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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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484 Gruppe III. Chemische Industrie.

dieselben "Wirkungen veranlasst wie das von der Natur erzeugte Al-kaloid.

Boldin nennen Bourgoin und Verne 1 ) das Alkaloid, welchessie in den Blättern von Boldoa fragans , einer Monimiacee, auffanden,die in Chili gegen Leberkrankheiten bei Menschen sowohl wie beiSchafen Verwendung finden. Es ist, nach der Methode von Stas dar-gestellt, farblos, amorph, löst sich leicht in Aether, Chloroform undWeingeist und färbt sich mit Schwefelsäure und mit Salpetersäure roth.

Bigaud und Leconte hatten dieses Alkaloid ausgestellt, dasaber noch nicht ganz rein zu sein schien. Ob es der wirksame Be-standtheil der Boldo genannten Blätter ist oder ob diese Heilkraft demätherischen Oele zukommt, von welchem das Boldo beträchtliche Mengenzu enthalten scheint, das wurde bis jetzt noch nicht ermittelt.

Aconitin wurde von Duquesnel 2 ) krystallisirt erhalten, indemer zur Darstellung dieses Alkaloids ausgesuchte gepulverte Aconit-wurzel (von Aconitum Napellus ) mit starkem Alkohol unter Zusatz von1 p.C. Weinsäure auszog, den Alkohol bei 60° beseitigte, den Rück-stand in Wasser aufnahm, die klare, von fetten nnd harzigen Theilenbefreite Lösung mit Natriumbicarbonat im Ueberschuss versetzte undmit Aether extrahirte. Aus letzterer Lösung krystallisirt das Aconitinnach Zusatz von Petroläther in rhombischen oder durch Abstumpfungder spitzen Winkel sechsseitigen Blättchen. Es löst sich in Säurenleicht auf, damit meist krystallisirende Salze bildend. Alkalien fällenes aus den wässerigen Lösungen der letzteren weiss, amorph, pulverigund leicht. Alkohol, Aether, Benzol und namentlich Chloroform lösenes leicht, nicht dagegen Petroläther. Die kleinste Menge Alkaloidoder eines seiner Salze veranlasst, auf die Zunge gebracht, ein sehrcharakteristisches Gefühl von Jucken und Prickeln. Nach Gr eh an t undDuquesnel 3 ) ist das krystallisirte Aconitin äusserst giftig, indem es,auf die peripherischen Endungen der Nerven einwirkend, die motorischeFähigkeit der letzteren vernichtet.

Nicht mit dem Aconitin ist das Pseudaconitin oder Nepal in zuverwechseln, welches in den Knollen des im Himalaya und in Nepaleinheimischen Aconitum ferox enthalten ist. Diese Knollen werdenunter dem Namen Bikh oder Ativisha nach England gebracht, wo siezur Darstellung von Aconitin Verwendung finden. Doch darf nichtunerwähnt bleiben, dass in England zur Darstellung des Aconitinsauch die Knollen von Ac. Napellus angewandt werden und daher dieBezeichnungenglisches Aconitin keineswegs bedingt, dass es dasanders wirkende Pseudaconitin sei. *

J ) Bourgoin und Verne, N. Jalirb. f. Pharm. XXXIX, 27. 2 ) Du-

quesnel, Ann. Chem. Pharm. CLX, 341. s ) Duquesnel, Ann. Chem.Pharm. ( LX, 344.