt sein, einige Zusammenkünfte zu halten, es sei denn eine Person vom Rate dabei, so verbunden sein soll, dafern " e i den Zechen etwas vorliefe, das wider den Rat, Kirche oder Schule sein möchte, solches alsbald zu berichten, damit allem Unglück bei Zeiten gesteuert, hingegen Fried und Einigkeit erhalten werde." Daß die Schule tatsächlich immer mit der Kirche zugleich litt, zei gt die Äußerung 2 ) des Grunaeus vom 20. Sept. 1601: „In ecclesia et schola Aurimontana turbarum finis nullus adhuc conspicitur. Agi- tantur isthic varia et mira negocia." Das Edikt des Herzogs mag ur den Augenblick Ruhe geschaffen haben; aber Joachim Friedrich ^ ar » schon am 25. März 1602, und nun fiel die ganze Last der Ve rwaltung im Liegnitzer Herzogtum und die Verantwortung auf ') Nach dem Ratsprotokoll von 1601. 2 ) Grunaeus an J. Monau, St. B.-Br., Rhediger XIX, N. 292. 390 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. W. von Zedlitz als auf den dort anwesenden Vormund der unmündigen Söhne Joachim Friedrichs und nicht mehr bloßen Hauptmann; die Goldberger Schule blieb daher erst recht sein Sorgenkind. Unsere Quellen setzen nach einer Lücke erst im Februar 1604 wieder ein. Zu dieser Zeit hatte ein eitler und böswilliger Mensch namens Seifart Lügen und Verleumdungen über Laubanus und seine Frau wahrscheinlich brieflich ausgestoßen. Zur Verteidigung seines guten Rufes wandte sich Laubanus an Zedlitz, und Grunaeus, jetzt auch sein Gevatter, riet ihm, vorher genau zu überlegen, wie weit er vorzugehen gedenke 1 ), damit die Lügen und Verleumdungen nicht gar zu öffentlich würden, sondern vielleicht noch innerhalb der privaten Wände zurückgehalten werden könnten. Einen vertrauten Freund hatte Laubanus in Goldberg nicht; das machte seine Lage um so peinlicher, und da die Beunruhigungen von außen und damit die Sorgen im Hause nicht aufhörten, dachte er schon im Juni 1604 daran, aus Goldberg fortzugehen. Schlimm war es für ihn, daß auch der Rektor J. Feige sich zu seinen Gegnern geschlagen hatte. Zedlitz hatte in Eichholz Feige und Laubanus zur Eintracht gemahnt; als nun aber Laubanus eine Verteidigungsschrift an Zedlitz einsandte, schickte Grunaeus sie ihm zur Umarbeitung wieder zurück, weil sie ihm zu heftig und über das Ziel schießend erschien. 2 ) Er riet ihm besonders, Feige, wenn er auch schlecht sei, nicht auf bloßen Verdacht hin der Verleumdung zu bezichtigen und so von neuem mit ihm vor dem Hauptmann Streit anzufangen. Sonderbar scheint es, daß er ihm, der an Podagra litt, sogar widerriet, jetzt eine Badereise zu unternehmen oder auch nur davon zu sprechen, weil er damit anstoßen könnte. Auf einer Reise nach Warmbrunn 1 ) hat Laubanus den Botaniker Dr. med. K. Schwenkfeld in Ilirschbcrg besucht und ein Gedicht auf seine Naturgeschichte Schlesiens geschrieben. Der von dem Hauptmann abgefertigte Seifart rächte sich durch weitergreifende Quertreibereien an Laubanus und belästigte ihn 4 ) im August wieder durch einen frechen Brief. Grunaeus und der Sekretär D. Thalwenzel nahmen sich des Laubanus an, und auch Zedlitz sah einer formellen Anklage gegen Seifart entgegen. Laubanus knüpfte in dieser Zeit schon mit Danzig an. Es wurde allmählich wirklich Zeit für ihn, an sein Fortgehen ernstlich z« ') Grunaeus an Laubanus, 11. Febr. 1601, St. B.-Br., Rhediger XX, N.37. *) Grunaeus an Laubanus, S.Juni 1604, ebenda XX, N. 69. ') Gedruckt in Laubanus, Musa S. 157—61. *) Grunaeus an Laubanus, 24. Aug. 1601, St. B.-Br., Rhediger XX, N. 9*' Angriffe gegen Laubanus, sein Scheiden v. Goldberg u. sein Ende. 391 denken; denn Feige wurde immer deutlicher sein Feind. Zedlitz sagte diesem ins Gesicht, er sehe, daß man auf Laubanus 1 und Buchwälders Entfernung ausgehe; doch möchten sich die hüten, von denen das herrühre, damit die Sache nicht auf sie selbst zurückspränge und sie sich selbst stürzten, die andere stürzen wollten. 1 ) Im Februar 1G05 zeigte Laubanus den herzoglichen Vormündern seine Verhandlungen mit Danzig an. Der Danziger Rat hatte ihn schon unter dem 25. Jan. berufen. In Liegnitz dachte man nun daran, der Schule einen guten Mann mit allen Rechten und Pflichten des Rektorats vorzusetzen. Feige, unter der Hand von Grunaeus darüber ausgehorcht, verweigerte seine Beihülfe 2 ), und man machte sich daher darauf gefaßt, daß vorläufig „das Schulgebäude nur gestützt werden sollte", bis bessere Zeiten kämen, wenn man das bei den gegenwärtigen Unruhen und dem Durcheinander der Verhältnisse überhaupt hoffen könnte. Versuche, Laubanus zu halten, wurden nicht gemacht, obgleich ihm Zedlitz auch noch weiter gewogen .blieb. Laubanus reiste am 29. März nach Danzig, um die Gelegenheit zu besichtigen; schloß dort mit dem Rate wegen Übernahme des Prorektorats, der Professur der lateinischen und griechischen Sprache und der Inspektion am Gymnasium ab, hielt dann nach seiner Heimkehr noch bis zum 2. Juni Unterricht und reiste am 12. Juni mit seiner Familie endgiltig nach Danzig 3 ), wo er ein Gehalt von 300 Gulden erhielt. Bald konnte er von dort aus erfreut schreiben, daß in der Stadtgemeinde und den Kirchen Ruhe herrsche. 4 ) Er ahnte nicht, daß diese philippistische Ruhe auch nur die Stille vor dem Sturme war; denn nach seinem Übergang von Danzig in das Rektorat der Brieger Schola illustris im J. 1614 erfolgte auch dort die lutherische Reaktion, die Kirche und Schule allein in Besitz nahm. In Brieg trat Laubanus offener als Reformierter hervor; zwischen Philippismus und Calvinismus waren die Grenzen damals schon verschwommen. Die schlesischen Freunde ließen Laubanus nicht unbesungen v °n dannen ziehen 5 ), sie vereinten sich zu glückwünschenden „Apo- *) Grunaeus an Laubanus, 20. Dez. 1604, St. B.-Br., Rhediger XX, N. 127. *) Grunaeus an Laubanus, 26. Febr. 1605, ebenda XX, N. 146. ') Grunaeus an M. Adam, 9. Juli 1605, ebenda XX, XII, N. 84. 4 ) Grunaeus an Laubanus, 5. Sept. 1605, ebenda XX, N. 199. *) In Discessum M. Mel. Laubani Ab Illust. Aurimontanae Prorectoratu Ad ••• Gymnasii Dantiscani Inspectionem, Graecaq. Ac Lat. Linguae Pro- f essionem Apobateria Amicorum. Lignicii Typis N. Sartorii. 1605. 4°. ,'192 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. bateria". An ihrer Spitze war A. Baudis, der Liegnitzer Pastor zu St. Peter und Paul und Superintendent. Ihm folgten der Dr. med. J. Weidner Senior, G. Vechner aus Schwiebus, der Sprottauer Diakonus, Mag. N. Ludwig, der Ilektor der Liegnitzer Schule, Mag. J. Scultetus, der Rektor der Sprottauer Schule, Verwandter des Laubanus, Mag. J. Brachmann, Rektor in Fraustadt, Mag. D. Vechner aus Goldberg, B. Exner aus Ilirschberg, der sich nur „Aulae Caesareae Agens" nennt, der gekrönte Poet und Lehrer der jungen Herrn von Sckopp in Gläsersdorf M. Agricola aus Lüben, der Liegnitzer Bürger L. Heinrich und Mag. S. Grunaeus, der seine Verse als „amicitiae purissimae aeternum perseveraturae monumentum" bezeichnet. Agricola forderte, da Molissus leider tot sei, J. Gru- terus (wohl Freund des Laubanus aus seiner Heidelberger Zeit), R. Goclenius, den Liebling der hessischen Fürsten, Grunaeus, J. Höckelshoven, K. Cunrad und M. Mylius auf, Laubanus, dem Freunde, „Have" zu sagen, und dann preist er Laubanua aufs höchste, beklagt seinen Abgang aus Schlesien, begleitet ihn nach Preußen und sieht seine sicheren Erfolge dort vorher. Noch zahlreicher waren die „Propemptica" der Danziger Freunde, die 1014 Laubanus das Geleit nach Brieg gaben. 1 ) Die Danziger Wirksamkeit des Laubanus lassen wir außer Betracht, weil uns nur geringe Bruchstücke dafür zur Verfügung" stehen, und die Brioger ebenfalls, weil wir zu der Darstellung Schönwälders etwa außer Äer Angabe der Werke nichts Erhebliches hinzutun können. Laubanus 2 ) ist, in Brieg im Amte am I. Mai 1033 gestorben. Wenn es ihm auch gegen das Ende seines Lebens in Brieg an Unannehmlichkeiten nicht mangelte, so ist doch die Goldborger Periode die schlimmste seines Lebens gewesen. 0. Liinbanus' Goldberger Veröffentlichungen. Wenn wir die Goldberger Rias malorum des Laubanus bis zum Schlüsse verfolgt haben, bleibt doch noch seine literarische Tätigkeit für unsere Betrachtung übrig, die manchen ergänzenden Zug zu unserm Bilde und auch für seine Schultätigkeit bietet. Am 6. März 1600 kam Joachim Friedrich nach Liegnitz; Lau- ') M. Mel. Laub ani Postliminium Borusso-Silesiacum, hoc est, Ad Patrone», Maecenates, Collegas, Fautores, Amicos Dantiscanos Ode Valedioton» • • • Cum Dantisco deceden.s, lllustris Gyran. Bregensis Rectoratum . . • adire , 1614. Men.se Maio. Typis Hunefcldianis. 4°. (Beigabe.) 2 ) Schön wälder u. Guttmann S. 91 f. Lanbanus' Goldberger Veröffentlichungen. 393 banua empfing ihn mit einer „Adventoria Acclamatio". 1 ) In dem „Melos primum" vertritt er die „Chrysorinae Oroades", die nicht ruhen, sondern wegen der Nachbarschaft des Fürsten auf dem Gipfel des Wolfsbergs zur Musik des elfenbeinernen Barbitons der Faune begeisterte Reigen führen. Er begrüßt ihn auch im Namen der frohen Schule und Schlesiens und bittet ihn, der „Chrysoreae Nymphae" zu gedenken. Im „Melos alterum" erinnert er ihn an den Vater Georg, dessen sonderliche Sorge und freigebige Hand für die Kamöncn und die Herde Apollos ganz Schlesien bewundert, da er in Brieg einen kostbaren Bau und hohe Penaten der Schule und ein ehrenvolles Dach der Pallas gewidmet hat. Wie Karl der Große hat er nicht verschmäht, häufig als Inspektor die Bänke der Kinder aufzusuchen, als ob er ein einfacher (vilis) Lehrer wäre. Daher rühme er Georg vor der Nachwelt und forclere Joachim Friedrich auf, dem Beispiel des Vaters, und seine Söhne Johann Christian und Georg Rudolf, dem des Großvaters zu folgen. ■Der Herzog empfing den Prorektor liebenswürdig zur Entgegennahme der Gedichte und dankte ihm auch leutselig dafür, daß er seinem Rufe nach Goldberg gefolgt sei. Der allzubald folgende Tod des gütigen Fürsten, am 25. März 1602, gab ihm die nicht gewünschte Gelegenheit, diesem ein rhetorisches, mit Liebe gearbeitetes Denkmal zu setzen 2 ); seine Oberen beauftragten ihn, am Bcisotzungstag, dem 7. Mai, vor der Goldberger Schule die feierliche Parentation zu halten. Er sprach „De Vita et Morte", indem er alles, was den Herzog verherrlichen konnte, sorgfältig heranzog und ausführte. Es war für ihn naheliegend, daß er auch den aktuellen Stoff der Geschicke der von Joachim Friedrich neubelebten und durch Übelwollende geschädigten Goldberger Schule zu berühren sich nicht scheute, obgleich dadurch scheinbar ein Mißton in die Laudatio kam. Er betonte allerdings, daß die Verhetzung die endliche Versöhnung der konfessionellen Gegensätze störe und hindere, und das war im Sinne des Verstorbenen gesprochen. Nicht ohne Absicht erzählte er bei der ') Ad . . . Joachimum Fridericum Ducein Silesiao Lign. Et Bregens. . . . Suam Lignitiam Prid. Non. Martii felieiter ingressum. M. Mel. Laubani **• L. lllustrisque Aurim. Prorectoris Adventoria Acclamatio. Lignicii Typis Sartorianis. 4°. 2 ) De Vita & Morte . . . Prinoipia Joachimi Friderici Ducis Silesiae Lig- nie " Et Bregens . . . Oratio Exequialis lugubri in consessu 111. Aurimontanae Promrnciata a M. Melch. Laub an0 ProRectore. Nonis Maijs, Die Funerali. ^'gnicii typis N. Sartorii. 1602. 4°. 394 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. Schilderung der Frömmigkeit, wie der Herzog durch eifriges Studium der Heiligen Schrift und der Kommentare gesunder Erklärer imstande gewesen sei, die Meinungen von Schwärmern zu werten und zu vermeiden, wie er sich an der Lektüre der durch treue Schüler endlich gesammelten zerstreuten „Scholae evangclicae" Melanchthons 1 ) ergötzt und nicht minder die ihm gewidmete „Praxis evangeliorum" Mollers, des Schülers von L. Ludovicus, mit Erbauung und Befriedigung gelesen habe. 2 ) Und bei der Aufzählung der Verdienste des Fürsten um die Kirche vergißt er nicht das Edikt vom 19. Nov. 1601 ausführlich zu besprechen, das für Schule und Kirche die Augsburgische Konfession als Norm setzte, zum Frieden ermahnte und befahl, „ut spiritus contradictionum, quantum lubet, mutuo confligcre, inquietari et tranquillari patiantur". An die treue Sorge des Herzogs für die Goldberger Schule und ihre Lehrer knüpfte er den scharfen Tadel an die Verdunkler des fürstlichen Namens, die der Goldberger Schule die Verleumdung anhängten, als würden an ihr falsche Dogmen und eine verderbte Religion gelehrt. Er führt als Gegenzeugnis den Plan der täglichen Arbeiten, die katechetischen Bücher und die Lektionen an, die Katechesis Luthers und Trozcndorfs und das „Examen Phi- lippi". Die Schule hat diese über fünfzig Jahre rein und unverfälscht im Gebrauch, und doch wird die Schule angeschuldigt. „Warum wird das", ruft er aus, „was bei Trozendorfs Lebzeiten einst für gesund, orthodox und fromm gehalten wurde, jetzt schwärmerisch, falsch und gottlos geheißen, während doch ohne Wanken „eadem de iisdem" [Trozendorfs Wort| standhaft gelehrt und gedacht werden!" Grunaous gab zu dieser Rede, deren Druck den jungen Herzögen Johann Christian und Georg Rudolf gewidmet ist, eine Trauerelegie bei, vielleicht sein bestes Gedicht. Könnte übrigens nicht diese schöne Rede Laubanus den Weg nach Brieg vorbereitet haben? Ein Zeichen seiner Aufmerksamkeit gegen den Vater von z weien se iner Schüler war die alkäische Ode, die er 1601 an den ') (Melanchthon, Ph.,) Postilla Melanthoniana. Hoc est; Lectionuni Evangelicarum: Quae More Recepto & usitato, in plaerisque Ecclesiis Cbn- stianis, diebus Dominicas & featis proponuntur: Explicationes piae ac eruditae ... In unum quasi corpus coli.: a Chpb. Pezelio ... T. 1: Heide.lbergae, Apud .I.Harnisch, impensis Matthie patris. 1594. T. 2 —4: Hanoviae Apud tt. An- tonium, impens. M. Harnisch 1594 —95. [Ex.: Berlin, Staats-B.] ') Moller, M., Praxis Euangeliorum ... Th. 1. Vom Advent biß auft Laetare. O.O. 1601. 4". [Vgl. u. „Nachträge".] Laubanus' Goldberger Veröffentlichungen. 395 herzoglichen Rat A. Schultz über eine von diesem verfaßte Rechenlehre richtete. 1 ) Eine Aufmerksamkeit gegen seine Schüler und zugleich ein zu Werbung neuer ausgesandtes Werk waren die biblischen Gedichte, die er 1603 als Neujahrsgeschenk den Schülern, die zugleich seine Tischgenossen waren, widmete, meist in Tetrastichen wiedergegebene Paraphrasen von messianischen Stellen des Alten Testaments. 2 ) Die Namen der Schüler sind nicht ohne Interesse. Die meisten von ihnen setzten dann ihre Studien auf Hochschulen fort, die unter dem Zeichen des Calvinismus standen. Es waren: Ch. von Zedlitz und Neukirch auf Eichholz, A. von Schwei- nitz auf Mühlrädlitz, der Stiefsohn W. von Zedlitz 1 , A. von Kreck- witz und Wirchwitz auf Adelsdorf, der Neffe von Zedlitz' Gattin Margaretha, J. von Reibnitz auf Dobergast, S. Rumpier und D. Rumpier aus Sprottau, H. von Salza auf Ebersbach, S. von Niebelschitz auf Kleingaffron, F. von Salza auf Ebersbach, M. Hofmann aus Halle, G. von Reibnitz auf Ocklitz, Ch. von Rothkirch auf Hennersdorf, Ch. von Reibnitz auf Ocklitz, Ch. von Sckopp auf Groß-Gläsers- dorf und Parchau, II. von Stange, J. von Reibnitz auf Wirrwitz, P. von Reibnitz auf Dobergast, Ch. von Nostitz auf Krobnitz, A. und G. Schultz, J. Teicher aus Breslau, A. Laurentii aus Grünberg. Von diesen erschienen in Frankfurt, als Knaben nur deponiert, im Wintersemester 1599 A. und G. Schultz aus Liegnitz, im Wintersemester 1601 S. und D. Rumpier Gebrüder aus Sprottau, als erwachsener Student im März 1606 H. von Stange und Kunitz auf Reichstein. In Marburg waren 1603 Ch. von Zedlitz auf Eichholz, A. von Kreckwitz, H. von Stange, 1607 Ch. von Sckopp, H. von Salza, 1608 D. Rumplcr, 1609 S. Rumpier, 1610 GL Schultz. Und in Heidelberg sind immatrikuliert 1604 S. von Niebelschitz (als Knabe), 1605 Ch. von Zedlitz auf Eichholz, A. von Kreckwitz, A. von Schweinitz, 1 606 S. Rumpier, die beiden J. von Reibnitz, Ch., F. und G. von Reib- n itz, 1609 G. Schultz. Nicht von Laubanus als seine Schüler genannt sind noch 1603 in Marburg eingetragen Ch. von Zedlitz auf Liebenthal (1605 auch in Heidelberg) und F. von Zedlitz auf Simsdorf. Die beiden Ch. von Zedlitz, F. von Zedlitz und A. von Kreckwitz begleitete Laubanus mit Abschiedsoden nach Marburg und ') Alcaicon M. Laubani ad Antonium Schultziura ... De opere eius Arithmetico, Aurimoutii, ad XVI. Febr. 1601. O. O. u. J. 4». [Vgl. „Nachträge".] *) Laubanus, M., Theogenethlia s. patrum vet. Testament]' extemporah E pigrammate explica'ta: pro apophoretis Januariis domesticorum Suor. Discipul. C <"n Elencho Studiorum publicor. 111. Aurimontanae Curiis Duab. Supenonbus. s ^b initium anni 1603. Lignicii typ. Sartorianis. 8 131. 4» [Ex.: Berlin, Staats-B.] ;J9(i Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. empfahl sie durch Verse dem gelehrten Mag. R. Goclenius, der ihm mit schmeichelhaften Versen antwortete und ihm vorsicherte, daß seine Zöglinge fleißig studierten. Mit einem Abschiedsgedicht entließ er auch S. von Niebelschitz. Verse hat bei den „Genethlia" Laubanus auch an seine Kollegen Mag. J. Schön und A. Liebig, die ihn bei seinen Pensionären unterstützten, und an den Ephorus primus G. L., den wir nicht mit Namen kennen, gerichtet. Hinter den Gedichten, bei denen die Namen der Schüler schon von werbender Kraft waren, kam noch eine Übersicht über die Lektionen in den zwei oberen Klassen, wie sie zu Anfang des Jahres 1603 gestaltet waren, erst recht zu Werbung neuer Schüler bestimmt. Wir lassen sie folgen, weil sie im einzelnen doch Abweichungen von dem Plane des Jahres 1599 zeigen. „Studia publica 111. Aurimontanae Curiis duabus superioribus sub initium anni CIOIOCIII. I. Lectiones Sacrae. In prima curia. I. Examen Theologicum Ph. Melanchthonis. 1 ) II. Evangclior. Dominical. Tabulae Analyticae cum indicatione L. C. doctrinae ex Postilla Melanchthonia. III. Nonni Paraphrasis Graeca in Joannem Evangelistam. 2 ) In seeunda curia. 1. Catechesis maior Troccdorffiana. IL Evangelii Graeci repetirio. III. Rosarium Scholae nostrae. IL Pracecpta Artium et Jurisprudentiae. In prima curia. I. Etymologia Gramm. Graecae N. Clenardi.' 1 ) IL Syntaxis Graeca F. Sylburgii. 4 ) ») S. o. S. 394, Anm. 1. *) Nonnus Panopolitanus, Meraßoty xov xarn 'l(oävvt)v üyior Evay- yeXtov Siä arixeov t)ooHKÖ>r. Metaphrasis evangelii seeundum Joannem versibUS heroieis. Opera F. Sylburgii . . . Lipsiae, Ex V. Am Ende Typ. 1618 (am Schi 1614). 8 131., 263 S., 47 Bl. [Ex.: Berlin, Staata-B.]. 3 ) Clenardus, N, Institutiones linguae Graecae cum Scholijs & P«* 30 P. Antesignani .. ed. 9. Coloniae Agr.: Tb.. Baum. 1580. 460 S. [Ex.: Berlin, Staats-B.] SGDE 1 : Coloniae 1534 [Ex.: Leipzig, U.-B.]. 4 ) Clenardus, N., Graecae linguae institutiones . . A Erid. Sylbur£ Laubanus' Goldberger Veröffentlichungen. 307 III. Synopsis Organi Melanchthonii. IV. Synopsis methodica Rhotoricae. V. Epitome doctrinac periodicae e Scholia Sturmianis. VI. Arithmeticae compendiosa methodus. VII. Astronomia primi mobilis. VIII. Institutiones Juatinianeae. IX. Ilegulae Juris Canonici. In secunda curia. I. Etymologia Gramm. Lat. Pli. Melanchihonis. II. Syntaxis eiusdom. III. Etymologia Gramm. Graecae. IV. Prosodiae et Metricae Compendium. V. Musicae praeeepta et usus. VI. Arithmeticae calculus. III. Exempla Analyseos Classicorum Auctorum. In prima curia. I. Theognidis poema gnomologicum. II. Epistola politica Cic. ad Q. fratrem. III. Cato Maior sive Dialogus de Senectute. IV. Epistola Lentuliana primi ad familiär. V. Aeneidos über tertius. VI. Carminum Horat. liber seeundus. VII. Mostellaria Plauti. In secunda curia. I. Terentii Heautontimorumenos. II. Epistolae selectiores ad famil. III. Dialogi scbolastici L. Vivis. IV. Officia Ciceronis. V. Eclogae Vergilianae. VI. Elegiae Ovidianae de Ponto. IV. Exercitia Hebelomadaria. In prima curia. I. Genesis solutao orationis. II. Genesis ligatae orationis. denuo recognitao . . . Nova Syntaxi . . ab eodem Sylburgo . . . auetae. Franco- furdi: A.Wecheli her. 1591. 32, 590 S., 4 Bl. [Ex.: Berlin, Staats-B.] SGDE 1 : F rancofurti 1580 [Ex. ebenda]; SGDE": ib. 1624 [Ex.: Breslau, U.-B.]. 398 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. III. Analysis Gramm, lib. 3. et 4. Iliados Hom. in scholasticos ordine distributorum et Indicis Homeri locupletatio. IV. Paraphrases integr. libror. Virgilii in depositione provin- ciae oeconomicae. V. Exercitia memoriae in resignatione Nomenclaturae. In secunda curia. I. Genesis solutae orationis. II. Genesis versuum aliquot. III. Analysisgrammaticasingulor.distichor. singulisdistributorum. IV. Exercitia memoriae in resignatione Nomenclaturae. V. Exercitia Menstrua. In prima curia. \ I. Declamationes contrarias de materiis politicis. II. Disputationes logicae ex lib. 2. Organi. Mel. de Proposi- tionibus. In secunda curia. Certamina pro loco ex Iectionibus mensis exacti." Der Pflicht der Dankbarkeit genügte Laubanua, als sein und der Schule Gönner, der herzogliche Rat Georg Thilo von Thilau am 6. Febr. 1602 gestorben war. 1 ) Mit S. Grunaeus, M. Adam, dem Fraustadter Rektor Mag. J. Brachmann, Mag. D. Vechner, dem Freystadter Konrektor V. Tseuschnor, M. Agricola und Ch. Eifer weihte er ihm, seiner Gattin Agnes, geborenen Storis, und zweien kleinen Verwandten Rosina und Viktor Thilo, den Kindern Valentins, des Bruders von Georg, Trauerverse. Im Juli 1604 berief W. von Zedlitz eine Versammlung des Liegnitzer. Fürstentumsadels nach Goldberg. Auf Anraten des Grunaeus verlegte Laubanus eine nachträgliche „Parentatio" auf G. Thilo, den einstigen Schüler und Förderer von Goldberg, die er als Schulakt plante, auf diesen Termin 2 ), weil die Feierrede auf einen Angehörigen ihres Standes der Schule neue Gönner aus dem Adel zu gewinnen geeignet war. Zwei Spezialfreunde des Verstorbenen, deren Anwesenheit auch zu erwarten war, G. von Nostitz und A. von Lest auf Holstein, der kaiserliche Rat und Hauptmann der Erbfürstentümer Schweidnitz und Jauer, sollten besonders eingeladen werden. Zedlitz wurde von Grunaeus auf die Rede vor- bereitet. Vor einer ansehnlichen Versammlung hielt so Laubanus ') Georgii Thilonis A Thilaw, 1c. Illust. Principp. Lig. Ac Breg. Consiharn . . . Honori Pos. Arae Exsequiales. Quib. Adjuncta Et Con.jugis Ejusd. Agnes Storiaiae, Et Duor. ... Nepp. . . . Memoria. O. 0. u. J. 4 °. *) Laubanus, Thilo (Titelblatt). Vgl. u. „Nachträge". Laubanus' Goldberger Veröffentlichungen. 399 seine „Laudatio parentalis". Auch hier vergaß er nicht, die Verdienste G. Thilos um die Goldberger Schule gebührend zu preisen und dabei zugleich W. von Zedlitz' ehrenvoll zu gedenken. Er tat dies mit den Worten: „Deum immortalem, quoties ille quamque promto studio huic Musarum sacrario saluti fuit, sive redituum tiicac expediendae, sive praeceptores classibus idonei praoficiendi, sive studia disccntium inspicienda, seu denique contra vim, contra furorem sceleratae audaciae, contra calumnias et Satanica hodier- norum Pyreneorum odia imbelles nostrae et innoxiae Camenulae defendondae essent! Ipse cgo, auditores, quod hoc suggestum hodie pedibus calco, quod in sextum heic annum Musis et Minervae sacra facio, secundum praefectum et praesidem Illustris Aurimon- tanae mngnificum dominum Wenceslaum Cedlicium Thilonis iudicio et suffragationi acceptum fero." l ) Thilo hatte, 1552 in Liegnitz als Sohn des Bürgers Gregor Thilo und der Margaretha Domke geboren, die Rudimente der lateinischen Sprache und den Katechismus in Liegnitz gelernt und "war 1568 nach Goldberg zur Weiterbildung geschickt 2 ) worden, als Mag. M. Thaburnus Rektor war. Dieser und Mag. G. Helmrich waren seine Hauptlehrer und außerdem zu verschiedenen Zeiten Mag. B. Schumann, der griechische Literatur vortrug, Mag. J. Fleischer, der Hebräisch lehrte, Mag. N. Mylius. der über lateinische Schriftsteller las, Mag. K. Kifer, der rhetorische Theorie und Ciceronianische Eloquenz trieb, und Mag. Z. Bart, der vor den Größeren abwechselnd Arithmetik und die „Elemcnta primi mobilis", "• h. Astronomie, behandelte. Das Urteil Thilos über die zu dieser Zeit geübte Methode, die Überlastung der Schüler mit übermäßig ausgedehnten Kommentaren und kleinlichem Gedächtniskram, haben wir schon früher verwertet, geben sie aber doch als Anerkennung f ür Laubanus, der es nicht so hielt, hier wieder: „In tradendis disciplinis organicis rotundiorem sese planioremque viam desiderare, quae tum communi quodam scholarum morbo in taediosa praecipue ma gnorum commcntariorum mole neglecto fere usu, qui teste Cicerone omnium magistrorum praecepta superat, posita fuerit, unde Porro usu venerit, ut vix plurimorum continuatione annorum prae- ce ptiones artium semel integre docendo discendoque percursae sint." Thilo ging 1573 von Goldberg nach Frankfurt a. O., wurde 1578 von Herzog Heinrich XL als Sekretär angenommen und war dann noch Sekretär und endlich Rat bei Friedrich IV. und Joachim Fri edrich. ') Laubanus, Thilo Bl. 21/2. «) Ebenda Bl. 12/3. 4()0 Erfolglose Versuche zur Neubelelmng der Schule. Die kunstvolle Rede gefiel, man wünschte von vielen Seiten den Druck, und A. von Lest hätte, wie er wortreich verkündete, gern ihre Widmung angenommen. Laubanus ließ sich von Grunaeus zu dieser Dedikation bestimmen; aber nachträglich verhielt sich der noble Taufpate gegen den Verfasser, der doch mindestens auf die Erstattung der Druckkosten rechnete, sehr zäh mit dem Honorar. Er litt offenbar an schlechtem Gedächtnis für Finanzoperationen. Wie er für G. Thilo Trauerverse geschrieben hatte, so trug Laubanus wie S. Grunaeus, D. Vechner und andere auch sein poetisches Scherflein bei 1 ), als Mag. M. Tilesius, der Brioger Rektor, der einst mit L. Cirkler von Herzog Georg II. abgesetzt und dann doch Cirklers Nachfolger geworden war, 1603 gestorben war. Trotz der Beugung vor Herzog Georg galt Tilesius als Calvinist und wurde deshalb auch angefeindet. Laubanus hat von Danzig aus, wie wir schon gehört, wegen Krankheit seine schlesische Heimat in den Jahren 1007 bis 1610 aufgesucht und davon auch literarische Spuren hinterlassen. Außer seinem Homerischen „Protheama" 2 ) hat er 1609, als Herzog Johann Christian volljährig wurde, ihn mit einem „Coronarium" oder mit „Odae Auspicales" 3 ) als den 26. Enkel des königlichen Ahnherrn Piast in 700jährigcr undurchbrochener Reihe besungen. Er hat mit den fünf Oden vielleicht seinen Namen bei dem Herzog aufgefrischt, aber den jungen Fürsten nicht zu solchen genealogischen Bocksprüngen, wie sie einst Heinrich XI. paukenden Angedenkens sich leistete, verführt. Unter denen, die Thilo poetisch gefeiert hatten, haben wir auch Ch. Kifer, der sich später Kyfertus nannte, gesehen. Ihm, dem Sohne eines Goldberger Rektors, Stiefsohn eines Goldberger Lehrers und Goldberger, von Laubanus beeinflußten Schüler und Pädagogen, wollen wir auch noch ein paar Worte nachsenden. Christian war als Sohn des Rektors Mag. K. Kifer geboren, verlor jedoch sehr jung 1583 seinen Vater, der ihm nur 100 Taler M Memoriae aeviternae ... Dn. M. Melchioris Tilesii, Rectoris Illustris Scholae Bregen«« meritissimi. Non. April. Aerae Christianae ConslDerabrs flneM in Christo pie placideque defuneti. Imp. F. Hartman, Francofurt. eis Viadrum 1(504. 4°. 2 ) S. o. S. 351, Anm. 2. n ) Ad Illnstrissimum . . . Principem Joannen) - Christianum Ducem 81" lesiae, Lignicensem ac Hregensem . . . cum is suae jam tutelae factus, Reruni gubernacula . .. capeweret, 1699 ad V. Octobr. M.Mel. Laubani Coronarnim Sive Odae Auspicales. Lignicü Typis N. Sartorii 1609. 4°. Laubanus' Goldberger Veröffentlichungen. 40] hinterließ, und erhielt 1588 durch die Verheiratung seiner Mutter Dorothea mit dem Kantor G. Vechner an diesem einen braven Stiefvater, de;- sich seiner auch nach dem Tode Dorotheas 1590 treulich annahm. In Goldberg hatte er zu Lehrern J. Feige, A. Bret- rius, E. Mimer, A.IIentschel, G.Ermrich, G. Vechner, und von größter Bedeutung für ihn wurde Laubanus, der ihn nicht bloß in seinem Wissen förderte, sondern auch zum akademischen Studium anregte. Schon am 8. Juni 1595 wurde er als Knabe in Frankfurt deponiert, blieb aber noch bis 1601 in Goldborg. Am Ende des •1. 1600 dichtete er auf Laubanus' Anregung eine biblische Allegorie, einen Parallelismus zwischen dem Heiland Christus und dem Patriarchen Joseph, und trug die Dichtung öffentlich in der Schule vor. 1 ) Nach dem Wunsche des Laubanus druckte er diese Primi- zien auch und widmete sie (1. Jan. 1601) seinem Verwandten, dem Dr. med. J. Mylius in Liegnitz. 1601 nahm er seine akademischen •Studien in Frankfurt auf, wohnte im Hause seines Stiefgroßvaters P. Crüger und hielt gute Freundschaft mit Mag. M. Rüdinger aus Fraustadt, der später Stadtschreiber in Liegnitz wurde. Im November 1601 wirkte er poetisch mit bei den „Propemptica", die dem nach der Heimat kehrenden F. Ilgesius aus Brieg von seinen „Amici contubernales" gewidmet wurden. 2 ) Die Dichter waren also sämtlich Hausgenossen des P. Crüger. 1604 ging er in die Heimat zurück und erkrankte als Gast im Hause des Grunaeus in Liegnitz. Arm, wie er war, wirkte er dann als Pädagoge in Goldberg. Einer seiner Schüler wie der A. Liebigs war S. von Schwartz, dessen Vater ihm ein Bergsches Stipendium verschaffte, so daß er weiterstudieren konnte. Außerdem blieb er Informator junger Edelleute. Am 1. Juni 1606 in Heidelberg angekommen, wurde er am 3. Juni immatrikuliert und studierte neben Philosophie sogleich reformierte Theologie. Am 4. Febr. 1608 wurde er Magister der Philosophie und widmete im März 1609 den schlesischen geistlichen Herren Mag. P. Titus, Mag. S. Grunaeus, Mag. J. Buchwälder und A. Cremer die von ihm bearbeiteten „Axiomata concionandi practica" seines Gönners Mag. A. Scultetus. 3 ) 1609 erhielt er ein Kirchenamt in ') Parallelismu.s Christi Salvatoris, et Josephi Patriarchae Heroico versu '" ülustri Aurimontana publice celebratus a Chr. Kiefero . . . eiusdem Gymn. alumno. Lignicii typis Sartorianis 1601. 4°. 2 ) Propemptica Du. Fabiano Ilgesio Bregensi ... Ex alma Francovordiana in patriam redeunti Scripta ab Amicis Contubernalibus. Ex Typogr. Voltziano. **■ O.O.U.J. *)Scultetus, A., Axiomata concionandi practica, Edita Studio et °Pera M. Chr.Kyferti. Manhemii Pakt. N. Schrammii typis. 1609. 8». Monnnienta öormanioe Pncdayogica I.VII 402 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. Schriesheim. Von dort aus richtete er 1610 an seine Freunde S. von Schwarte und N. von Zedlitz auf Wilkau, die in Heidelberg Philosophie und Jura studierten, einen prosaischen Vergleich zwischen Myrte und Kirche. 1 ) In demselben Jahre verheiratete er sich mit Anna Elisabeth, der Tochter eines Amtsbruders, und wurde 1613 als Pfarrer nach Edenkoben, auch in der Pfalz gelegen, berufen. Aus Edenkoben sandte er 1617 Trauerverse für den verstorbenen Liegnitzer Mag. N. Ludwig. Schon 1622 ist er gestorben. Das von der Schule aus vor die Öffentlichkeit tretende literarische Leben in Goldberg wird hei der Besprechung der Tätigkeit und der Geschicke der übrigen Lehrer noch weitere Beleuchtung erhalten, und das ist auch aus dem Grunde wünschenswert, weil sich dadurch dokumentiert, daß trotz der Bedrängnis der Schule und der Lehrer das Streben im Kollegium nicht erlosch. Es wäre ein Unrecht, wenn wir hier nicht noch ein so recht eigentlich zur Goldberger Schulgeschichte dieser Zeit gehörendes literarisches Ehrcndenkmal für den treuen obersten Vormund und Pflegevater der Schule heranziehen wollton, das ihm Laubanus jure quasi postliminii setzte. Längst fern von Goldberg sagte er 1607 in der von tiefer Dankbarkeit diktierten Widmung 2 ) seiner „Musa Lyrica" an Zedlitz, drei Dinge werde er zu preisen nie aufhören: „Das erste ist die Wiederherstellung der inneren Ordnung in der Schülermenge. Ich übernahm die Schule durch Zwietracht in der Gemeinde und die Zügellosigkeit der Sitten jämmerlich zugerichtet und verwüstet. Unter deinen Auspizien schien sie in wenig Wochen sich wieder zu sammeln und die Frequenzziffer nach oben zu steigen. Nämlich durch zahlreiche vornehme Geister, unter denen dein Sohn Christoph niemals meiner Erinnerung entfallen wird, der vier Jahre und darüber hinaus meines Tisches, meiner Studierstube und meiner Disziplin dankbarster Genosse war. Als zweites Hauptverdienst zähle ich die Autorität, die du von freien Stücken in solchem Maße auf mich gehäuft hast, daß sie die Disziplin im vollen Umfang zu erhalten genügte; denn du wolltest, daß diese vor allem andern gefestigt werden sollte. D u hast die Autorität durch dein Interesse für mich gestärkt. Du bist hin und wieder als Ehrenhörer und Schiedsrichter über die Fortschritte der Klassen neben meinem Pulte gewesen. Niemals hast du Goldberg betreten, ohne mich sofort zu dir zu rufen, über den ') Parallelismus Myrti Et Ecclesiae, Adornatus A. M. Chr. Kyferto ••• Heidelbergae Typis J. Lancellotti 1610. 4°. *) Laubanus, Musa ßl. 8b — A3a. Laubanus' üoldberger Veröffentlichungen. 403 Stand der Schule, das Gedeihen der Studien, die Sitten der Lernenden freundlich und teilnahmsvoll auszuforschen. Oft auch hast du uns, unversehens angekommen, während wir mitten in den Lektionen standen, mit Beschlag belegt. Schulfälle, wenn solche vorkamen, hast du ohne jeden Verzug auch in dem Wirrwarr schwerster sonstiger amtlicher Sorgen untersucht und schnell erledigt. Keinen Kollegen hast du, ohne mich ernstlich zu Rate zu ziehen, der Schule vorgesetzt, in der Absicht sonder Zweifel, auch damit für die Autorität zu sorgen, wie ich sie bei meinen Kollegen hatte. Auch nichts anderes, was unsere Gemeinschaft betraf, hast du, ohne uns, die es anging und die wir aus dem täglichen Gebrauch Kenntnis davon hatten, gefragt zu haben, jemals bestimmt. Wenn mich öffentliche oder private Geschäfte zum Hofe führten, gab es dort nichts Humaneres als dich. Gütig hörtest du mich an, kamst du mir mit Rat und jederzeit bereiter Unterstützung zu Hülfe, ludst mich zu Tisch und entließest den Fortgehenden mit ausgesuchter Gunst. Und kaum würde man den ungewöhnlichen Beweis deiner Humanität für möglich halten, daß du oftmals selbst aus den amtlichen Sitzungen der Regierung, um mich, den Privatmann, über die Schule zu hören, sobald du von meiner Anwesenheit Kunde erhalten hattest, herauszugehen nicht geschwankt hast. Selbst wenn ich zu meiner Erholung nach Liegnitz kam, geschah das nicht, ohne dali du mich sofort zum Hofe, zum Frühstück oder zur Mahlzeit herbeiriefst und dann über die Studien, die Religion und andere ähnliche Dinge, besonders wenn die bürgerlichen Sorgen das zuließen, mit mir gebildete und angenehme Unterhaltungen führtest. Du wärest endlich unwillig gewesen, wenn ich einmal ohne dein Wissen und ohne dich begrüßt zu haben, wenn auch nur in privaten Angelegenheiten da, Liegnitz verlassen hätte. Das dritte, was ich niemals genug werde preisen können, ist meine und meiner Bestrebungen standhafte Verteidigung. Denn w ir wandelten in Goldberg auch unter der wohlwollendsten Obrigkeit nicht auf Rosen, sondern uns gegenüber stand die geschlossene schärfste Gegnerschaft sehr vieler, die, wie es wohl geschieht, das Werk des Herrn mit mannigfachen schlimmen Streichen zu hindern u nd alle Linien der Lehre und der Disziplin zu stören sich bemühte. Auch da hat uns deine helfende Rechte nicht gefehlt, die die Sache der richtig besorgten Pflicht schützte, die Gewalt oder die Tücken der Gegner zurückdrängte und mich im Kreise meines Berufs furchtlos dahinzuschreiten wie mit oft wiederholten antreibenden Aufmunterungen ermutigte." 26* 404 Erfolglose Versuche zur Neubolebung der Schule. Und nochmals, als er 1610 seine ersten „Archetypi" herausgab 1 ), wandte er die Gedanken in erster Linie seinem giftigen Gönner zu, indem er vor das erste Buch (die übrigen sind andern Männern gewidmet) schrieb: „Magno D. Wenceslao Zedlicio de Patria omnibus exemplis praeclare merito Primum hunc Aeneidos quasi divinae opis humanacque comitatis erga Virtutem calamito- sam illustre speetaculum M. Mel. Laubanus testandi obsequii et sempiternae gratitudinis ergo Maccenati et Musagetae benignissimo L. M. Q. D." Er fehlte auch nicht unter denen, die dem 1613 im erst beginnenden Greisenalter abgeschiedenen Hauptmann ein wohlverdientes Erinnerungsmal setzten, so wie er, als die einzige Tochter Zedlitz', Elisabeth sich mit J. von Schellendorf vermählte, noch in Goldberg die Freude des Vaters, die Tochter, besungen 2 ) und dabei zugleich des damals in Heidelberg studierenden talentvollen Sohnes ehrenvoll gedacht hat. Ähnlich hatte er 1600 die zweite Verheiratung Zedlitz' mit Frau Margaretha von Schweinitz, geb. von Kreck- witz, poetisch gefeiert. 3 ; 7. Die Lehrer in Goldberg unter Laubjinus. Viel Schwierigkeiten verursachte während Laubans Prorektorat auch die Besetzung der Lehrerstellen, da ein ziemlich lebhafter Wechsel einriß. Zunächst wurden in Rücksicht auf die verminderte Schülerzahl und um sie durch bessere Kräfte zu ersetzen, K. Nixdorf (dieser trotz der Empfehlung des Grunaeus 4 ), dessen Gevatter er warj. G. Werner und der nur hier genannte deutsche Schreiber, d. h. Schreib- und Rechenlehrer, L. Wirth entlassen. Alle drei fehlen schon in den Lehrplänen vom September 1590. Nixdorf wurde Schuppe und 1600 Schöppcnmeistcr, Werner erscheint im April 1600 ebenfalls als Schöppe. Oh. Wenzel übernahm die Stelle des Katecheten. 5 ) A. Ilentschel wurde nicht eben gern gesehen, und man suchte ihn, als sich endlich die Gelegenheit bot, auf schickliche Weise abzuschieben. ') La ii ha n iis, M., Aruhetyporum Analyticorum ad integram P. Virg- Maronis Aeneidem Libri Septem. Lignicii Siles. Typo Sartoriauo: Impensft Auctoris. 1610. 8 Bl., 165 S. 4" [Ex.: Breslau, U.-B.]. ') Laubanus, Musa S. 170/3. - 1 ) Ebenda S. 15/9. ') Grunaeus an Laubanus, 14. April 1590, St. B.-Br., Rhediger XVIH, N. 2->»- 8 ) St. B. Br., Wenzel. Die Lehrer in Goldberg unter Laubanus. 40 ; - Mimer hatte schon 1597 Grunaeus um guten Eat ersucht, weil ihm seine Lage nicht zusagte und er gern anderswo eine •Schulstelle oder noch lieber ein kirchliches Amt übernommen hätte. Grunaeus gab ihm recht, weil bei dem in der Schule entstandenen Sturme für seine Familie nicht allzuviel von der Zukunft erhofft werden könnte *), weil mit der Wiederherstellung seines baufälligen Hauses auch kaum zu rechnen und weil endlich die Aussicht auf eine Aufbesserung seines Gehalts ganz unsicher sei, riet ihm aber, nichts zu übereilen und sich nicht unüberlegt zu binden. Als im Februar 1591) die Neuordnung der Schulverhältnisse geschah, hoffte Mimer auch wieder umsonst auf eine Besserung, und Grunaeus konnte ihn nur mit frommen Wendungen trösten. Da bot sich endlich im September ein Ausweg: die Kirche in Kummernick im Glogauer Herzogtum wurde frei; Mimer erhielt sie 2 ) durch Vermittlung des Hauptmanns W. von Zedlitz und des Grunaeus von P one * a . g disputandum Ilespond. Gul. Leone Neorhordensi . . . Francofurti, Typ N. Voltzij. (15)97. 4°. Die Lehrer in Goldberg unter Laubanus. 407 J. von Winterfeld in Drossen erschien, um seine amtlichen Funktionen aufzunehmen, versuchte Vinzelberg, sich ihm im Hause des Bürgermeisters zu nähern, um ihm seine Glückwünsche darzubringen. Da ihm das nicht gelang, entwarf er für ihn eine „Tabula gratulatoria", die er „Atlas Reipublicae" betitelte. 1 ) Er verglich darin den menschlichen Körper mit der Respublica, um von caput auf capitaneus zu kommen. Winterfeld war zu seiner Ausbildung in Italien und Frankreich gewesen, deshalb braucht Vinzelberg auch französische Lobsprüche. Sein Latein war kraus und gesucht wie das eines fahrenden Poeten. Der stets hilfsbereite Grunaeus hatte bald Gelegenheit, sich durch Besorgung von Büchern dem neuen Professor gefällig zu erweisen, er erfuhr aber auch ein Gerücht über ihn, dem er allerdings zunächst keinen Glauben schenkte. Vinzelberg hielt als Professor der Rhetorik und Poesie zu Weihnachten 1600 eine poetische Deklamation vor der die Frömmigkeit und die Künste studierenden Jugend; er hatte sich als Stoff für das „Carmen secu- lare" eine Meditation über das für die Bürger der Kirche Gottes heilsame Verdienst Jesu Christi und den ruhmreichen Triumph des Wiederauferstandenen gewählt. Das Ganze war ein Gebet in der Form einer alcäischen Ode, das am Schluß die Erhaltung des Worts, des Herzogs und der Familie Zedlitz erbat. Unter der Aufsicht des Grunaeus ist es in Liegnitz gedruckt worden. 2 ) Am 24. Juni 1000 wechselte der Breslauer Poet C. Cunradus bei einem Besuch in Goldberg Verse mit ihm. Vinzelberg parodierte ein paar Hexameter des Horaz, und Cunradus die Vinzelbergs. 3 ) Hier schon wird Vinzelberg als Poeta laureatus bezeichnet. In die vierte Stelle wurde für Nixdorf wieder ein geborener Goldberger, D. Vechner, der jüngere Bruder des Kantors G. Vech- n er, der die dritte innehatte, berufen. Vechner wird, obgleich seine Werke längst antiquiert sind, als Philologe heut noch gewürdigt. Er hatte am 7. Jan. 1572 das Licht der Welt erblickt. Sein Vater Georg hat viele Jahre dem Rate angehört und ist acht- ') Atlas Reipubl. Ad .. . Dominum Joach. A Winterfeldt, .. . Electoralem ^onsiliarium, Et Eparchiae Sternebergensis Capitaneum Designatum. Franco- f «rti ad Viadrum N. Volzius Typis exscr. fol. 2 ) Quod Jesu Christo Deo-Homini Debellatori Satanae Saerum Ecclesiae Üei civibus Salutare sit ineunte hoc deeimo sexto seculo . . . Carmine Secu- ' ar i • . . studiosam juventutem in ill. Aureomonte ad religiosam Gloriosi Triumphi Jesu Christi . . • meditationem invitat M. *) Cunradus, C, Theatrum SymboHeum. Olsnae Siles. Sumtibus Au- twis, o. J. S. 52. Kjg Erfolglose Versuche zur Neubelebuug der Schule. mal Bürgermeister und neunmal Hofrichter gewesen. Seine Mutter Martha war aus der Familie Steinberg. Er verehrte als Lehrer Pankraz Crüger, dem er die tüchtigen Grundlagen im Griechischen verdankte. Im Sommersemester 1595 ließ er sich in Frankfurt immatrikulieren, hat aber erst 1602 dort das Magisterium erworben. 1597 übernahm er das Kantorat in Fraustadt, wo er mit dem Rektor J. Timaeus, der als Anagrammatiker berühmt war und ihn in dieser vielfach zu leerer Spielerei ausartenden Dichtungsart beeinflußte , Freundschaft schloß. Als das gelungenste Anagramrn des Timaeus kann das auf seinen eigenen Namen gelten: „Ante omnia Jesus". 1 ) Vechner hatte unter den Ratsherrn Verwandte, die vermutlich seine Berufung veranlaßt haben. Schon von .Fraustadt aus richtete er seine Augen auf die Goldberger Schule, und so galt ihr, dem Goldberger Rat und adligen Schülern daselbst seine erste uns bekannte literarische Arbeit (1597). Sie ist ganz anagrammatisch-poetisch abgefaßt und sollte ein Zeichen seiner Dankbarkeit sein. 2 ) Die Gefeierten sind der Rektor J. Feige, der Bürgermeister Z. Bart, der Hofrichtcr J. Helmrich, Mag. A. Hentschel, der Ratmann S. Kulhase, der Stadtschreiber Mag. M. Thaburnus, Mag. E. Mimer, der Kantor G. Vechner, der herzogliche Rat J. Heinrich und endlich die adligen Schüler G. F. von Zedlitz, .1. von Schweinoch, .T. U. von Mühlheim, A. von Schweinoch, F. von Gelhorn und J. von Talkenberg. Die letzten mögen wohl noch seine eigenen Mitschüler gewesen sein. An sie, die adlige Jugend der Goldberger Schule, richtete er noch eine besondere Uagaiveai^. Am 27. Febr. 1598 legte er seine Stellung nieder und tat das nicht s ohne feierliche Abschiedsredc. Er sprach über das Studium der Eloquenz'') und mengte in noch durchaus nicht philologischer Weise darin Klassisches und Biblisches durcheinander. Sein Freund M. Adam schrieb dazu ein empfehlendes griechisches Epigramm. DieseRede widmete er seinenFraustadterVerwandten, den Scholarchen Bürgermeister ') S. u. S. 412, Aura. 5. 2 ) Syzygia Chrysoridis continens Anagrammata olariss. viroruin in illustO schola et rep. Aurimontana: Nee non Generosorum rjuorundam adolescentium, ibidem humanioribus literis operam navantium . . . Conscripta A Daniele Vechnero Auriraontano. (Am Schl.Lygnicii Typis Sartorianis 1597.) 10 B • 4" [Ex.: Berlin, Staati-B.]. ') Oratio De Eloquentiae Studio Habita In Schola l'raustadiensi, A Daniele Vechnero Aurimontano, Cum Officium Scholasticum Cantoris (q« 041 vocant) Ibi Resignaret, 2. Cal. Martii 1598. Lygnitii Typis N. Sartorii. 4». [B** ! Dresden, Landes-B/). Die Lehrer in Goldberg unter Laubanus. 409 S. (Jortschaius und Schoppen J. Ploenscius und dem Stadtschreiber M. Richter aus Liegnitz, der später (1617) Lehrer in Liegnitz war. Zu gleicher Zeit schickte er zwei seiner Privatschüler, J. H. und G. It. von Wachtel und Herzogswaldau mit einem poetischen „Propemptieoh", das er „Coturnices Aurimontanae emissae a Daniele Vechnero" nannte und vielleicht richtiger „praemissae" genannt hätte, nach Goldberg. 1 ) Zu den zwei Gedichten von ihm gaben die „Wachteln" zwei eigene. Er richtete auch Verse an G. Tsingius und M. Adam solche an ihn. Von Fraustadt begab er sich mit den ihm anvertrauten adligen Schülern G. und Ch. von Reibnitz auf Ocklitz und Fürstenau. J. von Reibnitz auf Wirrwitz und J. und F. von Reibnitz auf Do- bergast nach Liegnitz und dann nach Breslau. Er wurde durch Grunaous über die Neueinrichtung der Goldberger Schule auf dem Laufenden gehalten. Durch seine Herkunft und seine literarischen Arbeiten empfohlen, kam er auch bald für eine Anstellung in Betracht. Am .'$. April 1599 mahnte ihn Grunaeus wiederholt, nicht übereilt seine jetzige Stellung aufzugeben. Er hatte damals die an M. Laubauus gerichtete „Parodia" eingeschickt, die mit den Einführungsreden gedruckt worden ist. In einem andern Briefe (23. April) teilte ihm Grunaeus mit 2 ), daß er seine ehemaligen Schüler, die jungen Herrn von Zedlitz und die Söhne des Rates Joh. Schmid, mit ihrem Privatlehrer Ch. Drachsteclt nach Goldberg gebracht habe. ,,Dic Dinge in Goldberg scheinen gut zu stehen", 'uhi' er fort, ,,zumal wenn du noch hinzukämest und die Zahl der Wiederherstelle!' vermehrtest. Dal;! dies zum Vorteil der Schule U) id zugleich dem deinem geschehe, darum flehe ich aufrichtig." ^- von Zedlitz stand schon mit Vechner in Verhandlungen; nur w aren dessen Forderungen vorläufig noch zu hoch. Die Verhandlungen kamen indes zum Abschluß, und am 20. Sept. wurde Vech- "er eingeführt. Die jungen Reibnitz brachte er nach Goldberg roit, wo sie Laubanus übernahm. Parallel mit Vinzelberg und wohl auch gleichzeitig mit ihm tl '«g er vor der Schule ein „Programma incentivum ob natalem Christi MDC" zur Feier des „Centenarius annus" vor. 3 ) Auch er bat f larin für den Herzog Joachim Friedrich und die Familie Zedlitz. ') Coturnices Aurimontanae, emissae A Daniele V e c h n e r o. Ex ofHcina Sar toriana. 