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Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule
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Die Unterlehrer. 23

also als die nutzbringendste Lektüre für die Anfänger, in Rücksichtjedenfalls auf das praktische Bedürfnis der Zeit; die klassischenSchriften kamen dann erst dem Fortgeschritteneren, wohl gar erstdem Studenten zu.

Das vierte Buch gibt mit sehr geringer Benutzung Alexanderseine möglichst vollständige Poetik. Von den Vorteilen und An-nehmlichkeiten der Kenntnis der Verskunst (nach Baptista Guarinus)ausgehend, bietet er zuerst unsystematisch die Schemata für Hexa-meter und Pentameter und dann vier formale Hauptregeln aus derStructur.a carminum" des Laurentius Corvinus. 1 ) Daran reiht erausführliche Regeln und Zusammenstellungen für die Erkennungder Quantität und für die Vermeidung prosodischer Fehler. Dannfolgt eine schematische Übersicht über die Versfüße, und den Be-schluß bilden die Genera carminum, die Metra, ohne Berücksichti-gung der Strophenbildung nach derStructura" des Corvinus, derauch sämtliche Beispiele entnommen sind. Gürtler selbst wareigentlich kein Poet, aber er machte doch recht und schlechtseinen Vers.

Der letzte Teil endlich beschäftigt sich mit dem Briefe. DerLöwenanteil fällt den Titulaturen zu; die Behandlung der Datierungfehlt ganz, und obgleich auf Cicero, Aeneas Silvius, Marius undFranciscus Philelphus mehrfach Bezug genommen wird, ist dochdieser Teil stark scholastisch gefärbt. Heinrich Bebel, obgleichhier und da selbst benutzt, würde wohl kaum mit dieser Kom-pilation einverstanden gewesen sein. Uns unbekannt ist dasEra-rium aureum", auf das bei den Titeln verwiesen wird.

Laurentius Corvinus, der in Breslau als Schulmeister zuSt. Elisabeth dem Humanismus die Wege geöffnet hatte, unter-stützte die Bestrebungen Gürtlers, indem er durch ein emp-fehlendes Dekastichon dasOpus grammaticae" in die gelehrteWelt einführte.

5. Die Unterlehrer.

Die Erfolge der verbesserten Lehrmethode Gürtlers machtensich bald geltend: die Schüler zeigten raschere Fortschritte, undder zunehmende Ruf der Schule ermöglichte es dem Rat, dieExistenz der Schule für die Zukunft zu sichern. Im August 1507weilte auf der Flucht vor einer Seuche der Ordinarius der Bres-lauer Diözese, Bischof Johann V. Thurzo, der hochgebildete, milde

<) Bauch, Schulwesen S. 233.