86 Entwicklung und Blüte der Schola ducalis.
kümmerlich". Daher wandte er sich unter Berufung auf sein mehr-faches Erbieten und Mahnung an sein Vaterland an Trozendorf mitder Bitte, „einraten" zu helfen: „dodurch wir mit einem goschigtenund gelarten Magistro adir sunsten nach euer Gelegenheit miteinem tapfern Manne möchten vorsorgit werden, uns hierinnen An-weisung zu thun." Dieser empfahl umgehend den Schulmeister zuMansfeld Mag. G. Tilenus aus Sorau und erbot sich, die Sachefleißig zu fördern. Hierauf schrieb ihm der Rat am 29. Jan.: „Bittendorauf freuntlich, ir wollet den Sachen, wie ir wisset, mit Fleissenachtrachten, domit gemelter Schulmeister aufs förderlichste beyuns auf unser Parloge [Kosten] erscheinen mochte, und euch zuseiner Zukunft nicht zu beschweren lassen, bey uns auch einzu-kommen, Gelegenheit der Schulen und wie hirinnen zu halden,uns mit einander underreden möchten, wie wir uns gentzlich ver-trösten, gunstiglich thun werdet." Trozendorf leistete der EinladungFolge und führte Tilenus mit einer Rede in sein Amt ein. x ) Dienicht erhaltene Rede wäre nach den Andeutungen des Rates für unsgewiß nicht ohne Bedeutung. Tilenus wurde 1551 Pfarrer in Gold-berg, nachdem er vorher schon eine andere Pfarrei gehabt hatte.
4. Trozendorf als Schulmeister und Lehrer.
Um zuerst einen geschlossenen Überblick über TrozendorfsTätigkeit als Schulmeister und Lehrer zu geben, der zugleich be-sonders und abschließend seine disziplinarischen Maßregeln und Ein-richtungen berücksichtigen soll, lassen wir seinem treuen SchülerK. Peucer das Wort. Die sorgfältige und viel mehr ausgeführteNachbildung durch den treuesten seiner Schüler L. Ludovicus inGörlitz lassen wir dagegen hier, eben als Nachbildung, beiseite. 2 )Peucer berichtet 3 ) etwa das Folgende.
Die Schule war ganz und gar einem aufs beste eingerichtetenund durch Gesetze, Lehre und andere ehrbare Übungen festgefügtenpolitischen Gemeinwesen ähnlich, zu dem Zwecke, daß die Jugendvon früh an in die heiligen Lehren von Gott eingeführt, zur Furchtund Verehrung Gottes angeleitet würde, daß sie die Elemente derfür die Kirche und die menschliche Gesellschaft notwendigen Wissen-
') Aus demselben Missivenbuch, fol. 186. Auch diese Abschrift verdankeich Herrn Prof. Dr. Jecht. Ch. Manlius, Scriptores rer. Lusat. 1, S. 439,setzt als Datum für die Einführung des Tilenus an: „Anno 1541 die dominicadominicam Trinitatis proxime consecuta."
2 ) Wir kommen darauf im "VI. Kapitel bei M. Laubanus.
9 ) Rhan, Melanchthon; Rhau , Rosarium.