Viertes Kapitel.
Die Epigonen zeit der fürstlichen Schule.
1. Martin Thabor als Rektor der wiederaufgebautenGoldberger Schule.
Am Begräbnistag Trozendorfs l ) hatte M. Thabor mit derSchule gebetet: „Wir bitten dich, heiliger Gott, daß du dieSchwierigkeiten milderest, die dem Tode eines solchen Mannesfolgen werden, und einen an seine Stelle setzest, der mit gleicherTreue und Sorgfalt der Jugend vorstehen könne, und unsereStudien so leitest, daß wir in derselben Weise das Leben be-schließen." Als dem ältesten Lehrer fiel ihm selbst die vorläufigeLeitung der Schule zu, so wie er sie schon in den Krankheitstagenihres Rektors vertreten hatte. Es bewegte ihn zunächst, wie nachseinem Urteil über die Einwirkung der Nähe des Hofes auf dieDisziplin der Schule nicht zu verwundern ist, nur der Gedanke, dieSchule sobald als möglich wieder nach Goldberg zurückzuführen.Noch am 20. Aug. 1356 hatten, wohl in Nachahmung der höfischenSitten, zwei Schüler der Schule, ein Sohn des Breslauer BürgersS. Williger und ein Sohn des ehemaligen Liegnitzer BürgermeistersM. Jeschke im Scherz gefochten 2 ), und der junge Jeschko wartödlich verletzt worden. Doch dem Wunsche Thabors stand nochder bauliche Zustand des alten Klosters im Wege, trotzdem seitdem Brande fast zwei Jahre ins Land gegangen waren.
Am 24. Jan. 1556 hatte der Herzog Georg II. als Vormund imLiegnitzer Fürstentum ein bittweise abgefaßtes offenes Mandat 3 )an alle geistlichen und weltlichen Prälaten, Herrn, Ritterschaften,Adlige und Bauernschaften im Goldberger Weichbild ergehen
l ) Thabor, M., Preeatio pro conservatione scholae post mortem Troce-dorfij. Trozendorf, Precationes v. 1581 Bl. V6 V —V7.*) St. A.-Li., Acta publica N. 6, fol. 226, 295.») St. A.-Br., F. Liegnitz III 9a.