Stärkemehl-Industrie.
Von Dr. 0 . Scheibler,
Director des chemischen Laboratoriums des Yereins für die Rübenzucker-Industriedes deutschen Reiches.
Die technische Gewinnung des als Pflanzenbestandtheil allgemeinverbreiteten Stärkemehls hat in dem letzten Decennium vielfache Ver-besserungen erfahren und eine immer grössere Verbreitung gefunden.Auch sind unsere wissenschaftlichen Kenntnisse über die Natur diesesder Cellulose am nächsten stehenden Kohlehydrats von der Zusammen-setzung C 6 H 10 O 5 vielfach erweitert worden und sollen die hierherzählenden Untersuchungen und Forschungen zunächst Erwähnung fin-den, ehe die technischen Fortschritte in der Stärkefabrikation zur Be-sprechung gelangen.
Die neueste und eingehendste Erforschung der Natur der Stärke-mehlkörner rührt von W. Nägeli 1 ) her, und da derselbe bei seinerArbeit nothwendig alle früheren zum Theil widerspruchsvollen An-gaben Anderer zu prüfen hatte, so erscheint es bei der hohen Wich-tigkeit gerade dieser interessanten Arbeit zweckmässig, hier die haupt-sächlichsten Thatsachen und Schlüsse aus derselben allen anderweitigenMittheilungen voranzusetzen.
Nägeli, von dem schon eine frühere Arbeit über diesen Gegen-stand vorliegt 3 ), zeigte, dass die Stärke, wie wir sie in den Stärke-körnern haben, aus einer Reihe von Modificationen besteht, deren Ver-halten er wie folgt schildert:
3 ) Walter Nägeli, Beiträge zur näheren Kenntniss der Stärkegruppe(Leipzig bei Engelmann). Auszüge: Ann. Chem. Pharm. CLXXIII, 218;Pol. Centralbl. 1874, 1297; Chem. Centralbl. 1874, 809. 2 ) Sitzungsberichte
der bayer. Akad. 1863, Heft 3; Chem. Centralbl. 1865, 494.