52 Die gehobene Stadtschule.
20. Der Unterlehrer Valentin Trozendorf.Seine Jugend und Schulbildung.
Als Helmrichs Hauptverdienst um die Schule wurde jedochbetrachtet, daß er es war, der auf die Anweisung des Fürsten inseiner Berufung, zugleich einen Lehrer für Goldberg zu besorgen,den unsterblichen Valentin Trozendorf mitgebracht, d.h. nachgezogenhatte. Sic waren, wie wir schon vernahmen, einander als Kom-militonen in Wittenberg nähergetreten und hatten in regem Wett-eifer miteinander gearbeitet und sich kaum stundenweise getrennt.Sonst bedarf das Leben Trozendorfs vor seiner ersten Wirksamkeitin Goldberg noch nach gar manchen Seiten hin der Aufklärung,weil es gar zu sehr von der Legende überwuchert ist und weil erselbst zu wenig darüber erzählt hat. Überdies ist das Zahlen-gerüst für seine Lehrjahre unrichtig. Im Grunde war man für dieKenntnis davon wesentlich auf den Inhalt der von seinem treuenSchüler K. Peucer 1 ), dem geistigen Haupte der Universität Witten-berg nach dem Tode seines Schwiegervaters Melanchthon, ver-faßten und von dem Dekan der philosophischen Fakultät Mag.B. Rhau aus Naumburg am Queis, gleichfalls seinem Schüler, am15. August 1564 bei Gelegenheit der Promotion von 38 Magisternin Wittenberg vorgetragenen Rede über Trozendorf 2 ) angewiesen.Inzwischen haben sich jedoch neue und unerwartete Quellen auf-getan, die zwar nicht überall, doch für wichtigere Dinge Aufschlußzu bringen geeignet sind. 3 )
Am 14. Febr. 1490 wurde dem kleinen Landwirt oder GärtnerBernhard Friedland in dem zum Görlitzer Hospital gehörenden unddicht bei der Stadt gelegenen Dorf'e Troitschendorf von seinerGattin Dorothea ein Sohn geboren, der nach dem Heiligen des Tagesin der Taufe den Namen Valentin erhielt. Valentin hatte mehrereGeschwister, von denen sein jüngster Bruder Franz hieß 4 ), ist alsonicht ohne Gespielen aufgewachsen. Er und Franz haben eine Vor-bildung empfangen, Franz vermutlich durch ihn, die sie befähigte,
') Christoph Manlius, der Schüler Peucers, sagt ausdrücklich: „De huiusvita extat autore Peucero Oratio recitata Wittenbergae anno 1564 a DecanoCollegii Philosophici M. Balthasare) Rhavo Numburgensi Silesio." Scriptoresrer. Lusat. S. 437.
s ) Rhau, Melanchthon S. 817—57; Rhau, Rosarium Bl. ßG — <5 2.
*) Besonders ergiebig waren D. A.-Br. und das von Sturm nicht genügenddurchforschte St. A.-Br.
*) Zu diesem s. u. S. 63 und weiter unten beim Tode Trozendorfs.