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Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule
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92
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92 Entwicklung und Blüte der Sehola duealis.

Dieser von Liebe zu seinem Lehrer getränkten Darstellungeines anhänglichen Schülers können wir noch ein paar anders-woher genommene Züge hinzufügen. Die Zeit kannte keine Ver-zärtelung, und so waren die von Trozendorf eingeführten und ver-hängten Strafen nach unserm Empfinden zum Teil recht hart.Claius zählt sie möglichst vollständig auf. Da gab es außer Geld-strafe Karzer oder Schläge oder die Lyra, ein an die chinesischeJustiz erinnerndes Strafinstrument, das man wegen einer ober-flächlichen Ähnlichkeit in der Gestalt auch Fidel nannte, ein mitEisen beschlagenes Holz, in das man den Kopf und die Händestecken und einschließen konnte, also eine Art von Pranger. Einigemußten einen großen, vermutlich geschnitzten oder gemalten Eselum den Hals tragen, andere, wenn die Übrigen frühstückten, aufdem Boden sitzen, noch andere zur Winterzeit, neben ihrem Betthingestreckt, auf der Erde liegen.

Ansprechender ist das Bild, das Ch. Manlius, Peucers Schüler,von der Ausgestaltung der Lobreden entwirft. 1 ) Er sagt: DieseSitte des alten Griechenland, Lobreden vorzutragen, führte Trozen-dorf in der Weise in seinen Schulstaat ein, daß die Knaben nichtin den alten Annalen den Stoff suchten oder die Helden fremderVölker zu loben sich vornahmen, sondern aus ihrem Zötus, ausdenen, deren Anlagen, Sitten und Studien ihnen wohlbekannt warenund die sich vor ihren Augen bewegten, die Stoffe für ihre Lob-reden auswählten und ihre Mitschüler und Studiengenossen lobten,bei denen besondere Liebe zu den Wissenschaften, Kraft des Geistes,Sinn für die Tugend, Keuschheit, Sittsamkeit und Eifer im Gehor-sam hervorleuchteten. Das war der Stoff für die Lobreden.

In dieser Weise lobte als ersten von allen Kaspar von Kittlitzden Johann von Czirn, der damals schon in Wittenberg den Studienoblag. 2 ) Nach Beendigung der Lobrede richtete einer der Volks-tribunen an den Schulsenat die folgenden Worte. Das Kollegiumder Tribunen sei der Meinung, daß Nigrinus der Wahrheit gemäßgelobt worden und dem Lobredner eine Ehre zu erweisen sei. Inwelcher Art er aber geehrt zu werden verdiene, das sei dem Ur-teil der versammelten Väter anheimzustellen. Ihm antwortete einerder beiden Zensoren, es sei Sache der Zensoren, nicht bloß Ver-gehen zu tadeln, sondern auch Wohlgetanes zu belohnen. Daher,weil sie glaubten, daß Kittlitz seines Amtes gut gewaltet undNigrinus richtig gelobt habe, beschlössen sie, daß der Panegyrist

') Scriptores rer. Lusat. 1, S. 441/2. 2 ) Vgl. o. S. 81.