Druckschrift 
Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule
Entstehung
Seite
313
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Der neue Rektor J. Feige und seine Lehrer. 313

11. Der neue Rektor J. Feige und seine Lehrer.

Bevor wir zu dem nächsten Rektorat übergehen, haben wiretwas vorauszuschicken, das uns gewisse eigentümliche Vorgängebei der Einführung des neuen Rektors erst verständlich machenwird. Wurde schon mehrmals andeutend auf das unerquick-liche Verhältnis zwischen den verschiedenen evangelischen Rich-tungen hingewiesen, so war indes eine bestimmte Richtung, dasstrenge Luthertum, in Liegnitz zur Alleinherrschaft gelangt undim .T. 15!)l auf Goldberg speziell übertragen worden. HerzogFriedrich IV., dem am 17. Nov. 15SI Kaiser Rudolf II. unter Aus-schluß seines älteren Bruders Heinrich XI. die Herrschaft alleinübergeben hatte 1 ), erließ am 17. Nov. 1591 ein Patent an dieStadt Goldberg 2 ), in dem es heißt: . . . "Wir Friedrich, Hertzogin Schlesien tzue Lignitz, Brieg und Goltpergk . . . fügen . . .hiermit zu wissen, das wir fligendt berichtet, samb sich unter euch<md der Gemeine die schedliehe Lehre und Sohlen Gift des Cal-uinismi wolto vermereken lassen, dahinter wir doch, auch überallerseits bemühung anhero auf den gewissen Grünt nit kommenmögen, und gleichwol zu besorgen, das weß Heimliches und in derStille, so nach zur tzeit verborgen gehalten und nit herfür wil,daran sein mochte. Diesem grosen Unheil aber in tzeitten vor-tzukommen, haben wir proprio motu als der Vater des Vaterlandesunß solcher unser gnedigen Vorsorge bein euch angeben wollen miternstem und entlichem, auch bei Vermeidung Leibes und GuttesStrafen beuehlich, das ihr, die ihr in unseren Untertanen Ambter,die gemeine, aber auch unter sich selbst vleissig inquiriret und daihr weß hieran Schuldiges oder des wenigsten umbstendigon Ver-dachts oder aber auch heimliche Gesprecho vermereket, unß denen"der dieselben publiciret. Denn wir gar nit und keines weges ge-»icinet, einiche Person solcher falschen Religion in unserem Für-Ntenthumb wissentlich tzu dulden, sondern gegen denselben mitErnst \ind Verweil.! zuuerfaren . . ."

Dieses Mandat wurde am 19. Nov. durch fürstliche Kommissare"uf dem Rathaus den Dienern der Kirche und der Schule und derganzen Gemeinde öffentlich bekanntgegeben und auch noch anden drei folgenden Sonntagen von der Kanzel verlesen. Die Kon-gruenzen aus seinen Bestimmungen und aus den inquisitorischenAnweisungen bekam der neue Rektor zu koston, obwohl man ihn

') St. B.-Br., Bart fol. 187/8. 2 ) Ebenda fol. 186/7.