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Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule
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91
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Trozendorf als Schulmeister und Lehrer. y |

Trozendorf. Der von dem übrigen Zötus getrennte Angeklagtewurde vor der ganzen zuschauenden und zuhörenden Korona an-geklagt. Die Rolle des Anklägers übernahm zuweilen Trozendorfselbst, manchmal übertrug er sie einem von den Schülern, beson-ders wenn etwas gegen die Gesetze oder die guten Sitten begangenworden war. Wenn der zur Beantwortung aufgeforderte Angeklagte,vorher durfte er nämlich nicht sprechen, die Schuld durch einerichtige Entschuldigung entkräftet oder bei Eingeständnis der Schuldmit der Bitte um Verzeihung seine Sorgfalt der Versammlung durchdie Rede erwiesen hatte, wurde er freigesprochen, indem derKonsul die Stimmen einforderte und was beschlossen worden war,verkündete. Wenn die Rede, die jeder ganz allein ausarbeitenmußte, nachlässig und somit ein Zeichen von Trägheit war, wurdeder Beklagte wohl selbst bei einer leichten Schuld verurteilt.

Mit großem Ernst und Nachdruck wiederholte Trozendorfdarauf die gefällten Urteile, begründete sie tiefer und führte sieaus. Er hatte aber die Gerichte besonders in der Absicht ein-gerichtet, daß sich die jungen Leute von klein auf gewöhnten, dieWürde der staatlichen Ordnung zu achten und die Magistrate undGerichte wie ein Werk Gottes zu ehren. Denn wie die Frömmig-keit gegen Gott durch die Stimme der Lehre und die Übungen imGebet, so glaubte er, daß Ehrfurcht vor der staatlichen Ordnungdurch die Schauspiele der Gerichte den zarten Gemütern eingepflanztund beigebracht werden müßte.

Nicht weniger trug er Sorge, die Sitten eines jeden zu formenals den Geist durch die Lehre auszubilden. An dieser Stelle sinddie Panegyriken zu erwähnen, die er nach Weise des alten Griechen-land mit einer gewissen besonderen Festlichkeit feierte. Bei diesenwurden nämlich von den Schülern lateinische Reden um die Wettevorgetragen, und die, die gesiegt hatten, wurden mit ÖffentlicherLobpreisung gekrönt wie einst bei den olympischen Wettkämpfen.Diese Schauspiele entzündeten und regten nicht ganz schläfrige oderder Begierde des Ruhmes fremde Geister heftig an. Nicht ganzzu übergehen sind auch die körperlichen Übungen, die allerdingsTrozendorf nicht sowohl ständig forderte als~ vielmehr guthieß.Doch pflegte er meist Zuschauer zu sein, wenn gerungen oder imLaufe gestritten wurde, und die Gewandtheit eines jeden zu be-obachten und die Flinken und Lebhaften zu loben und die Trägenoder Ungeschickten (distortos) zu tadeln. Aber dies und nochanderes fast Unzähliges zu verfolgen, duldet weder die Zeit, nochist es unsere Absicht.