Schulrevisionen und ihr ungünstiges Ergebnis. 475
kommt ihnen der erlauchte mavortische Held entgegen; siebeugen Haupt und Knie und küssen die heilreiche Hand. Nachvielen pflichtmäßigen Worten wird er mit einer Libatio empfangen.Zuerst spendet man dem Apollo Lygius (Georg Eudolf), dann demJupiter Bregensis (Johann Christian), hierauf der Diana und derPallas von Liegnitz; das Übrige von dem iberischen Lyaeus wird,indem man es sich auf dem Rasen und in den Gebüschen bequemmacht, ausgetrunken. „Hundert Wohle werden in kurzer Zeit aus-getrunken", fährt der Dichter fort, „drei und vier Gläser werdeneinem gebracht, für uns eine starke Leistung, weil die Begleitungdes Mars so zahlreich ist. Tapfer halten wir den Ansturm ausund trösten uns damit, der Vorrat werde bald mangeln — vergeblich,denn ein Wirt aus der Stadt bringt Flasche auf Flasche, undDienste sind von der Stadt nach dem Hügel eingerichtet bis zumErreichen der Trunkenheit." Die Menge des Weins ist nicht aus-zutrinken, daher entleert man heimlich in Gesträuch und Dornendie Überladung des Magens, und dann geht doch das Um trinkenweiter. Auch von lautem Geschrei läßt man nicht, und das gibtAnlaß zur Abwechslung. Der Heros fragt, als einer aus seinerBegleitung aufgeschrieen hat: „Quis ibi clamor?", und „Amor"antwortet sofort das Echo. Die schattenhafte Göttin bewohntTäler und steile Abhänge und erhört die Seufzer und Klagen derHirten. Man schenkt ihr auch trotz des Weines Aufmerksamkeitund einer bringt sie durch Verse auf den Heros zum Reden. Dakommt ungeahnt die sanfteste der Nymphen, Aglaja, und singt dasfolgende Lied:
„In der berühmbten Ligier f'ruchtbarn LandeAuff einer in gantz grün gekleidten Awen,Als sich einsmahls ein Hirte thet umbschawen,Ein schönes weißes Lämblein er da fände.
Die Gselschafft schlieff unter einer dichten Linde,Wie sie Fraw Nachtigals Stimme vernähme,Das schöne Lämblein zu dem Hirten käme,Sein Namen weist geschrieben in ein Rinde.
Ach Lämblein, meine Freud und Hertzens Wonne,Eur Nahm auch in mein Hertz ist eingeschrieben,Ihr seid mein Augenlust, mein Ehren Crone.
Was solt mich nun auff dieser Welt betrüben?Hin Finsternuß! Jetzt scheinet meine Sonne.