4". *) Grunaeus an Vechner, St. B.-Dr., Rhediger XVIII, N. 252. ') Ad Illustrem Aurimontanaiu Ob Natalem Christi 1600. Programma '"centivuni. Typis Lygüs N. Sartoris. 4°. III) Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. Im Anfang des Jahres 1600 ließ er eine Sammlung von Gedichten erscheinen, die er „Erotica" nannte. 1 ) Man darf aber vor dem herausfordernden Namen nicht erschrecken. Sie entsprechen durchaus den strengen Anschauungen der Zeit und sind deshalb nicht bloß ehrbar, sondern auch leicht von Gewicht. Anzüglich wurde man damals nur in den Epithalamien und dann bisweilen sogar sehr deutlich und derb, ohne da(.i sich auch strenge Sittenrichter daran stießen. Er tat auch bald Buße für diese „Leuitates". Eine schwere Krankheit brachte ihm ernstere Gedanken, und er gelobte jetzt, ein Bündel von Trauerliedern herauszugeben 2 ), die er seinem Freunde Grunaeus widmete. Von bekannteren Männern sind unter den Beklagten der in Fraustadt geborene Theologe und Chronologe L. Krenzheim der Ältere und der Brcslauer Stadtarzt L, Scholz, der Begründer des ersten botanischen Gartens. Daß er nicht ganz umsonst dichtete, bezeugte ihm P. Melissus, indem er ihm am I.Dez. 1600 den poetischen Lorbeer und ihm und seinen Brüdern Georg und Johann ein ritterliches Wappen verlieh. 3 ) Von dieser Ehrung machte er, nachdem die Dokumente in seine Hand gelangt waren, öffentliche Mitteilung. Er trug am 20. März 1601 in festlicher Versammlung der Schule, natürlich poetisch, seine „Laurus poetica" vor 4 ), in der er besonders des Melissus und des ebenfalls von diesem gekrönten Rektors Laubanus gedachte. Auf seine Ode, in der die Bitte um den Kranz enthalten war, hatte Melissus, gewährend, in demselben Versmaß geantwortet, und diese Antwort war voller Courtoisie für Goldberg, ein Loblied auf den „Aureus Mons' 1 , auf Feige, den Rektor, Juristen und Bürgermeister, und auf Vechner, nun „aemulus" des Laubanus. Den Druck widmete der erfreute Vechner dem Gold- berger Rate und betonte, daß er nach dem verstorbenen Dr. G. T»- lenus, der wie auch er ein Schüler der Goldberger Schule gewesen, der zweite gekrönte Goldberger Poet sei. Der Zittauer M. Hausius, sein Verehrer, feierte die Krönung durch ein besonderes Gedicht auf den immer grünenden Ruhm des Dichterlorbeers D. Vechners, ') Erotica Danielis Vech ner i Aurimontani. 1600. Lignicii, typis Sar ' torianis. 2 ) Naeniarum Danielis Vechneri Aurimontani Fasciculus . . • 'W 9 Francofordianis N. Voltzii. 1600. 3 ) Ein Exemplar des Wappenbriefs v. 20. Aug. 1601 ist, im Besitz Breslauer Stadtbibliothek. . , g *) Laurus Poetica In Solemni illustris Aurimontanae Panegyri a Da,,n ^ c Vechnero P. Laur. Decantata. 1601. 13. Cal. April. Gorlicii J. Rhamba e. Die Lehrer in Goldberg unter Laubanus. 4U des Kandidaten der Philosophie und hochgelehrten Mann-Jünglings. Dieser Hausius war 1617 Rektor der Schule in Lauban. Als „Poeta laureatus Melisseus" bezeichnete er sich in einer Sammlung von Elegidien,- die er am 1. Nov. 1601 dem Fraustadter Rat als Dank für die ihm erwiesenen Wohltaten übersandte. 1 ) Unter den Hochzoitsgedichten ist eins auf die Verheiratung des Professors der „Ulustris Aurimontana" D. Namsler, unter den Trauergedichten solche auf den Liegnitzer Rektor Mag. P. Klose (f 1597), auf Valerian Herberger, das Söhnchen des Fraustadter Pastors Valerius Herberger, und eine Klage auf den Tod von Justina Bart, der Witwe des Stadtschreibers Mag. M. Thaburnus (f 1601). Dann folgen Anagrammatismen auf die gekrönten Dichter J. Timaeus, jetzt Konrektor der Zittauer Schule, Mag. A. Calagius und Mag. B. Exner, auf Mag. J. Buchwälder, den Goldberger Pastor, J. Feige und endlich Gedichte an Ch. Kifer, der von Goldberg auf die Universität Frankfurt geht, und ebenso an den die Schule zum Universitätsstudium verlassenden J. von Berg auf Herrndorf, an den Bürgermeister Mag. Z. Bart und an die gekrönten Dichter Mag. 8. Grunaeus, Mag. C. Cunradus, M. Adam usw. Wie es sich für einen Lehrer in geordneten Verhältnissen ziemte, gründete sich Vechner am 9. März 1604 einen Hausstand, indem er Anna, die Tochter des Liegnitzer Bürgers und Schoppen K. Lincke, heiratete. 2 ) Viele Freunde taten sich zusammen, um zu der Hochzeit würdige poetische „Arae Honorariae" zu stiften. Er selbst richtete ein Gedicht an sich „ävayQawanoftek". Grunaeus führte die Freunde an, ihm folgten Mag. D. Namsler, der Diakonus, Mag. K. Cunrad, Mag. T. Aleutner aus Leobschütz, der einstige Goldberger Schüler, J. Timaeus, A. Toxites, Mag. J. Schön aus Görlitz, der Goldberger Professor, W. Theodorus, zur Zeit Prediger in Woitzdorf, A. Liebig, Lehrer der Aurimontana, V. Ludwig, G. Frobenius, Pädagoge in Goldberg, und Ch. Kifer. Besondere V ota sandten noch außerdem der jetzige Fraustadter Diakonus J- Timaeus und der Lehrer an der Schule in Polnisch Lissa &• Moller. ') Danielis Veehnori Auriraontani P. Laur. Melissei Elegidia. Franco- furti eis Viadrum Typis N.Voltzii. *) V. Cl. M. Danieli Vecbnero P. L. Illuatr. Aurimont. Professori: et Vir- «ini Annae Dn. C. Linckii Filiac ... Ad 7. Id. Mart. 1604 fei. jugand sacra Amic. Vota. Lignicii typis Sartorianis. 4«. M. Daniehs Veohuen.. .et Annae Unckiae . . . Nnpt. Ab Amicis Pos. Arae Honorariae. Ad VII. Id. Mart. !604. Lignicii Typis N. Sartorii. 4". 412 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. Er selbst ließ noch 1604 zu Weihnachten ein „Solemne Epos' auf das Christfest erscheinen 1 ), das er öffentlich vor den Schülern rezitierte und als Angebinde zum neuen Jahre den jungen Edel- leuten S. von Schkopp auf Heinzendorf und Ch. von Schkopp auf Gläsersdorf dedizierte. Einem Poeten steht es gut an, etwas lebhaft zu empfinden. D. Vechner galt wie sein Bruder für ziemlich hitzig und selbst sogar als empfindlich. Daher mußte es zu Reibungen kommen, sobald ein unruhiger und rücksichtsloser Mensch dazu kam. Und das war Mag. .1. Vinzclberg. Das Gerücht über ihn, das Grunaeus schon im August 1600 vernommen, war nicht grundlos gewesen. Im Dezember waren dann Vinzelbcrg und D. Vechner schon heftig aneinander geraten. Grunaeus ließ Vinzclberg durch Laubanus zum Frieden mahnen: der Hauptmann stünde auf Vechners Seite. 2 ) Beide möchten Ruhe halten: „Sie werdens ihnen sonst nicht besser machen." Für einen Augenblick mag die Warnung gefruchtet haben: denn am 8. Jan. 1601 wurde Vinzclberg in die durch deii Abgang A. Hentschels freigewordene Stelle befördert. 3 ) Dann nahm der Unfriede an der Schule seinen Fortgang. Im August 1601 wurde wegen der „furiae" Vinzelbergs, über die der Hauptmann W. von Zedlitz schwere Klage führte, der herzogliche Rat Anton Schulz nach Goldberg geschickt, um mit Laubanus zusammen und den andern in privater Verhandlung die Sache zu ordnen. Vinzelberg war jedoch nicht zur Ruhe zu bringen; er wurde deshalb nach vieler Verwirrung und Aufstand, wie G. Vechner sagt 4 ), von der Schule schändlich und schimpflich entlassen. Er kam aber bald wieder unter. Als .1. Timaeus 1602 die Stelle des Konrektors in Zittau aufgab und Diakonus in seiner Vaterstadt wurde, erhielt er Vinzelberg zum Nachfolger. Aber auch dort wurde dieser nicht sotihaft, sondern ging schon zu Michaelis desselben Jahres wieder ab. Bei einem an seinen Vorgänger Timaeus gerichteten Gedicht nennt er sich „Poeta caesareus". 5 ) Nach Cunradus") soll er später Doktor der Medizin geworden sein. Eine ») Christi Immanuels Natali 1604. Solemne Epos: In 111. Aurimontann I'. I". A M. Daniele Vechnero P. Lignicii Typis N. Sartom. 4°. s ) Grunaeus an Laubanus, 29. Aug. 1600, Prid. Natal. 1600, St. B.-Br-, RhedigerXJX, N. 171,209. 3 ) Nach St. B.-Br., Wenzel. ') Ebenda. ( , . •) Bei Ante Omnia Jesus. Anagramma Joannis Timaei. Sil. P« k. ^P grammatis Virorum Et Poetarum Bonorum Celebratum. Lignicii typi» Sar ' torianis 1603. Vgl. o. S. 408. ') Cunradus S. 321. Die Lehrer in Goldberg unter Laubanus. 4 | ;> Spur von der Fortsetzung seiner Studien haben wir an der Wittenberger „Disputatio de natura et fuudamentis Aristotelicae logicae' : vom 10. April 1602, bei der er als Praeses und K. Bertram aus Helmstedt als Respondent fungierte. 1 ) Wir erwähnten, daß auch Mag. A. Hentschel seine Entlassung genommen habe. Zwischen ihm und Grunaeus war scheinbar der Friede wiederhergestellt; aber weder Laubanus noch Grunaeus trauten ihm, dem Schüler des A. Hunnius. Als er im September 1599 ein Museum in der Schule begehrte und Grunaeus seinen Brief dem .Hauptmann vorlegte, wurde ihm seine Bitte abgeschlagen 2 ), weil der Herzog in Hoffnung auf eine Zunahme der Schule die für Schülerwohnungen freien Räume nicht besetzen lassen wolle. Auch über die Wohnung Mimers sollte für diesen Zweck verfügt werden, um mehr Auswärtige innerhalb der Schule unterzubringen. Auf seine öfter geäußerten Wünsche wegen Erhöhung seines Gehalts antwortete ihm Grunaeus im September 1600 ebenfalls ablehnend. 3 ) Er meinte, es wäre billig, daß den Lehrern an dem Gymnasium illustre unter den obwaltenden Schwierigkeiten der Zeit anständigere Gehälter zugewiesen würden, weil besonders bei denen, die Familienväter seien, das geringfügige Fiinkommen nur für die notwendigsten Familienbedürfnisse ausreiche. . Aber da kaum zu erwarten sei, daß in dieser Hinsiebt etwas durchgesetzt werden könnte, und er doch für ihn sorgen möchte, habe er sich entschlossen, ihm den Vorschlag zu machen, °b es ihm nicht besser scheine, aus dem Schulstaub in einen Kirchendienst überzugehen, woran er schon früher gedacht haben solle. Wenn ihm dies gelegen wäre, würde es wohl einzurichten sein, daß er mit leichter Mühe eine zu Michaelis freiwerdende Stelle in der Liegnitzor Diözese selbst, unter der Jurisdiktion des Herzogs erlangte. Diese wäre in dem Dorfc Gränwitz und hätte ziemliche Einkünfte, so daß ein guter Mann sich und die Seinen damit anständig ernähren könnte. Das wäre vielleicht eine Stufe, über Welche man seinerzeit leichteren Zugang zu einem reicheren () rte finden könnte. Er bat ihn zum Schluß um Antwort innerhalb von zwei Tagen. Gleichzeitig meldete Grunaeus dem Laukanus, er habe nach dem Rat und der Meinung des Hauptmanns ') Disputatio De Natura Et Fuudamentis Aristoteleae Logicae Publice Proposita In alma Witeberg. Acad. Praeside M. Joanne Vincelbergio . . . fte sp. Conrado Bcrtramo . . . 10. April. . . Witebergae Typis Cratonis 1602. 4". 2 ) Grunaeus an A. Hentschel, 27. Sept. 1599, St. B.-Br., Rhediger XIX, N. 35. 1 ) Grunaeus an A. Hentschel, 25. Sept. 1600, ebenda XIX, N. 177. \\4 Erfolglose Versuche zur Neubelelmng der Schule. an Hentschel geschrieben 1 ), ihm die bekannte Stellung mit Empfehlung angeboten und dringend um eine Antwort innerhalb von zwei Tagen gebeten. Er erwarte, was jener tun werde; mindestens wäre seine Aufmerksamkeit darauf gelenkt worden. Man könnte aber fürchten, daß er jetzt auch an das freiwerdende Pastorat in Goldberg denken und bei dem Rektor Feige dafür Unterstützung finden möchte. Dieser arbeite jedoch für seinen Bruder, und so würde das Anerbieten bei jenen Verwunderung und Beunruhigung bereiten. Dies schreibe er nur, damit Laubanus «insehe, daß er begehre, den Vorteilen der Schule und seiner Erwartung nicht zu fehlen. Hentschel ergriff die dargebotene Hand wirklich, erhielt am 28. Nov. die Vokation von Herzog Joachim Friedrich, wurde am fl. Dez. Dach einem Examen durch den Superintendenten A. Baudis. M. Geske, den Pastor zu St. Marien, und den Archidiakonus S. Gru- naeus in Liegnitz ordiniert und trat darauf sein Amt an. Nur vier Jahre blieb er Landpastor, dann konnte er wirklicli von dieser Sprosse höher steigen: am 22. Nov. 1(504 wurde er von dem Rat als Pastor nach Jauer berufen und versah dort zugleich das Amt des Schulinspektors. Hatte seine Muse schon in den letzten Jahren in Goldberg geschwiegen, in seinen Pfarreien kam sie auch nicht mehr zu rechtem Leben. Erst als am 22. Febr. 1621 der Studiosus der Künste und der Philosophie M. Pfeiffer aus Jauer Rosina, die Tochter des jauerschen Bürgers G. Kolbnitz, heiratete, da erschien er unter" den dichtenden Freunden. 2 ) Als in demselben Jahre seine Tochter Elisabeth mit dem Kanzler der Hauptmannschaft der Fürstentümer Schwcidnitz und Jauer, M. Pezold, die Ehe eingingi ließ er sich von D. Vechner als Hochzeitsvater feiern. 3 ) Seine literarische Ilaupttätigkeit wandte er, wie es für einen Pastor nahelag, auf Predigten. Er ließ von diesen z. B. 1618 die Leichenpredigt auf Eva Prentzlow, die Gattin des kaiserlichen Amtssekretärs M. Pezold und als solche Vorgängerin seiner Tochter Elisabeth, unter dem Titel „Der Auserwählten Gottes Zustand hier und dort" drucken. 4 ) Eine andere Kasualrede, die er arn 26. Nov. 1621 zur Feier der Huldigung der Erbfürstentümer Schweidnitz und Jauer in die Hand des Kurfürsten Johann Georg von Sachsen als kaiserlichen Kommissars hielt und „Arcula Pacis, ') Grunaeus an Laubanus, 25. Sept. 1G00, St. B.-Br., Rhediger XIX, N. 178- 2 ) Vgl. w. u. S. 486. ») Vgl. w. u. S. 487. *) Ohne Ort und Jahr (1618). 4". Die Lehrer in Goldberg unter Laubanus. 415 Priedes Lädlin" 1 ), nannte, weil damit die Polgen der Episode des böhmischen Abenteuers Friedrichs V. von der Pfalz abschlössen, sollte ihm später als bittere Täuschung klarwerden; denn er wurde ein Opfer der Gegenreformation in dem weiter tobenden großen deutschen Kriege. Im J. 1628 schrieb er noch in Jauer sein uns schon bekanntes ,,Curriculum vitae"; er fühlte sich als Greis. Er rühmte sich darin, daß ihn Dr. A. Wenzel zum theologischen Doktorat und zur Professur nach Prankfurt eingeladen und daß er auch an mehrere Kirchen innerhalb und außerhalb der Fürstentümer Schweidnitz und Jauer berufen worden sei, doch stets abgelehnt habe. Grunaeus. der sich längst mit ihm ausgesöhnt hatte, G. Baudis, der Kanzler des Hauptmanns der genannten Fürstentümer, und Mag. Ch. Wagner aus Suhl, der Rektor der Schule in Jauer. steuerten Verse zu der Selbstbiographie bei. Wagner besang auch des Pastors Söhne Joachim und Friedrich. Das Jahr 1620 sah Tlenrschel bereits als Exulanten in Lieg- nitz; er hatte am 25. Jan. aus Jauer weichen müssen. Als am 21. Mai 1628 der Superintendent Grunaeus aus dem Leben geschieden war, hatte er ihm mit andern Freunden „Arac exse- luialcs'" geschrieben. In nicht zu langer Zeit sollte er ihm folgen: am 18. Sept. 1629 wurde auch er abgefordert und fand bei St. Peter und Paul seine letzte Ruhestätte. In Goldberg war am 8. Jan. 1601, wie wir gehört, Vinzelberg U> seine Stelle eingerückt. Für seinen Platz war schon, als Hent- schel noch da war, von dem Hauptmann W. von Zedlitz der ehemalige Lehrer seines Sohnes Ch. M. Adam aus Grottkau in Aussicht genommen worden. Dieser hatte sich zum Winter 1598 auf d ie reformierte Universität Heidelberg begeben und war am 31. Jan. 1600 Magister geworden, studierte aber dann Theologie heiter. Im August 1600 schrieb Laubanus an Adam auf Wunsch de s Hauptmanns und bot ihm die freie Stelle an. 2 ) Ein mitgeschickter Brief des Grunaeus aber ersuchte seinen Freund Adam, s i°h die Sache reiflich zu überlegen. Was er damit meinte, sagte der- Nachsatz: „Ich wünsche der Schola illustris alles Gute und dir nicht weniger." Adam verstand, und Grunaeus konnte ihm versichern, daß es ihn besonders gefreut habe, daß er die Annahme der Goldberger Stelle zurückgewiesen oder wenigstens auf eine ') Leipzig, ohne Jahr (1621). 4°. s ) Grunaeus an M. Adam, 22. Aug. 1600, St. B.-Br., Rhediger XIX, N. 166. 416 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. andere Zeit verschoben hätte 1 ), da sie noch nicht so viel wert sei, daß es sich lohnte, deshalb vom Laufe des akademischen Studiums abzustehen. Adam schickte an seiner Statt D. Namsler aus Bunzlau, den er Grunaeus als einen Mann von feinem Urteil und feiner Bildung empfahl. 2 ) Dieser traf schon im November 1600 ein und bekam am 8. Jan. 1601 Vinzelbergs Stelle und gleiche Arbeit und gleiches Gehalt wie dieser. Namsler war schon im "Wintersemester 1591 in Frankfurt unter die akademischen Bürger aufgenommen worden, hatte aber doch erst im Oktober 1598 in Heidelberg ernstere Studien angefangen und war am 15. Jan. 1599 in die Matrikel der theologischen Fakultät als Studiosus eingetragen worden. 'Das philosophische Ma- gisterium holte er 1602 in Frankfurt nach, als er der Schule nicht mehr angehörte. Nach der Entfernung Vinzelbergs erhielt er, schon am 3. Nov., die erste Stelle, doch auch wieder nur für kurze Zeit; denn bereits am 25. Febr. 1602 wurde er für* Ostern als Diakonus angenommen 3 ), mußte sich jedoch verpflichten, zunächst in der Kirche und in der Schule zu gleicher Zeit zu lehren. Er tat dies bis zum Quartal Trinitatis. Mit dem nominellen Haupte der Schule, dem Bürgermeister-Rektor Feige, trat er 1601 in nahe Verwandtschaft, indem er dessen Tochter Elisabeth heiratete. Laubanus widmete ihm dazu ein Gedicht. Das Diakonat verwaltete er bis zum Abzug des Pastors Buchwälder 1612 und wurde nun selbst Pastor und Dekan. Am 8. Nov. 1613 aber schon raffte ihn und zwei Kinder die pestartige Seuche dahin, die auch für die Schule so unheilvoll werden sollte. Als selbständiges gedrucktes Werk hinterließ er nur sein „Wasserbuch, Historie von der Ergießung der Katzbach", die Schilderung der großen Verheerungen, die der furchtbare Wolkenbruch von 1608 anrichtete 4 ). Ein poetisches Denkmal von ihm findet man bei den „Carmina nuptialia" für D. Vechner 1604 und anderswo. Auf den durch das Aufsteigen Namslers zum ersten Professor am 3. Nov. 1601 in der Schule freigewordenen Platz rückte D. Vechner. In Vechnors ursprüngliche Stelle als Professor der Eloquenz kam am 14. März 1602 als Nachfolger A. Liebig » u8 Sprottau. ') Grunaeus an M. Adam, 29. Nov. 1600, St.B.-Br., Rhediger XIX, N. 19 6 - J ) Grunaeus an M. Adam, 29. Nov. 1600, etc.; Grunaeus an Laubanus, Prid. Elisabethae 1600, ebenda XIX, N. 192. ■) St. B.-Br., Wenzel. 4 ) Für die alten Skribenten auch eine trübe Quelle für alte Nachrichten. Die Lehrer in Goldberg unter Laubanus. _i | 7 Auch dieser war ein Zögling der Heidelberger Universität und reformierten Bekenntnisses, Nach Cunradus 1 ) war er am 20. Sept. 1578 geboren. Als Student in Heidelberg ist er am 21. Jan. 1598 gebucht, er war Inhaber eines Bergischen Stipendiums. Schon vor seiner offiziellen Immatrikulation war er als Scholar bei der theologischen Fakultät eingetreten, und am 26. März 1601 ging er von Heidelberg wieder fort. Solange Laubanus Prorektor in Goldberg war, hört man von Liebig nur, daß er 1602 den Tod des kleinen E. Laubanus besang und daß er 1604 zum Osterfest eine religiöse. Vergil nachgebildete Dichtung „Oeconomia humanae salutis" vor der Schule vortrug 2 ) und dem Drucke übergab. Schon am 2. März 1604 war von seinem Aufsteigen 3 ) in die erste Stelle als Ersatz für den Mag. J. Schön die Eede. Ihn sollte der bisherige Pädagoge Gh Froben aus Schönau ersetzen, der aber Hentschels Nachfolger in Gränwitz wurde. G. Froben war im Wintersemester 1599 in Frankfurt Student geworden und hatte dort zum Neujahr 1600 seinen Gönnern, Verwandten und Freunden, darunter Grunaeus, eine „Anagrammatopoeia" gewidmet.*) In Goldberg weihte er zu dem Neujahr 1602 den herzoglichen Käten W. von Zedlitz, W. von Krcischelwitz, J. von Schweinoch, G. Thilo und Anton Schultz eine „Elegia votiva". 5 ) Als er am 24. Jan. 1605 die Tochter S. Kulhases und Enkelin Z. Barts Esther heiraten wollte, starb ihm die Braut am 23. Jan. Laubanus hatte ihm ein ,.Ep\- thalamium" zugedacht. Sehr wenig kann von dem Manne, der am 30. Mai 1602 Namsler als ersten Professor ersetzte, von dem Magister J. Schön aus Görlitz, der am 14. Okt. 1596 als Lehrer in Görlitz eingetreten 6 ) .und auch Lehrer in Sprottau gewesen war, berichtet werden. In Wittenberg ist er schon am 17. Okt. 1591 inskribiert und erst im Wintersemester 1601 in Frankfurt. Dieser zweiten Immatrikulation ') Cunradus S. 172. 2 ) Oeconomia Humanae Per Christum Salutis . . . 111. Aurimontanae Feriis I'aschalibus 1604. Adumbrata Versu Adami Liebigii ... Lignicii Typis N. Sartorii. 4°. ") Grunaeus an G. Froben, St. B.-Br., Rhediger XX, XI, N. 44, und XX, XI, N - 50, 1. April 1004. *) Anagrammatopoeia Mecaenatibus (!) Observandis, Cognatis Colendis Et Amicis Honorandis Consecrata ... per Georgium Frobenium ... Franco- f «rti March. Typis Voltzianis 1600. 4°. '"') Elegia Votiva Pro Felici Auspicio Anni Cbristiani 1602. Scripta a Georgio Froben io ... Lignicii Typis N. Sartorii. 4°. °) Schutt 8. 51. Monumenta Oermanino PaedafOgicu I.V11 *' 418 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. unterwarf er sich wohl nur, um das Magisterium zu erwerben. Nach der Promotion 1602 kam er nach Goldberg. Er hat außer dem schon erwähnten Gedicht zur Hochzeit D. Vechners 1604 keine Spuren in Goldberg zurückgelassen 1 ) und ist recht bald wieder nach Görlitz gegangen, wo er am 10. Juni 1605 starb, erst 33 Jahre alt, nach einer Ehe von nur 31 Wochen. Seine Frau Dorothea Frentzel gebar nach seinem Tode eine Tochter. Liebig ist sein Nachfolger geworden und hat sich als Professor des Griechischen in Goldberg verheiratet. Laubanus gratulierte ihm poetisch dazu. 8. Feiges neue Tätigkeit für die Schule, ihr bedenklicher Rückgang. Der Übergang des Laubanus nach Danzig machte es nötig, daß Feige sich der Schule wieder mehr annahm. Er zog deshalb in die Schule. Der Mitwelt und der Nachwelt zeigte er sich in seinem Doppelbcruf als Rektor der herzoglichen Schule und Bürgermeister der Stadt durch eine papierne Tafel der Erinnerung 2 ) an die große Überschwemmung der Katzbach vom 2. Juni 1608, die 126 Menschen das Leben kostete. So haben Namsler, D. Vechner und Feige für die Verewigung der Katastrophe gesorgt. Seine ganze Schule (nur der Kantor Vechner und der Katechet Wenzel fehlen) und die Goldborger Geistlichkeit dazu führte er mit poetischen Gratulationen seinem Landesherrn Herzog Johann Christian vor, als dieser 1609, von seinen Studien und Wanderungen zurückkehrend,- nach Liegnitz kam. 3 ) Er selbst, der Consulo-Rector Patriae, eröffnete den Reigen; dann kamen der Pastor Mag. ,1. Buchwälder, der Diakonus Mag. D. Namsler, Mag. D. Vechner Aurimon- tanus, „humaniorum litcrarum Professor", mit einem „Epos A-d- ventarium" von 4^2 Seiten, das Hauptstück der Festgabe, und sogar Martinus Feigius Silesius, „Illustris Gymnasii Collega", nri* seinem einzigen literarischen Erzeugnis, — wenn er es nur selber verfaßt und nicht mit einem fremden Kalbe gepflügt hat. Auch die beiden ersten Lehrer Liebig und D. Vechner gaben sich redlich Mühe, durch literarische Arbeiten den Ruf der Schule ') Grunaeus an G. Proben, Fostridie Cal. Mart. 1604, St. B.-Br., Rhedig« r XX, XI, N. 44. -/ Abgeschrieben bei St. B.-Br., Wenzel. *) lllustriss. Principi Johanni Christiano Duci Silesiae Lignic. et Bregens'' Rector. st.udior. & laudab. peregrationis cursu Duee Deo Feliciter absolu » Silesiam reditu . . . submisse gratulatur Anrimnnt.ium. Liguieii Typ 1 N. Sartorii. 4". Feiges neue Tätigkeit für die Schule, ihr bedenklicher Rückgang. 419 und den Unterricht nach innen und außen würdig zu vertreten und so die gerissene Lücke nicht bloß zu verdecken, sondern auszufüllen. Sie hielten das Schicksal der Schule aber nur etwas weiter hin. Liebig übersandte im Oktober 1605 Grunaeus, der ihn seinen Verwandten („affinis") nannte, eine Analysis des Plutarch zugeschriebenen Buches „De puerorum educatione", die er in Form einer Tafel gedruckt haben wollte. Grunaeus hielt die fleißige Arbeit für die Jugend für nützlich und des Druckes wert, riet ihm aber, sie lieber in Quaternionen zu zerteilen und so erscheinen zu lassen. Im J. 1606 kam sie, in der vorgeschlagenen Weise umgeändert *), seinen Schülern J. E. von Nostitz auf Desa, S. von Schwartz auf Schlohn und Fürstenau und E. von Dyhr auf Herzogswalde gewidmet, heraus. Sie gibt nur das Skelett der Disposition, aber bis in die kleinsten Teile hinein. Schon im Juni 1606 wurde Liebig von dem Freiherrn G. von Schönaich das Rektorat des 1600 von ihm gegründeten Paedagium illustre in Beuthen a. O. unter annehmbaren Bedingungen angetragen. Grunaeus teilte dies Laubanus mit 2 ), und da dieser gehört hatte, daß die Goldberger Schule jetzt blühe und zunehme, fragte er ihn, von wem er das gehört hätte: doch wohl von irgendeinem in diesen Gegenden fremden und aller Dinge unkundigen Gaste. „Meine Kundschaft lautet viel anders", fuhr er fort, „vix ossibus baeret. Nosti illud bueolicum, quod huc mihi quadrarc nimis vere videtur." Daher war wohl kein Zweifel, daß Liebig das Rektorat in Beuthen annehmen würde. Am 6. Juli unterbreitete Grunaeus dem Hauptmann W. von Zedlitz Liebigs Entlassungsgcsuch, nachdem er ihn am Tage vorher bei gemeinsamem Mahle schon darauf vorbereitet hatte. Der Hauptmann sah zwar ein, daß man ihn gegen seinen Willen in Goldberg nicht werde halten können, war jedoch unter den Zeitverhältnissen und °ei dem Stande der Dingo über den Weggang sehr ungehalten u nd beauftragte Grunaeus, Liebig zu antworten, es stehe nicht in seiner Macht, ihm die Entlassung ohne Wissen des Herzogs Karl IL von Münsterbenr-Öls zu erteilen. Er werde daher die Sache dem dursten berichten und ihm nach dessen Willensmeinung antworten. Inzwischen jedoch, was er auch in bezug auf die Entlassung er- ') Lieb ig, A., Delineatio Analytica Libelli Plutarchiani, ntQi nal&ior a y<°Y>is, sive De Puerorum educatione . . . Lignicii typis Sartorianis. 1606. 4". t E *.: Breslau, TJ.-B.J ') Grunaeus an Laubanus, 12. Juni 1606, St.B.-Br., RhedigerXX, N. 243. 27* •120 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. roichen werde, müsse jener in seiner gegenwärtigen Stellung verbleiben und dürfe sie nicht vor der richtigen Frist verlassen. 1 ) Daß dieses alles ernst zu nehmen sei, sei, betonte Grunaeus, seine Pflicht ihm mitzuteilen. Daher gab er auch Liebig den Rat, nach der Sachlage seine Entschlüsse einzurichten und Vorkehrungen zu treffen. Die Dinge ließen sich indessen doch besser an, als Grunaeus befürchtet hatte; gegen Michaelis konnte Liebig seinen Umzug nach Beuthen vornehmen. Vorher wendete er sich durch Grunaeus nochmals an Zedlitz und bat um ein Zeugnis und das Honorar für die außerordentlichen Arbeiten, die er neben seinen pflichtmäßigen geleistet hätte. Zedlitz antwortete gütig, wies seinen Sekretär D. Thalwenzcl an, das Zeugnis abzufassen, und wollte es in Ols dem Herzog Karl zur Unterschrift und Besiegolung vorlegen. Tn betreff des Honorars wollte er Liebigs Bitte dem Fürsten vorlegen, der endgiltig darüber zu entscheiden habe. 2 ) In der Woche nach dem 17. Sept. verließ Liebig Goldbcrg, und Grunaeus machte jetzt (Oktober 1012) gegen Laubanus, der sich nach der Schule erkundigt hatte 3 ), die Bemerkung: „Die Goldberger Schule ist kaum noch der Schatten einer Schule. Liebig ist nach Beuthen gegangen. Dim wird unterdes Martin Feige, den du kennst, substituiert werden oder ist ihm vielleicht schon substituiert worden. Denn dieses Geschäft hat der Hauptmann dem Rektor übergeben. Erwäge meiner Treu das Bild der Lehrenden und mache dir daraus eine Vorstellung von der Lage der Lernenden. Man kann es nur leider itziger Zeit nicht bessern." Da der Herzog Karl TT. sich lange in Sternberg in Mähren aufhielt, hatte Liebig sein Zeugnis noch im Mai 1607 nicht und wurde bis Pfingsten vertröstet. 4 ) Mit dem Honorar hatte es auch noch gute Wege, oder Liebig konnte es vielmehr "in den Bauch schreiben. Das Rektorat am Pädagogium hatte er vermutlich bis z UB1 J. 1018 inne. Während dieser Zeit erwarb er das Magisterium, doch erst nach 1614. Im Januar 1614 vollendete er eine umfangreiche Publikation, die Gesetze und die jährlichen Arbeiten Aet „Illustris Schola Schoenaichiana". 3 ) Sie war auf Befehl Georgs ') Grunaeus an Liebig, 0. Juli 1606, St. B.-Br., Rhcdiger XX, N. 244. "-) Grunaeus an Liebig, 17. Sept. 1(100, ebenda XX, N. 263. ') Grunaeus an Liebig, 12. Okt. 1006, ebenda XX, N. 266. \) Grunaeus an Liebig, 12. Mai 1007, ebenda XX, N. 288. ") Lieb ig, A., Leguni et Annuarum Operarum Illustris Scholae öc Feiges neue Tätigkeit für die Schule, ihr bedenklicher Rückgang. 42 1 von Schönaich geschrieben, wurde auf sein Geheiß gedruckt und ist ihm daher auch gewidmet. Vorher, 1612, hatte Liebig mit seinem Konrektor Mag. D. Scandellus und vielen andern Gr. It. von Zedlitz gelegentlich seiner Beförderung zum Hauptmann des Herzogtums Glogau poetisch gratuliert. 1 ) Am 15. Aug. IG18 wurde Liebig in Liognitz als Pastor der Bouthener Kirche ordiniert. Nun übernahm er an dem 1616 dem Pädagogium aufgesetzten Gymnasium illustre die Professur für reformierte Theologie; nach Cunradus 2 ) ist er gleichzeitig Inspektor des Gymnasiums gewesen. Das Rektorat des Gymnasiums hat zeitweise gewechselt. Als sich der Professor morum J. Melideus am 29. Nov. 1627 zum zweiten Male verheiratete 3 ), da erschien unter den vielen poetisch Glückwünschenden auch „M. Adamus Liobigius gymnasii Schoenaichiani ss. theologiae Professor et pastor Bethanicnsis, p. t. Rector", während 1626 „David Veehnerus p. t. Rector" die „literatos gymnasii ciues" zum Begräbnis des während der Geburt gestorbenen Söhnchens des Pastors und Professors Liebig einlud. 4 ) Die Stürme des Dreißigjährigen Krieges machten etwa 1629 dem Bouthener Gymnasium ein Ende, und Liebig starb 1637 in Haynau. Um Ersatz für Laubanus und Liebig zu suchen, schrieb Grunaeus im Auftrag von Zedlitz' bereits am 11. Juli 1606 an den kaiserlichen Rat K. Franck, der seine Söhne dem Rektor in Neumarkt übergeben hatte, und erkundigte sich eingehend nach diesem.'' 5 ) Wir kennen diesen Rektor nicht. Der von Grunaeus so geringwertig eingeschätzte Professor der Eloquenz M. Feige war kein Goldberger, sondern in Schweid- nitz geboren. Er hatte seine akademischen Studien in Frank- »iohianae, Quae est Bethanifle ad Viadrum, Nova Receusio . . . Lignicii Ty- Pia N. Sartorii. 1G14. 28 Bh 4° [Ex.: Berlin, Staats-B.]. ') Prosphonematum Libellus: Quibus . . . Domino Georgio-Rudolpho a Zedlitz. . . . Sac. Caesar . . . Majest. Consiliario; Supremae in Ducatu Glogo- T »ensi Praefecturae Collationem, Solenniss. Caes. Regiaeque Nomine M. Maji. D - XI. 1612. Factam .. . Gratulabantur Amici & Clientes. Glogoviae, Literis "unecianis. 4 °. 2 ) Cunradus S. 172. •) S. u. S. 483. *) Reverendus ... Dn. M. Adamus Liebigius, Pastor Ecclesiae Bethaniensie, & in 111. Gymn. Theol. Prof. dignis. a. d. III. Eid. Jan. 1626 exequia> PWat filiolo ... Ad eas honestandas, literatos Gymnasij cives amice invitat David Veehnerus p. t. R. O.O. u. J. 4°. s ) Grunaeus an Kaspar Franck. 11. Juli 1606, St. B.-Br, Rhediger XX. Xl ", N. 45. 422 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. furt a. 0. gemacht, wo er im Wintersemester 1598 in die Matrikel aufgenommen wurde. Als er am 3. Nov. 1609 Eva, die nachgelassene Tochter des Finanzgenies und ehemaligen Vogtes S. Kul- hase und Enkelin dos Mag. Z. Bart heimführte 1 ), dachten auch Frankfurter Freunde seiner mit Epithalamien, so der Doktor heider Rechte und Professor M. Polenius, Mag. Ch. Th. Schosserus a Friedhelm, „Marchicus, ciuis Romanus, reipublicae Regiomontanae phy- sicus designatus", S. Schwartzbach aus Liegnitz und seine Schüler F. von Manschwitz, Erbherr in Armeruh, B.von Festenberg-Packisch, Erbherr in Lensersdorf, S. Namsler, V. Preibisch und J. Seiler, diese letzten drei aus Bunzlau. Wir schließen sogleich noch die Dii minorum gentium der Schule an. Außer dem Kantor G. Vechner und dem Katecheten Ch. Wenzel ist dann noch M. Weismann aus Goldberg zn nennen, der schon hochbejahrt und noch ein Schüler Trozendorfs gewesen sein muß, denn er ist doch wohl der im Sommersemestcr 1545 in Frankfurt und am 15. Okt. 1550 in Wittenberg Intitulierte. Er starb auch schon im J. 1607 und wurde durch Ch. Hentschel aus Jauer ersetzt, der am 10. April 1614 in Liegnitz die Ordination als Pastor zu Merzdorf im Bunzlauer Weichbild empfing. Ein akademisches Studium ist bei ihm nicht nachzuweisen, wenn er nicht etwa im Wintersemester 1572 in Frankfurt als „Christophorus Heintzschel Soraviensis" oder am 22. Mai 1588 in Wittenberg als „Christophorus Heintschelius Boleslaviensis" eingeschrieben ist. D. Vechner, auf den wir nun endlich zurückkommen, schwang sich 1605 zu einer Vorarbeit für sein lebenskräftigstes Werk, die „Hellenolexia", auf. Er gab einen „Prodromus" 2 ) für die griechischen Idiotismen in der lateinischen Sprache zum Druck, eine sehr fleißige Arbeit, die 1606 in die Öffentlichkeit hinausging. Als Männer, die sie zu würdigen verstanden, suchte er den Breslauer gelehrten Arzt und Patrizier D. Rindfleisch oder Bucretius und den Dr. phil. et med. und gekrönten Dichter C. Cunradus für die Dedi- kation aus. Am 14. Nov. 1605 folgte die Herzogin Anna Maria ihrem Gemahl Joachim Friedrich in die Ewigkeit. Vechner hielt ihr am ') Evytjfiüu yafuxai In honorem Nuptiarum .. . Dn. Martini Feig» «"' quentiae In 111. Gymn. Aurimont. Prof. Quas Ad d. 3. Novembr. 16'09 cele- braturus est Cum . . . Virgine Eva ... Dn. S. Kulhasii . . . relicta filia Scriptae Ab Amicis. Francofurti Typis Voltzianis. 4°. ») Vechner, D., Idiotismorum Graecorum in Latina lingua Prodromus ■ • ■ Lignicii Typis N. Sartorii. 160G. Feiges neue Tätigkeit für die Schule, ihr bedenklicher Rückgang. 423 Beisetzungstag in der „Ducalis Aurimontana" die „Laudatio exe- quialis", die er 1606 drucken ließ 1 ) und dem Herzog Georg Rudolf und seiner Gemahlin Sophia Elisabeth von Anhalt, dem Sohne und der Nichte der Abgeschiedenen, widmete. In der Rede wird besonders das Haus Anhalt erhoben. Zu Weihnachten 1605 trug er, nun „Professor Oratoriae et Woesoos" als Nachfolger Schöns, vor der Schule zur Festfeier eine heroische Dichtung vor, ein „Epos paregoricum" nach der Weissagung des Propheten Jesaias VII, 14, das er seinen Schülern, den Vettern S. und N. von Zedlitz auf Wilkau, verehrte. 2 ) Aus dem J. 1607 liegt die Praefatio oder, wie man aucb sagte, die „Praelectio" zu den „Menaechmi" des Plautus vor 3 ), mit der er am 15. Juni in öffentlichem Vortrag seine Vorlesungen über den Komiker einleitete. Es war zu dieser Zeit in Goldberg Sitte, dal.» diese Vorlesungen im Sommer und meist in außerordentlichen Stunden gehalten wurden. Er gibt in Übereinstimmung mit Me- lanchthon und andern als Zweck oder Frucht derselben an, daß durch den vertrauten Umgang mit dem Dichter ein reiner Stil und echte lateinische Eloquenz gewonnen werden solle. Mit der Widmung erfreute er die Söhne seines Rektors D. und J. Feige. Die große Wasserflut vom 2. Juni 1608 schilderte er am 24. Okt. in einer Schulrede 4 ), die er seinen Gönnern, dem Lieg- nitzer Hauptmann und Vormund der jungen Herzöge, W. von Zedlitz, den Ruten J. von Schweinoch und Anton Schultz auf Rutschmannsdorf sowie dem Geheimschreiber D. Thalwenzel, zueignete. Der Goldberger Pastor und Dekan J. Buchwälder und der Pastor in Olbersdorf und Senior der Goldberger Diözese B, Wiele zierten den Druck durch empfehlende Verse. Der Liegnitzer Drucker N. Schneider gab eine deutsche Übersetzung der Rede heraus 5 ), l ) Laudatio Exequialis Annae-Mariae Principi Anhaltinae, Comitissae Ascaniae, . . . Ducissae Silesiae . . . Joachimi-Priderici Ducis Silesiae . . . Kpiscop. Magdeburg. Praepositi . . . Relictae Viduae: Quae 14. Novemb. 1605 mortalitatem cum immortalitate commutavit, Dicta In Ducali Aurimont. . . . A M. Daniele Vechnero ... Typis Sartorianis. 0. O. u. J. 4°. J ) Anno 1605. Penis Natalitiis Jesu Christi . . . Epos Paregoricum Ex »aticinio Jeschaiae cap. 7. v. 14. Ulustri Auromontanae P. P. a M. Dan.Vech- 11 °r« ... Lignicii typis N. Sartorii. 4°. 3 ) Vechner, D., In Menaechmos Plauti Praefatio Habita In Ulustri Aurimontana, . . . 1607. 15. Junii. Lignicii Praelio Sartoriano. 4°. 4 ) Danielis Ve ch n eri Aurimontani De insolita & inaudita Eluvione Catti '^lesiorum, Quae fuit IV. Non. Junii 1608. Oratio habita in Ulustri Aurimontana Lignitii Typis N. Sartorii. O. J. 4 °. ") Vechner, D., Eine Oration Von der zuvor unerhörten Ergissung der 12-1 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. die er den Gebrüdern A. und H. Silber von Silberstein, Freiherron auf Pylnikau usw., dedizierte. Da eine große Arbeit seine freien Stunden vollkommen mit Beschlag belegte, hat er sonst in den Jahren 1608 und 1609 nur Trauerverse auf die am 19. Jan. 1608 verschiedene Gattin V. Thilos von Thilau Walpurg, geb. Matthäus, und auf die im Mai und Juni 1609 verstorbenen Kinder desselben Mannes geschrieben. 1 ) Am 28. Sept. 1609 schloß er endlich seine in zwei Bücher geteilte „Hellenolexia sive Parallclismus Graccolatinus" ab 2 ), ein überaus sorgfältiges und für damals bedeutsames philologisches Werk. Wenn er darin auch seiner Zeit den Tribut bezahlte, daß er manches aus der gemeinsamen gräkolatinischen Wurzel Stammende als Griechisch betrachtete, so hat er doch zuerst zusammenfassend und gründlich auf dem Gebiet gearbeitet. Und die Leistung fand die gebührende Anerkennung; das Buch wurde deshalb mehrfach erweitert und von neuem aufgelegt. Hier wurde der Taufpate der junge Herzog Johann Christian. Die erste Ausgabe verließ 1610 die Presse. Die Publikation ward der würdige Abschluß seiner Goldberger Tätigkeit, denn er verließ zu großem Schaden für die Schule sein Amt und die Vaterstadt, um das Rektorat der städtischen Schule in Jauer zu übernehmen. Er motivierte seinen Abgang später damit, daß für ihn „ineidissent tempora infausta". Grunaeus berichtete am 6. Sept. 1610 an Laubanus in Danzig: „Unsere Auri- montana leidet wiederum an sehr großer Schwäche, und sie liegt, wie ich glaube, in den letzten Zügen. Yechner denkt oder träumt nicht eine Schule 3 ), sondern ein neues Gymnasium in Jauer und wird zu Crucis [14. Sept.] dorthin wandern." Grunaeus hatte nicht ganz unrecht, denn der Rat in Javier hatte mindestens die Absicht, seine Schule zu heben. Das bestätigt Vcchncr in seiner Inaugu- Katzbach. Und dem unsäglichen schaden, so hierdurch an Menschen, Vichc, Gebäuden, Eckern, Wiesen u. Gärten ergangen . . . in der Fürstl. Schule zum Goldberge gehalten, Aus-dem Latein ins Deutsch versetzet. Liegnitz Gedr. u. vorlegt durch N. Schneider (1008). 40 Bl. 4° [Ex.: Berlin, Staats-B.l- V r on wem die Übersetzung herrührt, ist nicht gesagt. ') Cratae Memoriae Honoratissimae Matronae Waldburgidis Matthaeae, . . . Valent, Thilonis a Thilaw . . . Conjugis Quond. . . . Tumuli Honorar. O. O. n.J. 4". Victoris Et Satnuelis Thilonum Frr. Memoriae, D.Val. Thilo«* a Thilaw J. C. Parentis i'raemature Defunctorum Solatio sacr. Amicor. pM condolent. Melemata. Lignicü Typis Sartorianis. o. J. 4°. a ) Titel s. S. 304. J ) Grunaeus an Laobanus, 6. Sept. 161», St, B.-Br., Rhediger XXI, N.2H>- Feiges neue Tätigkeit für die Schule, ibr bedenklicher Rückgang. 425 rationsrede, indem er sagt, er habe diese gehalten, als ihm am 7. Okt. 1610 vom Rate in öffentlicher Feierlichkeit die „Scholae Ja- voriensis instauratio" übertragen wurde. Er sprach über die Pflichten eines guten Schulleiters und widmete die Rede 1 ), die auch zur Empfehlung der Schule ausging, dem Rat. Sein alter guter Freund, der Pastor A. Ilentschel, N. Krebs und F. Schubart lieferten poetische Empfehlungen. Wie eine Entschuldigung der Fahnenflucht klingt es, daß er zuerst lang und breit erklärt, warum er nach elfjähriger Tätigkeit aus Goldberg, seinem Vaterland, weggegangen sei. Gewissermaßen eine Revue oder eine liebevolle Schilderung der Lehrer der Goldberger Schule von 1601 bis 1609 hat 1609 ein dankbarer Schüler gegeben durch eine „Elegia Valedictoria'- an Goldberg 2 ), die er, schon gegürtet, um die Frankfurter Universität zu beziehen, am 13. April in der Schule öffentlich vortrug und dann in Frankfurt drucken ließ. J. Blevel oder Blefel war als armer Schüler 1601 nach Goldberg gekommen, hatte liebreiche Aufnahme und mildtätige Hülfe bis zum Schluß erfahren: daher schied er mit den besten Erinnerungen. Demgemäß dankte er zuerst allgemein Goldberg als seiner und seiner Kamoene Nährmutter. Dann besang er J. Feige, den Rektor und Bürgermeister, als Juristen und seinen oft erprobten Wohltäter. Laubanus, den Glanz der griechischen und lateinischen Kamoenen, pries er als seinen Lehrer und Vater, D. Vechner als Licht der aonischen Kohorte, als seinen Aufmunterer in trüben Verbältnissen und Lehrer in der Poesie. Pietätvoll gedachte er J. Schöns, „cui seeuit nodos Atropos ante diem". Liebig nannte er den Liebling der griechischen und lateinischen Kamoene. G-Vechner bewunderte er als Sänger in der Kirche, als Lateiner und besonders als Syntaktiker. Er war diesem auch dadurch verpflichtet, daß er ihn an seinen Tisch genommen und wie ein Vater behandelt hatte. M. Feige rühmt er als seinen Gönner, und Ch. Wenzel, der ein hartes Joch auf seinen Nacken genommen hätte, dankte er für die ersten Rudimente der lateinischen Sprache, die Flexion. Auch an die geistlichen Herren wendete er sich. Der Pastor Buchwälder hatte ihm Freitische gegeben, sich für 8 eine Studien und Fortschritte interessiert und, stets bei heiterer ') S. u. S. 484. ') Elegia Valedictoria ad Aurimontiuni . . . Publice recitata in lll. Gym- nasio ibidem a Joanne Blevelio . .. In Celeb. Academiam disecssuro Ad id. A Prili s (1G09). Typis J. Eiehorn. 4°. 426 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. Laune, ihn mit lateinischen Eätseln amüsiert. Buchwälder und seinen Diakonus Namsler rühmte er auch als gelehrt und einträchtig in der Lehre. Bei dem letzten Ade erwähnte er nochmals Feige, die Vech- ner, Wenzel, Buchwälder, Namsler, den Rat, die Bürger und die Mitschüler und dann alle ihm lieben Dinge in der Schule, die Täler und Hügel der Umgegend, die gewundene Katzbach, die schattigen Wälder usw. Das Gedicht hält sich von der sonst üblichen aufdringlichen salbungsvollen Frömmigkeit und dem ebenso gebräuchlichen mechanischen Phrasengeklapper frei, bleibt bei allen Lobeserhebungen auf dem Boden der Wirklichkeit und ist eine einfache, liebenswürdige, wohltuende Leistung. Blevcls poetischer Lehrer hätte von ihm etwas an Natürlichkeit und Wärme profitieren können. Er widmete die Dichtung seinen Wohltätern, dem Vogt F. Blumner in Liegnitz und dem Gehoimsekretär der Haynaucr Herzogin Anna, der Witwe Friedrichs IV., M. Pezold, der uns schon in seiner späteren Stellung in Jauer begegnet ist. Mit D. Vechner verschwand wirklich die letzte feste Stütze der Schule, so daß die Befürchtung des Grunaous sich alsbald zu bewahrheiten schien. Die erste Klasse konnte durch die noch übrigen Lehrkräfte nicht ordentlich versehen werden, zumal da Feige, der Leistungsfähigste, durch seine bürgermeisterlichen Obliegenheiten auf dem Bathaus stark in Anspruch genommen wurde und deshalb nicht regelmäßig aushelfen und nachhelfen konnte. Die Folge davon war, daß unter der Hand die Schüler von Adel von ihren Eltern abgerufen wurden. Kein Goldberger konnte sich daran erinnern, daß dies früher einmal vorgekommen wäre. 1 ) Die Schule stob auseinander. Da sprang Feige zu Gefallen F. von Mohl auf Dromsdorf ein, indem er seinen Sohn, ein Mündel und einen von Salza nach Goldberg schickte. Da aber der Zustand der Schule sich im Laufe eines Jahres nicht besserte und trotz des gegebenen Beispiels sich keine andern adligen Schüler einfanden, nahm er die Knaben auch wieder fort. Aber „Finis Aurimontanae!" durfte man trotzdem doch immer noch nicht rufen. Neue Anstrengungen wurden gemacht; man schuf .jedoch wieder etwas Halbes. Feige behielt weiter das Rektorat neben dem Bürgermeisteramt, obgleich sich die Zusammenlegung der beiden Ämter längst als eine undurchführbare Paarung herausgestellt hatte. Und so erfolgte ein neues Prorektorat. ') Nach St. B.-Br., Wenzel. Das ganz vorfehlte Proreklorat des Arztes Jakob Günther. 427 9. Das ganz verfehlte Prorektorat des Arztes Jakob Günther. Man hatte es in Liegnitz, um ein ganz steriles Interregnum zu vermeiden — Vechner war zuletzt, wenn auch nicht rechtlich, doch tatsächlich Prorektor gewesen — an Umsicht und Vorsorge nicht fehlen lassen. Einen Fühler hatte Grunaeus schon am 13. Aug. 1610 nach Breslau ausgestreckt 1 ), um den dort bei St. Maria Magdalena als Rektor wirkenden Mag. J. von Höckelshoven zu sondieren. Ebenso war schon vor Vechners Abgang, schon vor dem 6. Sept. auch in Öls mit dem Namslauer Stadtarzt Mag. Jakob Günther verhandelt worden, und er hatte zugesagt; aber er kam doch erst im nächsten Jahre und wurde am 5. Juli 1611 als Prorektor eingeführt.' 2 ) Die lange Pause hatte die Schule so entvölkert, daß er nur etwa sechs Schüler in der ersten Klasse übernahm. Seine Wahl war wieder ein Mißgriff, doch in anderm Sinne als bei Laubanus. Sein Kollege G. Vechner fällt über ihn das Urteil 3 ), er sei mit geringem Nutzen und Frommen der Schule bestellt worden, sintemalen er nicht qualifiziert und zum Schulregiment geschickt genug gewesen. Das Urteil darf man als zutreffend erachten. Nach Kenntnisnahme von seinen zahlreichen Werken, schon von seinen unendlichen Büchertiteln, fühlt man sich geneigt, auf ihn die Charakteristik des Kaisers Claudius anzuwenden: er war gelehrt, aber stumpfsinnig. Er ist eine geradezu sonderbare Erscheinung, immer und über irgend etwas zu schreiben und zum literarischen Bettel bereit. Wer mag bei seiner starken Produktivität die Druckkosten getragen haben? Günther war in Züllichau als Sohn des in Frankfurt und Wittenberg gebildeten Geistlichen Jakob Günther aus Freystadt geboren. Seine Mutter war eine Schwester des Liegnitzer Rektors Mag. F. Klose aus Freystadt. Im Wintersemester 1587 bezog er die Universität Frankfurt und wurde am 18. April 1593 mit E. Mimer zum Bakkalar und zum Magister der Philosophie promoviert. Seine Freunde feierten die neue Würde, selbstverständlich Poetisch: Mag. B. Radmann hebräisch, Mag. Ch. Neander, „organi Aristotelici", griechisch, L. Gärtner aus Marienburg, J. Langius ') Grunaeus an J. von Höekclshofen, 13. Aug. 1610, St. B.-Br., Ehediger X *I, XVI, N. 9. ') Grunaeus an Laubanus, 6. Sept. 1610, 22. Juli 1611, ebenda XXI, N - 216 und 256. *) In St. B.