Interregnum an der Goldberger Schule. 263
jungen Vettern und auch andere Knaben, unvermögender Gold-berger Leute Kinder, fleißig privatim unterweisen sollten, bestimmteer jedem 12 Taler jährlich. Doch durften diese keine Pflaster-treter, Jungfernknechte oder Säufer sein. Die übrigen 6 Taler solltenjährlich in die Mägdleinschule gegeben werden, damit auch dieMühmlein und in deren Mangel andere Mägdlein gottesfiirchtig,züchtig und keusch erzogen würden.
Die Stiftung trat ins Leben, kam aber in der schlimmen Zeitdes 30jährigen Krieges ins Stocken, und der Verfasser der „Gold-berga" Mag. K. Wenzel erwarb sich 1648 das Verdienst, sie wiederin Gang zu bringen. Sie ist noch heut nicht erloschen, und solebt auch noch jetzt Cirklers Andenken.
4. Interregnum an der (ioldberger Schule.
Es waltete, wie es scheint, auch jetzt noch weiter ein Unsternüber der Schule; denn mit dem Abgang Cirklers nach Brieg tratvon neuem ein Interimistikum von zweifelhaftem Werte ein. Wohlnoch unter Cirklers Mitwirkung hatte man zwei neue Magister alsErsatz für Thabor in Aussicht genommen und dann beide als Kon-rektoren berufen, als das Ausscheiden Cirklers zur Tatsache wurde.Man übergab ihnen, es waren unsere alten Bekannten Mag. P.Auleander, der schon am 26. Juli eingetroffen war, und Mag. K.Eifer, der am 28. Sept. ankam, zuerst die Schule zu gemeinsamerVerwaltung 1 ), ein Zustand, der ganz wie ein Verlegenheitsausweganmutet und der alsbald infolge von Meinungsverschiedenheiten undEifersüchteleien zu Unzuträglichkeiten führte. Daher entschloß mansich, Kifer am 7. Dez. 1582 als wirklichen Kektor einzusetzen. 2 )Der Dualismus im Rektorat hat noch in der Inaugurationsrede desRektors J. Melideus von 1618 seinen Ausdruck gefunden; dieserzählt nämlich in der von ihm gegebenen Reihe seiner VorgängerCirkler, Kifardus und Auleander hintereinander als Rektoren auf.Kifer hat sich seiner Beförderung auch nicht lange erfreut — dasWar das zweite Unglück für die Schule in dieser Episode —, daer schon am 18. Nov. 1583 aus dem Leben schied. 3 ) Der HerzogGeorg II. erteilte ihm das Zeugnis, daß er der Schule treulich undwohl vorgestanden habe und daß sie durch ihn wieder zu guterAufnahme gebracht worden wäre, wenn er länger gelebt hätte.*)
') St. B.-Br., Bart fol. 211, 211b. 2 ) Ebenda fol. 211b.
') Ebenda fol. 212.
') Georg II. an Friedrich IV., Breslau, 1. Dez. 1583 (vgl. o. S. 257, Anm. 2).