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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
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Organische Säuren.

Yon Dr. Rudolf Biedermann und Dr. Oscar Doebner

in Berlin.

Diejenigen Kohlenstoffverbindungen, welche die Gruppe CO. OH,die Carboxylgruppe, in ihrem Moleeul enthalten, bezeichnet man mitdem Namenorganische Säuren. Charakteristisch ist es für dieseKörper, dass sie das Wasserstoffatom der Carboxylgruppe mit Leichtig-keit gegen Metalle oder Alkoholradicale auszutauschen vermögen, umSalze oder zusammengesetzte Aether zu bilden. Diese Eigenschaft theiltmit ihnen in geringerem Maasse eine andere Classe von Körpern, welchesich von denPhenolen ableiten, Verbindungen, in denen der Wasser-stoff einer nicht mit CO, sondern mit C verbundenen Hydroxylgruppe(OH) durch Metall ersetzbar ist. Sobald negative Elemente oder Ra-dicale, wie z. B. die Nitrogruppe, in das Moleeul dieser Körper eintreten,gelangen die sauren Eigenschaften derselben noch stärker zum Aus-druck, und so kommt es, dass oft, besonders im gewöhnlichen Leben,Körper mit dem Namen Säuren bezeichnet werden, die nach unsereroben gegebenen Begriffsbestimmung gar keine Säuren sind. Man pflegtdas Phenol Carbolsäure, das Trinitrophenol Pikrinsäure zu nennen,obgleich in keiner dieser Verbindungen die Carboxylgruppe vorhan-den ist.

Eine Anzahl von organischen Säuren liefert uns das Pflanzenreich,diese geheimnissvolle Werkstatt, in welcher die primitiven organischenVerbindungen gebildet werden Die Verbreitung der Säuren im Pflanzen-reiche ist eine ungleich ausgedehntere als die der basischen Körper,welche in der Mehrzahl der Pflanzenfamilien fehlen, während Säurenwohl in jeder Pflanze anzutreffen sind. Hier stellt uns die Natur dieSäuren oft in solcher Menge zu Gebote, dass ihre Isolirung ohne zugrosse Schwierigkeiten auszuführen und dadurch die Möglichkeit einerVerwerthung ihrer nützlichen Eigenschaften gegeben ist. Die meisten

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