-Br.. Wenzel. 428 p]rfolglose Versuche zur Neubeleburig der Schule. aus Liegnitz, P. Koppen aus Köpenick und J. Schickfus aus Schwie- bus lateinisch. 1 ) Nach den Gewohnheiten der Universität mußte er pro gradu mindestens einmal disputieren und vielleicht auch einmal deklamieren. Schon am 19. Mai 1593 hielt er deshalb unter dem Vorsitz des Dekans Mag. C. Trygophorus eine Rede über das Studium der heiligen hebräischen Sprache, und am 9. Aug. 1594 disputierte er gegen Empfang eines Joachimstalers von dem Dekan Mag. D. Origanus, also für einen andern, über das Subjekt der Logik. G. Neander aus Schwiebus war hiorbei sein Ilespondent. Die Rede ließ er als seine Primizien drucken 2 ), es ist eine Lobrede auf die hebräische Sprache und ihr Studium und auf den Nutzen ihrer Kenntnis für das Bibelstudium und schließlich auch für die Übersetzungen, wobei er eine Lanze für Melancllthon gegen P. Staphylus brach. Markgraf Christian und sein Bruder Joachim Ernst, die Söhne des Kurfürsten Johann Georg, wurden durch die "Widmung geehrt. Ein guter Freund, J. L. L.. spendete das unumgängliche „Carmen commendaticium". In der Zeit zwischen seinen beiden Vorträgen war Günther in Küstrin, vermutlich als Schulmeister; er dichtete von dort aus im Dezember 1593 den Mag. E. Mimer als Bräutigam an. 1594 war er wieder in Frankfurt, denn im April des Jahres schrieb er wie andere Freunde, z. B. die Professoren Dr. A. Wenzel und Mag. Ch. Neander, und außerdem J. Neander aus Bunzlau, H. Scultetus, U. Sobolus aus Frankfurt usw. ein „Propemptikon" für G. Weiskopf aus Brieg 3 ), der nach der Heimat zurückging. Mit seiner zweiten Veröffentlichung tritt er uns als Astrologe entgegen, zugleich ein Anzeichen dafür, daß er sich inzwischen dem Studium der Medizin hingegeben hatte; denn trotzdem daß die italienischen Reformatoren der Medizin wie N. Leonicenus und nach ihrem Vorgang auch einige deutsche Ärzte wie Dr. M. Polich von Meilerstadt sich skeptisch gegen die Astrologie verhalten l ) E6qnj/ticu In solennem Renunciationem Amplissimi In Philosophia Gra- dus a . .. Joh. Schossero Acad. Francof. Prof. p, Collegiique Philosophici De- cano Collati Jacobo Gunthero . . . sub Rectoratu . . . Dn. J. Pistorü . . . Scriptae ab Amicis. Typis A. Eichorn. 1593. 4». *) Günther, J., Oratio de studio s. hebraicac linguae Sub . . ■ M. Ca- lebo Trygophoro . . . Decano habita publice. . . . Francofurti ad Oderam, Typ» N. Voltzij. 1593. 18 Bl. 4» [Ex.: Berlin, Staats-B.]. *) Propemptica Quibus ... Dn. Georgium Weiskopffium Bregensem e* Academia March. V. Idus April. Anno 94. in patriam abeuntem prosequuti »mit Ami«. Francofurti Exe. A. Eichorn. 4°. Das ganz verfehlte Prorektorat des Arztes Jakob Günther. 429 hatten, so war sie doch nach der im allgemeinen immer noch herrschenden Ansicht für einen Arzt unentbehrlich. Günther gab ein astrologisches „Prognostikon" auf das Jahr 1597 heraus 1 ), das er dem Breslauer Eate weihte. Da er 1599 sagt, er sei drei Jahre in Berlin gewesen, hat er durch die Widmung vielleicht mit Breslau anknüpfen wollen. Er kam aber nicht dorthin, sondern wurde, obgleich noch nicht Doktor, Stadtarzt in Namslau. Von hier aus ließ er ein „Kurzes Bedenken und Unterricht von den verbotenen Aderlaßtagen gemeinem Nutz zum besten" drucken. 2 ) Dieses gemeinnützige Werk widmete er den Gebrüdern N., G. und A. Kotulinski von der Jeltsch auf Eckersdorf und G. von Kotulinski auf Semmelwitz. Das deutsche Buch lobte mit lateinischen Versen sein Schwager, der gekrönte -Poet S. Latochius Secundus aus Ohlau, der später Pastor in Zwickau war. Günther hatte also inzwischen eine Tochter des einstigen Schülers von Trozendorf S. Latochius aus Ohlau, der nach vierzigjährigem Pastorat in Ohlau und Zindel bei Brieg starb, geheiratet. Um das Jahr 1600 grassierte in Schlesien ein epidemisches Fieber. Günther veröffentlichte auch über dieses eine unterweisende Schrift und gab in ihr auf Wunsch des Namslauer Rats Präservativmittel an. 3 ) Dieses Buch schrieb er unter dem 30. Jan. 1601 den Brüdern A. und H. von Pranckenberg-Proschlitz auf Benckwitz und Lorenzdorf zu. Dann ließ er wieder astrologische Schriften folgen; er hatte den düstern und frommen Prophetenton gut inne. So bearbeitete er 1603 die große Konjunktion der beiden oberen Planeten Saturn und Jupiter, die sich seit 2 Jahren im Anfang des Winters von 1604 wiederholen sollte 4 ), in einem hi- ') Günther, J., Astrologisch Prognosticon Auff das Jahr so man zehlet nach der Seligmachenden Geburt und Menschwerdung des Sohnes GOTTES. lr <97. Gedr. zur Liegnitz durch N.Schneider. 4°. [Ex.: Breslau, Stadt-B.] 2 ) Günther, J., Von den verbotenen Aderlaßtagen Kurtzes Bedencken "ud Unterricht . . . Gemeinem nutz zum besten gestellet und in Druck verfertiget. 1599. 4°. [Ex.: ebenda.] 3 ) Günther, J., Von den Allgemeinen Gifftigen Epidemialischen Fe- bern: Von dem wesen und kenzeichen der selben, und wie sich ein Mensch dafür Praexeruiren soll: Sampt zugethaner Instruction zur Verwahrung für der achten Pestilentz seuche, kurtzer ... bericht ... O. O. 1601. 4". [Ex.: ebenda.] *) Günther, J., Von der Grossen Conjunction Oder Zusammenkunft der beyden Obern Planeten Saturni und Jovis, welche widerumb . . . difi herzu nahende Jahr 1G04 . . . geschieht . . . Historischer und Astrologischer Bericht • • • Gedr. zu Breßlaw, durch G. Bawman. 0. J. 4». [Ex.: Breslau, U.-B.] 430 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. storischen und astrologischen Bericht. H. Beß, Freiherr von Köln und Petzendorf wurde damit erfreut. Ein fruchtbares Jahr für astrologische Träume war das Jahr 1605. Günther mußte die Öffentlichkeit aufklären über das, was der am Anfang des Jahres und etwas früher beobachtete Komet anzeige und bedeute 1 ), über den am 12. Juni in Nimptsch niedergegangenen Blutregen, über die furchtbare Sonnenfinsternis vom 12. Okt. neuen Stils. Er tat es „piae admonitionis gratia" und widmete das phantastische Opus den Brüdern Heinrich Wenzel und Karl Friedrich, Herzögen von Münsterberg-Öls. Der Olser Diakonus J. Roth aus Namslau geleitete es poetisch. Dann warf er sich auf ein neues Gebiet, neu wenigstens für das gelehrte Publikum, denn er hatte lange Vorstudien dafür getrieben: das war die Chronologie. Er verfolgte damit auch praktische Ziele. Um sich in das richtige Licht zu stellen, nannte er sich „Magister, medicinae et theologiae candidatus, philomathematicus". Sein verstorbener Vater schon hatte ihn in das Gebiet eingeführt. Dieser war mit dem Chronologen A. Buchholzer befreundet gewesen und hatte von dessen Chronologismen schon Kenntnis gehabt, bevor sie gedruckt waren. Er selbst war von L. Krenzhcim und durch seine Chronologie angeregt worden, die Mathematica, d.h.,die Astronomie, auf Christi Leben, Leiden und Sterben anzuwenden. Für jetzt gab er 1606 ein „Speoulum Chronologicum" für die Zeit vom Anfang der Welt bis zum Endo der Sintflut heraus 2 ) und widmete es dem Breslauer Landeshauptmann A. Jenk- witz von Goldschmieden und dem Patrizier N. Rhediger von Striesa. Schon die Widmung zeigt große chronologische Kenntnisse; in ihr wie im Texte nimmt er Bezug auf A. Buchholzer, Krenzhcim, J.Func- cius, H. Bünting, E. Reinhold („Tabulae"), J. Stabius („Ephemerides«), Ph. Melanchthon, B. Scultetus, D. Origanus („Ephemerides"), natürlich auch auf die Tabulae des Ptolemaeus, Alfonsus, Blanchim und ihre Widersprüche. Die ganze biblische und weltliche Geschichte ist eingezwängt. ») Günther,.]., De Significatis et Effectibus Stellae novao sive Cometae circa prineipium Anni 1605. & paulo ante observati; Pluviae Sanguinis Nancy Silesiorutn eod. hoc anno d. 12. Junij delapsa, & Eclipsis Solis horribilis d. 12. Oc- tobris N.St. eodern anno faetae . . . Olsnae Sil. Typis .T. Bössemesseri. 1605. 4». [Ex.: Breslau, Stadt-B.] 2 ) Günther, J., To SoomQW Sive Speculum Chronologicum referens Nu; merationem Temporum ... Ab Initio Mundi conditi usque ad Finem Diluvu seu Uataelismi Universalis & Terminum Seculi Primi . . . Oelsnae Siles. Typ« J. Bössemesseri. 1606. 4". [Ex.: Berlin, Staats-B.J Das ganz verfehlte Prorektorat des Arztes Jakob Günther. 431 Das war aber nur ein Vorläufer. Im Oktober 160S gab er den zweiten Teil dazu heraus 1 ) und deutete auf seine materiellen Wünsche hin. In der Widmung des „Speculum Chronologicum" (vom Ende der Sintflut bis zur Berufung Abrahams und der Einsetzung der Beschneidung) an den Hauptmann, die Bürgermeister, Kämmerer und die übrigen Breslauer Ratmannen geht er von dem Lobe der Geschichte aus und schildert mit vielen Belegen ihre Aufgabe. Von der Geschichte wendet er sich zur Chronologie und dann zu seinem „Speculum". Bei der Motivierung der Dedikation verweist er darauf, daß beim Breslauer Rat, wie er einst von seinem verstorbenen Oheim, dem Leiter der Liegnitzer Schule und Gatten der Nichte des P. Vincentius, Martha, Tochter des W. Vin- centius, Mag. F. Klose gehört hätte, das von P. Vincentius zur Unterstützung für Professoren der Geschichte gestiftete Stipendium aufbewahrt würde. Dieses Stipendium habe bisher niemand als der „temporum computator" A. Buchholzcr, der es in den letzten zwei Jahren vor seinem Tode bezogen, erlangt, entweder aus Zufall oder weil es keiner durch ein gleich würdiges Werk zu verdienen geschienen habe. Und dann schloß er bittweise durch bescheidene Hindeutung auf sein „Speculum". Um diese leise Bitte zu verstärken, hatte er für genügendes Lob desselben gesorgt. Voran ging der Breslauer Dichter Dr. C. Cunradus, dann kamen der Namslauer Pastor B. Benkius, der Namslauer Stadtschreiber J. Hubner; der Fraustadtor Rektor Mag. J. Brachmann lobte es in Versen an seinen Gevatter V. Herborger, und der Fraustadter Diakonus und Anagrammatiker J. Timaeus schloß die Reihe. Trotzdem hielt der Breslauer Rat den Daumen fest auf dem Beutel; wegen der vielen Druckfehler im „Speculum" mag das wohl nicht geschehen sein; das Stipendium war vielmehr für eine historische Professur bei St. Elisabeth in Breslau bestimmt und von dem Stifter an erster Stolle Buchholzer zugedacht worden. Die Stelle wurde damals nicht kreiert. Doch Günther unternahm im November desselben Jahres noch einen neuen Ansturm, indem er einen Anhang zum zweiten Teile des „Speculum" herausgab, eine „Syllepsis Classica" der Autoren 2 ), ') Günther, J., Tö k'oonzQov Sive Speculum Chronologicum referens Nu- werationem Temporum . .. A Fine Diluvii seu Cataclismi Universalis et Ter- m ino Seculi Primi ad Vocationem et Promissionem Abramo faetam, et lnsti- tutatn Circumcisionem Populi Dei Notam . . . Olsnae Siles. Typis Bössemesse- na nis. 1608. 4». [Ex.: Breslau, U.-B.] 2 ) Günther J., Syllepsis Classica Autorum Cum ab Epilogismo. n. ^hronolog. Disscntlentium, Tum cum Eod. Consentientium, .. . Intervallo Se- 132 Erfolglose Versuche zur Neubclebuug der Schule. die mit dem Epilogismus seiner Chronologie nicht übereinstimmten und die mit ihm übereinstimmten sowie der widersprechenden Hauptgründe mit deren Widerlegung. Diese festere Fundiorung seiner Ausführungen widmete er dem Brcslauer Syndikus, kurfürstlich brandenburgischen und liegnitz-briegischen Rate Dr. i. u. Ch. Radtmann und dem zweiten Syndikus und Prokanzler des Fürstentums Breslau Dr. i. u. Ch. Henseler. Die Menge der „Dis- sentientes" ist großartig: Krenzheim, M. Scotus, J. Funccius, D. Chytraeus, N. Baym, N. R. Ursus, A. Buchholzer, Eusebius, Berosus, M. Aurelius Cassiodorus, Diodorus, Orosius, V. Müntzer, Philo .ludaeus, Josephus, Rabbi Salomon, Nicephorus, Isidorus iüspalensis, Boda, M. Luther, Th. Bibliander, Ph. Melanchthon. Sulpicius Severus, G. Mcrcator, G. Standphurd, G. Perkinsus, M. Eyzinger, G. Genebrardus, Th. Dunus, D. Origanus. Diese widerlegt er und gibt am Ende kurz die „Consentiontes" an, es sind zum Teil, nur wieder an andern Stellen, die „Disson- tiontos". Der pekuniäre Erfolg auch dieser Kraftanstrengung war negativ. Da kam das Anerbieten des Goldbergcr Prorektorats, und er verließ seine undankbare Chronologie, die auch bei der Nachwelt bis auf den heutigen Tag keine Würdigung gefunden hat. Inzwischen war er auch wieder als Poet auf den Schauplatz getreten. Hi07 war seine Sammlung „Carmina sacra" verschiedener Art, Gebete, Gelübde und Symbole, erschienen*), alles gekünstelt, in der Sprache stark alttestamentlich angehaucht und ohne jegliche Wärme. Der Doktor beider Rechte, kaiserliche Pfalzgraf, der Fürsten und Stände Schlesiens Syndikus. Orator und Legatus und Rat der Herzöge von Licgnitz und Brieg A. Geisler sollte sie, wie er wünschte, dem Kaiser Rudolf II. überreichen. Gleichzeitig erschien eine andere Sammlung von Gedichten, die wenigstens aktuelle Dingo und Menschen betrafen und ihm gewiß mehr Freunde gewannen als seine heiligen Poesien, „Carmina Lethaea Laetaque , Trauer- und Hochzeitsgedichte. 2 ) Darunter finden sich Klagen über den Tod Friedrichs IV. , Joachim Friedrichs, seines eigenen Vaters, seines Schwiegervaters, und Hochzeitswünschc für Zodhtz dritte Vermählung mit Anna von Kanitz, für M. von Senitz, für Temporis Inanis Aetatis Prions Mundi Vetcris xqi'k rnönnv Adiuncta. Olsnae Siles. Praelo Bössemesseriano. 1G08. 4". [Ex.: Breslau, U.-B.'| ') Günther, J., Carmina Sacra Var. gen. Precationes, Vota ot Sym o • Olsnae Sil. Typis J. Bössemesser. 1607. [Ex. e. Ausg. v. 1612: Dresden, Landes- -J *) Günther, J., Carmina Lethaea Laetaque videl. Funebria vel q«- Nnptialia Var. Gen. Olsnae Elysior. Ex Officina Typ. J. Bössemesserj. Das ganz verfehlte Prorektorat des Arztes Jakob Günther. 433 Mag. J. Brachmann usw. Die herzoglichen Räte W. von Zedlitz, der Hauptmann des Liegnitzer Herzogtums, und M. von Senitz, der Hauptmann des Herzogtums Brieg, wurden mit dem Bande beschenkt. Das Jahr 1613 war wieder einmal ein großes Unglücksjahr für die Stadt öoldberg. In der Nacht vom 6. zum 7. April (Ostern) legte eine große Feuersbrunst fast die ganze Stadt und die Schule wieder mit in Asche und wirkte auch sonst auf diese nachteilig ein. Günther, der selbst großen Schaden durch sie erlitt, benutzte sie als Gegenstand für seine prosaischen und poetischen Darstellungen und zur Bettelei „auf Brand". Von Juli bis gegen das Ende des Jahres herrschte außerdem eine pestartige Seuche, die, von einem Zimmermann eingeschleppt, mehr als 2100 Menschen hinweggerafft haben soll, die einheimischen Schüler dezimierte und die fremden vollends vertrieb. Auch sie bot Günther Stoff für seine Feder. Nur andeutungsweise kam er auf die durch die Feuersbrunst beinahe in Trümmern gesunkene Schule zu sprechen in der Gratulationsschrift an die beiden herzoglichen Brüder Johann Christian und Georg Rudolf, die er verfaßte 1 ), als diese auf Grund der von ihnen am 8. Mai 1613 abgeschlossenen endgültigen Teilung ihrer Erblandc im Juni daran gingen, den Vertrag auszuführen. Es waren „Quadrigae parodicae", vier parodierte horazische Oden an die beiden Fürsten und an jeden einzelnen von ihnen. Es ist doch ein trauriges Zeichen für den Bildungsstand der Zeit, daß man und noch dazu bei einem festlichen Anlaß, der die Aufmerksamkeit größerer Kreise auf sich zog, mit einem solchen Surrogat, das, ursprünglich als Anleitung zur Dichtkunst für die Jugend ausgedacht, nur durch die Gedankenarmut und den Mangel an poetischem Empfinden zur Modedichtung erhoben werden konnte, vor dem hellen Lichte der Öffentlichkeit zu erscheinen wagte. Deutlicher wurde er schon in zwei Reden 2 ), Produkten der ') Solemni baexß 3™ • • • PmMipes • • • Dn. Johannes Christianus et Dn- Georgius Rudolphus Dnces Silesiae Lygnic. & Briegens. Fratres ... Aequissima Provinciarum & Civitatum Ducalium Divisione . . . Dominn Sui •.. Monoclerian Uterque . . . Auspicabantur Mense Junio 1613. . . • Quadrigis Parodicis ex Q. Hör. Fl. Od. Lib. I. gratul. Jacobus Güntherus . .. R ect. 111. Sch. Aurimont. propem. ex Incend. nup. Kuderatae. Lignicn Typis Sartorianis. 4° ') Oratiunculae Duae; Una Ad . . . Prineipes . . . Dn. Johannem Christi- anum & Dn. Georginra Rudolphum Duces Silesiae Lignicienses & Bregenses etc. Patres ... De Felicissimo Hereditariae Gubernationis Exordio, Gratulatona & 28 Monnmenta Gormaniae Faodagogica LVJI 434 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. Schreibtisch- und Lampen-Rhetorik, die mit demselben Vorgang in dem piastischen Hause zusammenhängen. Die Brüder nahmen im Juli 1613 in Liegnitz die Huldigung zu gesamter Hand entgegen, und Georg Rudolf trat die Regierung in Liegnitz an. Zur selben Zeit wurde W. von Rothkirch auf Fanten Hauptmann des Liegnitzer Fürstentums anstelle des verstorbenen W. von Zedlitz. Allen diesen Vorgängen sollten die Reden gerecht werden. Daher war die erste, an die Herzöge gerichtete Rede eine Gratulation; der Verfasser verband damit eine Bitte für das abgebrannte Goldberg und seine Schule. Die zweite Rede betrauert W. von Zedlitz und wünscht W. von Rothkirch Glück; auch sie wird schließlich eine Bitte. Beide Rodeleistungen sind voll von geschichtlichen Reminiszenzen und biblischen Beispielen und Belegen. Er hat sie W. von Rothkirch und Ch. von Zedlitz, dem Sohne des Verstorbenen, gewidmet. Der ersten von diesen Reden nahe verwandt war die Gratulation 1 ), die er dem Herzog Georg Rudolf zu der Übernahme der Alleinherrschaft im Herzogtum Liegnitz überreichte, „o ruderibus illustris scholae Aurimontanae submisse et deuote, at vero tristis et vix non deficions gratulatum oecurrit Therpsichore parodica". Also wieder mit einer Parodie kam er und zwar auch noch „trigario trilingui", d.h. in einem gekünstelten hebräisch-griechisch-lateinischen Ragout. Für sich selbst und die Schule erreichte er mit diesen Schriften nichts; daher verfaßte er 1614 eine Spezialschrift, um die Aufmerksamkeit auf die traurige Lage der „Illustris Aurimontana" zu lenken; „BA2AN02 AITIYP02" hat er sie benannt 2 ), und „ora- . . . Altera De Proregum ac Prochicum, vulgo Praefcctorum & Capitaneorum Autoritate. Dignitate & Utilitate; super obitu . . . Domini Wenceslai a Zedlitz & Neukirch . . . Ducc. Ligniciens. Brigens. Consiliarii . . . ac Praefecti . . . Du- catua Ligniciensis, . . . Luctuosa: super vero . . . Dn.Wolfgangi a Rotldrcb, . . . Eiusdera Ducatus Praefecti, Capitaneique . .. designati, fausta inauguratione Congratulatoria . . . M. Jacobi Güntheri . . . studio Factae, Scriptae, Editae. 0. O. u. J. 4°. ') Illustriss. . . . Principi . . . Dn. Georgio Kudolpho Duci Sileaiae Lygui- ciensi & Brigensi &c ... De Suscepta modo üueali Provincia . . . Ducatus Lygniciensis Poasessione & faustissirao Dominii Haereditarii Exordio, . • • e Ruderibus 111. Scholae Aurimontanae submisse & devote . . , gratulatum oecurrit Terpsichore Parodica Jacobi Güntheri ... Rect. & Prof. G. Trigario Trilingvi. Lignicii Typis N. Sartorii. 4°. ') Bäaavos Slnvgog Auri Montani Silesiae Lygiae h. e. Illustris Aurimontn Ducat. Lyg. in Sil. Ignis Gemini Incendio . . . Superiori Anno tertium facta Das ganz verfehlte Prorektorat des Arztes Jakob Günther. 435 tione paracletica" ist sie verfaßt. Daß er sich als „Philosophus, Theologus, Medicus" bezeichnete, sollte ihr wohl mehr Wirkung verleihen. Voran gehen biblische Zitafe: Das in Brandruinen liegende Goldberg an die Vorübergehenden, Jeremias I, 12, 13, und Jehovah an das niedergebrannte Goldberg, Jeremias XXX, Je- saias XLIX, 14, 15. Die Eede auf das Feuer von 1613 ist sehr lang (5 Lagen), aus griechischen und lateinischen Dichtern und aus der Bibel mit griechischen und auch mit hebräischen Zitaten zusammengetragen. Als empfehlende Begleiter ersah er wieder einen höheren herzoglichen Beamten, den Hauptmann der Weichbilder von Strahlen und Nimptsch und herzoglichen Kat II. von Se- nitz auf Eudelsdorf und Vogelgesang, und J. Wentzki auf Krippitz und Ruppersdorf, die er beide seine Gönner und Freunde nannte. Man wurde jetzt in Liegnitz wirklich auf den elenden Zustand der Schule aufmerksam, doch nicht so, wie es Günther wünschte. Rtwas Erhebliches für sie zu tun, gedachte man vorläufig nicht. Keuer und Seuche hatten so zerstörend gewirkt, daß nur noch kümmerliche Reste von Schülern vorhanden waren. Man entschloß sich deshalb in Liegnitz, die Schule bis auf weiteres aufzuheben, und so erhielten am 19. März 1614 der Prorektor Günther und die andern Kollegen ihre Entlassung. 1 ) Günther zog jedoch nicht von dannen, sondern blieb noch einige Monate in Goldberg und produzierte weiter; er mochte wohl auf seine Wiederanstellung rechnen. Im September 1614 schickte er vielleicht auch deshalb eine wiederholte Mahnung für das heimgesuchte Goldberg aus, stellte aber dabei die Schule jetzt in den Vordergrund: „Mneinosynon Pyramidis Illustris Aurimontanae Scholae inprimis et opidi juxta." 2 ) Sie sollte zugleich ein „Annale Monumentum" und auf prophetische Beispiele gestützt sein. Daher beginnt er mit „Fati cladis Aurimontanae per ignem et pestilentiam anno 1613 faetae Episcepsis Paradigmatica", d. h. mit dem hebräischen Texte von Jeremias XXII, 6 —9, nebst der iateinischen Übertragung, und dann folgt die „Epi- Probatio Salutari Pyromantia speetata et exposita, Oratione Paracletica repe- *ita et edita a Jacobo Günthero ... Lignicii Typis Sartorianis. 4°. ') St. B.-Br., Wenzel. a ) Mnemosynon Pyramidis Illustris Aurimontanae Scholae inprimis, et "pidi juxta, e Pyropoecilis Sacris Duplicis Incendii, flaimnis snperiori Anno divino fato oxortis Lucentibus, faetae, Paradigmatis Propheticis, Additoque A «nali Monimento . .. celebratum a Jac. Günthero ... (1614.) Lignicii Ty- Pis Sartorianis. 4°. 28* 436 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. scepsis", die Auslegung und endlich die Anwendung auf Goldberg, insbesondere auf die Schule. Ein zweites „Illustre Paradigma" gibt ihm Kapitel XLIX, 24'—27, das er ebenso wie das erste behandelt, und als Zugabe muß noch Ezechiel XXVIII, 17—19, herhalten. Alles ist schrecklich ledern durchgeführt. Dahinter stellt er in Inschriftenform alle Mißgeschicke der Schule von 1553 bis 1613 zusammen, nachdem er vorher dem Begründer Friedrich II. und Trozendorf hohes Lob gespendet hat. Sein alter Freund Mag. J. Brachmann, jetzt Rektor der Schule in Guhrau, verschönte die Publikation durch ein Gedicht „Ad Ihovam", eine Parodie der Ode ad Melpomenem (Horaz IV, 3). Diesmal kam zur Dedikation der letzte herzogliche Hauptmann, der liegnitzisch-briegische Rat und Hauptmann des Fürstentums Wohlau J. von Nostitz auf Noes daran und, da Günther seine Gönner meist paarte, auch noch der herzogliche Rat J. Heinrich auf Kroitsch. Am Ende des Jahres hatte er schon wieder einen Anlaß, zur Feder zu greifen und seinen feingebildeten Herzog zu langweilen. Georg Rudolf hatte eine Wanderung ins Ausland unternommen und kehrte, nachdem er sich am 4. Nov. 1614 in Dessau mit Sophia Elisabeth von Anhalt vermählt hatte, nach Liegnitz zurück. Günther benutzte alles das zu einer vierfachen Festschrift. 1 ) Er begann mit einem Gedicht auf die Ausreise des Herzogs in die Fremde, einer Parodie zu der Ode des Horaz „Sic te diua potens Cypri" (Lib. I, 3), reihte daran eine „Votiva Prosembasis" auf die Heimkehr, eine lange Elegie mit großem Gerede und wenig Inhalt, ließ darauf eine griechische und hebräische wenig sinnreiche Spielerei „rj ngöfteois rrj<; nQoyvcuaemg rAMOS u folgen und schloß mit einem prosaischen Panegyricus auf die Vermählung des herzoglichen Paares in Dessau, bombastischem Geschwätz über die Ehe und Gratulation. Man schüttelt den Kopf, wenn man liest, daß dieser geistlose und unpoetische Drescher von leerem Stroh sich auf dem Titel neben „Ph. M." auch noch „P. C", d. h. „Poeta Caesareus", gekrönter Dichter, nennt. Wie es scheint, siedelte er noch 1614 nach Liegnitz über. Schon am 6. Jan. 1615 ließ er „e Lyg. secr. Mus." eine „logico- ') Sacra Pro .. . Dexterrimo cum Laudatissa Principe Connubio . • • P"; in " cipis . . . Dn. Georgii Rodulphi in Silesia Lignicii & Bregae Ducis . . . Propi" 0 Ex itineribus ... in Patriam . . . Reducis ... Dnam Sophiam Elisabetham Principem Anhaltinam . . . Dn. Joannis Georgii, Principis Anhaltini . . • Fnia m > Laeto Matrimonio Ducentis, Adducentis Votiva ... oblata a Jacobo Günthero . .. Lignicii Typis N. Sartorii. 1614. fol. Das ganz verfehlte Prorektorat des Arztes Jakob Günther. 437 scholastica enarratio", zwei messianische Stellen des alten Testaments, Genes. IV, 1, und Jeremias XXIII, 5, 6, erscheinen. 1 ) Diese erbauliche Erklärung sollte in der Liegnitzer Schule zur Verwendung gelangen, und er könnte hiernach in dieser zeitweise Hebräisch gelesen haben. Gewidmet aber ist diese theologische Arbeit den Breslauer Ratsherren K. Artzat von Schlottau und Ch. von Poley auf Thiergarten, die ihm nach dem Goldberger Brande unverzüglich hilfreich beigesprungen waren. Um sein Leben mehr zu sichern, entschloß er sich nun endlich, im März 1615 zu Prankfurt a. 0. seine medizinischen Studien mit dem Doktorat zu krönen. 2 ) 1617 führt er den Titel zum erstenmal auf einer Gratulationsschrift. Am 21. Sept. 1617 zog der böhmische König Ferdinand II. in Breslau ein. Günther verfaßte dafür eine „Ode Gratulatoria" 3 ) nach Analogie von Psalm 20, v. ult., die nicht weniger als 10 Folioseiten lang ist. Zu einem Rätsel in Distichen von J. G. V., das mitabgedruckt ist, gab er ebenfalls in Distichen die Lösung. Rätsel und Lösung sind nur eine Zahlenspielerei, die auf Ferdinand I. von Spanien (Aragon) und auf Ferdinand II. hinausläuft. Vorher, doch in demselben Jahre hatte er die Beisetzung des Herzogs Karl II. in Öls mit Trauerversen begleitet. 4 ) Das politische Bild wechselte in Schlesien wie in Böhmen, und Günther machte den Wechsel mit. In die schlesische Hauptstadt Breslau hielt am 1. Febr. 1620 der neugewählte böhmische König Friedrich V. von der Pfalz seinen Einzug. Unter den zahlreichen Spekulanten auf des Königs milde Hand erschien auch Günther wieder mit einer sonderbaren Festschrift. 5 ) Er erklärte die Ein- ') Duorum Locorum Sacrae Scripturae in saluberrimam Missionis et Na- tivitatis Maschiaechi sive Christi Jesu . . . Meditationem Explicatio; Quor. Alter est Scae Mosaicae Gen. IV. v. I. Alter Propheticae Jer. XXIII. v. V. VI. • • • Pio studio & Logico-Scholastica quad. enarratione instituta. . . . a Jacobo Günthero ... Olsnae E Typogr. J. Bössemesserj 1615. 2 ) Günther, J.: Methodus medendi febrib[us] malignis sec[unduin] intentionem causarum. [Lignicii] 0. J.: (Sartorius). 14 Bl. 4° Frankfurt a. 0., Med. Diss. vom März 1615. [Ex.: Berlin, Staats-B.]. 8 ) In Augustissimum .. . Principis D. Ferdinandi II. Bohemiae &c. Regis ■ • • in Silesiam & Breslam Eius Metropolin Ingressum . . . Ode Gratulatoria Jacobi Giintheri Phil: et Med. D. ac P. C. Bregae Typis C. Sigfridi. 1617. fol. *) Lacrumae Beatis Manibus . . . Principis ... Dn. Caroli. II. . . . Duc. Sil. Monsterberg. & Olsn. Com. Glac. .. . E vita hac mortali ... in immortalem • • • 28. Jan. 1617 evocati 26. April. Illustr. solemnitate Olsnae contumulati . . . a nimitus consecrat. Olsnae Sil. Typis Bössemesserianis. 4°. 8 ) In Illustri Adspectu Faciei Regis Vita. Prov. 16. v. 15. Parodia .. . 438 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. setzungsworte des Abendmahls aus dem alten Testament. Dahinter bot er eine Ode an Friedrich zur Begrüßung bei seinem Einzug, eine Parodie auf Horaz III, 14. Die Widmung ist nichts als ein Bettelbrief von dem nun schon dreimal abgebrannten Verfasser. Seine astrologischen Künste schützten ihn also selbst nicht vor Überraschung durch Feuersbrünste. Damals wohl schon wie 1625 war er wieder Stadtarzt in Namslau. 11. Feiges Tätigkeit als Rektor bis zu seinem Tode. Traurigstes Sinken der Schule. Wenn wir früher Feige als Scheinrektor bezeichnet haben, so besitzen wir doch aus der Zeit von Günthers Prorektorat, wenigstens aus dem Anfang desselben, noch Aktenstücke, die von der Ausübung seiner Rektoratsgeschäfte zeugen. Der ehemalige Konrektor Mag. A. Brettius trat 1612 mit Geldforderungen an den Hauptmann und die herzoglichen Räte in Liegnitz heran. Er war früher schon, zuletzt um Johannis, deshalb erfolglos vorstellig geworden. Nicht weniger als 72 Joachimstaler beanspruchte er als seit Jahren rückständiges Salar, und außerdem berief er sich darauf, daß ihm der verstorbene Herzog Friedrich IV. ein Honorar von 50 Joachimstalern für die auf fürstliche Empfehlung übernommene Führung des Prorektorats nach dem Tode des Rektors Sicke neben seinen ordentlichen Arbeiten während einem und einem halben Jahre versprochen habe. 1 ) Um dieselbe Zeit reichte auch der Kantor G. Vechner ein Bittgesuch ein: er meinte ebenfalls, zu wenig Gehalt bekommen zu haben, und verlangte 20 Mark über die von ihm bezogenen jährlichen 40 Mark. Er motivierte dies damit, daß er Stunden erteilt habe und erteile, die eigentlich dem Organisten an der Schule zustünden. Omnium Serenissimi, Excelsissimi, Potentissimi, vereque Invictissimi principe ac Domini, Djii. IESV CHRISTI, Filii Dei Altissimi & Davidis. R. J. Arcbi- Ducis Populi Sancti, Domini Hereditarii Gentium, & Possessoris Finium Terrae, Coelestis Imperii Archi-Cancellarij & Electoris Fidelium S. Archi-Episcopi Ani- marum, Regia super Zijon, Autoris Novi Testamenti, & Vitae. Gratiosissiuu Ad Scripturam & Orationem Illustriss. Potentis in verbis & Pactis Viri Dei Moschis Ducis Populi Dei quid. Legi subjeeti Gravissimi, et Alior. Vet. Test. Autorum ac Prophetar. Antiquiss: Doctiss: Sapientiss: in Verbis S. Coena ipsius concinne & utiliter Facta & Edita . . . Qua . . . Dn. Fridericum Comitem Palatinum Rboeni, .. . Regem Bohemiae .. . Silesiam, Ejusque Metropolm . • • Ingredientem .. . excipit Jacobus Güntherus Zölchovius. ') Bretts Brief in St. A.-Br., Ortsalden. Fasz. XXI. Feiges Tätigkeit als Rebtor. Traurigstes Sinken der Schule. 439 Diese Gesuche gingen an den Rektor als die übergangene erste Instanz zur Bearbeitung und zum Bericht zurück. Sein Bericht vom 18. Okt. war weder für den einen noch für den andern günstig. 1 ) Brett, meinte er, habe zwar mit und neben ihm nach dem Tode Sickes eine kurze Zeit etliche Stunden verrichtet, wie das in solchen Interregnis billig und bräuchlich sei. Er selbst aber habe mehr und höhere als Brett und zwar „ordinarias operas" des Rektors verwest und doch dafür niemals besondere Belohnung gesucht. Daher erklärte er Bretts Forderung nicht für billig und erheblich. Sollte dieser aber aus fürstlicher Freigebigkeit etwas dafür erhalten, würde er hoffentlich dasselbe, wo nicht mehr, auch zu gewärtigen haben. Auf des Kantors Wünsche sei man bisher auch nicht eingegangen, und das habe seine guten Gründe gehabt. In der gedruckt vorliegenden „Instauratio" der herzoglichen Schola illustris vom 27. Juli 1599 seien alle Arbeitsleistungen des Rektors, des Prorektors und der übrigen Professoren und die darauf bei der fürstlichen Rentkammer verordneten Stipendien angegeben. Nach seinem eigenen, heut dem Berichterstatter gemachten Bekenntnis habe Vechner nicht eine einzige Stunde mehr und habe von da an bis auf den heutigen Tag und vorher seine angesetzten 40 Mark und nicht 20 Mark mehr von den Kollektoren der Schule empfangen. Nur habe ihm sein Schwiegervater Mag. P. Crüger als Rektor 20 Mark mehr zahlen lassen, ohne daß irgend jemand den Anweisenden und die Gründe dafür kenne. Überdies habe, solange man denken könne, das ordentliche Gehalt des Kantors nie mehr als 40 Mark liegnitzisch betragen, ungerechnet die Akzidenzien bei der Schule und bei der Stadt, die nicht gering wären. Ferner habe keiner seiner Vorgänger weniger Arbeit gehabt, ja, etliche noch mehr, und doch seien sie mit ihrem ordentlichen Gehalt zufrieden gewesen. Außerdem hätte Vechner, falls er wegen seiner Arbeiten und seines Gehalts Beschwerden gehabt, sie damals alsbald vorbringen, höhere Besoldung ordentlich suchen oder seiner Arbeiten müssig gehen sollen. Man wird hier lebhaft an Paxmanns Streit mit dem Kantor Krumbhorn erinnert. Diesen Bericht gab W. von Zedlitz am 22. Okt. 1612 an den Herzog Johann Christian in Brieg weiter, indem er sich Feiges Ausführungen zu eigen machte 2 ); er fügte aber noch die viel- ') Feiges Brief St. A.-Br., Ortsakten, Fasz. XXI. a ) Der Bericht W. von Zedlitz' St. B.-Br., Wenzel. 440 Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. sagenden Zeilen hinzu: „So bin ich Hauptmann kurtzverwichener Zeit droben zum Goldberg gewesen und den statum scholae daselbst leider in solcher höchsten Unordnung und Unfleiß befunden, das derselben anders nicht gerathen werden könne, es werde dan eine gantze vollkommene Enderung damit furgenommen, und verdienet bey diesem Zustande einer oder der ander nicht den wenigsten Theil seiner Besoldung, schweige dan einige Recompens. Überdieß", fuhr er fort, „ist zu besorgen, das auch andere mehr sich finden möchten, so gleichfalls wegen etzlicher übrigen Stunden umb Recompensationes ansuchen würden, inmassen allereit von M. Andrea Brettio, wie auß beiliegender mir Hauptmann übor- gebenen Supplication zu sehen, beschiehet." Damit waren wohl trotz der Befürwortung des Gesuches von Vechner durch den Herzog 1 ) die beiden Gesuche begraben. Der Rektor Feige ließ es sich auch angelegen sein, die Schule bei sich bietenden Gelegenheiten nach außen angemessen zu repräsentieren. Während er sich neben Laubanus recht schweigsam bewiesen hatte, übernahm er jetzt wieder die Führung, wiewohl er sich an den Jereniiaden Günthers gar nicht beteiligte. So als sich der oberste Schulinspektor, Vormund der jungen Fürsten und Liegnitzer Hauptmann W. von Zedlitz am 5. März 1612 zum drittenmal mit Anna von Kanitz, der Witwe Sigismunds von Rechenberg vermählte und zahlreiche Verehrer und Untergebene des Hauptmanns „Eulogemata" zu dem Feste spendeten: da sah man an zweiter Stelle 2 ), nur hinter dem Superintendenten A. Baudis, dem zweiten obersten Schulinspektor, und vor dem Liegnitzer Rektor Mag. N. Ludwig, die Verse J. Feiges. Und außer ihm wirkte von der Ulustris Aurimontana nur noch der Prorektor Mag. J. Günther mit. Mag. D. Vechner hatte Verse aus Jauer eingeschickt. Die Günthers haben wir früher schon erwähnt. 3 ) Der Hochzeit W. von Zedlitz' folgte schon am 24. April 1613 sein Tod. Jetzt, wo der mächtige Mann nicht mehr lebte, war es gewiß ein schönes Zeichen, daß sich wieder treue Verehrer zusammenfanden, die ihm „singularis meriti ergo" nun „Arae Pa- rentales" nachsandten. Wieder standen die Verse J. Feiges „Ad ') Der Brief des Herzogs St. B.-Br., Wenzel. 2 ) Honori Ac. Memoriae Nuptiar. Tert. . . . Domini Wenceslai A Zedlitz, Et Neukirch . . . Princ Ligio-Bregens. Tutoris, Ducatusque Lig. Capitanei, Cum . . . Anna Kanitiana ... Dn. Sigismundi a Rechenberg . . . reheta vidua Celebrandar ... ad d. V. M. Mart. 1612. S. Eulogemata. 0. 0. u. J. *"■ 3 ) S. 432. Feiges Tätigkeit als Rektor. Traurigstes Sinken der Schule. 44 \ tumulum"*) zwischen denen von A. Baudis und Ludwig. Doch von andern Goldbergern beteiligte sich jetzt nur Mag. D. Namsler, der Pastor. Dafür hatte der Zufall den Prorektor und Professor beider Eloquenzen des Danziger Gymnasiums Mag. M. Laubanus in die Heimat geführt, und er schrieb zu seinem Beitrag mit Becht, daß er als Gast dadurch „ultimum honorem patrono meritissimo" erweisen wolle. Mit dem Dichten stand es also in Goldberg schon schwach. Das strenge Urteil Zedlitz' über die Goldberger Lehrer, den Prorektor Günther nicht ausgenommen, und auch ihre das Urteil des Grunaeus bestätigende geringe Produktivität bei Anstands- leistungen nötigt uns, nun noch die Professoren im einzelnen anzuführen, obwohl wir damit nichts neues sagen können. Denn es waren noch die uns schon bekannten M. Feige, der Kantor G.Vech- ner und der Katechet Ch. Wenzel. Ch. Hentschel wird nicht mehr genannt. Wir können von ihm nur noch berichten, daß er am 10. April 1614 in Liegnitz als Pastor von Merzdorf im Bunzlauer Weichbild ordiniert wurde. Die interimistische Auflösung der Schule am 19. März 1614 brachte nur den Prorektor Günther aus dem Brote. Die von der Pest verschonten Goldberger Knaben, ob auch fremde fehlten, konnten doch nicht ganz unbeschult bleiben, und deshalb wurden vom fürstlichen Amte M. Feige, G. Vechner und Ch. Wenzel bald wieder angestellt. 2 ) Der immer noch unentbehrliche Bürgermeister Feige, der mit seiner Persönlichkeit die Kontinuität der Schola illustris aufrecht erhielt, ward wieder Rektor und führte unter diesem Titel jetzt die Schulinspektion. Er hatte auch anzuordnen, wie die Jugend unterrichtet werden sollte. Da das Schulgebäude, das alte Kloster, noch nicht wieder aufgebaut war, mußten die Schüler solange auf dem Chor in der Pfarrkirche unterrichtet werden, bis endlich in dem durch den Herzog Georg Rudolf wiederhergestellten ehrwürdigen Baue die Schularbeit wieder aufgenommen werden konnte. Im Februar 1616 wohnte Georg Rudolf vier Tage in der Schule. 3 ) Das notdürftig konstruierte Kartenhaus, die Schola illustris, ') Arae Parentales .. • Wenceslai A Zedlitz Et Neukirch . . . Memoiiae Singularis Meriti Ergo Pos. Typis Ligiis Sartorianis. 4°. 2 ) Nach Joannes David Eeimannus, Testamentuni Paulino-Wentzelianum, D as ist: Geistlicher letzter Wille, des Weyl. M. Casparis Wenzelii. Liegnitz. Gedr. durch Z.Schneider, 1660. 4°. a ) St. B.-Br., Weuzel. 442 ■ Erfolglose Versuche zur Neubelebung der Schule. brach jedoch, statt sich nach und nach zu bewurzeln, allmählich wieder in sich selbst zusammen. Am 15. Febr. 1616 starb der Katechet Wenzel. Feige forderte seinen Sohn K. Wenzel, der in Wittenberg studierte, auf 1 ), nach Goldberg zu kommen und die Stelle zu übernehmen. Damit wäre ein Stadtkind und ein ehemaliger Schüler — er hatte die Schule von 1606 bis 1610 besucht und war ein Privatschüler D. Vechners gewesen — an die Auri- montana gekommen. Wegen des langwierigen Winters und der schlechten Wege versäumte dieser aber durch Abwarten die Stelle: er kam an dem Tage an, an dem ein anderer eingeführt worden war, und konnte sich so erst, nachdem er 1635 Diakonus in Goldberg geworden war, Verdienste um die Schule, die unterdes zu einer bloßen Stadtschule herabgesunken war, erwerben. Er wurde Inspektor der auch schon wieder zerrütteten Schule und gab ihr einen neuen Lehrplan. Der Tod holte auch den Rektor ab. Am 7. Nov. 1617 starb Feige 63 Jahre alt. Auf den Titel Rektor scheint er zuletzt keinen Wert mehr gelegt zu haben; denn bei seinem letzten uns bekannten Gedicht, das er 1615 zur Hochzeit des herzoglichen Rates J. Muck schrieb 2 ), nannte er sich nur „Consul Goldbcrgensis". Seine Verdienste oder mindestens die ohrliche Absicht und der gute Wille, der Stadt und der Schule und damit dem Herzogtum treu zu dienen, hatten die landesherrliche Anerkennung gefunden. Sein Haus war von dem Herzog Joachim Friedrich mit einem großen Privileg ausgestattet worden, und Herzog Georg Rudolf erwies ihni noch kurz vor dem Tode die Ehre, daß er den Kranken in seinem Hause besuchte. 3 ) Er hinterließ außer seiner Gattin Sophie, die Tochter Elisabeth, des Pastors D. Namsler Witwe, und die Söhne Daniel, 1618 Vogt und Hofrichter, und Mag. Joachim, Propst und Kollegiat des Frauenkollegs an der Universität Leipzig- Joachim (f 1637) verfaßte für seinen Vater eine papierene Denktafel. Daniel setzte die Familie in Goldberg fort und bekleidete wiederholt das Bürgermeisteramt wie der Vater. ') Reimannus, Testamentum: s. S. 441, Anm.2. *) Nuptiis . . . Dn. Joannis Muccii . . . Princip. D. Georgii-Rudolphi Ducis Siles. Lygio Breg. Consiliarü, & . . . Virginis Christinae Myliae . . ■ Ugaiea die 22. Sept. 1615. celebrandis, scripta & dedicata ab Amicis Caraina. Typis Sartorianis. 4". 3 ) Quelle ist das gedruckte Epitaph, das ihm sein Sohn Mag. J. Eeigms, I'ropst des Frauenkollegs in Leipzig, setzte. Lipsiao Typis Laubergiams, Exe. J. Glück, fol. Feiges Tätigkeit als Rektor. Traurigstes Sinken der Schule. 443 M. Feige verließ die Lehrerlaufbahn und wurde am 30. Mai 1618 in Liegnitz als Pastor von Leswitz im Liegnitzer Weichbild ordiniert. Und so stand als letzte Säule der Kantor G. Vechner da, der auch weiterhin nicht wankte und nicht wich. Zu seiner Hülfe hatte er schließlich nur den Ersatzmann für den Katecheten Ch. Wenzel, wieder einen Goldberger, M. Wiele, der 1608 in Frankfurt als Student verzeichnet worden war. Was war aus der berühmten Schola illustris geworden! Sie war jetzt nicht einmal mehr eine bessere Stadtschule. Da erbarmte sich der gute und feingebildete Herzog Georg Rudolf der Stadt und der Schule. Er fühlte sich auch im Hinblick auf seinen Vater und seine Vorfahren dazu verpflichtet, ihre Schöpfung nicht fallen zu lassen, sondern sie, wenn möglich, wieder zu ihrer alten Bedeutung zu erheben. Es war der letzte Versuch. Siebentes Kapitel. Ende der Goldberger „Schola ducalis' 1. Der neue Rektor J. Melideus; sein Lebensgang bis zu seiner Berufung. Herzog Georg Rudolf hatte sich sofort nach seinem definitiven Regierungsantritt in Liegnitz 1613 aus landesväterlichen Gründen und Rücksichten der Pietät gegen seinen Vater und sein Haus die Wiederherstellung der so tief gesunkenen Illustris Aurimontana als Aufgabe gestellt. Zunächst mußte das trümmerhafte Kloster wieder in Stand gesetzt werden, und ebenso bedurfte es der Umschau nach tüchtigen Lehrkräften, und dafür setzte er alles Mögliche ein. Für die kaum noch nennenswerten Reste der Schule und des Kollegiums mußte vor allem, da auch der als Notnagel so oft zum Rektor gesetzte J. Feige fohlte, ein geeignetes Haupt beschafft werden. Hie dazu notwendigen Schritte entziehen sich leider der Kenntnis, Weil uns die inhaltreichen Briefe des S. Grunaeus von nun an im Stich lassen. Als Rektor wurde der an dem Beuthener „Gymnasium illustre" als Professor Oratoriae et Poeseos wirkende Poet J. Melideus berufen, der für die Nachwelt eine ziemlich unbekannte Größe geworden ist und uns deshalb schon dazu nötigt, seinem bis 1618 zurückgelegten Lebenslauf nachzugehen. Am 27. Aug. 1585 wurde in Sagan Jonas Milde, denn so hieß er gut deutsch, von armen Eltern geboren. 1 ) Schon seine Tirocinia und darauf auch seise Universitätsstudien wurden von den Vollstreckern des Bergschen Testaments, das gar vielen Schlesiern ihre Universitätsbildung erst ermöglicht hat, unterstützt. Von seinen Lehrern nennt er nur den Saganer Rektor Mag. J. Stralius aus Berlin 2 ), der seine Studien in Frankfurt a. O. gemacht hatte. Im ') Zu Melideus vgl. Bauch, Ludoviciana S.434ff. Cunradus S. 186. J ) In seiner Goldberger Einführungsrede 1618. Schola Goldber- gensis Bl. G3 T . Der neue Rektor J. Melideus; sein Lebensgang bis zu seiner Berufung. 445 Sommersemester 1598 bezog er noch als puer, d.h. unter 14 Jahren und unfähig, den Immatrikulationseid zu leisten, den er erst 1604 unter dem Rektor Dr. J. Heidenreich nachholte, auch die seiner Heimat benachbarte Universität Frankfurt a. 0. Bis zum Sommersemester 1605 blieb er dort und hat da auch schon zu dichten angefangen, obgleich er Zivilrecht studieren wollte, von dem er später nur bescheidene Spuren verlauten ließ. Zum 1. Jan. 1605 gratulierte er zwei wenig bekannten Männern, A. Seiler aus Krossen, der in "Wittenberg studiert hatte, und dessen Schwiegervater M. Kolbe aus „Saceia Tempe" am Bebriusfluß (!) mit lobenden Versen 1 ), die recht schülerhaft aus mythologischen Füttern zusammengeschrieben sind. In demselben Jahre weihte er seinem Freunde V. Senftleben aus Bunzlau, der nach zehnjährigem Studium in Frankfurt auf die Universität Marburg überging, eine „Elegeia" und einen „Melos". 2 ) Der Sänger der Abschicdslieder dachte wohl dabei an sich selbst, denn er wird vermutlich seinen älteren Freund, der die jungen Edelleute J. G. und Gh. L. von Winterfeld als Informator an die Lahn führte, begleitet haben. Senftleben wurde in Marburg am 27. Juli 1605 und er selbst am 4. August in die Matrikel eingetragen. Als eine Verschönerung eigener Erfindung brachte er die neue Namensform Melideus mit 3 ), die ihm den Aufstieg zum Parnaß erleichtern sollte. Als Schüler dos R. Goclonius nahm er sogleich, obwohl ihm die hessischen Verhältnisse kaum bekannt geworden waren, an der dialektisch-poetischen Fehde zwischen Marburg und Gießen teil, die zu einer Begleiterscheinung der Gründung der Universität Gießen, der Ludoviciana, wurde. Die Landgrafen Ludwig V. von Hessen-Darmstadt und Moritz von Hessen-Kassel waren durch ihre konfessionelle Stellung getrennt, und zwischen ihnen entbrannte seit 1604 ein Streit um das Patronat über die Universität Marburg, das der reformierte Landgraf Moritz an sich allein riß. Moritz berief am 22. Juli 1605 die Führer der lutherisch gesinnten Marburger Geistlichkeit, darunter den Superintendenten und auch Professoren der Universität, auf das Marburger Schloß und verlangte von ihnen peremptorisch die Anerkennung der sogenannten hessi- *) De Amplissimo Viro Domino Mathia Kolbio, & Eius Genero ... Adamo Seiloro etc. Epigrannna Jonae Mieldei ... Prancofurti eis Viadrum 1605. Kai. Jan. Impr. per N. Voltzium. fol. s ) S. u. die „Vota Amicorum Sacra": S. 459, Anm. 2. •) Die Namensform, die ihm bei seinem ersten Debüt vom Drucker in Mieldeus verunstaltet worden war. 446 Ende der Goldberger „Schola ducalis". sehen Verbessorungspunkte, die auf Umwandlung bis dahin lutherisch gewesener Lehren und Gebräuche abzielten. Die Vorgeladenen weigerten sich, darauf einzugehen, und baten, entlassen zu werden. Diese Bitte wurde als Bitte um Entlassung aus dem Amte genommen. Am 6. Aug. crf-olgte dann ein Aufruhr der Bürgerschaft gegen die neu eingesetzten reformierten oder philippisti- schen Prediger mit wüsten Auftritten in den Kirchen und schweren Mißhandlungen der Geistlichen, den der unterdes nach Kassel zurückgegangene Landgraf nur durch die Aufbietung militärischer Macht unterdrücken und beilegen konnte. Die entlassenen Geistlichen und die andern lutherischen Angehörigen der Universität räumten schleunigst die Stadt, um nicht der Urheberschaft des Aufruhrs beziehtet zu werden. Da es für Ludwig V. nicht tunlich war, in Marburg selbst einzugreifen, kam er in Übereinstimmung mit seinen beiden Superintendenten J. Victor in Gießen und J. Angelus in Darmstadt auf den Gedanken, dem reinen lutherischen Bekenntnis und seiner literarischen Betätigung einen Ersatz für Marburg zu schaffen. Vietor und Angelus wendeten sich fast gleichzeitig und noch vor dem Aufruhr in Marburg an den Landgrafen zunächst mit dem Vorschlag, in Gießen ein Gymnasium illustre zu gründen. Landgraf Ludwig, der selbst schon an die Gründung einer Universität gedacht hatte, ging bereitwilligst auf die Vorschläge der Superintendenten ein: am 10. Okt. 1605 wurde in Gießen das Gymnasium illustre eröffnet, und bald begannen die Vorlesungen am Gymnasium und der Unterricht in dem dazu gehörenden Paedagogium; am 7. Okt. 1607 erfolgte die Eröffnung der neuen Universität in Gießen. Landgraf Moritz hatte das Bedürfnis, alles, was sieh in Marburg zugetragen hatte, von seinem Standpunkt aus berichtet und betrachtet, vor die Öffentlichkeit zu bringen. 