168 Entwicklung und Blüte der Schola ducalis.
zu befreien, wollte es doch nicht gelingen. Wie alle Gelehrtenjener Zeit, die sich einem Hange zu Grübeleien überließen, hatteS. Graßhof eine wahre Wut nach alten Manuskripten und Büchern,worin dergleichen abgehandelt wurde, und Trozendorf, der eineansehnliche Bibliothek zusammenbrachte, ließ jenen davon Nutzenziehen. Eines Abends — es war Anfang März im Jahre 1528 —befanden sich beide in der Bibliothek, deren Beleuchtung von derSeite hauptsächlich auf die Bücherrepositorien gerichtet war.Graßhof hatte nach seiner Meinung einen Fund von der größtenWichtigkeit gemacht, ein Buch nämlich, worin in aller Breite ab-gehandelt war, wie man Geister und selbst den Teufel zitierenkönne. Mit freudiger Hast, aber nicht ohne einiges Fieber derFurcht, sprach er davon zu seinem Rektor, der unterdes an seinemTische ruhig Arbeiten der Schüler geprüft hatte. „Seid kein Narr",sagte lachend Trozendorf; „wenn wir nicht andere Geister hättenals die, welche auf solche Beschwörungsformeln erscheinen, ständees übel mit uns; obwohl es wieder gut wäre, wenn die Teufel derErde immer aufs Zitieren warteten!" Er nahm bei dieser Rededem Graßhof das Buch aus der Hand und legte es vor sich hin.„Damit Ihr aber merkt", fuhr er fort, „daß von dem Pergamentda weder etwas zu hoffen noch zu fürchten, werde ich Euch denTeufel herrufen mit dieser Formel. Ihr sollt dann sehen, wie er —ausbleibt; was wieder ein gutes Remedium sein dürfte, um Euchvon Eurer Torheit genesen zu lassen."
Graßhof hörte dieses nicht ohne Zittern, weil er sich aberder Angst schämte und zugleich vor seinem Rektor Respekt hatte,erwiderte er nichts, und Trozendorf begann die Beschwörung ganzin der vorgeschriebenen Weise. Plötzlich erhob sich ein Gepoltervor der Tür, diese ging auf, und herein stürzte lang und dürr —der Teufel. Graßhof suchte eilend seine Rettung in den Füßen,auch Trozendorf war überrascht, ermannte sich aber alsbald undrief: „Wer seid Ihr? Was wollt Ihr?"
„Um Gottes und aller Heiligen willen, verbergt, rettet mich,Herr Rektor! Ich bin Bartholomäus Brenz, der mit Euch inWittenberg studierte!" Hellauf lachte nun Trozendorf, Graßhoffhielt im Laufen inne, und nach wenigen noch gewechselten Wortenwurde der Teufel im Karzer verschlossen.
Draußen vor dem Schulhaus aber lärmte das Volk und drangsogar ein, wonach ihm Trozendorf entgegentrat und es beschied,daß dies Gebäude mehrere Ausgänge habe, so daß der, den siesuchten, also mutmaßlich sich schon durch eine andere Pforte