94 Entwicklung und Blüte der Schola ducalis.
einen Stoß kopfüber gestürzt, verfällt und die edlen Künste undDisziplinen zusammensinken und zugrundegehen, was wir auch da-gegen zu unternehmen suchen." Den pessimistischen und fatalisti-schen Zug, der aus diesen Worten hervorklingt, teilte Peucer mitMelanchthon und vielen andern edlen Geistern der zweiten Hälftedes 16. Jh., die in theologischer und religiöser, in politischer undmoralischer Beziehung so unerfreulich war; wir aber entnehmendaraus, daß auch ein pädagogischer Meister wie Trozendorf nurmit einer sicheren Mehrzahl von Schülern, die von vornherein undandauernd redlich gewillt war, die gewährte Mitwirkung mit derin diesem Falle noch schwerer als sonst wiegenden freiwilligenUnterordnung, dem unentbehrlichen Gehorsam und der eigenenSelbstzucht zu entgolten und möglich zu machen, fähig war, seinschön gedachtes Ziel zu erreichen und zu behaupten. Das reineIdeal und die edle Theorie wurden auf die Dauer durch die graueund grobe Wirklichkeit ad absurdum geführt. War erst einmalein schlechter Geist in die wechselnde Zusammensetzung des Schüler-zötus eingedrungen, so wurde der Schulstaat zur Farce und konnteals diskreditiert in der früheren Reinheit nicht wiederhergestelltwerden. Die Klage über den Rückgang der Disziplin war damalsallgemein, und sie wird bei tiefwühlenden Volkserregungen immerwieder ertönen.
Es würde nun vielleicht als an der Zeit erscheinen, hier ge-nauer auf Trozendorf als Rektor und Lehrer einzugehen, aber diesonstigen uns darüber zur Verfügung stehenden Nachrichten be-trachten ihn rückschauend und beziehen deshalb seine letzten Jahremit ein, so daß die Zeiträume bis 1546 und von 1546 bis 1556 imeinzelnen nicht voneinander zu scheiden sind; daher wird es sichempfehlen, zunächst die Weiterentwicklung der Schule zur Scholaducalis und zu dem, was man heut Gymnasium nennt, zu verfolgen.Nur auf zwei Punkte sei vorher noch kurz hingewiesen. Es istnicht in Abrede zu stellen, daß Peucer wiederholt deutlich von„leges" oder „leges et instituta scholae" spricht. Die Schule hatalso und schon vor 1546 Schulgesetze gehabt. Diese sind jedochgänzlich verschollen. Der zweite Punkt betrifft Trozendorfs Be-handlung und Ausbildung des Katechismus. Er hat den kleinenKatechismus Luthers eingeführt 1 ), und um diesen rankten sich alleseine katechetischen Übungen, Catechesis und Rosarium. Derjüngere G. Helmrich erzählt davon: „Ach, mit wie großem Ernst
') H e 1 m r i ch in der ersten Widmung seines deutschen Katechismus von 1578.