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Genie und Irrsinn in ihren Beziehungen zum Gesetz, zur Kritik und zur Geschichte
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Genie und Irrsinn.

den bedeutendsten Genies vernachlässigt wurden, zu ent-decken, und so ein neues Licht auf die Dinge zu werfen."

Man findet diese Tendenz auch bei vielen, die wederGenie noch Talent haben; sie schlagen neue Wege einbei Prüfung der Sachen, und entfernen sich dabei vonder gewöhnlichen Heerstraße. Auffallend ist die Unab-hängigkeit, mit der einige von ihnen diese Untersuch-ungen vornehmen, sodaß Probleme der Mechanik, Beweiseund Begebenheiten, die der gewöhnliche Denker mit her-kömmlicher Ehrfurcht verhüllt läßt, fast ganz klar werden;deshalb sind sie auch Ketzer im Glauben, doch sehr oftwankelmütige, weil sie leicht von einem Extrem zum andernüberspringen; oder, durch die Kraft eines festen Glaubensbestärkt in der von ihnen erfaßten Überzeugung, entwickelnsie einen brennenden Eifer, der kein Hindernis beachtet,indem sie die Zweifel, die dabei dem ruhigen, skeptischenDenker sich aufdrängen, nicht sehen. — Sie find deshalboft Reformatoren.

Wohl verstanden, sie schaffen nichts plötzlich, unver-mutet, sondern sie geben nur den Ausschlag für die ver-borgenen Anregungen, die von der Zeit und den Um-ständen vorbereitet sind; sowie sie auch, dank ihrer Leiden-schaft für das Neue und Absonderliche, fast immer nach denäußersten Entdeckungen oder Neuerungen trachten (s. o.).So schrieb Schopenhauer zu einer Zeit, in welcher derPessimismus, vermengt mit Mysticismus und Emphase,anfing Mode zu werden, und er that nichts weiter, alsalles dieses in ein philosophisches System zusammenzu-schmelzen. (Siehe Lidot, a. a. O.)

Luther nahm die Ideen vieler Zeitgenossen und Vor-gänger wiederauf; — cs genügt, an Savonarola zu erinnern.

Wenn diese Ideen allzusehr unverträglich sind mit denin den Völkern vorherrschenden Meinungen, oder allzuwidersinnig, so fallen sie mit ihrem Urheber, und ziehendiesen sehr oft mit sich in ihren Fall.