1 ) Das geschah in einem „Historischen Bericht". Auf diesen Bericht antwortete J. Vietor 2 ) mit einem „Kurzen beständigen Gegenbericht", auf den von Marburg her nur eine zweite, verbesserte Auflage 3 ) des „Historischen Berichts" folgte. Dafür erhob sich der Pfarrer K. Embden und griff durch einen „Kurzen schriftmäßigen Bericht über die hessischen Verbesserungspunkte" Vietor heftig.an. 4 ) Speziell gegen den „Beständigen Gegenbericht" Vietors wendete er ') Bau eh, Ludoviciana S. 426, Anm. 10. ») Ebenda S. 426, Anm. 11. s ) Ebenda S. 427, Anm. 12. «) Ebenda S. 427, Anm. 13. Der neue Rektor J. Melideus; sein Lebenslang bis zu seiner Berufung. 447 sich 1 ) in zwei „Analytischen Confutationcs und Widerlegungen". Vietor entgegnete 2 ) mit einer zweiten Auflage seines „Kurzen beständigen Gegenberichts". Embden faßte nun seine Schriftclien in einem Bande zusammen 3 ) mit einer besonderen Vorrede und einer angehängten Apologia, „darinnen des Doctoris öffentliche Mendacia und falsche Consequentz seiner Vorrede entdeckt und umgestoßen werden". Zu Embden gesellte sich als Genosse der Pfarrer D. Angelocrator oder Engelhard mit einem scharfen „Abweiser D. Jcrcmiac Vietoris". 4 ) Soweit die Theologen! Die Philosophen der Zeit konnten bei einem solchen Streite auch nicht lange untätig zusehen, denn in dieser Periode der Streittheologie mußten sie den Theologen das Rüstzeug für ihre Studien, Schriften und Disputationen in die Hand geben, außer durch die drei alten Sprachen namentlich durch die logisch-dialektischen und metaphysischen Disziplinen. Sie waren daher zum großen Teile auch selbst theologisch gebildet und übten ihre sogenannte Philosophie bei Disputationen gern an theologischen Themen. Am 12. Okt. 1605 disputierte in Marburg unter dem Vorsitz des ordentlichen Professors der praktischen Philosophie Mag. R. Gocleiiius als Iiespondont der Student der Philosophie und Theologie B. Brant aus Wesel über grammatische, logische, rhetorische, mathematische, physische und politische Themata de Analogia seu Proportione. Diesen theoretischen Fragen war noch die theologische angehängt: „Assertio verae et orthodoxae senten- tiae de Analogia sacramentali inter panis in coena fractionem et corporis Domini in cruce immolationem." 5 ) Die Tendenz war klar: sie richtete sich gegen die Lutheraner. Diesen Handschuh nahm sofort der ordentliche Professor der Logik und Physik an dem „illustre et principale Gymnasium Giessense" Mag. K. Finck auf, und unter seinem Vorsitz disputierte am 21. Dez. 1605 als Tiespondent Th. Fabricius aus Laubach in einer „Disputatio I. phi- losophica", so sagt die Ankündigung kürzer, „de Analogia", und a uch hier wurde eine „Disputatio de 'fieta' Analogia sacramentali 'Cingliana' et 'Calvinistica non-omissione' fractionis panis" gegen e ine auf der Marburger Universität über dasselbe Argument gehaltene Disputation angehängt. 6 ) Wie Brant in der Marburger Disputation, so war Fabricius in der Gießener nur vorgeschoben, die eigentlichen Kämpen waren Goclenius und Finck. Daß Finck ') Bauch, Ludoviciana S. 427, Anm. 14. ») Ebenda S. 427, Anm. 15. ') Ebenda S. 427, Anm. 16. «) Ebenda S. 428, Anm. 17. ") Ebenda S. 428, 429, Anm. 19. •) Ebenda S. 429, Anm. 20. 448 Ende der Goldberger „Schola ducalis". sagte: „Disputatio I", deutete klar an, daß er willens sei, die Marburger Thesen gänzlich zu zerpflücken. Auf die Herausforderung antwortete so wieder eine Herausforderung. Dem Drucke der Thesen Fincks war aber noch eine Zugabe beigefügt, die man recht wohl als ein „Corollarium" der Disputation auffassen konnte: ein Gedicht, das auch Polgen hatte, weil es ebenfalls einen Angriff gegen die Marburger enthielt, ein „Carmen commendaticium" mit Stacheln. 1 )' Es blies die gegenseitige Erregung zum Sturme an. Verfasser war der Professor historiarum et poeseos am Gymnasium Mag. K. Bachmann aus Melsungen. Diese Gießener Publikation tat in Marburg sehr weh; an Th. Fabricius, obgleich auch er Marburger Student gewesen war, ging man vorbei, er war zu unbedeutend; aber Finck und Bachmann waren Marburger Magister, und Finck hatte als Schüler Goclenius einst nahegestanden, Brant war Fincks Schüler gewesen, und Bachmann hatte auch zu den Füßen des Goclenius gesessen. Der ersten Gießener Disputation folgte bald die angedrohte zweite über dieselben Themata. 2 ) Diesmal disputierte als Respon- dent unter dem Vorsitz Fincks der Nassauer J. Hien, der auch fünf Jahre dem Pädagogium und der Universität Marburg angehört hatte. Diese zweite Disputation Fincks ging aus, ehe von Marburg aus noch auf die erste geantwortet worden war. Inzwischen war jedoch eine Entgegnung auf das große „Carmen Bachmanns bei der ersten Disputation durch eine Parodie erfolgt, die weit bösartiger war als die Verse Bachmanns und mit Kecht große Entrüstung hervorrief. 3 ) Der Verfasser, J. Melideus, ließ sie in Marburg bei Kctzel drucken und unterschrieb ,"Iov evt^wiag 10 MeXt to Aeog u . Wir lassen jedoch hier noch nicht Bachmanns und Fincks Reaktion dagegen zum Worte kommen, weil wir den durch den Marburger offiziellen Bericht und den Gegenbericht Vietors entfachten Streit noch bis zum Ende verfolgen müssen. Melideus ging auch hierbei nicht ungerupft aus, ja, er erhielt vielmehr den ersten kräftigen Gegenschlag. Vietor sah sich genötigt, die Verteidigung oder Rettung seines Gegenberichts gegen die Schriften Embdens und Angelocrators aufzunehmen. 4 ) Er steckte dabei auch Melideus an die Nadel und kanzelte ihn gebührend ab (21. März 1606), indem er schrieb: ') Bauch, Ludoviciana S. 430, Abdruck des Gedichts. J ) Ebenda S. 432, Anm. 28. ') Ebenda S. 433, 434, Abdruck des Gedichts. *) Ebenda S. 435, Anm. 31. Der neue Rektor J. Melideus; sein Lebensgang bis zu seiner Berufung. 449 „Hierbey bleibt es nicht, sondern damit Gegentheil ja der Leber genugsam räume und das Müthlein an uns Unschuldigen erkühle, so mußten auch Pasquilli und sonsten verbottene öffentliche Schmäheharten hernacher geschoben werden. Da lästert J. Melideus in seiner Parodia, zu Gießen halte man dem Bapst sein Feyer. Die alte bißher zu Marburg gewesene Theologen nennt er ver- lauffone alte und satte Caballen [Gäule]. Ja, dieser gottlose Pasquillant darff schreiben, die Pfarrkinder zu Gießen hätten sich hungerigen Wölffen willig ergeben und ließen sich elendig verleiten und verführen. Er schreibet ferner, der durchleuchtige und hoch- geborne Fürst und Herr Herr Moritz, Landgraf zu Hessen etc., hab wohl gethan, daß er solch examina flagitiorum, d. i. gantze Schwärm Schandt und Laster, zu Marburg außgeschafft. Gerade als ob der durchleuchtige und hochgeborne Fürst und Herr Herr Ludwig der Älter, Landgraff zu Hessen, hochseliger Gedächtnis bei Seiner Fürstlichen Gnaden Leb- und Regimentszeiten zu Marpurg bey Hof, Kirchen, Schulen und Policey an gehalten Seiner Fürstlichen Gnaden Seelsorgern, Theologen und Predigern gantze Schwärm Sünden und Schanden geliebt, geschützt und underhalten hätte." Die Hydra, die Vietor bekämpfte, bekam jedoch noch drei neue Köpfe. Er mußte also wieder zur Feder greifen und tat das x ) mit einer „Kurzen und notwendigen Retorsion". Was noch nach dieser Retorsion kam, liegt uns fern, und wir kehren daher zu den Philosophen und Poeten zurück. Goclenius schwieg zum Erstaunen Fincks ziemlich lange über dessen erste und zweite Disputation. Da erschienen endlich, für den 19. März 1606 angesagt, apologetische Thesen gegen die beiden Finckschen Disputationen, über die wieder B. Brant als Respondent unter dem Vorsitz des Goclenius Rede und Antwort stand. 2 ) Brants Anzapfungen durch Finck und seine Respondenten gab Brant in einem scharfen Angriff zurück. Die beiden an der Publikation beteiligten Poeten, J. Melideus und S. Z. T.W., stellten mit ihren Versen eine bewußte Antithese dar. Melideus pries in dem ersten Gedicht den Landgrafen Moritz als Beschirmer der reinen Lehre und sang in dem zweiten sein überschwengliches Lob. S.Z. T.W. machte Bachmann schwere Vorwürfe, daß er den frommen Fürston angreife: er müßte einen Nesselkranz, wie es einem bissigen Dichter zukomme, tragen und nicht den Lorbeer. l ) Bauch, Ludovieiana S. 436, 487, Anm. 32. ') Ebenda S. 437, Anm. 34. Monumente Germanlae Paedagogiwi LVII l^H 450 Ende der Goldberger „Schola ducalis". Kaum war die Disputation in den Händen Fincks, so machte er sich auch sofort an eine vorläufige Widerlegung, die seine ganze Erregung zum Ausdruck brachte und wie ihm selbst so auch Bachmann die Gelegenheit gab, ihrem Widerpart Melidcus durch einen derben Backenstreich über seine Parodie zu quittieren. 1 ) Finck begann den „Prodromus" mit der Erzählung der Kämpfe, wie sie sich bisher entwickelt hatten. Er sagt: „Sobald ich meine erste Disputation gegen das Brotbrechen und die zwinglische Analogia sacramentalis gehalten hatte, ging das Gerücht, daß in der Nachbarschaft [Marburg] eine Widerlegung derselben vorbereitet werde. Während ich aber durch recht viele Wochen darauf wartete, siehe, da gehet von jenem lausigen, erbärmlichen und lahmen Wichte, dem aus Schlesien stammenden Jonas Melidcus, der, nur von seinem Tintenfaß bogleitet, nach Marburg gekommen war, eine Parodie aus, in der jener auf das Gedicht, das meiner ersten Disputation angehängt war, sich zu antworten herausnimmt. Aber, bei dem unsterblichen Gotte! er speit in jener öden [futili] und schlecht zusammengeflickten Parodie soviele Schmähungen aus, daß ein ganzes Lastschiff sie kaum fortschaffen könnte. Denn, um von jenen Verleumdungen zu schweigen, in denen er unsern erlauchten Fürsten beschuldigt und unsere Schule einen schändlichen Kahn des Papstes nennt, der hier von Furien und dort von Skorpionen zusammengehalten wird, heißt er mich einen übergelaufenen Magister, heißt er unsere berühmten und gelehrten Männer satte und alte Gäule, Wölfe, deren Hunger sich die Bewohner Gießens hingeben^ von denen das unglückliche Gießen verwirrt werde, von welchen Wirren man schon in Wittenberg und Rom gesprochen habe, heißt er aus der Stadt [Marburg] hinausgejagte Schwärme von Schandtaten, Sprößlinge oder Verehrer des Flacius [Blyricus], die die Lehre des Philipp [Mclanchthon] hassen, die Ränke schmieden, den Altar aufstellen, die Bilder putzen, heilige Gemüter verletzen, die Herzöge reizen, deren Ruf die frevelhafte Verleumdung nähre usw. 0 Zeiten! 0 Sitten! Sie wird kommen, sie wird endlich kommen die Zeit, wo der mächtige und unsterbliche Gott das unverschämte und freche Maul mit rächendem Feuer strafen wird, wenn es sich nicht zeitig bessert und unter jenen schauderhaften Schmähungen zu lachen aufhört." Dann wendet der „Prodromus" sich gegen Embden und Angelocrator und schließlich ganz gegen Brant. Auch Melidcus erhält noch seinen Tritt, so z. B.: „ü D1 ') Bauch, Ludoviciana S. 438, Anm. 35. Der neue Rektor J. Melideus; sein Lebensgang bis zu seiner Berufung. 451 propino, considera, quaeso, disputator, an non sit aliqua analogia inter Dominum Goclmiium et Brantium, vel inter Brantium et asi- num, vel inter asinum et atramentarium Melidei? Quis interim dicat, in hisce thesibus apologeticis Dominum Goclenium non esse Brantium, vel Brantium non esse asinum, vel asinum non esse atramentarium Melidei? Misellum profccto argumentum! Cur non re- sponsionem Brantianam aut Goclenianam et parodiam Melidei Brantianam aut Goclenianam vocas?" Und noch an zwei andern Stollen sucht er Melideus dem Goclcnius und Brant, ohne ihn zu nennen, doch mit Anagrammatismcn, die später verständlich werden, zu verekeln. Damit war aber Melideus noch nicht abgefunden. 1 ) Hinter den Auseinandersetzungen Pincks kündigte sich Bachmann mit einem „Lector Salve!" an. Er protestiert dagegen, daß er am Ende der Brantschen apologetischen Disputation (von S. Z. T."W.) vor aller Welt der Majestätsbcleidigung angeklagt werde und daß ihm darin, wie jeder sehe, schweres Unrecht getan werde. Dahingegen habe ein gewisser Schlesier, Jonas Melideus aus Sagan, mit Ketzelschen Typen eine frevelhafte Parodie veröffentlicht, in der er die Gießcnor Schola illustris et principalis als schändlichen Kahn des Papstes, der durch die Furien und Skorpionen zusammengehalten würde, anschuldige, eine unerhörte Beleidigung, die vor allem den erlauchten und gnädigen Pursten und Herrn, den Landgrafen Ludwig von Hessen als den Urheber und hochlöblichen Gründer der Schule treffe. Auch der verstorbene ältere Purst Ludwig und der hohe Kurfürst von Sachsen werde nicht verschont. „Ich könnte", fährt er fort, „mit Kecht zu einer notwendigen Verteidigung angetrieben erscheinen, wenn nicht schon anderes geschehen müßte und so die Zeit mir mangelte. Ich habe jedoch nicht umhin gekonnt, damit man mich nicht für ganz verausgabt betrachte, diesmal das Wenige, kurz nachher ein Mehreres zu geben willens, vorauszuschicken. Die kurze Weile mögen jene mit Gleichmut und Geduld tragen. Ich fasse sie auf bäurische Art an, denn auf städtische verstehe ich mich nicht. Zuerst magst daher du, Melideus, herkommen, ich werde dich mit den drei folgenden Anagrammatismon beglücken. Bald wird dir Brant folgen." Und uun kommen auf zwei Epigramme verteilt, die drei Anagramma- tismen. Dadurch, daß er statt „Melideus" „Melidaous" unterschob, konnte er den Schlesier zum Esel und Narren, der Schellen kaufen solle, befördern. ') Bauch, Ludoviciana S. 440. 452 Ende der Goldberger „Schola ducalis". Damit noch nicht genug! Dem „Prodronjus" folgte umgehend noch als „Disputatio tertia 1 ) et ultima" eine Entgegnung auf den letzten Teil der apologetischen Disputation des Goclcnius. Unter dem Vorsitz Fincks respondierte jetzt K S. Gomp aus Wiesbaden. Bachmann begnügte sich für diesmal mit einem kurzen Epigramm auf den dritten Zusammenstoß Pincks. Über Melideus liest man hier kein Wort. Er mag sich etwas darüber gewundert haben. Aber hinter den Gießener Kulissen bereitete Bachmann, wie er angedeutet hatte, einen Hauptschlag gegen ihn vor. Die Vorbereitungen waren noch nicht beendet, da steuerte Melideus zu dem peinlichen Gericht freiwillig neue Beiträge zu und legte so eigenhändig Holz an das Feuer, mit dem man ihn brennen wollte. Finck aber sah seine Aufgabe Goclenius gegenüber mit seinen drei Disputationen und dem „Prodromus" für abgeschlossen an und gab diese deshalb im nächsten Jahre, zusammengefaßt, heraus ohne Nennung der Respondonten und nur mit den Gedichten Brachmanns. Und damit scheiden für uns jetzt auch die Philosophen aus; es beginnt der nur noch mit Versen, Grobheiten und Schmutz geführte poetische Kampf. Res ad fustes et faeecs venit. Die meisten Dichter finden bekanntlich nicht die Anerkennung, die sie nach ihrer Meinung verdienen. So war es auch schon im 17. Jh. Dagegen hat jeder Überfluß am Gegenteil. Man nannte damals das mit gebührender Verachtung behandelte mißgünstige Gesindel „Zoili". Der arme Melideus hatte bei seinem poetischen FreischäYlerdienst drei schlimme „Zoili": Vietor, Finck und Bachmann gefunden. Alle drei hatten ihn öffentlich an den Pranger gestellt. Das mußte gerächt werden. Er tat es im Mai 1606 mit seinen an die Erzeuger und Verschleißer Finck und Bachmann zurückgeschickten Gießener Schollen, die er auch mit dem feinen Etikett „IAMBOI ZKAZONTEZ" versah und außerdem, um ja verstanden zu werden, auch noch „Apologie des Jonas Melideus" betitelte. 2 ) In der Vorrede wandte er sich allein gegen Finck und Bachmann und die verfluchten und verzweifelten „machinamenta" der beiden gegen ihn; nur ganz nebenbei streifte er die ungesalzenen Aussprüche des J. Vietor, und er läßt auch die, die den zwei Gies- sener Magisterchen aushilfsweise beistünden, beiseite. Bachmann l ) Bauch, Ludoviciana S. 442, Anm. 37, 38, 39. *) Nolae Giossenae. Ad M. G'asparum Finckium M. Conraduni Bacli- mannum Auetores Propolasve Remissac: Sive i'ä/ißot oxäCorres Apologia J. Me- lidei 1606. M. Majo. 4°. Der neue Rektor J. Melideus; sein Lebensgang bis zu seiner Berufung. 453 habe, sagte er, eine Ode (es war eine Elegie) gegen den Landgrafen Moritz geschrieben, er eine Parodie dieser Ode (es war gleichfalls eine Elegie). Das sei sein Recht als Poet gewesen. Ohne sein Wissen, nicht von ihm publiziert und gegen seinen Willen sei sie gedruckt worden. Der unverschämte Maulmacher habe auch gegen die Versicherungen der Gießener Doktoren*) behauptet, daß die Magister aus Marburg vertrieben worden wären. In den „Skazontes" variiert das unschuldige Lamm diese Ausführungen nochmals. Er hat die Parodie zu seiner Übung gesehrieben, also wie ein Schuljunge, nicht aus Scheelsucht und zu Streit. Sie ist ohne sein Wissen und Wollen von einem gedruckt worden, dessen Namen er aus Rücksicht auf die Nachbarschaft nicht nennen kann. Sein stiefmütterliches Geschick hat ihm die Ruhe mißgönnt. Er hat nicht die Fürsten verletzt, sondern nur seinen Lehrer Goclenius gegen Finde und Bachmann verteidigt. Nach diesen wehleidigen Betrachtungen wird er sofort grob gegen Finck und Bachmann zusammen im allgemeinen, gegen die „Fringillasininobaccantistropi vates"; dann nimmt er Finck als ersten allein vor. Er erinnert ihn an seine ehemaligen verlausten, unsauberen Lumpen, da jener ihm sein eigenes Geschick vorgeworfen habe, und schließt mit einem Echo, das asinus oder asellus stark /.um Gegenstand hat. Natürlich kommt er auch auf anagrammatische Witze, von denen einer heißt: „Canis, furcam cupis!" Hierauf kommt Bachmann an die Reihe. Dieser wird kurzweg als „Insanus" behandelt, als „cornutus Bacchus", „os pestilons", „sy- cophanta" und Lügner. Er habe gesagt, Melideus greife das Illustre Gymnasium und die Gießener Doktoren an. Bachmann und Fincko lögen, und dazu käme noch ein Dritter. Damit ist selbstverständlich Vietor gemeint. Hierauf geht er seine Parodie durch und beginnt mit der ersten Zeile: „fabricari in Giessa cymbulam papae." Sie seien durch ihre „Machinamenta" Vorkämpfer des Papstes. Er habe nicht daran gedacht, die Schule anzugreifen, nur die zwei oder drei Magister, und es wäre für die Schule besser, diese fehlten. Den „Bacchnnder" schimpft er „Ubiquitarie vetcrator impure". Bachmann habe die schlimmsten Brüder unter den Papisten und Lutheranern, die mit giftigem Ilasso die reformierten Kirchen befehden. Er meine damit nicht die guten, friedlichen Lutheraner, die über ihre Herde wachen und sie weiden und nicht verleumden ') Bauch, Ludoviciana S. 443, Anm. 41. 454 Ende der Goldberger „Schola duoalis". nach dem boshaften Beispiel des „Prodromus". Er habe geschrieben, „saturos caballos urbe fugisse", nämlich satt von dem Blute der Prediger und von den Unruhen, die der unglückselige Haufe erregt habe, bei denen selbst die unverletzlichen Kirchen profaniert worden seien und sie sich ihrer Begierde hingegeben hätten. Das aber beziehe Bachmann unwahr auf die Obersten der Universität Marburg, die gar nichts damit zu schaffen gehabt hätten. Unwahr habe jener auch von ihm gesagt: „Ensiferi ora Saxonis saneta laceras", und darauf antworte er: „Mentire fortiter!" Ihn dauere „misellus Bacchander", daß er nicht für eine solche elende Beweisführung die Vorübergehenden um ein paar Heller anbettele. Das habe er wohl von afrikanischen Menschen („«et \ «) Ebenda Bl. L2^— PS'. 4(14 Ende der Goldberger „Schola ducalis". V. Lange aus Liognitz ersetzt, der auch „Collcctor reddituuni scholae" war. 1 ) Er ist bereits im Wintersemester 1592 in Frankfurt immatrikuliert worden. Mit drei schwach besetzten Klassen begann der Unterricht. Trotz der bescheidenen Verhältnisse begann Melideus guten Muts seine Tätigkeit. Nach außen machte er sich wieder zuerst durch ernste und heitere Verse bemerkbar. Dem 1617 verstorbenen ehemaligen Rektor der Liegnitzer Schule Mag. N. Ludwig widmete er ein Trauergedicht 2 ) und dem Prokanzlcr der Fürstentümer Schweidnitz und Jauer M. Pezold, der am 13. Nov. 1618 Dorothea, die Tochter des verstorbenen Liegnitzer Superintendenten A. Baudis, heiratete, ein Hochzeitscarmon. 3 ) Ein Zeichen dafür, daß er ohne Sorgen in die Zukuuft sah, war seine eigene Verheiratung mit Ursula Koschwitz am 4. Dez. 1618, die von den zahlreichen Freunden, die er unterdes erworben hatte, mit Gedichten verschönt wurde.*) Unter diesen befand sich sein Marburger Freund E. Hoßmann, der nun Liegnitzer Hofprediger war, der herzogliche Rat J. Muccius, Mag. B. Exner, Mag. D. Vcchner, der herzogliche Sekretär J. Ludwig, B. W. Nüßler, der herzogliche Sekretär G. Thalwcnzel, G.Werner aus Goldberg, der Superintendent Grunaeus u.a. Auch die politischen Verhältnisse Schlesiens haben Melideus zu einer anagrammatischon Veröffentlichung angeregt. Als 1620 Friedricli V. von der Pfalz von den böhmischen Ständen zum König erwählt worden war und auch in Schlesien Anerkennung gefunden, hatte, war in den katholischen Kreisen, bei den Jesuiten und dem Klerus, sagt Melideus, die Meinung verbreitet, das Königtum würde nicht von Bestand sein und Friedrich würde bald wieder gehen. Das vcranlal.itc ihn, zwei Anagrammatismen, den einen von einem „proditor", den andern von einem „civis bonus", drucken zu lassen, „Vindiciae Regiac" genannt. 5 ) Der erste, unterschrieben ') St. B.-Br., Wenzel. J ) M™. ac Honori ... Nicolai Ludovici Glog. Scholae qvond. Ligiae Rectoris emeriti Sacrao Denicales Parentantium Lacrymae. Lignicii Typis N. Sartorii. 4°. ') Matthaei Pezoldi Svidnic. ac Jaurav. Ducatuum Pro-Cancellarii et Do- rotheae Baudisiae, Andr. Baudisii . . . Superint. . . . Filiae. Nuptiis ad d. 13. Novemb. 1618. Lig. Celebr. Sacr. Epaulia. PP. Typis Lig. N. Sartorii. 4". *) Jehovae Opt. Max. Gamothet. & Sospitatori Pronubo S..Jonae Melideo . . . 111. Aurimontanae Rectori Et Ursulae Koschwitiae . . . Novis Nuptis Felicia Pausta Bonaq. Omnia Precantur, Amici . . . Prid. Non. Xbr. 1618. Aurimon- tü. Lignicii Typis Sartorianis. 4°. s ) Vindiciae Regiae sive, ex eodem Nomine Regio Anagrammata duo confeeta; Illud a Proditore, hoc a Cive Bono. 1620. fol. Stiftung einer „communis mensa" und ihre Nachgeschichte. 465 „Jesuita", macht aus „Fridericus Qvintus Elector": „Qvin rides lector? Fucus erit", der zweite, unterschrieben „I. M.": „Qui rident fueos? Clerus erit." Der zweite ist ohne die epigrammatischen Verse gar nicht recht verständlich. Die Unterschrift „I. M." war der Vorsicht wegen nicht übel. 3. Stiftung einer „communis mensa" und ihre Nachgeschichte. Vor Toresschluß fiel der schwächlichen Schule noch eine wohltätige Stiftung 1 ) zu, die, wenn die Schule noch einmal einen Aufschwung genommen hätte, recht wohl zu ihrer Erstarkung beigetragen haben würde. Am 1. Dez. 1619 starb der ehemalige Hauptmann des Fürstentums Liegnitz "W. von Rothkirch, der unter Zirklor und Sickius Schüler in Goldberg gewesen war und in seinem Testament vom 17. Febr. 1613 die Zinsen von 20 000 Talern, die bei dem Käufer seines Gutes Panthen bleiben sollten, halb für seine Familie und halb für arme junge Leute, die die Schola ducalis besuchen mußten, bestimmt hatte. Es heißt in dem Testament: „Als ordne ich, daß von den obgemeldeten Kaufgeldern der 20 000 Thaler meines verkauften Gutes so hoch als 10 000 Thaler und also das halbe Theil der jährlichen Zinsen genommen, zur Goldberger Schule geschlagen und hiervon eine communis mensa, soviel nach Gelegenheit dieser Summe geschehen kann, aufgerichtet werde . . . Zweifels ohne es werden neben der lieben Obrigkeit sich mehr Leute finden, welche diese Bequemlichkeit, so dieses Fürstenthum hat, daß sie ihre Kinder propter animi cul- turam nicht erst weit verschicken, sondern in diesem Gymnasio gleichsam vor der Thür und in matrum complexibus haben, auch täglich ihre incrementa und progressus sehen und selber befördern können, und derowegen dieses mein angefangenes "Wohlmeinen modo meliori continuiren und verbessern helfen. Weilen aber heute nicht neu, daß oftmals die beneficia etiam indignis conferirt werden, als ordne, schaffe und will ich, daß solche alumni alle halbe Jahre zu gewisser Zeit von dem Rectore und Collegio im Beiwesen derer, so von der Obrigkeit der Schulen zu Inspectoribus u nd Praesidibus geordnet werden möchten, examiniret und die, Evangelium. Poetica Exercitia. Extraord. exercitia. Der Lehrplau von 1620. 469 In Media Classe habebuntur Hora media VII VII • IIX XII I II --------- c Hymnus lectio Biblior. & preces matu- tinae. Etymolog. Praecepta. Epistolae Ciceron. M U S I c A Kepetitio lecti- ...---- Exer- citium stili e d" e Lectio Graeca. Exercit. stili. 2|- Syntaxeos Praecepta. Disticha Cat. vel loci com. Mur- melii[!]. onis ante- meridia- nae. Lectione antemerid. ? t------------ Cateches. Luth. Evangel. Graec. Eatio Ordinis In Prima Classe. Cum duobus Doctrina omnis absolvatur: Regulis et Exemplis, operam dedimus, ut diebus C et c? eius artis, quae horis ante- meridianis auditur, a meridie Exempla in Auetoribus utriusque linguae subderentur. Die quidem C Historici, inter quos Sleidani Monarchiae, ut una fidelia duo parietes dealbentur, id est, ut et historico stili generi mature adsuescant Auditores et eius discipli- nae prineipia velut cum lacte Grammatico hauriant. Adiuncta Cyropaedia Xenophontea, cum quod moralis, tum quod Principis Monarchiae quaedam delibet, alterius ineunabula ponat. Die d 1 ut vorsa prorsis succedant, Poetae utriusque linguae habentur pro Exemplo. Ovidii Metamorphosis ob eam electa potissimum causam, cum quod carmen perpetuum sit, id est, Poeticarum fabella- rum seriem, instar Historiae ab ovo usque stilo facili et delectabili deducat, tum etiam quod inde velut ex immenso Oceano multi- fariae prudentiae rivuli in omnem vitam (cuius universalis quaedam idea est) exundent. Die - 9 I Dialectica et Rhetorica Exempla sumunt; illa quidem ab Exercitio aliquo Logico, haec ab Oratione Ciceroniana. Die vero 9 horis matutinis praecedentium artium Exempla repetuntur, alterum in soluta, Oratio Ciceroniana, alterum in ligata, 470 Ende der Goldberger „Schola ducalis". Metamorphosis Ovidiana, cui postmodum Virgilius, Horatius et alii commodum succenturiari possunt. Pomeridianarum horarum (ut facultatum, quas vocant, praegustum aliquem capiant Juniores) prima Institutionibus Juris, altera Examini Philippeo est destinata. In Secunda Classe. Ne onerarentur Juniores, hac ratione cautum est: Diebus C et c? praecepta Etymologica, Diebus - ; | et ? Syntactica primis horis inculcantur. Sequentibus dierum horis Exempla praeceptorum, in soluta unum, alterum in ligata (ubi obiter praecepta Prosodica traduntur et exercentur) subiiciuntur, ac inde stili Exercitium de- sumitur. Graeca autem singulari sane ratione instillantur. In Infima Classe habebuntur: Ante Septimam Hymnus, Preces, Psalmus recitatus. Diebus i d - c, l- ? hör. VII. VIII. antemerid. I. II. pomerid. Collectio litera- rum, Lectio, Donatus cum una et altera vocula memoriter servata. Ilora XII. literarum pingendarum exercitium. Die $ horis matut. Catechetica. Die Sabbati Evangelium et Rosarium. Exercitiorum Per Classes haberi consuetorum universim haec esto Svvoipis. ordinaria Exer- citia Animi Extra- ordinaria.' Actus / Stili soluti. quotidiana j Vocalis. ' Musices < l Organices. {soluti. ligati. vallata( Menstrua| q ua i eg praenaiia destinatae velitatiunculae. Simplex, Reoitatio. ^ Sub ; tus . Disputatorius'i *• Solennis. I Operosus Orato-, rius i Deambulatio. unius aut alterius, Declamatio. /■Consultorius- Eorensis^ "is. Comoodia. plurium Per8 °- { / Simplex { Lotoriar 1 ™ 18 ' narUm (sceni-1 * Tragoedia. Ipila. cus [Mistus, quales Pastorales & aliae Tragicomoediae. * accuratiora, cuiusmodi 111, Prineeps voluen't. U ris^ il! orensis< aox>j-\ Uudicial WJistoncus. Schulrevisionen und ihr ungünstiges Ergebnis. 471 Ulud vero cog naQodcag* indigitamus, si Respublica haoc lite- * obiter. raria uberius frequentari coeperit, non tantum Exoticarum lingua- rura hortos et penitioris Philosophiae adyta aperiemus, sed insuper noÖG"/r\ixa** quoddam et simulacrum Politiae adornabimus ad exem- •• praeiudium. plar veteris Romanae commodissime institutum, in quo tarn Civium ordines, Senatorius, Equestris, Plebeius definiantur, quam functiones etiam singulorum more et formula veterum administrentur. Quod si Exercitiis propitium änb ju?]%avfjg* Numen adfulserit, * e macniDa. nihil ad eva%t]ixoavvr]v*'* Politiae consummandam defuturum spe- ** decorem piut. Themist. ramus. Graeci cum innumerabiles insani Persae copias, quibus ceu diluvione obrucbantur, partim mascula virtute fugassent, partim concidissent, etiam caatris hostium potiti, eum diem veluti libertatis suae natalem venerati et de victimis votisque solvendis soliciti, ne i'estum Persico, id est, barbaro, profano et impio igne contamina- rent, omnes focos exstinxerunt novumque intaminatum et sacrum ignem Delphis in castra apportari curarunt. Excitemur infidelium solicitudine nos fideles. Postquam hie locus, fato Musis debitus, non quidem hostili iniuria, sed inunda- tione inaudita, incendio horribili, peste pestilentissima desolatus, nunc demum Numinis nutu, favore et munificentia Serenissimi Prin- cipis nostri reconvalcscens de tot damnis, de interitu ipso triumphat, exstineto et funditus deleto barbariei et vitiorum igni, novam cae- litus hauriamus rlammam ex ignario Sancti Spiritus, qui igneo si- mulacro Linguarum et Sapientiae dona Apostolis communieavit, qui adhuc calore suo divino artium semina f'ovet et in messem uberrimam conservat. Quo animo si tarn Docentes quam Discentes i'uerint, non modo initia Scholae cum Christo Servatore et ipsa rerum natura resurgentis seseque Phoenicis instar a busto inno- vantis bene habebunt, sed incrementa etiam et successus indies prosperiores experiemur. Quod Jehova opt. max. ratum faxit: vivant, vivant Chrysorea- des Camenae: ElaOlVai, lElUCOVldÖeg, Jlokvdv&eUOl, äyvaL* * Vernac,pratenses, ^ r ' ' florentea undique Benevalete. PP. Pesto dominicae ßesurrect. A.Ep.Chr. CODCXX." i'" rae -orph.Hymn. 5. Schulrevisionen und ihr ungünstiges Ergebnis. Am 7. Sept. 1620 setzte Herzog Georg Rudolf A. von Kreck- witz auf Adelsdorf (einst Schüler des Laubanus), H. H. von Kreckwitz auf Kroitsch und den Pfarrer und Dekan G. Winkler in Goldberg zu 472 Ende der Goldberger „Schola ducalis." Inspektoren der Schule 1 ), die alle Mängel, die sie fänden, dem Superintendenten in Liegnitz berichten sollten. Zwei von den vieren sollten abwechselnd alle Quatember vom Herzog nach Goldberg abgefertigt werden und dem Rektor und den Lehrern solche Mängel verweisen. Schon zu Michaelis hatte der Herzog Veranlassung, den Lehrern pflichtschuldigen Fleiß und Friedfertigkeit und Eintracht anzubefehlen. In einer besonderen Supplikation 2 ) versprach der Rektor Melideus, dem Befehl seinerseits nachzukommen, beklagte sich aber über die Widersetzlichkeit seiner Lehrer und bat zur Beförderung der Schule um den fürstlichen Schutz gegen die Attentata derer, die um der Sättigung ihrer Affekte willen die fürstliche Schule durchaus zerrütten wollten. Diese Aufregungen hinderten aber Melideus keineswegs, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit doch wieder den Pegasus zu satteln. Am 18. Okt. 1620 wurde am Liegnitzer Herzogshof eine Vermählungsfeier festlich begangen. Barbara Agnes von Liegnitz und Brieg, die Tochter des verstorbenen Herzogs Joachim Friedrich, verehelichte sich mit IL U. Schaffgotsch, Freiherrn von Trachenberg, Herrn von Kynast, Greifenstein usw. Melideus erschien als Gratulant mit einer „Satyra" oder „Sylva" 3 ), wie er sich ausdrückt: „Parnassus Chrysorinus", wobei er auch als deutscher und italienischer Dichter auftrat. Der phantastische Inhalt spielt sich auf den Höhen um Goldberg (auf Schulbesitz) ab und schiebt zuerst die Schule in den Vordergrund; die „Sylva" geht von einer poetisch-prosaischen Beschreibung des Frühlings aus: vermutlich hatten die Eheverhandlungen zu dieser Zeit ihren Anfang genommen. Der Apollo der Lygier und Vorsteher der Ely- sischen Musen schickt von seinem Hofe drei Männer „rei scho- lasticae curandae et Parnassi Chrysorini vindicandi ornandique gratia, Florens Dicastes, Gratiosus Apomyius und Hypsicrates Lonchetes". Die Stadt Goldberg liegt in den äußersten Wurzeln der Sudeten, ihre Mauern umfließt die Katzbach, seit alter Zeit steht sie unter der Herrschaft der Piasten, ihnen treu wie Gold, die Patronin der Musen, die Mutter tapferer Männer, mit fruchtbaren Äckern. Leicht steigt sie an, den höchsten Teil nimmt wie eine Burg die Kirche ein, daneben liegt das Haus der Ritter von Jerusalem; vier Tore haben die ovalen Mauern, und in dem südlich ] ) St. B.-Br., Wenzel. 2 ) Ebenda. ") J. M e 1 i d e i Parnassus Chrysorinus Satyra. Lignicii Typis N. Sartorii, (1620) fol. [Ex. leider nicht nachzuweisen.] Schulrevisionen und ihr ungünstiges Ergebnis. 473 sich absenkenden Teile liegt das Kloster oder vielmehr das „illustre Lyceum"; hier haben die vom Aonischen Berge kommenden Musen ihren ruhigen Sitz genommen. Durch welche Frequenz dieses einst unter Trozendorf berühmt war, welche Fülle von Tugend und vielseitiger Weisheit einst von dieser Quelle floß, von der "-anz Europa seine Rinnsale ableitete, das pflegt mit vollem Munde die Fama für Jahrhunderte zu verkünden . . . Dorthin werden jene geschickt wie Vorläufer der morgendlichen Sonne, d. h. der Morgenstern, der da anzeigt, daß die Gnade des Phoebus bald da sein werde. An der Furt der Katzbach liegt sanft ansteigend ein Hügel zwischen zweien, die er an Lieblichkeit übertrifft und an Höhe überragt: er möge den heut von den Barbaren besetzten Phokischen Parnaß darstellen und den Goldbergi- schon Musen mit nicht geringer Verehrung als Nympheum oder Domizil dienen. Die zwei Zwillingshügel umgeben von beiden Seiten den Hügel, der von dem alten Eckart oder, weil die Vögel dort hecken, Heckersberg heißt (und der Schule gehört). Der Rücken läuft in weite Felder aus, beide Seiten befruchtet angenehme Feuchtigkeit, und liebliches Rieseln immerwährender Quellen sickert dahin. Das heitere Haus der Nymphen und der Satyrn enthält alte Weihgeschenke, die Tasche des Menalcas, den Stab des Iolas, das Melkfaß des Amyntas, die Flöte des spröden Alexis, die Pfeifen des rasenden Tityrus und auf seiner Schreibtafel die schwankende Liebe des Meliboous, das Gewebe der Ama- ryllis, den Rocken der Lycoris, den Bogen der Corinna, den Spieß der Doris, die Blumen der Delia und den Kranz der Sylvia. Wer diese Weihgaben sehen will, muß Pan mit Lämmern und Böckchen günstig stimmen: alles ist seinem Schutz und seiner Treue anvertraut. In der Mitte des Berges breitet sich eine Fläche aus, die es verdiente erweitert zu werden, würdig dafür, weil sie die Kosten durch ihre Lieblichkeit deckte, oder es könnte auch ein neues Nymphenheim oder eine unterirdische Grotte geschaffen werden. Von hier liegt der Ausblick frei, durch nichts in der Nachbarschaft verhindert. Dieser Hügel ist es, dessen günstige Beschaffenheit untersuchen, den schmücken und durch Kunst bereichern und neuer Würde weihen unser Apollo wollte, zu welchem Zwecke die drei Männer abgesandt wurden. Nachdem sie zu den Chrysoreaden gelangt, gürten sie sich, indem sie den Gymnasiarchen Peristerius Clemens (Milde) Hesychius mit sich nehmen um die Geheimnisse der Hügel zu erforschen. Schon haben sie sich auf den Weg gemacht, da kommt ein 474 Ende der Goldberger „Scliola ducaüV. Bote geflogen, der meldet, der Mars Gryphorinus, jener Despota Dragontorestes und Helfer des böhmischen Löwen gegen die iberischen Räuber sei da. Sie gehen von den Camenae Encepiae zum Eccardinus. Beim Gehen treffen sie auf die Insel oder Halbinsel, die man insgemein die Bürgerwiese nennt. Nicht weit davon erblickt man jenseits des Cattus die Steinbrüche. Cattus wird wegen seiner furchtbaren Überschwemmungen getadelt und ihm wird gedroht: wenn er nochmals dergleichen tue, werde er nicht mehr der Cattus, sondern ein Felis furialis sein. Auf engem Wege zwischen dem Flusse und den vorgestreckten Seiten der Hügel gelangen sie endlich zum Fuße des Eccardinus. Man steigt auf, und kaum hat man damit begonnen, so hört man ein Hirtenlicd und sieht einen Faun zur rechten Seite von dem Felsen hervorragen; er singt folgendes deutsche Gedicht: „Mein Hertz, dich empor schwinge, Verlaß niedrige Thal, Nach Ruhm und Hoheit ringe, Vorsichtig meid den Fal. Z' hoch Icarus in Wonne Sein kühne Flügel schwang, Drumb löset sie die Sonne Und er im Meer ertranck. Als Daedalus gescheide Sich niedrigt vor der Sonn, Bracht er ihr Favor, Freude, Freiheit und Ehr davon. Hoheit des Glantzes machet, Das Icarum gereut, Welches Fortuna lachet, Aber Daedalus sich freut." Sie gehen, da sie die Fabel (die Beziehungen auf Schaffgotsch) noch nicht verstehen, ohne auf die geschwätzige Zikade weiter zu achten, fürbas, der alte Dicastes allen mit der Fackel voran. Sie erreichen die Höhe, messen den Umfang des Hügels, schätzen die Zwischenräume und überlegen sorgsam, was zum Vorteil der Schule und zur Zierde des Berges geschehen könnte. Da kommt unversehens ein Reiter und meldet, daß der Mars Gryphorinus an den Wurzeln des Berges warte. Man steigt abwärts; kaum ist man auf dem schmalen Pfade bis zur Mitte des Abstiegs gelangt, da Schulrevisionen und ihr ungünstiges Ergebnis. 475 kommt ihnen der erlauchte mavortische Held entgegen; sie beugen Haupt und Knie und küssen die heilreiche Hand. Nach vielen pflichtmäßigen Worten wird er mit einer Libatio empfangen. Zuerst spendet man dem Apollo Lygius (Georg Eudolf), dann dem Jupiter Bregensis (Johann Christian), hierauf der Diana und der Pallas von Liegnitz; das Übrige von dem iberischen Lyaeus wird, indem man es sich auf dem Rasen und in den Gebüschen bequem macht, ausgetrunken. „Hundert Wohle werden in kurzer Zeit ausgetrunken", fährt der Dichter fort, „drei und vier Gläser werden einem gebracht, für uns eine starke Leistung, weil die Begleitung des Mars so zahlreich ist. Tapfer halten wir den Ansturm aus und trösten uns damit, der Vorrat werde bald mangeln — vergeblich, denn ein Wirt aus der Stadt bringt Flasche auf Flasche, und Dienste sind von der Stadt nach dem Hügel eingerichtet bis zum Erreichen der Trunkenheit." Die Menge des Weins ist nicht auszutrinken, daher entleert man heimlich in Gesträuch und Dornen die Überladung des Magens, und dann geht doch das Um trinken weiter. Auch von lautem Geschrei läßt man nicht, und das gibt Anlaß zur Abwechslung. Der Heros fragt, als einer aus seiner Begleitung aufgeschrieen hat: „Quis ibi clamor?", und „Amor" antwortet sofort das Echo. Die schattenhafte Göttin bewohnt Täler und steile Abhänge und erhört die Seufzer und Klagen der Hirten. Man schenkt ihr auch trotz des Weines Aufmerksamkeit und einer bringt sie durch Verse auf den Heros zum Reden. Da kommt ungeahnt die sanfteste der Nymphen, Aglaja, und singt das folgende Lied: „In der berühmbten Ligier f'ruchtbarn Lande Auff einer in gantz grün gekleidten Awen, Als sich einsmahls ein Hirte thet umbschawen, Ein schönes weißes Lämblein er da fände. Die Gselschafft schlieff unter einer dichten Linde, Wie sie Fraw Nachtigals Stimme vernähme, Das schöne Lämblein zu dem Hirten käme, Sein Namen weist geschrieben in ein Rinde. Ach Lämblein, meine Freud und Hertzens Wonne, Eur Nahm auch in mein Hertz ist eingeschrieben, Ihr seid mein Augenlust, mein Ehren Crone. Was solt mich nun auff dieser Welt betrüben? Hin Finsternuß! Jetzt scheinet meine Sonne. 476 Ende der Goldberger „Schola ducalis". Wie ich Euch liebe, also thut mich lieben! Die Liebe ist beklieben. Wie sich der Hirte gegen dem Lämbloin stellet, Also das Lämblein sich zum Hirten gsellet." Man wird durch das Lied nachdenklich, man fängt an, etwas zu ahnen; aber die Aufregung legt sich mit der Flucht der Nymphe, und man wird vom Wein zerstreut. Man wendet sich wieder dem Echo zu. Der Heros will erforschen, welche Rätsel in den früheren Antworten lagen, und singt das Echo an. Er erfährt, daß er Agnes Barbara die Ligische heimführen soll und Vater werden wird. Amor bringt darauf den ängstlich aufgeregten Liebhaber zum Reden: „Echo cortese, dolei parolette: Del nostro Amor la dosiata aurora Mentre pe' Zeffiri '1 mondo s' infiora: Si godono anco V alme bonedotfce: Porch' io solo di sorte mal contento, Pur posso udire il nome favorito, Ma di lume stö per tutto sfornito, Si ch'il desio sia vinto dal tormento. Echo tu di, che col suo vago lume La bella Ninfa '1 mondo habbia allumato. .Da me le tue parole pa ion schiume: Se '1 Sole stesso in altra parte e stato. Pero accatto dal Dedalo le piume E vo volando, ove il Sole e levato. Saro ne mai colpato. A noi Soldati con venga l'ardiro, Se noll' avvenne, il resto e lo partire." Man geht von neuem kräftig ans Bechern zum Wohl und Glück nicht sowohl der prophezeiten als der sicheren Zukunft; man hätte bis in die Dämmerung gezecht, wenn nicht der Hesperus zum Heimgehen gemahnt hätte. Man stößt nochmals an und steigt ab. Schon standen die Rosse und schäumten in die Zügel,- die Herrn erwartend. Auf ein Zeichen vom Gipfel des Berges her wird haltgemacht, ein leichter Donnerschlag erfolgt, und der Hügel erzittert wie ein geweihter Helicon. Die Erschreckten warten der Dinge. Da erscheint eine Nymphe, Sylvia heißt sie, sie bringt ein Schulrevisionen und ihr ungünstiges Ergebnis. 477 in rote Seide gehülltes, von goldenen Spangen zusammengefaßtes Bündel und schreitet mitten durch die Schar zum Führer selbst. Sie bietet dem illustren Gryphorinus mit Gruß das Bündel, legt es in seine Hand und geht ab. Das Geschenk war eine „Sylva Odarum ab Apolline et Musis in honorem cordium coalescentium adornata". Als man zur Wagenstation unter munterer Unterhaltung über die vergangenen Freuden gekommen, werden die Wagen bestiegen. Der Heros, nachdem er alle gegrüßt hat, bricht zuerst auf. Die Begleitung will schon folgen, als man bemerkt, daß ein edler Hofmann fehlt. Man ruft und sucht ihn, vergeblich, man muß den Hügel nochmals ersteigen, man findet ihn tief schlafend, und so kann endlich aufgebrochen werden. Der Titel des Geschenkes war der: „Sylvae, quae Illustr. Heroi a Phoebo et Musis dodicata, per Nympham oblata fuit, Exemplar. Es enthielt: 1. die prosaische Widmung: Apollo cum Musis 111. Jano Ulrico Schaffgotschio Dragontorestae, Gryphorino. Ex Holicono Cal. Maus; 2. Apollo redet (heroisch) den Bräutigam mit Glückwünschen an und prophezeit Gutes; 3. Clius Coleuma ad Sorores: sie sollen das Brautpaar feiern; 4. Melpomene In horoieas Sponsi virtutes; 5. Thalia, Do Sponsi studiis; 6. Euterpe ad Illustrissimam Barba- ram Agnetom de effigie Sponsi; 7. Therpsichore ad illustrissimam Sponsam: ihr Lob; 8. Erato ad Ser. Pr. Lygio-Breg, über den Bräutigam; 9. Calliopo ad Sponsum: Hymenaeus; 10. Urania ad eundem: sein Ruhm; 11. Polyhymnia an Johann Christian: sie unterwirft ihm die Musen." PI. ü. von Schaffgotsch, damals der schlesischen Landesdefension vorgesetzt, war der kaiserliche General, der als Genosse Wallensteins am 23. Juli 1635 enthauptet wurde. Barbara Agnes blieb dieses Weh zu erleben erspart: sie war schon am 14. Juli 1631 gestorben. Die ungünstigen Nachrichten über die Goldberger Schule wollten nicht zum Schweigen kommen. Am 1. März 1621 begaben sich deshalb der herzogliche Bat Anton Schultz und der Superintendent Mag. S. Grunaeus nach Goldberg. 1 ) Sie zogen den Dekan und Pfarrer G. Winkler und den Bürgermeister J. Weisheit als die Inspektoren zu. Sie besuchten um 7 Uhr zuerst den Rektor Meli- deus, der nur 13 Schüler (einer fehlte) in der ersten Klasse hatte und Grammaticalia behandelte. Sie hörten etwas zu, und, um seinen und seiner Kollegen in dieser Klasse Fleiß und die Fortschritte der Schüler zu erfahren ließen sie einen Schüler ein ') Alles Folgende nach den Akten in St. B.-Br., Wenzel. 478 Ende der Goldberger „Sebola duealis". Thema formieren und dasselbe logico und rhetorice examinieren. Dies geschah an einer vorgelesenen Bibelstello; man spürte aber nur geringe Fortschritte. Darauf gingen sie in die zweite und dritte Klasse, die zusammengezogen waren, und befahlen dem Kantor G. Vechner, mit seinen 14 Schülern an dem Worte eines Autors ein Examen grammaticale anzustellen. Man spürte dort ebenso Mängel wie in der ersten Klasse. Endlich hörten sie in der vierten Klasse V. Lange mit seinen 31 Schülern den Donat repetieren. Auch hier verspürten sie keinen Fleiß. Sie riefen nun den Rektor und die Kollegen in die Kirche zusammen, teilten denselben ihre Kommission mit und hießen sie ihnen in ihr Quartier folgen. Nachdem dies geschehen war, wurde der Bürgermeister entlassen, der Dekan aber bei der Untersuchung behalten. Dieser, kraft der ihm übertragenen Inspektion, im Namen des Fürsten ermahnt, zu berichten, was er zu erinnern hätte, antwortete, daß er gar keine Besserung befunden, und weil der Rektor und die Kollegen in Zank geraten seien, könne es auch nicht anders sein. Der Rektor führe ein unordentliches Leben, habe den Kollegon zuviel eingeräumt, reise fort, wenn er wolle, sage niemand etwas davon. Ja, das Herz der Bürger ihm gegenüber sei ganz weg. Auch unter den Kollegen seien große Mängel. einige freuten sich über das Abnehmen der Schule, nur um die Schuld auf den Rektor zu bringen. Er war also mit dem Verhalten der Brüder Vechner auch nicht zufrieden. Hierauf wurden die Lehrer examiniert. Der Rektor brachte eine lange Klage über die Bloßstellungen durch seine Kollegen vor. Sie achteten ihn zu wenig gemäß seines Amtes, hießen ihn einen Doppler und Spieler, der Kantor habe ihn einen losen Kerl gescholten, Lange habe ihn beziehtet, daß er ihm 100 Taler abgeleugnet hätte. Der Vechner Absicht wäre, ihn aus dem Rektorat zu bringen. Er bat, daß er von ihnen ungehindert sein Amt verrichten könnte. Der gerufene Mag. D. Vechner, der im Unterricht nicht revidiert worden war, berichtete, er wüßte zwar in docendo über Un- fleiß des Rektors nicht zu klagen, aber vita und mores wären noch böse. Er ließe sich fast keinen Abend in der Schule finden, ginge um 2 Uhr aus, käme oft spät in der Nacht nach Hause, stecke meistens bei dem Diakonus Mag. P. Frisius, bei dem Hofrichter D. Feige, bei dem Stadtvogt Anton Scholtz und bei dem Ratmann Melchior Scholtz. Am letzten Sonntag hätten einige Schüler mit den Bäckergesellen Händel angefangen, die Klage der Schüler Schulrevisionen und ihr ungünstiges Ergebnis. 