VIII Vorwort.
Tendenz tritt mehrfach an die Stelle der Kritik, und daher istbesonders der erste Teil schwach; auch über die Werke Trozen-dorfs ist Löschke nicht ins klare gekommen und hat hin undwieder minderwertigen Arbeiten zuviel Vertrauen geschenkt. Sturms„Trozendorf" entbehrt bei dem Bestreben, Neues zu verwerten,zu sehr der historischen Schulung und Gründlichkeit. Eine Ver-besserung in bezug auf die Chronologie von Trozendorfs Bildungs-gang und auch schon der Besprechung der Werke stellt der biogra-phische Artikel „Trozendorf" in Schmids Geschichte der Erziehungund des Unterrichts dar. Dafür ist die neueste Biographie Trozen-dorfs von P. Quellmalz in dem Programm des Realgymnasiums zuReichenbach im Vogtland von 1912 trotz ihres Umfangs und ihrerReichhaltigkeit an Quellenmaterial nur eine Kompilation ohne selb-ständiges Urteil, die die Verbesserungen Schmids beiseite läßt undauch in Trozendorfs Werken verworren ist. Über die katecheti-schen Werke Trozendorfs hat neuerdings in vorzüglicher WeiseJ. M. Reu, Quellen zur Geschichte des kirchlichen Unterrichts,(Gütersloh 1904ff.) gehandelt. Nur über das „Rosarium" ist aucher, weil er die erste, wortreiche Vorrede G. Helmrichs des Jüngerenvor seinem deutschen Katechismus nicht genügend beachtet hat, imunklaren geblieben. Wir behandeln die Werke selbständig undpädagogisch. Herr Professor Dr. R. Jecht in Görlitz ist mir mitNachrichten über Trozendorf zu Hilfe gekommen.
Eine große Schwierigkeit für die Darstellung der GoldbergerSchulverhältnisse lag in den verworrenen Verhältnissen des Herzogs-hauses von Liegnitz. Die wilde Finanzwirtschaft Friedrichs III.und Heinrichs XI. schädigte und hemmte auch die Schule, z. B.in den Gehältern der Lehrer und in der Weiterentwicklung zumGymnasium illustre, wie bisweilen das Durcheinander der Eingriffedes Landesherrn und des Vormunds oder des Pfandbesitzers. Sichdarin zurechtzufinden, wird oft dem Leser nicht leicht sein, aberwir konnten nur das Notwendigste für die Orientierung geben, weilauch bei den Versuchen, Ordnung zu schaffen, zuweilen die Bilderwie im Kaleidoskop wechseln und ihre Verfolgung uns zu weitabgeführt hätte. Dagegen mußte den konfessionellen Schwankungenim Herzogshaus, der Zuwendung oder der Abwendung zu und vondem strengen Luthertum oder dem Calvinismus, Rechnung getragenwerden, weil die Gegenbilder in der Schule diesen Vorgängen trotzfürstlicher Einwirkungen nicht immer sogleich mechanisch folgtenund weil die Goldberger Bürgerschaft den ganzen Zeitraum hindurchstreng lutherisch blieb und gegen den in die Schule eindringenden