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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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496 Gruppe III. Chemische Industrie.

unterdrückte und die oben berührte Destillation im überhitzten Wasser-dampfe an die Stelle setzte, gelangte Mil ly zu einem Verfahren, wel-ches die Färbung der festen Fettsäuren, sowie die Zerstörung von Oel-säure vermeiden und die Destillation für einen Theil derselben ent-behrlich machen soll. Nach Fourcade 1 ) erhitzt er die Fette auf 120°,lässt 6 p. C. Schwefelsäure von 66° B. zufliessen, mischt und verdünntnach zwei Minuten mit kochendem Wasser. Die völlig gewaschenenFettsäuren werden zwei Mal gepresst und liefern dabei einerseits weisse,direct brauchbare Presskuchen, andererseits eine gefärbte Oelsäure,welche für sich der Destillation unterworfen wird. Dieses Verfahrensoll die Vortheile zweier Methoden vereinigen, insofern es grössereGesammtairsbente an Kerzenmaterial liefert, als die Kalkverseifungund der nicht destillirte An theil der fetten Säuren die vorzüglicheBeschaffenheit der in Autoklaven erhaltenen Stearinsäure besitzt.

Indess ist es schwer, ein Verständniss für Millys Methode zugewinnen, wenn man nicht zwischen den Zeilen lesen und anuehmenwill, dass Operationen, welche nur angedeutet sind, eine Hauptrollebei derselben spielen. Man wird sich zunächst fragen, wie denn6 p. 0. Schwefelsäure 2 ) verseifen, also unter Aufnahme von Wasserspalten können, falls nicht das Erwärmen des Fettes durch Einleitenvon Wasserdampf vorgenommen wird. Und ferner, ob die 6 p. C.somit bereits verdünnter Schwefelsäure noch im Stande sind, Sulfo-glycerinsäure, oder gar, wie von anderen Seiten angenommen wird,Sulfooleinsäure zu bilden. Erinnert man sich dann der Erscheinungen,die eintreten, wenn man Fette mit Schwefelsäure und hierauf mitWasser vermischt 3 ), so liegt es nahe, anzunehmen, dass obiges Ver-dünnen mit kochendem Wasser und das darauf folgende Waschen sogeleitet werde, dass bei diesen Operationen noch eine Verseifung ein-treten kann, oder aber, dass das Neutralfett durch die kurz andauerndeBehandlung mit der concentrirteren Säure eine Veränderung erlittenhabe und in Folge derselben schon durch Wasser allein zerlegbar ge-worden sei. Die erstere Ansicht findet eine Stütze in älteren, vonStas 4 ) ausgeführten Versuchen, die andere wird aufs Lebhafteste vonBock 5 ) vertheidigt.

B Rapports du jury international, Baris 1868, VII, 170. BalardsBericht: Bull. soc. dEncourag. 1867, 549; Wagn. Jahresber. 1867, 694.

2 ) Nach der Formel C 3 H 6 .0 3 . (C 18 H 35 0 ) 3 -)- H 2 .0 2 . S 0 2 würden 11 p. C.

Schwefelsäure erforderlich sein. 3 ) Mit Schwefelsäure in der Wärme ver-mischtes Fett klinn mit kleinen Mengen Wasser versetzt werden, ohne dasssich zwei Schichten bilden. Bei Zusatz von mehr Wasser gelingt es leicht,einen Theil der Schwefelsäure fortzuwaschen, aher bevor alle. Säure entferntist, tritt eine Emulsionsbildung ein, und erst durch wirkliches Kochen wirddie Sonderung der Fettsäuren von der unteren sauren Lösung erreicht.

4 ) Stas, a. a. O. 6 ) J. C. A. Bock, Dingl. pol. J. OCYIII, 229; Wagn. Jahres-