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Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule
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Auswärtige Berufungen Trozendorfs. 85

man nur bei Claius 1 ) und in WenzelsGoldberga". Dieser setztdafür 1540 an und Claius 1542. Für die Einführung der Lobredender Schüler ist wahrscheinlich 1542 als Anfangstermin zu nehmen,denn J. von Czirn, dem zu Ehren die erste Panegyris gehaltenwurde nachdem er kaum aus dem Gesichtskreis seiner Mitschülerentschwunden und noch ganz unvergessen war, ist, wie wir hörten,im Sommersemester 1542 nach Wittenberg gegangen wie Peucer,der so anschaulich über alles berichtet, im Sommersemester 1543.Sollte aber auch der Schulstaat wirklich als festes, dauerhaftes Ge-bilde entstehen, so war die Voraussetzung dafür, daß die über-wiegende Zahl der Schüler in einem Konvikt oder Alumnat zu-sammenlebten, da sonst nicht davon hätte gesprochen werden können,daß die Schüler gemeinsam lebten, aßen und schliefen: das Alumnatwar das Kloster, und der Hausherr war Trozendorf. Dabei war esaber keineswegs ausgeschlossen, daß manche von den Schülern,z. B. adlige, ihre eigenen Losamenter hatten und doch den Tagüber, auch bei Tische, in der Schule verweilten. Später wohntenund aßen viele bei Lehrern oder Bürgern der Stadt.

Ein schmerzlicher Vorfall im J. 1536 mochte Trozendorf denWunsch, die Schüler möglichst unter seiner Aufsicht zu konzentrieren,noch dringender nahegelegt haben. 2 ) Ein hoffnungsreicher Schülerhatte sich in eine Liebschaft eingelassen, und als ihm Trozendorfdie Möglichkeit, zu seiner Geliebten zu gelangen, abschnitt, machteer seinem Leben durch den Strick ein Ende. Trozendorf bereitetediese Tat, schon aus religiösen Gründen, großen Kummer. DieMitschüler nahmen sich der Leiche des Unglücklichen an, für dienach Auffassung der Zeit keinehrliches" Begräbnis möglich war.Sie "vollzogen die Beerdigung bei Nacht und geleiteten den soplötzlich Abgeschiedenen, indem sie weiße Hemden über ihrerKleidung anlegten.

Zu der Zeit, wo es sich um die Übersiedlung der Schule insKloster handelte, kam Trozendorf noch einmal dem Görlitzer Rek-torat nahe 3 ), nämlich nachdem Mag. Ch. Lasius 1540 den Dienstder Stadt verlassen hatte. Der Rat hatte gehofft, Lasius, der sichdazu erboten hatte, würde für einen Ersatzmann sorgen; aber nocharnJM). Jan. 1541stand der Rat mit der Schulen fast irrig und

») Claius, Schola Bl. 0 5.

2 ) E b e n d a Bl. 0 4 ». St. B.-Br., Wenzel.

') Missivenbuch im Görlitzer Ratsarehiv 153943 (Jecht, R., Quellenzur Gesch. der Stadt Görlitz bis 1600. Görlitz 1909. VIT, 248 S. S. 137 f.)fol. 185. Ich verdanke die Abschrift Herrn Prof. Dr. Jecht.