54 Die gehobene Stadtschule.
verständiger geworden, in der Schule einen Eifer und eine Aus-dauer, daß er die ihm zuerst überlegnen Mitschüler binnen kurzemüberholte. Den letzten Ansporn hierzu hatte ihm seine liebe Muttergegeben 1 ), die ihn bis zur Neiße bei Görlitz begleitete und nachvielen guten Lehren mit den Worten von ihm Abschied nahm:„Lieber Sohn, bleib ja bei der Schulen." Er nahm diese Worteder Mutter, die übrigens wenige Jahre später einer Seuche erlag,nachdem er ihren ersten Wunsch, ein Geistlicher zu werden, erfüllthatte, als Omen, das ihn bis zu seinem Lebensende bei der Schulehielt: in seiner alles mit der Kirche und ihrer Lehre in Zusammen-hang bringenden Denkweise suchte er in den Worten der Mutterden Mund der großen Mutter Kirche.
21. Trozendorfs Schulmeister Mag. Th. Pentzelt.
Der Schulmeister, der ihn mindestens einige Jahre unterrichtete,wird von der Überlieferung M. Alexander Cuspinianus genannt.Aber hierbei haben sich Mißverständnisse und gelehrte Kombinationdie Hände gereicht und ein Phantasiegebilde geschaffen, das vorder kritischen Sonde nicht standhält. Wegen des Namens Cuspi-nianus ist er zu einem Verwandton des Historikers und Super-intendenten der Wiener Universität Johannes Cuspinianus (Spies-heim) aus Schweinfurt 2 ) und so zu einem Franken gemacht worden.Er hieß jedoch Thomas Pentzelt, sonst Spieß genannt, und waraus Weida in Sachsen gebürtig. 3 ) Daß Cuspinianus eine Über-setzung von Spieß sein soll, ist leicht einzusehen; daß der NameAlexander wahrscheinlich aus „Pentzelt, al. (= alias) Cuspinianus",entstanden ist, dürfte auch nicht schwer zu erraten sein. Warumgerade dieser Schulmeister in der Erinnerung haften geblieben ist,das dürfte wohl den Grund darin haben, daß Trozendorf durch ihnauf den Humanismus und die Universität Leipzig hingewiesenworden ist. Wenn wir deshalb auch dem sonst wenig bekanntenManne unsere Aufmerksamkeit zuwenden, so ergibt sich dasFolgende.
') Trozendorf, Methodi Bl. 43: „Nam pestis tum [1509] grassabaturin his regionibus, ea quoque eadem ablata est. Haec erat nouissima vox,dicebat: Lieber Son, bleib ja bey der Schulen."
a ) Zu J. Cuspinianus vgl. Bauch, G., Die Rezeption des Humanismusin Wien. E. litt. Studie z. dtschen Universitätsgeschichte. Breslau 1903.VIII, 167 S. S.48f.
") Nach den Akten der Leipziger Universität.