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Die Industrie der Fettkörper und das Glycerin.
offen tlichte, geht hervor, dass bis dahin eine süddeutsche Fabrik imWesentlichen nach Tilghman’s Methode gearbeitet, aber selbst bei14 Atmosphären Druck und 7- bis lOstündiger Arbeit keine genügendvollständige Zersetzung des Talgs erzielt hatte, und dass sie dadurch,sowie durch die mit dem Hochdruckverfahren verbundenen Gefahrenveranlasst wurde, zur Schwefelsäureverseifung überzugehen.
Wird die Einwirkung des überhitzten Wassers mit einer Destil-lation im überhitzten Wasserdampf verbunden, so ist die Zerlegungder Fette eine vollständige, aber das Product, insbesondere die Olein-säure,'nicht von derselben Güte, wie die durch Kalkverseifung ge-wonnene. Dieses von Wilson und Payne 1 ) eingeführte Verseifungs-verfahren verdankt der Benutzung des Palmöls seine Entstehung undist unseres Wissens nur in den Beimont Works der Price’s Patent CandleCompany zu Battersea (London) vorübergehend angewandt worden. Vielhäufiger lässt man, wie es auch' gegenwärtig in der eben genannten Fabrikgeschieht, der Destillation eine Behandlung mit Schwefelsäure voraus-gehen. Man hat dann die sogenannte Schwefelsäureverseifung vor sich,welche aber in den verschiedensten Formen ausgeführt wird und aufwelche sich die Mehrzahl der in dem letzten Jahrzehend bekannt ge-wordenen Verbesserungen und Erörterungen bezieht.
Frankreich und England schreiben beide sich die Ehre der Ent-deckung dieses Verfahrens zu, jenes indem es auf Arbeiten vonFremy, Melsens und Dubrunfaut 2 ) sich beruft, dieses mit mehrRecht, indem es die Patente aufzählt, welche Jones, Wilson undGwynne 3 ) erhielten. Sicher ist, dass man anfangs in beiden Ländernsehr grosse Mengen Schwefelsäure anwandte und diese viele Stundenmit dem Fett in Berührung liess, dadurch dann aber nicht allein dasGlycerin, sondern auch einen Theil der Fettsäuren, insbesondere derOelsäure, zerstörte. Zu Anfang der fünfziger Jahre war man in denPrice’s Patent Candle Works 4 ) auf 5'5 p. C. Schwefelsäure herunter-gegangen, aber liess diese Säure bei 170 bis 176° auf das Palmöl ein-wirken und erhielt eine feste schwarze Masse, welche gewaschen undunter Einleiten von überhitztem Dampf bei 290 bis 300° destillirtwurde. Man erhielt erste Producte, welche direct zu Kerzen verwandt,spätere, welche gepresst oder nochmals destillirt wurden. Währendman nun in der genannten Fabrik eine Zeit lang die Schwefelsäure ganz
l ) G. F. Wilson u. G. Payne, Patent vom 24. Juli 1854,
Nr. 1624. 2 ) Rapports du jui - y international, Paris 1868, VIII, 386.
3 ) W. C. Jones u. G. F. Wilson, Patent vom 8. Dec. 1842, Nr. 9542. —G. Gwynne u. G. F. Wilson, Patent vom 28. Dec. 1843, Nr. 10000;vom 20. Mai 1844, Nr. 10 191. — G. F. Wilson, G. Gwynne u. J. P. Wil-son, Pateut vom 31. Oct. 1844, Nr. 10371. 4 ) Londoner Ausstellungs-
bericht III, 492; Ch. H. Schmidt, Kerzenfabrikation, Weimar 1863, 273.