18 Die gehobene Stadtschule.
folgt als scholastischer Nachklang nach dem Vorgesagten noch eineErklärung „De subiecto grammaticae et cuiuslibet opusculi".
Der folgende Absatz bezieht sich schon auf die Methodik; solcheEinblicke in den Betrieb des Unterrichts erhalten wir selten. Erentschuldigt sich, daß in dem Werke die Erklärung der Vokabeln,d. h. deren Übersetzung ausgelassen sei, und zwar charakteristischfür die Energie des Lehrvortrags dadurch, daß er die Übersetzungund Erklärung der termini und "Wendungen nicht gesetzt habe,damit die Lektoren (Unterlehrer) und Lehrer der Knaben sie mitsorgfältiger Verdeutlichung gäben und die Knaben aufmerksamerseien und sich bemühten, die Hand zum Schreiben bereit zu haltenund die Bezeichnung der termini in den Einschuß zwischen denZeilen oder am Rande ihres Buches sorgfältig einzutragen lernten,auf daß sie nicht sagten und dächten, sie hätten die Einzelheitenim gedruckten Buche, und, indem sie die Erklärungen des Lehrersfür nichts hielten, die Zeit mehr träumend oder träge als in sorg-samem Hören auf die Lektion hinbrächten und daß sie so, durchdie Notwendigkeit gezwungen, aufmerksamer würden. Auch derLektor habe keine Entschuldigung wegen des langweiligen („tae-diosa") Aufsuchens der schwierigen termini, da die Erklärung derVokabeln in den Vokabularien, wie in dem „Cornucopiae", „Brevi-loquus", „Vocabularius rerum" und andern, zu finden sei.
In dem nächsten Absatz, „De modo exercitandi se in hisopusculis", bittet er die Lehr er,. Rektoren und Lektoren, sie möchtensich nicht durch fortwährendes Lesen, Rufen und Schreien denKopf verwirren, sie sollten vielmehr wenigstens einmal am Tagedie Knaben bei Strafe dazu anhalten, daß sie miteinander dis-putierten, sich gegenseitig fragten und sich in der Erkenntnis derRedeteile, in der Beugung und dem Geschlecht der Nomina, inden Praeteritis und; Supinis der Verba (a verbo), in der Überein-stimmung und Nichtübereinstimmung der Satzteile und in derQuantität der Silben übten. Wöchentlich einmal sollte den KnabenStoff zu einem Briefe und zu einem Gedicht gegeben werden (dieersten häuslichen schriftlichen Arbeiten!), in einer vom Lehrerbestimmten Stunde sollten diese Arbeiten geprüft und den Schülerndie Mängel und Fehler gesagt werden. Wenn das die Schülersehen würden, würden sie mehr und mehr mit Lust zu diesenArbeiten erfüllt werden. Sie sollten sich auch in acht nehmen, dielateinischen Worte der deutschen Sprache zu sehr nachzubilden,daß sie sich nicht zu sagen gewöhnten: iuva mihi, sondern iuvame, nicht magister erit venire, sondern veniet oder venturus est etc.