Thabors Nachfolger Heinrich Paxmann. 175
erworben hatte. Unter Friedrich III. war er 1550 und 1551 nochMitglied des Rates als Vogt gewesen. Diese Beziehungen hieltenihn in Goldberg auch fest, als er sich schon 1558 entschloß, dasRektorat niederzulegen. Sein gleichnamiger Sohn gibt als Grundfür den Entschluß an: „scholasticorum laborum pertaesus"; das istjedoch wohl nur eine billige Redensart, denn der Vater blieb auchweiterhin Lehrer an der Schule. Eher könnte man annehmen,daß ihn die unsichere Lage der Schule im J. 1558 dazu veranlaßthabe. Der Herzog Friedrich III. nämlich, der bei seiner schlechtenFinanzwirtschaft vor der Notwendigkeit stand, einen erheblichen Teilseiner Gebiete verpfänden zu müssen, ließ zwar am 18. März 1558an Melanchthon schreiben 1 ), daß er nach Liegnitz kommen unddie Schulen im Fürstentum visitieren sollte, äußerte aber dabeiauch, daß, wenn er sich des Goldberger Gebiets begeben müßte,die Schule nach Liegnitz versetzt werden würde. Diesen Wunschhatte der Liegnitzer Rat ihm gegenüber zum Ausdruck gebracht. 2 )Wir kennen die Anschauungen Thabors über das llofleben, auchin Liegnitz, und seine Einwirkung auf die Schuldisziplin und könnenalso wohl verstehen, daß er, wenn die Verlegung wirklich nochmalserfolgte, dann nicht sonderlich bereit war, die schwere Ver-antwortung, die ihm als Leiter der Schule zufiel, zu tragen. Waser selbst als Grund der Kündigung angegeben hat, ist unbekannt.
2. Thabors Nachfolger Heinrich Paxmann.
Die Entlassung wurde ihm in Gnaden erteilt, vielleicht weiler Lehrer bleiben wollte, und er erhielt als Zeichen des Vertrauenssogar von Herzog Friedrich III. den Befehl, für die Wiederbesetzungdes Rektorats mit Sorge zu tragen. 3 ) Ausgestattet mit herzoglichenBriefen reisten deshalb der Liegnitzer Pfarrer und SuperintendentMag. G. Seiler und er nach Wittenberg, um sich mit MelanchthonsHilfe ihres Auftrags zu entledigen. Friedrich III. hatte auch dieIntervention des Kurfürsten August von Sachsen angerufen 4 ), undso bezeichnete Melanchthon seinen angeheirateten VerwandtenDr. Heinrich Paxmann aus Burgwodel im Hannoverischen als dengeeigneten Mann. Paxmann, dem auch noch drei andere Angebotezugegangen waren, nahm die Berufung nach Goldberg an und
') ThebesiosS, S. 115.
s ) St. A.-Li., Acta publica N. f., fol. 285b.
3 ) St. B.-Br., Wenzel nach deni Leben Thabors von seinem Sohne.
*) S. unten die Briefe Paxmanns an Heinrich XL