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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Die Industrie der Fettkörper und das Glycerin.

Bereits im Jahre 1862 war bei Roubaix-Jenar und Janessensin Cureghem bei Brüssel ein Schnellverseifungsverfahren wie das, wel-ches Millys Namen trägt, im Gebrauch. Man liess 3 3 /4 bis 4 p. C.Schwefelsäure, -vorher auf 100° erwärmt, langsam in ein auf 110 bis115° warmes Gemenge von gleichen Theilen Talg und Palmöl fliessen,rührte 10 Minuten, liess absitzen, goss vom Theer ab in 2 / 3 VolumWasser und kochte zwei Stunden. Stas constatirte nun durch wieder-holte, im grossen Maasstabe ausgeführte Versuche, dass die einfacheBerührung zwischen Fett und Säure unter diesen Umständen nicbthinreicht, die Verseifung zu bewirken, dass aber die unvollständigzersetzte Masse durch anhaltendes Kochen mit Wasser und Säure sichin genügender Weise zerlegen lässt. Er erzielte eine vollständige Ver-seifung, als er 1000 Kg Fett, aus gleichviel Talg und Palmöl gemischt,mit 10 p. 0. Schwefelsäure von 40 B., was 48 p. C. von 66° ent-spricht, acht Stunden auf 115° erwärmte und dann mit 1 j i VolumWasser zwei Stunden kochte. Die Bildung von Theer liess sich nichtganz vermeiden, aber doch auf 185 p. C. reduciren, nur die nach-folgende Destillation der Fettsäuren bewirkte noch einen Verlust von5 p. C., so dass die Gesammtausbeute nicht über 91'7 p. C. stieg.

Während also nach Millys Meinung, der Beschreibung seinesVerfahrens nach zu urtheilen, die Verseifung bereits durch das Ver-mischen mit Schwefelsäure bewirkt wird, beginnt sie nach Stas hier-bei und muss durch das Kochen mit der verdünnten Säure vervoll-ständigt werden. Bock geht noch einen Schritt weiter, nach ihm istdie gesäuerte Fettmasse noch unverändertes Neutralfett, welches wederSulfosäuren noch überhaupt freie Fettsäuren enthält und welches sichdurch sorgsames Waschen mit lauem Wasser von aller Schwefelsäurebefreien lässt. Doch unterscheidet sich das so behandelte Neutralfettvom ursprünglichen dadurch, dass es durch Kochen mit Wasser und5 p. C. Schwefelsäure in offenen Gefässen im Laufe weniger Stundenvollständig zerlegt wird. Die Erklärung für dieses Verhalten glaubtBock durch die Annahme gefunden zu haben, alles thierische oderPflanzenfett bestehe aus mikroskopischen Kügelchen, deren Hülle denVerseifungsprocess verhindere, so lange sie nicht gelöst oder verkohltist. Die Hülle sei bei den Thierfetten aus Fibrin, Gelatin und Albu-min, bei den Pflanzenfetten aus Cellulose gebildet. Die Säuerung derFette mit concentrirter Schwefelsäure bewirke nun eine Verkohlungder Hüllen und mache ihren Inhalt der Einwirkung des sauren Was-sers zugänglich. Demnach seien auch die Fettsäuren des rationell aus-geführten Schwefelsäureverfahrens nicht durch ihre eigenen Zersetzungs-

ber. 1873, 871. Compt. rend. LXXX, 1142 und briefl. Mittheil. Einenvorläufigen Bericht über Bocks Verfahren giebt Carpenter, Dingl. pol. J.CCIV, 560; Wagn. Jahresber. 1872, 835.

Wiener Weltausstellung. III. i, 2.

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