Trozendorfs Schulmeister Mag. Th. Pentzelt. 57
eigenes Wesen erforschen sollten, ob es zum Guten oder zumBösen neige. Das Schriftchen gefiel, denn bis 1515 druckteJ. Thanner in Leipzig noch vier Auflagen davon. 1 ) Es ist dochwohl nicht unwahrscheinlich, daß Trozendorf diese Arbeit seinesSchulmeisters kennengelernt und manches daraus für später be-halten hat.
Einen Beleg für unsere Einschätzung Cuspinians als Humanistenund seine dementsprechende Tätigkeit in der Schule besitzen wirauch an einem Leipziger Drucke 2 ) des Jahres 1511, der ihn zu-gleich für diese Zeit als Schulmeister in Görlitz darstellt. Am3. Sept. 1511 widmete ihm, dem M. Thomas Spyß aus Weida, derLeipziger Frühhumanist M. Gregorius Laticephalus (Bredekopf) ausKonitz 3 ) die lateinische Textausgabe der von den Humanisten alsSchutzschild gegen die Angriffe ihrer kirchlichen und scholastischenGegner benutzten verständigen, an seine Neffen gerichteten Ab-handlung des Bischofs von Caesarea Basilius Magnus über dasLesen der heidnischen Dichter, Redner, Geschichtsschreiber undPhilosophen. Laticephalus war vorher bei seinem Freunde undGönner Spieß in Görlitz gewesen. Er schrieb ihm: „Ich habe Ba-silius drucken lassen und schicke ihn dir, der du in der schönenStadt Görlitz dem öffentlichen Amte des Behrens obliegst undnach der dir angeborenen Gesetztheit und Umsicht aufs beste derSchüler öffentliche und private Sache leitest. Nimm dieses Werk-chen an und teile es den Deinen mit. Ohne Zweifel werden dirdie Worte und der Inhalt gefallen. Ich zweifle auch nicht, daß du,was ich wünsche, tun wirst. Denn du pflegst deinen Untergebenenniemals im Baten, Anempfehlen und Lehren des Guten zu fehlen."Und einer seiner damaligen Untergebenen war Trozendorf, dergewiß auch durch Basilius zum Studium der alten Literatur, alsohumanistisch, doch mit moralischer Richtung, angeregt worden ist.Die alten Lebensbeschreibungen Trozendorfs berichten, daßPentzelt sich später um die Verbreitung der Reformation in Schlesiengroße Verdienste erworben habe. Daß er zur Theologie überging,bewies seine Erwähnung als Cursor 1518 in Leipzig; am 4. Juli
') 1505, 1509, 1510, 1515.
2 ) Magnus Basilius de poetarum oratorura historicorumque ac philo-sophorum legendis libris. Liptzck, J. Thanner 1511. 4°.
3 ) Zu Bredekopf vgl. Bauch, G., Geschichte des Leipziger Prühumanis-mus mit besonderer Rücksicht auf die Streitigkeiten zwischen Konrad Wimpinau. Martin Meilerstadt. Leipzig 1899. 1 Bl., 194 S. S. 67 f., 80f. Zentralbl.f. Bibliothekswissenschaft. Beiheft 22.