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Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule
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299
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Crüger als Rektor in Goldberg. 299

sich von seiner Sorgfalt überzeugen. Er wisse aber sehr wohl, daßauch er noch zu lernen habe, und er wolle gern lernen (in demFolgenden bricht seine Gereiztheit über sein Lübecker Ungemachtrotz der friedlichen Festlichkeit unaufhaltsam hervor), doch vondenen, die in derselben Bahn gelaufen seien, nicht von denen, diesie durchbrochen oder in Unordnung gebracht haben; von denen,die von Erfahrenen gelernt hätten, nicht von denen, die die Er-fahrenen mit vatinianischem Hasse ohne Aufhören verfolgt hätten;von denen, die selbst über diese Dinge nachgedacht hätten, nichtvon denen, die nicht einmal im Traume, was gut lehren sei, ge-sehen hätten oder die, wachend und in der gegenwärtigen Sachestehend, doch nicht sehen wollten; von ehrlichen Männern, nichtvon Schleichern; von milden, nicht von streitsüchtigen; von wohl-wollenden, nicht von feindseligen; von Mahnern, nicht von Schmäh-siiehtigen; von Forschern nach Wahrheit, nicht von Vorkämpfernfür Sophisterei; von Disputatoren, nicht von Kampfbahnen; vondenen, die Beweisgründe beibringen und nicht von solchen, die mitder bloßen Autorität kämpfen.

Nun aber gesteht er ein, wie unzulänglich er doch für alleszu Leistende sei. Nochmals verweist er besonders auf die allenbekannte Verrohung der Jugend und das vergebliche Ankämpfendagegen durch die ausgezeichnetesten Männer in der Kirche, inder Schule, am Hofe, im Gerichtssaal, in den häuslichen Wänden,in öffentlichen Zusammenkünften. Was diese nicht leisten könnten,wie sollte das ein unbedeutender Schulmeister bewältigen können!Und das bereite ihm großen Schmerz. „Wenn ich diese Mauernanschaue", sagt er ungefähr weiter, „die als Zeugen der altenZeit die Versammelten umgeben, diese Bänke, jetzt voll von dererlauchten Corona, sonst aber fast leer, dieses Katheder, auf demich stehe, wenn ich es betaste und drücke, das einst ein so be-deutendes Gewicht getragen hat, geht ein wunderbarer Gedankedurch meinen Sinn und erregt ihn: an dich nämlich, Valentin Tro-zendorf, denke ich, du trittst mir entgegen, du stehst mir vor Augen,du haftest in meinem Blick mit dem Antlitz, das ich weder jemalslebend gesehen noch auch nach meinem Alter sehen gekonnt habe,ft ber das man mir vor kurzem in dem Bilde und in Marmor ge-zeigt hat, das mir der Ruf jedoch schon früher geschildert undüberliefert hat. Dieser Ruf hat mir deinen Geist und die Denk-mäler deines Geistes noch mehr geschildert und empfohlen." Undnun ergeht er sich in einer musterhaften Schilderung der Be-deutung Trozcndorfs und des Lebens und Treibens in seiner Schule