g4 Entwicklung und Blüte der Schola ducalis.
Schule, die nun wieder erfreulich aufzublühen begann, nicht imStiche zu lassen, und es war auch mannhaft gedacht, gedacht voneinem guten Manne, der bedacht hatte, was er vollbringen wollte.Die Verehrung, die er wegen seiner Pflichttreue genoß, drücktesich bald darin aus, daß man ihn wie sein Vorbild Melanchthonkurzweg „Praeceptor" nannte.
Was er damals schon bedacht hatte und bald auch in dasLeben umsetzte, das schreibt man sonst gern erst der höchsten Blüte-zeit seiner Schöpfung, der Zeit nach Vollendung der fürstlichenSchule, zu: die Heranziehung des Schülerzötus zur Mitwirkung bei derPflege der Disziplin. Daß die Einführung dieser Einrichtung in denallmählichen Aufstieg der Schule fällt, sagt Bart 1 ) mit den Worten:„Nicht sowohl die Sorgfalt im Lehren als die Handhabung [guber-natio] der Disziplin gab der Goldbergcr Schule zu dieser Zeit dasGedeihen." Der erste Anlaß hierzu war vermutlich durch den Um-stand gegeben, daß er zuerst bei dem Mangel an Lehrkräften fastganz auf die Schüler als Hilfslehrer zurückgreifen mußte und daßdann bei der Menge von Schülern eine genügende Aufsicht für ihnallmählich unmöglich wurde. Die Ausnahme der Beteiligung derSchüler wurde zur Regel, und das führte allmählich zur Arbeits-teilung über. Und daß Trozendorf auch die Einführung der lebens-voll und anregend umgestalteten melanchthonischen Deklamationenin seine Schule zu dieser Zeit vornahm, werden wir ebenfalls baldzeigen können.
Der volle Ausbau seines Gedankens und dessen schließliche,vollständige Anwendung konnten jedoch erst erfolgen, als ihm auchdie räumliche Möglichkeit dafür gegeben war; das noch nicht altebisherige, doch immerhin beschränkte Schulhaus (später das Cul-mische Haus genannt) wäre dazu zu klein gewesen. Hier griff derHerzog Friedrich IL, der einst auch Gürtler bei seinen Bestrebungenunterstützt hatte, fördernd ein. Das alte Kloster der Franziskanerstand infolge der Reformation nun leer, und da ihm König Ferdinand I.freie Hand ließ, die alten Stiftungen in pios usus zu verwenden,und die Erhaltung der Schule auch unter die pios usus fiel, konnteer den geräumigen Bau der Schule zur Benutzung übergeben. Diestädtische Schule trat mit diesem Entgegenkommen des Fürstenzugleich in nähere Beziehungen zu ihm, und dadurch wie wegenihres ausgesprochenen Gedeihens wuchs auch sein Interesse für sie.In welchem Jahre die Übergabe der Gebäude vor sich ging, findet
x ) Bauch, BartS. 20.