Druckschrift 
Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule
Entstehung
Seite
328
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

328 Einsetzen des Niedergangs der Schule.

Hiermit greifen wir aber schon zum Teil in die nächste Periodeder Goldberger Schulgoschichte über, und wir haben doch nochdas Ende der Alleinverwaltuug Feiges zu betrachten. Es ist be-dauerlich, daß für diese Zeit unsere Quellen zusammenschrumpfenund daß die vorhandenen Fragmente sich so spröde zueinanderverhalten.

13. Nene Störungen.

Die ungünstigen Nachrichten beginnen 1 ) mit einem Zusammen-stoß zwischen Grunacus und Ilentschel im April 1597. Ein Gold-berger Schüler hatte unter Hentschcls Aufsicht ein Trauergedichtangefertigt, und Ilentschel legte dieses vor dem Drucke demordentlichen Inspektor, dem Superintendenten A. Baudis in Licgnitz,vor. Diesem schien in dem poetischen Produkt nicht alles inOrdnung zu sein, er übergab es daher Grunaeus, der ein bekannterDichter war und 1599 wie P. Crügcr, J. Timaeus, D. Vechner undnoch gar mancher andere von dem freigebigen Pfakgrafen P. Melissusden Dichterlorboer erhielt, zu genauerer Prüfung und wies Ilentschelan, sich freundschaftlich mit Grunaeus darüber auseinanderzusetzen.Ilentschel hielt das seiner als ordentlichen Professors der Poetikfür unwürdig und erklärte eine Superrevision für unnütz unddurchaus nicht nötig, da in dem Gedicht nichts wäre, was derVerbesserung bedürfte oder sie auch nur zuließe. Und als er dochzu der Besprechung gehen mußte, kam erbene potus" dahin, undda er Grunaeus nicht antraf, das voraussichtlich abfällige .Urteildesselben aber von Baudis schon erfahren hatte, erleichterte ersein gepreßtes Herz laut und deutlich vor den Hausgenossen desGrunaeus, indem er erklärte, er denke gar nicht daran, ihn einesBesuchs oder einer Ansprache zu würdigen, denn er sei seinFeind und gehe mit seinen Feinden, besonders mit Mimer, darauiaus, ihn aus seiner Stellung zu bringen. Bei dem DruckerN. Schneider setzte er seine Schimpfereien vermehrt fort. Darüberaufgebracht, schrieb der sonst so ruhige und vorsichtige Grunaeusan den Rektor Feige, verlangte durch dessen Vermittlung volleGenugtuung von seinem Verwandten und Kollegen Ilentschel unddrohte gegebenenfalls mit der Klage.

Er fügte ein vernichtendes Urteil über das Gedicht und dessenFürsprecher Ilentschel hinzu. Von den Ethnizismen, Archaismenund einigem andern, das die Schule bei Wohldonkcnden vielleicht

') St. B.-Br., Rhediger XVIIJ, N. 20. Grunaeus an Feige 17. April 1597.