Trozendorf als Schulmeister und Lehrer. 87
schaften und Künste lernte, daß sie durch scharfe Zucht gewisser-maßen zahm gemacht und an öffentliche und private Pflichten ge-wöhnt würde. Deshalb hatte Trozendorf den ganzen zahlreichen,aber an Befähigung ungleichen Schülerzötus nach attischer undrömischer Sitte in sechs Klassen und die Klassen in gewisse Tribusgeteilt. Den einzelnen Klassen hatte er, entsprechend der Passungs-kraft der Schüler, ihre Studien bestimmt, die er mit Ausdauerwiederholte und, ohne zu ermüden, betrieb, indem er (sokratisch)„eadem per eadem" erklärte. Die oberen Klassen unterrichtete erselbst, in den ersten Jahren allein, in den folgenden, als sein Alterund die Arbeiten zugenommen hatten, mit Hilfe der Kollegen, dieer berufen hatte; die unteren Klassen unterwies er durch ältere•Schüler, die nach seinem Willen durch die gebotene Gelegenheitihren Geist und ihre Fortschritte an dem erproben sollten, was demKnabenalter zukommt. Die Fortgeschritteneren übte er in denGrundlagen der heiligen Lehre, denn diese trieb er mit besondererSorge und Sorgfalt, in dem Gebrauch beider Sprachen, der latei-nischen und der griechischen, und in denjenigen Künsten, die zumBehuf der Bildung der Rede und der Regelung der Schlußfolgerungvorgetragen werden. Deshalb ließ er niemals die Dialektik beiseiteund wollte, daß die Gedichte Vergils und die „Vertraulichen Briefe"Ciceros stets in den Händen der Schüler sein sollten, und außerdiesen behandelte er als Einlagen Ciceros „Pflichten" und seine Reden,bisweilen auch die des Livius, damit die Jugend allmählich auchzur Übung der Rhetorik übergeführt würde. Zu den Anfängen desGriechischen fügte er die Schriften des Isocrates und die Paulini-schen Briefe hinzu. Und obgleich er an den einzelnen Tagen jeeine Stunde der öffentlichen Wiederholung widmete, mischte erdoch, um die Aufmerksamkeit und den Fleiß bei den Hörern zuschärfen, immer Prüfungen in die Vorlesungen durch aufgeworfeneFragen oder eingeschobene Schlußfolgerungen, die er fast immeraus der Ethik oder aus der heiligen Lehre nahm, oder durch Vor-legung von Aufgaben, von Sentenzen oder von irgendeinem Locuscommunis, und dadurch geschah es, daß die Jünglinge zugleichsowohl den Gebrauch der dialektischen Vorschriften überschautenals auch sich gewöhnten, die Dinge selbst zu erkennen und zu ver-stehen. Die Entwicklung der Themata und Fragen gab er entwederselbst oder forderte sie von einem der Hörer, den er, da er ziem-lich reiche und aus den Quellen geschöpfte Erklärungen verlangte,vor der Zeit der öffentlichen Vorlesung darauf aufmerksam machte.So hatte er auch je zwei „Exercitia styli" für jede Woche ein-