479 hätte er Montags ura 2 Uhr hei dem Stadtvogt anhängig gemacht und seine Stunde versäumt, während er wohl eine andere Stunde hätte wählen können. Unlängst, an H. Steinhergs des Jüngeren Hochzeit, wäre er, als es noch Tag gewesen, in Hosen und Wamms, ohne Mantel, gestiefelt und gespornt, mit einem Rohr auf der Achsel über den Marktplatz gegangen und in einem Kretscham neben der Braut Yater, wo die Hochzeit gehalten worden, eingekehrt. Darum, weil er so ein flagitiosam vitam führte und, was er docendo aufbauete, male vivendo einrisse, wären der Bürger Herzen abgewandt, und sie behielten ihre Kinder daheim. Er wüßte von keiner discordia, als daß sie mit dem Rektor nicht fressen und saufen, spielen und im Luder liegen wollten. Vor drei Wochen hätte er ihn zu sich kommen lassen, über Lange in dessen Gegenwart wegen der 100 Taler geklagt und sich mit dem Befehl des Herrn Hedwiger, sie von dem Salar abzuziehen, gereinigt. Als sie sich aber verständigt, hätte der Rektor Lange ermahnt, sich vor den Vechner, besonders vor dem Kantor zu hüten. Als Lange das dem Kantor gesagt, hätte er [D. Vechner] den Rektor zur Rede gestellt und ihm ins Gesicht gesagt, daß er seine Pflicht fraudu- lenter prästiere; er selbst hätte die Zeit über neben vielen ehrlichen Leuten gedient, aber dergleichen Spott und Scherz nicht eingeheimst. Als an vergangener Lichtmeß der Rektor mit dem Hofrichter und dem Stadtvogt vorabredet hätte, nach Liegnitz zu fahren, hätten sie während der ganzen Predigt gespielt, wie auch vorher bei dem Rentschreiber geschehen, wo A. Clement dabei gewesen und es an Injurien nicht gefehlt hätte und kaum ohne Schläge abgegangen wäre. Der darauf zitierte Kantor sagte aus, daß der ganze Mangel im Schulwesen auf dem Rektor beruhte, weil er nicht die Requi- sita eines Rektors hätte. An der Erudition mangele es zwar nicht, er hätte aber keine Autorität, weil er Sauf- und Spielplätze besuchte, Bürgern und Schülern großes Ärgernis gäbe. Das Saufen hätte er auch an dem Tage, an dem die Kommissare ankamen, nicht lassen können, sondern wäre bei M. Thomas zum Weine gewesen. Wenn er so des Nachts lange geschwärmt, versäumte er des Morgens seine Stunde, wie es der Dekan bezeugen würde (der Dekan bestätigte das auch sofort, fügte aber hinzu, daß er dies in den andern Klassen ebenso gefunden habe). Überdies käme er niemals oder gar selten in die Kirche und gäbe dadurch den Primanern Anlaß, daß sie sich der Kirche und des Chores auch enthielten. Daß der Rektor auch an Lichtmeß mit dem Hofrichter 480 Ende der Goldberger „Schola ducalis". und dorn Stadtvogt unter der Predigt gespielt, hätte er aus einer Mitteilung des Bürgermeisters, der das vorher auch den Kommissaren angezeigt hatte. Reusner sagte gleichfalls, daß der Schule Verderb meistenteils vom Rektor herrührte, weil die Affektion bei der Bürgerschaft ganz und gar hinweg sei. Er wartete der Gesollschaft und des Trinkens mehr wie der Schule. Der Kantor wäre in seiner Klasse, die er neben ihm vorsehe, sehr unfleißig und nachlässig. Die Mu- sica liege ganz über einem Haufen, und kein einziger Knabe wäre darin informiert; das sei für die Kirche und die Schule kein geringer Schaden. Als Letzter wurde der Katechet V. Lange vernommen. Dieser meinte, weil der Rektor oft verreiste oder daheim der Gesellschaft und dem Spiele nachliefe, dagegen die Stunden versäumte, hätte sich die Frequenz zerschlagen. Auch wenn er seine adligen Privat- schüler hätte unterweisen sollen, wäre er der Kegelkugel nachgelaufen, und er wäre auch in Hosen und Wamms gestiefelt und gespornt über den Markt gegangen. Unlängst hätte er die Schulknaben auf den Heckersberg (den „Parnassus Chrysorinus!") geführt; hernach hätte er sie, einen jeden mit einer Birkenstange versehen, in Schlachtordnung hereingeführt, und er wäre hinter ihnen gegangen. Was von Spielen und Hader bei dem Rentschreiber vorgegangen, wäre ihm auch bekannt; der Pfarrer von Röchlitz sei auch dabei gewesen. Die 100 Taler, die er dem Rektor geliehen, hätte er geleugnet; weil er aber das durch Quittung nicht habe beweisen können, hätte er ihm eine Assekuration darüber geben müssen. Nach dem Verhör über die Beschwerden und der Entgegennahme eines Memorials des Rektors wurde joder Punkt einzeln erwogen und dann das Kollegium nochmals vernommen. Trotzdem der Bericht bei aller Länge und Breite unvollständig ist, kommen noch manche Einzelheiten zum Vorschein. Der Rektor stellte die vielen Reisen, die Stundonversäumnisse, die Äußerung über die Vechner, das Fehlen im Gottesdienst und das Spielen zu Lichtmeß in Abrede. Die Versäumnis am Montag schob er auf den Vogt, das Überschreiten des Ringes in leichtem Anzug und mit dem Rohre gestand er zu, aber er habe nach dem Heckersberg zu seinem Holze gehen wollen. Daß er am Tage der Ankunft der Kommissare zu Weine gegangen sei, führte er auf den Besuch eines Freundes, des Stadtschreibers aus Sagan, zurück. Den Aufzug mit den Knaben zum und vom Heckersberg erklärte er für Weggang und spätere Schicksale des Rektors Melideus. 4g ] das altübliche Holzholen. Daß der Bürger Affektion wegsei, wollte er nicht glauben. Dagegen wären sie mit D. Vechner unzufrieden, weil er, auch gegen den Befehl des Herzogs, die funera nicht komitiere, desgleichen mit Lange, weil die Knaben unter ihm nichts gelernt hätten. Magister Vechner gestand zu, daß er an der Schulordnung für unförmlich halte, daß die griechischen Lektionen nur auf den Montag gelegt seien und ihrer an den folgenden Tagen gar nicht gedacht werde. Er hätte das Examen (Philippi) zu lesen verweigert, weil das der Rektor vorher getan und ihn ermahnt hätte, bei den Psalmen zu bleiben. Im Examen hätte man Theoriam, in den Psalmen Praxin. Wenn man recht tun sollte, so müßten die Woche über zwei Stunden zum Examen und eine zu den Psalmen gebraucht werden. Die Lectiones Bibliorum halten zu lassen, wäre ihm niemals anbefohlen worden. Am Freitag aber die Lektion vor 7 Uhr anzufangen, wäre ihm unmöglich. Der Kantor erklärte: daß er vor 7 Uhr seine Stunde nicht anfinge, läge an der absentia discipulorum, da weder er noch sie den Viertelseiger hören könnten. Daß er den Dekan, der nach Liegnitz berichtet, daß er seine Komposition noch in der Kirche gebrauchte, injuriiert habe, hat er anerkannt; weil er aber von den Kommissaren erfahren, daß es der Herr Dekan ex officio getan, hat er alsbald dem Herrn Dekan mit Hand und Mund Abbitte geleistet und versprochen, forthin in der Kirche seine Komposition unterwegs zu lassen. Es wäre wahr, daß er die Knaben bis in die dritte Woche zur Currenda (zum Umgang) gebraucht habe, aber das sei schon vor ihm so gehalten worden, weil man nur ginge, wenn das Wetter geeignet sei. Daß er die Musica ganz unterließe, hat er damit entschuldigt, daß der Rektor die Knaben verjagt habe. Schwach war auch die Verteidigung Langes. Die Revisoren nahmen alles ad referendum, um der fürstlichen Entscheidung nicht vorzugreifen, und konnten so nur, um den vollständigen Ruin der Schule zu verhindern, die Lehrer zur Aussöhnung und Eintracht mahnen. Diese ließen sich auch herbei, einander mit Handschlag zuzusagen, daß sie alle vorgefallenen Beleidigungen vergessen und einer von dem andern nur das, was ihm zu Ehren und der Schule zum Aufnehmen gereiche, reden wollten. 6. Weggang und spätere Schicksale des Rektors Melideus. Damit war freilich nicht viel erreicht, aber man nahm in Liegnitz doch auf den Rektor Rücksicht, und da man sich nicht verhehlte, daß er in Goldberg nicht am rechten Orte war, warf Monnmenta Gernwnino Paedagogien TA'II 31 482 Ende der Goldberger „Schola ducalis". man ihn, wie das Volk zu sagen pflegt, die Treppe hinauf und machte ihn am 22. Aug. 1621 zum Sekretär in der Oberamtskanzlci in Liegnitz 1 ), denn man versetzte ihn damit in eine nicht einflußlose Stelle. Wir folgen ihm dahin. Der neue Sekretär hatte alsbald Gelegenheit, seine „Vindiciae Regiae" von 1620 zu modifizieren; die Schlacht am Weißen Berge hatte doch für seine Gegner entschieden. Sein Herr, Herzog Georg Rudolf, hatte Gnade vor Kaiser Ferdinand II. gefunden und war mit der Vertretung der Ober-Landeshauptmannschaft in Ober- und Niederschlesien betraut worden. Kurfürst Johann Georg von Sachsen durchzog als kaiserlicher Kommissar Schlesien, um die Verhältnisse zu ordnen und die erneuerte Huldigung entgegenzunehmen. Am 28. Nov. 1621, dem ersten Adventssonntag, traf er, von Dresden kommend, begleitet von einem Fähnlein Reiter, in Goldberg ein und hielt sein Nachtlager in der Schule. 2 ) Ihn begrüßte in Liegnitz der herzogliche Geheimsekretär, seine Tugenden bewundernd, poetisch als Friedcnsbringer 3 ) für Schlesien. Man hoffte damals auf einen dauernden Frieden! Melideus nannte jetzt zur Abwechslung Ferdinand IL den Großen. Als am 9. Febr. 1622 der Tod in die herzogliche Familie hineingriff und die Gemahlin des Herzogs Georg Rudolf, Sophie Elisabeth von Anhalt, dahinraffte, vereinigte sich eine große Zahl von treuen Männern zu einer würdigen Parentation. 4 ) Sie trugen jedoch dem Zeitgeschmack zu viel Rechnung, so daß man die zusammengebrachten Gedichte als Ganzes geradezu als eine Mustersammlung der poetischen Modetorheiten bezeichnen kann. Darunter findet man: „Elisa sive Pastorale illustribus exequiis Divae Sophiae Eli- sabethae Ascaniae Lygiae datum a Jona Melideo, Serenissimi Lygiorum prineipis secretario Dominica Boni Pastoris An. Ch. MDCXXII". Es ist wirklich ein geziertes Hirtengedicht. Dahinter steht noch eine Epitaphientafel, an die er noch ein Anagramm und „Epigramma retrogradum ad beatissimam Elisam" und noch ') St. B.-Br., Wenzel. J ) Ebenda. s ) Ad Serenissimum Johannem Georgium Electorem Sax. D. N. Ferdinandi Magni Caes. Aug. In Elysiis Corumissarium. Virtutes miratua f. J. Melideus S. Caes ao Ma tis . . . per utramque Silesiam Vicario IU mo . . . a Secretis. Wra- tislaviae, In Officina G. Baumanni 1621. fol. 4 ) Virtuti Honorique . . . Sophiae-Elisabetae Prineipis Anhaltinae - • • Prineipis Georgii Rudolph! Ducis Silesiae Lignic. Breg. Et Goldberg. . . . Con- jug. Memoriae Sacr. devote Parentantium Lacrymae Et Solatia. Lignicii Li*" teris Vid. et Her. N. Sartorii (1622). 4». Weggang und spätere Schicksale des Hektars Melideus. 483 zwei solche Zeilen, eine ganz besonders öde Spielerei, und ein Chronostichon anhängte. Von den andern Dichtern nennen wir nur Martin Opitz, der ein lateinisches Epigramma und ein langes deutsches „ßegräbnißgetichte" beitrug. Schon im August 1622 gab Melideus seine Sekretärstellung wieder auf, um aufs neue Professor an dem Gymnasium illustre in Beuthen 1 ) und zwar jetzt Professor historiarum und später morum zu werden. Im J. 1624 verlor er seine Frau und verheiratete sich am 29. Nov. 1627 noch einmal mit Anna Koschwitz, der erstgeborenen Tochter des Striegauer Ratmanns F. D. Koschwitz. Keine Andeutung sagt, ob diese zweite Frau mit der ersten und wie etwa verwandt war. Eins geht aus den poetischen Spenden der Freunde zur Hochzeit 2 ) hervor: daß der unruhig-genialische Mann nicht an Achtung verloren, sondern gewonnen hatte; er mag sich eben allmählich zu seinem Yorteil vorändert haben. Nicht weniger als 50 Freunde, herzoglich liegnitzische Räte und Beamte, geistliche Herren, Rektoren, Professoren und Lehrer, Studenten, Ärzte, Ratmannen usw., haben sich an der Ehrung beteiligt. Von weiter bekannton Namen liest man unter ihnen z. B. A. Scultetus, den ehemaligen Hofprediger Friedrichs V. von der Pfalz, und Martin Opitz. Aber auch G. Winkler, der Goldberger Pastor und Dekan, und Mag. S. Grunaeus, der Liegnitzer Superintendent, waren darunter, und Grunaeus war ein strenger Beurteiler sittlicher Mangelhaftigkeit, wie ja ebenso die Reformierten, z. B. Scultetus, als besonders rigoros in bezug auf sittliches Verhalten galten. Drei ehemalige Schüler, Ch. Koler (später als namhafter Schüler Opitz' bekannt), M. Halonius und N. Ludwig, die in Straßburg studierten und zu spät von der Vermählung ihres Lehrers Kenntnis erhielten, sandten ihm zum Neujahr 1628 als „Strena Hymeneia" 3 ) lateinische und deutsche Gedichte. ') Nach St. B.-Br., Wenzel und den folgenden von Melideus verfaßten oder an ihn gerichteten Gedichten. ') Jesus Maritat, Amor Coronat . . . Dn. Jonas Melideus 111. Gymnasii Bethan. PP. & . . • Virgo Anna Coschwizia . . . Dn. . . . Coschwizii . . . Filia . . . fedus connubiale faciunt Strigaviae Propr: Cal Xbr. 1627. Bene faventes ac- clamant feliciter. O.O. u. J. 4°. Jesu Maritante, Amore Coronante. Jonas Melideus et Anna Coschwicia Aeterni Amoris Foedus Connubiale Pangunt, Stri- goviae Proprid. Cal. Dec. 1627. Foventes Applaudunt. Lignicii Typis Du- calibus. 4°. ») Srtena (!) Hymeneia, . . . Jonae Melideo . . . Et . . . Annae Koschwitiae Cum infinitis votis Bethaniam Siles. Missa Argentorato. Typis J. Reppii, 1628. 4°. 31* 484 Ende der Ooldbcrger „Scliola ducalis". Die Anknüpfung mit Striegau durch die zweite Heirat hatte wohl zur Folge, daß Melideus 1628 dorthin als Rektor der Stadtschule übersiedelte. 1 ) Er soll auch dort im Amte gestorben sein. Das Gymnasium illustre in Beuthen ging etwa 1629 in den Stürmen des 30 jährigen Krieges unter, und so hatte Melideus gerade noch zur rechten Zeit zu seinem Besten den Wechsel von einer höheren Schule zu einer niederen vorgenommen. Seine letzte poetische Arbeit war eine 1629 gedruckte Ode zum Andenken des am 21. Mai 1628 verstorbenen treuen Freundes der Goldberger Schule Mag. S. Grunaeus. 2 ) Neben ihm beteiligte sich an der Ehrung sein ehemaliger Prorektor und nun Prokonsul in Goldberg Mag. D. Vechner und außerdem auch noch der emeritierte Pastor Mag. A. Hentschel, der früher, als Lehrer in Goldberg, so wenig mit Grunaeus gestimmt hatte. Die Unterschrift der Ode des Melideus trägt ebensowenig wie seine früheren Gedichte den Titel eines gekrönten Poeten, den ihm also die schlesische Literaturgeschichte wohl mit Unrecht beigelegt hat. Es wäre allerdings sonderbar, wenn er als so fruchtbarer Poet ungekrönt geblieben sein sollte. J. H. Cunradus 3 ), der ihn P. L. nennt, sagt in dem ihm gewidmeten Distichon „0, det Scultetus serta!" Danach wäre Tobias Schultz auch bei ihm der Kranzspender gewesen. 7. D. Vechner als Verwalter des Rektorats. Mit dem Abgang des Melideus war die Goldberger Schule noch nicht ganz kopflos geworden, da ja mindestens als provisorischer Ersatz der Prorektor Mag. D. Vechner da war. Von Vechner haben wir schon gehört, daß er 1610, vom Rate berufen, als Rektor an die Stadtschule in .Tauer gegangen war 4 ), die zu heben er sich redlich bemüht hat. Am 7. Okt. hielt er bei der Einführung in der Schule seine Antrittsrede 5 ), in der er über die Pflicht eines *) Hering, D. IL, Geschichte des ehemaligen berühmten Gymnasiums zu Beuthen an d.O. Zwote Nachlese. Progr. d. Kgl. Friedrichs-Seh. Breslau 1785. S. 1—14. [Ex.: Berlin, Staats-B.]. S. 13/4. '') Mem. ac Honor. M. Simonis Grunaei 111. Ligiorum Ducis Consiliarii . ■ • Superintendentis, Et Pastoris, Benevolentium & Amicorum condolentium opera exstruetae Arae Exsequiales. Lignicii e typogr. Ducali 1629. 4°. 3 ) Cunradus S. 186. *) S. o. S. 424. *) Danielis Vechneri .. . Oratio Inauguralis, Qua Boni Ludimoderatoris officium adumbravit: Cum ipsi Scholae Jauroviensis Instauratio ab inclyto Senatu publica solemnitate demandaretur, Nonis Octob. 1610. Lignicii Typis N. Sartorii. 4°. D. Vechner als "Verwalter des Rektorats. 435 guten Schulleiters sprach und auch die Beweggründe angab, um deren willen er nach elfjähriger Tätigkeit aus Goldberg weggegangen sei. Sein alter Freund, der Pastor Mag. A. Hentschel, N. Krebs und F. Schubart gäben glückwünschende und empfehlende Verse zu dem Drucke der Rede. Am 12. Nov. 1613 hielt er an derselben Stelle eine Rede über das schwere Brandunglück 1 ), das soeben seine Vaterstadt heimgesucht hatte. Die Kenntnis davon verdankte er einem Briefe des indessen verstorbenen Goldberger Pastors Mag. D. Namsler an Mag. A. Hentschel. Er zog die Feuersbrünste von 1554 und 1576 mit hinein und gab seinen Ausführungen den Charakter einer Predigt. Gerichtet ist die Rede an den königlichen Rat und Hauptmann von Schweidnitz und .Tauer K. R. von Warnsdorf und Giesmannsdorf, der zugegen war, und ihr Druck ist dem einstigen Schüler in Goldberg, herzoglichen Rat und Hauptmann von Liegnitz W. von Rothkirch und Wolfsdorf auf Panthen gewidmet. Aus dem J. 1614 kennen wir die Trauerrede 2 ! auf seinen Lehrer, den Schwiegervater seines Bruders Georg, Pan- kraz Crüger, den ehemaligen Rektor in Goldberg, die gleichfalls in .Tauer vom Katheder vor dem Publikum der Literaten gehalten worden ist. Sein Neffe G. Vechner, schon Student des Zivilrechts in Frankfurt, gab dem Drucke eine Elegie an den Großvater mütterlicherseits bei. In demselben Jahre und in dem folgenden gab D. Vechner ein aus langer Schularbeit hervorgegangenes zweibändiges methodisches Hilfsbuch für die Rhetorik heraus, „Amplificationes rhetoricae", deren erster Band 3 ) seinen Schülern S. Brandan von Warnsdorf und Giesmannsdorf, F. K. von Mohl und Dromsdorf, Gh. von Mühlheim und Borganio und D. von Mohl und Mühlrädlitz, und deren zweiter 4 ) *) M. Danieliä Vechneri De IJokmoked^gia Urbis Aurimontanae, brevi intervallo tum incendio repontino conflagratae, tum pestilentia saevissima de- solatae, Dissertatio In Schola Javorensi Pridie Idus Nov. 1613 Habita. Lignicii Typis Sartorianis. 4°. 2 ) Oratio Parentalis . . . M. Pancratio Crugerio . . . P. Laur. & in almsi Viadrina Gr. Ling. Prof. P. IIX. Kai. Nov. 1614 pie exspiranti: a M. Daniele Vechnero ... In Schola Javorensi . . . Habita V. Id. Decemb. Anni ejusdem . . Typis J.Eichhorn. 4». 3 ) Vechner, D., Amplificationum Rhetoricarum Pars 1. Hationem ora- tionis dilatandae justa methodo monstrans. Liguie. (Vorrede 1614): N. Sartorius. 3B1., 88 S. [Ex.: Breslau, IL-LS.]. *) Vechner, D., Amplificationum Rhetoricarum Pars 2. Rationem ora- tionis illustrandae et exaggerandae justa methodo monstrans. digesta. Lignic. (Vorrede 1614): N. Sartorius. 3 Bl., 104 S. [Ex.: Breslau, U.-B.]. 486 Knde der Goldberger „Schola ducalis". ebenfalls Schülern, Th., D., Ph. J. Bucretius (Rindfleisch), Breslauer Patriziern, und Ch. Reimann aus Jauer, gewidmet ist. S. Grunaeus, Gr. Schubart und der Pastor J. Timaeus, Vechners alter Freund, gaben Beigedichte dazu. Demselben Gebiet gehört seine 1616 erschienene, gleichfalls aus dem Unterricht hervorgegangene methodische Schrift „De Argumentationum Tractatione Rhetorica"*) an. Hier trug Th. Schramm ein lobendes Gedicht bei. Er widmete das Werk den Breslauer Patriziern F. Ch. von Poley und Thiergarten und J. und G. Kretschmar. Zum Neujahr 1617 richtete er an den Bürgermeister und den Rat von Jauer im Verein mit Schülern poetische „Apophoreta" 2 ), er selbst ein „Votum auspicale", die Schüler Ch. Landmann, M. Machner und B. Thomas, sämtlich aus Jauer, „Ev%ai u , d. h. griechische und lateinische Verse. In der Karwoche 1617 gab er die „Psalmi poenitentiales" und den XXII. Psalm mit kurzer logischer und rhetorischer Analysis und einfachen, praktischen Winken am Rande heraus. 3 ) Er hat sie seinen ehemaligen Schülern G. und Ch. von Reibnitz in Ocklitz, J. von Reibnitz in Wirrwitz und J. und F. von Reibnitz in Dober- gast gewidmet, die immer treu zusammengehalten hätten und die er zuerst nach Liegnirz, dann nach Breslau und endlich nach Goldberg geführt habe. Er und sie könnten noch beieinander sein, wenn nicht ungünstige Zeiten für ihn und Ungelegenheiten für sie gekommen wären. Aus seinem Bekanntenkreis in Jauer läßt sich der praktische Ar/.t Dr. Ch. Schöbel namhaft machen, dorn gegenüber er sich im Juli 1617 auf eine Anfrage brieflich abfällig über die „Fratrcs Roseae Crucis", die Rosenkreuzer 4 ), aussprach. Zu Ostern 1618 erhielt er von dem Rektor des Bcuthener Gymnasium illustre Dr. med. K. Dornavius den Ruf als Kollege nach Beuthen, vielleicht als Ersatz für Mclideus. In seiner Antwort 5 ) vom 8. März drückte er jedoch die Befürchtung aus, daß man sich an seiner Methode stoßen würde, die er sich nach langem Umher- ') Vechner, D., De Argumentationum Tractatione Rhetorica: ad Elo- cutionem omnis generis scriptorum Tractatus utilissimus . . . Lignitii exe. N. Sartorius. 1616. [Ex.: Breslau, Stadt-B.] *) Apophoreta Pro felici novi anni auspicio . . . 1617 . . . Ad . . . Consules & Senatores reip. Jauranae, Debitae observantiae, & boni ominis ergo Missa a Scholae Rectore et diseiplinae ipsius alumnis. Lignicü exe. N. Sartorius. 4°. *)~ Vechner, D., Psalmi quos vocant, Poenitenciales, quibus & XXII. annexus est, Succincta Analysi Logica & Rhetorica, illustrati .. • Lignicü Typi Sartorianis 1617. [Ex.: Breslau, U.-B.]. *) St. B.-Br., Hs. R 402 N. 334. «) Ebenda N. 335. D. Vechner als Verwalter des Rektorats. 487 tasten endlich fest begründet habe. Dann höre er nicht genug von einer bequemen Wohnung, die er sehr hoch schätze. Endlich erscheine ihm das Gehalt bei den schwierigen Zeitverhältnissen zu knapp. Und so lehnte er freundlich ab. Den Euf nach Goldberg dagegen nahm er an. Am 24. Juli 1618 wurde er zugleich mit dem Rektor Melideus als Prorektor in Goldberg eingeführt und hielt dabei seine paro- distisch der „Cyropädie" nachgebildete Rede über das zu erhoffende Gedeihen der Schule. In demselben Jahre, am 13. Nov., betätigte er sich in Gemeinschaft mit seinem Rektor als lateinischer Festdichter bei der Hochzeit des Prokanzlers der Fürstentümer Schweidnitz und Jauor M. Pezold mit Dorothea Baudis 1 ), und am 4. Dez. half er die Hochzeit des Rektors Melideus selbst poetisch feiern 2 ) und scheint hiernach zu dieser Zeit mit ihm noch nicht zerfallen gewesen zu sein. Am 22. Febr. 1621 wirkte er zusammen mit Mag. A. Hentschel als Dichter bei der Hochzeit des Studenten der Künste und der Philosophie M. Pfeiffer aus Jauer mit Rosina, der Tochter des Jaucrschen Bürgers G. Kolbnitz. 3 ) Wenn wir zu den besprochenen Veröffentlichungen noch die Ausgaben der Reden Ciceros pro Archia poeta et M. Marcello (Leipzig 1612) und pro rege Deiotaro 4 ) (ebenda 1613) sowie die „Tabulae coniugationum grae- carum" (Liegnitz 1614) rechnen 5 ), so hätte er wohl das Zeug dazu ') Nuptiis Pczoldo-Baudisianis Consecr. Amicorum Vota subventanea. Lig- nicii Exe. N. Sartorius. 1618. 4". ') S. o. S. 464, Anra. 4. 3 ) Nuptiis . . . I>n. Matthaei Pfeifferi Artium et Philos. Studiosi Jaurani Nee non . . Virginis Rosinae . . . Dn. G. Kolbnitz . . . filiae. 12. Febr. celebratis gratulantur Ainici. Lignicii Typis Sartorianis. (1621) 4». l ) Cicero, Pro A.Licinio Archia Poeta et M. Marcello orationes Simpli- citate Logica ad marginem £11. . . Autore M. Daniele Vechnero Aurimontano. Lipsiae: Th. Scliürer 1612 (Am Schi. 1613). 3 BL, 100 S., 1 Bl. [Ex.: Breslau, XJ.-B.l. __Cicero, Pro Rege Deiotaro ad Caesarem oratio siinplicitate logica ad marffinem £11. . . . Iluic adjunetum est jigoyi/ivaa/ia Elocutionis oratoriae in conf'ormatione sententiarum laoSwa/iova&v. Auetore M. Daniele Vechnero Aurimontano. Lipsiae: T. Schürerus 1618. 2B1., 114 S. [Ex.: Berlin, Staats-B.] 8 ) Nach dem Verzeichnis seiner philol. Werke vor der „Hellenolexia", spät. Ausgabe (vgl. 0. S. 804, Anm. 1); Exemplar nicht nachzuweisen. Die ihm zugeschriebene Ergänzung zur „Janua" des A. Comenius ist von David Vechner aus Freystadt. Endlich verzeichnen wir noch: Vechner, D., Illustres ac per- petui grammaticorum canones ac observationes linguae tarn Romanae, quam Graecae, quibus scholastica pubes tarn quoad etymologiam, quam quoad Syntaxin carere nequit . . . Cum Dan. Heinsii oratione ... de coniugendis Grae- corum lingua et diseiplinis. Francofurti: G. Tampachius 1611. 8 Bl., 260 S.. 10 Bl. [Ex.: Stuttgart, Landes-B.l. 488 Ende der Goldberger „Schola ducalis". gehabt, den am 22. Aug. 1621 als herzoglicher Sekretär nach Liegnitz gegangenen Poeten Melideus als Rektor vollwertig zu ersetzen. Er erhielt auch die Vertretung des Rektorats und nannte sich nun nicht mehr Prorektor, aber auch nicht Rektor. Daß der J lerzog Georg Rudolf den in weiten Kreisen anerkannten Philologen und geborenen Goldberger nicht zum wirklichen Rektor machte, dürfte wohl bestimmte Gründe gehabt haben, vielleicht das mangelnde Vertrauen in die Lebenskraft der Schule oder auch in die Charakterfestigkeit Vechners. Denn ein Punkt, den wir bei der letzten Revision der Schule hätten erwähnen müssen, aber beiseite gelassen haben, gibt zu denken. Vechner war, vielleicht als Gegenangriff dos Melideus, vorgeworfen worden, daß er zu Weihnachten infolge unmäßigen Trinkens drei Wochen krank gelegen habe. 1 ) Das Kranksein hatte er zugegeben, aber nicht die genannte Ursache anerkannt. Daß er sonst enthaltsam wäre, hat er nicht als Beweisgrund für sich angeführt, und wir werden bei ihm noch einmal von scharfem Trinken hören. — Als Verwalter des Rektorats gab er 1021 zu Martini 54 dem Babrios zugeschriebene griechische Fabeln in lateinischen Tetrastichen heraus 2 ) und widmete sie dem herzoglichen Sekretär ß. W. Nüßler. Der alten Freundschaft mit Mag. A. Hent- schel und M. Pezold weihte er, auch 1621, bei der dritten Vermählung Pezolds mit Elisabeth Hentschel zwei Gedichte an den Schwiegervater und an den Schwiegersohn. 3 ) Wieder als Vorsteher der Goldberger Schule hielt er am 25. April 1622 in der Schule eine Trauerrede *) auf die am 9. Febr. 1622 verstorbene Gemahlin des Herzogs Georg Rudolf, Sophie Elisabeth von Anhalt, während Melideus als Sekretär in Liegnitz ein ,,Pastorale" daran gewagt hatte. Der Druck ist dem trauernden Gatten gewidmet. Nichts hielt jedoch das nun rasch heranschieitende Ende der Schola ducalis auf. ') St. B.-Br., Wenzel. 2 ) Vechner, D., Babriae Graeci Fabnlae, quae vulgo putantur, Tetra- stiehis Latinis exprefiae . . . Lignieii Typis Sartorianis. [Ex.: Breslau, Stadt-B.] 3 ) Auspicatissimis Matthaei Pezoldi, Praefeeturae Schwidn. & .lavor. Can- cellarii, & Elisabethae Hentscheliae Nuptiis bene ominantia Comprecantium Syncharmata. Lignieii Typis Sartorianis. 1621. 4°. *) Sermo Parentalis Illustr. Principi ac Sophiae Elisabethae Ducissae Siles. Ligio-Bregensi, Principi Auhaltinae, . . . Principis . . . Georgii Rudolpbi Ducis Silesiae Lignic. Breg. . . . Conjugi ... V. Id. Februar. 1622 mortalia pie moriendo relinqventi; in Ducali Aurimontana . . . dictus a M. Daniele Vech- nero . . . Lignieii 1622. 4". Aufhebung der Schola ducalis und Einrichtung einer Stadtschule. 489 8. Aufhebung der Schola ducalis und Einrichtung einer Stadtschule. Die Verhältnisse waren in Goldberg so verfahren, daß trotz der wirkenden Stiftung W. von Kothkirchs auch unter Vechner die Schule nicht zunahm, und so wurde auf Befehl des Herzogs am 4. Nov. 1622 im fürstlichen Konsistorium in Licgnitz über die^Ent- lassung der Lehrer, weil die Schule gar keine Frequenz habe, und über die etwaige Verlegung der Schule nach Liegnitz zur St. Jo- hanniskirche beraten. 1 ) Das vom Fürsten verlangte Gutachten der Geistlichen fiel aus, wie er erwartet hatte, und an demselben Tage berief der Goldbergcr Hauptmann die Lehrer zusammen, teilte ihnen ihre Entlassung mit, weil keine Frequenz in der Schule sei, und die Aufhebung der Schule ad Interim. Der Herzog sei Willens, sie nach Liegnitz zur Johanniskirche zu verlegen. Der Termin der Verlegung blieb offen wie die Bestellung von Lehrern. Die Lehrer nahmen die Entlassung an und ersuchten nur um ein Donativ wegen der schweren Zeiten; Mag. D. Vechner erbat sich eine Remuneration dafür, daß er über ein Jahr die Geschäfte dos Rektors vertreten habe. Alles wurde zugesagt. Lange bat endlich noch darum, daß er bei der Kollektur bleiben dürfte. Auch dies wurde ihm zugestanden, allein mit dem Zusatz, daß er von nun ab die Redditus nach Liegnitz zur Johanniskirche abzuführen und dem Landschreiber einzuhändigen wie auch alle Dokumente dem Herzog nach Parch- witz zu bringen habe. Damit war die fürstliche Schule faktisch und für immer aufgehoben. Von den entlassenen Lehrern blieb Mag. D. Vechner in Goldberg, war wissenschaftlich weiter tätig und bildete wie früher als jüno-erer Mann Privatschüler. Von 1625 bis 1632 gehörte er dem Rate der Stadt als Prokonsul an. Aus seinem Verkehr nach außen ist ein Brief an Martin Opitz vom 23. Sept. 1623 erhalten 2 ), der uns schon bei den gegen ihn erhobenen Vorwürfen in der letzten Revision der fürstlichen Schule vorgeschwebt hat. Er sagte Opitz seinen Dank für die freundliche Anerkennung seiner „Hellenolexia" und des Versuchs, noch Ergänzungen dazu aufzufinden. Er beabsichtige eine zweite, verbesserte Ausgabe zu veranstalten. Und dann fuhr er fort: von der letzten Zusammenkunft sei er fortgegangen oder eigentlich fortgeführt worden seiner selbst unbewußt. Der Wein habe den Fehler, daß er Füße und Kopf angreife. Das ihm geschenkte Gedicht sei dem Berauschten entfallen, seine Tante habe es und schwöre laut, es wäre ihr geschenkt worden, hüte es >) St. B.-Br., Wenzel. *) St. B.-Br., Hs. B 402 N. 338. 490 Ende der Gloldberger „Schola ducalis". und lasse ihn nicht einmal eine Abschrift davon sehen. Er habe eine „Dissertatio de aureo seculo", von dem viele jetzt träumten, geschrieben, obgleich er wegen der Albernheit der Leute während des Schreibens die Lust daran verloren habe. Er schicke sie Opitz und bitte um Überreichung an den Herrn von Stange. Der letzte poetische Tribut an seine Vergangenheit war das 1629 gedruckte Trauergedicht auf den 1628 abgeschiedenen Superintendenten Mag. S. Grunaeus. 1 ) Am 1. Juli 1630 schrieb er an den pädagogischen Reformer W. Ratichius 2 ), vor 16 Jahren, als er Rektor in Jauer gewesen, sei der Ruf des Ratichius zu ihm gedrungen, und drückte ihm seine Freude darüber aus, daß Moser, der aus seiner Disziplin sei, bei ihm Aufnahme gefunden habe. Alle Kollegen und der Fürst wären mit den Erfolgen sehr zufrieden, und Moser kehre zu ihm zurück. Aus diesem Briefe geht hervor, daß er noch Privat- schiiler hatte. Den 23. Juni 1632 starb er „in thermis vicinis", d.h. in Warmbrunn. 3 ) Der Lehrer K. Reusner trat geräuschlos in das bürgerliche Leben über, bis er später wieder in der Stadtschule als Lehrer tätig wurde. 4 ) Wie Lange wenigstens als Kolloktor der Einkünfte der fürstlichen Schule beibehalten wurde, so wendete auch Herzog Georg Rudolf nichts dagegen ein, daß G. Vechner als städtischer Kantor Lehrer blieb, weil der Chor in der Kirche und die Funera bestellt werden mußten. Die Goldborger Jugend bedurfte außerdem der Schulbildung, und der Herzog kam noch insofern der Stadt entgegen, daß er ihr, bis eine Mutation von ihm mit der Schule vorgenommen werden möchte, die Benutzung des Klosters zu Schulzwecken überließ, dem Kantor die Schlüssel und den Nießbrauch der Schulgärten übergab. So wurde aus den ein- heimischen Resten der fürstlichen Schule die neue Stadtschule, die Rechtsnachfolgcrin der 1546 von der fürstlichen Schule aufgesogenen alten Stadtschule, deren Einkünfte an sie übergingen. G. Vechner war so in einer Person Kantor, Schulmeister und Lehrer. Daß er als Musiker komponiert und seine Komposition auch gegen den Willen des Pastors und Dekans im Gottesdienst verwendet hat, bis ihm das Handwerk gelegt wurde, ergab das Protokoll der letzten Revision der fürstlichen Schule; daß er aber auch im Rektorat des Melideus als Dichter eines schwachen deutschen Liedes aufgetreten ist, haben wir noch nachzutragen. Am 14. Dez. 1618 war Rosina, geb. Neumann, die erst sechzehnjährige Gattin des ') S. o. S. 484, Anm. 2. J ) St, B.-Br., Ms. R402 N. 345. *) Nach seiner.Grabschrift in St. B.-Br., Wenzel. ') Das Folgende ebenda. Aufhebung der Schola ducalis und Einrichtung einer Stadtschule. 491 Hofrichters und Vogtes D. Feige gestorben. Ihr zu Ehren hat er ein nach drei Melodien singbares, erbauliches Lied gedichtet 1 ), das auch zu ihrem Begräbnis am 16. Dez. gesungen worden ist. Vochner zog für den Winter 1622/3 die wieder auf drei zusammengeschmolzenen Klassen in eine zusammen und bemaß den Unterricht nach der Fassungskraft der vereinten Schüler. 2 ) Das war die neue Stadtschule. Vechner hoffte noch "immer, daß der Herzog die fürstliche Schule doch wieder in Goldberg ins Leben rufen könnte. Aus Rücksicht darauf und auf sein Greisenalter bat er den Rat, ihm zu Ostern 1623 etliche Personen zu adjungieren. Nach längerem Zögern wegen der Besorgnis, damit bei dem Fürsten anzustoßen, stellte der Rat J. Steinmetz aus Lauban und außer ihm die beiden alten Lehrer G. Werner und K. Reusner wieder an. So war bis auf weiteres die Stadtschule eingerichtet. Herzog Georg Rudolf gründete am 28. April 1646 das fürstliche St. Johannisstift und 16-18 die Stiftsschule in Liegnitz 3 ), die aber, wie es scheint, erst durch die Berufung von Mag. M. Rothmann zum Rektor aus kleinen Anfängen zu einer« höheren Schule und wegen Schulgeldfreiheit eine schwere Konkurrenz für die Stadtschule wurde.*) Dieser neuen Schola ducalis — Herzog Georg Rudolf spricht von „dieser Unserer nothwendig fürgonommenen Schulen-Translation" — wurden die Einkünfte der Goldberger Schola ducalis zugewiesen. 1657 wurde sie durch Herzog Ludwig IV. mit der städtischen Peter-Paulsschule vereint 5 ); aber 1710 wurden durch den Kaiser Joseph I. die Stiffcsgclder der von ihm 1708 gestifteten Ritterakademie zuerst für 12 Fundatisten aus dem schlesischen Adel, 5 katholische und 7 Verwandte der Augsburgischen Konfession, allerdings mit Abzug von geringen Abgaben, an die StiftsHchule, übergeben 0 ), die bis zum heutigen Tage die volle Erbin der Schola ducalis Trozondorfs ist, ohne eigentlich ein Anrecht auf die Rotlikirchische Stiftung zu haben 7 ), besonders nachdem 1865 jedes Band zwischen dem Stift und der alten Peter-Pauls- *) Zu Efaren Der Ehrbaren . . . Frawen Rosinae geborne Newmaunin, Des Herrn Danielis Feigii . . • Hotlerichters und Vogts dieser Fürstlichen Stad Goldbcrek . • Ehelichen Haußfrawen, Welche den 14. December dieses 1618. Jahres . . . seliglich verschieden, und den 16. üecemb. ... zur Erden bestattet, gemacht und bey dem Christlichen Leiehbegängnuß gesungen worden. Von Georgio Vechnero Cantore der Fürstl. Schulen daselbst. Gedr. zur Liegnitz durch N. Schneider, fol 2 ) St. B.-Br., Wenzel. 3 ) Kraffert S. 17 f. ') Ebenda S.26/7f. ») Ebenda S. 32f. •) S. o. S. 466. 7 ) S. o. S. 465. 492 Knde der Goldberger „Scbola duoalis". schule oder dem städtischen Gymnasium gelöst worden war 1 ), das also his 1865 auch Anteil am Erbe der Goldberger Schule gehabt hat und die Nachfolge der Schola ducalis Georg Rudolfs darstellt. 9. Nachgeschichte des Nchulgebiiudes. Und nun zum Schlüsse noch einige Worte über die Geschicke des altehrvvürdigen Heims der fürstlichen Schule, des Franziskanerklosters. Mit der Schule war es einer ganzen Reihe von Feuersbrünsten zum Opfer gefallen und war am Ende der fürstlichen Schule gerade so weit wiederhergestellt, daß es als Unterkunft für die neue Stadtschule dienen konnte. Da zog ein ungeahntes Unwetter herauf, das seine Verwendung für die Schule und zugleich die Einkünfte der Stadtschule bedrohte. 2 ) Im .1. 1627 verweilte Herzog Georg Rudolf am kaiserlichen Hofe in Prag, und seine scheinbar angesehene Stellung als kaiserlicher geheimer Rat, Kämmerer, Vertreter der Landeshauptmannschaft in Ober- und Nicdcr- schlesien und „Oheim" machte ihn zu einem günstigen Angriffsubjekt für die 'Bestrebungen der Gegenreformation. Der Führer in dem äußerlich friedlichen Angriff war der fast allmächtige kaiserliche Beichtvater und Jesuit Pater W. Lamormain, in dessen Händen Ferdinand II. wie weiches Wachs war. Der Herzog ließ sich in einem schwachen Augenblick dazu bewegen, „die Goldberger Klostcrschule (wie man sich absichtlich ausdrückte) zusamt derselben Zubehör", d.h. den Einkünften, der Gesellschaft Jesu abzutreten. 'Einen zweiten Angriff der Jesuiten, auf die St. Johannis- kirche in Liegnitz, wies er mühsam ab. Die Goldberger Bürgerschaft erfuhr von der Gefahr, in der sie schwebte, durch ein Schreiben, das der Herzog auf dem Rückweg nach Schlesien dem Rate am S.Dez. 1627 aus Zittau zugehen ließ. Er scheint nach der Bewilligung vor sich selbst die Flucht ergriffen zu haben, denn von Zittau aus gab er auch dem übel berufenen Obersten Karl Hannibal Burggrafen zu Dohna die Vollmacht zur Tradierung dos Klosters an die Jesuiten; der Kaiser erteilte sie demselben erst am 23. Dez. Auch Pater Lamormain erhielt von dort die Mitteilung seiner Schritte, aber auch die nochmalige Zurückweisung der Übergabe der St. Johanniskirche. Die Kommission Georg Rudolfs an Dohna war eine Übereilung, denn der Herzog mußte wegen des Klosters erst die Zustimmung seines Bruders und Mitbclehnten ') Kraffert S. 46f. ') Hierzu und zum Folgenden St.A.-Br., Ortsakten Fasz. XVI und XXI. Ks wäre eine dankbare Aufgabe, die ganze Sache einmal gründlich darzustellen. Nachgeschichte des Schulgebäudes. 493 Johann Christian von Brieg einholen, und damit verging Zeit. Auch die Jesuiten, obgleich sie zuerst nach baldiger Installation strebten, hatten es aus Vorsicht und Umsicht später nicht übermäßig eilig. Es kam ihnen bald darauf an, ihre Geldforderungen allmählich zu erhöhen. Zur nachdrücklichen Betreibung ihrer Pläne benutzten sie immer wieder die Ansetzung ihrer Installation. Am 23. März 1628 trafen als Sturmvögel zwei Jesuiten aus Glogau in Goldberg ein 1 ), um die ihnen verehrte Schule und den Ort zu besichtigen, reisten aber nach einem Aufenthalt von kaum einer halben Stunde wieder ab. Ihre ungünstige Meinung kam in den Briefen Lamormains zur Geltung; der Mittelsmann Dohna konnte Georg Rudolf nach einiger Zeit mitteilen, daß die Jesuiten, die lieber die St. Johauniskirchc in Liegnitz samt Schule und Wohnungen gehabt hätten (auch hier war Pater Lamormain das treibende Element), für einen annehmbaren Zins, der, zu 6 °/ 0 gerechnet, zu kapitalisieren wäre, auf das Kloster verzichten würden. Man feilschte um 1500, 1800 und 2000 Taler Zinses und um die entsprechende „Hauptsumma". Im Mai 1628 hatte der Herzog an den Goldborger Rat schreiben lassen, um aus dem Urbarium für Dohna und die Jesuiten die Einkünfte der Stadtschule ganz genau zu erfahren und dadurch festzustellen, was der Stadt auferlegt werden könnte. Aus der Antwort geht zugleich hervor, daß die Stadtschule unter den Nöten der Zeit vollständig eingegangen oder, um nicht in die Hände der Jesuiten zu fallen, aufgehoben worden war __ G. Vechner hatte am 28. Jan. 1628 das Zeitliche gesegnet __ so (l a ß weder die wiederhergestellte Stadtschule noch die Schwabe - Priescmuthsche Stiftung als Nachfolger der Schule Tro- zendorfs betrachtet werden dürfen. Der Rat schrieb am 19. Mai 1628 an den Herzog: „Gnädiger Fürst und Herr, diweyl [es] nunmehr mit der weylant fürstlichen Schulen alhier, wie wir anders nicht wissen auf einer Änderung stehet und wir sowohl hiesige ganze arme Bürgerschaft und Gemeinde sehnlich wünschen, daß demnach bey uns ein Stadtschülichen wieder aufgerichtet und in demselben ein Seminarium der wahren Kirchen, so Gott alleine nach seinem Wort und geoff'enbartcn Willen recht erkennet und ehret unterrichtet, erzogen und vor die liebe Posterität erhalten werden möge, als bitten [wir] Eure fürstliche Gnaden lauter umb Gottes willen flehentlich, geruhen hierinnen mit väterlichem fürstlichem Rath und That gnädig beizuwohnen, damit wir zu solchem gottseligen Werck glücklich gelangen mögen." Dann gaben sie die ') St B.-Br., Wenzel. 494 Ende der Goldberger „Sehola ducalis", Schuleinkünfte an, die uns im allgemeinen schon bekannt sind 1 ) und durch ein zweites Schreiben noch genauer bestimmt wurden. Der Einfall der Schweden 1630 störte die Verhandlungen über das Kloster, und erst 1638 wurden sie wieder aufgenommen. Nach einer noch längeren Pause kamen sie erst 1654, 1655 und 1656 wieder in Gang, nachdem Georg Rudolf und Johann Christian schon gestorben waren. Die Herzöge Georg III., Ludwig IV. und Christian mußten für die Schwäche Georg Rudolfs büßen. Zunächst schwebte die Installation der Jesuiten durch Dohna wieder über dem Kloster. Mandatar der Jesuiten war jetzt Pater M. von Asselt, der beim Abschluß von den herzoglichen Räten für seine Mühewaltung 2500 Taler erhielt. Ihn stützte der Provinzial von Böhmen H. Lamparter. Bereits 1655 war ein Vergleich erzielt worden, den der Obcrlehnsherr Ferdinand III. am 19. April 1656 konfirmierte. In dieser Konfirmation führte das Kloster den Titel eines ledigen Steinhaufens. Die Herzöge mußten den Jesuiten 35 000 Taler zahlen. Am 11. Sept. 1656 erfolgte in Breslau zwischen den Räten und den Jesuiten der definitive Abschluß, und damit blieb das Kloster erhalten und in der Benutzung der Stadt, die auch ihre Schuleinkünfte rettete. Die Ungewißheit über das Schicksal des Klosters drückte sich auch in seinem Baustand 2 ) aus. 1660 hatten die geflickte Schule und die Rektorwohnung Schaden genommen; aber wegen Geldmangels-in der fürstlichen Kasse war es unmöglich, die Klostergebäude vor dem Winter unter Dach zu bringen. 1663 drohte die Rektorwohnung ganz einzustürzen, und der Rat mußte das Gebäude gründlich reparieren. Aber endlich ging das Kloster doch ganz für die Stadtschule verloren. Am 'J.April 1701 wurden durch die kaiserlichen Räte Th. von Kahl und E. R. Matuschka von Topolczan als Kommissare die Franziskaner wieder in das Kloster eingeführt. 3 ) Die Stadtschule wurde in den Zedlitzer Hof auf der Radegasse oder Junkcrngassc verlegt, der ursprünglich den Herren von Bock auf Hermsdorf gehört und den die Stadt von dem Freiherrn K. Ch. von Zedlitz und Neukirch gekauft 4 ) hatte. ') S. o. S. 49. ») Nach St. B.-Br., Wenzel. Spätere Einfügung. •) St. A.-Br., Ortsakten Fasz. XXVI. 4 ) Nach St. B.-Br., Wenzel. Spätere Einfügung. Nachträge und Berichtigungen. S. 10, Z. 5 v. u. lies: Rubeanus für Rubianus. S. 13, Z. 3 v. u. lies: Titel s. S. 39, Anm. 1 für S. Anm. 56. S. 15, Z. 3 v. u. am Anfang ergänze: Geiler v. Kaisersberg, J., Navicula s. speculum fatuorum. S. 20, Z. 4 v. u. lies: J. Henrichmann für F. S. 32, Z. 7 v. o. Bogentantz ist der Verf. der „Collectanea utriusque cantus" (Coloniac 1515). 16 Bl. 4°. [Ex.: Berlin, Staats-B.] S. 33, Z. 2 v. u. lies: 1513 für 1510. S. 35, Z. 13 v. u. lies: 10 Bl. o. O. u. J. 4°. S. 41, Z. 8 v. o. lies: Doktor für Rektor. S. 57, Z. 4 v. u. lies: Frühhumanismus. S. 61, Z. 6 v. o. lies: L. Paczel. S. 66, Z. 3 v. o. lies: Mag. G. Langnickel. S. 112, Z. 6 v.u. lies: Krentzheim für Kreutzheim. S. 140, Z. 13 v.u. ergänze hinter „Bartholomaei": [Rosini]. S. 142, Z. 8 v. u. Der hier behauptete zeitliche Zusammenhang zwischen Ludwigs Veranstaltung einer Ausgabe der „Precationes" Trozendorfs und der Backmeistcrschen Sammlung der „Precationes" Melanchthons ist nicht vorhanden, weil die Backmeistersche Arbeit [Ex.: Jena, U.-B.] nicht erst 1563 hervorgetreten ist. Die S. 142, Anm. 2 zitierte Ausgabe von 1563 stellt vielmehr einen Neudruck dar: die Berliner Staatsbibliothek besitzt eine gleichbetitelte Auflage schon vom J. 1560 (Vitebergae, Haer. G. Rhaw), und bereits 1561 ist bei J. Berwald in Leipzig eine deutsche Übersetzung von G. Thym erschienen [Ex.: Berlin, Staats-B.]. S. 146, Z. 9 v. u. lies: Samitz für Sanitz. S. 161, Anm. 1 ergänze: Ausgabe Nürnberg 1600 in Zwickau, RatsSch.-B. S. 161, Z. 7 v. o. lies: M. Meienburg für L. Moienburg. S. 165, Anm. 9 lies: S. 227, 236 für '(vgl. Reg. unter „Theodorus")'. S. 174, Z. 14 v. o. ergänze am Satzschluß: 2 ). S. 177, Z. 7 v. u. lies: Schosser für Schlosser. S. 192, Z. 17 v. u. lies: Joachimsthal für Joaohimstal. S. 192, Z. 11 v. u. lies: Lenioer für Lonicer. S. 202, Z. 6 v. u. lies: Danwitz für Damvitz. S. 205, Z. 11 v. o. lies: Ultoma für Ultuma. S. 219, Anm. 1. Ex. trotz gütiger Hilfe des „Auskunftsbureaus der deutschon Bibliotheken" auch beim Redaktionsschluß nicht nachzuweisen. S. 222, Z. 16 v. u. lies: Seinen für Seneni. S. 228, Z. 12 v. o. lies: Olserinus für Obserinus. S. 231, Anm. 1. S. den Nachtrag zu S. 219, Anm. 1. 496 Nachträge und Berichtigungen. S. 236, Z. 15f.: Vgl. Baeuraker, C, Witelo, ein Philosoph und Naturforscher des 13. Jh. Münster 1908. Beiträge z. Gesch. der Philosophie des MA. 3, Heft 2. W. war geborener Schlesien S. 207-16 und 223/4. S. 237, Anm. 3. S. den Nachtrag zu S. 219, Anm. 1. S. 241, Anm. 4. Desgleichen. S. 242, Anm. 1 lies: Cunradus für Cunradi. S. 243, Z. 17 v.o. lies: Striesa für Strisa. 8. 249, Anm. 3. Dieses Schreiben ist, laut gefl. Mitteilung des Staatsarchivs zu Breslau vom 25. Febr. 1920, in den dortigen Beständen nicht aufzufinden; ein Aktenstück, in dem es am ehesten vermutet werden konnte, wird seit Anfang 1915 vermißt. S. 250, Z. 4 v. u. Über Lavinus s. ADB. 45, S. 208 (im Artikel „Zierotin"). S. 251, Z. 16 v. o. lies: J. v. Ostrorog. S. 252, Z. 4 v.o. lies: Scholtz für Scholz. S. 257, Anm. 2 und 4. S. den Nachtrag zu S. 249. S. 260, Z. 14 v. u. lies: ein Lorbeerreis für: einen Lorbeerkreis. S. 261, Anm. 3. Exequiae parentationo versuum epicediorum, et epita- phiorum . . . Laurentio Circlero Goldbergensi Silesio faetae ab Amicis . . . Servestae 1600: J. Schleer. 6 Bl. 4°. [Ex.: Halle, Ü.-B.] Die Zerbster Freunde, die dazu beigetragen haben, sind G. Bersmanus, W. Amlingus, Casp. Vlr[icus], J. Theopoldus, G. P. Bersmanus. S. 263, Anm. 4. S. den Nachtrag zu S. 249. S. 264, Z. 3 v.o. lies: Scholtz für Scholz. S. 264, Anm. 2. S. den Nachtrag zu S. 249. S. 265, Z. 12 v. o. lies: 1555 für 1556. S. 271, Anm. 3. S. den Nachtrag zu S. 249. S. 272, Z. 9 v. u. lies: Inauguration für Inanguration. S. 282, Anm. 1. Frisius' Leichenpredigt ist nirgends nachweisbar. S. 306 ff. Der Sammelband Ah 10940 der Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin enthält noch eine Reihe von Arbeiten P. Crügers, die in der hier gebotenen Darstellung nicht berücksichtigt sind; wir führen sie in chronologischer Folge auf. D. Ioachimo Garcaeo, v. rever. et cl. Theol. Doctori, Saganam ad regendam Ecclesiam ex illustri Academia Franeofurtana prid. Cal. Maji abeunti, amico colendo. [Griechisches Gedicht. Untorzeichn.:] Pancratius Crugerius. F. Eidem [Lateinisches Gedicht. Untcrz.:] Johannes Kirchman Lubecensis. Franco- furti Exe. A. Eichorn Anno 1594. 