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Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule
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Trozendorf in Liegnitz. 69

Die Lehrer begannen, wie üblich, auch ohne feierliche Ein-weihung und wahrscheinlich noch vor Emanation eines kaiserlichenStiftungsbriefs in dem Stift zu St. Johannis zu lesen, Krautwald indeutscher Sprache, doch unter Heranziehung lateinischer unddeutscher Zitate, über Altes und Neues Testament, Ziegler überAltes Testament, wohl mit besonderer Rücksicht auf den Urtext,und Buchmann über Rhetorik. Doch die Zeitverhältnisse wareneinem Aufblühen der neuen Hochschule nicht günstig, sie kam nichtüber die Anfänge einer theologischen und einer philosophischenFakultät hinaus. Die Schulen in Schlesien machten zur Zeit eineüble Depression durch 1 ), und so wollte sich auch in Liegnitz keinegenügende Anzahl von Hörern zusammenfinden. Dazu kam diereligiöse und theologische Lage in Liegnitz und an der Universität:die aus Lutheranern, Zwinglianern und Schwenckfeldianern ge-mischten Professoren konnten nicht auf die Dauer friedlich undgedeihlich nebeneinander wirken; das wäre im ganzen 16. Jh. 2 )eine Unmöglichkeit gewesen und war es schon 1526/9 in Liegnitz,obgleich die Scheidung der Geister damals sich erst entschiedenerzu vollziehen begann. Der vergebliche Versuch einer Einigung-Luthers und Zwingiis bei dem Religionsgespräch in Marburg 1529machte erst ihren Zwiespalt gänzlich offenbar; der Bruch zwischenLuther und Schwenckfold und seinem theologischen Gehilfen Kraut-wald erfolgte schon Ende 1526. Herzog Friedrich, der nach demGesagten zuerst zwischen den Parteien schwankte, hielt sich dannüber 1529 hinaus zu den Schwenckfeldianern; aber über den soforteinsetzenden Streitigkeiten ging inzwischen die erste geplante deut-sche evangelische Universität noch im Zustand der Unfertigkeitzugrunde. Ziegler und Cordatus, der sich von den Schwenck-feldianern abgestoßen fühlte 3 ), zogen schon 1527 wieder ab, Rurer,der mit ihnen in Streit geraten war, eilte ihnen voraus; Buchmannging erst 1529. Wegen des allseitig aufflammenden Hasses gegendie Anhänger Schwenckfelds oderStenkfelds" mußte Krautwaldaus höheren Rücksichten verstummen, und so blieb als einzigerDozent Trozendorf übrig, der jedoch Ende 1529 oder Anfang 1530seine Tätigkeit an der Universität, Über die wir gar nichts wissen,ebenfalls einstellte und mit nur sechs Schülern (so sagt die Über-

') Bauch, Reformation S. 51/3, 56/8.

2 ) Einen Versuch, die ungleichen Brüder Calvinisten und Lutheranervor einen Pflug zu spannen, brachte im Anfang des 17. Jh. das SchönaichischeGymnasium zu Beuthen a, 0.

') Vgl. die Briefe Luthers an Cordatus, Enders 5, S. 410; 6, S. 14.