22 Die gehobene Stadtschule.
sehen Vokabeln gesetzt. Zugleich aber fällt auf, wie sehr sichnoch die empirische Grammatik in den Kinderschuhen befindet;manche Verben erscheinen einer falschen Konjugation eingereiht(z. B. amplectari für amplecti), viele fälschlich als „deponentalia"(z. B. appretiari, commemorari, citari, desolari), manche mit un-genauer oder falscher Übersetzung (z, B. comminari — trauen, divi-nari — versagen, potiri — gebrauchen, experiri — untersuchen), undendlich fehlen auch Mißverständnisse (z. B. ferfari — sprechen!)nicht. Auf der andern Seite ist anzuerkennen, daß die dunkelnWendungen Alexanders meist durch verständlichere prosaischeRegeln wiedergegeben sind, so besonders auch bei der Deklination;natürlich aber erscheinen auch hier noch überall Spuren des ma.,scholastischen Lateins; vieles ist für uns unverständlich (z.B. tripos,triporis; antipos, antiporis!), vieles für den Schüler unnötig.
Der dritte Teil gibt die „Diasynthetica" oder Syntax mit sehrgeringer Benutzung der Verse Alexanders, und wenn diese ange-führt werden, so geht verständigerweise die prosaische Regel vor-aus. Die Belegstellen sind meist Cicero (Briefe), Sallust, Seneca,Horaz, Vergil, Ovid, Tibull, Terenz, Juvenal, den unter dem Namendes Cato bekannten Moralien, Boetius,Gregorius, Donatus, Alexander,zum größten Teil aber der Vulgata entnommen. Die Beispiele derletzten Kategorie geben dem Latein eine für uns auffallende christ-lich-orientalische Färbung. So ist die Reinheit der Sprache, dieauch sonst noch durch Scholastizismen vielfach getrübt wird, auchhier sehr ungleich, wie auch die Regeln bei allem Streben nachKlarheit sehr ungleichwertig sind. Trotzdem finden wir doch auchden kritischen Standpunkt wieder, wenn Gürtler bei der „gramma-tica prohibitiva" zwar Beispiele anführt, aber dazu sagt: „Wennauch solche inkongruente Wendungen in der heiligen Schrift, beiDichtern und Rednern gefunden werden, so ist es doch für unsnicht angebracht, jene zu gebrauchen, weil sie, unnötig angewendet,fehlerhaft erscheinen. Was kann das für Einfluß haben, wenn dieAlten solche Wendungen gebraucht haben, da vieles des Metrumswegen den Dichtern erlaubt war, was uns nicht erlaubt ist." Vorallem will er nicht, daß die Schüler mit der Behandlung solcherunwesentlichen Dinge aufgehalten werden. Ebenso kurz übergehter die „impedimenta constructionis" und verlangt zum Schluß, daßdie Lehrer nach der Behandlung und Einübung der ersten drei„Opuscula" die Schüler sofort zu den Briefen des Pranciscus Philel-phus, des Cicero, des Marius Philelphus und des Aeneas Silviusführen sollen. Die Epistolographien dieser Autoren erschienen ihm