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Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule
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220 Die Epigonenzeit der fürstlichen Schule.

Der Rektor Thabor entging in seinen letzten Lebensjahren mitNot der Gefahr, in die üazianischen Händel wegen der Lehre vonder Erbsünde hineingezogen zu werden. 1 ) Am 7. Mai 1574 kamder unruhige M. Flacius Illyricus nach Lähnhaus und bat S. von Zed-litz als kaiserlichen Rat, die Magnaten von Schlesien und die Für-sten von ganz Deutschland dazu zu bringen, daß ein allgemeinesund öffentliches Colloquium mit ihm veranstaltet würde. Er hatteauf der Reise durch die Mark nach Schlesien schon den KurfürstenJohann Georg darum ersucht und Kaiser Maximilian II. um eineAudienz gebeten, um dasselbe zu erreichen. Dem an dem gleichenTage ankommenden Theologen J. Coler legte er 19 Themata oderThesen vor. Auf Wunsch des Illyricus wurden durch Zedlitz außerColer (späterem Propst in Berlin) G. Pezold, M. Stabenau, G. Willerund noch ein anderer geladen, die am folgenden Tage kamen undvon Zedlitz ersucht wurden, auch noch Mag. M. Thaburnus, denGoldberger Rektor, und Mag. G. Ilelmrich, den Professor derselbenSchule, durch Briefe zum Colloquium einzuladen, doch ohne daßdiese vorher wüßten, um was es sich handle, damit sie nicht Vor-wände fänden, sich zu entschuldigen. Die Pastoren schickten am8. Mai die Briefe an Thabor und Ilelmrich ab, in denen diesefreundlich eingeladen wurden, sofort aufzubrechen und nach derBurg zu eilen: es wären dort gewisse für die Kirche Gottes nötigeund nützliche Sachen zu erledigen, die ihre Gegenwart forderten.Thabor antwortete darauf an demselben Tage, er käme sehr gern,aber die schlechte Gesundheit wegen eines schon zehntägigenschweren Katarrhs verbiete es ihm. Das könnte M. Stabenau be-zeugen, der ihn am vorhergehenden Tage gesprochen habe. So-bald es ihm b'esser ginge, wäre er bereit zu erscheinen, ja, erwürde von selbst kommen. Sie sollten ihm das, was für ihn zuwissen wertvoll sei, schriftlich mitteilen, er würde auch schriftlichantworten. Von dem ebenfalls geladenen Ilelmrich schrieb ernichts. Am 8. Mai wurde zwischen Coler und Illyricus leicht undprivatim über die 15. These gehandelt und das Gespräch bei Tischfortgesetzt. Illyricus gab eine schriftliche Lösung. Am 9. Maiwurde Thabor nochmals von Coler durch einen Privatbrief ein-geladen, der ihm mitteilte, daß Flacius da sei und ihn bitte, mitihm über die Doktrin zu handeln. Er möge sich auf einen Hänge-

') G. Kawetan legt die Ansicht des Flacius über die Erbsünde aufsneue dar sub voceFlacius" in Realenzyklopädie f. Protestant. Theologie u.Kirche. Begr. v. J. J. Herzog. 3. Aufl. her. v. A. Hauck. Bd. 0. Leipzig 1899.«08 S. S. 8990.