1 Bl. fol. Memoriae viri excellenti doctrina, prudentia virtute clarissimi, Thomae Fabricii, J. V. D. & Acadciniao Francofurtanae Syndici, pie defuneti A. D. VI. Calend. Majas Anno Christi 1594. [Langes griechisches Gedicht. Unterz.:] Pancratius Crugerius F. Typis Sciurianis. 1 Bl. fol. Fa/ir'iha Magnifico Academiae nostrae Kectori viro Clarissimo & excellen- tissimo Dn. Martino Benckendorfio, J. V. D. & Profess. publ. seeundüm Sponso Lectissimaequo virgini Hevae Lindnerianae Sponsae Moria & honoris ergo, ex- hibent, Affines, & Collegae a. d. XIII. Cal. Septemb. anni 94. [Griechische Verse mit längerer latein. Translation. Unterz.:] Christophorus Pelargus D. [Griechisches Gedicht. Überschrift:] Sponsis ejsdem honoratissimis. [ünterzeichn.:] M. Pancratius Crugerius Graecae linguae Professor. Francofurti Exe. A. Eichorn Anno 1594. I Bl., 2spaltig. folio. Nachträge und Berichtigungen. 49 7 Memoriae Christophori Corneri, Theologiae Doctoris, multos per annos in illustri Academia Francofordiana Professoris, & universae Marchiae Super- intendentis, Viri longo elarissimi. [Langes griechisches Gedicht. Unterzeichn.:] Pancratius Crugerius. Francofordiae, typis Sciurianis Anno 1594 XI. Cal. Maias. 1 Bl. fol. Decanus Collegii Philosophici in Academia Francofurtana, M. Pancratius Crugerius, optimarum artium studiosis S. D. [Längeres latein. Gedicht. Darunter:] P. P. IX. Cal. Septemb. Typis Voltzianis, Anno Christi 1595. 1 Bl. fol. Viro Amplissimo, Doctiss. Prudentiss. Dn. Hermanno a Dorne, LubecenB; In ordinem Scnatorium nuper honorificentissime cooptato M. Pancratius Cru gerius, in Academia Francofurtana Graeeae linguae Professor. S. [Latein Gedicht.] Anno 1597. Francofurti Marchionum Typis Sciurianis. 1 Bl. fol Ad reverendiss. et illustriss. Prineipem ao Dominum, Dn. Christianum Gvilielmum, Archiepisoopum Magd. Primatem Germaniae, Marchionem Brandeb. Ducem Borussiae, <&c. Dominum clementiss. cum Illustriss. patruo. Dn. Friderico Marchiae &c. Disputationcs et orationes publicas, praesontia Celsitudinis suae illustrantem, Acelamatio Professorum Acad. Francof. [Unterz.:] Pancratius Crugerius 1604. Francofurti Exe. A. Eichorn o. J. 2 Bl. 4°. S. 308, Anra. 2. S. den Nachtrag zu S. 219, Anm. 1. S. 310, Z. 7 v. u. lies: T. [Tobias] für Th. Seiler. S. 311, Z. 4 v. o. lies: Sutorius für Sartorius. S. 314, Z. 13 u. 24 v. o. lies: Freystadt für Freistadt. S. 325, Anm. 1. Ex.: Breslau, Stadt-B. S. 331, Z. 5 v. o. lies: Altdorf für Altorf. S. 331, Z. 11 v. o. lies: Speyer für Speier. S. 341, Z. 8 v. u. lies: T. [Tobias] für Th. Seiler. S. 351, Anm. 3. S. den Nachtrag zu S. 219, Anm. 1. S. 364 ff. Im Original steht immer Hantschelius. S. 377, Z. 13 v. u. Der „vatum. ille phoenix" ist Vergil, in dessen „Geor- gica", II, v. 343/5 die vorher zitierten Worte stehen. S. 381, Z. 21 v.o. lies: Crüger für Krüger. S. 386, Z. 10 u. 13 v. o. lies: C Cunradus für K. Cunrad. S. 392, Z. 15 v. o. ebonso. S. 392. Z. 9 v. o. lies: Schkopp für Sckopp. S. 394 Anm. 2. Nur ein Exemplar einer Ausgabe Görlitz, J. Rhambaw 1603 ist nachweisbar: Berlin, Staats-B. S. 395, Z. 17 u. 26 v. o. S. den Nachtrag zu S. 392, Z. 9. S. 395, Anm. 1: Ex.: Breslau, Stadt-B. — Das Schultzsche Buch heißt wohl ,Arithmetica alphabetica" (vgl. Zedier, J. H., Universallexikon aller Wissenschaften u. Künste. Halle u. Leipzig 1732fi. 35, Sp. 1618/9). S. 398, Anm. 2. Im Text der „Laudatio" steht nichts von diesem Termin. Auf dem Titelblatt heißt es: „Laudatio parontalis, in solemni magnificor, nobiliss. oonsultiss. littoratiss. honoratissimorumque virorum panegyri, Goldbergae Institut» a M. Mel. Laubano Prorectore, Anno ultimae gratiae MDCIV. Ad X. Kai. Quinctiles." Das wäre also am 22. Juni, nicht „im Juli 1604" . . . Die Widmung an Adam von Lest [vgl. S. 400] ist unterzeichnet: „Goldbergae exarabam Anno incarnati Vcrbi MDCIV. Pridie Kai. Augusti." Das wäre der 31. Juli. S. 409, Anm. 1 ergänze: [Ex.: Breslau, U.-B.] S. 410, Anm. 1 ebenso. Monumnnta Oormaniao I 'aedaitoirica LVII o£ 498 Nachträge und Berichtigungen. S. 411, Z. 8 v. u. lies: C. Cunradus für K. Cunrad. ß. 422, Z. 10 v. o. lies: Leusersdorf für Lensersdorf. S. 452, Z. 16 v. o. lies: Bachmann für Brachmann. S. 452, Anm. 2 ergänze: 14 Bl. [Ex.: Marburg, Ü.-B.J S. 458, Anm. 1. Ein Exemplar des Nachdrucks von 1625, dessen Titelblatt bis auf die Jahreszahl mit dem Titelblatt des Bauch, Ludoviciana S. 446 zitierten Druckes von 1606 völlig übereinstimmt und offenbar auch sonst von ihm kaum verschieden ist, ist vorhanden Berlin, Staats-B. Der Umstand, daß Herr Prof. Bauch den oben S. 455, Anm. 1 bibliographisch angeführten ersten Druck der „Res mira" nicht kannte, macht verschiedene Angaben seiner eben angeführten Abhandlung „Ein Satyrvorspiel zur Gründung der Ludoviciana" hinfällig und nötigte uns, seine oben gebotene, ganz auf dem Ludoviciana-Aufsatz aufgebaute Darstellung noch in der Korrektur in diesen Punkten zu ändern. Für eine Mitteilung war dort kein Platz mehr, sie mag daher hier nachträglich geboten werden. Die im Text S. 458 Z. 7 v. u. erwähnten Schlußveränderungen der 2. Auflage (v. 1606) finden sich teilweise schon in einem Druckfehlerverzeichnis, das Bachmann der Urausgabe seiner Schrift als besondere Veröffentlichung folgen ließ. In dem Hallenser Sammelband, der den ersten Druck der „Res mira" (in 8°) enthält (vgl. o. S. 455, Anm. 1), ist nämlich hinter der „Res mira" ein Quartblatt eingebunden mit der Überschrift „Res Mera. Ad rem miram pertinens, Hoc est Asino-Melidaeus Tractim Tactus"; die gleiche Überschrift (nur daß „Mera" durch „Mira" ersetzt ist) steht auf dem letzten Blatt der Ausgabe von 1625, die uns doch wohl als wörtliche Wiederholung der 2. Ausgabe von 1606 gelten kann. Darunter findet sich auf dem Quart blatt ein Holzschnitt und unter ihm noch ein Anagramm (das 112.); dies ist auf dem letzten Blatt des Druckes von 1625 wiederholt. Endlich bietet jenes Quartblatt das Druckfehlerverzeichnis (10 Zeilen) mit einem eigenen Vorwort („Lector optime"); im Neudruck fehlt es natürlich, dafür enthält dieser noch einen Holzschnitt und ein Epigramm „Asinus claudicans hoc est Melidaeus axd^wv". S. 467, Anm. 1. Vgl. Plathner, L., Graf Johann von Nassau und die erste. Kriegsschule. Phil. Diss. Berlin 1913. Personen- und Ortsregister. Abkürzungen: L. = Lehrer: LB. = Lehrbuch u. ähnl.; O. = Ordnung; Seh. = Schule, Schulen: SchW. = Schulwesen; TJ. = Unterricht. Agricola, Rud. dor J. (f 1521), Lektor an der Universität Krakau 71. Albinus, Chph., 1564 Dekan d. philos. P'akultät in Frankf. a. 0. (f 1590) 200. Albrecht d. J. (1556-61), Herzog v. Mecklenburg 267. Alb recht (1490-1568), erster Herzog in Preußen, Fundator d. Universität Königsberg 82, 267/9. ,„,„, *-»/«• .„.„ ,. J Albrecht Friedrich (1553-1618), Her- Actius (Axtius), Wilh., um 1592 Rektor, „„„ „ n -~.n. . M l n « Abdo, Joh., 1617 Schüler in Beuthen a. O. 461. Abel, Mich., um 1589 gekrönter Poet und Schulmeister in Frankfurt a. O. 302. Acontius, Melch. aus Ursel, Stud. in Wittenberg (1537), latein. Dichter 78/9, 153/4 in Guben 321 Adam, Anna, Hausbesitzerin in Goldberg (1512) 32. — Chph. Melch. s. Adam, Melch. — Melchior (tl622), 1598 Stud., 1600 Mag. in Heidelberg, gekrönter Poet, Biograph 257, 260, 355, 398, 408/9, 411, 415/6. Adeler s. Acdeler. Adelsdorf (bei Goldberg, Schles.) 395,471. Adloff, Greg., Kantor in Goldberg (1491) 8. Adrianus, Matth., spanischer Arzt, 1520/1 Lektor des Hebräischen in Wittenberg 62/3. Aedeler, Nikol., f 1513 als Rektor in Zittau 4L (Adeler, Edeler), Nikol., um 1511 Unterlehrer in Goldborg, 1515 Rektor, später Stadtschreiber, Ratmann u. (1541/2) Bürgermeister in Löwenberg 25, 29, 32, 41, 66. Aemylius (Oemler), Georg (1517-69), ■Freund Trozendorfs 50, 66, 78/9, 153/4. Aeneas Sylvius (1405—64, als Papst Pius IL 1458-64), (SchB.) 22/3. Aenobarbus, Franc., 1537 Prediger in Bunzlau 78. Aeschines 140. Aesopus (SchB.) 364, 377, 380. Agram 268. Agricola, Melch., gekrönter Poet und (1605) Pädagog junger Edelleute 392, 398, 467. — Rud. der Ä. (1442-85) 39. zog v. Preußen 268/9. Alesius, Alex. (1500-65) 165. Aleutner, Tob. (1574—1633), um 1600 gekrönter Poet in Frankf. a. O. 308, 411. Alexander V., Papst (1409—10) 61. Alexander Gallus s. Alexander de Villa Dei. Alexander de Villa Dei (SchB.) 14/7. 21/3, 30/2, 381. Alfons X. (1221-84), König v. Kasti- lien, Chronologe 430. Altdorf, Universität 331. Altenburg 164. Altgrottkau 325. Alzenau 106, 240. Amlingus, Wolfg. (1542-1606), Superintendent in Zerbst 496. Ambrosius (333—97), Kirchenlehrer 159, 217. Amsdorf, Nikol. v. (1483-1565), Gegner der „Schwarmgeister" 32. Andreades (Andreas), Barth., 1567 Lehrer in Görlitz 144. Andreae (Schmidlin, Shmidelinus), Jak. (1528-90) 71. Andreas, Barth, s. Andreades. Angelocrator (Engelhard), Dan. (1569 bis 1635), Pfarrer in Marburg 447/8, 450. Angelus, Joh., 1605 Superintendent in Darmstadt 446. Anhalter Fürstenhaus 423. Anna, Herzogin v. Liegnitz u. Brieg, geb. Hzg. v. Württemberg (1561 bis 1617) 219, 326, 426. 32* 500 Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule. Anna Maria von Anhalt (t 1605), Gemahlin Herzogs Joachim Friedrich v. Liegn.-Brieg 422. Anna Maria von Braunschweig (| 1568), 1550 zweite Gemahlin Herzogs Albrecht von Preußen 268. Anna Sophia, Herzogin von Mecklenburg, Tochter Herzogs Albrecht von Preußen 267. Annaberg in Sachsen 162, 177, 192. Ansbach, Stadt 68. Anthonius, Meister in Goldberg (1491) 7-8. Antwerpen 350. Aristophanes 355. Aristoteles 39, 55, 140, 149, 236, 273. 406, 413, 427; (SchB.) 14, 33, 176, 202. Arius (Arrius), Ketzer 141. Armeruh (bei Goldberg, Schles.) 314,422. Arnau in Böhmen 461. Arnold, Lorenz, Kanzler von Lüben, um 1591 Bürgermeister von Freystadt 314, 318. — Mart., Pastor in Fraustadt (1582) 151. Artzat, Jak., um 1596 Brcslauer Patrizier 324. — Kasp., 1615 Breslauer Ratsherr 437. Ascensius s. Badius Ascensius. Aschenborn, Mich., Rektor u. Pfarrer in Polnisch-Lissa, 1613 Poeta lau- reatua 460. Ashelm, Matth., Sukzentor in Goldberg 213, 240, 252, 264. Asselt, Matth. v., Soc. Jesu, 1654/6 Mandatar 'des Ordens bei den Verhandlungen mit Goldberg wegen des Klosters 494. Assisi, Franziskanerkloster 1, 2. Assmann, Joh. in Goldberg (um 1559) 171. Athanasius, d. hl. (um 295-373), Kirchenlehrer 158/9. Athenaeus 140, 149. Augsburg 203, 243, 388, 394, 491. August (1526—86), Kurfürst von Sachsen 175, 181, 230, 233, 341. Augustinus, Aurel. (354—430), Kirchenlehrer 159, 217. Auleander (Hofmann), Faul, Rektor in Goldberg, 1588 Prof. in Wittenberg 241, 263/4, 275/7. 279, 281/2. Aurifaber s. Bart, Zach. — Joh. (1517-68), Prof. theol. in Königsberg 266/7. Aurimontanus, Aurimontanus a Ferri- montanis s. Gürtler, Hieron. Avignon 62. Axleben und Dittersbach. Balth. v., um 1561 Schüler Paxmanns 192, 202. Axtius s. Actius. B. i Babrios (SchB.) 488. 1 Bacchilides 149. Bach, Vitus (1522-97), 1557/8 Rektor in Liegnitz 178. Bachmann, Konr. (1572-1646), Prof. j histor. et poeseos in Gießen 448 —58, 498. Backmeister, buk. (1530 -1608),(SchB.) 142, 495. Badius Ascensius, Jodoc. (1462 — 1535), (SchB.) 27, 29. ßaldmann (Waldmann) s. Sylvius. Ballophorus s. Fellgiebel. Balthasar, Bakkalar in Goldberg (1554) III. Bischof von Breslau s. Promnitz, Balth. v. (Barbara Agnes (1593-1631), Tochter Herzogs Joach. Friedr. von Liegnitz, 1620 Gemahlin des Freih. H. U. v. Schaffgotsch 472, 476/7. Barnim XII. (1549-1603), Herzog von Pommern 165. Bart, Anna, geb. Wiele, 1554 Z. Barts erste Frau 82. — (Pogonius). Burchard, 1570 Lehrer in Glatz 144, 151, 161. - Justina (t 1601), Z. Barts Tochter, Gattin M. Thabors des J. 224, 255. 411. — Katharina (f 1548), Z. Barts Mutter 110. — Katharina, geb. Mergner, 1595 Z. Barts zweite Frau 323. i— Martin (1487 — 1547), Goldschmied und Ratmann in Neiße, Z. Barts Vater 110. — (Aurifaber), Zach. (1529-1612), Lehrer und Bürgermeister in Goldberg 2, 45, 72, 84, 106, 110, 114, 130, 161, 174, 179, 183, 201, 206/7, 210, 213, 224, 229, 230, 235, 239, 240, 246/7, 251/2, 264, 272, 280/1, 300, 305, 322/3, 399, 408, 411, 417, 422. Barth, Geo., t I 595 a ' 8 Pastor und Senior in Lübeck 288. — Jerem., aus Sprottau (um 1600) 260. Basel, Stadt 39, 40, 243; Universität 68, 161, 251, 256. Basilius Magnus (328—79), Bischof von Caesarea 217; (SchB.) 57. Baudis, Andr. (1557 — 1615), Superintendent in Liegnitz 242, 311, 328, 330, 341, 386, 392, 405, 414, 440/1, 464. — Dorothea, Tochter des Superintendenten A. Baudis, 1618 Gattin M. Pezolds 464, 487. — Gottfr., 1628 Kanzler der Fürstentümer Schwcidnitz und Jauer 415. Personen- und Ortsregister. 501 Baudis, Joach. (1532—95), herzogl. liegnitz. Hofarzt 279, 282. Baumgarten, Konr., Buchdrucker in Breslau (1503/5) 28/9. Bautzen 78, 164, 260, 459. Baym, Nik., Chronologe 432. Bebel, Heinr. (1472-1518), (SchB.) 23, 27 31. Becker, Sibylle, 1618 Frau des E. Lan- gaous 462. Beda Presbyter, Ohronolog 432. Behaim, Lor., Bamberger Kanonikus (1518) 11. Beier, Joh., Mag. in Liegnitz (1554) 112. Beigern (an d. Elbe) 78. Belgien 243. Bembus, Petr. (1470-1547) 28. ßenckendorf, Eva v., geb. Lindner, 1594 Frau M. v. Benckondorfs 496. - Mart. v. (1545- 1621), Prof. iur. u. (1594) Rektor der Universität Frankfurt a. 0. 496. Benckwitz (Bez. Breslau) 429. Bendeleben (Thüringen) 235. Bendeleben, Jak. v. (um 1580) 233. Benedicti, Erasm., Rektor in Freystadt (t 1559) 161. Bonedictus, 1483 Schulmeistor in Goldberg 7. . Benkius, Bart., 1608 Pastor in Namslau Ber'engar v. Tours (c. 1000-1088), Kirchenlehrer 217. Berfeld (Kreis Lebus, Schles.)i 305. Rat, Stifter des Bergschen Stipendiums 161. _, ,, Joh. v., bis 1601 Schuler in Gold- Be^gemann', Thom., t ^^ÄF«? StadtSch. in Frankfurt a O. 30o, Sil. Bergsches Stipendium 161, 401, tll, 444, 461. Berlin 220, 222, 429, 444. Bernardi de Lomberg s. Buehwald. BemhärdVII. (1540-70).. Herzog von Anhalt 145. „.„. lieQ \ Bernhard v. Clairvaux (1091-1153), Kirchenlehrer 217. Berosus, Chronologe 43i. Bersmann, Greg. (^wHÄfi Leipzig, Rektor in Zerbst 289, 496. — Greg. Peter, sein Sohn 496. Bertoldi, Matis, 1495 Inhaber eines Altarlehens in Goldberg 8. Bertram, Konr., 1602 Respondens bei einer Wittenberger Disputation 413. Berwald, Jak., um 1561 Buchdrucker in Leipzig 495. Besler, Lor., bis 1584 Lehrer in Brieg 239, 257. Beß, Hans, Frh. v. Köln und Petzendorf (1604) 430. Beuthon a. O. 385, 420, 462; Gymnas. illustre 69, 419—21, 444, 460/1, 483/4, 486; Paedagogium Schönaichian. 421, 459-60; SchO. 420/1. Beza, Theod. (1519-1605), Genfer Reformator 251. Biber, Joh., 1566 Lehrer in Görlitz, 1567 Pastor in Merkersdorf 161; (SchB.) 161; — Val. der Ä., Pastor in Schümberg — Val. der J., 1564 Diakon in Schömberg 161. Biberstein, Barbara v., 1572 Witwe des Herrn v. Tirtschky 240. Bibliander s. Buchmann. Bischitz in Böhmen 461. Biskupski, Peter Wierzbieta, poln. Edelmann, 1605 Sind, in Frankfurt a. 0. 307/8. Blahoslav, Joh. (|1571), mährischer Edelmann, Liederdichter der böhm. Brüder 161. Blanchinus, Joh., Chronologe 430. Blevel (Blefel), Joh., 1601 Goldberger Schüler, 1609 als Stud. nach Frankf. a. O. 425/6. Blümcl, Ant., Katechet in Goldberg. 1565 Pastor in Röcblitz 110/1. 161, 174, 201, 214, 240/1. — Barbara, geb. Fürstwalde, Frau A. Blümeis 111, 241. Blumner, Franz, 1609 Vogt in Liegnitz 426. Bock auf Heimsdorf, schles. Adelsfamilie 494. — Abrah. v. (1531-1603), kurfürstl. sächs. Geheimrat 118, 161. — Adam v., 1560 Schüler Paxmanns 203. — Albr. v., herzogl. Hauptmann in Goldberg 36, 42. 110, 112, 178, 204/5, 241, 249. — Sigism. v., um 1562 herzogl. Hauptmann in Liegnitz 120, 172. — Sigism. v., 1596 Goldberger Schüler 324. Böhmen 46, 254, 405, 437, 494; Brüder - unität 461; Reformation 300. Boethius, An. Manl. Torqu. Sever. 22, 39. Bogentantz, Bernh., 1511 Schüler Gürtlers in Goldberg, Verfasser d. „Col- lectanea utriusque cantus" (Coloniae 1515), Rektor in Liegnitz 32, 495. Boleslaus III. (1291-1352), Herzog von Liegnitz 4. 502 Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule. Bolkenhain 204. Bologna 61, 162. Boreken, Joach. v., um 1568 herzogl. preuß. Rat 268. Boskowitz, Albr. v. (um 1571), mährischer Edelmann 203. — Joh. v. (um 1571), mährischer Edelmann 203, 244. Boxa, Bogisl., 1598 Goldborger Schüler 334/5. — Geo. Radoszowski, 1507 Untcr- kämmerer in Wielun 165, 333. — Markus, 1598 Goldberger Schüler 334/5. Brachmann,. Joh. (1571-1631), Rektor in Krumau und Fraustadt, 1614 in Guhrau 392, 398, 405, 431, 433, 436. Brandeis an d. Adler 258. Brant, Bernh., 1605 Stud. in Marburg 447/9, 451. Braun, Geo., 1575 Bürgermeister von Elbing 269. Braunschweig 288/9; ÄgidienSch. 284/5, 289, 293; Martineum 284. Bredekopf 8. Laticephalus. Breithor, Dav., um 1600 Lüboner Ratsherr 386. Breithor, Joh. (um 1599) 405. Bremen 343, 346, 348. Brenz, Barthol., 1534 Tertius in Goldberg 168/9. Brenz, Theod. 167. Breslau, Bistum 242; Fürstentum 432. - Stadt 28/9, 39, 68, 72, 79. 101, 118, 138, 150, 162/3, 166, 170/1, 192, 203, 233, 236/7, 241/2, 244, 256, 259, 260. 270/2, 275, 277, 319, 320/1, 324, 381/2. 386, 395, 407, 409, 429-32, 437, 486, 494; Disputation in der Dorotheenkirche (1524) 64/5; Domkapitel 60/3; Domschule 36; botanischer Garten 410; Hospital z. hl. Geist 76; Humanismus 14, 23; Schule zu St. Elisabeth 28, 33, 79, 83, 96, 164, 176, 235/6, 242/3, 431; Schule zu St. Maria Magdal. 35, 68, 163, 427; Schulgesetze 194; SchO. von 1570: 270; SchW. 4, 36, 68, 320; Stadtwappen 29; Stift zu St. Vinzenz 242. Brettius, Andr., Konrektor in Goldberg, 1593 Rektor in Löwenberg 275, 277/8, 310/2, 401 ; 438-40. — Hedwig, geb. Rantzbach, Frau des A. Brettius 310. — Balth., 1590 Diakonus in Dürn- holz und Neusiedel 310. Brewer, Balth., 1597 Schüler in Goldberg, später Pastor in Volpersdorf 321, 325. Brieg, Herzogtum 262, 270, 338, 433; Stadt 161, 163, 166, 173, 187, 244. 248-50, 337, 351, 359, 389, 392, 394, 400/1, 428/9, 439; Gymnasium (fürstl, Schule, Schola illustris) 95, 224, 239. 257, 261, 263/4, 270/1, 273/5, 278, 327, 357/8, 391, 393; (SchO.) 270/1. Briescn bei Dobrilugk 142, 166. Brockes, Heinr. (1567-1623), Bürgermeister von Lübeck 295. Brostau bei Glogau 165. Buchholzer, Abrah. (1529—84), Chronologe 430/2. Buchmann (Bibliander), Theod. (1504 bis 64), 1527 Prof. in Liegnitz 68/9, 432. Buchner, Joh. (f 1553), Schüler Trozen- dorfs 106. Buchwälder, Joh., 1601 — 12 Pastor in Goldberg 387/8, 391, 401, 411, 416, 418, 423, 425/6. Buehwald (Fagilucus, Bernardi de Lem- berg), Bernh., Rektor in Goldberg und (1517) in Glogau 25, 35, 42/4, 50, 66. Bucretius (Rindfleisch), Dan., um 1600 Breslauer Patrizier, Arzt 386, 422, 486. — Dietr., um 1600 jugendl. Sohn des Dr. D. Rindfleisch 386. — Phil. Jak., um 1614 Broslauer Patrizier 486. — Theod., um 1614 Breslauer Patrizier 486. ßünting, Heinr. (1545-1606), Chronologe 430. Buesdorf, Anna, geb. Sicke, 1583 Frau G.Buesdorfs 271. — Geo., um 1583 Dr. iur. in Sangerhausen 271. Bütner s. Buttner. Bullinger, Heinr. (1504—75), schweizer. Reformator 11. Bunzlau 78, 82, 100, 106, 112, 162/3, 164, 178, 226, 322, 416, 422 428, 441, 445, 459, 462; StadtSch. 200. 459-60. Burgwedel (Hannover) 175, 202. Burkard, Andr., 1571 Diakon zu Schön- berg in Mähren 203. Busche, Herrn, v. d. (1468-1534), Humanist 14. Buttner, Andr., 1516 Rektor in Görlitz 59. C. • Caesar, C. Julius, (SchB.) 176, 206, 210/1, 236. Caesarius, Joh. (1468-1550) 39. Calagius, Andr. (1549—1609), gekrönter Poet 411. Calaminus, Petr., Kryptocalvinist in I Wittenberg (1592) 277. Personen- und Ortsregister. 503 Calvinus. Job. (1509-64) 217, 250, 336, 341. Calvus (Kahl), Joh., Kollaborator in Goldberg 42, 44. Cambie, Guil. de, Bruxellensis Belga (um 1570) 224. Camerarius, Joach. (1500-74) 68, 83, 114, 219, 230, 233, 250, 382; (SchB.) 364 Caminaeus, Balth. (t 1613), Prof. der Poetik in Frankfurt a. O. 296/7. Canobius, Anton., italien. Mäzen 55. Capelus (Kretschmer), Kasp. (f 1540), Unterlehrer in Goldberg, Rektor in Lauban 65/6, 71, 78, 165. Carnovia s. Jägerndorf. Casolius (Chesselius), Joh. (1533-1613), Prof. in Rostock 177, 293, 295/6. Cassiodorus, M. Aurelius, als Chronologe 432. Cato, Dion. (SchB.) 22, 130, 363, 377, 380, 469. Cedar, Thom., 1617 Schüler in Beuthen a. 0. 461. Celichius (Seiich), Andreas (t 1599), Diakon, in Lüben 200, 319. Cellarius, Joh., 1537 Prediger in Bautzen 78. Celle 32. . J , Cewertz, Gerh., 1473 Ordensbruder v. gemcins. Leben 12. Chemnitius, Mart. (1522-86), Superint. in Braunschweig, 1576 Vizekanzler d. Univ. Helmstedt 284/6, 288, 293. Chemnitz 192; Lyzeum 194. Cherintiis, Ketzer 141. Chesselius s. Caselius. Chlum 250. , . Christian (1581-1655), Markgraf von Bayreuth 428. . Christian (1618-72), Herzog von Lieg- nitz, Brieg und Wolllau 494. Christian I. (1560-91), Kurfürst von Sachsen 276/7. AJ Christian Wilhelm (1587-1665) Administrator v. Magdeburg, Markgraf zu Brandenburg 497. Chrysostomus, Joh. (354-407), Kirchenlehrer 217. , ÄÄÄ « „ t ■ Chytraeus, Dav. (l^-JÄ, 1 ™ 1 ^ Rostock 265/6, 269282 291, 293/5, 'ins 319 432; (SchB.) 265. Chytraeus,'Nath. (1543-98), Prof. in Cic£o St M k Am 19, 22/3, 35, 39 55, 6?3 82 126, 140, 149, 205, 210, 239, 246 265, 271, 399; (SchB.) 28/9, 58, 60 81 87, 07, 113, 125, 129, 206, 210 225 343/5, 348, 363/4, 366, 368 bl 72, 374, 377, 379, 380, 397, 468/9, 487. Cingularius, Cingulatoris, Cingulatori- nus s. Gürtler, Hieron. Cirkler, Joh., Neffe des Rektors Cirklei und Wallensteins Hauswirt in Gold- berg 330/1. — Lor., f 1561 als Bürgermeister in Goldberg 106, 247. - Lor. (1534-98), Rektor in Goldberg und Brieg 161, 179, 181, 187/8, 224, 239, 247-64, 281, 327, 329-32, 337, 350, 354, 400, 465. Claius, Joh. (1535-92), Lehrer in Goldberg, Rektor in Frankenstein und Nordhausen, 1574 Pfarrer in Bende- loben 40, 45, 50, 75, 85, 92, 111, 132, 176, 189, 193/4, 200/2, 205, 209-11, 213/4, 216, 225, 229—38, 241, 243, 245, 381; (SchB.) 211/2, 214, 230/5. Clay s. Claius. Clement, Adam, um 1621 Goldberger Bürger 479. Clenardus, Nicol. (t 1542), Grammatiker (SchB.) 396. Clodwig, Joh. aus Neustadt (um 1583) 272. Cnuzius, Math., 1555 Kieler Ratsherr 265. Coler, Jak. (1537-1612), Propst in Berlin 217, 220/1, 223. Comenius, Joh. Arnos (1592 — 1671), (SchB.) 487. Copernikus, Nikol. (1473-1543), als Arzt des Culmer Bischofs Tiedemann Giese 37. Cordatus, Konr. (1475—1546), Prof. in Liegnitz (1526) 68/9. Cornerus, Chph. (1518-94), Prof. in Frankfurt a. 0. 305, 497. Cortschaius, Steph., 1598 Bürgermeister in Frau Stadt 409. Corvinus, Laur. (1465—1527), Humanist 14, 23, 26/8, 31, 33/5. Craigus Scotus, Joh., 1576 Prof. an der Universität Frankfurt a. O. 201, 285. Crato v. Craftheim, Joh. (1519 — 85), Dr. med. 242. Cremer. Abrah., 1609 Pastor in Schlesien 401. Cretsehmer s. Kretschmer. Crocius, Ludw. (1585—1655), um 1608 Mag. in Marburg 459. Crocus, Rieh, (f 1558), engl. Gräzist 58/9, 382; (SchB.) 101. Crotus Rubeanus, Joh. (1480—1539), Humanist 10. Cruciger, Kasp. (1504-48), 1542 Rektor der Universität Wittenberg 102. Crüger, Elisabeth, Mutter P. Crügers 284. j — Greg., Vater P. Crügers 284. — Margaretha, geb. Elp, Frau P. Crü- ! gers 284, 309. 504 Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule. Crüger, Margaretha, jüngste Tochter P. Crügers 309. — Maria, Tochter P. Crügers, Gattin des Goldberger Kantors G. Vechner 304, 309. — Pankr. (1547-1614), Rektor in Braunschweig, Prof. in Helmstedt, Rektor in Lübeck und Goldberg, Prof. und Rektor der Universität Frankfurt 282-310, 312, 314, 323, 328, 354/5, 381, 401, 408, 439, 463, 485, 496/7. — Sophia (t 1614), Tochter P. Crügers 309. — Timoth. (erstochen 1608), Sohn P. Crügers 306, 308/9. Crugerius s. Crüger, Pankr. Crusius, Mart. (SchB.) 101. Culm (Westpr.) 164; Schule der Brüder vom gemeinsamen Leben oder Gre- goriancr 12/3, 16, 37—40; akadem. Gymnasium 38. Cunradus. Joh. Heinr. (1612—85), Sohn des C. Cunradus, Verf. der ,,Silcsia togata" 412, 417, 421, 484. — Casp. (1570-1633), gekrönter Poet, Breslauer Arzt und Patrizier, Dr. med. und phil. 386, 392, 407. 411, 422, 431, 462. Cureus, Adam, Pfarrer an St. Maria Magdalena in Breslau (f 1566) 118, 122, 133, 161/2. - Joach. (1532—73), Schüler Trozen- dorfs, 1550 Stud. in Wittenberg, 1554 Lehrer in Preystadt, dann in Italien zum Dr. med. promoviert 162. Cuspinianus, Alex. s. Pentzolt, Thomas. (Spiesheim), Joh. (1473 bis 1529), Prof. in Wien 54. Cyclopius (Kandelgießer), Wolfg., 1512 Prof. der Matlu-m. in Wittenberg 32, 34. Cyprianus, Kirchenlehrer 217. Cyrillus, Kirchenlehrer 217. Cyrus, Matth., 1617 Vorsteher der böhmischen Brüdcrunität 461. Czerwenka, Wenz. Adalb. 329. Czettritz-Neuhaus, Joh. (um 1564) 244. Czirn s. Tschernin und Zirn. I). Dambitz, Kasp., 1575 Bürgermeister von Elbing 269. Dammitsch a. O. 143, 164, 171, 242. Dannowitz in Mähren 461. Dantiscus, Joh. (1485-1548), Bischof von Culm 38/9. Danwitz, Kasp. v., 1561 Stud. in Wittenberg 192, 202, 238. Danzig 16, 260, 351, 386, 390/2, 400, 418, 424; Gymnasium 391, 441. Darmstadt 446. DebissuH, Debitz s. Heniochus, Jodocus. Delphi 471. Demosthenes 149. 176, 202, 212, 236, 306, 307; (SchB.) 369. I Desa (bei Görlitz) 419. j Despauterius, Joh. (f 1520), Grammatiker (SchB.) 224. | Dessau 436. ' Deutschland, Reformation 45, 220, 300; SchW. 19, 75, 137, 316, 354. I Dieskau, Hieron. v. (um 1591) 276. Dillingen 224. Diodorus Siculus 432. Uithmarschen 308. Dobergast (bei Strehlen, Schles.) 395, 409, 486. jDobrilugk 142, 166. Dohna, Karl Hannibal, Burggraf zu (1588-1633), kaiserl. Oberst 492/4. Dolcius, Paul (1526-08). Arzt und Poet in Halle 284. Domke, Margaretha, Gattin Gr. Thilos und Mutter G. Thilos v. Tbilau 399. Donatus. Aelius (SchB.) 4, 16/7, 20/2, 126/7, 207. 361/2, 373, 380, 470, 478. Doren, Herrn, v., 1581 Bürgermeister in Lübeck 291/2, 497. Dornavius, Kasp. (1577-1632), Dr. ; med., Rektor in Beuthen a. O. 461/2, 486. Dorne s. Doren. Dorothea, Herzogin von Holstein-Sonderburg (t 1593), verm. 1589 mit Friedrich IV. von Liegnitz 302. Augusta, Tochter Herzogs Julius von Braunschwoig (geb. 1577) 287. Drachstedt, Chn., 1599 Informator junger Edelleute in Goldberg 355/6, 409. Drenkau (bei Grünberg. Schles.) 151, 163. Dresden 233, 236. 482. Dresemius, Sam. (1578-1638), gekrönter Dichter 308. Dromsdorf (bei Striegau, Schles.) 426, 485. Droschius, Wolfg., Pastor in Breslau (1531) 66, 73. Drossen im Lande Sternberg 406/7. Drossendorf (Trozendorf), Pseudon. für Friedland, Val. 62. . Dryander s. Eichler, Greg. Dudith, Andr. (1633-89) 259. Dürer, Albr. (1471 — 1528) 265. Dürnholz in Mähren 310. Dunus, Thadd., Chronologe 432. Dyhr, Ernst v., 1606 Goldberger Schüler 419. Personen- und Ortsregister. 505 E. Eber, Paul der Ä. (1511-69) 231, 233. 294. - Paul der J. (1542-73) 233, 236. Ebersbach (bei Görlitz) 395. Eberstein, Ludw. Graf v., 1589 Rektor der Universität Frankfurt a. O. 297. Ebert, Jak. (1549-1614), 1589 Dekan der pliilos. Fakultät in Frankfurt a. O. 320. Eck, Job. (1486- 1543) 62. Eckel, Fabian, Sohwenckfeldianer, Pfarrer in Goldborg (1530) 51, 68. Paul, Lehrer in Mährisch-Trübau 244. Eckersdorf (bei Breslau) 61, 429. Edeler s. Aedeler. Edenkoben (Pfalz) 402. Egidius, Mag., Rektor in Neumarkt (Schles.), Goldberg (1349), Liegnitz 4/5. Egranus, Job., Rektor in Frey Stadt und Schweidnitz, 1574 Bürger in Neiße 142, 162. Ehrhardt, Sigm. Just. (1733-93), schle- sischer Kircbenhistoriker 82. Eibenschitz (Seh.) 250. Eichholz 327, 356, 390, 395. Eichler (Dryander), Greg., um 1585 Lehrer in Görlitz 343. Eichscholz s. Grimm. Eisatius (Eisigk), Joh., 1564 Pastor in Seitendorf 244. Eisermann s. Ferreus Montanus. Eisig (Eising), Geo. s. Isingius. Eisigk, Joh. s. Eisatius. Elbuig 164,342,405; Gymn.269-70,275. Elbinger, Andr. (1526-82), Prof. in Wittenberg 192. Elisabeth von Polen (f 1517), 1515 Gemahlin Herzogs Friedrich IL von Liegnitz-Bricg 68. Elp, Margaretha, Gattin P. Crügers 284, 309. , „ r . Eisner, Chph., Verwandter des b. Gru- naeus 329. , Embden, Kasp., 1605 Pfarrer in Marburg 446/8, 450. Engelhard s. Angelocrator. Ennder, Gottfr., Sohn M. Ennders 349. — Karl, Sohn M. Ennders 349. — Mich., um 1589 Ratmann in Görlitz 349. Eperies (Ungarn) 142, 165. Epicharmus 118, 123/4, 140. Eniphanius, Kirchenlehrer 217. Erasmus, Desid. (1467-1536), (SchB.) 363, 382. ^ , j Erbar, Ulr. (t 1512), Dekan der medizin. Fakultät in Wittenberg 32. Ermericus, Val. (um 1531), Enkel des Pastors G.Langnickel in Hirschberg66. Ermland, Bistum 38/9. Ermrich, Geo., Lehrer und 1596/8 Vogt in Goldberg 278-80, 312, 401. Ernst der J. (1518-69), Herzog von Braunschweig-Lüneburg 177. Ernst Ludwig (1539—92), Herzog von Pommern-Wolgast 165, 287. Ernstroda am Thüringer Wald 237. Esaias Propheta 149. Euripides 140, 174; (SchB.) 163, 369. Eusebius, Bischof von Caesarea, Chronologe 432. Exner, Balth. (1576-1624), Prof. histor. in Beuthen a. O. 392 411, 461/2, 464. Eyzinger, Mich., Chronologe 432. F. Faber, Job., 1563 Pastor bei Breslau 162. — Wenz., Rektor in Trübau 203. Fabricius, Georg (1516—71), Rektor in Meißen 192/3; (SchB.) 206, 211. — Ismael, 1564 Pastor in Trebnitz 244. — Thom. (t 1594), Dr. iur. u. Syndikus der Universität Frankf. a. O. 496. — Thom., 1605 Stud. in Gießen 447/8. Fagilueus s. Buchwald. Falkenberg, Ramphalt v. (um 1559) 181. Falkenhayn, Joach., Bürge bei einem Rechtsstreit in Goldberg (1491) 8. Feige, Dan., Sohn Joh. Feiges, 1618 Hofrichter, später Bürgermeister in Goldberg 423, 442, 478, 491. — Elisabeth, Tochter Joh. Feiges, 1601 Frau D. Namslers 416, 442. — Eva, geb. Kulhase, 1609 Frau M. Feiges 422. — Joach., Sohn Joh. Feiges, f 1637 als Propst des Frauenkollegs an der Universität Leipzig 423, 442. — Joh. (1554-1617), Rektor und (1599) Bürgermeister in Goldberg 275, 277/9, 282, 312-26, 328/9, 333/6, 338, 341, 351/4, 356, 369, 370, 382/4, 386, 390/1, 401, 408, 410/1, 414, 416, 418, 425/6, 438-42, 444. — Lor., Ratsherr in Goldberg 277. — Mart., 1598 Stud. in Frankfurt a. O., 1609 Lehrer in Goldberg, 1615 in Guhrau, 1618 Pastor in Leswitz 311, 418, 420/2, 425, 443. — Rosina, geb. Neumann (1602—18), Gattin des Hofrichters D. Feige 490/1. — Sophie, Gattin Joh. Feiges 442. — Vinz., 1563 Kaplan in Goldberg, 1568 Pastor in Modelsdorf 204/5. Felbinger, Joh., um 1563 Pfarrer in Schwanowitz 249. 506 Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule. Fellgiebel, Balth. (ßallophorus), Konrektor in Glogau und Elbing, Rektor der Adelsschule in Paniowce 405/6. Ferber, Fricdr., 1589 Stud. in Wittenberg 349. Ferdinand I. (1380-1416), König von Aragonien 437. — I. (1503-64), deutscher Kaiser 72, 84, 99, 103, 161. — II. (1578-1637), deutscher Kaiser, König von Böhmen 437, 482, 492. — III. (1608-57). deutscher Kaiser 494. Eferrarius s. Ferreus Montanus. Ferreus Montanus (Ferrarius, Eisermann), Joh. (1485—1558), erster Rektor der Universität Marburg 32/3, 35. Fersius, Joh., 1593 Mag. in Frankfurt 322. Festenberg-Paokisch, Brandan v., 1609 Goldberger Schüler 422. Fibing, Joh., Schüler Crügers, 1596 Unterlehrer an der RatsSch. in Frankfurt a. 0. 304/5. Figulus (Töpfer), Joh.. Jurist und Lehrer in Goldberg, Freund Luthers (tl565), 99, 100, 102, 105, 111, 188. Finek, Kasp. (1578-1631), 1605 Prof. der Logik und Phvsik in Gießen 447 bis 53, 455, 457/8': Finsterwalde in der Lausitz 283. Fischbach (Schles.) 242. Flacius Illyricus, Matth. (1520-75) 71 191, 218, 220/3, 450. Fleischer, Anna, geb. Jörg, Frau Joh. Fleischers 236. Jak., Gastgeber in Breslau 235. — Joh. (1539-93), Lehrer in Goldberg 206, 210/2, 227, 233, 235/8, 241, 399; (SchB.) 236. — K., um 1515 Unterlehrer in Goldberg 42, 44. Folland 8. Vollandt. Fontinus. Petr., Prediger in Breslau und Wohlau (1530) 76. Franciscus (Franzki), Adam, 1557Schüler in Goldberg, 1564 Mag. in Wittenberg, 1572 Pastor in Franken 144, 151, 192, 203, 231. Franck, Kasp., kaiserl. Rat (um 1606) 421. Franckenberg-Proschlitz, Adam v. (um 1601) 429. — Hans v. (um 1601) 429. Franken 203. Frankenstein 228, 234/5, 257, 322, 350. Frankfurt a. M. 222. Frankfurt a. O., Stadt 282/3, 288, 302, 304/5; RatsSch. 305, 322. — Universität 11, 42/3, 45, 50, 82, 100/1, 112, 142, 163/4, 165/6, 183, 187, 191, 200/1, 204, 223, 235, 238/9, 242, 244, 247, 255, 270, 278/9, 285, 295/7, 305/9, 312, 319, 322/3, 330, 332, 335, 342, 395, 399, 401, 406, 408, 411, 415/7, 421/2, 425, 427/8, 437, 443/5, 459, 463/4, 485, 496/7. Frankreich, Bildungsstätte für Studierende im 16. Jh. 192, 202, 243, 407, 460. Franzki s. Franciscus. Fraustadt 151, 392, 398. 401. 408-11, 431. Freiberg 58, 192. 203/4. 244. Freiburg (Schles.) 142, 166. Freistadt im Herzogtum Teschen 71. Frentzcl, Dorothea, 1605 Wwe. J. Schöns 418. Freystadt 161/3, 165, 234. 238, 241 314, 398, 461; (Seh.) 282, 405. Friedeberg a. Q. (Seh.) 243. Friedland," Bernh., Vater Trozendorfs 52/3. - Dorothea, Mutter Trozendorfs 52/4, 58-60, 62, 74, 119. — Franz, jüngster Bruder Trozendorfs, Gerber und Bürger in Görlitz 52, 59, 63, 119, 120, 137. — Val. s. Trozendorf. — Val., Neffe und Schüler Trozendorfs 101. Friedrich (1588-1611), Markgraf zu Brandenburg, Johanniter - Herrenmeister 497. Friedrich IL (1480-1547), Herzog von Liegnitz-Brieg 13, 44/9, 51, 65-70, 75/6, 81, 84, 95/9, 102/4. 111. 125, 139, 272/3, 301, 338, 436. Friedrich EH. (1520-70), Herzog von Liegnitz 39, 72, 100, 102/5, 107. 138/9, 174/5, 177-81, 183, 188/9, 272/3. Friedrich IV. (1552-96), Herzog von Liegnitz 117, 242, 246/7, 249, 251/4, 257, 263/4, 272/4, 277, 282/3, 297, 301/2, 313/4, 317/8, 321, 326/7, 333. 337, 341, 399, 432. 438. Friedrich V. (1596-1632), Kurfürst v. d. Pfalz 349, 415, 437/8, 464/5, 483. Frisohlin,Nikod. (1547-90) 294; (SchB.) 377. Frisius, Paul, 1621 Diakon in Goldberg 478. Fritsch. Ambros., Buchdr. in Görlitz (c. 1565-92) 156. — Mark., 1541 Bakkalar in Leipzig 162, 166. Fritzsche, Luk., Stifter einer Messe in Goldberg (1461) 6. Froben, Geo., 1599 Stud. in Frankfurt a. O., 1602 Pädagog in Goldberg, um 1605 Pastor in Gränwitz 411, 417/8. Fürstenau (Fürstentum Glogau) 409,419. Personen- und Ortsregister. 507 Fürstenberg, Barthol. aus Liegnitz (f vor 1555) 114. — Helena, seine Tochter 114. Fürstensehulen s. Grimma, Meißen, Pforta. Fürstwalde, Barbara, Ehefrau des Lehrers A. Blümel 111, 241. Fulda. Kloster 10. Fulnek ; Burg in Mähren 163, 240. Funccius s. Funck, Funk. Funck (Funccius), Joh., 1575 Stud. in Wittenberg, dann Lector Institutio- num in Goldberg, Dr. iur. 323. Funk (Funccius), Joh. (1518 — 1566), Theologe und Chronologe 430, 432. G. G. L., um 1603 Ephorus primus 396. Gärtner, Ludw., 1593 Stud. in Frankfurt a. 0. 427. Galizien 165. Gandersheim, Pädagogium illustre 285. Garcaeus, Joach. (f 1633), Prof. der griech. Sprache in Frankfurt a. O. 306, 496. Gardelegon 284, 406. Gedanum s. Danzig. Gefug von Dellerdorf, Adam (1519-93), herzogl. liegnitz. Rat 249. Geiler v. Kaisersberg, Joh. (1445 — 1510) Geisler, Andr., 1607 kaisorl. Pfalzgraf, fürstl. und ständischer Syndikus, herzogl. licgn.Jjriegisch. Rat, Dr. iur. 432. Gelhorn, v., schles. Adelsfamilie 321. — Friedr. v., der Ä., Gönner der Gold- berger Schule 279, 324/5, 335. - Friedr. v., der J. (1582-1636), Schüler (1595/8) und Wohltäter der Goldberger Schule 325, 335, 408. Genebrardus, Gilb. (1537-97), Chronologe 432. Genf 243, 251. ... Gcnseheidel, Bureh., um 1601 Mag. m Schweinfurt 387. Georg II. (1523-86), Herzog von ßneg 39 99-100, 102/3, 107, 109-12, 114/5 119-20, 137/9, 160, 166, 170/4, 177/8 187/9, 191, 204, 224, 229, 241, 243 245, 248/9. 257/8, 263/4, 270/2, 27ö', 282, 337/8, 393, 400. Georg III. (1611-64), Herzog von Brieg 494. Georg Friedrich (1539-1603), Markgraf von Brandenburg zu Ansbach und Bayreuth, Herzog von Jägerndorf 145, 203, 222. Geore Rudolf (1595-1653), Herzog von L^gnitz 243, 246, 308, 311, 393/4. 423, 433/4, 436, 441/4, 463, 466/7, 471, 475, 482, 488-94. Georg Wilhelm (1595-1640). Kurfürst von Brandenburg 308. Georgenthal 237. Geppart, Fabian, 1521 Mag., Unterlehrer in Goldberg, f 1545 als Stadtschreiber in Liegnitz 44/5, 68. Geppel, Joh., Bürger in Breslau 171. Gerhard, Konr., Leipziger Bakkalar, Lehrer Pentzelts 55. Gerlach, Melch. (1525-85), 1541 Schü ler Trozendorfs, 1554 Mag. in Wittenberg, dann Rektor und Diakon in Bunzlau, 1559 Superint. in Sorau, 1573 Oberpfarrer in Bunzlau 162. Gersdorf, Nikol. v., 1606 Stud. in Marburg 459. Gerstmann, Mart. (1527 — 85), Bisehof von Breslau 162. - Sebast. (1542-1601), Dr. iur., kaisorl. und kurbrandenb. Rat, Univer- sitätsprof. in Frankfurt a. O. 319. Geske, Martin, 1600 Pastor in Liegnitz 414. Giese, Tiedemann (1480-1550), Bisehof von Culm 37—40. Gießen 449/50, 452/3; Gymnasium illustre 446/8, 451, 453; Pädagogium 446; Universität 445/6, 452, 454/5. 459, 498. Gießmannsdorf bei Bunzlau 70, 162, 485. Girsner, Joh., 1596 Goldberger Schüler 324. Gläsersdorf (Bez. Liegnitz) 392. 395, 412. Glatz, Grafschaft 44; Stadt 161, 232. 238, 244, 322. Glogau, Herzogtum 405, 421; Stadt 51, 101, 165, 226, 229, 282, 405, 493; erste luther. Gemeinde (1519) 45; Pfarrschule 44. Goclenius. Rud. (1547-1628), Poet, Prof. der Philosophie in Marburg 392, 396, 445, 447/9, 451/4, 458. Göbel, Job., 1557 Dr. med. in Wittenberg, kurf. sächs. Leibarzt 177. Görlitz 52, 120, 153/4, 156, 161, 165/7, 203, 226, 232, 236, 238, 343, 349, 351, 382, 411, 417/8; Franziskanerkloster 53; Gymnasium 123, 176, 342, 344/8, 463; ScliO. 343, 381; SchW. 55, 57, 59, 78, 83, 85/6, 118/9, 144. 164/5; StadtSch. 53, 152. Göttingen 343. Goldberg, Bergknappen 2; Culmisches Haus 84; Fastnachtsspiel 169; Feuersbrünste 48, 100, 106/9, 113, 119. 136/7, 156, 159, 170, 214, 219, 240, 300, 311, 337, 352, 383, 433/5, 437, 471, 485. 490: Franziskanerkloster 1, 5 OS Valentin Tro/.endorf und die Goldberger Schule. 2, 84/5, 95, 104, 111, 114, 170, 174, 181, 190. 274, 352, 441, 444, 466, 473, 490, 492/4; Goldbergbau 2; Hospital 4; Johanniterordon 3, 5, 47/8, 205; Pest 95, 100, 105/6, 109, 136, 219, 300, 311, 337, 352, 383, 416, 433/5, 441, 471; Pfarrhof 25; Pfarrkirche 2, 3, 5, 8, 24, 40, 49, 107, 114, 118. 154, 173, 325, 441; Reformation 45/7. 118; Rothkirchsche Stiftung 279, 465, 489, 491; Schola duca- lis nach Liegnit/. verlegt 110/5, 142, 156, 159; (SchO.) 94/8, 194/9. 204. 274, 282, 356, 359™ 83, 396/8, 466 bis 71; Schwabe-Priesemuthseho Stiftung 493; alte Stadtschule (bis 1546) 1-73; neue Stadtschule 490/4; Stadtwappen 29; Überschwemmungen 416, 418, 423/4, 474; Universität 103. Goldberger s. Gürtler, Hieron. Gomp, Nikol. Seb., 1606 Stud. in Gießen 452. Görteler (Görteler) s. Gürtler, Jakob. Gottesberg 227. 244. Gränwitz (bei Liegnitz) 413, 417. Graf, Georg, 1617 Schüler in Bcuthen a. O. 461. Gregor, 1617 Schüler in Beuthen a. O. 461. Graßhof, Sobald. Lehrer in Goldberg 167/9. Gratius, Ortuin. (1491-1542) 11. Gregor v. Nazianz 73, 311. Gregorius Magnus (Papst 590 — 604) 22. Greifenberg. (Schles.) 166, 256, 350. Greifenstein, Burg (Schles.) 237, 472. Greifswald, Universität 165. Griechenland 91/2. Grimm, Chph., gen. Eichscholz (t 1562), Goldberger Knappe 204, 248/9. Grimma, FürstenSch. 192, 212, 230. Gröditzberg, Burg bei Goldberg 242/3. Grötzer g. Langer, Chn. Groß-ßaudis (Bez. Liegnitz) 82. Groß-Gläserdorf s. Gläsersdorf. Großsehirma bei Freiberg 204. Groß-Wandris (Bez. Liegnitz) 100. Grottkau 260, 415. Grünberg 349—50, 395. Grüneiche bei Breslau 219, 243. Grunacus, Sim. (1564-1628), Superint. in Liegnita 68, 240, 259, 261, 311, 318, 323, 327-30, 333. 335. 341, 351, 353/7, 382-92, 394, 398, 400/1, 404/7, 409-16, 419-21, 424, 426/7, 441, 444, 463/4, 477, 483/4, 486, 490. Gruter, Jan (1560-1627), Polyhistor 257, 350, 392. Grynaeus, Joh. Jak. (1540-1617), Prof. in Basel 251. Guarinus, ßapt. (1370-1460) 23. Guben 321. Günther, Dav. (1545-1613), Kantor in Goldberg, Diakon in Liegnitz und 1592 Pastor in Waldau 213, 240. Günther, Jak., Vater des Rektors J. Günther, Pastor in Züllichau 427, 430, 432. - Jak., 1587 Stud. in Prankfurt a. O., 1611/4 Prorektor in Goldberg, 1615 Dr. med. Stadtarzt in Namslau 163, 311, 322, 427-38, 440/1. — Oven, 1576 Dekan der philos. Fakultät in Helmstedt 176, 201, 285, 293. Gürtler, Adrian, Bruder H. Gürtlers 42/3. — Fabian, Bruder H. Gürtlers, 1518 Dr. med. 10/1. — (Aurimontanus. Aurimontanus a Per- rimontanis, Cingularius, Cingulatori- nus, Cingulatoris, Goldberger, v. Wildenberg oder Willenberg), Hieron. (1465-1558), Rektor in Goldberg, Regenerator der Schule in Oulm, Stadtphysikus in Thorn 10 — 42, 50, 67, 84, * 128, 325; (SchB.) 16-23, 26-36, 39-40. — (Wildenbergius Toroneus), Hieron. der .!., 1541/3 Stud. in Leipzig 40. - (Görteler, Görteler), Jak., Vater H. Gürtlers, Bürger in Goldberg (| 1517) 7, 10/1, 27. 32, 42/3. — Seb., Bruder H. Gürtlers 10, 32, 42. — Wilh., Bruder H. Gürtlers 43. Güstrow 283; Gymnasium 319. Guhrau (Schles.)' 166, 311; (Seh.) 436. Gundel, Phil. (1493-1567), Wiener Humanist 71. Guntherus, Oven. s. Günther. Gunzendorf (Mähron) 203. Gymnasium s. Beuthen, Breslau, Brieg, Culm, Danzig, Elbing, Gießen, Görlitz, Güstrow, Jauer, Kassel, Liegnitz. H. Haberkorn, Pet., Diakon, in Schafstädt (1564) 148, 162. Häsler, Balt. (t 1567), Arzt in Zittau 162. Hainschmid, Barbara, geb. Lindner, Frau J. Hainschmids 227, 244. — Joh., 1578 Pastor in Lauterbach 238, 240, 244. Hainwald bei Goldberg 171, 174. Halberstadt 284; Katalog der Halberstädter Bischöfe 287. Halle a. S. 142, 166, 284, 395. Hallcr, Joh., 1503-24 Buchdrucker in Krakau 29. Halonius, Melch., 1627 Stud. in Straßburg 483. Personen- und Ortsregister. 50 9 Hamburg 114. Hameln 177. Hammelius, Henning (f 1602), Dr. iur., markgräfl. brandenburg. Rat 406. Handel, Andr. (um 1575) 238. Hanfius, Joach., f 1580 als Rektor des Catharineums in Lübeck 288. Haniscb, Franz, 15.30 Propst z. hl. Geist in Breslau (t 1553) 79. Hanschmidius s. Hainscbmid. Hansel, Geo., um 1553 Lehrer in Bunz- lau, Pfarrer in Primkenau 106. Hantschelius s. Hentsohel, Adam. Hanzeler, Herrn, (um 1600) 260. Hardcck, mährischer Graf, 1576 Schüler M. Thabors 223, 255. - Job. Friedr. Graf v. (um 1568) 232. - Wolfg. Dietr. Graf v. (um 1566) 244. Hardegen, Dav., um 1575 Rektor in Haynau 319. Hartard, Kasp., 1557 Stud. in Wittenberg, dann Lehrer in Goldberg, f 158 als Bürgermeister in Haynau 235. Hartranfft. Lor. (1544-1611), Pastor in Gießmannsdorf 70, 162. Haslob, Mich. (1539-89), Prof. der Poetik in Frankfurt a. 0. 296/7. Haufflus, Greg., um 1585 Lehrer in Görlitz 343/4. Haunold, Hieron. gen. Phrygio, Arzt Trozendorfs (geb. 1518) 114, 116. - Nik., Patenkind Trozendorfs 114. Hausius, Melch., 1617 Rektor in Lauban Havnau 25, 173, 235, 278, 282, 318/9, 421, 426; (Seh.) 320. Heckor, Hans, .Stifter einer kirchl. Dotation in Goldberg (1524) 49 Hedwig, d. hl. (1174-1243), Herzogin von Schlesien 1, 2, 24, 352. Hedwiger, um 1584 Schüler in Brieg 258. - Chph. (1561-1623), herzogl. liegmtz. Rat 479 Heermann,' Joh. (1585-1647) gekrönter Dichter und Pastor in Koben 462. Hcgitmatianus s. Jociscus Hegitmatia- Heldeiberg, Stadt 259, 260, 308, 392; UrdvÄt 237. 243, 256, 258, 349, 1 350 395, 401/2, 404, 415/7. Heidenreich, Esaias (1557-1621), Pastor und Schulinspektor in Löwen-1 berg 310/1, 386/7. | _ Joh. (1542-1617), Dr. theol., 1614 Rektor der Frankfurter Universität 283, 309, 445. _ Sabina (t 1593), Tochter des Pastors Es. Heidenreich 310. Heinrich der Jüngere (1489-1568), Herzog von Braunschweig-Wollcn- büttel 284. Heinrich III. (1550 — 85), Erzbischof von Bremen 287. Heinrich XL (1539-88), Herzog von Liegnitz 99—100, 117, 120, 138/9, 179-80, 183, 188, 190, 193/5, 200, 202, 204, 214, 229, 242, 245, 255, 272, 274, 313, 356. 399, 400. Heinrich Julius (1564 — 1613), Herzog von Braunschwcig-Wolfenbüttel, postulierter Bischof von Halberstadt 285, 287, 406. Heinrich Wenzel (1592-1639), Herzog von Münsterberg-Öls 430. Heinrich, Jerem., um 1601 Pfarrer in Kreibe 387. — Joh., um 1595 Privatlehrer in der Familie v. Gelhorn 321. — Job., um 1597 herzogl. Rat 408, 436, 471. — Lor., 1605 Liegnitzer Bürger 392. — Martin. 1561 Prof. in Wittenberg 192, 238. Heinrici, Joh. aus Schweidnitz (um 1596) 305. Heinsius, Dan. (1580-1655), (SchB.) 487. HeintscheliusBolcslaviensis, Chph., 1588 Stud. in Wittenberg 422. Heintzschel Soraviensis, Chph., 1572 Stud. in Frankfurt a. O. 422. Heinzendorf (Schles.) 412. Heldelinus, Kasp. (um 1566) 209. Helmrich, Barbara, Tochter G. Helmrichs des J. 160, 226. — Elisabeth, Tochter G. Helmrichs des J. 160, 226. — Esther, geb. Zahn, Gattin G. Helmrichs des J. 226. — Esther, Tochter G. Helmrichs des J. 160, 226. - Geo. der Ä. (1501-36), Rektor und Bürgermeister in Goldberg 50/2, 64, 73/8, 119, 153/4, 174, 193/5, 201/2, 205/7, 209, 210, 212. 214, 220, 227, 325, 352, 381, 399. — Geo. der J. (1526-80), Konrektor in Goldberg, 1554/6 Rektor in Liegnitz, dann wieder in Goldberg 50/1, 77, 94/5, 101, 108, 111/3, 115/6, 118, 123, 130/1, 139, 142, 144, 146/7, 152/4, 158-60, 162/3, 174, 178/9, 183, 188 bis 91, 209, 218/9, 224/8, 230/3, 236, 238, 240, 242, 244, 246. 252, 255; (SchB.) 155, 226, 245. — Geo., Sohn G. Helmrichs des J. 160, 226. — Geo. (f 1576), Sohn des Bürgermeisters J. Helmrich 226. — Joh. (1533-1603), Sohn G. Helmrichs des Ä., Bürgerm. von Goldberg 77,154, 227, 229. 232/3, 3Q5, 321,408. r.io Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule. Helmrich, Joh. (f 1557), Sohn des Bürgermeisters J. Helmrich 227. Josias, Sohn G. Helmrichs des Ä. 77. — Josias, Sohn G. Helmrichs des J. 160, 226. Katharina, geb. Strobel, 1525 Frau G. Helmrichs desÄ. 51, 77/9, 154, 174, 223/4, 227. Katharina, Tochter G. Helmrichs des J., Gattin des G. Isingius (1575) 160, 226, 238, 244. Maria, Tochter dos Bürgermeisters Joh. Helmrich, 1595 Gattin A. Hent- schels 321. Mart. (f 1557), Sohn des Bürgermeisters J. Helmrich 227. Helmsdorf bei Bolkenhain 204. Helmstedt, Stadt 289-90, 292, 296, 306; Universität 201, 285/8, 293. 