Gürtlers „Ars gramrnaticae". 21
tionen u. a. beiseite zu lassen, so daß ebenso auch die Knaben nurmit den Definitionen des Donatus zu antworten haben. Man könntedieses erste Buch „allgemeine Grammatik" nennen, wie sie heutbei uns im deutschen Unterricht der Vor- und Unterstufe behandeltwird; es besteht aber zwischen heute und damals der Unterschied, daßdiese einleitende Grammatik eben in lateinischer Sprache gegebenwurde. Gürtler bleibt aber nicht bei der allgemeinen Grammatikstehen, sondern gibt vollständig und abschließend hier schon imersten Teil die Lehre vom Pronomen, von der Steigerung und dieFormenlehre des Verbs, übersichtlich auch die Endungen der fünfDeklinationen und die Geschlechtsregeln. Zwölf allgemeine Regelnüber Kongruenz, Konkordanz, Regimen der Präpositionen usw. fürden ersten Gebrauch der Knaben zum Lateinsprechen bilden denBeschluß.
Aus dem Gesagten ginge hervor, daß bei dem Gebrauch vonGürtlers Buche für die Schüler schon einige Kenntnis des Lateinsvorausgesetzt wurde, es mußte aber auch dann noch, wenn auchimmer auf die Muttersprache zu besserer Erläuterung zurückgegriffenwurde, einem Anfänger schwer werden, das, was ihm im ersten„Opusculum" geboten wurde, zu bewältigen. Und das verlangteauch Gürtler nicht ohne weiteres. Er schrieb vielmehr den Schülernvor, daß sie dem Opus den Text des Donatus beigebunden habenmußten. Der Lehrer sollte ihnen nun zunächst die Definitionen,Kasus, Zeiten, Pronomina, Adverbia, Participia, Konjunktionenund Präpositionen verdeutschen; die Schüler hatten sich dannnach der eingefügten Interlinearübersetzung Übersetzung und Sinnund zugleich den lateinischen Text einzuprägen; nun erst, sobaldsie den Text des Donatus mit Verständnis anzuwenden gelernthatten, sollten sie in das „Opus grammaticae" eingeführt werden.Demnach war dieses erste „Opusculum" nur die Erweiterung desDonatus.
Das zweite „Opusculum" stellt sich nach dem Donatus und„Opusculum primum" als dritter konzentrisch erweiterter Kreis dar.Es umfaßt die Etymologie, d. h. die Formenlehre, auf Grund desAlexander Gallus, der jedoch nach Wimpfelings Verlangen nurauszugsweise verwandt ist, und zwar nur für die Deklination unddas Verbum; die Pronomina, die Steigerung und die Verbalformensind als im ersten Teil genügend abgehandelt beiseite gelassen.Für 'das Verbum beschränkt er sich auf die Bildung des Perfektsund Supinums, auf die Deponentia, Anomala, Neutropassiva undDefectiva; hier ist meist die deutsche Bedeutung neben die lateini-