Sagenhaftes. 1 69
weiter entfernt hätte. Dabei ließ er, den alle achteten, sich be-ruhigend mit mehreren Wortführern in Unterhaltung ein, wodurcher den Zusammenhang erfuhr, den er sich aber, nachdem es ihmgelungen war, die Aufregung der Menge zu stillen, von dem ausseinem Karzer entlassenen und zum Abendessen genötigten Teufelselbst erzählen ließ.
„Mir ist es", berichtete Brenz, „nicht so gut geworden als Euch;doch mag es auch an mir selber gelegen haben, wenn ich keinAmt zu erhalten wußte, da ich mich des Leichtsinns beschuldigenmuß. Nun trieb ich mich bald hier, bald dort herum und geselltemich endlich zu wandernden Fastnachtsspielern, mit ihnen geist-liche Komödien aufführend. Vor wenigen Tagen hier angekommen,ward uns verstattet, auf dem Rathaus spielen zu dürfen, und wirbegannen heute mit dem Weltgericht. Eure Goldberger nahmenes aber für Gotteslästerung, daß endlich der Herr der Heerscharenoberhalb unseres bunten Gerüsts, unterhalb die Hölle erschien, woich als erster der Teufel die Seelen im Fegefeuer braten ließ.Unsere Zuschauer gerieten in Grimm, und da sie des Himmelsüber mir nicht gleich teilhaftig werden konnten, ließen sie ihreWut an der Hülle aus, sodaß ich nur mit genauer Not ihrenHänden entschlüpfte und, von allen Seiten verfolgt, mich hierherflüchtete, wohl wissend, daß Ihr Rektor dieser Schule geworden.Von Herzen danke ich Euch jetzt meine Rettung! Aber nun wohin?Des fahrenden Lebens bin ich lange satt; so bedurfte es nur nochdes heutigen Begegnisses, um mich ganz davon zurückzuschrecken!"
„Wohl ist es mir im Gedächtnis", erwiderte ihm Trozendorf,„daß Ihr allezeit ein lockerer Bursche wäret, daß Ihr aber wasTüchtiges gelernt habt und Euch nicht fürchtet, Wahres, selbstunter Anfechtung, zu verkünden, ist mir auch bekannt. Wollt Ihres nun bei mir als Tertius versuchen, ob Ihr Euch halten könnt,wie es einem wackeren Schulmann geziemt, werde ich Euch heraus-reißen aus Eurem Ungemach."
Der arme Teufel schlug mit Freuden ein und ward bald einMuster in Fleiß und Ordnung, half auch den Kollegen Graßhof all-mählich von seiner Torheit heilen. Wenn nun Trozendorf sichspäter oft der gar willkommenen Hilfe des B. Brenz erfreute,Pflegte er gewöhnlich zu sagen: „Es ist doch ein gutes Glück, daßich den Teufel zum Tertius gemacht habe!" — was übrigens Brenzni >r bis zum ,1. 1534 blieb, indem er dann Beförderung erhielt.