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Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule
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46 Die gehobene Stadtschule.

Die Überlieferung hielt (ob mit vollem Recht?) daran fest, daßzu Crucis (14. Sept.) 1522 die Reformation voll von Goldberg Be-sitz genommen habe. 1 ) Die Bürger fielen Luther zu und hieltenauch, abweichend von manchen Nachbargemeinden, in den Schwonk-feldschen Unruhen treu zu ihm wie später bei dem Eindringen desCalvinismus, der nur einige Männer aus dem Gelchrtenstand ergriff.Die Reformation, so zögernd sie meist in Schlesien an die Ver-änderung alter kirchlicher Gebräuche und Riten heranging, hat dochbald den äußerlichen Begriff der Parochio und der Parochianenvollständig umgestaltet und mit einem neuen Inhalt erfüllt, daraussofort Polgerungen gezogen und diese in die Wirklichkeit um-gesetzt. Die Parochianen wurden zur Kirchengemeinde, die Rechtean die Besetzung der Kirche in Anspruch nahm; die Parochiowurde zu einer bloßen Grenzbezeichnung, stellte aber keine Zu-sammenfassung von Rechten über die Gemeinde mehr dar, die ihrnicht von der Gemeinde zugestanden waren. In Goldberg fandendie Veränderungen jedoch eine Begrenzung an der rechtlichenStellung der Stadt. Diese gehörte dem Herzog von Liegnitz, derselbst wieder als Vasall von Böhmen ein mittelbarer Fürst war.Man konnte also nicht allein und radikal vorgehen, sondern mußtesich in die Verhältnisse schicken und sich auf das Erreichbare be-schränken. Außerdem waren in Goldberg die Kirchengemcindound die Stadtgemeinde miteinander verquickt und blieben es nachden natürlichen örtlichen Verhältnissen. Dieser Umstand verliehaber der Kirchengemeinde ein festeres Rückgrat und Geschlossenheitim Handeln, auch wo man des Herzogs bedurfte. Der überausrasche Verfall der katholischen Kirche in Schlesien zu Anfang derReformation erleichterte ein Vorgehen gegen die aus dem Mittel-alter herübergenommenen Verhältnisse, und Herzog Friedrich IL,der sich selbst sogleich der Kirchenreform zugewandt hatte, botgern seine Hand zur Beihilfe. 2 )

') So St. B.-Br., Wenzel . .. Vgl. auch für das Folgende ebenda.

2 ) Eine im Archivdunkel gebliebene Korrespondenz (Breslau, K. S. A.,St. A.-Br., Rep. 28. F. Liegnitz ß. B. III 23*, fol. 40 b) gibt uns einen Ein-blick in die Verhältnisse, doch fällt sie erst in das Jahr 1523. Zwischen dem1. und 9. Mai schrieb der Herzog Friedrich II. an den Statthalter des Ordensin Löwenberg:Wir haben Ewer Schreiben, was belanget den Prediger zumGoltpergk, seynes Inhalts vorlesen, dorhin Yr uns anzeiget, wie der selbigwidder dye bepstliche Heiligkeit und Ceremonien der Kirchen geprediget hottund helt dye Messen nicht, dye zum Predigstul gestifft werden [wären]. Auchsich bey dem Conter angeßaget, das er seyu Her nicht wer, und gedechte,