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Genie und Irrsinn in ihren Beziehungen zum Gesetz, zur Kritik und zur Geschichte
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Genie und Irrsinn.

Ratschläge; er giebt Tartini die Sonate ein, und Maho-med die Seiten des Korans. — Van Helmolt behauptet,bei allen wichtigsten Begebenheiten seines Lebens die Er-scheinung eines Geistes vor sich gesehen zu haben; im Jahr1633 entdeckte er seine eigene Seele in der Gestalt einesleuchtenden Krystalls. — Der Bildhauer Blake zog sichsehr oft an das Meeresufer zurück, um mit Moses, Virgil,Homer, Milton sich zu unterhalten, die er früher gekanntzu haben glaubte, und sagte denen, welche ihn nach demAussehen derselben fragten: „Es sind Schatten voll Ma-jestät, grau, aber glänzend und viel größer, als es ge-meiniglich die Menschen sind." — Sokrates wurde beiseinen Handlungen von einem Genius beraten, der, wieer sagte, besser als zehntausend Lehrer war; oft benach-richtigte er die Freunde von dem was sie thun oder nichtthun sollten, je nach den Belehrungen, die er darüber vonseinem „Dämon" erhalten hatte. — Palestriua bildete sichein, wenn er komponierte, daß er die Gesänge eines un-sichtbaren Engels niederschriebe.

Der blühende, lebendige Stil aller dieser Großen, dieKlarheit, mit der sie ihre allerunsinnigsten Phantastereiendarlegen, wie die liliputanische Akademie oder die Schreckendes Tartarus, zeigen an, daß sie mit der Zuversicht desVerblendeten alles sehen und berühren, was sie beschreiben;kurz, daß in ihnen die Begeisterung mit dem Wahnsinnin ein und dasselbe Produkt verschmolzen wurde.

Einigen von diesen, wie Luther, Mabomed, Savona-rola, Molinos, und kürzlich erst dem RebellenhärtptlingTai-Ping, war diese falsche Auslegung der Begeisterungsehr nützlich, denn sie verlieh ihren Reden und Weissagungenjene Färbung der Wahrheit, die allein nur eine tiefe Über-zeugung geben kann, und der allein es gelingt, die gemeineUnwissenheit zu erschüttern und zu leiten; in diesem Punkteberühren sich die Wahnsinnigen von Genie mit den abge-droschensten Narren.

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