406, 413. Helwig, Mart. (1516—74), Rektor des Magdalenengymn. in Breslau, der erste Kartograph Schlesiens 138, 163. Henel, Nikol. (1582-1656), Dr. iur., Verf. des „Rhedigeromnema" 462. Heniochus, Esther, Gattin des J. He- niochus 114, 116. (Debissus, Debitz, Wagenknecht), Jodoc. (t 1580), Rektor in Löwenberg, Konrektor in Goldberg. Pfarrer in Liegnitz 82, 102, 111/2, 126, 174, 178-80, 183, 187/9, 193/4, 201/2, 205, 228-30. Jodocus der J., 1560 Student in Wittenberg 189. Theod., 1560 Stud. in Wittenberg 189. Hennersdorf (Bez. Liegnitz) 395. Henning, Geo., Subkonrektor in Lübeck (um 1581) 292. — Joh., Altarist und Stifter einer Messe in Goldberg (1461) 6. Henrichmann, Jak. (1482 — 1561), latein. Grammatiker 20, 34; (SchB.) 30/1. Henseler, Chph., 1608 Syndikus und Prokanzler des Fürstentums Breslau, Dr. iur. 432. Hentschel (Hantsehelius), Adam (1566 bis 1629), Konrektor in Goldberg, 1601 Pastor in Gränwitz, 1604 in Jauer 246, 319-22. 324, 326/9, 356, 363/4, 367-72, 382, 386, 401, 404, 406, 408, 412/4, 417, 425, 484/6, 488, 497. — Anna (f 1626), 1594 Gattin des Rektors M. Laubanus 350, 386. — Barbara, geb. Klose, Frau Joh. Hent- schels 319. — Chph., 1607 Lehrer in Goldberg, 1614 Pastor in Merzdorf 422, 441. — Dan., 1806 Stud. in Marburg 459. — Elisabeth, Tochter A. Hentschels. 1621 dritte Frau M. Pezolds 414, 488. — Friedr., Sohn des Pastors A. Hentschel (1628) 415. — Geo., 1594 Bürgermeister in Sprot- tau 350. — Joach., Sohn des Pastors A. Hentschel (1628) 415. — Joh., Vater A. Hentschels 319. — Maria, geb. Helmrich, 1595 Frau A. Hentschels 321. Herberger, Valer. (1562-1627), Pastor in Fraustadt 411, 431. — Valer. (f 1601), Söhnchen des Pastors V. Herberger 411. Herbrot, Rosina, Frau Nikol. (IL) Rhe- digers (1555) 243, 272. Herford 192. Hermann, 1233 Pfarrer zu Goldberg 3. — Joh., 1557 Dr. med. in Wittenberg, Kryptoealvinist 177. Hermsdorf (bei Goldberg, Schlos.) 249. 494. Hcrodotus 389. Herrndorf (Kreis Glogau) 161, 411. Herrnstadt (Schles.) 321. Hortwig. Andr., um 1568 kaiserl. Rat und Fiskal 232. Kerzberg an der schwarzen Elster 192, 230. Hcrzogswaldau (bei Neissel 409, 419. Heshusius, Tilem. (1527-88), 1551 Mitglied des Collegium philosoph. in Wittenberg 176. Hesiodus 140, 149, 196, 198, 232/3, 239, 306; (SchB.) 369. Hesler, Dan., um 1596 Breslauer Ratsherr 324. Heß, Joh. (1490-1547), Pfarrer und Reformator in Breslau 64/5, 68, 79. Hessus, Paul, 1583 Schulpräside in Breslau 272. Heugel, Andr. (1549-1609), herzogl. liegnitz. Rat 187, 248. — Lor. (1583-1652), herzogl. liegnitz Rat 249. Heumann, Geo., 1567 Diakon in Luschwitz 163. — Joh. (1711 — 60), Briefpublikationen 289. Heusler, Matth., Prof. der Medizin in Leipzig (f 1563) 163. Hien, Just., 1605 Stud. in Gießen 448. Hieronymus Sanctus (329-420), Kirchenlehrer 24, 217. Hilarius, Kirchenlehrer 217. Hildesheim (SchW.) 294. HiJwig, Albin, 1569 Goldberger Schüler 236. Himmelreich, Joh., 1537 Bakkalar in Culm 38. Personen- und Ortsregister. 511 Hippocrates 140, 198. Hirschberg (Schles.) 38, 43, 221, 244, 258, 390, 392, 461; Schule 65/6, 238. Hochkirch 165. Hochstraten, Jak. (1460-1527)" 11. Höckelshoven, Joh. (1557 — 1618), Rektor in Breslau 386, 392, 427. Hofemann, Geo., 1461 Stifter einer Messe in Goldberg 6. Job., Bruder G. Hofemanns 6. - Nikol. s. Peysker. Hoffemeister s. Hofmeister, Joh. Hoff mann, Geo., Schüler Trozendorfs, 1558 Stud. in Wittenberg 144, 163. - Mich., 1601 Goldberger Schüler 395. Hofmann, Domin., 1522 Schulmeister in Schweidnitz 60. — Paul s. Auleander. Hofmeister (Hoffemeister), Joh., Ketzer 141. Hohcnzollem. Erbvertrag mit den schle- sischen Piasten (1537) 99, 102. Hoim, Elisabeth v., Gemahlin K. v. Swicheldes 288. Holstein 264, 302, 398. Homerus 140. 149, 176, 197, 202, 239, 306, 351, 468; (SchB.) 369, 371, 398. Hoppe, Kasp., 1566—1600 Diakon in Goldberg 144, 163, 228, 305. 'oppoffe, Greg., Meister in Goldberg (1491) 7/8. Hoppstadt, Hieron. aus Hamburg (um 1555) 114. Horatius Flaccus, Q. 22, 30, 56, 80, 199, 407, 433, 436, 438, 460; (SchB.) 370, 397, 470. Hoßmann, Elias (1580-1630), 1606 Stud. in Marburg, 1614 Diakon in Goldberg, 1617 Hofprediger in Lieg- nitz 459, 464. Huber, Paul, Sohn Dr. S. Hubors 111. — Sebald, 1554 Arzt in Breslau 111. — Sebald, 1520 Breslauer Kanonikus Hubertinus Clericus Crescentinas, Klas- sikerkommentator 28. Hubner, Joh., 1608 Namslauer Stadtschreiber 431. Hunnius, Aegid. (1550-1603), Prof. der Theol. in Wittenberg 321, 337/8, 413. Hütten, Ulr. v. (1488-1523) 10/1. I (J). I. G. V., Verf. eines Rätsels (1617) auf die Könige Ferdinand I. und II. 437. J L L., Verf. eines „Carmen commen- daticium (1594) 428. Jägerndorf (Carnovia) 144, 192, 203, 226; Schule 238. Jakob, Bischof von Breslau s. Salza, Jak. v. — Martha. 1592 Gattin Chr. Wenzels 323. Jauer, Erbfürstentum 302, 398, 414/6, 464, 485, 487. — Stadt 163, 171, 279, 414/5, 422, 426. 440, 486/7, 490; Gymnasium 424; StadtSch. 309, 414, 463, 484/5. Jena, Universität 324. Jenkwitz v. Goldschmieden, Abrah. (1538—1606), Breslauer Schulpräside u. Landeshauptmann 272, 320, 430. Jeremias Propheta 160, 344, 435. Jeschke, Hedwig, zweite Gemahlin M. Thabors des Ä. 224. — Melch., ehem. Bürgermeister von Liegnitz 170, 224. Ilfeld 112. Ilgesius, Fabian, um 1601 Stud. in Frankfurt a. O. 401. Joachim IT. (1505—71), Kurfürst von Brandenburg 99. Joachim, Herzog von Münsterberg (Bi- . schof von Brandenburg 1544—62) 68. Joachim Ernst (1583—1625), Markgraf von Ansbach 428. Joachim Friedrich, Markgraf von Brandenburg, postul. Admin. von Magdeburg (1546—1608) 406, 409, 414. Joachim Friedrich (1550—1602), Herzog von Liegnitz-Brieg 203, 242/3, 248, 250, 261/2, 327, 333, 335/6, 338. 341, 352, 355, 357, 383, 389-90, 392/3, 399, 422, 432, 442, 472. Joachimsthal 192, 343. Jociscus Hegitmatianus, Jak.. Prof. in Frankfurt a. O. (1537) 79. Jodocus, Bischof von Breslau s. Rosen - berg, Jodoc. v. Jörg, Anna, Gattin J. Fleischers 236. — Joh. (I vor 1577), Ratmann in Breslau 236. Johann V., Bischof von Breslau s. Thurzo. Johann XXIII., Papst (1410/4, t 1419) 61. Johann, Graf v. Nassau (1561 —1623*, Gründer der KriegsSch. in Siegen 498. Johann Albrecht I (1525—76), Herzog von Mecklenburg 267. Johann Casimir (1543—92), Pfalzgraf bei Rhein 350. Johann Christian (1591-1639), Herzog von Briog 351, 393/4, 400, 418, 424, 433, 439, 475, 493/4. Johann Georg I. (1567 — 1618), Fürst von Anhalt 311. Johann Georg (1525—98), Kurfürst von Brandenburg 220, 406, 428. 512 Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule. Johann Georg (1552 — 92), Herzog von Liegnitz-Brieg 203. 219, 243, 248, 261. Johann Georg I. (1585-1656). Kurfürst von Sachsen 414, 482. Johann Georg (1547 — 86), Herzog von Wohlau 326. Johann Sigismund (1572-1620), Kurfürst von Brandenburg 308. Johannes Kvangelista (Schß.) 160, 396. Johannes de Sacrobosco (SchB.) 132. Johnsdorf (bei Grottkau, Sohles.) 192, 202, 238. Jonas, Just, der J. (1525—67) 266. Joppener (Soranus), Joh., Mag. artium und Dr. med. in Wien (f 1540) 27. Joseph 1. (1678— 1711), deutscher Kaiser 466, 491. Josephus, Flavius, Chronologe 432. Jost, Barthol., Oheim Trozendorfs in Görlitz 59. Irenaca, Symbol. Name für Trozendorfs Mutter 'Doroth. Friedland 62. Irenaeus, Kirchenlehrer 217. Pseudon. für I'Yiedland (Trozendorf) 62. Isaak, um 1598 Chirurg in Goldberg 334. Isidorus Hispalensis, Chronologe 432. Isingius, Andr. (1523 — 91), Prediger in Glatz 238. — (Eisig, Eising), Geo., Rektor in Jägerndorf, f 1590 als Prediger in Trop- pau 212, 226, 236/8, 241, 244, 409. — .Joh., um 1569 Stud. in Wittenberg 236, 238. Isocrates 140. 198; (SchB.) 40, 87. 131, 171, 369, 370, 377, 379. Italien, Bildungsstätte für Studierende im 16. Jh. 24, 51, 96, 138, 162, 192, 203, 243, 251, 255, 284, 407, 460. Judex s. Richter, Gregor. Jüterbog 321. Julius (1528 — 89), Herzog von Braun- schweig-Wolfenbüttel 284/7, 291. Jungebuche in Böhmen 244. Jungius, Hedwig, geb. Kirsten, 1584 Frau v. P. Jungius 239. — Paul (f 1605), Lehrer in Goldberg undBrieg 212, 224, 234, 236, 238/9, 241, 252. Jungnitz, Clin., Sohn des Prof. J. Jung- nitz 260. — Joh., um 1600 Prof. in Heidelberg 260. B Justinianus I. (c. 483—565), oströmischer Kaiser (SchB.) 397. Justinus Martyr 73, 217. Juvenalis, Decim. Jun. 22. K. Kahl, Joh. s. Calvus. — Theoph., v., 1704 kaiserl. Rat 494. I Kamenz 78, 162, 324. j Kandelgießer, Wolfg. s. Cyclopius. Kanitz, Anna v., 1613 dritte Gemahlin des Hauptmanns W. v. Zedlitz 432, 440. Karl der Große (742 — 814). deutscher Kaiser 287, 393. : Karl V. (1500-58), deutscher Kaiser 166. j Karl I. (1476-1535), Herzog von Mün- sterbcrg-Öls 68. Karl II. (1545-1617), Herzog von Münsterberg-Öls 242, 419, 420, 437. Karl Friedrich (1593 — 1647), Herzog von Münsterbcrg-Öls 309, 430. Karlstadt, Andr. (c. 1480-1541), kirchlicher Neuerer, Ketzer 64/5, 141, 217. Karpfen (Oberungarn) 76. Kassel 446; fürstl. Hof Seh. (Gymn. principale) 460/1, 467. Katha, Trozendorfs Botenfrau 114, 171. Katschkowitz (bei Strehlen, Schlcs.) 166. Katzbach 208, 215, 304, 416, 418, 423/4, 426, 472/4. Kaulwitz, Joh., 1461 Armbruster und Stifter einer Messe in Goldberg 6. Keckermann, Barth. (1571 — 1608), Rektor in Danzig 260. Kesmark (Oberungarn) 163. Ketzel, Wolfg., 1605 Buchdrucker in Marburg 448. 451. Kiefer s. Kifer. Kiel 265. Kielbassa, Vinz. (f 1479), Bischof von Culm 12. Kifardus s. Kifer. Kifcr, Anna Elisabeth, 1610 Frau des Pastors Ch. Kifer 402. - (Kyfertus), Chn. (1576—1622), Sohn des Rektors Kasp. Kifer, 1601 Stud. in Frankfurt a. O., 1604 Pädagog in Goldberg, 1608 Mag. in Heidelberg, 1609 Pastor in Schriesheim, 1613 in Edenkoben 264, 398, 400/2, 411. — Dorothea (f 1590), geb. Weinhof, Wwe. K. Kifors, 1588 Gattin des Kantors G. Vechner 312, 401. — (Kifardus, Kiefer, Küferus), Kasp., t 1583 als Rektor in Goldberg 207, 210, 239, 263/4, 275/6, 312, 399, 400. Kimedoncius, Jak., 1590 Dekan der theol. Fakultät in Heidelberg 349. Kinnor (Kunner) v. Scherpfenstein, Mart. (1534-97), ,1581 markgräfl. Jägerndorf. Geheimrat 117/8, 144/5, 161, 163, 226. Kirchmann, Joh. (1575-1643), Rektor in Lübeck 496. Kirchner, Karl 194. — Timoth. (1533-87), 1576 Vizerektor der Universität Helmstedt 286. l'ersonen- und Ortsregister. 513 Kirsten, Hedw., 1584 verm. mit P. Jun- gius 239. — Mart., Brieger Bürger 239. , Kisling, ßarthol., um 1585 Lehrer in Görlitz 343/4. Kittlitz, Joh. v., Preih. auf Drenkau und Krain, Schüler Trozendorfs 2, 70, 143, 145/6, 151, 156, 163. — Kasp. v., Schüler Trozendorfs 92/3. — Magdalena v., Wwe. Balthasars v. Schaffgotsch 221/2. Kleingaflron (bei Steinau a. d. Oder) 395. Klemm, Geo., 1578 Goldberger Bürger 240. — Maria, 1578 Prau des Kantors Joh. Scholtz 228, 240. Klettius, Nikol., um 1600 Bürgermeister von Löwenberg 311. Klipphausen (Bez. Meissen) 161. Klöster s. Assisi, Pulda, Görlitz, Goldberg, Liegnitz, Paradeis. Klose, Adam, latein. Poet (um 1597) 323. — Barbara, Mutter A. Hentschels 319. — Pabian, 1569—97 Rektor in Liegnitz 161, 323, 411, 427, 431. — Martha, geb.Vincentius, Frau F. Klo- QQQ 4:31 • Knobeisdorf, Friedr. y (t 1575) 239 — Maxim, v., 1601 auf Rückersdorf 387. — Sigism. v. (um 1575) 239. Knöfel, Lukas, um 1553 Lehrer in Bunz- lau 106. , Knüppel, Wolfg., Stud. und Ire. echter, 1549 in Liegnitz enthauptet 105. Koben (Bez. Breslau) 462. Köln, Stadt 15, 269; Umvers]tat 11/2, 14, 25. 32/3, 41, 58. König, Anton, Sohn J. Königs, Schuler Pentzelts 56. — Franz, Sohn J. Königs, Schuler Pentzelts 56. „ — Joh.,um 1504LeipzigerRatmann56. — Wolfg., Sohn J. Königs, Schuler Pentzelts 56. 7 . Königsberg i. Pr., Stadt 270 422; Universität 82. 164/5, 266/9, 275. Köpenick 428. Kolbe, Matt!., (um 1605) 445. Kolbnitz, Geo., 1621 Bürger m Jauer 414 487 — Ro'sina,' Tochter des G. Kolbmtz, 1621 Frau des Stud. Pfeiffer 414 487. Koler, Chph., um 1628 Stud. in Straß- WelnT'Matth., 1617 Vorsteher der böhmischen Brüdeninitat 461. Konitz 57. , , „ . Konopacki, Joh., Bischof von Culm (t 1530) 37. Konradsdorf (bei Haynau) 278. Monnmonta Gormanlae Paedagogioa l.vil Konradswaldau(beiSchweidnitz,Schles.) 314. Koppen, Poter, 1593 Stud. in Frankfurt a. O. 428. Korbach 322. Kornichen, Matth., 1559 Neißer Bürger 178. — Matth., 1559 Liegnitzer Schüler 178. Koschumberg (Böhmen) 342. Koschwitz, Anna, 1627 zweite Prau des Rektors Melideus 483. — Flor. Dan., 1627 Striegauer Ratmann 483. — Ursula, 1618 Frau des Rektors Melideus 464. Kottbus 222. Kottwitz (Schles.) 164. Kotulinski auf Semmelwitz, Geo. v. (um 1599) 429. — v. der Jeltsch auf Eckersdorf. Adam (um 1599) 429. — v. der Jeltsch auf Eckersdorf, Geo. (um 1599) 429. — v. der Jeltsch auf Eckersdorf, Nikol. (um 1599) 429. Krain bei Strehlen (Schles.) 151, 163. Krakau, Stadt 29, 38—40; Universität 24/5, 27, 43, 51, 71, 76, 101, 163. Krapp, Wittenberger Bürgerfamilie 177. — Hieron., Bürgermeister von Wittenberg (1557) 176. — Jak., Sohn des Bürgermeisters H. Krapp, Neffe Melanchthons, 1557 Bakkalar in Wittenberg 176. Krause, Kasp., um 1600 Pastor in Liegnitz 386. Krautwald, Val., Lehrer in Neiße, bi- schöfl. Notar und Kanonikus, 1524/9 Lektor der Theologie an der Universität Liegnitz 36, 44, 61, 66-71, 139. Krebs, Nikol., Freund Dan. Vechners (um 1610) 425, 485. Kreckwitz, Abrah. v., 1601 Goldberger Schüler, 1603 Stud. in Marburg, 1605 in Heidelberg, 1621 herzogl. Kommissar in Schulsacben 395, 471. — Chn. v., 1566/7 Schüler in Goldberg 229, 243. — Joh. v.. Schüler Paxmanns, 1562 Stud. in Wittenberg 192, 202. Kreibe (Kreis Goldberg, Schles.) 387. Kreischelwitz, Wenzel v., 1602 herzogl. liegnitz. Rat 417. Kreitzen, Chph. v., um 1568 herzogl. preuß. Rat 268. . — Joh. v., um 1568 herzogl. preuß. Rat 268. Kremnitz in Oberungarn 244. Krentzheim, Leonh. (1532—98), Super- intend. in Liegnitz 112, 212, 224, 279, 282. 337. 341, 410, 430, 432. 33 514 Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule. Kreppelhof, Gut (bei Land eahut, Schles.) 245. Kreschelwitz und Schönau, Wenzel v., um 15S0 kaisorl. Rat .314. Kresling(er), Joh., 1530 Prediger in Breslau, in Goldberg, dann in Karpfen, 1544 in Schemnitz 75/6. Kretschmar, Gottfr., 1616 Breslauer Patrizier 486. - Joh., 1616 Breslauer Patrizier 486. Kretschmcr, Kasp. s. Capelus. — (Crctschmer), Mart., Schulmeister in Goldberg (1495) 8. Krippitz (bei Strehlon, Schles.) 435. Krobnitz (bei Gö litz) 395. Kroischwitz (bei Bunzlau) 459. Kroitsch (bei Liegnitz) 436, 471. Krosna (Galizien) 142, 165. Krossen 106, 322, 342, 445. Krossenski, Erasm., 1559 Pfarrer in Kesmark 163. Krüger, Joh., 1571 Pfarrer in Gunzen- dorf 203. Krumau in Böhmen 341; (Seh.) 405. Krumbhorn, Barth. (1525-92), Kantor in Liegnitz, Bunzlau, Goldberg; 1561 Pfarrer in Welkersdorf und Waldau 112, 163. 174, 178-81, 183, 186/9, 230, 240, 439. Krytwys, Ulr., 1501 Vizekanzler der Universität Köln 12. Küferus s. Kifer, Kasp. Küstrin 322. Kulhase, Anna, Tochter S. Kulhases, 1594 Krau E. Mimers 322. — Esther (| 1605), Tochter S. Kulhases 417. — Eva, Tochter S. Kulhases, 1609 Frau M. Feiges 422. — Simon, Stadtvogt und Ratmann in Goldberg 281, 322, 334, 408, 417, 422. Kummernick (Herzogtum Glogau) 405. Kunitz (bei Liegnitz 314, 395. Kunler, M., um 1616 Mag. an der Domschule in Breslau 36. Kunner s. Kinner. Kunrad s. Gunradus. Kyfertus s. Kifer. Kynast, Burg 144, 242, 472. L. L., G. s. G. L. Laasphe (Westf.) 459. Ladebach, Andr., um 1578 Breslauer Bürger 270. — Katharina, 1578 zweite Frau P. Sickes 270. Ladislaus s. Lasla. Lähnhaus (Kreis Löwenberg i. Schles.) 105, 220, 222, 232. Lambert (Serranus), Franc. (1487 bis 1530), Minorit aus Avignon 62. Lamormain, Wilh. (1570—1648), Soc. Jesu, Beichtvater Kaiser Ferdinands IL 492/3. Lamparter, Heinr. (1591 — 1670), Soc. Jesu, Provinzial von Böhmen 494. Lancilotus s. Pasius, Curius Lancilotus. Landeck, Hieron., 1572 Pastor in Rosenberg 163, 239. 240. — Melch., Schmied in Goldberg (1554) 106. Landeshut 204/5. Landmann, Chph., 1617 Schüler in Jauer 486. Landsberg a. W. 165, 232. Langaeus, Elias, 1618 Glogauer Bürger und kaiserl. Zolleinnchmer 462. — Sibylle, geb. Becker, 1618 Frau des E. Langaeus 462. Lange (Langus, Longinus), Joh. (1503 bis 67), Lehrer in Goldberg und Neiße, Staatsmann und Schriftsteller 71/3. 110, 138. - Val., 1592 Stud. in Frankfurt a. O., um 1618 Katechet in Goldberg 464, 478-81, 489-90. Langenau, Schloß (Kr. Löwenberg, Schles.) 221/2. Langer, gen. Grötzer, Chph., 1528 Bürgermeister von Goldberg 72. Langius, Balth., 1592 Rektor in Haynau 320. — Joh., 1593 Stud. in Frankfurt a. O. 260, 427. — Katharina, geb. Zcuchner, 1592 Frau des B. Langius 320. Langnickel, Geo., | 1531 als Pastor in Hirschberg (Schles.) 66. Langus s. Lange, Job. Lasius, Chph., 1537 — 40 Rektor in Görlitz (f 1572) 78, 85, 165. Lasla (Ladislaus), Joh., Mag. aus Dresden (um 1570) 232/3, 236. Lassota, Geo., um 1563 herzog), liegnitz. Gch.-Rat und Kanzler 249. Lateinschulen s. Braunschweig, Breslau, Chemnitz, Culm, Goldberg, Lauingen, Leipzig, Liegnitz, Lübeck, Lüneburg, Neiße, Neustadt a. H., Nürnberg, 01- mtttz, Paniowce, Posen, Straßburg, Zwolle. Laticephalus (ßredokopf), Greg. ausKo- nitz, Leipziger Frühhumanist (| 1529) 57. Latocha s. Latochius. Latochius, Basil. (f 1560) 163. — (Latocha) Senior, Sam., Sohn des B. Latochius, Prediger in Ohlau und Zindel 163, 429, 432. — Secundus, Sam., Sohn des Sam. Personen- und Ortsregister. 515 Latochius, 1S99 gekrönter Poet, Pastor in Zwickau 163, 429. Latomus, Jak. (f 1544), Ketzer 141. Laubach 447. Lauban 66, 78, 162, 164/5, 166, 342, 491; Schule 82, 243, 411; (SchO.) 66. Laubanus, Anna, geb. Hentschel (t 1626), Frau des M. Laubanus 350, 386. — Chph., Sprottaucr Bürger, Vater des M. Laubanus 342. - Elisaeus (1600), Sohn des M. Laubanus 386, 417. - Melch. (1567-1633), Rektor in Sprottau, 1599 Prorektor in Goldberg, 1605 in Danzig, 1614 Rektor in Brieg 206. 210, 229, 256, 261, 303, 329, 331, 336, 341/3, 346-57, 366 368, 370/2, 381-405, 409-10, 412 bis 20, 424/5, 427, 440/1, 471; (SchB.) 342, 350/1, 381, 395, 404, 497. — Ursula, geb. Werner, Mutter des M. Laubanus 342. Lauben, Nikol. aus Sprottau, um 1546 Erzieher Heinrichs XI. von Liegnitz 99, 100. Lauingen, LateinSch. 343/4. Laurentii, Abrah., 1601 Goldb erger Schüler 395. Lauterbach bei Reichenbach 227, 244. Lautirbach, Margaret», Stifterin einer Messe in Goldberg (1461) 6. Lavinus, Wenzel, um 1580 Hofmeister des jugendlichen Barons K. v. Zierotin 250, 496. Lebus 319. Legner, Geo., um 1615 Fleischer in Goldberg 312. Lehmann, Job., Neffe des Bischofs Joh. Dantiscus, Schüler inCulm (um 1537) 38. — Joh., 1595 Goldb erger Schüler 324. Leipzig, Stadt 16, 26, 29, 30, 34, 57, 145, 166, 241, 275/6, 279, 415, 487; NikolaiSch. 164, 166; Universität 7, 8, 26, 32, 45, 50, 54/5, 57/8, 62, 65, 110, 113/4, 129, 162/4, 166, 192, 230, 233, 235, 237, 243, 284, 289, 442. Lemberg s. Löwenberg. Lengisfeld, Greg., 1524 Archidiakon in Breslau 61. Lenicer, Alb. (1534—87), Rektor in Lüneburg 192, 289. Leo, Wilh., 1597 Respondent bei einer Promotion in Prankfurt a. O. 406. Leobschütz 117, 163, 226, 308, 411. Leoniccnus, Nikol. (1428—88), italien. Arzt 428. Lessing, Gotth. Ephr. (1729-81) 324. Lest, Adam v., um 1602 kaiserl. Rat 398 400, 497. Lestwitz, Chph. v., schles. Edelmann (1608) 309. Leswitz bei Liegnitz 443. Leucoris s. Wittenberg. Leusersdorf (Schles.) 422. Lewe. Joh., Stifter einer Messe in Goldberg (1461) 6. — Katharina, Mutter von M. Lewe (1485) 7. — Mart., Schulmeister in Goldberg (1485) 7. — Nikol., Stifter einer Messe in Goldberg (1461) 6. Libig, Kasp., um 1617 Schüler in Bunz- lau 462. Libink, Jon., um 1559 Diakon in Gold berg 235. Lichtenberg (bei Görlitz) 165. Liebald, Melch., Katechet in Goldberg, 1550 Pastor in Probsthayn 82, 102. Liebenthal (Schles.) 44, 117, 142, 164, 166, 237, 356, 395. Liebig, Adam (1578 — 1637), 1598 Stud. in Heidelberg, um 1603 Prof. in Goldberg, 1606—28 Rektor und Pastor in Beuthen a. O.. t in Haynau 386, 396, 401, 411, 416-21, 425; (SchB.) 419. Liebing, Geo., 1572 Pastor in Reußen- dorf, Kon und Kreppelhof 244/5. — Melch., 1561 Pastor in Kottwitz und Niebisch 163/4. Liegnitz, Herzogtum 72, 103, 107, 170, 246, 262, 272, 282, 327, 341, 358. 389, 398,413, 433, 463, 465; Sektirer- wesen 45, 114; SchW. 175, 246, 338. — Stadt 42, 79, 103, 105, 108/9, 120, 145, 165, 170, 174, 179, 199 206. 228, 233, 235, 240, 242/3, 257/9, 262, 274, 283, 302, 311/3, 322/4, 326/8, 330, 332/3, 341, 351, 384, 386/8, 391/2, 395, 399, 401/3, 406/7, 409, 411, 413/5, 418, 421/3, 426/8, 434/6, 438, 440/1, 443/4, 459,464, 472, 479, 481/2,485/8; Franziskanerkloster 111; fürstl. Konsistorium als oberste Schulbehörde 246, 318, 489; Ritterakademie 466, 491; Seh. bei St. Peter und Paul (Stadtschule, Städt.Gymnasium)5,32, 100, 111, 163, 178, 188/9, 325, 392. 431, 437, 464, 491/2; Seh. bei St. Johann (StiftsSch.) 466, 489, 491/3; (SchW.) 66, 101, 147, 157, 163, 190 193, 225; - und Hofwesen 113, 175: Schwenckfeldianer 44, 51, 73, 75/6; Trozendorfs Grabstätte und Denkmal 117/9, 153, 161, 224; Trozendorfs Schule inL. 110/5, 142,156, 159; Universität 45, 66-71, 73, 95, 111, 117. Linacer, Thom. (1460 — 1524) 293. Lincke, Anna, Tochter K. Linckes, 1604 Gattin Dan. Vechners 411. 33* 516 Valentin Trozendorf und die üoldber^er Schule. Lincke, Kasp., um 1604 Liegnitzer Bürger und Schöppe 411. Linckyn, Barbara, Bürgerfrau in Goldberg (1489) 7. — Chph., Sohn der Barbara L. 7. Lindener s. Lindner. Lindner, Barbara, Frau J. Hainschmids 227, 244. — Eva, 1594 Frau M. v. Benckendorfs 496. — Franz, Görlitzer Ratsherr, Freund Trozendorfs 167. — Melch., Löwenberger Bürger (f vor 1578) 227. — Thom., um 1587 Breslauer Patrizier 219. — Tob., t 1611 als Breslauer Sohöppe und Katmann 243/4. Lissa (Polnisch Lissa) 79; (Seh.) 411,460. Livius, Titus 460; (Schß.) 87. Lobendau (bei Goldberg, Schles.) 171. Lobwasser, Ambros. (1515 — 85), Prof. iur. in Königsberg 268. Lochmann, Joach., 1551 Rektor in Görlitz (f 1560) 167. Löschke, Karl Jul. 80, 100, 132/3, 160. Löser, Joh. v., 1571 sächs. Marschall 244. Löwenberg (Schles.) 25, 45, 65/6, 78, 142, 144, 162, 164, 193, 203, 228, 236/7, 241, 244, 310/1, 318, 322/3, 386; StadtSch. 41, 82, 239, 310/1; Trozendorfs Seh. in L. (1553) 106, 110. Logau, Geo. Freih. v. (1485—1553), humanistischer Dichter 138. Logau und Altendorf, Matth. v. (1535 bis 93), kaiserl. Rat 303. Logus s. Logau, Geo. v. Lomacensis s. Stenius. Lombardus, Petrus s. Petrus Lom- bardus. Lommatzsch in Meißen 350. Longinus s. Lange, Joh. Longolius, Chph. (1490—1522) 28. Lorenzdorf (Kr. Bunzlau) 429. Lubodzieski, Joh., Bischof von Culm (t 1562) 38. Lubratlski, Joh., Bischof von Posen (1498-1520), Gründer des Oollegium Lubrancianum 96. Lubschütz, Bart., um 1512 Unterlehrer in Goldberg 26, 32, 42. Ludovicus (Ludwig, Sibelonius), Laur. (1536-94), Rektor in Görlitz 2, 59, 64, 70, 86, 121, 123/5, 127/9, 131/4, 142/8, 151/3, 156, 161, 164, 203, 218, 226, 232, 236/7, 242, 247, 251, 322, 343/9, 381/2, 394; (SchB.) 144, 344/5, — Martha, geb. Ritter, 1569 Frau des Rektors L. Ludovicus 226, 237. Ludovicus, Nikol. (1550-1617), 1575 Lehrer in Schweidnitz, Rektor in Glo- gau, Freystadt, (1597 — 1611) in Lieg- nitz 238, 282, 392, 402, 440/1, 464. Ludwig IL (1506—26), König von Böhmen und Ungarn 48. Ludwig IV. (1537-1604), Landgraf von Hessen-Marburg 449, 451. Ludwig V. (1577 — 1626), Landgraf von Hessen-Darmstadt 445/6, 451. Ludwig I. (1316—98), Herzog von Lieg- nitz 4. Ludwig IV. (1613-63), Herzog von Liegnitz 491, 494. Ludwig, Geo. aus Löwenberg (um 1593) 310. - Joach., 1618 herzogl. liegnitz. Sekretär 464. — Lorenz s. Ludovicus, Laur. - Nikol. (t 1617), s. Ludovicus, Nikol. - Nikol., 1627 Stüd. in Straßburg 483. — Val., um 1596 Bürgermeister von Liegnitz 325. - Val. (1576-1630), Sohn des gleichnamigen Bürgermeisters, 1593 Stud. in Frankfurt a. O., 1596 Pädagog in Goldberg, später Lehrer in Liegnitz und kaiserl. öff. Notar 324/5, 411. Lübeck 192, 289, 291/2, 295/6, 302/3; Catharineuin 288, 290. Lüben (Scldes.) 314, 319, 355, 386, 392. Lüneburg 142, 289; JohannisSch. 192. Luschwitz (Posen) 163. Luther, Mart. (1483-1546) 45/6, 58, 62/4, 69, 70/1, 81, 100, 102, 114, 116, 119, 121, 123, 133, 136, 146, 148, 153, 156, 158, 161/2, 164, 174, 256, 337/8, 340, 355, 359, 432; (SchB.) 94, 97, 137, 139, 147, 151, 157, 159, 361/2, 380, 394, 469. Lybien 454. Lycurgus 174. Lyon 40. M. Machner, Matth., 1617 Schüler in Jauer 486. Mader. Thcoph. (1541 1601), 1591 Dekan der'philosoph. Fakultät in Heidelberg 349. Mähren 252, 255, 259, 261, 331, 420; Brüderunität 250, 258/9, 461. Magdeburg, Erzbistum 406; Stadt 32, 243, 289. Magdeburg, Hiob (1518-95), Rektor in Lübeck 192. Maior, Geo. (1502-74), Prof. in Wittenberg 235. - Joh. Joach. (1533-1600), Prof. in Wittenberg 192/3, 343. Personen- und Ortsregister. 517 Maius, Joh., um 1570 Rektor in Haynau 319. Maltzan, Dietr. der Ä. v. 265. - - Dietr. der J. v., 1554 Schüler P. Siekes in Rostock 265. Mamphrasius, Wolfg. (1557-1616), sächs. Theolog 337/8. Mancinelli, Ant. (1452-1503), italien. Humanist und latein. Grammatiker, (SchB.) 20, 26/7, 30, 35. Manschwitz, Friedr. v., 1609 Goldberger Schüler 422. Mansfeld 78, 86. - Vollrath IL Graf v. (1520-75) 222. Manlius, Chph. (1546—75), Schüler Peu- cers, Historiker 52, 60, 92. Mantuanus, Bapt. (1448 -1518), italien. Humanist 26. Manutius, Aldus (1450-1515) 34. Marburg, Pädagogium 448, 459; Religionsgespräch (i529) 69; Universität 33, 385, 395, 445-50, 453/4, 457/8. Maria Eleonore von Jülich, 1573 Gemahlin Herzogs Albreclit Friedrich von Preußen 269. Maria Sidonia (1571 — 87), Gemahlin Herzogs Friedrich IV. von Liegnitz 274, 277. Marienburg 427. Marklissa 164. Martin aus Liebenthal, um 1517 Unterlehrer in Goldberg 44. - Gco., 1606 Stud. in Marburg 459. Matthaeus, Burkh., um 1589 hcrzogl. liegnitz. Rat und Legist 297. - Walpurg (t 1608^ Frau V. v. Thilos 424. Matthcsius, Joh. (1504-68), Mitarbeiter an Trozendorf s Katechismus 158/9. Matuschka v. Topolczan, Ernst Rud., 1704 kaiserl. Rat 494. Mauschwitz, Sigism,. v., um 1580 kaiserl. Rat 314. Maximilian IL (1527-76), Kaiser 161, 220, 285. Meckbach, Rud. Willi. (1543-1603), Dr. iur., Kanzler des Markgrafen Joach. Friedr. von Brandenburg, Ad- min. von Magdeburg 406. Mecklenburg 319, 322. Medorn, Hans, 1559 Liegnitzer Schüler 178. - Mart., um 1559 Neißer Bürger 178. Meffert s. Meffred. Meffrcd (Meffert), Geo. (t 1560), Kantor in Goldberg, Rektor in Lauban, Pastor in Groß-Baudis 71, 73, 81/2. Mehnert, Paul, 1598 Krieesknecht, Tumultstifter in Goldberg" 332/3. Meienburg, Mich., Bürgermeister in Nordhausen (1550) 161/2. ! Meinhard, Matth., Stadtwächter, Kläger gegen Goldberger Schüler (1549) 105. Mcisncr, Joh., 1558—64 Rektor in Bunzlau 200. Meißen, Fürstenschule 192, 211. Meister, Joach. (1532—87), Rektor in Görlitz 236, 238, 342/3, 346/8. Melanchthon, Phil. (1497-1560) 39, 52. 63/4, 68, 71, 74/5, 83/4, 94, 99, 100. 102,106,109-10,119-23,133,138/9, 141/4, 146, 155, 161/2, 164/5, 174/7, 181, 191, 203, 223, 233, 235, 239, 248. 255/7. 265/7, 270/1. 290, 293, 295 300, 336/8, 340/3, 346, 355, 359, 423^ 428, 430, 432, 450; (SchB.) 101, 126/7. 131, 146, 209, 212, 361, 365, 368 370/2, 379, 381/2, 394, 396/8, 468. 470, 481. 495. — Sigism., Neffe Ph. Melanchthons 233. Melideus, Anna, geb. Koschwitz, 1627 zweite Frau des Rektors Melideus 483. — (Milde), Jonas (geb. 1585, f nach 1629), 1598 Stud. in Frankfurt a. 0.. 1605 in Marburg, 1612 Lehrer in Kassel, 1617 in Beuthen a. O., 1618 Rektor in Goldberg, 1621 Kanzleisekretär in Liegnitz, 1622 Prof. hist. et morum in Beuthen. 1628 Rektor in Striegau 202, 241, 203. 421. 444/5, 448-67, 472/3, 477-84, 486/8, 490. 498. — Ursula, geb. Koschwitz, 1618 Frau des Rektors Melideus 464. Melissus, Paul (1539-1602), gekrönter Poet und kaiserl. Pfalzgraf 257, 260, 308, 328, 349—51, 386, 392, 410/1. Melierstadt s. Polich. Melsungen 448. Memmius, Konr. (um 1589), Sohn des P. Memmius 296. - Petr. (1521—89), Stadtarzt in Lübeck 296. Menander 140, 149. Menius, Heinr., um 1580 Konrektor in Magdeburg 289. Menlen (Menleyn), Nikol., Pönitenziar am Dom in Breslau (1519) 61. Mercator, Gerh. (1512—94), Chronologe 432. Mergner, Katharina, 1595 Z. Barts zweite Frau 323. Merkersdorf (Kr. Görlitz) 161. Merten, Meisterin Goldberg (1491) 7 — 8. Mertschütz (Bez. Liegnitz* 242. Merzdorf im Bunzlauer Weichbild 422 441. Meseritsch in Mähren 223/4. 244, 252- (Seh.) 239. Metzler, Joh. (1494-1538), Breslauer Jurist, Gräzist, (SchB.) 79, 101, 131 212, 234, 367/8, 382. ilS Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule. Meurer, Geo., 1540 Bakkalar in Leipzig 164, 166. — Wolfg. (1513-85), Rektor der Nikolaischule und Universitätsprof. in Leipzig 164, 166, 233. Milde s. Melidoua. Milich, Jak. (1501-59), 1556 Rektor der Universität Wittenberg 177. Miraer, Anna, geb. Kuhlhase, 1595 Frau E. Miraers 322. — (Myhmer), Ephraim, 1593 Lehrer in Goldberg, 1599 Pastor in Kummernick 311, 322/3, 326-30, 333, 335, 365/9, 371, 373, 382, 401. 405, 408, 413, 427/8. — Gottfr., 1586 Schüler in Goldberg 281. Miriscius, Donat, um 1580 Lehrer in Sprottau 342, 347. Misrecium s. Meseritsch. Modclsdorf (Kr. Goldberg, Schles.) 205. Möller, Joh. s. Mylius, Joh. — Mart., um 1584 Pfarrer in Sprottau 342. - Nikol. s. Mylius, N. Moelmattis. 1461 Stifter eines Altars in Goldberg 6. Mors 260. Mohl, Friedr. v. (um 1610) auf Droms- dorf 426. Mohl und Dromsdorf, Friedr. Konr. v., 1614 Schüler Dan. Vochners 485. Mohl und Mühlrädlitz, Dav. v., 1614 Schüler Dan. Vochners 485. Moibanus, Ambros. (1494—1554), Rektor an St. Maria Magdalena in Breslau 35/6, 66, 76, 79, 150. Molitoris s. Mylius. Moller, Mart. (1547 — 1606), Pastor Primarius in Görlitz 394. - Mart., 1604 Lehrer in Polnisch-Lissi 411. — Mich., 1590 Mag. an der KatsSch. in Frankfurt a. O. 305. Monau, Jak. (1546-1603), ßreslauer Patrizier, herzogl. liegnitz. Rat 68, 235, 261, 276, 320, 351/3, 356. 382, 384/6, 388/9, 405/6. Monetarius s. Münzer. Moritz (1572 -1632), Landgraf von Hessen-Kassel 445/6, 449, 453, 461. — (1521—53), Kurfürst von Sachsen 304. Mosbach (Baden) 259. Mosellanus, Petr. (1493-1524), Prof. in Leipzig 58/9, 113. Moser, Zach., 1630 Schüler des Ratichius 490. Mramerus, Dan. (f 1580), 1578 Lehrer in Goldberg 224, 239, 252. Muck, Christine, geb. Mylius, 1615 Frau J. Mucks 442. Muck, Joh., 1615 herzogl. liegnitz. Rat 442, 464. Mühlheim und Borganie, Christoph v., 1614 Schüler Dan. Vcchnors 485. Mühlheim, Joh. Ulr. v., 1597 Goldberger Schüler 408. Mühlrädlitz 395, 485. Müller, Erasm., 1591 Vorsteher des Breslauer Schul enamtes 320. — Matth., 1572 Pastor in .Jungebuche in Böhmen 244. Münsterberg (Schles.) 228. Müntzer, Val., Chronologe 432. Münzer (Monetarius), Thom. (um 1490 bis 1525) 141. Mummius, Sam., 1593 Mag. in Frankfurt a. O. 322. Murmellius, Joh. (f 1527) (SchB.) 469. Musculus, Andr. (1514—81), Prof. der Theol. in Frankfurt a. O. 71, 176, 222. Mustagk, Mart., 1606 Stud. in Marburg 459. Mutianus Rufus, Conr. (1471-1526), Humanist 36. Myhmer s. Mimor. Mylius, Christino, 1615 J.Mucks Frau 442. — (Möller, Molitoris), Joh., 1560 Pfarrer in Marküssa 164. Joh., um 1001 Dr. med. in Liegnitz401. — Mart. (1542-1611), Rektorin Görlitz 236, 343, 345, 348/9, 392; (SchB.) 161. — (Möller, Molitoris), Nikol., 1569 Lehrer in Goldberg 117, 144, 151, 164, 206/7, 210, 212, 237. 399. N. Namiest in Mähren 250, 259. Namslau 427, 429-31, 438. Namsler, Dav. (f 1613), 1598 Stud. in Heidelberg, 1601 Lehrer in Goldberg, 1602 Mag. in Frankfurt a. O., 1602 Diakon. 1612 Pastor in Goldberg 411, 416/8, 426, 441/2, 485. — Elisabeth, geb. Feige. Frau D. Nams- lers 416, 442. — Sob., 1609 Goldberger Schüler 422. Nassau 467. Naumburg am Qucis 25, 52, 165. Neander (Neumann), Balth. (1515-70), Prof. an St. Elisabeth in Breslau 164. — Chph. (1566-1641), Prof. der Logik in Frankfurt a. 0. 322, 406, 427/8. — Geo. (1573-1639), Konrektor der Frankfurter BatsSch. 322, 428. — Josias aus Bunzlau (1594) 322, 428. — Mich, aus Sorau (1525—95), Rektor in Ilfeld 112, 176; (SchB.) 112. Neiße 66, 72, 81, 142, 144, 161/3, 178, 241, 275/7, 310; PfarrSch. bei St. Jakob 36, 71/2, 110. Personen- und Ortsregister. 519 Neubrandenburg 283, 322; (Seh.) 319. Neukirch an der Katzbaeh 105, 114, 204, 223, 232, 249, 301, 327, 387, 395, 434, 441, 494. Neumann s. Neander, Balth. — Rosina (1602—18), Frau D. Feiges 490/1. Neumarkt (Sohles.) 41, 79, 421; (Seh.) 4. Neundorf (Schles.) 164. Neurode (Schles.) 321, 325, 406. Neusiodel (Mähren) 310. Neustadt a. d. Hardt 260; Schola illu- stris 350. — in Schles. 244. 272. Nicephorus Callistus Xanthopulus, Kirchenhistoriker 72, 432. Nicius, Val., 1535—46 Rektor in Lieg- nitz, t 1557 als Stadtschreiber in Breslau 79. Niebelschitz, Sigism. v., 1601 Goldberger Schüler, 1604 (als Knabe) in Heidelberg immatrikuliert 395/6. Niebisch (bei Froystadt, Schles.) 164. Niedorschlesien 482, 492. Niger, Ant. (t 1555), Schulmeister an St. Maria Magdalena in Breslau 65, 68; (SchB.) 382. Nigrinus, Job. s. Tschernin, Job. v. Nikolai, Hannos, Küchlcr und (1461) Stifter einer Messe in Goldberg 6. Nimptsch 248, 430, 435. Nippern (bei Neumarkt, Schles.) 165. Nixdorf, Kasp., um 1586 Kantor, 1600 Schöppenmeister in Goldberg 278, 312, 323, 404, 407. Noes v Oberlausitz) 436. Nonnus Panopolitanus (SchB.) 396. Nordhausen 161, 235. Nostitz, Chph. v., 1601 Goldberger Schüler 395. — Erasm. v. (f 1563), Schüler und Freund Trozendorfs 143,164,171, 242. — Fricdr. v., Schüler Thabors 242. — Geo. v. (um 1604) 398. — Joh. v., 1614 Landeshauptm. des Fürstent. Wohlau 436. — Joh. Ernst v., 1606 Goldberger Schüler 419. Novimontanus s. Sylvius, Franz. Nowack, Petrus (IL), Bischof von Breslau (1448-56) 5. Nürnberg 68, 100. 289; Melanchthon- Sch. 83, 96. Nüßler, Bernh. Wilh. (1598-1643), her- zogl. liegnitz.-brieg. Sekretär 464, 488. 0. Oberschlesien 482, 492. Oborungarn 76, 163, 244. Obsopoeus, Vinz. (f nach 1548), latein. Poet 68. Oehelhermsdorf 239. Ocklitz 395, 409, 486. Oecolampadius, Joh. (1482 — 1531) 45, 68, 217. Oels, Herzogtum 244; Stadt 420, 427, 430, 437. Oemler s. Aemylius, Ge. Ofen 76; kgl. 'Knabenkapelle 71. Ohlau 161, 163, 248, 432. Olearius, Joh. (1546-1623), Prof. der Theol. und der hebräischen Sprache in Helmstedt 288. Olbersdorf (Goldberger Diözesel 423. Olmütz 238; Jesuitenkolleg 329. Olscrinus, Matth., um 1580 latein. Poet 228. Omichius, Franz, 1566 Konrektor, 1572 bis 91 Rektor in Güstrow 319. Opitz, Mart. (1597-1639), 1617 Schüler und Poet in Beuthen a. O. 461/2, 483, 489-90. Oporinus, Joh. (1507—68), Buchdrucker in Basel 40. Oppechinus, Heimbart, 1576 Mag. üx Helmstedt 286. Oppeln 459. Origanus, Dav. (1558 — 1628), 1594 Dekan der philos. Fakultät in Frankfurt a. O. 428, 430, 432. Orlamünde 192. Orosius, Paul., Chronologe 432. Orpheus, Hymni 471. Ortlob, Chph., f 1574 als Rektor in Schweidnitz 164. Ortmann, Kasp. (f 1567), Rektor in Löwenberg, 1562 in Liegnitz 178, 193, 203. Oslander, Andr. (1498 — 1552) 150, 268. Osius, Hioron. (f 1575), neulatein. Dichter 192, 226. Ostorog, Joh. Graf v., Schüler Sturms in Straßburg 251. Otmann (Utmann), Geo. (1520—90), Schüler Melanchthons, seit 1544 Rektor und dann im Rat in Görlitz 164, 167, 342. Ottmachau 61. Ovidius Naso, P. 22, 24, 97, 125/6, 140, 206, 210, 230; (SchB.) 367/8, 371/2, 377, 379, 397, 468—70. Pachta, Veit, Soc. Jesu, um 1593 angeblicher Lehrer Alb. v. Wallensteins im Olmützer Jesuitenkollegium 329. Pacius a Beriga, Jul. (1550—1635), ita- lien. Jurist 256. Paczel (Pötschel), Lor., um 1520 Kanonikus am Dom in Breslau 61. Padua, Universität 242/3. 520 Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule. Pädagogium s. Beuthen, Gandersheim, Gießen, Marburg, Straßburg. Palacky, Frz. (1798-1876), Biograph Wallensteins 329. Paniowce in Podolien (AdelsSch.) 406. Pannonius s. Preyß. Panthen, Gut 434, 465, 485. Papa, Friedr., um 1585 Lehrer in Görlitz 343, 345. Paradeis, Zisterzienserkloster 308. Parchau (Schles.) 395. Parchwitz (Schles.) 162, 489. Pareus, Dav. (1548—1622), gekrönter Poet und Prof. in Heidelberg 257, 350. Pasius, Curius Lancilotus, lat. Grammatiker 30. Passau 71. Pauli, Sim. (1634-91), Prof. der Theol. in Rostock 319. Paulonius, Jak., Lehrer in Bricg, 1584 als Kryptocalvinist entlassen 257. Paulus Äpostolus (SchB.) 40, 63, 87, 273, 345/6, 371/2, 377. Pauskopf, Val., Kantor in Goldberg, 1551 Pfarrer in Lauban 82, 164. Paxmann, Heinr., Rektor in Goldberg, t 1580 als Prof. in Frankfurt a. O. 45, 175-95, 200/4, 214, 216, 240/1, 245, 255, 285, 439. Henning (1534-61), 1559-61 Rektor in Liegnitz 178, 189, 191/4, 201/3. — Margarete, Heinr. Paxmanns Gattin (t 1556) 176/7. Pelargus, Ohph. (1565-1633), Prof. der Theol. in Frankfurt a. 0. 321, 496. Pelicanus, Jak. aus Jägerndorf (um 1575) 238. Pentzelt (Spieß, Cuspinianus), Thom., Humanist, Schulmeister in Görlitz (1509) 54/8; (Soli 15.) 55/6. Perkinsus, Guil. (1558 1602), Chronologe 432. Petershaide (bei Grottkau, Schles.) 192, 249. Petrus (IL), Bischof von Breslau s. Nowack. Petrus Hispanus (SchB.) 33/4. — Lombardus (f 1164) 217. Peucer, Kasp. (1525-1602), Melan- chthons Schwiegersohn, Trozendorfs Biograph 52, 60, 63, 75, 85/6, 92/4, 99, 106, 118, 151, 161, 163/5, 176, 226, 233, 243, 260, 341. Kasp., Neffe des älteren K. Peucer (um 1600) 260. Peysker, Joh. .Priester in Breslau (1451) 5. — (alias Hofemann), Nikol., Inhaber einer geistl. Stiftung in Goldberg (1451) 5. Pezclius, Ohph. (1539-1604), Prof. in Wittenberg, Kryptocalvinist 243, 341. Pezold, Dorothea, geb. Baudis, zweite Frau M. Pezolds 464, 487. — Elisabeth, geb. Hentschel, dritte Frau M. Pezolds 414, 488. — Eva, geb. Prentzlow, erste Frau M. Pezolds 414. — Geo. (1538 — 98), Superint. in Liegnitz 220. — Matth., 1621 Fürstentumskanzler von Schweidnitz und Jauer 414, 426. 464, 487. Pfalz 258/9, 264, 402. Pfeiffer, Matth. aus Jauer, 1621 Stud. der Künste und der Philos. 414, 487. — Rosina, geb. Kolbnitz, 1621 Frau M. Pfeiffers 414, 487. Pfintzing, Breslauer Bürger (um 1556) 171. Pforta, Fürsten Seh. 165. Philclphus, Franc. (1398—1481), italien. Humanist 23, 26. 55; (SchB.) 22. — Joh. Marius (1426-80), (SchB.) 22/3. Philipp IL (1527-98), König von Spanien 166. Philipp Sigismund (1568- 1623), Herzog von Biaunschweig, postulierter Bischof von Verden und Osnabrück 285. Philo ludaeus, Chronologe 432. Phocylides (SchB.) 369. Phrygio s. Haunold, Hieron. Piast, Ahnherr der schlesischen Herzöge 400. Picus, Joach., Schüler Trozendorfs 209. Pierius, Urb. (1546-1616), Kryptocalvinist in Wittenberg 277. Pilger, Pet., Diakon in Speyer (1600) 260. Pilgramsdorf bei Goldberg (Schles.) 163, 203. Pilnikau s. Pylnikau. Pindarus 140', 149. Pirekhcimer, Wilib. (1470-1530) IL Pistorius. Joach., Prof. der Theologie, 1593 Rektor der Universität Frankfurt a. O. 428. Pitisous, Barthol. (1561-1013), Theolog in Heidelberg 350. Plato 39, 202. Plauen 284. Plautus, T. Maccius 149, 386, 423; (SchB.) 97, 125/6, 377, 397. Pleß 105. Plönnies, Heinr., Bürgermeister von Lübeck (f 1581) 288. . Ploenscius, Joach., 1598 Schöppe in Fraustadt 409. Plutarchus 58, 131, 140, 149, 419, 471; (SchB.) 29, 60, 369. Podolien 406. Popel, Paul, 1563 Pastor in Neundorf 164. Personen- und Ortsregister. 521 Pötschel s. Paczel. Pogonius s. Bart, Burchard. Pol, Nikol. (1564-1632), Breslauer Chronist 59, 60. Polach (Schles.) 203. Polen 72, 333; Reformation 300; (SchW) 96. Polenius, Matth. (1579-1629), Dr. iur., Prof. in Frankfurt a. O. 422. Poley, Chph. v. (1561-1637). Breslauer Ratsherr 437. - Franz Chph. v., 1616 Brcslauer Patrizier 486. Polich (Melierstadt), Mart. (t 1513), Frühhumanist, Arzt 57, 428. Polnisch Lissa s. Lissa. Polybius 149. Pommern 322. Pomscn (l'ombsen bei Jauer) 165. Popilius, Paul, um 1585 Lehrer in Görlitz 343, 345. Poppius, Kasp., 1590/8 Pastor in Goldberg 318, 335, 341, 387/8. Portus, Aemil. (1550 bis nach 1610), Lehrer des Griechischen in Heidelberg 350. Posen, Collegium Lubrancianum 96. Posselius, Joh. (1565—1633), Prof. in Rostock 319. Posth, Joh. (1537-97), kurfürstl. Leibarzt in Heidelberg 350. Pouchenius, Andr. (1526—1600), Rektor des Martin eums in Braunschweig, 1575 Superintendent in Lübeck 284/5, 288-95. • Prach, Mich., Chronist, Verf. der „Golt- berga" (1597) 2, 274/6, 278/9, 303, 325. Praetorius, Abdias (1524—73), Prof. in Prankfurt a. O. 176, 244. Prag 492; Konsistorium der Brüder - unität 461; Schlacht am Weißen Berge (1620) 482. Preibisch, Val., 1609 Schüler in Goldberg 422. Preiß s. Prcyß. Prentzlow, Eva (f 1618), erste Frau M. Pczolds 414. Prerau in Mähren 161. Preßburg 27, 81. Pretsch (Pretzsch an d. Elbe) 244. Preusner, Jak., 1549 Pastor in Eperies 142, 165. Preuß s. Preyß. Preußen, Herzogtum 102, 268, 308, 459. Preyß (Preuß, Pannonius, v. Springen- burg), Chph. (1515-90), Lehrer in Goldberg, Prof. in Frankfurt a. O. und Königsberg 78, 81/2, 153/4, 164/5. Prieborn (Schles.) 166, 242. Primkenau (Schles.! 106. Prinßig, Bürge bei einem Rechtsstreit in Goldberg (1491) 8. Priscianus 56. Promnitz, Balth. v., Bischof von Breslau (1539-62) 72, 105. — Karl v., 1546 Schüler Trozendorfs 105. Ptolemaeus, Claudius, Chronologe 430. Pulsnitz 162. Punitz, Joh., bis 1524 Liegnitzer Kanonikus 67. Puschmann, Paul, 1572 Pastor in Lichtenberg 165. Probsthain (bei Goldberg i. Schles.) 82. Pylnikau (Pilnikau in Böhmen) 424. Pyritz 322. Pythagoras (SchB.) 369. Q. Quentel, Heinr., Buchdrucker in Köln (1479-1501) 15. Quesuitius Brigensis, Dan. (um 1578) 240. Quintilianus, M. Fabius 56, 124, 130. It. Radeck, Paul, 1590 Pastor zu Dürnholz in Mähren. 310. Radmann, Bart., um 1593 Mag. in Frankfurt a. O. 427. Radoszowski Boxa s. Boxa, Georg R. Radtmann, Chph., 1608 Breslauer Syndikus, kurf. brandenburg, und liegn.- briegisch. Rat, Dr. iur. 432. Ramspeck, Wilib. (um 1555) 226. Ramus, Petr. (1515-72) 288. 290. 293, 381. Ransau (Fürstentum Wohlau) 242. Rantzbach, Bart., 1590 Ratmann in Goldberg 310. — Hedwig, Frau des Konrektors A. Brettius 310. — Paul, Kantor in Goldberg, 1574 Pastor in Alzenau 210, 213, 240. Rastenburg 164. Ratichius, Wolfg. (1571-1635), Didaktiker 304, 490. Ratzeberger, Matth. (1501—59), Luther- hiograph 121. Rechenberg, Molch, v. (um 1617) 461. — Sigism. v. (t vor 1612) 440. Reformation s. Böhmen, Deutschland, Glogau, Goldberg, Polen, Sachsen, Schlesien, Ungarn. Reibnitz, Chph. v., 1601 Goldberger Schüler, 1606 Stud. in Heidelberg 395, 409, 486. — Friedr. v., 1601 Goldberger Schüler, 1606 Stud. in Heidelberg 395,409,486. 522 Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule. Reibnitz, Geo. v., 1601 Goldberger Schüler, 1606 Stud. in Heidelberg 395, 409, 486. — Joh. v. auf Dobergast, 1601 Goldberger Schüler, 1606 Stud. in Heidelberg 395, 409, 486. — Joh. v. auf Wirrwitz, 1001 Goldberger Schüler, 1606 Stud. in Heidelberg 395, 409, 486. Reich, Anna, geb. Wiele, F. Reichs Frau 82. — Franz (f 1552), Lehrer in Goldberg 82, 102, 130. — Pet., 1572 Pfarrer in Großsehirma 203/4. Reichart, Kasp., um 1600 Syndikus in Löwenberg 311. — Mich.. 1593 Mag. in Wittenberg 321. Reichenbach .Schles.) 48, 205. Reichstein (Schles.) 395. Reimann, Chph., Schüler Dan. Vechners in Jauer 486. — Greg, (f 1544), Lehrer in Goldberg, Hofrichter in Löwenberg 45, 64, 203. — Joh. (1544-97), bischöflicher und liegnitz.-brieg. Kanzler und Geheimrat 45, 203. Rcinhardsbrunn 237. Reinhartsgrimma bei Pirna 244. Reinhold, Erasm. (1511 -53), Astronom und Mathematiker 102, 430. Reiße, Aug., Neffe des Bischofs Joh. Dan- tiseus, 1537 Schüler in Oulm 38. Reiter, David, Sohn Q. Reiters 260. — Quirin (1558 — 1613), Pfarrer in Speyer 259-61. Rendsburg 264. Rengersdorf bei Glatz 44. Reusner, Löwenberger Gelehrtenfamilie; 278. — Kasp., 1609 Stud. in Frankfurt a. O., 1618 Lehrer in Goldborg 463, 480, 490/1. Reußendorf (Schles.) 245. Rhagius Aesticampianus (Sommerfeld), Joh. (1460-1520), Prof. in Wittenberg 83. Rhau, Balth. (1527-1601), Dr. theol. und Prof. in Wittenberg und Grcifs- wald 52, 151, 165. — Mich., Pastor in Lübeck (1588) 292, 294. Rhediger, Jak., Breslaucr Patrizier 324. — Nikol. (II.) (1525-87), Breslaucr Ratmann, herzog!. Landeshauptmann 118, 272. — Nikol. (III.) (1555-1616), Breslaucr Patrizier 243, 430, 462. — Rosina, geb. Herbrot, Frau Nik. (II.) Rhedigers 243, 272. Rhenisch, Dav. der Ä. (1536-89), um 1562 Lehrer an St. Elisabeth in Breslau, um 1568 Mag. in Wittenberg 235/7, 271. Rhonius, Geo., um 1585 Lehrer in Görlitz 343, 345. Richter (Judex), Greg., um 1585 Lehrer in Görlitz 343/5. - Matth., 1598 Stadtschreibor in Fraustadt, 1617 Lehrer in Liegnitz 409. Rindfleisch, Breslaucr Patrizierfamilie s. Bucretius. Ritter, Martha, 1569 Frau des Rektors L. Ludovicus 226, 237. — Pet., 1530-50 Rektor in Görlitz 83, 165, 167. — Pet., Sohn des Bürgermeisters V. Ritter, 1581 Schüler in Görlitz 127, 165. — Val., Sohn des Rektors P. Ritter, 1581 Bürgermeister in Görlitz 165, 226. Ritterakademien s. Liegnitz, Siegen. Rizius, Thom., 1589 in Frankfurt a. O. zum Mag. promoviert 320. Rodeler, Joh., 1495 Kommendator der Pfarrkirche in Goldberg 8. Röchlitz bei Goldberg i. Schles. 110, 161, 240/1, 480. Rössel 342. Rößler, Seb. (t 1574). Rektor in Görlitz 203. Rogau (Schles.) 325. Romberg (bei Breslau) 243. Romer. Paul, 1535 Stadtschreiber in Görlitz 83. Romisewski, Stan., um 1605 Abt des Klosters Paradeis 308. Ron, Gut (bei Landeshut, Schles.) 245. Rosenberg (in Mähren) 163, 240. Rosenborg, Jod. v., 1457 — 67 Bischof von Breslau 6. — Joh., 1517/8 Rektor in Schweidnitz 60. Rosinus, Bart. (1520 — 86), Katechet 140, 495. — Joh. (um 1545), schleaischer Poet und Orator 138. Rossitz in Mähren 250. Rost, um 1600 Goldberger Schüler 385. Rostock 293, 295; Universität 265, 319. Roth, Joh., 1605 Diakon in Öls 430. Rothkirch, v.. schles. Adelsgeschlecht 465/6. — Chn. v., 1601 Goldborger Schüler 395. — Wolfg. v. (1573-1619), liegnitz.- brieg. Landeshauptmann 256, 279, 434, 465, 485, 489, 491. Rothmann, Mart. (1607—57), Rektor an der StiftsSch. in Liegnitz 491. Rudelsdorf (Schles.) 192, 435. l'ersonen- und Ortsregister. 523 Rudolf II. (1552-1612), Kaiser 161, 313/4, 432. Rudolphus, Chph., Rechenmeister des 16. Jh. 39. Rüokersdorf (Schles.) 387. Rüdinger, Esrom (1523-91), Prof. in Wittenberg, 1574 Rektor in Eiben - schitz 250. — Matth., 1601 Stud. in Frankfurt a. O. Stadtschreiber in Liegnitz 401. Rullus, Mark. (1532-88), Pfarrer zu Unser Lieben Frauen in Liegnitz 145, 148, 151, 165. Rumpier, Dan., 1601 Goldberger Schüler, 1608 Stud. in Marburg 395. - Sam., 1601 Goldberger Schüler, 1606 Stud. in Heidelberg, 1609 in Marburg 395. Ruperti, Judith, Wwe. Goo. Rupertis, Stifterin einer Messe in Goldberg (1461) 6. Rupporsdorf (bei Strehlen, Schles.) 435. Rurcr, Joh., Stadtpfarrer von Ansbach, 1526 Prof. in Liegnitz 68/9. Rußland (Reußon) 142. Ruswin, Margareta, Wwe. Heinrichs v. R. in Goldberg (1330) 4. Rutschmannsdorf i Schles.) 423. Rybisch, Heinr. (1485-1544), königl. böhmischer Rat 79. s. 