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Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule
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56 Die gehobene Stadtschule.

Noch schärfer drückt sich diese Doppelnatur seiner Bildungin einer zweiten Veröffentlichung aus, in dem von ihm wohl Anfang1504 verfaßtenModus studendi" 1 ), den er seinen Schülern, denSöhnen des Leipziger Ratmanns Johann König, Anton, Wolfgangund Franz, widmete. Das ist eine auf moralischer Basis beruhendehodegetisch-pädagogische Abhandlung, die trotz der vielen klassi-schen und humanistischen Zitate durch die Natur ihrer Latinitätund manches in der Denkweise immer noch deutlich den Scho-lastiker erkennen läßt und doch wieder auch ausgesprochen hu-manistische, auf die Jugend angewendete Perspektiven zeigt. Soheißt z. B. der Anfang desPraeceptum XXI. de latinitate servandadiligentissime":Tarn necessaria est cuilibet studenti sermonis la-tinitas, ut sine ea in aliqua arte penitus nihil aut admodum parumintelligimus. Haec autem in frequenti poetarum et oratorum lec-tione facillime comparatur." Und noch merkwürdiger sagt er imPraeceptum XXII. de studiosa et utili graecarum literarum cogni-tione":Necessaria est literarum graecarum cognitio, adolescentesdilectissimi; quae si in toto propter praeeeptorum penuriam haberinequit, bene tarnen nobiscum agitur, si in aliqua oius parte reeipia-mus. Nam genus omne eloquentiae omnisque doctrina luce prae-fulgens, ut Prisciano placet, a Graecorum fontibus ad Latinosemanuit. Ob id illud Quintiliani praeceptum summopere est pro-bandum: A sermone graeco puerum ineipere malo . . . Admonetnos Horatius:

......vos exemplaria graeca

Nocturna versate manu, versate diurna;

Graiis ingenium, Graus dedit ore rotundo

Musa loqui . . ."In bezug auf die Behandlung der von der Scholastik so starkbetonten logisch-dialektischen Disziplinen hebt er die Wichtigkeitder Texte hervor, will aber doch die Kommentare auch nicht ganzvernachlässigt wissen. Das deutet ebenfalls schon den Einfluß deshumanistischen Denkens auf seine Anschauungen an. Er war ebennach seinem ganzen Bildungsstand ein Frühhumanist. Seinenachtungswerten sittlichen Standpunkt kennzeichnen die erstendrei Vorschriften, in denen er von den Studenten verlangt, daß sievor allem Sünden meiden, Gott anrufen und fürchten und ihr

') Pentzelt, Th., Modus studendi Discipulis studiosis aecommodatus.Lipczk, J. Thanner 1504. 15 BI, 4°. Der Name M. Thomas Pentzelt bei derWidmung. SGDEo; Leipzig 1504 [Ex.: Leipzig, U.-B.]; SGDE 1 : Leipzig 1510[Ex.: Berlin, Staats-B.}.