Herzog Friedrich iL und die Goldberger Schule. Schulordnung v. 1546. 95
und Fleiß trieb der gute Senior den lieben Cateehismum, nichtallein mit seinen Schülern in lateinischer Sprache, sondern auch mitder ganzen Goldbergischen Gemeinde. Denn alle Sonntage undFeste tat er eine deutsche Predigt vom Catechismo zu Mittag inder Schulkirche von der öffentlichen Kanzel, nicht allein vor, sondernauch nach dem großen Sterben [1553]." Daß er aber hierbei dieAnalphabeten seiner Schule besonders berücksichtigte, werden wirbei der Besprechung seiner Werke noch zu erwähnen haben.Helmrich nennt ihn wegen dieser freiwilligen öffentlichen Tätigkeitden Seelsorgerund geistlichen Vater aller Goldbergischen Einwohner.Doch nun zur Ausbildung der Schola ducalis oder illustris.
5. Herzog Friedrich IT. und die Goldberger Schule.Schulordnung von 1546.
Der Herzog Friedrich IL, der seinen Plan, in Liegnitz eineUniversität zu schaffen, wie eine Seifenblase hatte zerrinnen sehen,nahm sich allmählich der Goldberger Schule, als sie sichtlich auf-zublühen und ihr Ruf sich auszubreiten begann, mehr als der Lieg-nitzer und der in Brieg an und zögerte nicht, diese gewissermaßenzu seiner Landeshochschule zu machen. Die Vollendung diesesneuen Gedankens war dann so ziemlich seine letzte verdienstlicheTat für die Hebung der gelehrten Bildung in seinen Gebieten, dennim J. 1547 schied er aus dem Leben.
Wie er durch die Überweisung des Franziskanerklosters andie Schule dieser die Möglichkeit zu räumlicher Ausdehnung und fin-den Ausbau in Klassen gegeben hatte, so gewährte er ihr am29. Sept. 1544 durch die Stiftung von 24 Stipendien die Möglich-keit 1 ), arme, aber tüchtige Schüler heranzuziehen, und der Chronistsagt: „Wodurch dieses Gymnasium in das größte Aufnehmen ge-bracht ward." Der Herzog ging aber noch weiter.
Die alten Universitäten hatten schon vielfach das Bedürfnisempfunden, als Anhang zu der artistischen Fakultät sog. Pädagogienzu schaffen, um noch jugendlichen oder nicht genügend zum Uni-versitätsstudium vorbereiteten Studenten die Gelegenheit zu bieten,das ihnen Fehlende zu erwerben oder nachzuholen. In diesenPädagogien hat man die Vorläufer und in ihrer Aufgabe den Keimdes Gedankens für die Schaffung der modernen selbständigenMittelschulen, d. h. der Gymnasien, zu sehen, weil sie nur zu Bil-
') Thebesius 3, S. 46. Schickfus 2, S. 56.