'S. Z. T. W., als Poet beteiligt (1606) an dem Federkrieg zwischen Marburg und Gießen 449, 451. Saalfeld 55, 102. Saalhausen (Bez. Meissen) 161. Saccus, Cato, italien. Jurist und Redner (t nach 1467) 55. Sachsen 83, 337, 454; Reformation 118. Sadowitz (Schles.) 192. Sagan, Stadt 161, 164/5, 192, 228, 238, 240/1. 349. 444, 451, 462, 480; Schule 110. Sager, Joh. (um 1570), Graezist 233. Salburg, Thom. v., Goldborgor Bürger (1330) 4. Sallustius Crispus, C. 22. Salomo, Proverbia 354; (Schß.) 364/5, 377, 380. Salonion, Rabbi, Chronologe 432. Salza, Fricdr. v., 1601 Goldberger Schüler 395. — Hiob v., 1601 Goldberger Schüler, 1607 Stud. in Marburg 395. _ Jak. v. (1481-1539), Bischof von Breslau 61/2, 72. Samitz (bei Goldberg, Schles.) 146, 166, 231. Sanftlebius s. Senftleben. Sangerhausen 271. Sarcerius, Erasm. (1501-59) 39. Sartorius s. Schneider, Nikol. Satbogius, Wenz., 1571 Diakon in Trü- bau 232, 244. Scaliger, Jul.Caes.(1484-1558),Poet347. Scandelhis, Dav., 1606 Stud. in Marburg, 1611—21 Konrektor in Beuthen a. 0. 421, 459. Sehaffgotsch, Balth. v., auf Langenau (t 1567) 221. — Barbara Agnes v. (1593—1631), geb. Herzogin v. Liegnitz, Frau H. U. v. Schaffgotschs 472, 476/7. — Gebh. v., auf Fischbach und Schwarzbach, Schüler Thabors 242. — Hans v., auf Kynast 144. — Hans Ulr. v. (1595-1635), Parteigänger Wallensteins 472, 474, 477. — Magdalena v., geb. v. Kittlitz, Wwe. Balth. v. Seh. (1574) 221/2. — Magdalena v., geb. v. Zedlitz, 1567 Frau des Hans v. Seh. auf Kynast 144. Schafstadt (Prov. Sachsen) 148, 162. Scharf, Martha, Job. Weidolts Wwe., 1586 Gattin D. Spors 242. Scheffinger, Job., 1572 Edelmann auf Rcußeudorf usw. 245. Schellenberg, Chph. (f 1576), Lehrer an der FürstenSeh. in Grimma 177, 192. Schellcndorf, Joh. v., Schwiegersohn des Landeshauptmanns W. v. Xedlitz 404. Schemnitz 76, 161, 164. Schenk, Chph. auf Teupitz und Landsberg (1568) 232. — Joh. auf Teupitz und Landsberg (1568) 232. Scheps, Dan., Dr. in Sohweidnitz (1599) 405. Scherer, Dietr., 1607 kursäehs. Forstmeister in Georgenthal 237. Schergot (Theodotus), Geo., Bakkalar und interim. Rektor in Liegnitz (1554) 111/12. 114, 193. Schickfus, Franz, bis 1560 Pastor in Pomsen 165. — Jak. (1574-1637), Rektor in Brie«, schlesischer Chronist 257, 270, 428. -^ Melch.. 1560 Pastor in Pomsen 165. Schilling, Chph., 1563/6 Rektor in Hirschberg (Schles.), Gräzist, Calvinist (t 1583) 233, 244, 258. — Gottfr., Breslauer Patrizier (um 1577) 323. — Mart. (1551—95), Schöppe des Fürstentumsgerichts in Breslau, 243, Schindel, Kasp., 1572 Edelmann auf Helmsdorf bei Bolkenhain 204. Schkopp, schlesische Adelsfamilie 392. — Chph. v., 1601 Goldberger Schüler, 1607 Stud. in Marburg 395, 412. 524 Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule. Schkopp, Sigism. v. (1604) 412. Sohlegel, Joaoh., 1589 Stud. in Wittenberg 349. Schlesien 36, 75/6, 112, 138, 161, 220, 231, 241, 253, 258, 261, 310, 316, 383, 388, 390, 392/3, 429, 432, 437, 450, 464, 467, 482, 492; Franziskaner 1; älteste Karte 138, 163; Reformation 46, 57, 64, 70, 118, 120, 220; SchW. 50, 60, 69, 75, 81, 96, 300. Schlichen (Prov. Sachsen) 137, 166. Schlohn (Schloin, Fürstentum Glogau) 419. Schlottau (bei Trcbnitz, Sohles.) 437. Schlotheim (Thüringen) 192, 226. Schmid, Friedr., Sohn des Patriziers J. Schmid, 1599 Goldberger Schüler 356, 409. — Joh., um 1599 Breslauer Patrizier und herzogl. Rat 356, 385, 409. - Joh., Sohn des Patriziers J. Schmid, 1599 Goldborger Schüler 356, 409. Schneider (Sartorius), Nikol., Buchdrucker in Liegnitz (c. 1593—1611) 328, 423. Schnepf, Erh. (1495- 1558) 266. Schöbel, Chph., Dr. med., 1617 Arzt in .lauer 486. Sehömberg 161. Schön, Dorothea, geb. Frentzel, J. Schöns Frau 418. Joach. (1572-1605), 1591 Stud. in Wittenberg, 1596 Lehrer in Görlitz, in Sprottau, 1602 Mag. in Frankfurt a. O., Prof. in Goldberg, dann in Görlitz 39.6, 411, 417/8, 423, 425. Schönaich, Geo. Frh. v. (1557 — 1618), Gründer des Gymnasium illustre zu Beuthen a. O. 419-21. Schönau (Katzbach ) 192. 202, 280, 314, 417. Schönberg (Mähren) 203. Schönwälder, Chph. (f 1506), Priester in Goldberg 14, 49. Scholasticus, Adam, 1590 Stud. in Frankfurt a. O. 305. Scholtz, Ant., 1621 Stadtvogt in Goldberg 478. - (Scultctus), Joh., 1578 Kantor in Goldberg 213, 228, 240/1. 252, 264. Maria, geb. Klemm, 1578 Frau des Kantors Joh. Scholtz 228, 240. - Melch., 1621 Ratmann in Goldberg ^ 478. Scholz, Geo., 1560 Pastor in Nippern 165. ' - Joh. (1524-83), Ekklesiast an S. Elisabeth in Breslau 171. - Lor., um 1600 Stadtarzt und Begründer des eisten botan. Gartens in Breslau 410. Schonaeus, Com. (1540—1611), Dramatiker, (SchB.) 377. Schoneweldir, Nikol., 1461 Stifter einer Messe in Goldberg 6. Sehosser a Fricdhelm, Clin. Theod., um 1609 Arzt 422. Sehosser, Joh. (1534-85), Prof. in Frankfurt a. O., gekrönter Poet 176/7, 322. 428. Schradcr, Lud. (1531 — 89), Prof. iur. in Frankfurt a. 0. 191. Schräm, Nikol., 1556 in Haynau 173. Schramm, Thom. (um 1617) 462, 486. Schreck, Val. (1527-1602), Prof. in Königsberg 268. Schriesheim (Pfalz) 402. Seil röter, Joh. Sam., Lehrer in Brieg, 1584 als Kryptocalvinist entlassen 257. Schubart, Fab. 425, 485. - Geo. (um 1614) 486. - Scb. (c. 1498 — 1580), Pfarrer in Liegnitz 51. Schulbücher s. Aeneas Sylvius, Aesopus, Alexander de Villa Dci, Aristoteles, Babrios, Backmeister, Badius Ascen- sius, Basilius Magnus, Bebcl, Biber, Bogentantz, Caesar, Camerarius, Cato, Chytraeus, Cicero, Claius, Clenardus, Comenius, Crocus, Crusius, Demosthe- nes, Despauterius, Donatus, Erasmus, Euripides, Fabrieius, Flcischer.Frisch- lin, Gürtler, Heinsius, Helmrich, Henrichmann, Hosiodus, Homerus, Hora- tius, Johannes Evangelist», Johannes- de Sacrobosco, Isocratcs, Justinia- nus, Laubanus, Liebig, Livius, Ludo- vicus, Luther, Mancinelli, Melan- chthon, Metzler, Murmelius, Mylius, Xeander, Niger. Nonnus Panopolita- nus, Ovidius, Paulus Apostolus, Pent- zolt, Petrus Hispanus, Pliilelphus, Phooylides, Plautus, Plutarchus, Py- thagoras, Salomo, Schonaeus, Anton Schult,/., Seneca, Sicke, Sleidanus, Sturm, Sylburg, Terentius, Thabor, Tlieodorua, Tbeodosius Tripolita, The- ognis, Thym, Trozcndorf, Vechner.Ver- gilius, Vida, Vives, Wimpfeling, Xeno- phon, Zutphen. Schule s. Breslau, Bunzlau, Eibcnsohitz, Frankfurt a. O., Freystadt, Friedeberg, Glogau, Görlitz, Goldberg, Guh- rau, Haynau, Hirschberg, Jägerndorf, Jauer, Krumau, Lauban, Lissa, Löwenberg, Meseritsch, Neubrandenburg, Neumarkt, Sagan, Schweidnitz, Sprottau, Striegau, Zittau. Schulordnungen s. Breslau, Brieg, Görlitz, Goldberg, Lauban. Schultis, Matth., Sohn des Pancraz Schultis in Goldberg (1497) 8/9. Personen- und Ortsregister. 525 .Schultz, Anton, 1601 herzogl. liegnitz. Rat 412, 417, 423, 477; (SchB.) 395. — Anton der J., 1601 Goldberger Schüler 395. — Gottfr., 1601 Goldberger Schüler, 1609 Stud. in Heidelberg 395. Schultz v. Schwanensee und Brego- schitz, Tob., 1613 kaiscrl. Pfalzgraf 460/1, 484. Schulwesen s. Breslau, Deutschland, Görlitz, Hildesheim, Liegnitz, Polen, Schlesien, Schweidnitz, Stettin. Schumann, Balth., um 1570 Lehrer in Goldberg 206/7, 212, 237, 399. — Balth.. 1607 Pfarrer in Ernstroda 237. — Val., 1514—42 Buchdrucker in Leipzig 29. — Wolfg., 1560 Stud. in Wittenberg 237. Schwab, Wipert, 1515 Dekan der Frankfurter Artistenfakultät 43. Schwanowitz bei Bricg 249. Schwartz, Sebast. v., um 1604 Goldberger Schüler, 1610 Stud. in Heidelberg 401/2, 419. Schwartzbach, Salomo (1609) 422. Schwarzbach (Schles.) 242. Schweidnitz, Erbfürstentum 302, 398, 414/5, 464, 485, 487. — Stadt 71/2, 144, 162, 165, 238, 244, 260, 305, 335, 405, 421, 462; (Seh.) 243, 314; (SchW.) 59, 60, 163/4. Schweinfurt 54, 387. Schweinichen, Geo. v., 1552 herzogl. Hauptmann auf Burg Gröditzberg 243. — Hans v (1552-1616), herzogl. liegnitz. Marschall und Rat 229, 241/3. Schweinitz, Abrah. v., 1601 Goldberger Schüler, 1605 Stud. in Heidelberg 395. — Margaretha v., geb. v. Kreckwitz, 1600 zweite Gemahlin des Landeshauptmanns W. v. Zedlitz 395, 404. Schweinoch, Adam v., 1597 Goldberger Schüler 408. Schweinoch und Schweinhaus, Joh. v., j der Ä., herzogl. liegnitz. Rat 324, | 417, 423. — — Joh. v., 1597 Goldberger Schüler, Sohn Joh. v. Schweinochs des Ä. 324, | 408. — — Simon v. 324. Schwenckfeld, Kasp. v. (1489-1561), Sektierer 44/6, 69-71, 75/6. 139, 148, 162, 217. Schwenkfeld, Kasp. (t 1609), Arzt und Botaniker in Hirschberg 390. Schwiebus 322, 392, 428. Schwoitsch, Dorf bei Breslau 62. Schwoppius, Matth., Stud. in Gießen. 1606 in der Lahn ertrunken 459. Scipio, Marcus, Schüler Trozendorfs, f 1592 als Dr. iur. und Senior des Schöppenstuhles in Leipzig 116, 165, Scotus, Marianus (1028 — 88), Chronologe 432. Scultetus, Abrah. (1556-1625), Hofprediger und Prof. theo!, in Heidelberg 349-50, 401, 483. — Bart, (t 1614), Chronologe 430. — Heinr., 1593 Mag. in Frankfurt a. O. 322 428 — Joh., Kantor (1578) s. Scholtz, Joh. — Joh., 1605 Rektor in Sprottau 392. — Kasp., 1611 Prokonsul und Syndikus in Liegnitz 256/7, 350. Seelen, Joh. Heinr. v. (1688-1762), Rektor in Lübeck 289—90. Seibottendorf, Chph. v., um 1563 herzogl. Hauptmann zu Brieg 249. Seichau bei Goldberg i. Schi. 7. Seidlitz, Chph. v., 1512 Schüler H. Gürtlers in Goldberg 35. - Nikol. v., 1512 Schüler H. Gürtlers in Goldberg 35. Seifart, 1604 Gegner des Rektors Laubanus in Goldberg 390. Seifen, Erbgut bei Goldberg 4. — in Böhmen 27G. Seiler, Abrah. (um 1570) in Liegnitz 233. — Adam aus Krossen (um 1605) 445. - Geo. (1522-60), 1543 Mag. in Wittenberg, Rektor in Bunzlau, 1546 Prof. in Goldberg; 1551 Rektor, 1554 Pfarrer in Liegnitz 100, 102, 111/2, 117, 120, 131, 165, 175. — Hedwig, Wwe. des Liegnitzer Pfarrers G. Seiler 120. — Joh., 1609 Schüler in Goldberg 422. — Tob. (t 1629), 1593 Pastor in Waldis, 1598 in Goldberg 310, 318, 341, 382, 384, 386/8, 405. Seitendorf (Schles.) 244. Seiich s. Celichius. Seinecker, Nikol. (1530-92), Theolog 155, 160. Semmelwitz bei .lauer 163, 429. Seneca, L. Annaeus22,149,198; (SchB.) 40. Senftlebcn,Val., 1595 Stud. in Frankfurt a. O., 1605 in Marburg, 1606 Rektor und 1617 Bürgermeister in Bunzlau 445, 459-62. Senitz, Geo. v., 1564 Stud. 191/2, 202. — Heinr. v., 1613 Landeshauptmann von Strehlcn und Nimptsch 435. — Melch. v., um 1612 Landeshauptmann des Herzogtums Brieg 432/3. Serranus, Joh., Pseud. f. Lambert, F. 62. 526 Valentin Trozeudorf und die tioldberger Schule. Servius Honoratus, Maurus, Vergilkom- mentator 347. Setzer, Zach., um 1600 Prof. iur. in Heidelberg 260. Severus, Mclch. (1528—87), Lehrer in Brieg 239. Shmidelinus, Andr. s. Andreae. Sibelonius s. Ludovicus, Laur. Siber, Adam (1515-83), Rektor in Grimma 192/5, 230. Sibct, Joh. aus Bunzlau (um 1555) 226. Sicke, Albr., Sohn P. Sickes, 1587 Stud. in Frankfurt a. O. 270, 272. Anna, Tochter P. Sickes, 1583 Gattin Dr. G. Buesdorfs 271. — Dan., Sohn P. Sickes (geb. 1583) 272. — Katharina, geb.Westermeier (f 1576), erste Frau P. Sickes 269—70. — Katharina, geb. Ladebach, 1578 zweite Frau P. Sickes 270. Katharina. Tochter P. Sickes, 1585 Gattin des Striegauer Bürgermeisters G. Titzc 275. Pet. (1530-88), 1558 Prof. in Königsberg i. Pr., 1575 Rektor in Fl- bing, 1579 in Brieg, 1583 in Goldberg 257, 264-82, 354, 438/9, 465; (SchB.) 265, 270, 272. Siebeneichen bei Löwenberg (Schles.) 100, 142, 164/5. Siegen in Nassau, Schola militari« 467, 498. Sifiismund, Job., 1537 Arzt in Görlitz 78. Sigmund, Barbara, Stifterin einer Messe in Goldberg (1461) 6. Silber, Chph., 1572 Ritter auf .Jungebuche 244. Silber v. Silberstein, Adam, Frh. auf Pylnikau 424. - — Hans, Frh. auf Pylnikau 424. Simler, Geo. (f 1535), latein. Grammatiker 34. Simsdorf (Sehles.) 356, 395. Skalich, Paul (1534- 75), Günstling Herzogs Albrecht von Preußen 288/9. Slawata, Freih. v. in Koschumberg (1600) 342. - Mich. Freih. v., Schüler Cirklers (um 1563) 250, 261. SIeidanus. .loh. (1506-56), (SchB.) 467/9. Sobolus.Urban, um 1590 Stud. in Frankfurt a. 0. 305, 428. Soltanus, Alb. (um 1575) 238. Sommerfeld. Joh., s. Rhagius Aesti- campianus. Sophia Elisabeth von Anhalt (f 1622), 1614 Gemahlin Herzogs Georg Rudolf von Liegnitz 311, 423, 436, 482, 488. Soranus, Joh., s. Joppener. Sorau (NL.) 82, 86, 112, 151, 162, 165, 239. Specht, Joach., 1554 Mag. in Wittenberg, Lehrer in Pforta, Rektor in Freystadt, 1564 Pastor in Brostau 165. Speyer 259-61, 331. Spiesheim s. Cuspianus, Joh. Spieß (Spyß) s. Pentzelt, Thom. Spörer s. Spor. Sponsberg ^Schles.) 243. Spor (Spörer), Dav. (1552-1623), Lehrer, dann Oberzolleinnehmer in Breslau 242. — Martha, geb. Scharf, verw. Weidolt, 1586 Frau D. Spors 242. Springenburg, Chph. v., s. Preyß. Sprottau 137, 166, 226, 244, 260, 342, 347, 351, 355, 382, 387, 392, 395, 405, 416/7, 459; (Seh.) 330, 342, 350 353/4, 392. Spyß s. Pentzelt. Stabcnau, Mich., schles. Theolog (1574) 220. Stabius, Joh. (f 1522), Chronologe 430. Standphurd, Guil., Chronologe 432. Stang, Samson v., um 1580 kaiserl. Rat 314, 318. Stange, Heinr. v.. 1601 Schüler in Gold- berg, 1603 Stud. in Marburg, 1606 in Frankfurt a. O., t 1626 als herzogl. liegnitz. und kaiserl. Rat 395, 490. StaphyluK. Friedr. (1513 — 64), Gegner Melanchthons 71, 73, 428. Stein, Matth. aus Wanson (um 1590) 310. Steinberg, Bürgcrfamilio in Goldberg 408. — Famulus Cirklers in Brieg 258. - Hans, um 1621 Bürger in Goldberg 479. — Martha, Frau des Bürgermeisters G.Veohner 408. Steinmetz. Joh., 162:5 Lehrer in Gold- berg 491. Stenius Lomacensis, Sim. (1540—1605), Prof. der Eloquenz und Poetik in Heidelberg 257, 260, 350. Stenkfeld s. Schwenckfeld. Sternberg in Mähren 420. Landschaft in der Neumark 406. Stettin, SchW. 291. Stigel, Joh. (1515-62), Prof. in Jena, latein. Dichter 81, 192/3. Stobaeus. Joh. 468. Stockel, Wo] fg., Buchdrucker in Leipzig (1495-1524) 29. Stolzer, Thom., Breslauer Domvikar und (um 1527) Musiklchrer in Ofen 71. Stonsdorf (bei Hirschberg, Schles.) 314. Storis, Agnes, Frau Geo. v. Thilos 398. Personen- und Ortsregister. 527 Stoy, Matth. (1526-83), Prof. der Medizin in Königsberg 267. Strakonitz, Sitz des Johanniterordens- raeisters in Böhmen 48, 205. Stralius, Joh., Rektor in Sagan 444. Straßburg 78, 252/3, 259, 261, 331, 483; Collegium S. Wilhelmi 204; Pädagogium 250/1, 277, 374. Straßburg, Jak., 1561 Leipziger Dozent 192. Strehlen (Sachs.) 83. - (Schlcs.) 200, 248, 322, 435. Striegau 244, 275, 483/4; StadtScb. 484. Striesa 243, 430. Strigel, Victor (1524-69) 236. Strobel v. Stromnitz, Jon., ehemaliger Fürstentumskanzler 51. Strobel, Katharina (1510 — 77), 1525 G. Hclmrichs des Ä., 1548 M. Thabors des Ä. Frau 51, 77/9, 154, 174, 223/4, 227. Sturm, Joh. (1507 — 89), Rektor des Pädagogiums in Straßburg 250/1, 277, 378, 381; (SchB.) 343/4, 363/4, 397. Styrkolsky, Dan., 1606 Stud. in Marburg 459. Suevus, Kasp., 1568 Rektor in Löwenborg 144, 151, 239, 241. Suhl 415. Sulpicius Severus, Chronologe 432. — Verulanus, Joh., Grammatiker des 15. Jh. 30. Sutorius, Benj. Gottl., Lowenberger Chronist 310/1. Swarcz, Joh., 1461 Stifter einer Messe in Goldberg 6. | Swichelde, Elisabeth v., geb. v. Hoim, Frau K. v. Swicheldes 288. — Konr. v., herzogl. braunschweig. Rat 288. Sylburg, Friedr. (1536-96), Gräzist 381; (SchB.) 396. Sylvius, Alex., Sohn des F. Sylvius, 1554 Stud. in Wittenberg 44. — (Novimontanus, Baldmann, Waldmann), Franz, 1509 Unterlehrcr, 1513 bis 23 Rektor, bis 1537 Ratmann in Goldberg 25, 27, 32, 34/5, 41/5, 50, 64, 79. — Joh., Sohn dos F. Sylvius (1568) 44. — Marcus aus Elbing (1576) 270. T. Talkenberg, Joach. v., 1597 Goldberger Schüler 408. Talkwitz, Jonas, Sohn des Stadtschreibers T. in Goldberg, Schüler Trozen- dorfs, 1549 in Liegnitz enthauptet 105. Tannholzer,Thom., um 1563 Superintendent und herzogl. briegischer Hofprediger 249. Taschenhof, (Gut bei Goldberg, Schles.) 223. Taubmann, Friedr. (1565-1613), Prof. in Wittenberg 321. Tecke, Balt., 1556/7 Pädagog des jungen H. v. Schweinichen in Goldberg 229. Teckler, Joh., 1574 Lic. in Kottbus 222. Teicher, Jak., 1601 Goldberger Schüler 395. Terentius Afer, P. 22, 140; (SchB.) 28, 97, 125/6, 206, 210, 229, 345, 366, 368, 372, 377, 379, 397. Tertullianus, Qu. Sept. Flor., Kirchenlehrer 217. Teschen, Fürstentum 71. Tetzel, Joh. (c. 1460-1519) 45. Teuber, Mich. (1524—86), Prof. in Wittenberg 243, 341. Teupitz 232. Thabor, Hedwig, geb. Jeschke, 1578 zweite Frau M. Thabors des Ä. 224. — Justina (t 1601), geb. Bart, Frau M. Thabors des J. 224, 255, 411. — Katharina, geb. Strobel, 1536 G.Helm- richs des Ä. Wwe, 1548 M. Thabors des Ä. erste Frau 51, 77/9, 154,174, 223/4, 227. — Mart. der Ä. (1524-79), Rektor in Goldbersi 64, 99, 101/2, 111/3, 117, 120, 123"; 132, 142/3, 146, 152/3, 156, 158-60, 170/5, 179, 180, 183, 188 bis 94, 201/2, 204/8, 210-47, 252, 255/6, 263, 274, 278, 300/1, 318, 341, 343, 354, 381, 399, 462; (SchB.) 216/9, 244/5. — Martin der J. (1549—98), Lehrer und Stadtschreiber in Goldberg 101, 195, 204, 218/9, 223/4, 242/4, 255/6, 274, 281, 305, 408, 411; (SchB.) 218/9. Thaburnus s. Thabor. Thalwenzel, Dan. (1568- 1609), um 1604 herzogl. Geheimsekretär in Liegnitz 390, 420, 423, 464. Thanner, Jak., Buchdrucker in Leipzig (1498-1528) 57. Thebesius, Geo. (1636-88), schlesischer Annalist 331. Tlicocritus 118. Theodorus, Hcinr. (1512—71), Superintendent in Liegnitz 113, 116. — Mart., um 1585 Lehrer in Görlitz 343, 346. — Tobias, Schüler Trozendorfs, 1584 Stadtschreiber in Guhrau 151, 165/6. — Vitus (1507-49), (SchB.) 157. — Wolfg., 1586 Goldberger Schüler, dann Lehrer in Haynau und 1612 Pastor in Konradsdorf und Woitzdorf 278, 411. Theodosius Tripolita (SchB.) 102. Theodotus s. Sohergot. 528 Valentin Trozendorf und die Goldberg-er Schule. Theognis (SohB.) 369, 397. Theopoldus, Joh., 1600 Rektor inZerbst 496. Thiergarten (Schles.) 437, 486. Thilo, Greg., um 1552 Liegnitzer Bürger, Vater G. v. Thilos 399. — Margaretha, geb. Domke, Mutter G. v. Thilos 399. Thilo v. Thilau, Agnes, geb. Storis, Gattin G. v. Thilos 398. --------Geo. (1552-1602), herzogl. lieg- nitz. Rat 206, 210, 213/4, 225, 242, 245, 398-400, 417. -------Rosina, Tochter Val. v. Thilos 398. -------Sam. (| 1609), Sohn Val. v. Thilos 424. -------Val. (1560-1612), Dr. iur., Bruder Geo. v. Thilos 398, 424. -------Viktor (t 1609), Sohn Val. v. Thilos 398, 424. --------Walpurg, geb. Matthäus (f 1608), Gattin Val. v. Thilos 424. Thoraas von Aquino 11, 217. — Balt., 1617 Schüler in Jauer 486. — Melch,, 1621 Wein wir t in Goldberg 479. Thorn 16, 36/7, 39, 82, 164/5, 171. Thurzo, Joh. (V.), (1466 — 1520), seit 1506 Bischof von Breslau 14, 23/5, 30, 34, 49, 61/2, 67/8. Tliym, Geo., Rektor in Zwickau, (SchB.) 495. Tibullus, Albus 22. Tilenus, Geo. der Ä., bis 1563 Pfarrer in Goldberg 76, 86, 106, 178, 204, 214, 230/2, 242, 248. — Geo. der J. (1557—90), herzogl. mün- sterberg.-ölsor Rat 154, 207, 210/5, 219, 225, 238, 240/2, 271, 410. Tilesius, Balt. (1531-92), Pastor in Hirschberg (Schles.) 221, 258. — Melch. (1554-1603), Rektor in Brieg 239, 257/8, 271/2, 400. Tilly, Joh. Tscrklaes Graf v. (1559 bis 1632) 349. Timaeus, Joh. (1567 — 1614), gekrönter Poet, 1597 Rektor in Fraustadt, 1601 Konrektor in Zittau, 1604 Diakon in Fraustadt 328, 408, 411/2, 431, 486. Tintius (Tunte), Jon., um 1557 gräflich lippischer Kanzler 177. Tirpitz b ei Strehlcn (Schles.) 160,166,218. Tirtschky, Barbara v., geb. v. Biberstein 240. Titelmannus, Franc. (1498 — 1537) 39. Titus, Petr. (1542-1613), Pastor in Beuthon a. O. 385, 401. Titz, Joh. (1517-54), Pastor in Lieg- nitz 100. Titze, Geo., um 1585 Bürgermeister von Striegau 275. Titze, Katharina, geb. Sicke, 1585 Frau G. Titzes 275. Toecker, Nikol.. Bakkalar in Goldberg (1488) 7. Töpfer s. Figulus. Torgau 78. Tortellius, Joh. (| um 1466), latein. Grammatiker 17. Toxites, Adam (um 1604) 411. Trachenberg (Schles.) 472. Trautenau in Böhmen 244, 341. Trebnitz im Herzogtum Öls 244. Trebonius, Joh., Lehrer Luthers 81. Treiber, Andr., Unterlehrer in Goldberg (1526), Rektor in Hirschberg 65/6. Treutier, Phil. Joh., 1606 Stud. in Marburg 459. Tribauer, Esaias, 1563 Diakon in Gold- berg 249. Trient, Konzil (1551) 143, 148. Troger, Joh., Schulmeister an St. Elisabeth in Breslau, Stadtphysikus in Görlitz (1535) 83, 164. Troitschendorf bei Görlitz, Geburtsort Trozendorfs 52, 119. Troppau, Fürstentum 242; Stadt 203, 212, 238, 244/5. Trozendorf (Friedland), Val. (1490 bis 1556), 2, 10, 36, 39, 40, 50, 62-172, 174, 178, 183, 190/1, 193/5, 200, 204, 210, 212/4, 216, 218/9, 225/8, 235, 237, 240/2,246/7,256, 299-302,317/8,325, 333, 341/5, 353/5, 381, 394, 422, 429, 436, 462, 472, 491, 493; (SchB.) 126, 131, 137, 141, 143/5, 146, 148, 151, 153/4, 209, 364, 367/8, 377, 379-80, 383, 394, 396, 495. Truczesius, Joh. Jak., 1568 herzogl. preuß. Rat 268. Trübau in Mähren 203, 232, 244. Trygophorus, Caleb (t 1613), Prof. in Frankfurt a. O., 1593 Dekan der phi- los. Fakultät 305, 322, 428. Tschaurich, Edelmann auf Lobendau 171. Tschernin (Tschirnin, Czirn, Nigrinus), Joh. v., Schüler Trozendorfs, Unter- lehrer in Goldberg (1539-42), 1542 Stud. in Wittenberg 81, 85, 92, 166. Tschesch, Hans, 1564 Student 192. Tscheß, Wwe. in Breslau 171. Tseuschner, Valer., um 1602 Konrektor in Freystadt 398, 405. Tungen, "Arn. v. (t 1540) 11. Tunte s. Tintius. u. U. R. L., Verf. eines Distichons im „Asi- nus sex linguarum" 458. Ulricus, Kasp. (1558—1608), Paster in Zerbst 496. Personen- und Ortsregister. 529 Ultoma, Mart. 1567 Johanniter-Komtur in Reichenbach 48, 205. Ungarn 76, 163, 243/4, 332; Reformation 300. Ungarns, Jak., 1563 Diakonus in Goldberg 166, 204/5. Universitäten s. Altdorf, Basel, Frankfurt a. 0., Gießen, Goldberg, Greifs- wald, Heidelberg, Helmstedt, Jena, Köln, Königsberg, Krakau, Leipzig, Liegnitz, Marburg, Padua, Rostock, Wien, Wittenberg. Urban VI., Papst (1378-89) 38. Ursinus, Benj. (1587-1633), 1606 Stud. in Marburg 459. — Velius, Kasp. (1493-1538). Poet und Redner 138, 287. - Zach. (1534-83) 259. Ursus, Nikol. Raim. (f 1599), Chronologe 432. Utmann s. Otmann. V. Valla, Geo. (f 1499), Grammatiker 39. — Laur. (1415—65), italien. Humanist 26/7, 30. Varenbuler, Joh., bis 1568 Stud in Wittenberg 237. Vechner, Anna, geb. Lincke, 1604 Frau Dan. Vechners 411. — Dan. (1572-1632), 1595 Stud., 1602 Mag. in Frankfurt a. O., 1597/8 Kantor in Fraustadt, 1599 Poeta laur. und Prof. in Goldberg, 1610 Rektor in Jauer, 1618 Prorektor und (1625 bis 32) Ratmann in Goldberg 303/5, 309, 311, 328/9, 331, 356, 361/7, 371, 373, 382, 386, 392, 398, 400, 407-12, 414, 416, 418, 422/7, 440, 442/3, 462/4, 478-81, 484-90; (SchB.) 304, 422/4, 485/9. — Dav. (1594-69), Rektor in Beuthen a. 0. 421; (SchB.) 487. — Dorothea (t 1590), geb. Weinhof, 1588 Frau des Kantors G. Vechner 312, 401. — Geo., Vater des Kantors G. Vechner und Dan. Vechners, Ratsherr und Bürgermeister in Goldberg 407/8. — Geo. (f 1628), älterer Bruder Dan. Vechners, Kantor in Goldberg 304, 309, 312, 318, 323, 330, 334, 362/7, 369, 372, 385, 401, 407/8, 410, 412, 418, 422, 425/7, 438-41, 463, 478 bis 81, 485, 490/1, 493. — Geo., Sohn des Kantors Geo. V., Enkel P. Crügers, 1614 Stud. iur. in Frankfurt a. O. 309, 485. — Geo., Vater des Rektors G. Vechner Monumonta Ocrraaniao Paodagogica LVII und Dav. Vechners, um 1605 Diakon in Sprottau 392. — Geo. (1590—1647), älterer Bruder von Dav. Vechner, Rektor in Beuthen a. O. 461. — Joh. (um 1600), Bruder Dan. Vechners 410. — Maria, geb. Crüger, zweite Frau des Kantors G. Vechner 304, 309. — Martha, geb. Steinberg, Mutter Dan. Vechners 408. Vergilius Maro, P. 22, 80, 149, 195, 231, 417, 470, 497; (SchB.) 87, 97, 125/6, 206, 210, 229, 230, 342/3, 345, 347, 350, 367/8, 370/2, 377, 379, 397/8. Vicenza, Stadt 256. Vida, Marc. Hieron. (1470 — 1566), (SchB.) 343, 348, 370, 382. Vietor, Jerem. (1556-1609), 1605 Su- perintend. in Gießen 446/9, 452/3, 455. — Konr., 1606 Lehrer am Marburger Pädagogium 459. Vincentius, Martha, Tochter des W. Vin- centius und Frau F. Kloses 431. — Petr. (1519-81), 1558 Dekan der philos. Fakultät in Wittenberg, 1565 Rektor in Görlitz, 1569 in Breslau 176, 192, 270, 342/3, 346, 348, 381, 431. — Wolfg., Bruder von P.Vincentius 431 Vinshemius, Vit. (1501 — 70), 1554 Ret tor der Universität Wittenberg 109 Vinzelberg, Joh., 1593 Stud. in Witten berg, 1596 in Helmstedt, in Frank fürt a. O., 1598 Rektor in Drossen 1600 Lehrer in Goldberg, 1602 Kon rektor in Zittau, später Dr. med, 406/7, 409, 412/3, 415/6. Virling, Franz (1538 — 1611), Pastor in Breslau 386. Vitellio (Witelo), Mathematiker 236,496. Vives. Joh. Ludw. (1492-1540), (SchB.) 363/4, 366, 377, 379, 380, 382, 397. Vöglin, Phil. Ernst (um 1600) 260. Vogel, Matth. (1519-91), Prof. in Königsberg 266/7. Vogelgesang (Schles.) 435. Voigt, Nikol., um 1596 Breslauer Ratsherr 324. Volkmann, Melch., um 1601 Diakon in Liegnitz 387. Vollandt (Folland), Matth., 1555 Mag. in Wittenberg, Herausg. der „Cate- chesis" Trozendorfs (1558), Propst zu Schlieben 118, 137/9, 145/6, 148, 166, 226. Volpersdorf bei Neurode 325. Vulschuzil (Vollschüssel), Franczko, ehemaliger Rektor der Goldberger Seh. (1530) 4. 34 530 Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule. w. W. A., Verf. eines Epitaphs im „Asinus sex linguarum" 458. Wachtel, Geo. Heinr. v., 1598 Gold- berger Schüler 409. — Joh.. Heinr. v., 1598 Goldberger Schüler 409. Wagenknecht s. Honiochus, Jodoc. Wagner, Chph., um 1628 Rektor in Jauer 415. Waitmann, Joh., Pfarrer und Komtur in Goldberg (1460) 5. Waldau (Schles.) 163, 240. Waldis (Schles.) 310. Waldmann, Franz, s. Sylvius. Waldstein, Albr. v.. s. Wallenstein. — Karl Freih. v., Schüler Cirklers 250, 261, 276/7. Wallcnstcin, Albr. Freih. v. (1583 bis 1634), 1597 Schüler in Goldberg 262, 329-33, 335, 477. Walther. Geo., 1597 Privatlehrer des jugendl. Wallenstein 330/2. Walther, Sain., 1593 Mag. in Frankfurt a. O. 322. Wansen (Schles.) 310. Warmbrunn, Bad (Schles.) 333, 390, 490. Warnsdorf und Giesmannsdorf, Kasp. Rud. v., 1613 königl. Rat und Landes- hauptm. von Schweidnitz u. Jauer 485 — — Sigism. Brandan v., 1614 Schüler Dan. Vechners 485. Wartenberg (Schles.) 238. Wassatitz (Mähren) 203. Wegner, Balt., 1579 Pastor in Goldberg 246, 305. Weida (Sachsen) 45, 57. Weidemann, Dan., um 1568 Mag. in Wittenberg 237. Weidner, Joh. (1539-1612), Lehrer in Sprottau, Rektor in Krossen, dann Arzt in Sprottau, Dr. med. 342, 392. — iunior, Joh., 1597 Goldberger Schüler 382/3. — Nikol., Breslauer Domherr, Gegner der Reformation 36. Weidolt, Joh. (vor 1586) 242. — Martha, geb. Scharf, Weidolts Wwe. 242. Weigelsdorf (Schles.) 325. Weinhof, Dorothea, Wwe. K. Kifers, 1588 G. Vechners Frau (+ 1590) 312, 401. Weinrieh, Mart. (1548-1609), 1568/9 Informator des jugendl. Nikol (III.) Rhedigers 243. Weisheit, Joh., 1621 Bürgermeister in Goldberg 477. Weismann, Melch., 1545 Stud. in Frankfurt a. O., 1550 in Wittenberg, f 1607 als Lehrer in Goldberg 422. Weiskopf, Geo., verläßt 1594 die Universität Frankfurt a. O. 428. Weiß, Kil., 1560 Diakonus in Laubau 166. Weißenburg 226. Weifen, Genealogie 286/7. Welkersdorf bei Löwenberg (Schles.) 163, 189. Wemding (Bayern) 237. Wentzki, Geo., 1563 herzogl. liegnitz. Rat 249. — Hans, 1564 Student 192. - Joh. (1492—1562), herzogl. liegnitz. Rat 187, 248. — Joh., auf Krippitz und Ruppersdorf (1613) 435. Wenzel I. (1306—64), Herzog von Liegnitz 4. Wenzel, Herzog von Liegnitz und Bischof von Breslau (1392-1417.+1419) 61, 67. Wenzel III. (1524-79), Herzog von Te- schen 274. Wenzel, Andr. (f 1614), Konrektor in Güstrow, um 1582 Rektor in Neubrandenburg, um 1593 Prof. theol. und Pastor in Frankfurt a. O. 282/3, 302/3, 305, 319, 415, 428. — Chph., um 1592 Sukzontor, 1600 Katechet in Goldberg, Vater K. Wenzels 323, 361/4, 373, 404, 418, 422, 425/6, 441, 443. — Kasp. (1592-1660), Sohn Chph. Wenzels, 1616 Stud. in Wittenberg, 1635 Diakon in Goldberg, Verf. der „Goldberga" 13, 47/8, 85. 263, 323. 441/2. — Martha, geb. Jakob, Frau Chn. Wenzels 323. Werneohinus, Andr., 1593 Mag. in Frankfurt a. O. 322. Werner, Bürgerfamilie in Goldberg 241. — Dav., 1572 Pfarrer in Helmsdorf 204. — Greg., Katechet in Goldberg 220, 225, 241, 252, 264, 278, 312, 323, 404, 464, 491. — Joh. Sigm. (f 1554), Unterlehrer in Goldberg, Pfarrer in Liegnitz 26, 44, 139. — Ursula, Frau des Chph. Laubanus 342. Wesel 447. Wesonbeck, Matth. (1531-86), Prof. in Wittenberg 243, 341. Weskert, Thom., 1550 Pastor in Freiburg (Schles.) 142, 166. Westermeier, Katharina, erste Frau P. Sickes (f 1576) 269—70. Westerwald, Joh., Ordensbruder vom gemeins. Leben (1472) 12. Personen- und Ortsregister. 531 Westproußen 13, 16, 37, 269, 392. Widcbram, Friedr. (1532-85), Prof. in Wittenberg 243, 341. Wiele, Anna, 1542 Frau des Mag- F. Reich, 1554 als Wwe. Z. Barts erste Frau 82. — Barth., 1608 Senior und Pastor in Olbersdorf 423. — Joh., 1595 Schüler A. Hentschels 321. — Melch., 1608 Stud. in Frankfurt a. 0., 1618 Lehrer in Goldberg 443, 463. — Val., 1579 Stadtschreiber in Goldberg 247. Wielun 165, 333. Wien, medizin. Fakultät 27; kaiserl. Hof 72; Universität 54, 71, 76, 162, 241. Wierzbieta s. Biskupski. Wiesbaden 452. Wildenberg (Willenberg), Hieron. v., s. Gürtler, Hieron. Wildt, Val., 1607 sächs. Amtsschösser 237. Wilhelm, Mor., 1618 Glogauer Kämmerer 462. Wilischius, Mart., Schüler Paxmanns 192. Wilkau (Schles.) 402, 423. Willamsdorf bei Dresden 203. Willer, Geo., um 1574 Pfarrer in Lieg- nitz 189, 220. — Hans, 1563 Nachlaßverwalterin Görlitz 120. VVillichius, Jodoc. (1501—52), Prof. in Frankfurt a. O. 39, 342. Williger, Seb., 1556 Bürger in Breslau 170. Wilmannsdorf (Schles.) 42. Wimpfeling. Jak. (1450—1528), Humanist 16, 21; (SchB.) 26. Wimpina, Konr. (1460-1531) 57. Winkler, Andr. (1498-1575), Rektor an St. Elisabeth in Breslau 79. — Geo 1621 Dekan und Pfarrer in Goldberg 471, 477, 481, 483. Winman, Nikol., 1542 Rektor in Neiße Wmtorfeld, Chph. Ludw. v., 1605 Stud. in Marburg 445, 459. Joach v , 1598 Hauptmann des Landes Stc'mberg und kurfürstl. Rat 407. — Joh. Geo. v , 1605 Stud. in Marburg wfrthwttz 9 " (Würchwitz, Schles.) 192, wSwitefschles.) 229,243,395,409,486. Karls V und Philipps IL 166. — Lor bis Iß" Sc^eib- und Rechenlehrer in Goldberg 404. Wissek (Posen) 145, 163. Witelo s. Vitcllio. Witiger, Mich., um 1520 bischöfl. Kanz- lcinotar in Breslau 61. Wittenberg, Stadt 34/5, 146, 175, 226, 231/3, 237,297,302, 337,341,343,450. - Universität 10/1, 26, 32, 34, 41/2, 44, 50, 52, 58, 60/4, 66/8, 70/1, 74, 78, 81/2, 85, 92, 99, 100/2, 106, 109, 110, 112, 115, 118, 121. 124, 136, 138, 142, 151, 158, 161/6, 176, 178, 181. 187, 189, 191/2, 201/4, 223 235/6, 238-44, 248, 250, 255. 265/6, 275/6, 278, 284, 314, 320/1, 323, 341, 348/9, 406, 413, 417, 422, 427, 442, 445. Wohlau, Fürstentum 436; Stadt 76. Woischwitz, Dorf bei Breslau 62. Woitzdorf (bei Goldberg, Schles.) 278, 411. Wolfenbüttel 284. 286/7. Wolfsdorf (bei Goldberg, Schles.) 485. Wolowicze (Böhmen) 459. Wonewitz (bei Nimptsch, Schles.) 232. Worms, Reichstag (1521) 64. Würchwitz s. Wirchwitz. Xanthopulus s. Nicephorus Callistus. Xenophon 149, 463; (SchB.) 468/9. z. Zahn, Esther, 1555 Gattin G. Helm- richs des J. 226. — Melch., 1555 Glogauer Ratmann 226. Zedlitz, v., schlesische Adelsfamilie 407, 409. — Anna v., geb. v. Kanitz, 1613 dritte Frau W. v. Zedlitz' 432, 440. — Chph. v., auf Eichholz (1585—1657), Sohn des Landeshauptmanns W. v. Zedlitz, 1599 Goldberger Schüler, 1603 Stud. in Marburg, 1605 in Heidelberg, Landeshauptmann von Lieg- nitz 355/6, 385, 395, 404, 433. — Chph. v., auf Liebenthal, 1599 Goldberger Schüler, 1603 Stud. in Marburg, 1605 in Heidelberg 356, 395. — Chph. v., auf Samitz, Schüler Trozen- dorfs, 1566 Gönner der Goldberger Schule 146, 166, 230/1. — Elisabeth v., Tochter des Hauptmanns W. v. Zedlitz 404. — Franz v., auf Simsdorf, 1599 Goldberger Schüler 356. — Friedr. v., auf Simsdorf, 1603 Stud. in Marburg 395. — Geo. v., auf Schönau (1546—76), um 1561 Schüler Paxmanns 192, 202. — Geo. Friedr. v., 1597 Schüler in Goldberg 408. 34* 532 Valentiu Trozendorf und die Goldb. Schule, Personen- und Ortsregister. Zedlitz, Gco. Rud. v. (1574-1619), um 1612 Landeshauptmann im Herzogtum Glogau 421. — Heinr. v., auf Neukirch (um 1574) 223, 232. — Joh. v., auf Konradswaldau, 1580 kaiserl. Kommissar 314. — Karl Chph. v., auf Neukirch 494. — Katharina v., 1483 auf Seichau 7. — Magdalene v., 1. 67 Frau des Hans v. Schaffgotsch auf Kynast 144. — Margaretha v., um 1600 zweite Frau des Hauptmanns W. v. Zedlitz 395, 404. - Nikol. v., auf Wilkau, 1605 Gold- berger Schüler, 1610 Stud. in Heidelberg 402, 423. — Seb. v., auf Neukirch und Liihnhaus, Gönner der Goldberger Schule, 1574 kaiserl. Rat 105, 114/5, 204, 220, 222, 232, 249, 272, 301. — Sigism. v., auf Neukirch (1536 bis 1616), Gönner der Goldberger Schule, 1584 herzogl. liegnitz. Rat 105, 232, 272. — Stanisl. v., auf Wilkau, 1605 Goldberger Schüler 423. - Wenzel v., auf Eichholz (1551 -1613), herzogl. liegnitz. Rat und Landeshauptmann 243, 312, 327, 331, 341, 351/2, 355/6, 382, 384/6, 388, 390/1, 395, 398/9, 402/6, 409, 412/3, 415, 417, 419-21, 423, 432/3, 439-41. Zeidler, Joh., um 1530 Rektor in Glogau 101. — Lor., .Trozendorfs Schüler 78. Zeiger, Bote des Goldberger Rates (1579) 253. Zenckfrey, Abr., 1571 Diakon in Prctsch 244. — Mart., Vater A. Xenckfrcys, Pastor in Brieg 244. Zerbst 258/9, 496. Zeuchner, Joh., 1592 Bürgermeister von Haynau 320. Zeuchner, Katharina, Tochter J. Zeuch- ners, 1592 Frau des Haynau er Rektors B. Langius 320. Ziegler, Bernh. (1496-1556), Hebraist. Prof. in Liegnitz 68/9. Zierotin, Joh. Frh. v. (| 1583), Haupt der Brüderunität in Mähren 250, 252/4. - Karl Frh. v. (1564-1636), Schüler Cirklers und (bis 1581) Zögling des Straßburger Pädagogiums 250/1, 253, 258-62. — Karl Frh. v\, Vetter des älteren K. v. Zierotin, um 1598 Zögling J. Sturms in Straßburg 259. Zimmermann, Joh., 1564 Pfarrer in Briesen 142, 166. Zindel bei Brieg (Schles.) 163, 429. Zirri (Ozirn, Tschernin), Chph. v., Bruder von Hans und Heinr. v. Z. 160, 242. - (Czirn, Tschernin), Hans v., herzogl. liegnitz.-briegisch. Rat und Kanzler 160, 166, 242. - (Czirn, Tschernin), Heinr. v., herzogl. liegnitz.-briegisch. Rat 160, 166, 192, 218 242 Zittau 41,'144, 161/2, 165, 410, 412, 492; (Seh.) 411. Zobel, um 1600 Goldberger Schüler 385. Zöllner v. Rothenstein, Konr., Deutschordensmeister (1382-90) 38. Zonarius, Fabius s. Gürtler, Fabian. Züllichau 322, 427. Zürich 68. Zutphen, Gerh. v., 1497 Dekan der Kölner Artistenfakultät 15; (SchB.) 15, 17. Zwickau 32, 177, 429; Schwarmgeister 64. Zwingenberg (Hessen) 237. Zwingli, Ulr. (1484-1531) 45, 65, 68/9, 217. Zwolle, Schule der Brüder vom gemeins. Leben 12. Weimar. — Hof-Bachdruckeroi. Geschichte der Erziehung der Pfälzischen Wlttelsbacher. Urkunden nebst geschichtlichem Überblick von Prof. Dr. Friedrich Schmidt, Gymnasialrektor in Ludwigshafen. (Band XIX der Sammlung.) 50 Bogen. Preis 45 Mark. In systematischer Weise geordnet kommen hier zahlreiche auf den Unterricht oder die Erziehung eines Angehörigen der pfalzischen Linie der Witteisbacher bezüglichen Urkunden, als Erlasse, Briefe, Berichte, Instruktionen etc. zum wortgetreuen Abdruck, und zwar reicht der behandelte Zeitraum von dem Neffen des Kaisers Ludwig des Bayeru bis auf den Prinzregentou Luitpold herab. Korrospondenzblatt für Golehrten- und Realschule. Die evangelischen Katechismusversuche vor Luthers Enchiridion. Herausgegeben, eingeleitet und zusammenfassend dargestellt von-Ferd. Cohrs, Pastor prim. in Eschershausen i.Br. (Band XX bis XXIII der Sammlung, nebst Eegisterbaud: Band XXXIX.) 4. Band: Zusammenfassende Darstellung. 27 Bogen. Preis 30 Mark. Registerband : Preis 15 Mark. 1. Band: 1522—1526. 20 Bogen. Preis 20 Mark. 2. Band: 1527—1528. 23 Bogen. Preis 20 Mark. 3. Band: 1528—1529. 30 Bogen. Preis 30 Mark. Es ist mit dieser Veröffentlichung von 36 bisher schwer zuganglichen oder gar nicht bekannten Schriften eins der interessantesten Gebiete aufgeschlossen aus der ersten Jugendzeit der evangelischen Kirche, interessant für den Historiker, dem nicht nur an der Erkenntnis der großen Gedanken, sondern auch ihres Hineinwirkens in das Volksganze liegt, ganz besonders aber auch für den Praktiker, dem hier all die begründenden und leitenden Motive des religiösen Jugondunterrichts in ihrer ersten Frische und Reinheit entgegentreten...... Theologische Literaturaitung. Die Schulordnungen der badischen Markgrafenschaften von Dr. ßrunner, Archivassessor in Karlsruhe in Baden. (Band XXIV der Sammlung.) 40 Bogen. Preis 40 Mark. Für besonders wertvoll halten wir die Zusammenstellung über die gebräuchlichen Unterrichtsbücher und die verschiedenen Schulgattungen. Mit Recht sagt der Herausgeber, daß sich aus ihnen besser und zuverlässiger als aus den von obenher ergangenen und oft nur unvollkommen ausgeführten Vorschriften der eigentliche Unterricbtsbetrieb erkennen lasse, daß sie die wichtigsten und oft einzigen Belege dafür bilden, was und wie gelehrt sei...... Kreuzzeitung, Berlin. Pestalozzi-Bibliographie von August Ifrael, Königl. Sachs. Obei schulrat. 3 Bde. (Band XXV, XXIX, XXXI der Sammlung.) 1. Bd.: Die Schriften Pestalozzis. Preis 36 Mk. 2. Bd.: Die Briefe Pestalozzis. Preis 20 Mk. 3. Bd.: Schriften und Aufsätze über Pestalozzi. Preis 36 Mk. Oberschulrat Ifrael hat mit seiner Bibliographie eine wirklich brauch bare Grundlage geschaffen, auf der eine historisch unanfechtbare Darstellung des Lebensganges, der Charakterentwickelung und der Wirksamkeit des Altmeisters sich erheben kann. Pädagogischer Literaturbericht. Die Schulordnungen des Grossherzogtums Hessen von D.Dr. W. Dieh 1, Pfarrer zu Hirschhorn a. N. 3 Bände. (Band XXVII, XXVIII und XXXIII der Sammlung.) je 24 Mark. Über die ersten beiden Bände schreibt die „Neue Badiscbe .Landeszeitung": Zur Empfehlung dieser Bände sei darauf hingewiesen, daß in dem geschichtlichen Überblick zum erstenmal, und zwar mit Hilfe eines zum größten Teil erstmalig erschlossenen, bisher völlig unbekannten Materials der Versuch gemacht wird, die Entwickelungsgeschichte des hessischen höheren Schulwesens bis zum Jahre 1806 unter möglichster Berücksichtigung der Lokalgeschichte zusammenhängend darzustellen. Das Oesterreichische Gymnasium im Zeitalter Maria Theresias von Prof. Dr. Karl Wotke in Wien- 1. Band Preis 36 Mark. (Band XXX der Sammlung.) Das Fundament für eine gründliche Geschichtsehreibuug legt nun vorliegendes Werk, von dem der erschienene erste Band sämtliche Verordnungen und Erlässe enthält, die unter Maria Theresia, Joseph II. und Leopold II. erschienen sind, während der zweite, in Vorbereitung sich befindende Band der Darstellung der franziszei sehen Zeit gewidmet sein soll. Freie Schulzeitung. Die pädagogische Reform des Comenius in Deutschland bis zum Ausgang des 17. Jahrhunderts. Herausgegeben von Dr. Joh. KvaSala, o. ö. Prof. a. d. Universität Dorpat. 1. Band: Texte (Band XXVI der Sammlung). 28 Bogen. Preis 24 Mark. 2. Band: Geschichtliche Darstellung (Band XXXII der Sammlung). 15 Bogen. Preis 15 Mark. Das Werk, ein Beitrag zur Kenntnis des Comenius und seiner Zeit, nimmt seinen Ausgangspunkt von Cs. innerer Entwicklung und knüpft an deren Hanptpliasen die Erörterung des gesammelten einschlägigen Materials. Die Jugend und Erziehung der Kurfürsten von Brandenburg und Könige von Preußen von Kgl. Archivrat Dr. Georg Schuster und Professor Friedrich Wagner (t). 1. Band: Die Kurfürsten Friedrich!, und II., Albrecht, Johann, Joachim I. und II. (Band XXXIV der Sammlung.) Preis 40 Mark. Mit diesem Bande beginnen nach laugen Vorbereitungen die Editionen über die Jugend- und Erziehungsgeschichte der Brandenburger Hohenzollcrn von den frühesten Zeiten bis zur Gegenwart. Die reichen Bestände des Kgl. Haus- und Staatsarchivs standen dem Herrn Herausgeber zur Verfügung und brachten ihn in die Lage, ein großes bisher ganz unbekanntes Material über diesen Gegenstand für seine Arbeit zu verwenden. Das Berliner Handelsschulwesen des 18. Jahrhunderts im Zusammenhange mit den pädagogischen Bestrebungen seiner Zeit dargestellt von Dr. Hermann Gilow, Professor am Königstädtischen Gymnasium in Berlin. (Band XXXV.) Preis 20 Mark. .....Der Verfasser des Buches hat ein umfängliches archivalisches Quellenmaterial verwertet. Der Leser wird mit dessen Hilfe in den Stand gesetzt, zu verfolgen, wie das junge Berliner Handelsschulwesen teils mit der Gleichgültigkeit des Publikums, teils mit grundsätzlicher Gegnerschaft mancher Kreise zu ringen, ebenso aber auch unter der mangelnden prinzipiellen Einigkeit seiner Freunde zu leiden hatte...... Di« Post. Die Jugend des Königs Friedrich Wilhelm IV. und des Kaisers und Königs Wilhelm. I. TagebuchbläAf er ihres Erziehers Friedrich Delbrück aus den Jahren 1800 —1809 von Kgl. Hausarchivar Archivrat Dr. Georg Schuster. 1. Band: 1800 — 1806. (Band XXXVI der Sammlung.) 33 Bogen mit faks. Briefen der Königin Luise, des Königs Friedrich Wilhelm III. und des Kronprinzen. Preis 24Mark. S.Band: 1806—1808. (Band XXXVII der Sammlung.) Mit vielen faks. Schriftstücken und Brief an. 36 Bogen. Preis 28 Mark. 3. Band: 1808—1809. (Band XL der Sammlung.) Mit vielen faks. Schriftstücken und Briefen. 24 Bogen. Preis 20 Mark. Kein Darsteller der zwei Könige darf an diesem Werk vorübergehen . . . Jahresberichte der üeschieljtsvri^eiischatt. Das Unterrichtswesen der Großheizogtilmcr Mecklenburg-Schwerin und Strelitz von Dr. H. Schnell. 1. Band: Mittelalter und Zeitalter der Reformation. (Band XXXVIII der Sammlung.) 35 Bogen. Preis 30 Mark. 2. Band: (Band XLIV der Sammlung.) Urkunden und Akten zur Geschichte des mecklenburgischen Unterrichtswesens. Das 17. und 18. Jahrhundert. 30 Bogen. Preis 24 Mark. 3. Band: (Band XLV der Sammlung.) Überblick über die geschichtliche Entwicklung des Unterrichtswesens. 36 Bogen. Preis 28 Mark. Diese Publikation ^bringt zum ersten Male eine grundlegende Geschichte des mecklenburgischen Schulwesens zur Darstellung. Mittelschulgcschichtliche Dokumente Altbayerns einschließlich Rcgensburgs, gesammelt vom Königl. Gymnasiallehrer Dr. G. Lurz. 1. Band. (Band XLI der Sammlung.) 23 Bogen. Preis 18 Mark. 2. Bd. (Band XLII der Sammlung.) 40 Bogen. Preis 32 Mark. Unter Heranziehung einer Fülle von Urkunden verfolgt der Verfasser und wir mit ihm den vielverzweigten Entwicklungsgang des bayerischen Mittelschulwesens mit allem Drum und Dran von seinen ersten Anfangen bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Bayerischor Kurier. Andrea Guarnas Bellum Grammatieale und seine Nachahmungen. Von Professor Johannes Bolte. (Band XLIH der Sammlung.) 25 Bogen. Preis 22 Mark. Andrea Guarnas Bellum Grammatieale ist jene witzige und doch im Streit der Meinungen so ernst zu nehmende Erzählung im Chronikstil, die in durchsichtiger Allegorie die Entstehung der Unregelmäßigkeiten in der lateinischen Sprache behandelt. Im Mittelpunkt des ganzen Werkes steht der geistreicho Einfall, diese Unregelmäßigkeiten der lateinischen Grammatik, mit denen sich die Sohüler so vielfältig plagen müssen, als die Folgen eines Bürgerkrieges darzustellen, wie sie in don italienischen Städten des Mittelalters so häufig auftraten. Die Gelehrtenschulen Preußens unter dem Oberschulkollegium und das Abiturientenexamen. Von Professor Dr.PaulSchwartz. l.Band. (Band XLVI der Sammlung.) 33 Bogen. Preis 27,20 Mark. 2. Band. (Band XLVIII der Sammlung.) 35 Bogen. Preis 28 Mark. 3. Band. (Band L der Sammlung.) 41 »/i Bogen. Preis 33,60 Mark. Prof. Sobwartz bietet uns ein Quellenwerk über einen wichtigen Zeitraum der preußischen Schulgeschichte, in dem ,zum erstenmal eine großzügige Reform ins Werk gesetzt wurde'. Das mit viel Mühe, Umsicht und Sorgfalt gearbeitete Werk wird allen Lehrern unserer höheren Schulen sohr willkommen sein und sie lebhaft interessieren. Es sei für I.ehrerhibliotheken und Bibliotheken pädagogischer Seminarieu besonders empfohlen. Zeitschr. t. i. Gymnasialvresen. Dokumente zur Geschichte der humanistischen Schulen im Gebiet der Bayerischen Pfalz. Mit historischer Einleitung herausgegeben von Professor Dr. K. Reissinger. l.Band. (BandXLVII der Sammlung.) 29 Bogen. Preis 23,20 Mark. 2. Band. (Band XLIX.) 42 '/, Bogen. Preis 34 Mark. Alles in allem ein grundlegendes, in allen seinen Teilen sorgfältig gearbeitetes Werk, in seinem darstellenden Teile klar und übersichtlich, von ruhigem, unbefangenem Urteil, das niemals den Zusammenhang seines Gegenstandes mit der allgemeinen Entwicklung des deutschen Schulwesens aus dem Auge läßt. Deutsche Uterahuzeitung. Das Erziehungswesen Zinzendorfs und der Briidcrgcmcine in seinen Anfängen. Von O. Uttendörfer' Seminardirektor in Niesky. (Baud LI der Sammlung.) 17^2 Bogen. Preis 14,40 Mark. Mit Hilfe eines sehr reichen Quellenmaterials schildert der Verf. in ansefeulicher Weise das Erziehuug8wesen im Herrnhuter Waisenhaus. Da es bis jetzt noch nicht so eingehend dargestellt wurde, so bedeutet diese Arbeit einen sehr wichtigen Beitrag zur Geschichte der Erziehung. Blatter L d. bayr. Gynuiasialwesen. Das Erziehungswesen am Hofe der Wettiner Albertinischen (Haupt-)Linie. Von Schulrat Dr. Julius Richter, Chemnitz. (Band LH der Sammlung.) 42'/* Bogen. Preis 34 Mark. Julius Richters Werk hat nicht bloß für die Geschiebte der deutschen Pädagogik eine hervorragende Bedeutung, sondern darf auch als einer der wichtigsten Beiträge zur Geschichte des Hauses Wettin bezeichnet werden, die nouerdings erschienen sind. Deutsche Litoraturzeirtrag. Geschichte der realistischen Lehranstalten in Bayern. Von Professor Dr. Franz Zwerger in München. (Band LIII der Sammlung.) 30 V* Bogen. Prois 24 Mark. Niederdeutsches Schulwesen zur Zeit der französisch - westfälischen Herrschaft 1803 — 1813. Von D. Karl Knoke, Geh. Kons.-Rat u. Prof. an d. Univ. Göttingen. (Band LIV der Sammlung.) 28 Bogen. Preis 22 Mark. Die deutschen Schulen und die Realschulen der Allgäuer Reichsstädte bis zur Mediatisierung. Von Dr. Alfred Stolze in Unterschondorf a. A. (Beiheft I.) 12 Bogen. Preis 12 Mark. Die protestantischen Schulen der Steiermark im 16. Jahrhundert. Von Professor Dr. Johann Loserth in Graz. (Band LV der Sammlung.) 15 Bogen. Preis 12 Mark. Die Entwicklung des Schulkampfs in Bayern bis zum vollständigen Sieg des Neuhumanismus. Von Dr. Hans Loewe in München. (Beiheft II.) 6V2 Bogen. Preis 7,20 Mark. Die preußische Volksschulpolitik unter Friedrich dem Großen. Von Dr. Ferdinand Vollmer. . (Band LVI der Sammlung.) 22 Bogen. Preis 24 Mark. %